Giovanni di Paolo (Giovanni Guasparre di Paolo di Grazia; Giovanni dal Poggio), ital. Maler, Buchmaler, get. 28.6.1398 Siena (vgl. Arch. di Stato di Siena, Biccherna 1132, fol. 148r: "Giovanni Ghuasparre di Pauolo di Graçia si batteçço a di XXVIII di gugno, fu conpare Biagio di Cino"; Mitt. W.Loseries), †zw. 29.1.1482 (Testament; Bacci, 1944) und 27.3.1482 (Zahlungs-Dok., aus dem sich sein Tod ableiten läßt; Bacci, 1944).
Giovanni di Paolo (1398)
Sohn von Paolo di Grazia, gen. Boccanera, und Mina di Giovanni Turcini (Tircini?). Wahrsch. ident. mit dem Maler Giovanni, den Niccolò Galgani, Mönch von S. Domenico in Siena, am 5.9.1417 für Gold bezahlt, das für die Dekoration eines Marienoffiziums (bislang nicht identifiziert) für Anna, die Ehefrau des Mailänder Juristen Cristoforo Castiglioni, bestimmt war. Bezeichnet als "Iohannes Pauli pictor", wird G. im Mai 1420 ebenfalls von Niccolò Galgani für ein Taf.-Gem. der Seligen Katharina von Siena (verloren) bezahlt, das von Franchino Castiglioni bestellt worden war. Zw. Aug. und Nov. 1420 führt er für F.Castiglioni ein weiteres, heute ebenfalls verlorenes Gem. aus, das für Niccolina, eine Nonne des Konvents S. Marta in Siena, bestimmt war; die Bezahlungen erfolgen wiederum durch Fra Niccolò. Am 31.12.1423 wird G. für einen Biccherna-Buchdeckel (verloren) bezahlt. 1428 dok. als Mitgl. der Sieneser Malergilde; im selben Jahr kauft er ein Haus im Terzo S. Martino in Siena, wahrsch. ident. mit demjenigen, das er 1430 verkauft. 1430 bemalt G. einen Buchdeckel (verloren) für die Sieneser Kommune. Zw. 1431 und '56 sind mehrfach "preste" (Anleihen oder Steuerzahlungen) G.s an die Sieneser Kommune registriert. Am 30.4.1438 bezahlt ihn die Domopera im Auftrag des Operaio Jacopo della Quercia für die Erneuerung der Fassung eines kleinen Kruzifixes (verloren), das gelegentl. auf den Hochaltar des Doms gestellt wird. 1440-41 erhält G. mehrere Bezahlungen des Ospedale di S. Maria della Scala für ein Altarbild (verloren) für die Kap. der Infermeria. 1441 lebt G. in der Compagnia di S. Gilio im Terzo Camollia und zahlt Steuern für ein geschätztes Eigentum von 491 Lire. Im selben Jahr als einer der Rektoren bzw. Sindici der Malergilde genannt. Eine weitere 1442-43 erfolgte Zahlung des Ospedale an G. für "uno Salvatore ch'à la bandiera" ist auf eine polychrome Fassung der Holzskulptur des Auferstandenen Christus (Priv.-Slg) von Domenico di Niccolò bezogen worden. In diesem Zusammenhang wird G.s einziger namentl. bek. Schüler erw., Lonardo di Nanni. Um 1445 arbeitet G. zus. mit Sano di Pietro an einem Altarbild (verloren) für die Confraternita di S. Francesco in S. Francesco in Siena. Im Aug. 1446 ist er am Sieneser Dom, u.a. zus. mit Frosino di Nofrio und Sano di Andrea di Bartolo, beteiligt an der Renovierung der Bemalung des Bogens über dem äußeren Hauptportal und seines bildhauer. Schmucks, der Madonna mit Kind und vier Assistenzfiguren. Am 11.4.1447 beauftragt ihn die Gilde der Pizzicaiuoli (Kleinkrämer) mit einem Bild der Purifikation Mariae (1449 voll.; Siena, PN). Am 20.6.1450 bezahlt ihn das Ospedale für ein kleines und zwei große Banner, die beidseitig mit der Darst. des erst wenige Wochen vorher kanonisierten Hl. Bernhardin von Siena bemalt sind, sowie für "due libri del capitolo" (viell. Buchdeckel oder Min.) und "uno diadema al santo Bernardino" (alles verloren), im Aug. 1450 für weitere Banner (verloren) mit der Darst. der meistverehrten Reliquie des Hospitals, des Hl. Kreuznagels (Sacro Chiodo). Im Sept. 1453 erwirbt G. ein Haus in S. Gilio. 1453 gibt er in seiner Steuererklärung zwei Häuser in dieser Compagnia an und zahlt Abgaben für ein nun auf 575 Lire geschätztes Vermögen. Am 3.7.1458 bezahlt ihn das Ospedale für die Bemalung des Buchdeckels des sog. "Libro Vitale" mit der Schutzmantelmadonna (Siena, Arch. di Stato). Am 26.6.1458 kauft er ein weiteres Haus in S. Gilio, im März 1460 einen Stall in der gleichen Zone (Poggio Malavolti), zw. Dez. 1460 und Jan. 1461 außerdem ein weiteres Haus in S. Gilio. Zw. 1461 und '75 sind mehrere "preste" (Anleihen oder Steuern) für ihn belegt. Im April und Mai 1462 ist der Erwerb jeweils eines weiteren Hauses in S. Gilio dok.; von März bis Mai 1463 verkauft G. ebd. ein Haus. Am 12.4.1464 entlohnt ihn das Ospedale für "bestimmte Malereien" in der Sakristei und für gemalte Vorlagen mit Marienszenen für Stickereien auf liturg. Gewändern ("fregi da raccamare"). Am 4./5. Sept. 1464 weitere Zahlungen des Ospedale für ein nicht näher bez. "Kreuz" für seine Kirche. Lt. Steuererklärung von 1465 besitzt G. noch zwei Häuser in S. Gilio und unterhält in einem davon seine Werkstatt. Zw. dem 24.12.1465 und dem 15.1.1466 bezahlt ihn das Ospedale für die polychrome Fassung einer Marienfigur (verloren), geschnitzt von einem Meister Agnolo (von Bacci, 1944, mit Agnolo di Bartolo d'Agnolo identifiziert). Am 31.7.1467 weitere Zahlungen des Ospedale für Stickereivorlagen für liturg. Gewänder und einen großen Baldachin. Am 21.10.1472 wird aus unbek. Gründen G.s Verhaftung angeordnet. Am 1.1.1476 wird ihm ein Guthaben von einem alten Libro dei Monti übertragen. Am 18.11.1477 setzt G., "corpore languens", seinen letzten Willen auf und erklärt, in der Kirche S. Egidio (heute zerst.) begr. werden zu wollen, und zwar in seiner eig. Kap., die dem hl. Joh. Bapt. gew. ist und die er mit regelmäßigen Zahlungen ausstattet. Allg. Nießbrauch erhält G.s Haushälterin Domenica de Castellina, als Generalerbin setzt er die Zisterzienserabtei S. Galgano ein. 1478 erklärt G., alt und wegen geringer Sehkraft arbeitsunfähig zu sein, und wird für einen nur noch auf 375 Lire geschätzten Bes. besteuert. 1480 ∞Donna Domenica. 1480-81 erwirbt ein Francesco di Giovanni degli Ubertini viel von G.s Besitz. Am 29.1.1482 macht G. erneut sein Test. und wiederholt den Wunsch, in seinem Grab in S. Egidio beigesetzt zu werden, erwähnt diesmal aber weder seine Kap. noch die Abtei S. Galgano. Er überläßt seine Außenstände Francesco di Giovanni und setzt seine Ehefrau als Universalerbin ein. Am 27.3.1482 werden die Außenstände von den Monti der Sieneser Kommune bereits an Francesco bezahlt, folgl. dürfte G. zu dem Zeitpunkt verstorben sein. Da im Test. keine Kinder vorkommen, starb er vermutl. kinderlos (dagegen: Garosi, 1986). - Aus G.s langer und überaus produktiver künstler. Laufbahn hat sich eine außergewöhnl. große Anzahl von Werken erhalten, v.a. Retabel oder deren Fragmente. Es ist unbek., wo er seine Ausb. erh. hat. Der nur urkdl. bek. ältere Maler Nanni di Giovanni di ser Cecco, der 1428 G.s Mutter als Universalerbin einsetzt, könnte hierbei eine Rolle gespielt haben. In G.s früher Malweise hat die Forsch. einen Einfluß von Paolo di Giovanni Fei, Taddeo di Bartolo und Benedetto di Bindo ausgemacht, möglicherweise auch den von lombard. und frz. Miniaturen. Die Hypothese, daß G. von Martino di Bartolomeo di Biagio ausgebildet worden sei, scheint weniger wahrsch., seit neuere Unters. (Strehlke, 2004) Zweifel an einer früher angenommenen Zusammenarbeit von Martino und G. aufkommen lassen. G.s Stil ist tief in der Trad. der Sieneser Gotik verwurzelt, verwoben mit lebenslang gesammelten weiteren Anregungen, die stets durch seine eig. Vorstellungswelt gefiltert wurden und die es ihm ermöglichten, eine höchst phantasievolle und autonome Bildsprache zu entwickeln. Zu seinen frühesten Werken aus den 1420er Jahren zählen ein von zwei Engeln gehaltener Volto Santo (Mailand, Priv.-Slg), eine große Taf. Leidender und triumphierender Christus und ein Hl. Hieronymus im Gehäus (beide Siena, PN) sowie ein Hl. Bartholomäus (Cambridge, Fitzwilliam Mus.). Die prägnante Zchng, die nervöse, vibrierende Linienführung, das ausgeprägte Chiaroscuro und die fragilen, gelängten Figuren verleihen diesen frühen Werken eine spirituell aufgeladene Intensität. Die frühe Tätigkeit G.s ist v.a. mit dem Dominikanerkonvent S.Domenico in Siena verknüpft: bald nach den ersten, nur dok. Aufträgen (1417, '20) führt G. zwei Altarbilder für dessen Kirche aus. Von dem 1426 voll. und wahrsch. von einem Mitgl. der Malavolti-Fam. in Auftrag gegebenen Altar (in der älteren Lit. als "Pecci-Altar" bez.) sind erh.: die sign., dat. Mittel-Taf., eine Madonna mit Kind und Engeln (Castelnuovo Berardenga, Ss. Giusto e Clemente), zwei seitl. Taf. (Hl. Joh.Bapt.; Hl. Dominikus, Siena, PN) und fünf Predellenszenen (Auferstehung des Lazarus, Kreuztragung Christi, Kreuzabnahme, Grablegung, Baltimore, Walters AG; Kreuzigung, Altenburg, Lindenau-Mus., Inv. 77). Bei der Madonna orientierte sich G. an einer Komp. von Taddeo di Bartolo, während er bei den Predellenszenen v.a. durch die von Simone Martini begründete Trad. beeinflußt wird; gleichzeitig überrascht jedoch sein frühzeitiges Experimentieren mit Schlagschatten. Von dem zweiten Altar, gemalt 1427 für die Branchini-Kap., hat sich nur die Taf. mit einer sign., dat. Madonna mit Kind erh. (Pasadena, Norton Simon Mus.). Bei den Altarbildern von 1426 und 1427 sowie den vier Predellen-Fragm. (Tempelgang Mariens; Kreuzigung; Flucht nach Ägypten, Siena, PN; Anbetung der Hl. Drei Könige, Otterlo, Kröller-Müller-Mus.), die lange mit dem dok. belegten Fondi(Tondi?)-Altar von 1436 in Verbindung gebracht wurden, für die kürzl. aber eine frühere Dat. vorgeschlagen wurde (Boskovits, 2003), erweisen sich die erlesene Schönheit der Figuren, die verfeinerte techn. Ausf., die reich verzierten Oberflächen, die in den Goldgrund gravierte figürl. Dekoration und die naturalist. dargestellten Blumen, die auf dem Boden verstreut und auf den Zierbändern zw. den Predellenszenen verteilt sind, als unmittelbare Reaktion auf Gentile da Fabriano, der 1425 in Siena tätig war und dessen Kunst einen lebenslangen Bezugspunkt für G. bildete. Obwohl etwas später entstanden, zeichnen dieselben prächtigen Textilien, leuchtenden Farben und die höf. Eleganz die Madonna mit Kind und sechs Hll. in Los Angeles (County Mus. of Art; ehem. Aukt. Christie's, Lo., 13.12.1991, Nr 73; London, Matthiesen FA Ltd.) als hervorragendes Beispiel von G.s tragbaren Triptychen aus. Die teilw. beschädigte Schutzmantelmadonna von 1431 (Siena, S. Clemente in S. Maria dei Servi) ist das einzige sicher dat. großformatige Werk der nächsten Dekade. Aus etwa dieser Zeit müssen auch vier erh. Passionsszenen einer Predella stammen: Jesus im Garten Gethsemane (Rom, Pin. Vaticana), Kreuztragung (Philadelphia, John G.Johnson Coll.), Kreuzigung (Altenburg, Lindenau-Mus., Inv. 78) und Beweinung (Rom, Pin. Vaticana). Ein bed., um 1435 entstandenes Retabel bestand urspr. aus der fragm. Madonna mit Kind (Siena, Slg Monte dei Paschi), den Taf. Hl. Katharina von Alexandrien und Hl. Joh.Bapt. (Houston, MFA) sowie Hll. Matthäus und Franziskus (New York, Metrop. Mus.). Seine ehem. Predella könnte bestanden haben aus den Taf. Verkündigung (Washington/D.C., NG of Art), Geburt Jesu (Rom, Pin. Vaticana), Kreuzigung (Berlin, GG), Anbetung der Magier (Cleveland, Mus. of Art) und der Darbringung Jesu im Tempel (New York, Metrop. Mus.), bei denen G. einzelne Szenen des Strozzi-Retabels (1423) von Gentile da Fabriano adaptierte. Für den Vorschlag, G.s Retabel mit dem dok., 1436 ausgef. Werk für die Fondi (Tondi?)-Kap. in S. Francesco in Siena gleichzusetzen, fehlen bislang überzeugende Argumente. Alternativ dazu wurden ein fragm. Hl. Jakob (Siena, PN) und die gen. Predellen-Fragm. in Siena und Otterlo als Überreste des dok. Werkes angesehen. Bald darauf werden G.s urspr. vertikal angeordnete Szenen aus dem Leben des Sieneser Lokalheiligen Ansanus (Der hl. Ansanus tauft die Sienesen, Esztergom, Keresztény Múz.; Enthauptung des hl. Ansanus, Florenz, Bargello) entstanden sein, Fragm. eines bislang nicht rekonstruierbaren Werkes. In der ersten Hälfte seiner Laufbahn wird G. häufig von der Reg. von Siena mit der Bemalung von Buchdeckeln für die Finanzbehörden beauftragt. Neben den verlorenen Werken von 1423 und 1430 bemalte er für die Biccherna Buchdeckel in den Jahren 1436 (Der hl. Hieronymus heilt die Tatze des Löwen, Siena, Arch. di Stato) und 1437 (Triumph des Todes, Berlin, KGM), für die Gabella 1440 (Der hl. Petrus von Alexandrien, von zwei Engeln verehrt, Siena, Arch. di Stato) und 1445 (Verkündigung, Rom, Pin. Vaticana). Bei der Taf. Triumph des hl. Thomas von Aquin (St. Louis, AM) muß es sich wegen der Größe, der umlaufenden Punzierung und der vertikalen Holzmaserung ebenfalls um einen - im unteren Teil beschnittenen - Buchdeckel handeln. Unter G.s wenigen Madonnen für die priv. Andacht befinden sich zwei Darst. der Demutsmadonna (Siena, PN; Boston, MFA), erlesene Arbeiten der Trad. der späten Internat. Gotik mit der Jungfrau und dem schlanken Kind inmitten einer üppigen Vegetation. Den Hintergrund bilden G.s phantast. schachbrettartige Lsch., die den Blick diagonal in die Ferne lenken und von fremdartigen Felsformationen durchsetzt sind. Eine spätere Madonna mit Kind (sign.; Altenburg, Lindenau-Mus.) ist bemerkenswert wegen ihrer fein gemalten Blumendekoration auf dem Rahmen. Ab ca. 1440 ist G. häufig mit Tätigkeiten im Sieneser Ospedale di S. Maria della Scala dokumentiert. Nach dem Altarbild für die Kap. der Infermiera von 1440-41 (verloren) wird 1449 seine eindrucksvolle Darbringung Jesu im Tempel (Purifikation Mariae; Siena, PN) in der Kirche des Hospitals über dem Altar der Gilde der Pizzicaiuoli angebracht. Bei diesem Werk greift G. erneut auf ein berühmtes Vorbild aus dem Trecento zurück: Ambrogio Lorenzettis Retabel für den Dom von Siena. In den 1450er Jahren malen G. und seine Wkst. eine and., vereinfachte Version dieser Komp. (sign.; ehem. S. Pietro in Colle Val d'Elsa, heute Siena, PN). Die Wiederholung von Figurentypen und Komp. ist kennzeichnend für G.s Gesamtwerk, weshalb in der Forsch. davon ausgegangen wird, daß er und seine Wkst. ausführl. Gebrauch von Kartons und Skizzenbüchern machten. Ab etwa 1440 führt G. eine Reihe von mon. Kreuzigungs-Darst. aus. In einer sign. und 1440 dat. Taf. aus der Osservanza-Kirche (Siena, PN) gewinnt seine Malerei unter dem Einfluß von Sassetta eine neue Monumentalität. Die gewundenen Gesten der trauernden Maria und des Johannes erfüllen die Figuren mit einem neuen, wenngleich etwas theatral. Pathos, die Posen sind von einer Steifheit, die zunehmend zum Charakteristikum von G.s Kunst werden sollte. Chronolog. schließt sich ein fragm. monochromes Fresko in San Leonardo al Lago/Siena an, das von derselben dramat. Spannung erfüllt ist. Bei der großen Kreuzigung (ehem. Wien, Slg Lanckoroński) ist die Dramatik durch stille Andacht ersetzt, die Trauernden sitzen demütig auf der Erde. Eine in der Komp. ähnl., aber später entstandene Taf., wahrsch. aus den 1450er Jahren, könnte urspr. bestanden haben aus den später herausgeschnittenen Figuren Trauernde Maria und Trauernder Johannes (Siena, Mus. dell'Opera) und einem fragm. erh. Christus am Kreuz (Dublin, NG of Ireland; durch mod. Rest. in eine Croce dipinta umgewandelt). Ein bemerkenswerter Beleg für die sepulkrale Funktion eines Gem. ist die Inschr. einer Kreuzigung mit etwas kleineren Abmessungen (Canberra, NG of Australia), derzufolge das Werk auf bzw. über dem Grab des Malers Giacomo di Bartolomeo angebracht war, der auf dem Bild betend zu Füßen des Kreuzes dargestellt ist. 1445 vollendet G., noch immer unter starkem Einfluß von Sassetta, ein weiteres Altarbild (Maria mit Kind und den Hll. Dominikus, Petrus, Paulus und Thomas von Aquin; Florenz, Uffizien) für S. Domenico in Siena. Das Werk wurde offenbar von den Dominikanerbrüdern selbst für den Dominikusaltar bestellt (später auf dem benachbarten Guelfi-Altar, nach dem er in der Lit. oft benannt ist). Von der Predella dieses Retabels sind zwei ikonograph. außergewöhnl. Fragm. erhalten: Die Erschaffung der Welt und die Vertreibung aus dem Paradies (New York, Metrop. Mus., Lehman Coll.) sowie Paradies (New York, Metrop. Mus.). Ebenfalls aus den 1440er Jahren stammen zwei Hss., die G.s Meisterwerke im Bereich der Buchillumination enthalten: Ein Antiphonar aus dem Augustinerkloster in Lecceto, identifiziert mit dem dok. "Communella dei Santi" von 1442, enthält 16 historisierte Initialen und eine große Anzahl von Zierbuchstaben (Siena, Bibl. Com., G.I.8, historisierte Initialen auf den fol. 1r, 4r, 18v, 25r, 27v, 40r, 44v, 47r, 62v, 70v, 85v, 99r, 118r, 118v, 162r, 162v). Die prächtigen großformatigen Min. sind kompositor. wirkungsvoll entworfen, frei von überflüssiger Dekoration, und demonstrieren G.s Fähigkeit, seine Figuren mit menschl. Gefühlen auszustatten und deren Seelenzustand zu zeigen. Um 1438-44, höchstwahrscheinl. näher an 1444, führt G. eine seiner originellsten Schöpfungen aus, die Ill. zum Paradiso in einer Hs. von Dantes Göttl. Komödie (London, Brit. Libr., Yates-Thomson ms. 36) für Alfonso V. von Aragon, dessen Wappen in dem Buch erscheinen. In den breiten, querformatigen Bildfeldern läßt G. seiner Phantasie freien Lauf, um Dantes Vorstellungswelt zu veranschaulichen, und gelangt zu poet.-märchenhaften Ergebnissen. Aus seiner späteren Tätigkeit sind wenige Min. erhalten, u.a. drei historisierte Initialen in einem Graduale (Siena, Bibl. Com., H.I.2, fol. 5r, 9r, 91v) und sechs historisierte Initialen (sowie viell. einer unvoll. siebten) in einem Röm. Missale (Siena, Bibl. Com., X.II.3, fol. 17v [mit zwei Min.], 20r, 21r, 22r, 25r, 45r). G.s Mitarb. am letztgenannten Codex ist mitunter bezweifelt worden, allerdings müssen die Min. aus stilist. Gründen ihm oder zumindest seiner Wkst. zugeschr. werden und nicht Battista di Frosino, dem nahezu alle Min. einschl. der ersten auf fol. 7r bezahlt wurden, mit dessen Stil die Malereien aber unvereinbar sind. Als Erklärung dieses Widerspruchs ist vorgeschlagen worden, daß G. die Min. viell. auf die Bitte von Battista hin übernommen haben könnte worden (Eberhardt, Battista di Frosino, in: DBMI). In den 1450er Jahren führt G. zwei Altäre im Auftrag von Franziskanern aus: das Polyptychon der Hl. Klara (Siena, PN), dessen Predella zw. Berlin (GG; Investitur der hl. Klara; Die hl. Klara rettet ein Schiff), Houston (MFA; Die hl. Klara rettet ein Kind vor einem Wolf) und New Haven (Yale Univ. Art Gall.; Die hl. Klara segnet die Brotlaibe vor Papst Innozenz IV.) aufgeteilt ist, sowie das Polyptychon des Hl. Nikolaus, sign., dat. 1453 (Siena, PN). Im selben Jahrzehnt war G. auch mehrfach für den Augustinerorden tätig. Ein 1454 dat. Polyptychon (Maria und Kind mit Engeln, eine weibl. Hl., Hll. Augustinus, Joh.Bapt. und Nikolaus von Tolentino; New York, Metrop. Mus.) war möglicherweise für S. Agostino in Cortona bestimmt und könnte durch eine Predella vervollständigt worden sein, deren vier Fragm. sich heute in London befinden (NG: Geburt des Joh.Bapt.; Johannes geht in die Wüste; Taufe Jesu; Präsentation des Kopfes des hl. Johannes vor Herodes). Die Ableitung der Komp. der beiden letzten Szenen von den Reliefs von Ghiberti und Donatello am Sieneser Taufbecken zeigt G.s ständige Aufmerksamkeit für die wichtigsten bildhauer. Neuerungen in seiner Umgebung. Dabei geht er mit seinen Anregungen so frei um, daß sie sich mit seiner ausgefallenen Raumauffassung und seinem expressiven Erzählstil zusammenfügen. Für einen weiteren Augustinerkonvent malt G. 1457 einen lebensgroßen, stehenden Hl. Nikolaus von Tolentino (Montepulciano, S. Agostino), urspr. flankiert von Szenen mit Wundertaten des Hl., von denen zwei erh. sind: Der hl. Nikolaus beim Begräbnis des Venturinus (Wien, ABK, GG) und Der hl. Nikolaus rettet ein gekentertes Schiff (Philadelphia, John G. Johnson Coll.). Ebenfalls von 1457 datieren vier erh. Taf. eines Polyptychons, das heute aufgeteilt ist auf die PCom. von Castiglion Fiorentino (Thronende Madonna mit Kind; Die hl. Katharina von Alexandrien) und Bagnoregio (Bekrönte weibl. Hl. mit Mönch; Hl. Nonne mit knienden Nonnen). Ab den späten 1450er Jahren wird G.s Stil bei den mon. Werken zunehmend trockener, statischer und weniger dekorativ, mit einer summar., volumetr. und manchmal geradezu verzerrten Darst. der Figuren. Sein imaginativer Erzählstil findet jetzt seine höchste Ausdrucksmöglichkeit in kleinformatigen hagiograph. Zyklen. Um 1455-60 malt G. zwölf Szenen aus dem Leben des Joh. Bapt., von denen elf erh. sind (Verkündigung an Zacharias, New York, Metrop. Mus., Lehman Coll.; Geburt und Namensgebung des Täufers, Münster, Westfäl. LM; Der Täufer geht in die Wüste, Chicago, Art Inst.; Joh. Bapt. als Prediger [Fragm.], Avignon, Mus. Petit Pal.; Ecce Agnus Dei, Chicago, Art Inst.; Taufe Jesu, Pasadena, Norton Simon Mus.; Joh. Bapt. predigt vor Herodes, Münster, Westfäl. LM; Joh. Bapt. im Gefängnis; Salome fordert seinen Kopf; Enthauptung des Joh. Bapt.; Sein Kopf wird zu Herodes gebracht, Chicago, Art Inst.). Die Taf. bildeten einen Teil einer "custodia" bzw. eines Schrankes mit bewegl. Doppelflügeln, die auf der Außenseite mit der Verkündigung bemalt waren, und der wahrsch. zur Aufnahme einer Statue oder Reliquie des Täufers bestimmt war. Eine weitere Bilderfolge, bei der G. seiner narrativen Neigung freien Lauf lassen kann, ist der ausführl. Zyklus zum Leben der hl. Katharina von Siena, der 1461 oder wenig später anläßl. der Kanonisierung der Hl. entsteht. Die zehn Szenen (Die hl. Katharina wählt den Dominikanerhabit, Cleveland, Mus. of Art; Myst. Vermählung der hl. Katharina, Priv.-Slg; Die Hl. und der Bettler, Cleveland, Mus. of Art; Herzenstausch der Hl. mit Christus, Priv.-Slg; Stigmatisierung der hl. Katharina; Die Hl. fleht Christus an, ihre Mutter wieder zum Leben zu erwecken, beide New York, Metrop. Mus., Lehman Coll.; Wunderbare Kommunion der hl. Katharina, New York, Metrop. Mus.; Die Hl. diktiert ihre Dialoge, Detroit, Inst. of Art; Die hl. Katharina vor einem Papst, Madrid, Mus. Thyssen-Bornemisza; Tod der Hl., Priv.-Slg [ehem. Minneapolis, Art Inst.; Aukt. Sotheby's, Monte-Carlo, 5.3.1984, Nr 1023; Sotheby's, New York, 24. 1. 2002, Nr 142] und eine Kreuzigung, Utrecht, Mus. Catharijneconvent, als Depositum in Amsterdam, RM) bildeten eine komplexe Predella, die vier auskragende Elemente aufwies und auch an den Außenseiten bemalt war. In diesen mit großer Spontaneität und Erfindungsreichtum gemalten Szenen konzentriert sich G. auf die Intensität und Unmittelbarkeit der Erzählung, um die visionären und übernatürl. Erfahrungen der soeben kanonisierten Hl. zu veranschaulichen. Für das 18.Jh. ist dok., daß die Predella zus. mit sechs Pilasterfiguren (Seliger Andrea Gallerani; Seliger Ambrogio Sansedoni, New York, Metrop. Mus., Lehman Coll.; Hl. Galganus; Franziskanermärtyrer, Utrecht, Mus. Catharijneconvent, als Depositum in Amsterdam, RM; zwei bislang nicht aufgefundene, aber dok. Fragm., Hl. Katharina; Hl. Bernhardin von Siena) am Pizzicaiuoli-Altar (1447-49) angebracht war, aber es ist nicht gewiß, ob dieser Zustand des 18.Jh. der originale war oder vielmehr das Resultat eine Zusammenfügung von Einzelteilen völlig unterschiedl. Altarretabel. Selbst im hohen Alter wurde G. noch als einer der bedeutendsten Sieneser Maler angesehen, als Papst Pius II. Altäre für seinen neu errichteten Dom in Pienza bei ihm in Auftrag gab. Bei seinem 1463 dat. Werk stellt G. in der Lünette eine bewegende Beweinung dar, hat aber bei der zentralen Taf. mit der Madonna mit Kind und Engeln und den Hll. Bernhardin von Siena, Antonius Abbas, Franz von Assisi und Sabina (?) (Pienza, Dom) mit einigen Schwierigkeiten bei dem geforderten einheitl. Bildfeld zu kämpfen: Die Einzelfiguren passen in den Proportionen nicht recht zueinander und verlieren sich geradezu im Raum. Ein etwas späterer Altar unbek. Herkunft zeigte urspr. die vier Kirchenväter; auf den zerstreuten Einzelteilen die zu Halbfiguren beschnittenen Hll. Ambrosius (New York, Metrop. Mus., Lehman Coll.), Gregorius (ehem. Rom, Slg Di Castro, jetzt Genua, Slg Costa) und Augustinus (Cambridge/Mass., Fogg Art Mus.); die zwei Predellenszenen zeigen Der hl. Hieronymus erscheint dem hl. Augustinus (Berlin, GG) und den Hl. Gregor im Castel S. Angelo während der Pest (Paris, Louvre). Während G.s letzter kreativer Phase, die sich ungefähr über weitere zehn Jahre erstreckt, bleibt seine hohe Produktivität konstant. Die überraschend große Zahl an Altarbildern, die aus dieser Zeit erh. sind, belegt die ungebrochene Nachfrage nach seinen got. Polyptychen mit Goldgrund; demnach dürften einige seiner Auftraggeber dieser Zeit aus Kreisen mit einem konservativen Geschmack gekommen sein. Der allmähl. Niedergang von G.s Kunst ist gekennzeichnet durch die Wiederholung seines immer gleichbleibenden Figurenrepertoires, einen rauheren, trockeneren und kreidigeren Pinselstrich und eine blassere, zeitweise fast monochrome Palette. Das Auftreten von unbeholfen wirkenden Figuren von hölzernem Aussehen und knochigen, unharmon. Gliedmaßen auf mehreren Gem., die mit G.s Spätphase in Verbindung gebracht werden, mögen sowohl seiner eingeschränkten Seh- und Körperkraft als auch der zunehmenden Mitwirkung von Gehilfen geschuldet sein, deren Hände sich auf Werken wie der sog. Großen Maestà und dem Polyptychon aus S.Silvestro in Staggia (Himmelfahrt Mariens mit den Hll. Bernhardin, Joh.Bapt., Georg und Gregor dem Großen, ehem. sign., dat. 1475), beide Siena, PN, beobachten lassen. Lange ist angenommen worden, daß es sich bei einem von G.s späten Gehilfen um einen gewissen Iacomo del Pisano gehandelt habe; jedoch bedarf es weiterer Untersuchungen, um die hist. Existenz eines Malers dieses Namens zu beweisen. Sogar noch um 1470 oder in den frühen 1470er Jahren ist G. jedoch in der Lage, in seinen autographen Werken ein vergleichsweise hohes Niveau aufrechtzuerhalten; dies belegen die Altäre, deren Haupttafeln die Geburt Jesu (Esztergom, Keresztény Múz.) sowie den Hl. Viktor(?) und den Hl. Ansanus (Avignon, Mus. Petit Pal.) zeigen, ferner sein letztes Meisterwerk, das mon. Polyptychon in Siena (PN), das von den Zisterziensern von S.Galgano, mit denen G. in seinen letzten Jahren in engem Kontakt stand, in Auftrag gegeben worden war, viell. für ihre Kirche S. Maria Maddalena in Siena. - Obwohl G. zu den wichtigsten und produktivsten Sieneser Malern seiner Zeit gehörte, hatte er nur mittelmäßige Schüler, und seine Nachwirkung war - wohl wegen der Eigentümlichkeit seiner Malerei - gering.
Weitere Werke:
Group exhibitions:
Siena: 1904 Pal. Pubbl.: Mostra dell'antica arte senese; 1944 PN: Exhib. of masterpieces of Sienese art; 1981, '83 Soprintendenza per i beni stor. e artist.: Mostra di opere d'arte rest. (beide mit K); 1982 MCiv.: Il Gotico a Siena (K); 1987 PN: Scult. dipinta (K); 1993 S. Agostino: Francesco di Giorgio e il Rinascimento a Siena (K); 1994 MCiv.: Panis Vivus (K); S. Maria della Scala: 2003 Arte e Assistenza a Siena (K); 2005-06 Siena e Roma (K) / 1921 Brüssel, Mus. R. des BA: Primitifs ital. de la Renaiss. / 1925 Frankfurt Am Main, Städel: Ausst. von Meisterwerken alter Malerei aus Priv.-Bes. / London: 1930 RA: Exhib. of Ital. art, 1200-1900; 1965 Wildenstein: The art of paint. in Florence and Siena; 1983 Matthiesen FA, Ltd.: Early Ital. paint. and works of art 1300-1480 (K); 1997-98 RA: The art treasures of England. The regional gall. / 1933 Detroit, Inst. of Arts: Loan exhib. of Ital. paint. / Paris: 1935 L'art ital. de Cimabue à Tiepolo; 1982 Mus. du Petit Pal.: Coll. Thyssen-Bornemisza: Maîtres anciens / New York: 1936-37 MMA: Fantastic Art, Dada, Surrealism; Metrop. Mus.: 1973 G. Paintings; 1988-89 Metrop. Mus.: Paint. in Renaiss. Siena (K) / San Francisco: 1939 Golden Gate internat. expos.: Masterworks of five c.; 1939-40 The California Pal. of the Legion of Honor und M.H. de Young Memorial Mus.: Seven c. of paint. A loan exhib. of old and mod. masters / 1954 Viterbo, MCiv.: La pitt. viterbese / 1959 Cincinnati/Ohio, Cincinnati AM: The Lehman Coll. / 1964 Perugia, GN dell'Umbria: V Mostra di opere rest. / 1966 Laren, Singer Mus.: De kunst van het verzamelen (K) / 1970 Cortona, Fortezza del Girifalco: Arte in Valdichiana (K) / 1973 Assisi, Sacro Convento di S. Francesco: Coll. Federico Mason Perkins / 1976 Manchester, Whitworth AG: Med. and Early Renaiss. treasures in the North West (K) / 1984 Philadelphia, Mus. of Art: From the coll. Paint. from Siena / 1987-88 Madrid, R. Accad. de BA de S. Fernando: Maestros antiguos de la col. Thyssen-Bornemisza / 1991 Lugano-Castagnola, Villa Favorita: "Manifestatori delle cose miracolose..." (K) / 1995-96 Köln, Josef-Haubrich-KH: Lust und Verlust (K) / 1996-97 Tours, MBA: Italies. Peint. des mus. de la région Centre (K) / 1998-99 Mailand, Compagnia delle BA: Oro. Maestri gotici e Lucio Fontana (Wander-Ausst.) / 2001 Florenz, Gall. dell'Accad.: Un tesoro rivelato. Capolavori dalla Coll. Carlo de Carlo (K) / 2002 Rom, Pal. del Quirinale: Le biccherne di Siena (K) / 2002-2003 Athens (Ga.), Giorgia Mus. of Art u.a.: Sacred treasures. Early Ital. Paint. from southern coll. / 2005 Vatikanstadt, Braccio di Carlo Magno: Immagine e mistero. Il sole, il libro, il giglio (K) / 2005-06 Berlin, GG: Gesch. auf Gold (K); Bonn, Kunst- und Ausstellungshalle: Nationalschätze aus Deutschland. Von Luther zum Bauhaus (Wander-Ausst.) / 2006 Fabriano, Spedale di S.Maria del Buon Gesù: Gentile da Fabriano e l'altro Rinascimento (K); Frankfurt am Main, Städel: Kult Bild/Cult Image (K).
Thieme-Becker, Vollmer, and AKL:
ThB14, 1921 (s.v. Giovanni di Paolo di Grazia; ältere Lit.)
Other encyclopedias:
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Printed sources:
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Giovanni di Paolo di Grazia, Maler und Illuminator in Siena, geb. vielleicht 1403 (da ein G. d. P. im Taufregister erscheint?), †1482 oder bald darauf, wird schon 1423 als Maler erwähnt, 1428 in der Rolle der Malergilde aufgeführt, 1441 urkundl. als deren Rektor genannt. 1446 Zahlungsnotiz an G. und Fruosino di Nofrio "per dipentura de l'archo de la porta di mezzo del Duomo e doratura la Madonna rilevata". 1447 Zahlung der Bruderschaft di S. Bernardino an G. und Sano di Pietro für eine Altartafel. Am 11. 4. 1447 erhält er von der Zunft der Kleinkrämer (pizzicaiuoli) Auftrag für ein Altarbild (für die neuerbaute Zunftkapelle "della Purificazione" in S. M. della Scala), das am Tage Allerheiligen 1449 aufgestellt sein sollte (heute Siena, Acc. No 211. Darstellg i. Tempel). 1450 Zahlung für zwei Bücher, die G. im Auftrag des Kapitels des Spedale della Scala gemalt hatte (Arch. di Stato, Siena, Sp. d. Scala. Cont. Corr. P. c. 339 v). G.s Steuererklärung von 1453 führt zwei Häuser in seinem Besitz an, beide im Terzo Camollia in der Contrada del poggio Malavolti (daher sein Beiname del Poggio); im ersten hat G. Wohnung und bottega, das zweite ist verfallen und nicht bewohnbar. Zwischen 1465 und 75 erhält G. "e compagni" Zahlung für mehrere Werke in Sta. Caterina in Fontebranda. 1480 heiratet er jene Domenica, die viele Jahre hindurch seine Wirtschafterin gewesen, und die er in seinem Testament vom 29. 1. 1482 zur Universalerbin einsetzt, da er kinderlos geblieben war. Auch dadurch wird die von Baldinucci aufgebrachte Behauptung, Matteo di Giovanni sei G.s Sohn gewesen, als Fabel erwiesen. - G. bez. seine Bilder Joh. Pauli de Senis und Johannes de Senis. Über den langlebigen und höchst fruchtbaren Künstler ist von der älteren Forschung meist recht hart geurteilt worden, und erst die wachsende Teilnahme für die sienes. Maler des XV. Jahrh. hat auch G. wieder zu Ehren gebracht. Die spärlichen urkundl. Notizen geben über seine künstler. Kinderstube keine Auskunft, seine frühen Bilder kennzeichnen ihn jedoch als einen Nachfolger des Paolo di Giovanni Fei und als einen Schüler des Sassetta (1392-1450). Früher hat man in Gentile da Fabriano, der 1425 in Siena wohnte und arbeitete, einen Lehrer G.s gesehen, und den unter den Schülern Gentiles aufgeführten Giovanni (Vasari-Milanesi, III 23) auf G. bezogen. Aber selbst G.s stark abgeriebene Stigmatisation des hl. Franz (Fabriano, Smlg Fornari), in der er doch wohl Gentiles Bild ders. Smlg abschreibt (Perkins, Rass. d'Arte VI (19061 52; Colasanti) und die auch sonst unbezweifelbaren Beziehungen zu Gentile rechtfertigen es noch nicht, von wirklicher Schülerschaft zu sprechen. Sie sind Erinnerungen G.s, nicht mehr. Urkundlich sicher ist, daß G. mit Sano zusammengearbeitet hat, und die Spuren dieser Gemeinsamkeit sind in manchen Bildern G.s zu erkennen. Neuerdings hat van Marle in dem sonst unbekannten Giacomo del Pisano (einziges bez. Bild: Haarlem, Mus. van Stolk, No 184, Triptychon. Thron. Mad. mit Petrus und Magdalena) einen Werkstattgenossen und Gehilfen G.s gefunden, und es scheint, wie auch v. Marie (sogar an G.s 1440 bez. Kruzifix) beobachtet, daß man einen Teil des Groben und Plumpen bei G. auf diese unbedeutende Gehilfenhand zurückführen darf. Genauere Untersuchung wird es vielleicht ermöglichen, Arbeiten dieses garzone aus dem Werk G.s auszuscheiden. Umfangreicher Werkstattbetrieb mag die Ungleichheit in der Ausführung und Güte seiner Bilder erklären und auch die Fruchtbarkeit seiner Produktion. Wie groß muß diese gewesen sein, wenn wir noch heute über 150 Gemälde G.s besitzen. Man hat G. einen archaisierenden Eklektiker genannt; das scheint richtig, wenn man nur die Namen all der Künstler aufzählt, an die man sich vor Bildern G.s erinnert sieht, von Duccio an bis Vecchietta, Matteo und weiter, von Giotto über Fra Angelico zu Squarcione und Pisanello, ja die eigensinnige Bizarrerie G.s hat manchen an deutsche Bilder, oder gar an Ostasiatisches denken lassen. G. nimmt mit einem höchst empfänglichen Auge, einer erstaunlichen Erinnerungskraft von überall her auf, aber selbst wo er zu kopieren scheint, gießt er das Vorbild in eine Form um, die es ganz zu seinem Eigentum macht. Gegenüber dem in Perspektive und Zeichnung so starken Können der Florentiner wirkt G. rückständig, gemessen an dem frischen und geschlossenen Vorwärtsdrängen der Malerei am Arno scheint er ohne innere Entwicklung, aber aus seiner besten Zeit gibt es Stücke, die dort nicht denkbar sind, und die Sicherheit seines Farbengefühls auf der Höhe seines Schaffens läßt ihn nicht in jene verletzende knallige Buntheit verfallen, von der z. B. Fra Angelico nicht frei ist. Deshalb kann mit der Andeutung seiner Abhängigkeiten nicht viel gesagt sein, und man wird ihm erst gerecht, wenn man ihn in dieser ein wenig saturiert-konservativen, aristokratischen Atmosphäre Sienas zu begreifen sucht. Auch an G. ermißt man, daß Duccio das Schicksal der sienesischen Malerei gewesen ist. Wie D. hält auch G. als Erzähler die Einheit des Ortes und der Handlung bis in Kleinigkeiten fest, wie D. liebt er die Raumeinschnitte, die architektonischen und landschaftl. Prospekte, wie D. kann er überraschen, indem er sich Probleme stellt, die erst eine viel spätere Zeit in Angriff zu nehmen wagt, wie D. liebt er die Natur, ohne sie in einer höheren Form überwinden zu können. Aber wie zart spricht sich das Lyrische seines Wesens in seiner Vorliebe für die Blumen aus, die er auch als selbständige dekorative Elemente verwendet. Es gibt Bilder von G., wie etwa die landschaftl. Szenen der Geschichte des Täufers (Chicago), die ganz neu erscheinen und ihren Zauber auch nicht einbüßen, wenn man sehr vertraute Bekannte in diesen Bergen und Schründen findet, die nichts weiter sind als die alten Bergkulissen der Maniera bizantina, ein Erbteil von Duccio vermittelt. Auch in G. ist diese seltsame Mischung aus Verstandeszucht und Irrationalem, die der sienesischen Malerei ihren besonderen Charakter und Reiz gibt, das "Sinnlich-Obersinnliche". Aber bei G: liegt auf eine merkwürdige, manchmal groteske Art das Zart-Beseelte neben dem Derb-Bäurischen, echte Innerlichkeit neben einer fast flachen Freude am schönen Schein der Dinge, durchdachte Erzählungskunst neben kindlichem Plaudern, kultivierter Farbengeschmack und zartestes Liniengefühl neben farbiger Eintönigkeit und exaltierter Verschobenheit der Zeichnung. - Wenn man die Preise des Kunsthandels als eine Art Wertmesser ansehen darf, so hat G. darin 1913 (Vente Aynard) eine Schätzung erreicht, die ihn über alle sienesischen Maler seiner Zeit stellte. Die datierten Bilder beginnen mit der Himmelfahrt Mariä in Castelnuovo Berardenga (1426), die stark unter der Wirkung Sassettas steht, aber G.s Eigenart schon deutlich erkennen läßt. Nach Jacobsen (Abb. Taf. 13) 1427 datiert ist die reizende sehr fein ausgeführte kleine Madonna der Gal. Saracini (No 1263). Unter den frühen Arbeiten ragen hervor die Predellenstücke der Geburt und Vermählung Mariä (Rom. Gal. Doria. Toesca), von schöner Farbigkeit und gehalten in der Bewegung. De Nicola hält es für wahrscheinlich, daß die Predellenstücke (Siena, Acc. No 174-76, Tempelgang Mariä, Kreuzigung, Flucht nach Ägypten), die Brandspuren tragen, die Überbleibsel jenes Bildes sind, das G. nach Ugurgieri (II 436) im Auftrag der Familie Fondi für S. Francesco malte, und dessen Hauptteil bei dem großen Brande der Kirche (1655) zugrunde ging. Früh, wenn auch nicht schon von 1430 (Schubring), sind die Evangelistenbilder, Mathaeus (Budapest, No 49) Markus (Siena, Acc. No 195), Johannes (Cöln, Smlg Schnütgen); der zugehörige Lukas befand sich mit dem Mathaeus und Johannes in der Smlg Ramboux (G. v. Térey in Kunstchronik, N. F. XXVI [1913/41 496), Teile eines größeren Altarwerkes. Sie sind nicht ohne Größe der Auffassung, und rücken damit neben Franziskus und Mathaeus in New York (Metropol. Mus. G. 433-1), die an Taddeo di Bartolo erinnern. Die dat. Buchdeckel von 1432, 33, 36, 40 (Siena, Staatsarchiv) geben nur geringen Anhalt für die Chronologie, höchstens der von 45 im Vatikan mit einer trefflichen Verkündigung. Die große Kreuzigung (Siena, Acc. No 200) ist bezeichnet: "Hoc opus Johannis Pauli de Senis pinxit 1440". Die Krönung Mariä in S. Andrea ist dat. 1445. Das bekannte und vielgerühmte jüngste Gericht (Acc. No 172) ist zwar nicht datiert, hat aber eine alte Tradition für sich, nach der es als Predella zu einem Madonnenbilde gehörte, das 1445 für die Kapelle der Guelfen in S. Domenico gemalt wurde. Hier entfaltet G. besonders im Paradies den ganzen Reichtum seines Könnens, die Schönheit seiner Farbe, die Lebhaftigkeit der Bewegung und breitet in den auf der blumigen Wiese wandelnden Seligen eine reiche Musterkarte modischer Kostüme aus. Vor solchen Bildern wird es klar, daß die große Altartafel seinem Wesen nicht lag, was man, je älter er wird, um so peinlicher empfindet. Das Bruchstück einer ähnlichen Paradieses-Darstellung, das noch feiner und bewegter im Aufbau ist, ohne daß G. sich wiederholte, kam aus der Smlg Palmieri-Nuti nach New York (Metr. Mus. G. 433-2). Wie G. von der Macht des Weibes über den Mann erzählt, sieht man in dem Cassone (Siena. S. Francesco, Seminar, Abb. Schubring, Cassoni Tal. 101) mit Judith, Delila und der heidnischen Gattin Salomos, und in dem Cassone mit der Geschichte der Hippo (Abb. Perkins, Rass. d'Arte XIII [1913]). Die mancherlei Stücke dieser Art Malerei, die man in den Kunstkreis G.s verweist, bestätigen, daß seine Werkstatt damit reichlich Arbeit fand. Die bekannte Errettung aus Seenot (Philadelphia, Smlg Johnson) und das verwandte Bildchen gleichen Inhalts (ehemals Smlg. Kaufmann, Berlin) sind schon wegen ihrer Besonderheit hier zu nennen. Der Schaffensepoche zwischen 1440 u. 50 muß man die besten Werke seines Pinsels einreihen, die zarte in Farbe und Ausführung gleich anziehende Verkündigung mit der Austreibung aus dem Paradiese (London, Smlg Benson). Die Verbindung beider Szenen in dem gedankenvollen Zusammenhang von Sündenfall und Erlösung konnte G. bei Fra Angelico gesehen haben (Cortona, Gesù). Die Austreibung kehrt sehr ähnlich wieder auf dem feinen Bildchen der Erschaffung der Welt mit dem Mappamondo und den vier Paradiesesströmen, das einem verwandten Gedankenkreise angehört (Paris, Smlg Chalandon). So wird man sich wohl die "Schöpfung" vorstellen dürfen, die mit der Sintflut zu dem Altarblatt für S. Domenico gehört hat. Wie man bei dem Christus des Jüngsten Gerichtes an Michelangelo erinnert wird, so stellen sich bei der Schöpfung Gedanken an Gott -Vater in der Erschaffung Adams ein; auch gehört zu dem Bilde des merkwürdigen Künstlers jene Bemerkung Schubrings (im Hinblick auf die Flucht nach Ägypten, [Siena, Acc. No 176], in der G. die Sonnenstrahlen in Gold auf alles Belichtete legt), G. sei der erste Pleinärist in Siena. Die 6 Szenen aus dem Leben des Täufers (Smlg M. A. Ryerson, Chicago, ehemals Smlg Aynard, Lyon; Perkins, Rass. d'arte sen. III, 82 Abb.; Schubring, Cassoni Taf. 104-106; de Nicola, Burl. Mag. XXXIII 45, Abb. mit Rekonstruktionsversuch) hat Perkins mit Recht das Meisterwerk G.s genannt, und gemeint, daß er Sassetta hier nicht nur gleichkomme, sondern ihn besonders im Landschaftlichen überträfe. Der romantische Zauber der weiten Fernblicke, die Geschlossenheit im Fluß der Erzählung, das dramatische Leben, die Ausdrucksstärke der seelischen Bewegung geben den Bildern eine erste Stellung im Werke G.s, woran auch die Tatsache nichts ändert, daß G. sich an den Reliefs des Taufbrunnens in S. Giovanni, also an Quercia, Ghiberti und Donatello inspiriert hat, was Schubring auch an den vielleicht zugehörigen Bildern beobachtet: Verkündigung des Engels an Zacharias (New York, Smig Lehmann), Geburt des Täufers (Münster, Mus. No 355) und Joh. vor Herodes (ebenda No 356). Daß die Datierung Schubrings auf cr. 1450 richtig ist, bezeugt der Zusammenhang der "Verkündigung an Zacharias" mit der "Darstellung im Tempel" A. Lorenzettis (dat. 1342, aus dem Spedaletto der Monna Agnese in Siena; Florenz), die sich G. - und nicht er allein - auch für seine große, leider sehr beschädigte Darstellung im Tempel zum Muster genommen hatte (Siena, Acc. No 211), und die Allerheiligen 1449 vollendet sein sollte. Man kann, obwohl Sano (Massa Marittima, Dom) die Architektur Ambrogios stärker abändert, eher sagen Sano habe A.s Darstellung "kopiert", als G., der doch ein ganz neues Bild daraus macht, und zwischen den Figuren Simeons mit dem unruhigen Kinde und Maria eine leidenschaftliche innere Spannung herstellt, die ganz aus seinem Geiste stammt. Aus dem Vertrag der pizzicagnoli mit G. scheint hervorzugehen, daß die Zunft die Nachbildung der "Darstellung" Ambrogios forderte, sie erklären ausdrücklich: "in illa forma et compositione, figuris et storiis eidem magistro Johanni per dictos Rectores demonstrandis et assigniandis." Die weitgehende Bestimmung der Komposition durch die Auftraggeber ist in Siena nicht ungewöhnlich, wie als klassisches Beispiel Matteos Barbara in S. Domenico zeigt. (Milanesi II 364). Diese Kopie der "Darstellung" A.s beweist also wenig gegen G.s künstlerische Selbständigkeit. Schon hier taucht in den männlichen Gestalten das Mürrische auf, das sich später bis zu finsterer Verbitterung im Ausdruck steigert, wie in dem werkstattmäßigen Altarblatt der thron. Madonna (Siena, Acc. No 575. Die Verkündigung der Lünette nicht zugehörig). Sehr gediegen in der Arbeit, aber schon voll einer inneren Bedrücktheit ist die Assunta mit der Gürtelspende in Asciano (Collegiata; die Flügel von Matteo), die doch wohl aus der Schaffenszeit des 6. Jahrzehntes stammt, und der man die hervorragende Krönung Mariä (New York, Smlg Lehmann) zeitlich anreihen darf. Die beiden Engel mit Handorgel und Zither zu Füßen des Thrones kehren auf der Madonna in Poggioferro wieder. (Sehr beschädigt. Abb. Nicolosi, Montagna Maremmana jltal. Artist. No 601 1911 p. 68.) 1453 dat. ist der thron. Nikolaus von Bari (Siena, Acc. No 173), 1457 die Vermählung der hl. Katharina, die schon die vergröberten Formen der späteren Arbeiten zeigt, aber nicht ohne kraftvolle Wirkung ist (Castiglione Fiorentino, Pinac.; Abb. Mancini, Cortona (Ital. Artist. No 46J 1909 p. 162. Crowe u. Cavalcaselle, dtsch. Ausg. IV, 89, nennen noch einen Michael und eine weibliche Heilige als zugehörig; 4. Flügel: Antonius v. Pad., den Mancini anführt?) - Die Madonna in Pienza (Mus., dat. 1463) steckt in einem Renaissancerahmen (in der flachen Lunette die Pietà) und hat auch im Aufbau die Wendung zum neuen Geschmack mitgemacht, die asketischen, in der Empfindung noch ganz gotischen Heiligen nehmen sich auf der großen Bildfläche wunderlich genug aus, stehen wie gelangweilt herum und erdrücken fast die kleinen Engel um Maria. Wie die Palette hier eintönig geworden ist, sind die Gesichter fast zu Grimassen verwandelt. Leider wissen wir nichts von dem Leben G.s, die Urkunden geben nicht einmal darüber Auskunft, ob er außerhalb der Civitas Virginis gearbeitet hat. In seinen Bildern will man Anzeichen dafür finden. Colasanti möchte ihn wegen der Stigmatisation des hl. Franz nach Fabriano schicken, und man kann ihn auch in Assisi finden, wenn man sieht, wie er (Franz erscheint dem hl. Antonius, Siena, Domopera) das Fresko der Oberkirche in Assisi "kopiert" (De Nicola), doch müssen diese Fresken schon früh eine Art kanonischer Geltung gehabt haben, wie man an der genannten Stigmatisation des hl. Franz und auch bei andern (Gentile da Fabriano, Sassetta: Smlg Chalandon, Paris) beobachtet. Wichtiger für den Beweis eines Aufenthaltes in Assisi ist die Erinnerung an die sog. Befreiung des Häretikers in G.s Kreuztragung (Philadelphia, Smlg Johnson), wo er die Trajanssäule und das Septizonium Severi übernimmt und den Figurenfries geflügelter Genien an der Stadtmauer weiterführt. Roger Fry glaubt seine Anwesenheit in Florenz aus einer Miniaturenhandschrift der Divina Comedia (bei H. Y. Thompson, London) beweisen zu können. Die Illustrationen zum Purgatorio und Paradiso gibt er G. und möchte auf Grund einer Darstellung der Stadt Florenz mit der unvollendeten Kuppel des Domes (noch ohne Laterne) den Aufenthalt G.s kurz vor 1445 legen. Aber diese Miniaturen sehen doch sehr anders aus, als die 16 unbezweifelbaren Buchmalereien G.s in dem Corale G. I, 8 der Bibl. com. in Siena, in denen G. sich als ein hervorragender Miniaturist zeigt. In diese Florentiner Zeit könnte auch die Beschäftigung G.s mit Fra Angelico fallen, die man für sein jüngstes Gericht annimmt, und die mit Gentiles Anbetung der Könige. Die Bilderliste bei Berenson, die auch infolge des Besitzwechsels mancher Korrektur bedarf, hat Douglas erweitert. An dieser Stelle sei hinzugefügt, was seitdem als Arbeit G.s erkannt wurde: Arezzo, Conte Tommaso Aleotti: Altarblatt d. Mad. mit Engeln und Klara, Augustin (?), Joh. d. T., Bernardin. Mittlere Zeit, vortrefflich. (Perkins); ebenda: Mad. mit Engeln, spät. (Perkins). - Berlin, Smlg Ed. Simon: Anbetung der Könige, gutes Bildchen vom Ende der mittleren Zeit. (Arch. f. Kunstgesch. II 119141 Taf. 116). - Cherbourg, Mus. No 166: Geburt Christi. Triptychon, Flügel: Ansanus (?) u. Galganus. Giebel: Mitte, Gott Vater; Flügel, Verkündigung. Mittlere Zeit, Ende. (Perkins.) - Englewood, N. Y. Smlg. Platt.: Kleine Madonna mit Margarethe u. Kath. v. Alex. Feines frühes Bild (Breck); ebenda: Kl. Madonna mit dem Kinde, beschädigt (Breck). - Fermo, St. Angelo Custode: Kruzifixus (L. Venturi, Abb. L'Arte, XVIII 199). - Florenz, Samml. Bardini, Krönung Mariä, Altarblatt (Perkins); ebenda: Bargello, Smig Carrand: Urteil des Paris, Tondo, (Jacobsen); nach Schubring (Cassoni): Zanobi Strozzi; Venturi (Storia VII, 1): bologn. Nachfolger d. Gentile d. F., p. 216 weitere Litt. über das umstrittene Bild; ebenda, Smlg March. Bargagli, kl. Triptychon: Mad. m. d. Kinde u. Heiligen (de Nicola). - Lastra a Signa, Smlg Perkins: Jak. d. Ält. u. Bernardin. - London, Smlg Rob. Ross: Fabian u. Sebastian (Borenius). - Mailand, Smlg Chiesa, Fragm.: Maria v. Engel gekrönt (de Nicola). - Montepulciano, St. Agostino: hl. Bernardin (de Nicola). - New York, Smlg. Lehmann: Verkündig. an Zacharias (Perkins); ebenda: Smlg Sachs: Joh. d. T., Fragm., spät (Perkins); ebenda: Smlg Winthrop: Geb. Christi, beste Zeit (Perkins). - Paris, Smlg Benoit: Ant. Abbas. (Perkins. Berenson: Neroccio); ebenda: Smlg A. Kann: Kath., Barb., Agate und eine and. Hl. (Perkins). - Perugia, Conte CurzioFerretti: Mad., spät. (Perkins). - Philadelphia, Smlg Johnson: Schiffer aus Seenot errettet. - Poggioferro (Grosseto), S. Croce: Mad. als "Advocata Podiiferri" (Peleo Bacci). - Rom, Antiq. Simonetti (1913): Gesch. d. Hippo; ebenda, Smlg Princ. Chigi (ehem. Gal. Corsini): 2 Predellenstücke, Sz. aus einem Heiligenleben (de Nicola); ebenda, Gal. Sterbini: Kreuzig. (A. Venturi, Gall. Sterbini, 1906 p. 87 Abb.); ebenda, Vatik. Gal. Magazin No 196 Mad. m. d. Kind, sehr kl. Bild (de Nicola); die von Berenson im Mus. Chr. angeführten Bilder heute in der Vatik. Gall.; ebenda, Privbes.: