Giovanni Dalmata (Dalmata, Giovanni; Giovanni di Stefano [de Stano] da Tra[h]u; Giovanni da Traù; Ioannes [Johannes] Duknovich [Duknowich] de Tragurio; Ivan Duknović; Johannes Stefani de Treuni de Almatia), Bildhauer, Architekt, *1440/45 Traù/Dalmatien (Trogir/Kroatien), †nach 1514 ebd. Sohn des Bildhauers bzw. Steinmetzen ("Lapicida") Stepan, bei dem er seine erste Ausb. erfahren haben dürfte.
Giovanni Dalmata
A. der 1460er Jahre kam G. nach Rom, dok. ist er erstmals zw. Dez. 1466 und Febr. 1467 in der Fabbrica di S. Marco, wo ihm Kapitelle zuzuweisen sind. G.s Hw. in seiner röm. Anfangszeit ist die Voll. des von Domenico da Capodistria für die Orsini um 1448 beg. Tempietto S.Giacomo in Vicovaro b. Tivoli. Von Pius II. 1461 als verlassene Baustelle beschrieben und mit besonderen Indulgenzen ausgestattet, muß der Bau, auch aus stilist. Gründen, vor G.s nächstem Werk in Norcia (1469 abgeschlossen) fertiggestellt worden sein. Ob der Auftrag über den istr. Baumeister vermittelt wurde oder ob G. in Rom schon so anerkannt war, daß er den Bau übertragen bekam, ist nicht bek., wahrsch. ist letzteres. G.s Anteil in Vicovaro umfaßt, neben Archit. und Ornamentik, 37 teils in Relief, teils vollplast. gearbeitete Skulpt., wobei sich der Skulpturenreichtum auch aus den noch in der Gotik verwurzelten Vorgaben von Domenico erklärt, von denen G. sich nicht freimachen konnte. In diesen Werken, die in großen Teilen ohne wesentl. Wkst.-Beteiligung geschaffen scheinen, zeigen sich die stilist. Ausdrucksmittel schon ausgeprägt: robuste, feste Gestalten in weiten, bauschige Falten werfenden und den Körper weitgehend verdeckenden Gewändern, die Gesichter ernst und individuell geprägt. Am Frühwerk in Vicovaro lassen sich zudem auch versch. vorbildhafte Einflüsse, sowohl in bildhauer. als auch in archit. Hinsicht, ablesen, v.a. Figurentypen von Filippo Lippi und Agostino di Duccio, die G. in seine eig., auch an Donatello geschulte Bildhauersprache übersetzt. Neben den Bildhauerarbeiten gehörte wohl auch die Fertigstellung der Archit. (und auch die Wölbung des Zentralbaus?) zu G.s Aufgaben. Die sich hieran anschließende Frage nach G.s weiterer Betätigung als Architekt läßt sich nur schwer beantworten, obgleich ihn eine (nicht zeitgen.) Quelle (Giuliano Saracini, 1675) als "architetto" bezeichnet. V.a. im Archit.-Ornament (vom Pal. Venezia bis zum Spätwerk in Ancona) ist G. zu fassen; ihm zuzuschreiben sind auch Kleinarchitekturen wie Portale, Grabmäler oder Tabernakel; darüber hinaus ist er aber wohl ausschl. Bildhauer gewesen. Anzunehmen ist, daß G. öfter von Rom nach Traù gereist ist. Das bezeugen nicht nur G.s Werke aus versch. Schaffensphasen in Traù, sondern auch die in Norcia/Umbrien, Ancona/Marken und Venedig (s.u.), also an der Adriaküste. Der Marienaltar in S.Giovanni Evangelista in Norcia (Vertrag v. 17.11.1469 erh.), dessen herausragende Stücke die Statuen von Joh.Ev. und Joh.Bapt. sind, steht eher den abseits von starker Konkurrenz entstandenen provinzielleren Werken nahe und ist somit auch ein typ. Beispiel für den von G. offenbar schon E. der 1460er Jahre erreichten Status des etablierten Künstlers, der, ähnl. wie manche seiner Berufsgenossen, in peripheren Gegenden auch schwächere bzw. Wkst.-Arbeiten abliefern konnte. In Norcia haben sich noch archit. Rahmen-Fragm. eines weiteren Altars bzw. Grabmals erh., die beim Mon. des 1645 verstorbenen Paolo Aemilio Fusconi in S. Benedetto wiederverwendet wurden. An diese Frühwerke schloß sich eine intensive Schaffensperiode in Rom an, in der G. gemeinsam mit Andrea Bregno und Mino da Fiesole zu den führenden Bildhauern zählte. Zunächst ist er wieder an der Bauhütte des Pal. San Marco zu finden. Das O-Portal mit seinem eigenwilligen, an antiken Soffittensystemen geschulten Dekorationssystem sowie das N-Portal, das sich an klass. Vorbildern wie dem Septimius-Severus-Bogen orientiert, sind ihm zuzuschreiben. Ein heute in den vatikan. Grotten aufbewahrtes Relief der Madonna mit zwei begleitenden Engeln ist eng mit der Portallünette in Vicovaro verwandt und in den frühen 1470er Jahren entstanden. Der bedeutendste Auftrag ist das Grabmal für Papst Paul II. (1464-71) in Alt-St.Peter, den G. gemeinsam mit Mino da Fiesole bis 1477 für Kardinal Marco Barbo, den Neffen des Papstes, ausführte. Die Zuschr. des archit. Entwurfs ist umstritten, doch deuten die eher röm. Strukturmerkmale in Verbindung mit der Verwendung des röm. (und nicht toskan.) Fußmaßes darauf, daß G. federführend war. Bei manchen Figuren, etwa der sign. Spes, zeigt der Bildhauer seine Befähigung, Emotionen mittels Mimik, Haltung und Gewand auszudrücken. Bestimmte Schwächen werden allerdings auch evident, sie betreffen die kompositionelle Gliederung, z.B. beim Auferstehungsrelief (das dem Vorbild des Luca della Robbia im Florentiner Dom folgt), sowie die Gest. komplexerer Bewegungen und Haltungen (Soldaten des Auferstehungsreliefs). Nahezu poet. Ausdruck mit ma. anmutendem Scheinrealismus kombiniert Die Erschaffung Evas, wobei die Aktfigur des schlafenden Adam durchaus mit zeitgen. Schöpfungen wie Andrea Verrocchios Schlafendem Jüngling (Berlin, SMPK) konkurrieren kann. Das Sakramentstabernakel von S.Marco wurde im Auftrag von Marco Barbo zeitnah zum Papstgrabmal und urspr. für die Grab-Kap. des Kardinals in der Apsisnische des rechten Querarmes ausgef. (ab ca. 1857 in der Sakristei). G.s Anteil betrifft die linke der beiden konkav geschwungenen und somit in die Apsisnische eingepaßten Tafeln mit dem Jakob- und Isaak-Relief sowie die Engelsfiguren und das Stifterwappen. Außergewöhnl. bei der erzähler. Darst. und von humanist. Verständnis zeugend ist die themat. Antikenrezeption, da als Vorbild des blinden Isaak eine antike Büste des blinden Sängers Homer verwendet wurde. Die Grabmäler der Kardinäle Bartolommeo Roverella (†1476) in S. Clemente (zus. mit Andrea Bregno) und Bernardo Eroli (†1479) in St. Peter bilden sowohl die reifen Höhepunkte als auch die letzten Werke von G.s erster röm. Phase. Das Roverella-Grabmal erweitert die Idee der konkaven Nischen-Archit., die beim Sakramentstabernakel von S.Marco angedeutet war, zu einer mon. Bühne, bei der die drei Ebenen der halbovalen Nische in einer vertikalen Achse miteinander kommunizieren. Das Ädikulamotiv selbst könnte von antiken Grabmalsarchitekturen angeregt worden sein. Das Grabmal Eroli (nur noch in den Hauptteilen in den Grotten von St.Peter erh.) legt dagegen für die zentrale Nische einen trapezförmigen Grundriß zugrunde, der wohl von der Kap. des Beato Giovanni Orsini, einem ab 1468 entstandenen Werk des Niccolò di Giovanni Fiorentino im Dom von G.s Heimatstadt Traù, beeinflußt ist. Die Grabfigur, die Wappenpostamente und die die Schrifttafel stützenden Putti des Grabmonumentes des Kardinals Giacomo Tebaldi (†1466) in S. Maria sopra Minerva müssen aus stilist. Gründen ebenfalls in der 2.H. der 1470er Jahre entstanden sein. Das knittrig, wie gehämmert wirkende Ornat sowie die feinen Gesichtszüge weisen auf die zeitl. Nähe der Figur zum Grabmal Eroli hin. Das Tebaldi-Mon. wurde wohl schon bald nach dem Ableben des Kardinals bei Paolo Romano in Auftrag gegeben, aber vor dessen Tod 1470 offenbar nicht vollendet. So bilden ältere Teile aus der Wkst. von Paolo Romano mit jüngeren G.s trotz manch gelungener Einzelheit ein wenig glückliches Konglomerat, das zudem durch die viel zu hohe Anbringung nach der Umsetzung um 1671 beeinträchtigt wird. Die Figuren dieser Phase zeigen nun große Sicherheit, die Oberflächen, beispielsweise bei Haar- und Bart-Gest., wirken trotz der feinen Bearbeitung wie in Ton skizziert und tragen zur Lebendigkeit der Figuren bei. Im Gegensatz zu Minos oder auch Bregnos Werken sind G.s Figuren (bes. die männlichen) oftmals kantig und unklass., er knüpft mit seiner "prontezza" hier an Donatello an. G.s Œuvre in den 1480er und 1490er Jahren ist trotz manch erh. Dok. nicht leicht zu ordnen. A. der 1480er Jahre ging er an den Hof von König Matthias Corvinus in Ungarn. Leider haben sich nur wenige fragm. Werke aus dieser Schaffenszeit erhalten. Das bedeutendste ist der große Herkulesbrunnen des kgl. Pal. in Visegrád, wahrsch. 1484 voll., ab 1941 ausgegraben und E.20.Jh. rest. und rekonstruiert. Die aktive Figur des die Hydra von Lerna bekämpfenden Knaben Herkules ist hierbei wichtiges Verbindungsstück zw. den röm. Kinderfiguren und den späteren in Traù, Padua und Ancona. Weitere Fragm. betreffen einen Marienaltar mit zwei weibl. Hll. (Budapest, Magyar NG; Miskolc, Herman O. Múz.). Im Anschluß an Visegrád arbeitete G. ab M. der 1480er Jahre am kgl. Pal. in Buda. Daß G. in Ungarn höchst anerkannt war, belegt 1488 die Verleihung des Adelstitels und Schenkung des Kastells Maykovez durch Matthias Corvinus. In der betreffenden Urkunde wird G. als "Statuarii sive marmorum Sculptoris" bez., was lt. Feuer-Tóth darauf hinweist, daß G. sowohl in Bronze als auch in Stein arbeitete; Bronzewerke haben sich jedoch nicht erhalten. Zu den umstrittenen Zuschr. gehören die Portr.-Reliefs der Profilbildnisse von Matthias Corvinus und dessen Gattin Beatrix von Aragon (Budapest, SzM), die häufig mit lombard. oder toskan. Bildhauern, in jüngster Zeit v.a. Gian Cristoforo Romano, in Verbindung gebracht wurden. Doch ist die Autorschaft G.s in Analogie zur Büste des Carlo Zen (s.u.) u.a. Werken anzunehmen. Nicht nur die physiognom. Charakteristika weisen darauf hin, sondern auch die eigenwillige Art, wie die Schrifttäfelchen der Basis an den Seiten von straff gespannten Bändern gehalten werden. Bei den Ornamenten wird man allerdings Wkst.-Beteiligung annehmen müssen. Nach dem Tod von Matthias Corvinus (1490) verlor G. offenbar die Besitzansprüche für das Kastell Maykovez; bald darauf wird er das Land auch verlassen haben. Er ging wohl unmittelbar zurück nach Traù, wo er 1497 aktenkundig wurde, da er einem Steinmetz für erledigte Arbeiten noch Geld schuldete. Bei dem betreffenden Werk könnte es sich um das Portal des Cipiko-Pal. handeln, vermutl. von Koriolan Cipiko vor 1493 in Auftrag gegeben und in Einzelformen an die Portale des Pal. Venezia erinnernd. In diesen Jahren sind noch weitere Werke in Traù entstanden, so die sign. Statue des hl.Joh. Ev. in der Orsini-Kap. des Domes (die z.T. auch A. der 1480er Jahre dat. wird), das Wappen der Familie Cega oder der kleine fackeltragende Putto mit dem Wappen der Fam. Cipiko (beide Trogir, Gradski Muz.). Dessen urspr. Aufstellungsort ist ungewiß. C.Fisković vermutete ihn über dem Portal des Cipiko-Pal., was sich mit den Maßen aber nicht in Übereinstimmung bringen läßt. Da der Putto eine gesenkte Fackel hält, erscheint ein Sepulkralkontext wahrscheinlicher, möglicherweise war er für das Grabmal des Koriolan Cipiko gedacht. Zw. 1498 und 1500 hielt sich G. in Venedig auf, wo er für die Scuola di S.Marco einen Altar anfertigen sollte. Der Vertrag vom 22.10.1498 hat sich erh., ebenso aber auch die Ablehnung des angebl. zu zwei Dritteln fertiggestellten Werkes durch die Scuola vom 2.2.1500 sowie die Beschwerde G.s vom 22.7.1500; unbek. aber sind die Gründe der Ablehnung. In diese Jahre fällt wohl auch das Madonnenrelief in Padua, das aufgrund des Wappens wahrsch. von Niccolò Franco, 1486-99 Bischof von Treviso, in Auftrag gegeben wurde. Das beseelte Relief zählt zu G.s bedeutendsten Arbeiten, es knüpft unmittelbar an die späten Werke in Rom, wie die Madonna des Roverella-Grabmals, an, so daß auch eine Dat. in die frühen 1480er Jahre mögl. ist. Die Büste des Admirals Carlo Zen (†bereits 1418) dürfte ebenfalls in dieser Phase entstanden sein. 1503 bewarb sich G. erfolglos auf eine Stelle der Stadt Ragusa (Dubrovnik), in diesem Zusammenhang entstand wohl auch die Sitzfigur des hl.Blasius, des Stadtpatrons, für den Rektorenpalast der Stadt. Die Figur ruft die Gottvater-Darst. der röm. Jahre in Erinnerung, ist aber insgesamt spannungsloser und weicher gearbeitet und gehört somit schon zum Spätstil des Bildhauers. 1503/04 ist G. wiederum in Rom, viell. erhoffte er sich durch den Tod von Alexander VI. und Pius III. erneut einen großen Auftrag. Dies war ihm nicht vergönnt, doch demonstrierte er sowohl seine bildhauer. Qualitäten als auch seine Kenntnis der neueren Strömungen der Grabmalstypologie beim Grabaltar des Genuesen Antonio Lomellino († 1503) in S.Agostino. Die freistehende Madonna auf schmalem Sarkophag mit Portr.-Büste und der Altar mit der Engelspietà kombinieren in G.s letztem röm. Werk versch., erst in den 1490er Jahren auftretende Formen venez., florentin. und röm. Herkunft. G.s Spätstil äußert sich zudem noch in zwei weiteren Werken: zum einen in der Statue des Apostels Thomas in der Orsini-Kap. in Traù, 1508 dok., zum and. im Grabmal des Beato Girolamo Giannelli im Dom von Ancona, 1509 fertiggestellt (bei beiden Quellen handelt es sich allerdings nicht um zeitgen.). Während die großen Figuren in ihren spannungsarmen, schemat. Gewändern eher schwer und müde wirken, zeigt sich in den kleinen Putti des Grabmals und in and. Nebendingen noch das Schwungvoll-Spielerische von G.s besten Arbeiten. E.15. und A.16.Jh. sind in Dalmatien auch einige Arbeiten entstanden, die mit G.s Stil eng verknüpft sind, aber wohl nicht eigenhändig, sondern von der Wkst. geschaffen wurden. Hierzu zählen das Portal der Franziskanerkirche (heute Friedhofs-Kap.) im Stadtpark Komrčar sowie weitere Werke in Arbe (Rab), die für "Petrus Lapicida Filius Radi Busanini de Tragurio" dok. sind, einen Bildhauer, der nachweisl. mit G. in Ungarn gearbeitet hat. 1508 kaufte G. den Weiler Dragane unweit von Traù, er dürfte es also durch seine bildhauer. Werke zu Wohlstand gebracht haben. Noch dreimal, 1513 und 1514, erwähnen Dok. in Traù, die allerdings nicht in Zusammenhang mit Aufträgen stehen, den Namen eines "Magistro Joanni lapicida", bei dem es sich wohl um G. handelt; weiteres ist über ihn nicht bekannt.
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Dalmata, Giovanni (Giovanni da Traù, Johannes Duknowich de Tragusia), Bildh. u. Archit., geb. um 1440 in Traù in Dalmatien, † nach 1509; Ort des Todes nicht bekannt. Wahrscheinl. kam er um 1460 nach Rom u. arbeitete dort zunächst in der Werkstatt Paolo Romano's oder bei einem der daselbst tätigen lombardischen Steinbildhauer. Das Handwerk mag er schon vorher in der Heimat, vielleicht bei Giorgio da Sebenico, erlernt haben. - In Rom hat er zusammen mit A. Bregno (s. d.) die Grabmäler Tebaldi (†1466) und Ferrici (†1478), beide in S. Maria sopra Minerva, gearbeitet. Zusammen mit Mino da Fiesole schuf er einen Altar für S. Marco (1474; heute in der Sakristei), die Chorschranken der Sixtinischen Kapelle (1480/1) und das große Grabmal Pauls II. (1471-73) in der alten S. Petersbasilika. Die Fragmente des letztgenannten befinden sich heute zum größten Teil in den Vatikanischen Grotten; wenige in der ersten Kapelle rechts von S. Peter u. zwei Reliefs (aus Borghesischem Besitz) im Louvre zu Paris. In den Grotten von S. Peter sind noch andere Skulpturfragmente von D.s Hand vorhanden: ein thronender Christus, Petrus u. Paulus und die Statue des Verstorbenen vom Grabmal des Kard. Eroli (1479; Aufbau durch Grimaldi's Zeichnung im Cod. Vat. lat. 2273 bekannt) u. das leicht konkave Relief einer Madonna zwischen Engeln, das zu einem dritten Grabmal gehört haben muß. Wahrscheinlich von einem anderen zerstörten Grabmal das Relief einer Pietà in S. Agostino. - Für S. Clemente hat D. selbständig und in der Hauptsache wohl eigenhändig das Grabmal Roverella (1476/7) geschaffen. Daneben werden ihm in Rom noch eine Anzahl kleinerer Werke zugewiesen, u. a. Apostelfiguren vom Konfessionstabernakel Sixtus' IV. (Fragmente in den Vatikanischen Grotten), ein Architravrelief im Cortile del Maresciallo im Vatikan, ein Wappen Pauls II. am Hauptportal des Palazzo di Venezia, ferner Portalskulpturen an S. Jacopo zu Vicovaro bei Rom. Seit 1481 war D. in Ungarn im Dienste des Matthias Corvinus für dessen Schloßbauten tätig. Außer den Reliefbildnissen des Königs und seiner zweiten Gemahlin, Beatrice von Aragonien, heute im Wiener Hofmuseum, sind Werke seiner Hand aus seinem ungarischen Aufenthalt nicht mehr nachzuweisen. Einzelne Statuen des D. sollen 1526 aus dem Schloß zu Ofen von den Türken nach Konstantinopel entführt worden sein. überliefert ist aher die königliche Anerkennung seiner Tätigkeit durch D.s Erhebung in den Adelsstand und seine Belehnung mit dem Kastell von Maykowicz in Slawonien (1488), das ihm aher nach Matthias' Tod (1490) vom früheren Besitzer wieder abgenommen wurde. Wahrscheinlich ist D. damals wieder nach Italien zurückgekehrt; v. Fabriczy nimmt einen Aufenthalt in Rom Anfang der 90er Jahre an. In Venedig arbeitete D. 1498 ein Madonnenrelief für den Bischof Niccolö Franco, das sich heute in der Sammlung der Gräfin Adeline Piovene-Sartori in Padua befindet. Sein letztes nachweisbares Werk ist das Grabmal des Beato Girolamo Gianelli im Dom v. Ancona (1509). - Venturi schreibt D. außerdem die Statuen der hl. Thomas u. Johannes Ev. in der Cappella Orsini des Doms von Traù und die Büste Carlo Zenn s im Museo Correr zu Venedig zu, die sonst als Werk A. Rizzos gilt. Dalmata gehört zu jener Gruppe von Bildhauern, meist lombardischer Herkunft, die seit c. 1460 in Rom tätig waren, als der gesteigerte Luxus der Kurie sich im bildnerischen Schmuck der Kirchen, besonders in großartigen Grabdenkmälern, zu entfalten begann. Wie seine Genossen diese dekorativen Steinarbeiten häufig zu zweien oder mit mehreren Gehilfen ausführten, so hat auch D. fast immer zusammen mit andern Bildhauern gearbeitet; und es läßt sich nicht in jedem Fall nachweisen, wer der eigentliche Schöpfer, d. h. der Komponist des Aufbaus war. Am Grabmal Pauls II, dem größten im römischen Quattrocento entstandenen Denkmal dieser Art, war sein Anteil nach Bedeutung und Umfang etwa gleich groß mit dem des Mino da Fiesole. Für den architektonischen Aufbau des Wandgrabes scheint D. eine Neuerung eingeführt zu haben, indem er die sonst stets als glatte Fläche gebildete Rückwand über dem Sarkophag als runde oder polygonale Nische bildete (Grabmäler Roverella, Gianelli und Eroli). Unter D.s figürlichen Arbeiten ist von jeher das signierte Relief des "Glaubens" am Grabmal Pauls II. gerühmt worden; eine prachtvoll bewegte Frauengestalt von dramatischer Ausdruckskraft. In stärkstem Gegensatz zu Mino's strenger Linienkunst ist der Marmor hier ganz malerisch behandelt: Unruhig krause Flächen stehen neben weichen, vollen Formen, so daß eins die Wirkung des andern steigert. Beachtenswert ist auch die psychologische Ausdeutung in D.s Statuen der Verstorbenen und endlich seine Landschaftsdarstellung. überraschend kühl und nüchtern erscheint dagegen neben den römischen Werken das Grabmal Gianelli, so daß die Frage offen bleibt, ob hier ein Stilwandel einschneidender Art vorliegt, oder ob nicht beim Spätwerk nur der Aufbau und der Entwurf des plastischen Schmuckes von D. selbst herrühren. Allgemeines: A d. Venturi, Stor. dell' Arte Ital. VI (1908) mit Literaturnachweis p. 1050 Anm. 1. - H. v. Tschudi, G. D., im Jahrb. der kgl. preuß. Kstsamml. IV (1883) 169-90. - v. Fabriczy, G. D., Neues zum Leben u. Werke; ebenda XXII (1901) 224-52. Arbeiten in Rom: Thode's Kunstfreund I (1885) Sp. 39-42 (v. Tschudi). - Arch. stor. d. Arte III (1890) 429 ff. (Dom. Gnoli). - Chron. des Arts 1892 p. 325; 1896 p. 78-9 (E. Müntz). - Jahrb. d. kgl. preuß. Kstsamml. XVIII (1897) 39 ff. (E. Steinmann). Fritzz Burger, Das florent. Grabmal, 1904 p. 244 55 und in Jahrb. d. kgl. preuß. Kstsamml. XXVII (1906) 129-141. - W. Bode, Denkm. der Renaiss.-Skulptur Toskanas, Text p. 124 u. Taf. 407b (Mino da Fiesole u. G. D.). - Bollet. d'Arte III (1906) 338 ñ. (Giac. De Nicola). - Vasari, Dtsche Ausg. von Gronau-Gottschewski III (1908) 251, 291-3. - J. J. Bert hier, L'Eglise de la Minerve, 1910 p. 356-7. - Dufresne, Les Cryptes Vatic. 1902 Register (hat z. T. falsche Angaben über D.). - W. Rolf s, Franz Laurana, 1907 Reg. Arbeiten für Venedig: Vita d'Arte I (1908) 332-6 (L. Rizzoli). Tätigkeit in Dalmatien: Ivan Kukuljewic-Sakzinski, Leben südslaw. Kstler, Agram 1868 Heft 1-5. - L'Arte X (1907) 312 (Ad. Venturi). - Carlo Ssanyi, Ital. Einfluß auf die ungar. Kunst; Vortr. gehalten in d. 2. Sektion des Intern. ksthist. Kongress. Rom, 17. 10. 1912. - Mu^B6vészet f (1902) 364, 399. Frida Schottmüller.