Kepes, György, ungar.-amer. Maler, Fotograf, Designer, Filmemacher, Lehrer, Kunsttheoretiker, *4.10.1906 Selyp, †29.12.2001 Cambridge/Mass. Verh. mit der Grafikerin Juliet Appleby.
Kepes, György
Stud.: 1924-28 HBK Budapest bei István Csók, János Vaszary. Ab 1928 Mitgl. des Munka (Arbeits)-Kreises von Lajos Kassák, lernte dort die Ideen der Avantgarde kennen, großer Einfluss der bed. Persönlichkeiten der sowjet. Filmkunst, Sergej Michajlovič Ėjzenštejn und Dziga Vertov. Im selben Jahr stellt er zus. mit and. Csók-Schülern in der KH auf der Schau Progresszív fiatalok (Progressive Jugend) aus, die wegen ihrer Linksorientierung und Avantgarde für großen Wirbel sorgte. Stellte 1929-30 als junger Maler der Neuen Ges. der Bild. Künstler in der Tamás Gal., dann im Nat.-Salon mit Sándor Trauner, Ernő Schubert und Dezső Korniss aus. 1930 auf Aufforderung von László Moholy-Nagy Reise nach Berlin, wo er zahlr. Künstler kennen lernte, die die Ideen des Bauhauses vertraten. Als Ergebnis der neuen Eindrücke malte er bis zu den 1950er Jahren überhaupt nicht mehr; sein Interesse wandte sich bereits in Ungarn den neuen Medien, dem Film und der Fotogr. zu. In Berlin verdiente er seinen Unterhalt mit Arbeiten der angew. Grafik, fertigte linksorientierte politische Grafiken, u.a. für den Verlag Rote Hilfe, beschäftigte sich mit Fotogr., Filmprojekten, Ausst.-Organisierung. Folgte 1936 L.Moholy-Nagy nach London, wo er seine spätere Frau kennen lernte. Wurde 1937 auf Aufforderung von L.Moholy-Nagy Lehrer des New Bauhaus in Chicago, Leiter der Farb- und Licht-Abteilung. Mit einem eig. Programm spielte auch er selbst eine bed. Rolle bei der Verbreitung der Bauhaus-Ideen in den USA. Lehrte 1939-43 im Nachfolger des New Bauhaus, der School of Design, 1946-80 am Archit.-Lehrstuhl des Massachusetts Inst. of Technology. Erarbeitete in der 1.H. der 1960er Jahre das Programm eines Inst., das die Zusammenarbeit von Wissenschaftlern und Künstlern ermöglichte, gründete 1967 daraufhin das Center for Advanced Visual Studies, dessen Dir. er bis zum Eintritt in den Ruhestand 1974 war. Aus den Vertretern verschiedenster Wiss.- und Kunstzweige bildete er hier Arbeitsgruppen, die mit der Erschaffung von umweltbewussten, ökologischen Kunstwerken auf die Herausforderungen der Zeit reagierten. 1989 Schenkung eines bed. Teil seiner Werke an das Land Ungarn; in Eger wurde 1991 das Kunstzentrum bzw. zunächst eine ständige Ausst. seiner Werke eröffnet. Preise: 1940 Dipl. des Amer. Inst. of Graphic Arts; 1940, '42 Preis der Soc. of Typogr. Arts; 1949 Ausz. des Amer. Inst. of Graphic Arts; 1952 Mitgl. der Amer. Acad. of Arts and Sc.; 1954 Stip. der Rockefeller Found. für seine Studie The Perceptual Form of the City (mit Kevyn Lynch); 1954, '56 Preis des Boston Arts Festivals; 1959 Dipl. des Philadelphia College of Art; 1959-60 Guggenheim-Stip.; 1960 Compasso d'Oro, Mailand; 1962 Silber-Preis für Wandmalereien, Ausst. für Archit., Amer. Inst. of Architects; 1965 Golden Star Award, Philadelphia College of Art; Preis des Burpee AM, 50. Kunst-Ausst. der Vereinigten Staaten; 1966 Gold-Med., XV Convegno Internaz, Artisti Critici e Studiosi d'Arte, Rimini; 1968 Mitgl. des Nat. Inst. of Arts and Letters; FA Medal, Amer. Inst. of Architects; Preis des California College of Art; Jahres-Preis der Nat. Assoc. of Art Colleges; 1970 Ehren-Prof. der Fakultät für Archit. der Univ. Mexico; 1971 Ehrendoktor der Carnegie Mellon Univ.; 1972 Ehren-Mitgl. der Soc. of Typogr. Arts; 1.Preis, Bien. Coltejer, Medellín; 1974-75 Artist-in-residence, Amer. Acad. in Rom; 1976 Andrew W. Mellon Prof., Rice Univ., Houston; 1978 Louis D. Beaumont Prof. of Art, Washington Univ., St.Louis; Walker-Ames Prof., Univ. of Washington, Seattle; 1986 Fahnenorden der Ungar. Volksrepublik. 1982 wurde im MIT das Kepes-Stip. gestiftet. - K. verstand das Sehen v.a. als einen Akt des Kennenlernens, interpretierte die künstlerische Arbeit als höchste Form des Bildschaffens. Im Sinne dieses Gedankens kam er von den Werken der Anfangsjahre, die die trad. Mittel der Malerei mit den Möglichkeiten der Collage verschmolzen und "Reichtum und wahrnehmbare Vielfältigkeit der sichtbaren Welt erforschen", zum Film und zur Fotogr., in denen er eine "ausgedehnte und effektive Sprache", die Chance "zur Ausbildung des neuen Weltbildes", eine visuelle Kommunikation für die Massen, die das Leben verbessern soll, fand. Die Fotogr. war für K. ein Experimentierfeld, mit dessen Hilfe die Erfahrung direkter, relevanter werden könnte. Ab 1937 führte er im New Bauhaus Licht- und Farbversuche durch. Hielt in seinen Fotogrammen mit dem Licht verbundene technische und Naturerscheinungen fest und stellte ihr immanentes Proportions- und Formsystem dar. Untersuchte das Phänomen der Transparenz und mit ihr zusammenhängend die Fluktuation des Raumes, die Verschmelzung von versch. räumlichen Aspekten durch Aufeinanderprojektion mehrerer Bilder. Weiterhin interessierten ihn die Wechselwirkung des aus versch. Quellen entspringenden Lichts, die dynamische bildgestalterische Kraft der Formen, die Rolle der Tonwerte in der Raumgliederung und in der Erzeugung der Raumspannung, die Bedeutung von Schärfe und Unschärfe in der Raumbildung, die Wirkung der Textur als Sinnenreiz und die dynamische Wirkung der Lichtreflexionen und der künstlichen Beleuchtung. Beschäftigte sich mit Fotogrammen bis in die 1980er Jahre, fertigte 1984 im Auftrag des Polaroid-Unternehmens eine farbige Ser. mit einer bes. großen Polaroidkamera (60,9×50,8 cm). Die R. seiner Wand-Arbeiten begann E. der 1940er Jahre, er stand mit bed. Architekten und Designern wie Walter Gropius, Alvar Aalto, Pietro Belluschi oder Marcel Breuer in intensiver Verbindung. Als kühner Erneuerer zog er die Aufmerksamkeit mit dem Gebrauch unterschiedlichster Techniken und Mat. (Glas, Mosaik, Email-Wandbild, Lichtwand) auf sich. Als Ergebnis seiner Experimente mit Licht, Farbe und Bewegung entstand bereits an der Wende der 1940er-50er Jahre eine große, kinetische Lichtwand (Radio Schack, Boston); seine 1959-60 am New Yorker Sitz der Flug-Ges. KLM aufgestellte, 18x7 Meter große Lichtinstallation ist eines der wichtigsten Werke der kinetischen Kunst. Weitere bed. kinetische Werke stammen aus den 1960er-70er Jahren (The Night View of the Town, für die Trienn. Mailand 1968, mit T. McNulty, O. Stevens; Photoelastic pavement, Cambridge, 1970; Garden of Flames, in dem das Spiel der Gasflammen dem Rhythmus der Musik folgte, Cambridge, 1971, mit Maurizio Bueno, William Walton und mit dem Komponisten Paul Earls; Projected Magnetic Fields, Cambridge, 1973). Ab A. der 1950er Jahre kehrte K. auch zu den trad. Möglichkeiten des Tafelbildes zurück. Seine Gem. mit reicher Faktur und Collagen, die das Verhältnis von Licht und Schatten erforschen, lehnten sich an die surrealistischen Tendenzen der ungar. Schule von Szentendre an. Seine graf. und typogr. Entwürfe und Ausst.-Installationen wollten die Ergebnisse von Kunst und Wiss. integrieren. 1949 entwarf er mit seiner Frau auf Aufforderung des Life-Mag. ein komplettes Kinderzimmer für seine Tochter. Seit den 1960er Jahren erkannte er die Schäden, die die industrielle Zivilisation anrichtet, und die Gefährdung der großstädtischen Kultur und trieb die Verwirklichung von Projekten voran, die die ökologische Entwicklung ganzer Siedlungen, sogar Regionen beeinflussten. Als Lehrer, Autor und Organisator wurde er von dem Willen geleitet, einen engen Kontakt zw. Kunst und Leben sowie Kunst und Wiss. herzustellen. Er widmete sich der Ausb. eines Wissens, das den Betrachter und seine Umwelt verändert.
Öff. Raum:
Language of Vision, Chicago 1944; The Visual Arts Today, Middletown 1960; Education of Vision, N.Y. 1965; The Nature and Art of Motion, N.Y. 1965; Structure in Art and Sc., N.Y. 1965; Module, Proportion, Symmetry, Rhythm, N.Y. 1966; Sign, Image, Symbol, N.Y. 1966.
Solo exhibitions:
1939 Grand Rapids AM / Chicago: 1939 Katherine Kuh Gall.; 1944 Art Inst. of Chicago / 1951 Manchester (N.H.), Currier Mus. of Art / Boston: 1951, '55, '63 Margaret Brown Gall.; 1954 Inst. of Contemp. Art; 1959, '60, '62, '63, '65, '66 Swetzoff Gall.; 1968-2006 Alpha Gall.; 1973 Mus. of Sc.; 1977 Vision Gall. / 1952, '54 San Francisco, MA / 1953 Lincoln/Mass., DeCordova Mus. / 1976 Wien, Künstlerhaus (K) / 1977 Berlin, Bauhaus-Arch. Mus. für Gestaltung (K); 1977 Hanover (N.H.), Dartmouth College / 1978 Seattle, Univ. of Washington, Henry AG / 1979 Wichita, AM. / 1986 Szombathely, Képtár / 1991 Provincetown, Art Assoc. and Mus. (K: V.Boghosian) / 2008 Debrecen, MODEM.
Thieme-Becker, Vollmer, and AKL:
Vo3, 1956
Other encyclopedias:
Krichbaum, 1981; ContempDesigners, 31997; KMML II, 2000; Dict. mondial de la photogr., P. 2001; H.-M. Koetzle, Das Lex. der Fotografen, M. 2002; R.Mißelbeck (Ed.), Prestel-Lex. der Fotografen, M. u.a. 2002; Révai Új Lex., XI, Szekszárd 2003; R.Lenman (Ed.), The Oxford companion to the photograph, Ox./N.Y. 2005.
Printed sources:
G.Clemens, Arts and Archit. 1945(Apr.); H.Read, ibid. 1954(Mai); G.Dorfles, Domus 1958, 340; H.Selem, Civiltà della Macchina 6:1958(3/4); D.Davis, Art in America 56:1968(1); Interview von J.Yallart, Arts Mag. 1970(Mai); J.Benthall, Art Internat. 1975(Jan.); Interview von É.Körner, Kritika 1980(1); Tisztelet a szülőföldnek (K KH), Bp. 1982; Designers internat. index, I, Lo. u.a. 1991; A.Csáji, ÚjMűv 3:1992(11)46-48, 74 s.; L.Lengyel, K.Gy. művészete (K), Eger 1992; Wilhelmi, 1996; L.Lengyel, ÚjMűv 8:1997(7/9)4-8; K.Kincses, Fotografi made in Hungary, Mi. 1998; Amer. abstract art of the 1930s and 1940s. The J. Donald Nichols Coll. (K Wake Forest Univ.), Winston-Salem, N.C. 1999; Zs.Bacsó, MűvÉrt 49:2000(3/4)59-69; Wilhelmi, 2001; A.Bán, Új Magyar Építőművészet 2002(1)31 (Nekr.); P.Weibel (Ed.), Beyond Art: A Third Cult. (K), Wien 2005.
Kepes, György, ungar. Maler u. Kstschriftst. (Prof.), *1906 Selyp, Ungarn. Stud. an d. Akad. in Budapest 1924/29. Seit 1937 in den USA am Inst. of Design in Chicago unter Moholy-Nagy; Leiter d. Abteilg für Licht u. Farbe. 1946 Prof. am Massachusetts Inst. of Technology (Abteilg für Architektur u. Stadtplanung). 1952 Mitgl. d. Amer. Acad. of Arts a. Sciences. Arbeitet mit Moholy-Nagy an Film- u. Theaterprojekten. Wandbild für das von Gropius erbaute Studentenwohnheim an d. Harvard Univ.; Porzellanwandbild f. d. Jugendbibliothek in Fitchburg, Mass. (Außenwand). - Buchwerk: Language of Vision. 1944; 7. Aufl. 1954. Lit.: Kat. Internat. Sezession 1954. Ausst. Städt. Mus. Schloß Morsbroich Leverkusen 3.8./11.9.1954, m. Abb. - The Art Index (New York), 1942ft.