Petrie, Maria (geb. Zimmern; verh. Steinthal; Sofie Maria), dt.-engl.-US-amer. Bildhauerin, Malerin, Grafikerin, Lehrerin, *14.8.1887 Frankfurt am Main, †25.10.1972 Santa Barbara/Cal.
Petrie, Maria
Stud.: 1904-08 Städelschule Frankfurt am Main erst plast. Anatomie, ab 1906 Meisterkurs für Bildhauerei bei Joseph Kowarzik; anschl. in Paris in der von den Nabis neu gegr. priv. Acad. Ranson erste Schülerin von Aristide Maillol, zudem von Théo van Rysselberghe, der in dieser Zeit nicht nur drei Porträts von ihr malt (Mlle Zimmern, Lw., 1910, ehem. Brüssel, MRBAB, verschollen; M. Zimmern, 1912, Priv.-Slg; Pastell, um 1912, bis 1971 im Bes. von Elisabeth van Rysselberghe, dann in London), sondern auch Freund und Mentor wird. Der auch dort studierende Roger de La Fresnaye porträtiert sie ebenfalls (La femme aux chrysanthèmes, 1909, Paris, MNAM). 1910 stellt P. mit der Gruppe La Libre Esthétique in Brüssel aus, 1910, '11 mit den Nabis in der Pariser Gal. Druet, 1913 im Kunstsalon Ludwig Schames in Frankfurt, wohin sie 1911 zurückkehrt und seitdem in ihrem eig. Atelier arbeitet. 1913 Heirat mit dem Kaufmann, Lehrer und Rugby-Spieler (1913 in der engl. Nat.-Mannschaft) Francis Eric Steinthal und Übersiedelung nach England. 1916 meldet sich Steinthal zum Kriegsdienst, P. lebt zeitweise mit dem gerade geb. Sohn Martin (†25.1.1941 im 2.WK in Kenia) in Edinburgh und hat Kontakt zu and. Künstler*innen wie John Duncan (1890), Cecile Walton und dem Schriftsteller Wilfred Owen, den sie malt (zerst.). Nach dem 1. WK legt Steinthal seinen dt. Namen ab und nimmt den Geburtsnamen seiner Mutter an. Fortan heißt die Fam. P. Sie kehren nach Ilkley in Yorkshire zurück, wo Eric in der Fa. seines Vaters arbeitet und P. wieder verstärkt mit ihrer künstlerischen Arbeit beginnt. Sie stellt auch wieder aus, u.a. in Manchester (1924 AG; 1934, '35 AFA) und London (1926 RA; 1931, '32 Goupil Gall.). 1927 zieht die Fam. in den Londoner Stadtteil Chiswick. 1932 beginnt Eric in der Abbotsholme School, einem Internat in Nordengland, zu unterrichten, P. folgt ihm ein halbes Jahr später, unterrichtet Kunst und publiziert über Kunstpädagogik, später auch über Kunsttherapie. Um sich am demokratischen Wiederaufbau zu beteiligen, geht das Ehepaar 1946/47 nach Deutschland, und unterrichtet an der Odenwaldschule in Heppenheim (Bergstraße). E. 1947 Auswanderung in die USA. P. und ihr Mann leben in Santa Barbara/Cal. und werden spätestens 1952 US-amer. Staatsbürger. P. arbeitet weiterhin an ihrem plast. Werk und kann auch in Santa Barbara ausstellen (1954 Faulker Gall.; 1957 AM). Außerdem schreibt sie für ihren Enkel ihre Memoiren, die - ed. von Johann Zimmern und Friederike Zimmern-Wessel - 2025/26 publ. werden sollen (Arbeitstitel: Yesterday / Gestern) und in denen sie auch ihre Arbeiten beschreibt. - Durch die priv. KS von Pauline Kowarzik, der Frau ihres Lehrers, erste Begegnung mit zeitgen. Kunst. In Paris entstehen an Maillol orientierte Porträtbüsten, von denen sich die bronzene Porträtstudie (Hilda Lust) von 1911/12 erh. hat (Manchester, AG), diejenige von Rysselberghe in Stein von 1911 ist nur als Fotogr. überliefert. Sie gilt als ein sehr wichtiges Werk von P. und wird auf internat. Ausst. in Brüssel, Paris und London gezeigt. 1912 von P. dem Künstler geschenkt, stellt er sie in seinem Garten im südfranzösischen St.Clair auf (verschollen). Zu P.s wenigen erh. Werken gehören auch die Figur einer Pomona (1913) aus Kunststein, die für den Schlossgarten von Neubronn entsteht (in situ, dort lebte damals ihre Schwester, heute and. Priv.-Bes.), die Büste von Andrée Mayrisch (Terracotta, um 1913, Colpach-Bas/Luxemburg, Centre de Réhabilitation) sowie die späteren Bronzebüsten von K.G. Chesterton von 1926 oder '32 (dazu hat sich auch eine Fotogr. der modellierenden P. erh.) und von Aldous Huxley von 1959 (alle London, Nat. Portr. Gall.; ein weiterer Abguss der Büste von Huxley von 1967 in Los Angeles, Univ. of Cal.). Aufgrund der bis heute nur wenigen bek. bildhauerischen Arbeiten (einige sind durch Fotogr. überliefert, and. nur durch die Autobiografie, manche befinden sich viell. noch in Priv.-Bes.) ist es schwierig, eine stilistische Einordnung zu geben. Ihr malerisches Werk besteht v.a. aus Porträts von Fam.-Mitgl., die sich auch z.T. in Fam.-Bes. befinden. Außerdem haben sich Holz- und Linolschnitte erhalten.
Personal Relation to Art, The Parents' review 25:1914(10)727-738; Some Causes of this Chaos, ibid. 42:1931(10)631-637; Tilmann Riemenschneider, Apollo:1931(82)222 ss.; Vincent van Gogh in Manchester, ibid. 16:1932(96)290 s.; Father Brown and Concavism, The manchester Guardian v. 11.6.1935; Modelling for Children, Leicester 1936; Art and Regeneration, Lo. 1946 (dazu L.Butler, BurlMag 89:1947[537]356).
Solo exhibitions:
1965 Los Angeles (Cal.), Bernard Lewin Gall. -
Group exhibitions:
1930 Manchester, Salon Club Gall.: Mod. Painters / 2024 Frankfurt am Main, Städel: Städel Frauen (K).
Thieme-Becker, Vollmer, and AKL:
Vo3, 1956
Printed sources:
J.Zimmern/F.Zimmern-Wessel (Ed.), Yesterday. Erinnerungen einer Bildhauerin und Kosmopolitin des 20. Jh., Ha. 2025.
Archives:
Darmstadt, Privat-Arch. der Fam. Zimmern-Wessel: M.P., Yesterday / Gestern, Autobiografie, Typoskript; Briefe, Fotogr.
Online sources:
art.uk; P.Kelleher, Silent Witness, in: MAGnet, 2019
Personal correspondence:
F.Zimmern-Wessel, Darmstadt
Petrie, Maria, geb. Zimmern, cltsch-engl. Bildhauerin u. Malerin, *1887 Frankfurt a. M., ansÄssig in London. Stud. bei A. Maillol, M. Denis, T. v. Rysselberghe u. P. Sérusier in Paris. Koll.-Ausst. 1911 in d. Gal. Druet in Paris. Hauptsächl. Porträtistin. Lit.: Who's Who in Art, 1934.