Grünewald, Matthias (Mathes; Mathis; Matthäus), eigtl. Neidhart, Mathis, alias Gotthart (1527 erscheint er als "meister Mathis Nitart von Wirtzburg, maler", 1528 als "meister Mathis Nithart oder Gothart" [Kehl, 1964, Nrn 15 c, 22]); von den Zeitgen. Mathis von Aschaffenburg genannt, dt. Maler, Zeichner, Wasserbau-Ing., *um 1480/83 Würzburg(?), †vor 1.9.1528 Halle/Saale. Der Name von G.s Ehefrau (†vor 1526) ist nicht bekannt. Adoptivsohn Andreas (Endres) Neidhart (*um 1516 Aschaffenburg[?], †nach 1553 Frankfurt am Main); Neidhart war daher der eigtl. Fam.-Name, Gotthart ein Pseudonym, dessen Wahl gemeinhin mit G.s Religiosität begründet wird.
Grünewald, Matthias
G. hat entweder mit "Mathis" oder mit einem Monogr. sign., das in zwei Formen bek. ist: G in M ligiert (Typ 1) bzw. G in M ligiert mit nachgestelltem kleineren N (Typ 2). Er führte ein Wappen, dessen Aussehen nicht überliefert ist; der im Nachlaß aufgeführte Wappenbrief dürfte ihm - wie etwa auch im Falle des Mainzer Bildhauers Hans Backoffen - aufgrund der Verdienste als langjähriger Hofmaler der Mainzer Erzbischöfe und Kurfürsten ausgestellt worden sein. Der Name G. wurde erst von Joachim von Sandrart in der "Teutschen Acad. der Edlen Bau-, Bild- und Mahlerey-Künste" eingeführt (Nü. 1675/79). Die darin erstmals zusammengetragenen biogr. Informationen und Angaben zum Werk bilden bis heute die oft einzige hist. Grundlage zur Beurteilung der Person und ihres Schaffens. Sandrart spricht von "Matthäus Grünewald, sonst Matthäus von Aschaffenburg gen.", doch bleibt unklar, wie die Verbindung der beiden Namen zustandegekommen ist (Arndt, 1994). Auf der Suche nach dem hist. G., dessen Biogr. im wesentlichen von Zülch (1938) ans Licht gebracht wurde und mit Modifikationen bis heute gültig geblieben ist, geriet die Forsch. wiederholt auf Abwege. Dies konnte um so leichter geschehen, als es um die Wende vom 15. zum 16. Jh. in der Region zw. Aschaffenburg, Seligenstadt, Frankfurt am Main und Mainz mehrere Maler bzw. Bildhauer gab, die in den Quellen übereinstimmend als "Meister Mathis" bez. werden und deren Biogr. früher oder später auch auf G. bezogen wurden. Als eigenständige Persönlichkeiten sind heute erkannt: der 1480-89 in Aschaffenburg tätige Maler "Meister Mathis" (Kehl, 1964); der von 1501-40 in Seligenstadt ansässige Bildschnitzer Mathes Harer (Neubauer, 1958; Ziermann, 1966; Neubauer, 1968); der ab 1512 in Frankfurt am Main lebende Bildhauer und Gelegenheitsmaler Mathis Grün aus Eisenach, der 1531 im Dienst des Grafen Eberhard von Erbach verstorben ist (Rieckenberg, 1974; Lücking, 1983; dagegen Vetter, 1977; Deyhle, 1979; Arndt, 1994). Mit der Frage der Identität eng verknüpft war die z.T. nachdrücklich behauptete Tätigkeit G.s als Bildschnitzer (Hotz, 1961; Lanckoronska, 1965; Lücking, 1983), doch wurde dieser Ansatz durch die immer klarer zutage tretende Trennung der Biogr. zunehmend obsolet und wird heute nicht mehr ernsthaft verfolgt (Schädler, 1962; Hubach, 2001). Die ersten biogr. Hinweise ergeben sich aus seinem Werk: 1503 hat eine Nürnberger Wkst., wahrsch. jene des Malers Michael Wolgemut, einen Schnitzaltar für die Bartholomäus-Kirche in Bindlach geliefert, dessen Flügelaußenseiten mit einer ungewöhnlichen Komp. der Vierzehn Nothelfer bemalt sind, die, obwohl stark beschädigt, dem jungen G. mit überzeugenden Gründen zugeschr. wird (Lindenhardter Tafelbilder, 1978; Oellermann, 1991; ablehnend Ziermann, 2001). 1685 wurde das Retabel an die durch einen Brand beschädigte St. Michaels-Pfarrk. in Lindenhardt abgegeben. Die Tätigkeit G.s in oder zumindest im Umkreis der Wolgemut-Wkst. in den Jahren 1502/03 schuf zugleich die Voraussetzung für eine von zahlr. Autoren für diesen Zeitraum postulierte persönliche Begegnung mit Albrecht Dürer, die im Werk beider ihre Spuren hinterlassen habe (am ausführlichsten Weixlgärtner, 1949; Anzelewsky, 1955). Die Vermutung, daß auch die Coburger Tafel mit dem Abendmahl auf der Außen- und den Hll. Agnes bzw. Dorothea auf den Innenseiten urspr. als Predellenflügel zum Lindenhardter Altar gehörten (Oellermann, 1991), hat sich nicht bestätigt. Bei diesem Täfelchen, das unverkennbar die typischen Merkmale eines Jugendwerkes zeigt (Bauch, 1969), ist in dem reichen Kolorit, der Vielfalt der Physiognomien und den lebhaften Gesten der Einfluß des Augsburger Malers Hans Holbein d.Ä. zu erkennen, der 1500-01 den Hochaltar für die Dominikanerkirche in Frankfurt am Main gemalt hat. Ob G. auf der Wanderschaft als Geselle dort oder wohl eher in Augsburg mit dem Schaffen von Holbein vertraut geworden ist, sei dahingestellt; daß er in jungen Jahren in Augsburg gewesen ist, belegt seine Vertrautheit mit der Malerei von Hans Burgkmair d.Ä. Die grundlegende Ausb. wird G. jedoch bei einem Meister in bzw. der Region um Würzburg erhalten haben, weshalb die Einflüsse der fränkischen Malerei des 15. Jh. auf sein Schaffen jüngst zurecht noch einmal hervorgehoben wurden (Suckale, 2007). Eine Reise G.s nach Italien hält der Autor für unwahrscheinlich trotz des unverkennbar ital. Char. der Zchng Maria mit Kind und Johannesknaben aus der Zeit um 1516-19 (Berlin, Kpst.-Kab.). Werke der ital. Renaiss. konnte er auch in Augsburg und Nürnberg kennenlernen oder über Zchngn und Druckgraphik, die der italophile Aschaffenburger Stiftsherr Heinrich Reitzmann, einer seiner Auftraggeber, nachweislich besessen hat (Hubach, 1996). Nach dem Aufenthalt in Nürnberg muß G. seine Wanderzeit sehr rasch beendet haben und in Aschaffenburg seßhaft geworden sein. Seine Anwesenheit ist dort ab dem Spätherbst 1505 dokumentiert. Die Gründe, die ihn bewogen haben, in die kurmainzische Residenzstadt zu ziehen, kennen wir nicht. Da er aber bereits zu diesem frühen Zeitpunkt in den Quellen als Meister mit eigener Wkst. und einem Gehilfen bez. wird, muß er zuvor das Bürger- bzw. ständige Sitzrecht in der Stadt erlangt haben, was nach geltendem Recht frühestens nach einem Aufenthalt von einem Jahr und einem Tag möglich war; das heißt, G. ist spätestens 1504 nach Aschaffenburg gezogen. Damals ließ Heinrich Reitzmann ein Epitaph (nicht erh.) für seinen verstorbenen Onkel Johannes Reitzmann anfertigen. G.s persönlicher Anteil an diesem Auftrag ist nicht dok., doch wurde sein Diener oder Lehrjunge für das Fassen und Beschriften der Tafel bezahlt (30.11.1505: "Item 6 albos famulo meister Mathis ad pingendam et scribendam tabulam epitaphii"; Kehl, 1964, Nr 1a-c). Das früheste erh. Gem. dieser Zeit ist die als Bildthema zuvor nur selten aufgegriffene Verspottung Christi nach dessen Verurteilung durch Kaiphas (1504/05), die im Auftrag des damaligen Mainzer Vitztums Johann von Kronberg als Epitaph für seine im Vorjahr verstorbene Schwester Apollonia entstand (München, AP); entsprechende Inschr. und das Sterbejahr 1503 wurden erst zu Beginn des 20. Jh. bei Rest.-Arbeiten von der Tafel entfernt. Das Bildfeld ist rundum beschnitten, doch überliefert eine 1603 von dem Aschaffenburger Maler Johann von Gulchen für Hartmut von Kronberg hergestellte Kopie (Mus. der Stadt Aschaffenburg) die urspr. Komposition. Noch vor E. des Jahrzehnts erhielt G. den Auftrag, für ein von dem Frankfurter Kaufmann und Ratsherrn Jakob Heller bei A.Dürer in Auftrag gegebenes Retabel zwei zusätzliche Standflügel anzufertigen. Die Mitteltafel mit der "Himmelfahrt und Krönung Mariens" führte Dürer selbst aus (1729 beim Brand der Münchener Residenz vernichtet; durch eine Kopie von Jobst Harrich von 1613 überliefert), die beweglichen Flügel waren dagegen Wkst.-Arbeiten (Kopie und Flügel im HM Frankfurt am Main). Sie zeigen auf den Innenseiten die Namenspatrone der Stifter sowie deren Portr., Heller und dessen Frau Katharina von Melem, und außen, angeordnet in zwei Registern übereinander, die "Hll. Petrus, Paulus, Thomas von Aquin und Christophorus" sowie darüber die "Anbetung der Hll. Drei Könige", alles in Grisailletechnik ausgeführt. Ein von 1507-09 zw. Heller und Dürer geführter Briefwechsel, von dem allerdings nur die Briefe des Malers in Abschrift erh. blieben, gewährt detaillierte Einblicke in die Genese des Altares, und man erfährt, daß Dürer auch eine Zchng zum Aufbau des Retabelrahmens nach Frankfurt schickte. Wie dieser Entwurf aussah und ob darauf bereits die Integration der Standflügel G.s vorgesehen war, ist nicht bekannt. Diese übernehmen auf ihrer Vorderseite die formale Gliederung in zwei Register mit Heiligenfiguren - links der Hl. Laurentius oben, die Hl. Elisabeth von Thüringen unten, rechts der Hl. Cyriakus über einer unbestimmten Märtyrerin (Lucia?), während die Rückseiten mon. Säulen zeigen; zu Füßen des hl. Cyriakus erscheint G.s Monogr. (Typ 2; Monogr. und Namens-Inschr. wurden nachträglich vom Rahmen ins Bild übertragen). Die hll. Frauen des unteren Registers stehen in illusionistischen Wandnischen, die den gleichsam als Plinthen zu lesenden Standflächen der männlichen Hll. mit deren Namen als Aufleger dienen. G.s Tafeln wurden später auseinandergesägt und getrennt (Frankfurt am Main, Städel, und Karlsruhe, SKH). Sie gelten zurecht als ein Höhepunkt der Grisaillemalerei. Die "gemalten Bildwerke" erscheinen aufgrund der Detailfülle, der fließenden Gewänder und nicht zuletzt der sorgfältig inszenierten, den realen Lichteinfall berücksichtigenden Bedingungen in ungewöhnlich hohem Maße verlebendigt, ebenso die genau nach der Natur studierten Pflanzen und die vegetabile Ornamentik. Das Retabel war Teil der Jenseitsfürsorge von Heller für sich und seine Frau. Es war für einen Altar bei deren Grabstätte in der Frankfurter Dominikanerkirche bestimmt, der vor dem ersten südwestlichen Langhauspfeiler stand und dem hl. Thomas von Aquin geweiht war. Sein Aufbau ist in der Forsch. umstritten, doch erscheint der Vorschlag, daß es sich dabei um ein Ädikularetabel mit kleeblattförmigem Giebel gehandelt hat, am plausibelsten und wird zunehmend akzeptiert; die Klappflügel müssen dabei fest mit den Säulen verbunden gewesen sein, die entlang ihrer Längsachse gedreht werden konnten (Decker, 1985; 1996). In der Dominikanerkirche befand sich noch ein weiteres Werk von G., eine Verklärung Christi auf dem Berg Tabor (nicht erh.), bei der Sandrart die "verwunderlich-schöne Wolke" hervorhebt, "darinnen Moyses und Elias erscheinen, samt denen auf der Erden knienden Aposteln, von Invention, Colorit und allen Zierlichkeiten so fürtrefflich gebildet, dass es Selzamkeit halber von nichts übertroffen wird"; das Bild sei in "Wasserfarben" gemalt und oberhalb des Heller-Altars zu sehen gewesen. Über die richtige Interpretation dieser Textstelle ist lange gestritten worden. Die Vorschläge reichen von einem Wandbild oberhalb bzw. zu seiten des Altars über die Rekonstr. eines eigenständigen Retabels bis zu der Vermutung, die Verklärung sei in das Giebelfeld des Heller-Altars integriert gewesen, doch bleibt keine dieser Hypothesen ohne innere Widersprüche. Der Autor hält den von der zeitgen. Verwendung des Begriffs "Wasserfarben" abgeleiteten Vorschlag für zutreffend, wonach es sich bei der Verklärung maltechnisch um eine großformatige Tüchleinmalerei auf Lw. gehandelt hat, die in der Nähe des Heller-Altares aufgehängt war (Brinkmann, 2005). Anhaltspunkte dafür, daß dieses Werk annähernd zeitgleich zu den Standflügeln des Heller-Altars entstanden ist, bieten G.s Apostel-Studien zur Frankfurter Verklärung (Dresden, Kpst.-Kab.), die um 1510 oder kurz danach dat. werden (Roth, 2008). Ungefähr um die gleiche Zeit beginnt G.s Karriere im Dienst des Domkapitels bzw. der Kurfürsten von Mainz. Seine Anstellung bei Hof ist nicht nur durch mehrere Zahlungen der Hofkammer belegt, sondern wird durch eine frühe Sammlernotiz auf der eigenhändig mit "[M]athis" sign. Zchng Weibliche Halbfigur mit gefalteten Händen (Oxford, Ashmolean Mus.) bestätigt, wo es heißt: "Disses hat Mathis von Ossenburg [Aschaffenburg] des Churfürsten v[on] Mentz Moler gemacht und wo du Mathis geschriben findest das ha[t] Er mit Eigner handt gemacht". Außerdem fanden sich in G.s Nachlaß "1 rot hoffcleyd" und "1 rot[er] hoffrock" (Arndt, 1994). G.s Aufgaben waren jedoch nicht auf die Malerei beschränkt, sondern umfaßten auch Tätigkeiten als Ing. und Baumeister, viell. auch das Entwerfen von Goldschmiedearbeiten bzw. Perlenstickereien für die Hofgoldschmiede und Seidensticker (Hubach, 2001). G.s Berufung erfolgte aber nicht aufgrund seiner Fähigkeiten als Maler, sondern wegen seiner Begabung als Wasserbauingenieur. Unter den authentischen G.-Dokumenten finden sich aus allen Lebensphasen Belege für eine erfolgreiche Tätigkeit auf diesem Gebiet (Saran, 1972; Loibl, 2002; Hubach, in: G. und seine Zeit, 2007). Bei der amtlichen Feststellung seines Todes und der Regelung des Nachlasses wird er von den Behörden in Halle und Frankfurt am Main ausdrücklich als "maler adder wasserkunstmacher" bez. (Kehl, 1964, Nrn 19 a-b, 20). Die Bedeutung des Begriffs "Wasserkunst" war sehr umfassend. Man verstand darunter allg. alles Wissen und alle handwerklichen Fähigkeiten, die notwendig waren, um Wasser zu heben, zu leiten oder es sich auf andere Weise dienstbar zu machen, einschließlich der Konstruktion und des Baus der dazu notwendigen Pumpen, Rohrleitungen und Mühlwerke als Antrieb. Eine sehr gute Beherrschung des Zimmererhandwerks war dafür Voraussetzung, ebenso fundierte Kenntnisse der Mathematik, bes. der praktischen Vermessungstechniken mit dem Quadranten und dem Jakobsstab. Ob G. sein Können im Verlauf einer regelrechten Zimmererlehre erworben hat oder ob es ihm als Kind aus seinem familiären Umfeld zugewachsen ist, wird sich wohl nicht mehr klären lassen. Auf Anraten seines Bauverwalters Johann von Hattstein beschloß das Mainzer Domkapitel am 13.6.1510, die am Brunnenzug der oberhalb Bingens gelegenen Burg Klopp notwendig gewordenen Wartungsarbeiten an G. zu vergeben, zuerst auf Probe und in der Hoffnung, daß jener die Domherren nicht in vermeidbare Unkosten stürzen werde. Bei welcher Gelegenheit Hattstein G.s Fähigkeiten jenseits der Malerei zuerst aufgefallen sind, wissen wir nicht. Da jedoch vieles dafür spricht, daß der Maler/Ing. die in ihn gesetzten Hoffnungen erfüllt hat, erscheint plausibel, daß es der Dombaumeister selbst gewesen ist, der ihm endgültig den Weg in den Mainzer Hofdienst geebnet hat. Jedenfalls beaufsichtigte "Meister Mathys der maler, der dazumal meyns gnedigen Herrn von Mentz [Erzbischof Uriel von Gemmingen] diener" gewesen ist, 1511 den Einbau eines von ihm entworfenen Kamins und eines repräsentativen Türgewändes im Aschaffenburger Schloß. Da sich der mit der Ausführung betraute Frankfurter Baumeister Hans Mertenstein aber nicht an G.s Modell hielt, weshalb der Kamin nicht zog und den Rauch nicht abführte, kam es später zu einer langwierigen Auseinandersetzung vor dem Gericht in Frankfurt, zum sog. "Kemenaten-Prozess", in dem Mertenstein letztlich unterlag. Das Verfahren zog sich v.a. deshalb vom 4.9.1514 bis 23.2.1516 hin, weil G. offenbar nicht als Zeuge geladen werden konnte. Er hielt sich damals im Elsaß auf, wo er sein Hw. schuf, den Isenheimer Altar, der zu den Meisterwerken der europ. Kunst gehört (Colmar, Mus. d'Unterlinden). Ursprünglich handelte es sich um ein doppelt wandelbares Retabel, für das der Straßburger Bildschnitzer Nikolaus Hagenauer die Skulpt. in Schrein und Predella anfertigte, während G. die Flügel bemalte. Außerdem ist das Retabel in mindestens zwei Phasen entstanden, deren zeitlicher Abstand jedoch unklar ist. Je nach Deutung der Sachlage ist der Anteil G.s an der Gesamtkonzeption unterschiedlich zu beurteilen. Der eine, für den Autor wahrscheinlichere Vorschlag (Heck/Recht, 1987; Oellermann, 1989; Heck, 1992) geht davon aus, daß der damalige Präzeptor des Antoniter-Hospitals Johann de Orliaco um 1490 den Colmarer Maler Martin Schongauer als Generalunternehmer mit der Herstellung eines neuen Hochaltarretabels beauftragt hat, der seinerseits die Skulpt. bei Hagenauer bestellte, die dann ca. drei Jahre später auch geliefert wurden. Schongauer war unterdessen aber in Breisach verstorben, weshalb das Projekt zunächst liegenblieb. Der technische Befund der Schnitzfiguren und der vom Schrein erh. Ornamentik läßt erkennen, daß dieses erste Retabel sehr viel kleiner ausgefallen wäre, da im Schrein nur die Hauptfigur, der in einer Lsch. sitzende Hl. Antonius, mit den beiden Votivstatuetten zu plazieren war, während die als Hochreliefs ausgearbeiteten Hll. Augustinus und Hieronymus die Innenseiten der Flügel einnehmen sollten; für Schongauers Malerei standen die Außenseiten der Flügel zur Verfügung. Weshalb dann fast zwanzig Jahre später unter dem Präzeptor Guido Guersi gerade G. mit der Fertigstellung betraut wurde und nach Isenheim kam, ist nicht bekannt. Er hat das Projekt jedoch einer grundlegenden Revision unterzogen und auf das heutige Format erweitert. Die dabei anfallenden Schreinerarbeiten hat er wahrsch. an Meister Michel Wesser aus dem nahegelegenen Altkirch vergeben. Es entstand ein in der Mitte überhöhter Schrein, in dem nun auch die beiden Kirchenväter aufgestellt wurden zu seiten des auf einem neu angefertigten Thron sitzenden Ordenspatrons. Daran wurden zwei Stand- und zwei Paar Klappflügel mit den zwischen 1512-15 ausgef. Gem. G.s montiert, so daß das Retabel, da es zweifach gewandelt werden konnte, drei ausgearbeitete Schauseiten aufweist. Eine für das Erscheinungsbild der Gem. entscheidende technische Besonderheit der Retabel-Archit. liegt darin, daß dort, wo die Klappflügel bei geschlossenem Zustand zusammentreffen, auf vertikale Rahmenleisten verzichtet wurde, so daß G. für seine Hauptbilder einheitliche Malflächen ohne optische Unterbrechung zur Verfügung standen. In dem zweiten Deutungssystem wird die aus Sicht des Autors überzeugende und gut begründete Dat. der Skulpt. Hagenauers in die Zeit um 1490-93 abgelehnt und statt dessen vorgeschlagen, daß der Bildhauer um 1510 als Generalunternehmer des Isenheimer Retabels aufgetreten sei und G. seine Gem. daher in dessen Wkst. in Straßburg ausgef. habe (Béguerie-De Paepe, 2007). Dies würde bedeuten, daß das Retabel in einem Zuge geplant und ohne größere Unterbrechung hergestellt wurde, weshalb die nachträglichen Veränderungen an den Skulpt. aber ebenso ohne plausible Erklärung blieben wie die Rolle des vor dem hl. Augustinus knienden früheren Präzeptors J. de Orliaco. Das Isenheimer Retabel war zur Aufstellung auf dem Hochaltar der Kirche des Antoniter-Hospitals in Isenheim bestimmt; Franz Christian Lerse hat es um 1780/90 dort noch im urspr. Zustand gesehen und ausführlich beschrieben. Die Mitgl. des Antoniterordens hatten sich der Krankenpflege verschrieben, bes. vom Antonius-Feuer (ignis sacer) befallene Patienten fanden bei ihnen Aufnahme. Grund für diese äußerst schmerzhafte Erkrankung (Ergotismus), die zu offenen Geschwüren und zum allmählichen Austrocknen und Absterben der Gliedmaßen führte, war eine Mutterkornvergiftung durch verseuchtes Brot. Der Versuch, die Ikonogr. des Isenheimer Altars u.a. auch aus den bes. Bedingungen dieses "hospital context" zu erklären (Hayum, 1989), stellt daher einen fruchtbaren und längst noch nicht ausgereizten Ansatz dar, um die ungewöhnliche Bildsprache G.s zu verstehen. Die Werktagsseite des Isenheimer Altars zeigt bei geschlossenen Klappflügeln als Mittelbild eine ob ihrer Drastik erschütternde Kreuzigung Christi. Die Hauptfigur, der unter maßlosen Qualen am Kreuz gestorbene Christus, bietet einen grauenvollen Anblick. Sein von Marterwunden entstellter und gräßlich verfärbter Körper ist in fahles Licht getaucht, was ihn von dem nachtdunklen Hintergrund der Lsch. abhebt. Links unter dem Kreuz stützt der Jünger Johannes die in Ohnmacht fallende Gottesmutter, während die verzweifelte Maria Magdalena auf die Knie gesunken ist; auf dem neben ihr stehenden Salbgefäß findet sich das Datum 1515. Rechts unter dem Kreuz steht isoliert die mächtige Gestalt Johannes des Täufers, das sein Blut in einen Kelch ergießende Opferlamm zu seinen Füßen; sein auf Christus bezogener Zeigegestus wird von der Inschr. begleitet: "ILLVM OPORTET CRESCERE, ME AUTEM MINUI" (Er muß wachsen, ich aber muß abnehmen). Es war nicht das erste Mal, daß G. das Thema der Kreuzigung gemalt hat. Vorausgegangen war die wohl noch dem Frühwerk um 1505/10 zuzurechnende Basler Kreuzigung (Basel, KM), auf der G. unter dem Kreuz mit dem noch schlanken und sehr hell gemalten Christusleichnam fünf Personen versammelt: links die Gottesmutter, Maria Magdalena und eine Unbekannte, die alle laut den Tod Christi beklagen und beweinen, ebenso der rechts stehende Jünger Johannes, neben dem in altertümlicher Rüstung der röm. Hauptmann Longinus erscheint, der die Gottessohnschaft Jesu bezeugt. Der erzählerische Char. des Bildes ist ausgeprägter als in Isenheim. Auf dem sog. Kleinkruzifix (Washington/D.C., NG of Art) mit seiner realistischen Schilderung einer vollständigen Sonnenfinsternis erreicht G. durch die Verringerung des unter dem Kreuz versammelten Personals auf Maria, Maria Magdalena und Johannes eine entschiedene Konzentration der Komp., die als eine Voraussetzung für die Isenheimer Kreuzigung gelten darf, weshalb eine Entstehung um 1510/12 wahrsch. ist; allerdings weichen die Dat.-Vorschläge bei keinem anderen Werk G.s so stark voneinander ab; sie reichen von 1502 bis ca. 1520. Im 17. Jh. befand sich das Bild im Bes. des Bayerischen Kurfürsten Maximilian I., der es durch Raphael Sadeler als Kpst. reproduzieren ließ. Allen, auch den späteren Kreuzigungsbildern G.s ist eine theatralische Übersteigerung des Geschehens gemeinsam. Er deformiert und überzeichnet die Gliedmaßen und Körper der Figuren, vervielfacht die Wunden und betont die leidvollen Züge der Handlung; das zerfetzte Lendentuch Christi kommt in dieser Form wohl nur bei ihm vor. Er erreicht dadurch eine einzigartige Ausdruckssteigerung in der Wiedergabe des Leidens Christi. Diese charakterisiert auch das Predellenbild des Isenheimer Altars mit der Beweinung Christi. Auf den zugehörigen Standflügeln sind links der Hl. Sebastian, rechts der Hl. Antonius Abbas zu sehen; ihre Anordnung war lange zweifelhaft, doch haben technische Untersuchungen die aktuelle Präsentation bestätigt. Nach der ersten Wandlung erscheint die prächtigste Schauseite des Retabels, auf ihr ist der göttliche Heilsplan zur Erlösung der Menschheit durch den Gottessohn thematisiert. G. erweist sich hier als einer der größten Koloristen. Auf dem linken Flügel ist die Verkündigung zu erkennen mit einem effektvoll vor Maria auftretenden Erzengel Gabriel. Das Mittelbild ist der Menschwerdung Christi vorbehalten, weshalb Jesus als Säugling in den Armen Marias gezeigt wird. Links davon erhebt sich eine präziöse spätgotische Baldachin-Archit., in und vor welcher Engel musizieren. Das Engelskonzert findet zu Ehren der Jungfrau Maria statt, die, umgeben von einer Gloriole, unter dem rechten Durchgang des Baldachins als präfigurierte Himmelskönigin erscheint. Eine Textgrundlage für diese ikonogr. ungewöhnliche Darst. bildet der "Sermo angelicus" in den damals vielgelesenen Visionen der hl. Birgitta von Schweden. Auf dem rechten Flügel wird die Auferstehung gezeigt, wobei es G. in einzigartiger Weise gelingt, den Eindruck zu erwecken, als löse sich der von einer strahlenden Glorie umgebene Körper Christi vollständig in Licht auf. Bei vollständig geöffneten Flügeln erscheint die dritte Schauseite, die thematisch der Vita des Ordenspatrons Antonius gewidmet ist, der zw. Augustinus und Hieronymus in der Schreinmitte thront; bei geöffneter Predella sind jetzt die um Christus versammelten zwölf Apostel zu sehen. Auf den linken Flügel hat G. das Gespräch zw. Antonius und dem Eremiten Paulus gemalt, auf den rechten seine dramatische Vision von dessen Versuchung durch Dämonen aller Art; die in der linken unteren Bildecke kauernde Gestalt zeigt dabei alle akuten Symptome des Ergotismus. Auf der Einsiedler-Tafel lehnt zu Füßen des hl. Antonius das Wappen des Präzeptors G.Guersi, weshalb die Figur zumeist als ein Portr. des Auftraggebers in der Rolle des Ordensgründers verstanden wird. Das gleiche gilt für dessen Gegenüber, den hl. Paulus, dessen Gesichtszüge große Ähnlichkeit zu G.s sog. Selbst-Portr. (Erlangen, Univ.-Bibl.) aufweisen, das mit seinem Monogr. sign. ist (Typ 1). Der Portr.-Char. dieser von fremder Hand sehr stark mit Feder und Tinte überarbeiteten Zchng ist von Arndt (1994) grundsätzlich in Zweifel gezogen worden, der statt dessen auf den Phänotyp des visionären Sehers verweist, den H.Burgkmair 1518 in verwandter (!) Form zur Darstellung des Johannes auf Pathmos verwendet habe (München, AP). Allerdings ist zu bedenken, daß diese Zchng G.s, als sie um 1600 von einem Unbekannten kopiert wurde (Kassel, SKS, Graphisches Kab.), ausdrücklich als "ein sehr "wares" (!) Portr., von ihm selbst gezeichnet", beglaubigt wurde, ebenso später noch einmal von Sandrart. Die Identifizierung mit dem Johannes der Apokalypse ist zudem nicht zwingend und ohne Alternative. Mit gleichem Recht läßt sich der visionäre Künstlertypus dem die Madonna malenden Lukas und damit einem geradezu klassischen Kontext für ein Maler-Selbstporträt zuordnen. In dem 1681 verzeichneten Nachlaß des Frankfurter Malers und Kunsthändlers Jacob Marrel befand sich außerdem ein "Selbstbildnis eines Malers von Aschaffenburg" (Zülch, 1935), das mit hoher Wahrscheinlichkeit auf G. zu beziehen ist und als Quelle sowohl für den Unbekannten als auch für Sandrart in Frage kommt. Daher ist nicht auszuschließen, daß sich G. auf dem Isenheimer Altar in der Rolle des greisen Eremiten Paulus selbst dargestellt hat, viell. sogar gepaart mit etwas Selbstironie, verweist die laienhaft zusammengefügte Quelleinfassung an seiner Seite doch auf die Anfänge des Wasserbaus. Alle anderen Versuche, die Gesichtszüge G.s in seinem Werk zu entdecken, gelten aus heutiger Sicht zurecht als gescheitert (Arndt, 1994).
Gem.:
Thieme-Becker, Vollmer, and AKL:
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Other encyclopedias:
Kindler, ML II, 1965; NDB VII, 1966; LdK III, 1991; DA XIII, 1996; L.Tomczyk, Bild. Kunst im Spessart, Hanau 2009
Printed sources:
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Grünewald, Matthias (Mathis, Matthaeus, Mathes), der vermutliche Name des Malers, der zwischen 1470 und 1483 etwa geboren, von 1500-1530 am Mittelrhein (Frankfurt, Mainz, Aschaffenburg) und für das Antoniterkloster in Isenheim bei Gebweiler im Oberelsaß, und zwar wahrscheinlich an Ort und Stelle tätig war, und eine Anzahl außergewöhnlich bedeutender Altarbilder und Zeichnungen von leicht wiedererkennbarer Eigenart hinterlassen hat. Der Vorname ist nicht ganz sicher, der Zuname nicht vor Sandrart bezeugt, Geburtsort und Herkunft liegen noch im Dunkel; die Lebensverhältnisse waren schon im 17. Jahrh. fast ganz unbekannt. Dagegen herrscht über den Umfang des erhaltenen Gesamtwerkes und über die Chronologie der einzelnen Gemälde wenig Meinungsverschiedenheit; es sind auch durch mehrere unter sich unabhängige Zeugnisse erhebliche Teile des Werkes für einen Meister Mathis oder Mathes gesichert, der noch im 16. und 17. Jahrh. für einen der besten Maler der Blütezeit galt. Er ist erst infolge des 30jähr. Krieges vergessen worden. Die Zusammenstellung der erhaltenen Werke und dei alten Nachrichten über ihn ist das Werk der Zeit von 1870-1914. Mit vollem Namen ist keine seiner Arbeiten, mit dem Vornamen "Mathis" vom Urheber selbst nur eine Studie in Oxford bezeichnet, was auf Matthias deutet. Unter diesem Namen kennt ihn offenbar auch Melanchthon, der in seinen, Elementorum rethorices libri duo" (1531) neben Dürer und Lucas (Cranach) einen Matthias anführt. Das auf Zeichnungen mehrfach vorkommende Monogramm besteht aus den lateinischen Majuskeln M und G; bei einem Gemälde (in Frankfurt) und einem Altarrahmen (in Aschaffenburg) kommt dazu noch ein etwas kleineres N. Die urkundl. Erwähnungen schwanken zwischen Mathis, Mathes und Matheus. Die Bezeichnung Mathis von Aschaffenburg oder (was der noch heute volkstümlichen Bezeichnung und Aussprache sogar näherkommt) von Aschenburg, Ascheburg, Ossenburg ist in der ältesten Kunstliteratur die übliche, daneben kommt vor: M. von Oschnabrück, was wohl nur auf Verwechslung beruht. Mit dem 17. Jahrh. verdrängt der häufiger vorkommende Name des Evangelisten den des anderen Apostels (die alten Erwähnungen bis auf Sandrart in extenso abgedruckt bei H. A. Schmid, Die Gemälde und Zeichnungen von M. G. p. 285ff.; beizufügen ist, daß der Text der bei Jobin erschienenen "Accuratae effigies" von 1573 nicht vorn Verleger, sondern von dessen Schwager Joh. Fischart stammt, vgl. Wilh. Wackemagel, Joh. Fischart von Straßburg u. Basels Anteil an ihm, Basel 1870). Sandrart, der in Phil. Uffenbach einen Enkelschüler G.s gekannt hat, nennt denselben "Matthaeus Grünewald (auch: Grünwalt, Grünwaldt), sonst Matthaeus von Aschaffenburg genannt" und berichtet, daß er ein eingezogenes Leben geführt, übel verheiratet gewesen sei und sich meist in Mainz aufgehalten habe. Nach einer Beischrift auf der o. erwähnten Oxforder Originalzeichnung aus Uffenbachs Zeit ist G. Hofmaler des Kardinals Albrecht von Brandenburg, Erzbischofs von Mainz, gewesen. Dieser hat ihn tatsächlich mehrfach beschäftigt, während unter den bedeutenderen Malern seiner Zeit G. allein bei den Aufträgen Kaiser Maximilians übergangen wurde, eine Bestätigung der Überlieferung, daß G. in Aschaffenburg, das zur Erzdiözese Mainz gehört, zu Hause war. Der Name Grünewald kam dort wie in Nürnberg und Würzburg im 16. Jahrh. mehrfach vor und hat sich in der Gegend von Aschaffenburg bis heute erhalten. Neuerdings hat W. K. Zülch (Rep. f. Kstw., 1917 p. 120ff. und 1921 p. 16ff.) in Frankfurter Urkunden für die Jahre 1512 bis 1527 einen Bildschnitzer, Bildhauer und Maler Mathis Grün sowie für 1526/27 auch einen Maler und Ingenieur, dessen Name genauer zum Monogramm G.s paßt: Mathis Nithardt alias Gothart aus Würzburg nachgewiesen (vgl. die Artikel "Grün" und "Nithardt"). Die künstler. Heimat G.s wurde von verschiedenen Forschern, so Thode, Back, zuletzt noch von Zülch und Louis Réau in der Gegend von Mainz, namentlich im Kreise des Hausbuchmeisters gesehen. Auffallender und mehr für ein eigentliches Schulverhältnis sprechend scheint dem Verfasser, dem hierin O. Hagen (Matth. Grünewald, 1919) folgt, die Verwandtschaft der Frühwerke mit Holbein d. Ä. namentlich im Kolorit (u. a. in der Vorliebe für einen tiefblauen Grund) und in der Modellierung der Gesichter zu sein. Ein Aufenthalt in Augsburg und den angrenzenden bayr. Gebieten würde auch die längst wahrgenommenen Analogien einerseits mit Burgkmair und anderseits mit der Donauschule erklärlich machen. Ist G. Schüler und nicht Altersgenosse Holbeins d. Ä. gewesen, so ist sein Geburtsjahr gegen das Jahr 1480 herabzurücken und er würde dann zum Altersgenossen von Altdorfer und den Schweizern wie Manuel und Leu d. J., die mit seiner Auffassung der Landschaft viel gemein haben. G. ist auch in der Auffassung Fischarts (v. 1573 s. o.) erst nach den bahnbrechenden Taten Dürers aufgetreten. Er steht diesem trotz aller Anregungen, die er von ihm aufgenommen haben muß, allerdings viel selbständiger gegenüber als Cranach, Altdorfer und selbst Burgkmair. Die Kenntnis der niederländ. Koloristen ist bei G. als höchst wahrscheinlich anzunehmen; in der Darstellung des Schrecklichen und Spukhaften hatte er außerdem dort einen Vorgänger in Hier. Bosch. Für Einflüsse der französ. burgund. Kunst, die Réau behauptet, fehlen Anhaltspunkte. Eine Reise nach Italien scheint dem Verfasser durch die Übereinstimmung mehrerer Figuren und Figurengruppen, die sich in G.s Werk fremdartig ausnehmen, mit solchen in Gemälden von Mantegna und Pesello so gut wie gesichert, um so mehr, da auch zwischen G.s Versuchung des hl. Antonius und einer von dem Mantegnaschüler Parentino im Pal. Doria in Rom auffallende Übereinstimmungen festzustellen sind (vgl. H. A. Schmid a. a. O. p. 146, 186, Hagen in Kstchronik, N. F. XXVIII 1916/7 Sp. 73ff., 341ff. u. W. Rolfs in Rep. f. Kstw., 1920 p. 227/49.) Anderer Ansicht sind Buchheit (Kstchronik, N. F. XXX 1918/9 p. 715 f.), Baldass (Beil. der Graph. Künste, Wien 1920 p. 11ff.), M. Voegelen und Zülch (Rep. f. Kstw., 1921 p. 9 u. 16). Dem Geiste der ital. Kunst steht G. freilich ferner als alle anderen oberdeutschen Zeitgenossen; vom Stile der ital. Malerei seiner Zeit wurde er weniger berührt als Dürer und selbst Altdorfer. Die Formen der Renaiss.Architektur und Dekoration tauchen allerdings Jahrzehnt des 16. Jahrh. auch bei ihm auf und nehmen wie bei anderen Oberdeutschen Jahrzehnt überhand. Aber von den Forschungen der Italiener über die Anatomie und die menschl. Proportionen scheint er nicht wie Dürer Kenntnis gehabt zu haben; seine Werke schließen trotz verblüffender Naturwahrheit wissenschaftl. Verständnis der Anatomie des Menschen aus. Auch die von den Italienern ergründeten Gesetze der Perspektive kannte er nicht. Zu seinen perspektivischen Konstruktioncn verwendet er, wenn auch mit großem Geschick, ein damals schon veraltetes System wie Holbein d. Ä. Das wissenschaftl. Interesse für die Welt, das den großen Italienern und Dürer eigen ist, lag ihm offenbar fern. G. ist der größte Kolorist unter den Oberdeutschen seiner Zeit, und seine Werke zeichnen sich aus durch eine in allen Zeiten außergewöhnliche Kraft des Ausdrucks. Sandrart kannte ihn als den Schilderer holdseliger Anmut; aber der Mainzer Altar, an dem er diese Eigenschaft besonders bewunderte, ist untergegangen, für die heutige Zeit ist G. vor allem der Schöpfer ergreifender Kreuzigungsbilder. Für den Holzschnitt scheint G. im Gegensatz zu fast allen anderen oberdeutschen Zeitgenossen fast gar nicht gezeichnet zu haben. Daß er auch Bildhauer war, ist nach seinen Werken zu schließen unwahrscheinlich, obwohl eine ans Barocke streifende, seiner Richtung verwandte Plastik zu seiner Zeit existiert hat. Von dem Hauptwerke, dem Isenheimer Hochaltar in Colmar, sind nämlich nicht nur die Gemälde, sondern auch die wichtigsten Skulpturen erhalten. Die vier Hauptfiguren sind von ähnlicher künstler. Bedeutung wie die Malereien, setzen aber eine ganz anders gerichtete Künstlerpersönlichkeit voraus und sind im Stile weit gehaltener als die plastischen Figuren, die Grünewald in seinen Gemälden dargestellt hat. (Vgl. darüber Schmid a. a. O. und Vöge, Ztschrft f. b. Kst, N. F. XXIV [1913] 97ff.) Die Entwicklung G.s geht wie bei Dürer darauf aus; der menschlichen Figur einen immer größeren Raum auf der Bildfläche einzuräumen. Die frühesten Werke stammen aus dem 1. Jahrzehnt des 16. Jahrh. Die Vermutung, daß die Gemälde des Dominikaneraltars in Darmstadt ein Frühwerk' G.s seien, kann als widerlegt betrachtet werden. (In diesem Sinne zuletzt noch Pauli in Zeitschrift f. Bild. Kst, N. F. XXIII [1912] 117.) Wahrscheinlicher ist, daß G. als Geselle Holbeins d. Ä. um 1500 an dem Hochaltar der Domikanerkirche in Frankfurt tätig war. In der Frankf. Gegend, wahrscheinlich für Cronberg (Hagen a. a. O. p. 203) und in früher Zeit ist vermutlich auch entstanden: Die Verspottung in München, Votivbild eines 1503 Verstorbenen, das der Tracht nach nicht viel später gemalt wurde. (Entdeckt von H. Braune, Rep. f. Kstw., XXXII 501.) - Zwei weitere Werke aus dem 1. Jahrzehnt finden sich am Oberrhein: 1. Kleine Kreuzigung in d. Kstsamml. Basel, nicht datiert, in erheblichem Abstand vor dem Isenheimer Altar geschaffen und Holbein d. Ä. im Kolorit noch sehr nahestehend; Herkunft unbekannt; in Basel erst seit 1775 nachweisbar; die Annahme, daß das Bild aus der Antoniterpracceptorei in Roßdorf bei Hanau stammt (vgl. Simon, Zu Grünewalds Aufenth. in Frankf. a. M., in Kstchronik N. F. XXX, [1919] 505) möglich, aber lediglich Vermutung. 2. Die Gemälde des Isenheimer Hochaltars, in Colmar. Neun Bilder von einem in der deutschen Kunst ungewöhnlichen Umfange: Kreuzigung (auf den Außenseiten der äußeren Hauptflügel), Beweinung Christi (Predella), Antonius, Sebastian (Einzelfiguren auf feststehenden Flügeln, die neben der Kreuzigung zu sehen waren), Verkündigung, Geburt Christi mit Engelkonzert und Auferstehung (bei Öffnung des ersten großen Flügelpaares auf äußeren und inneren Flügeln sichtbar), Antonius, von Dämonen versucht, und Besuch des hl. Antonius beim hl. Paulus in der Wüste (Innenseiten des zweiten großen Flügelpaares). G. begann mit der Kreuzigung, die Antoniusbilder gehören zu den letzten Schöpfungen. Starke Umgestaltungen während der Arbeit sind nachgewiesen. Die Vollendung des Altars in den wesentlichen Teilen für Anfang 1511 gesichert durch eine Entlehnung in einem Holzschnitt Baldungs vom Beginn 1511 aus der Versuchung. (H. Koegler, Monatshefte für Kstw. I [1908] 56). Der Altar, bis zur Revolution vollständig erhalten, ist von dem Jugendfreunde Goethes, Franz Christian Lerse, um 1781 als Werk Dürers eingehend beschrieben worden; alte Abschrift auf der Colmarer Bibliothek (endgültiger Nachweis, daß Lerse der Verfasser war, von R. Riggenbach in Basler Zeitschr. für Gesch. und Altertumsk., XIV 274). Aus Lerses Aufsatz geht hervor, daß zur Zeit, als das Kloster noch existierte, die viel umstrittene kniende Mädchengestalt im Engelskonzert von der Tradition als Maria bezeichnet wurde. (Für die Deutung des Bildes wichtig: Schneider, G. und die Mystik, Offenbach 1904; K. Lange, Mariae Erwartung, ein Bild G.s, in Rep. f. Kstw. 1910, vor allem Jos. Bernhart, Symbolik im Menschwerdungsbild des Isenheimer Altars, München 1921). Während der Revolution wurden die Gemälde und die größeren Skulpturen aus dem Altare herausgebrochen; sie bilden seither den Hauptschmuck des Colmarer Mus. Das übrige veruntreut. 2 Figuren, die bis 1823 dem Colmarer Mus. angehörten, sind 1912 im Münchener Privatbesitz durch Ernst Heidrich und Wilh. Vöge festgestellt worden (vgl. W. Vöge, über N. Gerhaert und Nic von Hagenau [?], Zeitschr. f. bild. Kst, N. F. XXIV [1913] 97). Februar 1917 wurden Skulpturen und Gemälde bis zum Kriegsende nach München gerettet, dort sorgfältig gereinigt und vom Wurmfraß befreit. - Zu den früheren Werken der Reifezeit müssen ferner gehören: Eine verschollene, von Sandrart erwähnte Verklärung Christi in der Dominikanerkirche in Frankfurt; 2 Studien dazu erhalten (Lehrs, Mitt. aus den sächs. Kunstsamml. 1910). Ebenso 2 der vier, von Sandrart erwähnten grau in grau gemalten Heiligengestalten des großen, von Jakob Heller in dieselbe Kirche gestifteten Altarwerkes, für das Dürer das Mittelbild, die Krönung Mariä, geschaffen hat: Laurentius und Cyriakus, jetzt in der Städt. Samml. in Frankf. a. M. (Rekonstruktion des Altars vgl. Schmid a. a. O. p. 75). Das Eauptbild bei Dürer 1507 bestellt und 1509 in Frankfurt eingetroffen. Der naheliegenden Annahme, daß G. in Frankfurt oder Mainz auch den Isenheimer Altar geschaffen (Buchheit, Kunstthron., N. F. XXX, 715) widersprechen die Vogesenlandschaften in den Hintergründen der Colmarer Bilder, ebenso der Hintergrund der (späteren) Stuppacher Madonna, wo das Straßburger Münster als S. Maria Maggiore in Rom dargestellt ist. G. muß zum mindesten mit dem Oberelsaß vertraut gewesen sein. Auch hat Holbein d. Ä. in Isenheim seine Werkstatt aufgeschlagen. Umfangreiche Altäre sind freilich in dieser Zeit für weitentfernte Orte tatsächlich geliefert worden. - 1514 befindet sich G. in Seligenstadt i. O. Dort wurde noch 1705 in der Abteikirche (Einhardsbasilika) ein Gemälde als Dürer gezeigt, d. h. als ein Werk der altdeutschen Kunst besonders hochgehalten (vgl. Reisebeschreib. des Herrn von Blainville, herausgeg. von C. Turnbull u. W. Guthrie 1743, deutsch von J. T. Köhler, Lemgo 1764,1 167). G. erhält dort einen Auftrag von dem Aschaffenhurger Kanonikus Heinr. Reitzmann, ein heute verschollenes Altarwerk für Oberissigheim im Landkr. Hanau zu malen. 1517 erhält er von dems. Kanonikus eine Bestellung für einen Altar der Mariaschneekapelle in Aschaffenburg, dessen Rahmen am Orte erhalten und 1519 datiert ist, dessen Mittelbild, Maria auf der Rasenbank (mit völlig übermaltem Kopf) sich in der Pfarrkirche von Stuppach bei Mergentheim befindet (erstmalige Bestimmung auf G. durch den Maler Dirr aus Ulm um 1881), der rechte Flügel aber mit der Gründung von S. Maria Maggiore in der städt. Samml. Freiburg i. B. (Rieffel, Zeitschr. f. b. Kst, N. F. XIII, 1902). Von da an steht G. offensichtlich im Dienste des Kardinals Albrecht. 1520 ist einer der drei laut Sandrart im 30jährigen Kriege von den Schweden geraubten und bei einem Schiffbruch untergegangenen Altäre im Mainzer Dom datiert gewesen, kleine Kopie von Phil. Uffenbach mit dessen und Grünewalds Monogramm und dem Datum 1520 noch zu Beginn des 19. Jahrh. im Bes. des Kammerherrn von Holzhausen in Frankf. (Firmenich-Richartz, Monatshefte f. Kstwiss., 1913 p. 96). Um 1524/5 ist im Auftrag des Kardinals auch das große Münchener Bild, Mauritius und Erasmus, für den Dom von Halle, und zwar an Ort und Stelle ausgeführt worden. In die Spätzeit gehört auch die Beweinung Christi mit Wappen und Bildnis des Kardinals und dem Wappen der Erbach in der Stiftskirche von Aschaffenburg. Vorher, vermutlich noch im 2. Jahrzehnt dürfte die kleine verschollene Kreuzigung im ehem. Bes. des Herzogs Wilhelm V. von Bayern entstanden sein, die Sandrart erwähnt, und die in einem Stichevon Rafael Sadeler von 1605' erhalten ist. Kopie mit starken Abweichungen von diesem Stiche, offenbar dem Original näher als dieser stehend, ist neuerdings im Münchener Privatbesitz (Dr. von Paucr) festgestellt worden (Hagen a. o. a. O. p. 218). Ein Bild, das dieselben Abweichungen vom Stiche zeigt, aber in der Durchführung viel bedeutender, indessen unseres Erachtens auch nur eine Kopie ist, in rheinischem Privatbesitz. Die Komposition der verschollenen Kreuzigung steht zwischen derjenigen von Colmar und der von Tauberbischofsheim, die sich jetzt mit der ehem. Rückseite, einer Kreuztragung, in Karlsruhe befindet. Diese beiden Bilder gehören offenbar ins letzte Jahrzehnt, die Zeit der Aschaffenburger Beweinung. Sie wurden von dein Maler H. Thoma und dem Galeriedirektor O. Eisenmann Mitte der 1870er Jahre entdeckt, waren dann in der Kasseler Gal. ausgestellt und wurden dort von von J. K. Huysmans bewundert. (Der erste Niederschlag dieses Eindrucks in dem Roman "Là Bas", Paris 1891.) Ein Kreuzigungsbild, das möglicherweise noch später und für einen Magdalenenaltar in Halle entstanden ist, wurde neuerdings in einer Kopie in Donaueschingen aus der Zeit um 1600 festgestellt. (H. Feurstein, Ein verlorener Altarflügel Grünewalds, Zeitschr. f. b. Kst, N. F. XXXI [1920] 218). Zahlreiche Gemälde von Luc. Cranach u. aus dessen Werkstatt, von Passavant und Waagen (seit 1841) G. zugeschrieben, sind seit den Arbeiten von A. Woltmann (Streifzüge im Elsaß, 1873, und Gesch. der d. Kunst i. Elsaß, 1876) und von W. Schmidt (Matth. G., im Repert. f. Kstw. I 1876) allgemein als nicht von G. stammend erkannt worden. Ebenso die Kreuzigung von 1503 in München, früher in Schleissheim (Jugendwerk Cranachs), die Versuchung des hl. Antonius in Cöln und das jüngste Gericht in Nürnberg, die später G. zugewiesen wurden. - Handzeichnungen in Berlin (Kupferstichkab. und Sammlg Licht), Dresden, Erlangen, Göttingen (Sammlg Ehlers), Lützschena b. Lpzg (Sammlg Speck v. Sternburg), Karlsruhe, Oxford, Paris, Stockholm (nicht Kopenhagen) und Wien (Albertina). Ein Bildnis Grünewalds sieht man heute nach Rieffels Vorgang in dem Sebastian des Isenheimer Altars. Er stellt einen Mann dar, der den Eindruck eines bereits etwa 35jährigen macht und würde für ein Geburtsdatum vor 1480 sprechen. Das Gesicht sieht dem einen der von Sandrart im Stich wiedergegebenen Bildnisse, und zwar demjenigen mit dem Monogramme Dürers etwas ähnlich. Das zweite Bildnis, das Sandrart wiedergibt, geht auf die stark ruinierte Erlanger Zeichnung von G. zurück, scheint dem Verfasser aber kein Selbstbildnis zu sein. Neuerdings wurde von Rieffel (Kunstchron. N. F. XXXI 11919/20] 13ff.) das Gemälde Dürers von 1500 in der alten Pinakothek, das angeblich Hans Dürer vorstellt und mit dem Kopf des Sebastian einige Ähnlichkeit hat, als Bildnis Grünewalds erklärt. Bibliographien: A. Waltz, Bibliogr. des ouvr. et articles conc. M. Schongauer, M. Grünewald etc., Colmar 1903. - Gottfried Müller, G.Bilibliogr. (1531-1909) in Rep. f. Kstw., XXXIII (1910) 254185. - Bibliogr. mit der Absicht auf Vollständigkeit bis 1914 von MeIa Esc her ich, Straßburg 1914 (Studien z. deutsch. Kstgesch., Heft 177). - Sämtliche alten Quellen in extenso und eine Übersicht über die ganze G.-Literatur bis 1911 bei H. A. Schmid s.u. - Die G.-Literatur in Auswahl bis 1918 bei O. Hagen, s.u. Monographien und Abbildungswerke: H. A. Schmid, Gemälde und Zeichn. von M. G., Bd I (Tafeln) Straßburg 1907; Nachtr. zu Bd 1 und Bd II (Text) Straßburg 1911. - M. J. Friedländer, Isenheimer Altar, München 1908 (in Farben). - Schubring, Isenh. Altar, Leipzig 1911 (in Farben). - O. Hagen, M. G., München 1919, 3. erw. Aufl. 1922, † Den öfters zu gewagten Hypothesen dieses Buches treten entgegen hauptsächlich die wichtigen Rezensionen von Fr. Rieffel in Rep. f. Kstw., 1920 p. 220ff. und von Baidass a.a.O.). - Hagen, G.s Isenh. Altar, München 1919. - A. L. Mayer, M. G., München 1919 (uns. Erachtens vielfach nicht das Richtige treffend). - Louis Réau, G. et le Retable de Colmar, Nancy, Paris, Strasbourg 1920. (Sucht vom geistigen Eigentumsrecht am Isenh. Altar etwas für Frankreich in Anspruch zu nehmen, schöpft die Tatsachen aber überall aus deutscher Forschung.) - Interpretationen der Kunst G.s u. a.: Hauenstein, Der Isenh. Altar, München 1919. - W. Niemeyer, M. G. der Maler des Isenh. Altars. Berlin 1921. - Eine Publikation sämtlicher Handzeichn. steht bevor. Abhandlungen, Aufsätze usw. Die wesentlichsten Stellen in Sandrarts Teutscher Akademieim1. Hauptteil, Nürnberg 1675 II 236 f., cf. I 101, im 2. Hauptteil 1679 III 68. - Von der früheren Lit. des 19. Jhdts am wichtigsten die o. a. Arbeiten von Woltmann u. W. Schmidt. Außerdem seien von Abhandlungen, die im Text nicht schon erwähnt sind, noch genannt: H. A. Schmid, M. G., Festbuch zur Eröffnung des Hist. Mus. in Basel (1894). - J. K. Huysmans, M. G. und O. Eisenmann, M.G., beide Aufs. im Pan, 1895. - Rieffel, G.-Studien in Ztschrft f. christl. Kst, 1897. - Rud. Kautzsch, M. G., Vortrag auf d. ksthist. Kongreß in Lübeck, 1900. - F. Becker, Zwei neuaufgefundene Studien M. G.s, in Ztschr. f. b. Kst, F. XXV (191314) 275. - M. J. Friedlander, Zwei G.-Zeichnungen, in Jahrb. der preuß. Kstslgn XXXIX (1918) 201ff. - J. K. Huysmans, Geheimnisse der Gotik, München 1918. - J. Meder, Eine neue G.-Zeichn., in Die Graph. Künste, 1920.
Meister M N, oberdtsch. Maler, 1475. Die Signatur M N erscheint auf dem 1475 dat. Selbstbildnis eines jugendl. Malers, das 1929 aus Schweden in den Frankfurter Kunsthandel gelangte und sich jetzt in der Smlg Ch. Worcester in Chicago befindet. Es wurde von H. H. Naumann für ein Selbstbildnis des 20 jähr. M. Grünewald erklärt und die Initialen in Mathis Neithardt aufgelöst. Naumann stützte sich dabei auf die nicht zu leugnende Ähnlichkeit des Dargestellten mit dem traditionell als Selbstbildnis Grünewalds geltenden Kopf des hl. Sebastian auf dem Isenheimer Altar. Fraenger u. Zülch lehnten diese These ab und wollten auch in dem Isenheimer Sebastian kein Selbstbildnis Grünewalds, sondern eher das Bildnis eines unbekannten Gehilfen desselben sehen, den auch das Worcester-Bildnis darstelle. In der Tat ist es unmöglich, in dem liebenswürdigen, aber geistig unbedeutendem Kopf des Worcester-Bildes die dämonische Psyche des Schöpfers der Isenheimer Kreuzigung zu erkennen, der mit dem Worcester-Bild, wenn überhaupt, nur ganz indirekt u, in dem oben angedeuteten Sinne in Verbindung gebracht werden könnte. Lit.: H. H. Naumann, Das Grünewald-Problem u. das neuentdeckte Selbstbildn. des 20jähr. Mathis Nithart a. d. J. 1475, Jena 1930. - W. Fraenger, M. Grünewald in s. Werken, Berl. 1936, p. 84. - Apollo (London), 25 (1937) 353, m. Abb. - Die Graph. Künste (Wien), N. F. 3 (1938) 103. - W. K. Zülch, Der histor. Grünewald, Münch. 1938, p. 65.