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Fontana, Carlo (1638)

Born
Rancate (Tessin), 22 April 1638
Died
Rom, 16 February 1714
Country
Italy
Gender
male
GND-ID
Name Variations
Fontana, Carlo; Fontana, Carlo (1634); Olmano Falesio (Alias)
Occupations
Architect; Hydraulikingenieur
Places of Activity
Rom
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By
Last edited
19.12.2023
Published in
AKL XLII, 2004, 135; ThB XII, 1916, 170 ss

VITA

Fontana, Carlo, ital. Architekt, Hydraulik-Ingenieur, *22.4.1638 Rancate/Como, †16.2.1714 Rom. Sohn eines Francesco Amedeo F. und einer Cecilia Pizzalmore. Vater von Francesco F. (1668-1708).

LIFE AND WORK

Verläßt 1650 als einziger von fünf Geschwistern das Tessin, um eine künstler. Laufbahn einzuschlagen. Geht möglicherweise zunächst nach Mailand (einige Biographen schreiben ihm Frühwerke in der Lombardei zu). Wahrsch. 1653 Ankunft in Rom. Eine frühe Ausb. bei dem päpstl. Architekten und Vermesser Giovanni Maria Bolino, der F. an den Rest.-Arbeiten von S.Marco beteiligte (1653-57), scheint mittlerweile gesichert. Ab 1660 befaßt F. sich auch mit Hydraulik, wenngleich die Ursprünge seiner profunden Kenntnisse auf diesem Gebiet noch unklar sind. Bolino führt den jungen Zeichner wahrsch. anläßl. der Ausf. der neuen Fassade und der Rest. des Innenraums von S.Maria della Pace (1657-58) in die Wkst. des Pietro da Cortona ein, der diese Arbeiten leitete. Hier zeigt F. von Anfang an sein Talent für die räuml.-plast. Darst. (ab dieser Zeit Sign. der graph. Bll.). Ab 1659 Ausb. in der Bernini-Wkst., wo er viell. an der Ausf. des N- und sicher an der des SO-Flügels der Kolonnaden von St.Peter mitarbeitet und zwei Vorschläge für die Pflasterung des Platzes entwickelt. 1662-66 ist er an den baul. Unters. für die Scala Regia beteiligt, über die er Alexander VII. einen detaillierten Ber. vorlegt. 1660-63 Ass. von Bernini bei den Planungen für das päpstl. Arsenal von Civitavecchia. Hier erweist er eine ausgeprägte Sensibilität in der Einbeziehung der umliegenden Lsch., eine Fähigkeit, die grundlegend für seine spätere Tätigkeit als Szenograph wird. Im Zuge der städtebaul. Projekte von Alexander VII. entsteht eine Bauaufnahme des Arco di Portogallo am Corso vor dessen geplantem Abriß. Ebenfalls für den Chigi-Papst zeichnet F. viell. im Hinblick auf ein Umbauprojekt einen Plan des Kastells von Montefiascone. 1664-67 arbeitet er zus. mit Bernini an der Umgestaltung des Pal. Chigi an der Piazza SS.Apostoli und ist dort 1665 während des Paris-Aufenthaltes von Bernini als Zeichner und Bauleiter tätig. Aus dem gleichen Grund übernimmt er von Bernini die Bau-Ltg bei der Umgestaltung des cinquecentesken Pal. Savelli in Ariccia für Kardinal Flavio Chigi ("architetto del pal."), wo er viell. auch für die Idee der Erweiterung durch eine Loggia im Obergeschoß verantwortl. ist. Daneben hat F. auch Gelegenheit, sich an dem gegenüberliegenden Bau von S.Maria dell'Assunta von Bernini zu beteiligen. Etwa gleichzeitig wird er mit einer Studie für die Aufstellung des Obelisken auf der Piazza della Minerva betraut. Die Zusammenarbeit mit Bernini trägt ihm 1664 die Ernennung zum Vermesser ("misuratore") des Baus von St.Peter und 1666 zum Zweiten Vermesser der Apostol. Schatzkammer ein (zus. mit dem am Arsenal von Civitavecchia tätigen Felice della Greca; erneut bestätigt 1667 und 1700). Versch. Verträge, Kostenvoranschläge und techn. Beschr., die von Ferdinando Patrone verfaßt und 1703 von der Apostol. Schatzkammer gedruckt wurden, dokumentieren F. zw. 1692 und 1702 als Gutachter (estimatore) und Planer bei der Erneuerung des Hafens von Civitavecchia, beim Bau des neuen Hafendamms (1695-99) und 1699 bei der Anbindung der Stadt an das Trajan. Aquädukt, ein Unternehmen, das in vier Stichen von Pietro Santi Bartoli und auf einer 1703 geprägten Med. dargestellt ist. 1669 gewinnt F. wegen seiner hydraul. Kenntnisse den Wettb. für die Planung der Sicherungssysteme des Flaminio gegen die regelmäßigen Tiberüberschwemmungen. Die Ausf. wird jedoch 1675 von Clemens X. dem Holländer Cornelis Meijer übertragen. 1683 widmet sich F. diesem Thema erneut, 1696 versucht er mit der Publ. des Discorso sopra le cause delle inondazioni del Tevere die Effektivität der Lösung von Meijer zu widerlegen. Um die M. der 1660er Jahre entstehen die ersten unabhängigen Arbeiten: die Fassade von SS.Faustino e Giovita in der Via Giulia (um 1664), die Fassade von S.Rita da Cascia, die um 1665 von Grund auf über der bereits bestehenden kleinen Kirche von S.Biagio in Campitelli errichtet wurde (1929 bei der Öffnung der Via del Mare abgebrochen und 1940 an die Piazza Capizucchi versetzt), 1668-69 die Erweiterung von S.Spirito dei Napoletani (1702-08 erneut fortgeführt auf Veranlassung [bis 1697] von Papst Innozenz XII. [†1700]). In den 1670er Jahren tritt F. in Kontakt mit der Wkst. von Carlo Rainaldi. Nach anfängl. Zusammenarbeit, während der er zwei Vorschläge für die Fassade von S.Andrea della Valle ausarbeitet, nimmt er im Verlauf der Planung der Zwillingskirchen an der Piazza del Popolo eine gegensätzl. Position ein, bis er schließl. zum Nachf. von Bernini und Rainaldi in der Endphase der Arbeiten von S.Maria di Montesanto (1671-79) ernannt wird und Rainaldi in S.Maria dei Miracoli (1677) ersetzt. In letzterer Kirche, 1679 geweiht, werden F. der Chorbereich, der szenograph. Hauptaltar, die Grab-Mon. für Girolamo und Benedetto Gastaldi, die Kuppel und der Dekorationsapparat zugeschr.; sie kann als wichtiger Vorläufer für das 1681 beg. Sanktuarium in Loyola gelten. Mit der Ernennung zum "Accademico di merito" der Accad. di S.Luca am 15.5.1667 erfährt F.s künstler. Leistung offizielle Anerkennung; 1675 Beginn der Lehrtätigkeit; 1686-87 und 1694-99 Wahl zum Principe als Zeichen seiner Wertschätzung. Als Principe der Akad. erhält er 1697 die Erlaubnis, eine Kap. in SS.Luca e Martina zu errichten, für die er einen Altar entwirft (nicht erh.). 1668 auf Vorschlag von Flavio Chigi Ernennung zum Cavaliere di Cristo Re. 1699 vom poln. König, Friedrich August I. von Sachsen (August der Starke), und 1702 von Leopold I. von Österreich zum Grafen ernannt. 1694-1711 gehört F. unter dem Pseud. Olmano Falesio zur akad. Ges. der "Arcadia". Im Auftrag der Chigi ersetzt er 1666 Felice della Greca beim Bau der Villa Versaglia, stattet Feste im Casino di Formello und im Pal. von Ariccia sowie Theateraufführungen der Accad. degli Sfaccendati aus und entwirft weitere ephemere Apparate. Ab den 1670er Jahren ist F. verstärkt mit der Modernisierung der städt. und suburbanen Chigi-Residenzen zw. Rom und Siena beschäftigt, v.a. im Auftrag von Kardinal Flavio Chigi. Daneben auch Neuausstattung von zahlr. Kirchen, denen die Chigi verbunden waren. Der Pal. von S.Quirico d'Orcia (1678-79) folgt einem Schema, das auch bei der Erweiterung des Pal. des Conte Bigazzini Anwendung findet (beg. 1678, 1902 beim Bau des Mon. für Vittorio Emanuele abgebrochen). Weitere Arbeiten sind: die Villa del Cetinale (1678-80) in Ancaiano/Siena, die bereits von dem Sieneser Architekten Benedetto Giovannelli entworfen worden war und deren rückwärtige Fassade nach einem raffinierten Plan erneuert wurde, mit neuen Anbauten und der Anlage eines weitläufigen Parks mit mytholog. und anachoret. Themen; die Rest. des Renaiss.-Sanktuariums Madonna del Sorbo bei Campagnano (1682-83); die Rest. der Chigi-Kap. in S.Maria del Popolo (1682-88); die Sakraments-Kap. (1688-89) und weitere Arbeiten von 1703 in der Kathedrale S.Pancrazio in Albano für den Bischof Flavio Chigi; die Rest. von S.Maria del Quarto in Nettuno (1689) und der Kathedrale S.Lucia in Porto (1690). In diesem Zusammenhang sind F. auch einige Zchngn zuzuschreiben, die viell. zum Projekt des Sieneser Pal. der mit den Chigi verwandten Fam. Gori Pannilini gehören (E. 1670er/A. 1680er Jahre; trad. wird F. dessen 1682 voll. Fassade zugeschr.). 1669 folgt er Paolo Pichetti im Amt des Architekten der Arciconfraternita di S.Girolamo della Carità, das er bis zu seinem Tod innehat. Für Christina von Schweden baut er 1671-75 auf einem Grundstück der Bruderschaft, wo sich bis 1660 ein Kerkergebäude befand, in Holzbauweise das Teatro Apollo di Tor di Nona, das mit einem kleinen Pal. mit Appartements verbunden war. Das Theater wurde 1695 nach einem in die Zukunft weisenden Plan mit sechs Zuschauerrängen in Hufeisenform im Auftrag des Conte Alibert von Grund auf neu erbaut, doch bereits 1696, ein Jahr nach seiner Eröffnung, auf päpstl. Druck wieder abgebrochen, wegen seiner angebl. Unvereinbarkeit mit der Heiligkeit der Stadt Rom. F. führte zwei weitere Priv.-Theater aus, 1682 im Pal. der Piazza SS.Apostoli des Konnetabels Lorenzo Onofrio Colonna und 1684 im Pal. des Kardinals Benedetto Pamphili an der Via del Corso (hier auch Ausf. der Bibl. und der Priv.-Kap.), daneben existiert zumindest ein weiterer Plan für eine Ausstattung in der Via Margutta. In den 1670er Jahren steht F. im Dienst der Fam. Altieri, deren Aufstieg in der röm. Aristokratie der Wahl von Emilio Buonaventura zum Papst Clemens X. im Jahr 1670 zu verdanken ist. In diesem Jahr beginnt F. im Auftrag des Kardinalnepoten Paluzzo Albertoni Altieri, ehem. Bischof von Montefiascone, die Rest. des Daches des dortigen Doms. Er ersetzt das durch einen Brand zerst. Dach durch eine Rippenkuppel, eine seiner originellsten Lösungen in der Art von Borromini, bestehend aus der Durchdringung einer konvexen Kalotte und einem aus konkaven Abschnitten zusammengesetzten oktogonalen Tambour. Für die Altieri ist F. auch nach deren Ankauf des Anwesens der Orsini in Oriolo Romano 1671 tätig. Hier entstehen eine Kirche, ein Kerker und die Gall. dei Papi im ehem. Pal. Santacroce. 1671 arbeitet er einen Vorschlag für die Erweiterung des Fam.-Pal. in Rom aus, ihm wird jedoch der trad. Fam.-Architekt Giovanni Antonio de Rossi vorgezogen. F. verwendet seine Entwürfe nochmals für zwei weitere ebenfalls nicht realisierte Projekte, den Pal. Ruccellai an der Via del Corso und das Collegio dei Nobili in Siena. Etwa gleichzeitig mit den Studien zum Pal. Altieri dürften die Zchngn für das Innere des Gesù von 1672 entstanden sein, Entwürfe für einen prestigeträchtigen Auftrag, der den Umbau der Tribuna und des Hauptaltars vorsah (nicht ausgef.). 1705 stellt F. noch ein neues Projekt für einen Korridor der Casa Professa vor. 1670-74 erweitert er im Auftrag des Kardinals Paluzzo, Protektor der Augustinerinnen von S.Marta al Collegio Romano, deren aus dem 16. Jh. stammende Kirche. Dabei fügt er Seiten-Kap. und -Altäre an, erhöht das Deckengewölbe, verbindet den Hauptaltar mit der Klausur und stattet die Kirche mit einem üppigen dekorativen Apparat aus. Um 1671 plant F. für Kardinal Ginetti die Fam.-Kap. in S.Andrea della Valle über quadrat. Grundriß, mit Kuppel und einem Altar auf vier Säulen. 1674 Auftrag der Karmeliter der alten Observanz, für die er schon in S.Maria in Montesanto gearbeitet hatte, mit dem Entwurf des Hauptaltars für S.Maria in Traspontina, der als eines seiner spektakulärsten Hw. gilt. Der Tabernakel in Form eines runden Tempietto mit doppeltem Säulenring aus sizilian. Jaspis, bekrönt von einer bronzegedeckten Kuppel mit vier Engeln, ist in Anlehnung an das Ziborium in St. Peter von Bernini konzipiert, orientiert sich jedoch auch an der neuen Sprache seiner Schüler, etwa in dem typ. Motiv des mehrfach geschwungenen Sprenggiebels. Auch das Antependium mit seiner Marmordraperie erinnert an die Plastizität von Bernini. 1675 beauftragt die Arciconfraternita di S.Maria del Pianto F. anläßl. der Freilassung eines zum Tode Verurteilten ebenfalls mit einem überkuppelten Tempietto. 1675 ziehen die Oratorianer ihn zus. mit Mattia de Rossi und Carlo Rainaldi zur Lösung der stat. Probleme der Kuppel von S.Maria in Vallicella zu Rate. F. führt hier auch die Marmordekoration der Grab-Kap. des Kardinals Bernardino Spada aus, die von Rainaldi über einem ovalen Grundriß entworfen worden war, und entwickelt eine oktogonale Alternative, wie eine Zchng der Coll. Lanciani zeigt. 1674/75 restauriert er für Ascanio Sforza die Fassade und das Innere der Collegiata di S.Maria Maggiore in Lanuvio. 1676 führt F. im Auftrag von Christina von Schweden einige Zchngn für S.Brigida aus, die jedoch aus finanziellen Gründen nicht weiterentwickelt werden. Für den Kardinal Girolamo Gastaldi entsteht 1678-80 die Kirche S.Margherita in Trastevere, die mit dem Franziskanerkloster S.Rufina verbunden ist. Der Grundriß basiert auf einem schlichten Schema von zentralem Saal mit Seiten-Kap., während die Fassade mit einem einzigen Register, hohen Pilastern und spitzem Tympanon, die bereits bei S.Marta Verwendung fand und später im Projekt für S.Maria dell'Umiltà (1703) wiederaufgenommen wird, eine entschiedene Rückkehr zum kirchl. Fassadenentwurf des Cinquecento markiert und so auf den Wandel hin zum klass.-akad. Stil der reifen Phase vorausweist. Häufig bedient sich F. bei diesen Kirchenbauten eines reichen ornamentalen und figürl. Dekorationsapparates, der von röm. Künstlern wie Antonio Raggi, Francesco Cavallini, Leonardo Retti, Giovanni Battista Gaulli, Carlo Maratti und jüngeren Schülern ausgef. wird. So etwa bei der Voll. von S.Maria in Montesanto, wo er 1676-79 die Capp. Vivaldi ausführt und die Capp. Monthioni entwirft, deren Ausf. er Tommaso Mattei überträgt. 1677-81 entsteht F.s erstes Priv.-Gebäude, der Pal. Grimani an der Via Rasella mit einem mon. Treppenaufgang, errichtet im Auftrag des Botschafters der Republik Venedig. Nach weiteren venez. Aufträgen, wie dem Entwurf eines Villen-Zentralbaus von 1689, der viell. für den Botschafter Girolamo Lando bestimmt war, führt er bis zu seinem Tod den Titel des Architekten der Serenissima, den vorher Felice della Greca innehatte. Obwohl nicht ausgef., übten die Entwürfe für das "Casino per Venezia" mit ihrem sechseckigen und kreisförmigen Grundriß zus. mit den Projekten für die Villa Grimani in Martellago großen Einfluß auf die Studien zum Pal.-Bau seines Schülers Filippo Juvarra aus. Ab dem Hl. Jahr 1675 und später unter dem Pontifikat von Innozenz XI. (1676-89) entwickelt F. unter bes. Anteilnahme des neuen Papstes das Thema einer Memorialkirche für die frühchristl. Märtyrer in der Arena des Kolosseums. Das Projekt eines Rundbaus, eine Art Martyrium mit hoher Kuppel, scheitert an der durch die Türkenkriege hervorgerufenen Finanzkrise. A. des 18. Jh. im Rahmen der Vorbereitungen zum Traktat über das Anfiteatro Flavio perfektioniert, wurde das Projekt 1725 postum veröffentlicht. Direkte Nachklänge finden sich 1707 in einer Überarbeitung des Themas von Juvarra für eine Präsentation vor der Accad. di S.Luca. F.s Projekt zielt unter bes. Berücksichtigung symbol. und szenograph. Aspekte darauf, mit der Umwandlung des Kolosseums in ein Forum für einen kirchl. Zentralbau die Ersetzung der heidn. Ruinen durch die erneuerte Kraft der "Ecclesia Triumphans" sinnfällig darzustellen. Obwohl nach dem Tod von Bernini 1680 das Amt des leitenden Baumeisters von St.Peter an dessen Ass. Mattia de Rossi überging, führt F. in diesen Jahren wichtige päpstl. Aufträge aus, u.a. die Vermessung des Lateranskomplexes und das stat. Gutachten für die Peterskirche und ihre Kuppel. Die Ergebnisse seiner detaillierten Studien flossen in den Traktat zum Tempio Vaticano mit ein, der, von Innozenz XI. 1680 in Auftrag gegeben, aber erst 1694 mit den Stichen von Alessandro Specchio erschien. Mit ihrer verläßl. Untersuchung der baul. Struktur, der philolog. Genauigkeit der hist. Rekonstr. und den umfassenden städtebaul. Neuordnungsplänen für die Umgebung gehört die Schrift zu den bedeutendsten lit. Arbeiten F.s. Seiner zunehmend dominanten Stellung unter den röm. Architekten, die durch die Ernennung zum Aufseher der Pal. Apostolici anstelle von Giovanni Antonio de Rossi bestätigt wird, verdankt F. die wohl bedeutendste der von Bernini geerbten Aufgaben: das Projekt des Sanktuariums der Jesuiten in Loyola, das die Einbeziehung des Geburtshauses des hl.Ignatius vorsah und mit dem er 1681 vom Ordensgeneral Oliva beauftragt wurde. Die Konzeption des Zentralbaus mit einem Umgang erinnert, allerdings ohne deren Eleganz zu erreichen, an die Kirche S.Maria di Salute in Venedig von Baldassare Longhena, die F. 1679 mit Sicherheit besucht hat. Übereinstimmungen bestehen v.a. in der szenograph. Einbindung der Umgebung, hier der Pyrenäen-Landschaft. In der Ausf. durch span. Architekten (1689-1732) wird das ursprüngl. Konzept teilweise verändert. Hinzu kommt der Tod des Auftraggebers, dessen Nachf., der Franzose Charles de Noyelles, sich F. widersetzt, indem er dessen Arbeit für die Jesuiten in Neapel ablehnt. Jüngere Forsch. haben jedoch die weitgehende Übereinstimmung des Baus von Loyola mit den urspr. Plänen F.s gezeigt, etwa die Kuppel mit Doppelkalotte auf einem niedrigen Tambour und zwei flankierenden, zurückgesetzten Glockentürmen nach dem Vorbild des Bernini-Baus von S.Maria dell'Assunta in Ariccia. Wegen seiner anerkannten Kenntnisse auf hydraul. Gebiet und seiner Erfahrung bei Kanalisationsarbeiten durch die Zusammenarbeit mit Giovan Battista Contini und Fra Paglia erhält F. 1690 das Amt des Architekten der Acqua Paola. In den 1690er Jahren plant er in Rom und Umgebung Wasserleitungssysteme. So kommt es u.a. zu Studien zur Speisung des Aquäduktes aus dem Becken von Bracciano, dessen Verbindung mit dem zweiten Brunnen des Petersplatzes, zum Umbau des Brunnens auf dem Gianicolo (neues Sammelbecken), der Erweiterung des Springbrunnens von S.Maria in Trastevere durch die Anfügung weiterer Muschelbecken (1692), der Fontana delle Rocche in Lanuvio, der Abschlußfront des Aquäduktes und dem Brunnenbecken von Anzio (dargestellt von Vanvitelli) sowie zu dem Brunnen im Cortile dei Ragazzi des Hospizes S.Michele (zus. mit Mattia de Rossi). 1682-84 führt F. eines seiner bedeutendsten Werke aus, die Fassade von S.Marcello al Corso, dem erneuerten Sitz des Ordensgenerals der Serviten, deren neue Fassadengestaltung einen Wendepunkt in der Entwicklung von F.s Archit.-Sprache zum spätbarocken Klassizismus hin darstellt. Der Fassadenentwurf über geschwungenem Grundriß nach einem Schema von Borromini betont durch plast. hervortretende Säulen in einfacher und doppelter Stellung die Axialität des Eingangs und der illusionist. Nische im Obergeschoß. Durch ihre "Abgehobenheit" verleiht diese der Fassade neuartige szen. Qualitäten, nach dem Prinzip von Theaterkulissen mit versetzten Ebenen. Das Motiv der leeren Ädikula, die erst in der endgültigen Fassung eingefügt wurde, läßt die Konzeption eines symbol. Apparates vermuten, der nicht in allen seinen Teilen fertiggestellt wurde. Dieser zielte auf die Verbindung des Andenkens an den Titel-Hl., an den auch die Palmzweige an der Stelle der Seitenvoluten nach dem Vorbild von Rainaldi erinnern, mit demjenigen an die Gründer des Servitenordens, für die der hl.Filippo Benizi im Oval über dem Portal stellvertretend steht. F. führt in dieser Zeit auch zahlr. Fam.-Aufträge durch, etwa die Rest. des Gewölbes des roman. Doms S.Lorenzo in Viterbo (1680-81) für Bischof Stefano Brancaccio und den Umbau der Capp. Cybo (1682-84) in S.Maria del Popolo für Kardinal Alderano, viell. ein von Bernini übernommener Auftrag. Auf einen frühen Vorschlag auf der Grundlage konzentr. Kreise folgt die Ausf. über griech. Kreuz, die geringe Tiefe der Kreuzarme wird über perspektiv. Effekte gelöst, die von Rundsäulen und dekorativem Apparat der Grab-Mon. noch unterstützt werden. 1685-87 arbeitet F. für die Franziskaner von S.Francesco a Ripa, für die er einen Entwurf für eine hölzerne Kanzel sowie das Projekt für die Dekoration der Kap. des Michelangelo Ricci liefert. Daneben beginnt er mit den Arbeiten an der Capp. di S.Giovanni da Capestrano, die 1691 von Filippo Leti voll. werden. Im gleichen Zeitraum wird nach F.s Entwürfen über kreisförmigem Grundriß die Kap. der Assunta im Collegio Clementino ausgef., deren Kuppel nach dem Vorbild von Bernini von der Seite her beleuchtet wird. Unsicher ist, ob F. 1687 im Auftrag von Kardinal Philipp Howard an der Planung des Collegio Inglese beteiligt war. Nachdem er 1683 Architekt der Pamphili geworden war, plant er zw. 1684 und 1690 versch. Baumaßnahmen im Pal. des Kardinals Benedetto und ist unter dessen Priorat für den Malteser-Orden tätig. 1703 berät er diesen, mit Unterstützung seines Neffen Carlo Stefano F., bei der Aufstellung der Apostelstatuen in den von Borromini entworfenen Nischen im Mittelschiff der Lateransbasilika. Auf deren Fassade bezogen ist vermutl. eine Wkst.-Zchng von 1696 (Oxford, Ashmolean Mus.), die sich am Modell von S.Marcello orientiert. Diesen Auftrag strebt F. im Hinblick auf die von Innozenz XII. geplanten enormen Investitionen für das Hl. Jahr 1700 an. Im Verlaufe der 1680er Jahre widmet er sich einem weiteren Werk von Borromini, dem Bau von S.Giovanni dei Fiorentini, wo er das Fußbodenniveau anheben läßt. 1686 wird er bei den Planungen der Residenz der Borromeo auf der Isola Bella des Lago Maggiore zu Rate gezogen. Er beteiligt sich an den Arbeiten, die bereits seit 1682 im Gange sind, wobei er bis zum Tode des Auftraggebers Vitaliano VI. 1689 mehrere Entwürfe und Vorschläge vorlegt. Sein Interesse konzentriert sich dabei hauptsächl. auf den großen zweigeschossigen "Goldenen Salon", von dessen vorgesehener Überkuppelung er immer wieder vergebl. abrät, da er eine Kuppel bei einem Priv.-Gebäude für unangemessen hält. Begleitet von seinem Neffen Girolamo begibt F. sich 1688 in seine Geburtsregion, wo er die Isola Borromea und den Sacro Monte von Arona besucht und einen Vorschlag zur Voll. des quattrocentesken Doms von Bergamo vorlegt, der von Filarete unvoll. gelassen worden war. Der Plan findet die Zustimmung des Kapitels und wird nach den Vorschlägen der röm. Wkst. ausgeführt. Im Zuge dieser Reise präsentiert F. viell. auf Anregung des aus Como stammenden Papstes Innozenz XI. einige Entwürfe für die Domkuppel von Como (im dortigen MCiv.), die erst 1731 in der Überarbeitung von Juvarra verwirklicht wird. Spätestens ab 1692 ist F. der Nachf. von C.Rainaldi als Fam.-Architekt der Farnese. Im Auftrag des Herzogs von Parma führt er den Triumphbogen am Campo Vaccino anläßl. des feierl. Einzugs von Innozenz XII. in den Lateran aus, 1701 denjenigen für Clemens XI. 1695 empfiehlt ihn der Herzog Francesco Farnese für die Ern. des Hochaltars von S.Maria della Steccata in Parma, für den er 1696 eine Replik des bekrönten Tabernakels von S.Maria in Traspontina vorschlägt (nicht ausgef.). Als Architekt des Hauses Farnese äußert er sich zum Ignatius-Altar von Andrea Pozzo im Gesù, ist 1702 beim Tribunale delle Strade, 1704 in der Villa Farnesina tätig, plant die Erneuerung der Stallungen in Caprarola (1704), verfaßt ein Ms. zum Ponte dell'Abbadia am Fluß Flora nach einer Inspektion der Besitzungen von Castro und Ronciglione (1705). Unter dem kurzen, liberalen Pontifikat des Venezianers Alessandro VIII. Ottoboni (1689-91) befaßt sich F. mit den seit langem ungelösten Problemen des Petersplatzes. 1690 erstellt er einen großen topogr. Plan des Areals und beginnt mit der Konzeption des dritten Flügels der Bernini-Kolonnaden als einem von einem Campanile bekrönten Pronaos oder alternativ hierzu als Zugang zum Platz, den er selbst als "Triumphbogen des kath. Glaubens" bezeichnet. Dieser sollte am Ende einer breiten, von der Engelsbrücke herführenden Straße liegen, die durch den Abriß eines Teils des Borgo, der sog. Spina, geschaffen werden sollte (erst in der 1.H. des 20.Jh. verwirklicht). Die energ. Wiederaufnahme der baul. Aktivitäten unter Innozenz XII. Pignatelli (1691-1700), verbunden mit bed. päpstl. Aufträgen, bekräftigt nach dem Tod der letzten großen Protagonisten der vorhergehenden Generation die unbestrittene künstler. Autorität von F. und seiner Wkst., die an nahezu allen bed. archit. Projekten Roms an der Wende zum 18.Jh. beteiligt ist. Bereits 1692 vollendet er das Grab-Mon. für Innozenz XII. im Petersdom (1746 durch eine Neugestaltung von Ferdinando Fuga und Filippo della Valle ersetzt) und beginnt mit der Planung für das Grab.-Mon. für Christina von Schweden (voll. 1702), das später Juvarra als Modell für F.s eig. Kenotaph dient. 1692-97 arbeitet F. an dem prestigeträchtigen Auftrag der archit. Voll. der Tauf-Kap. von St.Peter, die bereits von Alexander VIII. in Auftrag gegeben worden war. Er entwirft das neue Taufbecken und setzt sich bei der Ausf. gegen Maratti durch. Diese ist dok. in der Descr. della nobilissima Capp. del Fonte Battesimale (1697, mit Stichen von Alessandro Specchi). Die Kap., die erste auf der linken Seite der Basilika, an der Stelle, wo sich früher die Kathedra Petri befand, wird durch F.s Planungen mit perspektiv. und luminist. Effekten versehen, die einen direkten Einfluß auf die Kap.- und Theaterentwürfe mit Triumphbögen-Eingängen von F.Juvarra ausüben, dem Schüler, der viell. mehr als alle and. an F.s archit. Idiom und seine Motive anknüpft und diese weiter verbreitet. Die langanhaltende Tätigkeit F.s im Vatikan wird am 23.3.1697 durch die Ernennung zum Baumeister von St.Peter durch Innozenz XII. besiegelt. Als Träger dieses Amtes inspiziert und beschreibt F. in profunden Gutachten die Schäden an der Kuppellaterne (1699 und 1709), leitet die Arbeiten am Grabmal von Alexander VIII. (1696-99) und legt Vorschläge für die neue Sakristei (1693 und 1706) und für eine neue Dekoration der Pfeiler vor. 1690 zeichnet er einige neuartige Entwürfe für die Rest. des Ponte Senatorio, der bei der Überschwemmung von 1598 eingestürzt war. 1692 erscheint hierzu eine Monogr., die (abgesehen von der Aufmerksamkeit des Papstes für einige urbanist. Fragen) nur mäßiges Interesse fand, trotz der kenntnisreichen Feststellung der Gründe für den Einsturz und Korrekturvorschlägen für die Statik der Brückenbögen, die viell. auf F.s Studium der venez. Brücken zurückzuführen sind. Bei der 1693 erfolgten Gründung des Ospizio Apostolico durch Innozenz XII. wird F. zus. mit Mattia de Rossi zum ausführenden Architekten bestimmt. Er ist für den Bau der drei Sitze der Institution (beim Laterans-Pal., im Hospiz von Ponte Sisto und dem von S.Michele) verantwortlich. Hinzu kommen weitere Bauten wie die Dogana di Ripa, der Pal. Baldinotti, der Pal. Ludovisi a Montecitorio, die Dogana di Terra, die von F.s Sohn Francesco 1696 anstelle der Vorgängerbauten des Hadrianeums, dem Neptuntempel, an der Piazza di Pietra ausgef. wird. 1694 veröffentlicht F. den Discorso sopra l'antico Monte Citatorio (Neu-Aufl. 1708), um Innozenz XII. zur Umwandlung des Pal. di Montecitorio in die neue Curia Innocenziana zu bewegen. Seine Entwürfe, die durch die Stiche von Specchi reproduziert wurden, sehen eine generelle Neuordnung des Areals bis hin zur Anlage einer neuen Piazza vor S.Ignazio vor und beweisen F.s Fähigkeit zu Entwurf und Ltg von größeren städtebaul. Unternehmungen. Die Voll. des von Bernini beg. Pal. betrifft den zentralen Bereich der Front und die Organisation des Grundrisses um einen rechteckigen Hof mit der Anfügung von neuen Baukörpern in einem weiten Halbkreis (nach 1870 Sitz der Camera dei Deputati). Die neue Fassade ist 1695 vollendet. Im gleichen Jahr stirbt de Rossi, wodurch F. freie Hand für eine Tätigkeit unter dem Albani-Pontifikat erhält. 1701-03 plant er die Besserungsanstalt von S.Michele, die an der S-Seite des bestehenden Gebäudes angefügt wird. Ab 1710 veranlaßt er die Erweiterung und Vereinheitlichung des Komplexes mit mehreren Höfen und einer zentralen Kirche mit dem Grundriß eines griech. Kreuzes. Das Hospiz von Ripa Grande (1735 von Fuga verändert) bestand aus einem Kerker für Minderjährige, einem Asyl für Alte, Ledige und Findelkinder sowie einer berühmten Teppich-Man., die Clemens XI. zu produktivem Einsatz und pädagog. Beschäftigung der inhaftierten Jugendlichen gegründet hatte. F.s rationelle Organisation des Komplexes sieht eine dreigeschossige Gal. mit Zellen um einen langen und hellen Zentralraum vor, der auch als Wkst. dient. Zwei große Säulengänge trennen ihn von der Zone des Bedürftigenasyls. Die Besserungsanstalt ist das erste mod. Beispiel eines Gefängnisses mit pädagog. und resozialisierender Zielsetzung.

WORKS

Weitere Werke: Arona, Sacro Monte: Zchng für den Sockel der Statue des Hl.Karl, 1688. Fiumicino, Rekonstr. eines Teils der Hafenkirche mit neuer Kap., 1690. Frascati, Villa Belpoggio (Pallavicini Visconti): Gartenanlage und Erweiterung des Casino, 1677. Magliano Romano: Ltg der Arbeiten am Pal. Pecorareccio, um 1670. Rom, S.Andrea della Valle, Entwurf der Fassade, 1662 (zus. mit C.Rainaldi). - Pal. Chigi Odescalchi: Zusammenarbeit mit Bernini bei der Ltg des Baus der Stallungen, Zchng hiervon und von einem Brunnen (nicht erh.), 1664-67. - Villa Chigi alle Quattro Fontane: Gartenentwurf, um 1679. - S.Carlo ai Catinari: Entwurf für zwei Kanzeln, 1685. - St. Peter: ephemerer Apparat für die Kanonisation von fünf Hll., 1690. - Pal. Venezia: Baumaßnahmen in der Sala del Mappamondo, um 1683; Balkon, 1690. - Pal. Massimi Colonna: Rest., um 1694. - S.Marco: Grab.-Mon. für Francesco Erizzo, 1700. - Porto di Ripa Grande: Planungen für Baumaßnahmen gegenüber S.Girolamo degli Schiavoni, um 1700. - S.Pietro in Montorio: Entwurf für die Palazzina Vaini, um 1705 (viell. ausgef. von Renato Carapecchia). - S.Egidio in Trastevere: Entwurf des Grab.-Mon. von Veronica Rondanini Origo, 1706 (ausgef. von Lorenzo Ottoni). Sambuci, Pal. Astalli, später Theodoli, um 1680. Wien, Entwurf der kaiserl. Stallungen, um 1700.

SELF-TESTIMONIES

Risposta del Signor C.F. alla lettera dell'illustrissimo Signore Ottavio Castiglioni, R. 1668; Dichiaratione dell'operato nella Cuppola di Montefiascone con la difesa della censura, 1673 (Ms.); Discorso sopra le cagioni onde derivano i difetti che giornalmente si scorgono nella Cuppola o volta della Chiesa Nova di Roma, 1675 (Ms.); Discorso del Mons. Giov. Carlo Vespignani, sopra la facile riuscita di ristaurare il "ponte Senatorio" hoggi detto Ponte Rotto, R. 1692; Discorso sopra l'antico Monte Citatorio situato nel Campo Marzio, R. 1694; 1708; Il Tempio Vaticano e sua origine, R. 1694; Discorso ... sopra le cause delle inondationi del Tevere, R. 1696; Utilissimo trattato delle acque correnti, R. 1696; Descr. della Nobilissima Capp. del Fonte Battesimale nella Basilica Vaticana, R. 1697; Antio e sue antichità ... con altro di curioso spettante alla Nautica, R. 1710; L'Anfiteatro Flavio, D.H. 1725; versch. kleinere Schriften und unvoll. Texte, u.a. ein zweiter Bd. des Tempio Vaticano zur Ausstattung.

SOURCES

Thieme-Becker, Vollmer, and AKL:

ThB12, 1916

 

Other encyclopedias:

G.A. Oldelli, Diz. stor.-ragionato degli uomini illustri del Canton Ticino, Lugano 1807; EWA V, 1972; Macmillan II, 1982; DA XI, 1996; DBI XLVIII, 1997 (Lit.)

 

Printed sources:

Baglione, Vite, 1642; F.Titi, Nuovo studio di pitt., scolt. et archit. nelle chiese di Roma, R. 1708; G.M. Crescimbeni, Not. istor. degli Arcadi morti, R. 1720-21; F.Milizia, Mem. degli architetti antichi e mod., R. 1781; A.Bertolotti, Artisti lombardi a Roma nei sec. XV, XVI e XVII, Mi. 1881; E.Coudenhove-Erthal, C.F. und die Archit. des röm. Spätbarocks, W. 1930; U.Donati, Artisti ticinesi a Roma, Bellinzona 1942; G.Martinola, Le maestranze d'arte del Mendrisiotto in Italia nei sec. XVI-XVII, Bellinzona 1964; Wittkower, 1965; P.Portoghesi, Roma barocca, R. 1966; M. und M.Fagiolo dell'Arco, Bernini. Una introd. al gran teatro del barocco, R. 1967; A.Schiavo, Studi romani 19:1971, 56-61; A.Cipriani u.a. (Ed.), I disegni di archit. dell'Arch. stor. dell'Accad. di S.Luca, R. 1974; H.Hager, Röm.Jb. 15:1975, 143-168; A.Braham/H.Hager, C.F. The drawings at Windsor Castle, Lo. 1977; N.Mallory, Roman rococo archit. from Clement XI to Benedict XIV (1700-1758), N.Y. 1977; B. Tavassi La Greca, Storia dell'arte 13:1981, 21-30; A.Blunt, Guide to baroque Rome, N.Y. 1982; G.Curcio/L.Spezzaferro, Fabbriche e architetti ticinesi nella Roma barocca, Mi. 1984; M.Fagiolo/M.L. Madonna (Ed.), Roma 1300–1875. La città degli anni santi (K), Mi. 1985; H.Hager, in: Studi juvarriani (Tagung Turin 1979), R. 1985, 63-98; G.Curcio/L.Spezzaferro, Fabbriche e architetti ticinesi nella Roma barocca, Mi. 1989; B.Contardi, in: In Urbe architectus. Modelli, disegni, misure (K), R. 1991, 368-372; L.Pascoli, Vite de' pittori, scultori, ed architetti mod. (I-II, R.1730-36), ed. V.Martinelli, Pe. 1992, 1005-1025; H.Hager, Stud. in the hist. of art 38:1993, 122-155; M.Pfister, Repert. der Magistri luganensii, Thalwil 1994; H.Hager, Quad. dell'Ist. di Storia dell'Archit. 25-30:1995-97, 337-360; V.Fontana., ibid., 361-366; W.Eisler, in: S. Della Torre u.a. (Ed.), Magistri d'Europa (Tagung Como), Mi. 1996, 303-312; G.Spagnesi, Alessandro Specchi. Alternativa al borrominismo, T. 1997; M.Zorzi, Bd'A 82:1997(101/102)67-78; G.Bonaccorso, in: Roma, le case, la città, R. 1998, 95-125; S.Sturm, Studi romani 47:1999(3/4)324-338; Rass. di archit. e urbanistica 33:1999/2000(98-100); G.Curcio, in: Storia dell'archit. ital. Il Settecento, Mi. 2000, 146-183; G.Bonaccorso, Rass. di archit. e urbanistica 35:2001(103/104)115-124; F.Rotundo, in: Atlante del Barocco in Italia, II: Il sistema delle residenze nobiliari. Stato Pontificio e Granducato di Toscana, R. 2003, 393-406; M.A. Rovida, ibid., 407-422; H.Hager, in: Storia dell'archit. ital. Il Seicento, Mi. 2003, 238-261; G.Curcio (Ed.), Il Tempio Vaticano 1694. C.F., Mi. 2003.

 

Archives:

Berlin, Kunstbibl. / Rom, Arch. Stor. del Vicariato di Roma: S.Lorenzo ai Monti, Stati d'anime, 1711-19, et altri; Arch. Segreto Vaticano: Fondo Carpegna, B. 62, fol. 7, 21; Arch. dell'Accad. Naz. di S. Luca / Windsor Castle, R. Libr.

 


THIEME-BECKER

Article by: Escher

Fontana, Carlo, Architekt u. Ingenieur, geb. 1634 in Bruciate bei Balerna (Distrikt Mendrisio), †5. 2. 1714 in Rom. Möglicherweise empfing er seine erste Schulung in Mailand und zwar unter dem Einfluß Ricchinis und seiner Schule, er erscheint aber hernach unter den Schülern Berninis in Rom. An welchen Arbeiten er dem Meister geholfen und was er in dessen Werkstätte ausgeführt hatte, ist unbekannt. Man wird annehmen dürfen, daß er mit bescheidenen Werken den Anfang machte. So ist er der Schöpfer der Kapelle Ginnetti in St. Andrea della Valle (1. r.), deren bauliche Ausgestaltung allerdings durch den Grundriß gegeben war. Möglicherweise ist er am Entwurf für die durch A. Raggi ausgeführte Marmordekoration beteiligt. (Der Hochaltar der genannten Kirche, der, mit Rücksicht auf die Fresken Domenichinos, nur als Mensa errichtet werden konnte, ist das Werk seines Sohnes Francesco [s. das.].) Nur untergeordnete künstler. Bedeutung haben die Restaurierung von S. Marta u. der Bau der Kapelle S. Maria dell' Assunzione. Wahrscheinlich hat F. gegenüber Bernini den Hauptanteil am Ausbau der 1664 von Carlo Rainaldi begonnenen Kirche S. Maria dei Miracoli; es handelt sich hauptsächlich um den Hochaltar, seitliche Grabmäler u. Kuppel. Der schlanke Glockenturm erscheint wie eine verkleinerte Nachbildung von Berninis Turmprojekten 170 Fontana für S. Peter. Auch der Ausbau von S. Biagio e Beata Rita zeigt F. in der Richtung Berninis: da sich der Eingang dieser Kirche in einer engen Gasse befindet, so suchte ihr F. eine Wirkung nach der Seite, d. h. dem breiten Platz vor der Kapitolstreppe, zu sichern. Er verwandte, als perspektivisches Kunstmittel, an den Fenstern die schrägen Wandungen. Wohl sein bestes Werk aus dieser Zeit ist die Kapelle Cibd an St. Maria del Popolo (um 1660), ein reguläres, durch eine Kuppel bekröntes griechisches Kreuz, dessen Wände in Freisäulen aufgelöst sind; der Baumeister verbindet eine fast klassische Ruhe des Aufbaus mit einer sehr warmen und reichen, durch das Licht modulierten Farbenstimmung. F. steht hier sichtlich unter dem Einfluß von Berninis letztem Stil. Als weitere, nicht durchweg datierte Werke werden von Titi genannt: Restaurierung der Kirche S. Margherita u. Errichtung ihrer Fassade (1680), Cappella Spada in der Chiesa Nuova, die Fassade von S. Umiltà, die Kirche SS. Faustino e Giovita, die Restaurierung von S. Spirito dei Napoletani, der vorzüglich malerische Hochaltar von S. Maria in Traspontina, ganz im Geiste des Jesuitenpaters Pozzo (vgl. Mitt. d. rhein. Ver. für Denkmalpfl., V [1911] 73), u. schließlich der Neubau von S. Maria ad nives. Nach F.s Plan wurde der Palazzo Bigazzini errichtet. 1687/8 erfolgte eine durchgreifende Restaurierung des ganzen Palazzo Venezia, und wohl etwa gleichzeitig diejenige der zugehörigen Kirche S. Marco; i. J. 1710 nahm F. im Auftrag des venezianischen Gesandten eine neue Untersuchung über den Zustand des Palastes und speziell der Sala del Mappamondo vor. In die Regierungen der Päpste Klemens' IX. und Klemens' X. fallen seine Studien für die Tiberkorrektion; aus diesen ist sein Werk: "Discorso sopra le cause delle Innondazioni del Tevere antiche e moderne a danno della città di Roma", 1696, hervorgegangen. Von Innocenz XI. wurde der Meister veranlaßt, technische Untersuchungen über den baulichen Zustand von S. Peter anzustellen. Seine technischen Studien, vereinigt mit historischen, wurden dann in seinem bedeutendsten literarischen Werk veröffentlicht, welches Alessandro Specchi mit seinen nach F.s Zeichnungen geschaffenen Stichen schmückte:,,Il tempio Vaticano e sua origine con gli edifici più cospicui antichi e moderni"', Rom 1696. In demselben Werke veröffentlichte F. auch ein Projekt zur Erweiterung des Petersplatzes, auf das Ende des 18. Jahrh. Cosimo Morelli zurückkam. Zunächst sollte der Platz, natürlich nach Wegschaffung eines ganzen Häuserblocks, bis zur Piazza Scossa Cavalli erweitert und bis zu diesem Punkte von Kolonnaden, entsprechend denen Berninis, begrenzt, und dieser erweiterte Platz durch einen Triumphbogen mit Uhrturm abgeschlossen werden; F. ging von der Voraussetzung aus, daß die gewaltige Fassade von S. Peter noch nicht genügend Raum habe; die Perspektive sollte aber noch mittelst einer neu anzulegenden Straße bis zur Engelsbrücke verlängert und die beiden Fronten neben der Ausmündung mit einfachen Kolonnaden verziert werden. Die Straße sollte sofort den Blick auf die Kuppel ermöglichen und die Basilika planmäßig von vornherein in ein perspektivisches Projekt einbeziehen, der Triumphbogen seinerseits dem erweiterten Platz einen gewissen Abschluß geben, aber es dem Beschauer auch ermöglichen, die ganze Herrlichkeit des Platzes mit einemmal zu erfassen und in höherem Maße zu genießen. F. errichtete schließlich den zweiten, südlichen Brunnen auf dem Petersplatz, unter Wiederholung desjenigen Madernas. Die Haupttätigkeit F.s fällt in die Regierungen Innoceni XII. und Klemens' XI. (seit 1691). Nach seinem Plan wurde in den 90er Jahren das Grabmal für Christine von Schweden in S. Peter begonnen (1702 vollendet). Für das hohe und schmale Wandfeld am 1. Pfeiler rechts wählte F. eine mehr lockere, aber keineswegs malerische Form: Marmorsarkophag mit Relief und Putten; der Umriß in der bronzenen Krone spitz zulaufend, darüber, durch die Umrahmung des Wandfeldes zu bildmäßiger Wirkung zusammengeschlossen, mit bronzener von einem Cherub getragener gerundeter Inschrifttafel, Medaillon mit dem Reliefbildnis. - Unter Innocenz XII. entstand die "Curia Innocenziana", heute Palazzo Montecitorio. Bernini hatte für Innocenz X. einen Nepotenpalast entworfen und Mattia de' Rossi den Bau begonnen, der aber 1655 noch nicht über das erste Geschoß hinauf gediehen war. Schon Alexander VII. hatte den Plan gefaßt, den angefangenen Palast zum päpstlichen Gerichtshof auszubauen; erst seit 1694 gelangte das Projekt zur Ausführung. Die Pläne und Erläuterungen F.s sind noch erhalten und außerdem im Druck veröffentlicht: "Discorso del cavalier C. F. sopra il monte citatorio situato nel Campo Martio ed altre cose ad esso appartenenti", Rom 1694. Nach rückwärts sollte sich ein länglicher Hof mit Kolonnaden auf 4 Seiten erstrecken; in der Achse sollte ein zweites Vestibül mit Apsiden liegen, das, mit anderen Räumen zusammen, in eine große Exedra eingeschlossen würde; vor der Fassade sollte sich dementsprechend ein großer halbkreisförmiger Platz mit Brunnen u. zwei Häusergruppen ausdehnen. (Idee der großen Exedra der Diokletiansthermen.) Von dem schon vorhandenen Bau verwandte F. nur die gebrochene Fluchtlinie, gestaltete aber die beiden oberen Geschosse dem Zweck entsprechend streng und sachlich in bewußtem Gegensatz zu der von Bernini geplanten Rustika aus Felsgestein. Er hob den Mittelrisalit durch Bündel von Kolossalpilastern, eine Attika und einen Uhrturm heraus. 1893 entstand ein Projekt für die Ripa Grande von F. und Mattia de' Rossi. In dasselbe Jahrzehnt, wohl um 1697, fällt die Einrichtung der Taufkapelle an S. Peter (1. I.); nach F.s Zeichnung wurde der Bronzedeckel für das aus einem antiken Porphyrsarkophag bestehende Taufbecken geschaffen. F. veröffentlichte darüber die "Descrizione della Cappella del fonte battesimale nella Basilica Vaticana", Rom 1697. 1694 erschien der "Trattato delle acque correnti" in 1., 1696 in 2. Aufl. 1699 war F. in Como, für dessen Domkuppel er die Pläne gezeichnet hatte. Für Klemens XI. erweiterte er das Ospizio di S. Michele a Ripa und baute Kornspeicher an Piazza Termini. 1708 Bau der Biblioteca Casanatense, der sich ausschließlich nach praktischen Gesichtspunkten richtete. Bei Anlaß einer Restaurierung von S. Teodoro legte F. vor der Fassade den halbkrei,förmigen Hof mit Doppeltreppe an (1705). Um die gleiche Zeit errichtete er die Fassade der Kirche S. Marcello am Corso, die in ihrem sachlichen Aufbau und der Verwendung von Freisäulen die klassische Richtung des alten Bernini wieder aufnimmt, in der konkaven Schwingung aber sowie in der Gliederung der Rücklagen und der Ersetzung der Voluten durch Palmwedel auch die freiere, mehr dekorative und malerische Richtung Borrominis zur Geltung kommen läßt; beide Stile hat F. zu einem gediegenen Werk von einheitlichem Charakter vereinigt. - Sein Werk "L'anfiteatro flavio descritto e delineato", Aja 1725 (erschien also posthum) bringt einen Plan, um in die Ellipse des Kolosseums hinein eine Zentralkirche, bestehend aus rundem, von Portiken umgebenem Mittelraum mit einer Kuppel als Abschluß und von 2 Glockentürmen als Begleitung, zu bauen; das ideelle Vorbild für die Kirche war S. Agnese an der Piazza Navona. Das Ganze war offenbar zu dem Zweck ausgedacht, das Kolosseum endgültig gegen Profanation zu schützen; denn Klemens XI. scheute sich nicht, einen Teil des Baus als Salpeterfabrik zu verwenden. Aus diesem Grund entstand das Projekt wahrscheinlich in dieser Regierung; entweder wagte F. nicht, es zu Lebzeiten des Papstes zu veröffentlichen, oder er wurde durch sein Ableben daran verhindert. Im Auftrage Klemens' XI. errichtete er vor der Fassade von S. Maria in Trastevere den einfachen, geschickt in Hauptteil und Rücklagen gegliederten Portikus, der nur durch den Stil der seine Balustrade bekrönenden Statuen seinen barocken Ursprung offenbart. Als weitere Werke werden F. in Rom zugeschrieben: Pal. Grimani an Strada Rosella, Bau oder Restaurierung von Pal. Bolognetti-Torlonia (an Piazza Venezia), das 1830 umgebaute und seither anders benannte Teatro Tordinona, das Becken der Acqua Paola, die Restaurierung des Casino del Vaticano, womit wohl das Kasino Pius' IV. gemeint ist, wo er alle Baumodelle vereinigte, u. schließ lich Palazzo Visconti in Frascati. Sein gesichertes Werk ist die weithin sichtbare Kuppel des Doms von Montefiascone. Für die. Accad. di S. Luca, deren erster "principe" er 1686 (s. u.) war, baute er in ihrer Kirche die Kapelle und den Altar auf der Evangelienseite. F. war auch für dekorative Arbeiten großen Stils tätig: es sind zunächst die beiden Triumphbogen, die er für den Herzog von Parma beim Einzug von Innocenz XII. (1692) und Klemens XI. (1701) errichtete, in der Umrißlinie reich bewegte Bauten (Gurlitt). Ins Jahr 1707 fällt die Dekoration für die Leichenfeier König Peters II. von Portugal, welche in S. Antonio dei Portoghesi stattfand und von welcher sich Stiche erhalten haben. Sehr wahrscheinlich hatte F. den Entwurf für einen Kunstschrank des Fürsten Colonna geliefert, den, wohl nach F.s Angaben, die Brüder Franz und Dominik Steinhard mit Elfenbeinreliefs schmückten (1678); er befindet sich heute im Palazzo Colonna. In Neapel wird F. der Palazzo Bagnara Ruffo an Piazza Dante zugeschrieben (1660). Seine Urheberschaft für den inneren Umbau des Doms von Bergamo (abgesehen von der Kuppel, welche von seinem Projekt abweicht) ist beglaubigt, nur kann das von Ticozzi überlieferte Datum 1650 schwerlich als das richtige angesehen werden. Für den Wohnbau der Villa Chigi in Centinale bei Siena (vor Porta S. Marco) lieferte er den Entwurf. An Palazzo Scipione Capponi in Florenz wird F.s Hand in den 2 oberen Geschossen des Mittelrisalits nach vorn sowie in der ganzen Gartenfassade vermutet. Palazzo Panciatichi-Ximenes ist das Werk des Gherardo Silvani, und daß dieser einen Plan F.s benützt habe, ist nicht beglaubigt, auch stilkritisch nicht nachweisbar. Nach Genua wurde F. durch Eugenio Durazzo berufen. um dessen Palast, heute Palazzo Reale, auszubauen. Wahrscheinlich ist ihm das Atrium mit den beiden Loggien und dem Hauptportal, eine zweite und zwar doppelte Treppe sowie die Veränderung der Diensträume zuzuschreiben. Direkt und indirekt übte F. auch auf die Kunst anderer Länder einen bedeutenden Einfluß aus. 1681 erhielt er den Auftrag, einen Entwurf für das Jesuitenkollegium in Loyola zu fertigen; der General P. Oliva befahl ausdrücklich, daß beim Bau nicht davon abgewichen werden dürfe. Es war wohl das erste Mal, daß die Pläne für eine spanische Jesuitenkirche auf direkten Auftrag hin in Rom entstanden, Beweis genug für den Ruf, den F. genoß. Der Grundstein wurde 1689 gelegt, 1710 war der Konvent soweit fortgeschritten, daß einzelne Wohnungen bezogen werden konnten, 1738 fand die Weihe des Rohbaus statt. Ob nun wirklich der ausführende Baumeister, Ignacio de Ibero, den Plan F.s als solchen ausgeführt hat, oder ob zwischen 1681 u. 89 noch Verhandlungen schwebten, derart, daß F. auf ausdrücklichen Wunsch der Auftraggeber hin seinen ursprünglichen Plan änderte, d. h. etwas hispanisierte, ist nicht festzustellen. Immerhin bedeutete der kreisförmige Grundriß der Kirche mit seiner radialen Pfeilerstellung und seinen flachen Kapellen eine Neuerung innerhalb der spanischen Architektur, zugleich auch eine Steigerung der in Rom nur für kleinere Bauten verwandten Raumform ins Große. Sie spielt gerade an der Jahrhundertwende eine nicht geringe Rolle. Spanischem Geschmack aber entspricht die an das Kreisrund angelegte Vorhalle und ebenso die Dekoration außen und innen sowie die Treppenanlage vor der Kirche. Die weit ausgedehnten, zusammen im Grundriß ein Rechteck mit rückwärtigem Risalit bildenden Konventsgebäude enthalten 3 Höfe und 2 große Doppeltreppen. Sie umschließen die Kirche auf 3 Seiten, sichern ihrer Fassade aber, durch ihre eigene bis zur Nüchternheit getriebene Einfachheit, architektonisch wie dekorativ eine unbedingt beherrschende Wirkung. Dem römisch geschulten Geist F.s entsprungen, wurde sie in Spanien das Vorbild für eine Reihe weiterer Jesuitenkirchen. Die wichtigsten Träger des Wiener Barock, die Fischer von Erlach und Joh. Lukas v. Hildebrandt, hatten Beziehungen zu F., letzterer war sogar F.s Schüler; auch Joh. Bernh. Fischer studierte eifrig dessen Werke. In der fürstlich Liechtensteinschen Bibliothek in Wien befindet sich ein Plan, den F. 1696 im Auftrag des Gesandten, Graf Martinitz, für Hans Adam Andreas Liechtenstein fertigte, der sich aber nur auf das Palais in der Rossau bezieht und nicht zur Ausführung gelangte. Vermutungsweise wird auch das Lustschloß Buchlowitz in Mähren auf ihn zurückgeführt. Es steht auch nicht endgültig fest, ob er oder einer seiner Söhne einen Entwurf für einen neuen Marstall nach Wien sandte. Jedenfalls hat er durch den älteren Johann Bernhard Fischer von Erlach und durch Hildebrandt einen nicht geringen Einflug auf den Barockstil Österreichs ausgeübt. 1666-1700 kommt F. als "misuratore e stimatore della Camera Apostolica" in den päpstl. Ausgabenbüchern vor. 1667 wurde er Mitglied der Akad. von S. Luca, deren Vorsitzender er 1686 u. 87, sowie 1694 bis 1698 war. Seine Grabschrift s. bei Forcella, Iscrizioni delle Chiese Romane, V 660 No 458. Pascoli berichtet von seinen vielseitigen Kenntnissen in Hydraulik, Mechanik, Geometrie und Mathematik; er war Dichter und guter Redner, sprach aber, nach Pascolis Aussage, zu oft von sich und seinen Werken. Sein Sohn Francesco und sein Enkel Mauro, ebenso seine Neffen Girolamo und Carlo Stefano, Söhne seines Bruders, waren Architekten. Seit 1667 war Giovanni Luigi Fenice sein Hauptgehilfe. Seine bedeutendsten Schüler waren Filippo Juvara und durch diesen Luigi Vanvitelli. Die Leipziger Stadtbibliothek bewahrt eine Sammlung von 66 Studien und Entwürfen F.s mit eigenhändigem Vorwort und Erläuterungen (cf. Zeitschr. f. bild. Kst N. F. XXV [1914) 123). F. ist aus der Schule Berninis hervorgegangen, und zwar aus dessen gereiftem, klassischem Stil, und diese Richtung kennzeichnet seine Schaffensweise, wenn er auch in dekorativen Zutaten bis zu einem gewissen Grade der mehr malerischen Auffassung Borrominis, namentlich aber Pozzos huldigte. Er leitete diese Vereinigung des Klassischen mit dem Malerischen aus dem 17. ins folgende Jahrhundert hinüber und verknüpft so Bernini mit den großen Klassizisten. Seine Forderung nach sachlicher Ruhe und Einfachheit im Aufbau nährte er durch das eingehende Studium antiker Baudenkmäler. Er erblickte deshalb das Heil der Kunst in der Rückkehr zu den alten Bautypen und soll seinen Schülern erklärt haben: Vergeßt alles, was ihr bisher gelernt habt, wenn ihr bei mir bleiben wollt. Die größten und dauernd wertvollen Absichten des Barocks, die Verbindung von zweckentsprechend durchgeführten Gebäuden mit Plätzen und Straßen, die sie in ihrer monumentalen Wirkung noch steigerten, kamen in F. ähnlich wie in Bernini zum Ausdruck, nur daß es F. nicht vergönnt war, sie durchzuführen. Er umfaßte auf dem Gebiete der Architektur ein ähnlich großes Wirkungsfeld wie sein Lehrer, von bescheidenen Kapellen bis zu Bauten großen Stils, ja bis zu Projekten, welche einen ganzen Stadtteil einem künstlerischen Willen unterwarfen. F. hatte natürlich seine Hauptschule in Rom; mochte er auch vorübergehend in Florenz tätig gewesen sein, so war sein Wirken dort nicht von nachhaltiger Bedeutung, weil die Kunstgesinnung der römischen Auffassung fremd blieb. Während seiner klassischen Richtung das 18. Jahrhundert in Italien gehört, verbreitete sich sein Einfluß auch nach Spanien und Österreich; er wird auch in Sachsen vermutet. Biographisches u. Allgemeines: L. Pascoli, Vite de' pittori etc., 1730 II 542ff. - F. Milizia, Mem. degli architetti, ed. 1797 II 389f. - A. Ricci, Stor. dell' archit. ital. III (1859) 581ff., 636. - C. Gurlitt, Gesch. des Barockstiles in Italien, 1887. - G. Merzario, I Maestri Comacini, 1893 II 260, 474f. - K. Escher, Barock u. Klassizismus, 1909 p. 118. Einzelne Werke: A) Rom: Titi, Descr. di Roma, 1763. - Chattard, Descr. del Vaticano, 1801 I 42, 134, 143. - Missirini, Mem. p. s. alla stor. della rom. Accad. di S. Luca, 1823 p. 111, 147, 190, 966. - Machado, s. u. - P. Letarouilly, Edifices de Rome, 1849 p. 138f. - Il Buonarroti, 1871 p. 323f. (Tiber-Regulierg). - A. Bertolotti, Artisti belgi ed olandesi in Roma, 1880 p. 26ff.; Artisti lombardi etc., 1881 II 43-6; Artisti svizzeri etc., 1886 p. 43f. - Dom. Gnoliim Arch. stor. dell' arte II (1889) 142 (Petersplatz). - St. Fraschetti in L'Arte II (1899) 278 (Pal. Montecitorio). - P. Misciatelli im Repert. f. Kstwiss. XXXII (1909) 247ff. (Vatikan) u. in Vita d'arte, IV (1909) 336-45 (Montecitorio). - Der Palazzo di Venezia in Rom, Wien 1909 p. 26 Anm. - P h. Denge1, Palast u. Basilika von S. Marco, 1913 p. 30, 90. - E. Rodocanachi im Bullet. de l'art anc. et mod., XXXIII (1913) 296ff. (Kolosseum). - O. Pollak im Jahrb. d. preuß. Kstsamml. XXXIV (1913) Beih. p. 16-8 (Arbeiten für Fürst Colonna; 2 Briefe). - Scatassain Rass. bibl. d. arte ital. XVII (1914) 179f. (Grabm. d. Christine v. Schweden). B) Außerhalb Roms: 1) Italien: A. Pasta, Le pitture notab. di Bergamo, 1775 p. 14. - P. Locatelli, Illustri Bergamaschi, III (1879) 214ff., 376. - P. Pesenti, Bergamo (Ital. artist. LVII), 1910 p. 119. - Carlieri, Ristretto delle cose più notab... di Firenze, 1719 p. 18f., 32. - W. Suida, Genua (Ber. Kststätten XXXIII), 1906 p. 111. -Art. Pettorelli in Rassegna d'arte XII (1912) 139ff. (Genua, Pal. Reale). - Napoli Nobiliss. X (1902) 173; cf. XI 112. - Ettore Romagnoli, Cenni storartist. di Siena, 1840 p. 100 No 503. - 2) Ausland: E. Llagunoy Amirola, Noticias de los arquitectos etc. de España, 1829 IV 116. - Cyrillo Volkmar Machado, Colleção de memorias etc., Lissabon 1823 p. 162. - Otto Schubert, Gesch. des Barock in Spanien (Gesch. der neuer. Baukst VIII), 1908. - Jos. Braun, Spaniens alte Jesuitenkirchen (Ergänzungshefte der Stimmen aus Maria Laach 112f.), 1913. - A. Ilg, Die Fischer von Erlach, 1895. - A. Prokop, Die Markgrafsch. Mähren etc., 1904 IV. - Bau- u. Kstdenkm. Kgr. Sachsen, XVIII 48; XXIII 212. - Mit Notizen von Friedrich Noack.