Klint, Hilma af, schwed. Malerin, *26.10.1862 Schloss Karlberg bei Stockholm, †21.10.1944 Djursholm bei Stockholm.
Klint, Hilma af
Ihre künstlerische Ausb. erhielt sie bei der Stockholmer Technischen Schule, im Atelier von Kerstin Cardon und 1882-87 an der Stockholmer Kunstakademie. Schülerin ebd. von Georg von Rosen, August Malmström und Per Daniel Holm. Wohnhaft in Stockholm, Helsingborg, Lund und wieder Stockholm. Unternahm viele Studienreisen ins Ausland. Seit 1887 hauptsächlich tätig als Lsch.- und Porträtmalerin. Mit diesen Werken, die in der vorherrschenden akad. Trad. ausgeführt sind, war sie zu ihrer Lebenszeit bek. und nahm an Ausst. teil. K. zeigte früh Interesse für das Spirituelle. Schloss sich 1896 der geistigen Séance-Gruppe De Fem (Die Fünf) an und nahm regelmäßig an Séancen teil. Als Medium erhielt sie von den geistlichen Lehrmeistern (schwed. "De Höga") den Auftrag, jenseitige "Bilder für den Tempel" zu malen, wobei Tempel als Metapher für geistige Entwicklung aufgefasst wurde. Insgesamt entstanden 193 Gem. dieser Art. Die Jahre bis 1906 waren Vorbereitungszeit für die spätere große Aufgabe, spirituelle abstrakte Bilder zu malen. 1906–41/'44 schuf K. über 1000 Gem, Aqu. und Skizzen und schrieb in über 100 Notizbüchern ihre erhaltenen medialen Botschaften und Aufträge nieder. Sie war Mitgl. der Teosophischen Ges. in Schweden (gegr. 1889) und später auch der Stockholmer Antroposophischen Gesellschaft. Die erste Begegnung mit Rudolf Steiner fand 1908 statt. Aufenthalte 1922, '24-26 und '30 in Dornach. Ihr Œuvre kann in vier Perioden eingeteilt werden: In der ersten Periode (1907-08) malte sie ausschl. als Medium, in der zweiten (1912-15) nur noch hälftig. In der dritten (1916-20) und vierten Periode (1920-41) entstanden Bilder aus ihrer eig. Erfahrung und ihren Einblicken in die astrale Welt. In der letzten Periode steht ihr Werk auch unter Einfluss der antroposophischen Bildtradition Rudolf Steiners. Ihr Werk ist entweder völlig nonfigurativ oder abstrakt. Die Bilder bestehen aus geometrischen Formen, Symbolen, Buchstaben, Zeichen und Fragm. aus der realen Welt. Bilderreihen werden nach unterschiedlichen Motivthemen benannt, z. B. Svanen/Der Schwan, 1914-15, 24 Bilder, ca 150 x 150 cm, Öl/Tempera auf Lw., Parcifal, 144 Aqu., ca 27 x 25 cm, Aqu./Tempera auf Papier, Atomen/Das Atom, 1917, 20 Aqu., ca. 27 x 25 cm, Aqu./Bleistift/Metallfarbe auf Papier. Diese Bilder waren zu ihren Lebzeiten nur einem sehr engen Kreis bekannt. Sie verfügte, dass diese Bilder erst 20 Jahre nach ihrem Tod gezeigt werden dürfen. Als einige Bilder 1986 in Los Angeles zum ersten Male öff. ausgestellt wurden, versetzten diese die internat. Kunstwelt in Erstaunen, stellten ihre Werke doch eine ganz neue, bislang unbek. Welt der abstrakten Kunst, abseits der großen Trad. von Wassily Kandinsky, Piet Mondrian und Kazimir Malevič dar. Teilw. sind K.s Bilder sogar früher als Kandinskys erste abstrakten Bilder entstanden. Mit der Entdeckung ihres Œuvres haben sich in der Geschichtsschreibung der abstrakten und nonfigurativen Kunst neue Perspektiven eröffnet, obgleich bisweilen die Nähe ihres Werkes zum Okkultismus kritisiert wurde. Ihr Werke gehören der Stiftung Hilma av Klints Verk (Järna/Södermanland) und sollen als Einheit aufbewahrt werden.
Solo exhibitions:
1988 Helsinki, Nordiskt Konstcentrum / 1989 New York, PS1; Reykjavik, Listasafn Islands; Moss, Galleri F15; Bergen, Bergens Kunstforening; Odense, Brandts klaedefabrik; Stockholm, MM / 1990 Göteborg, KH; Lund, KH / 1991 Odense, Fyns KM; Wien, Albertina / 1992 Graz, Kulturhaus; Passau, MMK / 1998 Södertälje, KH; Skövde, KH / 2010 Arnhem, MMK / 2013 Stockholm Mod. Mus. (K); Berlin, Hamburger Bahnhof; Málaga, Mus. Picasso Málaga / 2018-19 New York, Guggenheim / 2018-19 München, Lenbachhaus (mit Georgiana Houghton und Emma Kunz, K) / 2020 Malmö, Mod. Mus. / 2023 Den Haag, KM (mit Piet Mondrian) / 2024 Düsseldorf, KS NRW (mit Wassily Kandinsky) / 2024-25 Bilbao, Guggenheim. -
Group exhibitions:
1911 Stockholm, KA / 1914 Malmö, Baltiska utst. (beide mit trad. Bildern) / 1986 Los Angeles, KM / 1987 Chicago, KM; Den Haag, Gemeente-Mus.; Helsingfors, Amos Andersson mus. / 1988 Norrköping, KM; Oslo, Heine-Onstad kunstsenter; Reykjavik, Listasafn Islands; Odense, Brandts Klaedefabrik / 1995 Frankfurt am Main, Schirn / 2012 Södertälje, KH.
Thieme-Becker, Vollmer, and AKL:
Vo3, 1956
Other encyclopedias:
SvKL III, 1957; Konstlex., 1972; SvK, 1974; Dunford, 1990; NKKL, 1991; D.Gaze (Ed.), Dict. of women artists, II, Lo./Chicago 1997
Printed sources:
Ingelman, 1983; Å.Fant, Synpunkter på H. af K.s måleri, 1985; M.Tuchman, The Spiritual in Art. Abstract Paint. 1890-1985, (Los Angeles County Mus. of Art), N. Y. 1986; Å.Fant, Kring H. af K.s sekelskiftesmåleri, 1986; N.G. Heller, Women Artist, 1987; Å.Fant, H. af K.s hemliga bilder, 1988; id., H. af K. ockult målarinna och abstrakt pionjär, 1989 id., H. af K. Okkultismus und Abstraktion (K Albertina), W. 1992; J.Nolte, Mus. Mod. Kunst, Stiftung Wörlen Passau, Passau 2003; I.Müller-Westermann u.a., H. af K. Abstrakt pionjär/H. af K - Eine Pionierin der Abstraktion (Kat), B. 2013.
Online sources:
Dict. universel des Créatrices, 2023