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Jones, Inigo

Born
London / Smithfield (London), (vor) 1573.07.19
Died
London, 21 June 1652
Country
Great Britain
Gender
male
GND-ID
Name Variations
Jones, Inigo; Jones, Enego
Occupations
Architect; Painter; Stage Set Designer; Antiquar
Places of Activity
England, Wales, Houghton Hall (Bedfordshire), Chilham, Greenwich (London), London, Oxford (Oxfordshire)
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By
Last edited
19.04.2013
Published in
AKL LXXVIII, 2013, 260; ThB XIX, 1926, 120 ss

VITA

Jones, Inigo, engl. Architekt, Bühnenbildner, Maler und Antiquar, get. 19.7.1573 Smithfield, London, †21.6.1652 London. Sohn eines Tuchmachers, tätig in England und Schottland.

LIFE AND WORK

Nach Christopher Wren war J. zunächst Lehrling bei einem Schreiner in St. Paul's Churchyard; wenig später im Dienst der Fam. Manners, da er im Juni 1603 mit 10 Pfund als "picture maker" von Roger Manners, dem 5.Earl of Rutland, bezahlt wurde. 1598 dürfte J. Rogers Bruder Francis Manners, Lord Roos, auf einer Reise durch Europa begleitet und 1601 das erste Mal Italien besucht haben. Eine abgeriebene Beschriftung auf seiner eigenen, heute berühmten Ausg. von Andrea Palladios "I quattro libri dell’architettura" aus dem Jahr 1601 (Worcester College, Oxford) lokalisiert ihn zu dieser Zeit in Venedig. Von Juni bis Okt. 1603 ging J. mit R.Manners nach Dänemark. Laut Berichten seines Ass. John Webb trat er in die Dienste von König Christian IV. ein. Um 1605 Rückkehr nach England und Zus.-Arbeit mit dem Bühnenautor und Dichter Ben Jonson, um Maskenspiele für Anna von Dänemark, Christians Schwester und Gattin Jakobs I., zu veranstalten. Im Herbst 1605 war J. mit der Gestaltung der Bühnenbilder für drei Maskenspiele beschäftigt, die am 28.8. in der Christ Church Hall in Oxford in Gegenwart des Königs aufgeführt wurden. J. sollte sein ganzen Leben lang stark in die Produktion solcher höfischer Theatervorführungen eingebunden bleiben. Bei der Umsetzung von Szenen und Inhalten der Maskenspiele arbeitete er Hand in Hand mit den am Hof beschäftigten Dichtern und schuf in den folgenden 35 Jahren, angeregt durch die Hoftradition der Medici, über 50 Masken- und ähnliche Unterhaltungsschauspiele. Mehr als 450 Zchngn für Bühnenbild, Szenerie und Kostüme sind erhalten; dem stehen weniger als 100 Archit.-Zchngn gegenüber. Auch eines der ersten von ihm entworfenen Gebäude, das Banqueting House in Whitehall, wurde als Aufführungsstätte für die Maskenspiele errichtet. Mit der Übernahme des Proszenium-Theatertypus als temporärer Bühne für die Maskenspiele trat J. in die Nachfolge Sebastiano Serlios. Die Aufführungen vereinten die für die Renaiss. bed. Künste, Perspektive und Proportion (für Bühnenbild und Kulissen), Emblematik und Waffen (für die Kostüme) und Mechanik und Optik (für die Bühneneffekte). Jones' perspektivisches Bühnenbild war entweder unbeweglich, wie das von Serlio, oder drehbar. Zu besonderen Anlässen ließ es sich in Laufrillen bewegen, um sich auf Befehl des Königs wie von magischer Hand zu verwandeln. Die große Bedeutung der Maskenspiele für die Stuarts ist daran zu erkennen, dass Prinz Henry, der älteste Sohn Jakobs I., Henrietta Maria, die Gattin Karls I., und sogar die beiden Stuartkönige selbst als Schauspieler agierten. 1605 reiste J. möglicherweise nach Italien, war aber im darauffolgenden Jahr wieder zurück. Bald danach schuf er eine Reihe klassisch inspirierter Archit.-Zchngn für Robert Cecil, 1.Earl of Salisbury. Um 1608 bezog Simon Basil, Surveyor of the King's Works (Generalarchitekt des Königs), J. in zwei wichtige Bauprojekte in London ein: die Neue Börse in The Strand und die Erneuerung der zerstörten Haube vom Turm der alten St. Paul's Cathedral (ein Projekt unter der Aufsicht einer von Salisbury geleiteten Kommission). Keines der beiden Gebäude wurde ausgeführt. 1609 zus. mit Salisburys ältestem Sohn auf einer Reise durch Frankreich, besichtigte J. Paris, Bordeaux, Toulouse, die Provence und das Tal der Loire, den röm. Dianatempel und den Pont du Gard in Nîmes, das Theater von Orange und antike Sarkophage in Arles sowie Schloss Chambord. Nach ausführl. Studien nach den röm. Antiken der Provence reiste J. über Paris nach England zurück. Salisburys Einfluss war es zu verdanken, dass J. im Januar 1611 von Prince Henry of Wales zum Surveyor of Works bestellt wurde. Die frühest bek. Archit.-Zchng von J., entstanden um 1611 für ein Denkmal für Lady Cotton in St. Chad's Church in Norton-in-Hales/Shropshire, könnte mit dieser Berufung zusammenhängen. Anstatt eig. Entwürfe auszuführen koordinierte J. die Vorhaben des Prinzen für dessen Garten in Richmond. Im Nov. 1612 stoppten die Arbeiten wegen des frühen Todes des Prinzen. Im April 1613 reiste J. nach Heidelberg als Mitgl. der kgl. Ges., im Geleit der frisch vermählten Prinzessin Elisabeth und Friedrichs V., Pfalzgraf und Kurfürst von der Pfalz. Im Juni Weiterreise mit Thomas Howard, 2.Earl of Arundel, nach Italien zu einer über ein Jahr andauernden Grand Tour mit Besichtigung von Mailand, Parma, Padua, Venedig, Vicenza, Rom, Neapel, Florenz, Genua und Turin. In Venedig Bekanntschaft mit Vincenzo Scamozzi. Im November 1614 über Paris Rückkehr nach England, vermutlich zus. mit Arundel. Dieser erteilte J. in der Folge zwei bed. Aufträge, den Umbau seines Hauses in Greenwich (1615 errichtet, im Januar 1617 durch Feuer zerst.) und die Errichtung einer neuen Gal. für seine wachsende Sammlung antiker Skulptur in Arundel House in The Strand (ebenfalls 1615 errichtet, 1678 zerst.). Die Gal. wurde mit einem weiteren Gebäude für Gem. verbunden, das J. ebenfalls entwarf. Für die Präsentation weiterer Skulpturen ließ der Earl durch J. neue Gärten anlegen. Nach S.Basils Tod wurde J. im Oktober 1615 im Alter von 42 Jahren zum Surveyor of the King's Works ernannt. Die Anstellung war ihm zweieinhalb Jahre zuvor versprochen worden, am 27.4.1613, und die nachfolgende Reise nach Italien war zweifellos als Vorbereitung für diese Aufgabe beabsichtigt gewesen. Eine seiner ersten Bauaufgaben als Surveyor war Queen's House in Greenwich, ursprüngl. 1617 als kgl. Schlösschen für Anna von Dänemark in Auftrag gegeben. Die erh. Zchngn (RIBA, London) überliefern den Plan einer zweigeschossigen, von einem Giebel überragten Villa, doch zum Zeitpunkt von Annes Tod 1619 war nur das rustizierte Erdgeschoss vollendet. Der Plan zweier H-förmiger Gebäude, welche durch eine Strasse getrennt, aber wiederum durch eine überdachte Brücke verbunden wurden, um es Anne zu ermöglichen, zwischen den Palastgärten im Norden und dem kgl. Garten im Süden hin und her zu gehen, war ungewöhnlich. 1632 wurden die Arbeiten wieder aufgenommen und 1638 war das Gebäude vollendet. Der quaderförmige Hauptsaal wurde nach dem Vorbild antiker röm. Häuser gestaltet, das auch in A.Palladios Werken zu finden ist. Die frühen Entwürfe in seiner Funktion als Surveyor zeigen Jones' Geschick bei der Adaption klassischer kontinentaler Archit.-Vorbilder an den engl. Geschmack: Sein Entwurf des Katafalks von Jakob I. in Westminster Abbey von 1625 war die nüchterne Fassung von Domenico Fontanas Leichenwagen für Papst Sixtus V. (1591). Ein unausgeführter Entwurf für das Star Chamber im kgl. Palast von Westminster von 1617 zeigt einen zentralen vorgestellten Portikus in Form einer antiken Tempelfront. Auch sein Bauprojekt für das Prince's Lodging in Newmarket enthält einen zentralen Baukörper, der von einem Giebel mit Wappen überragt ist, wenn auch das Vorhandensein dieses Details am ausgef. Gebäude nicht wirklich nachgewiesen ist (zerst. weniger als 40 Jahre nach seiner Errichtung). Eine der frühesten Aufgaben von J. als Surveyor war die Ergänzung von S.Basils Gebäudeensemble in Newmarket zur Unterbringung von Prinz Charles während der Jagd- und Pferderennsaison. Zwei Aufrisse des Schlosses sind erhalten, aufgezogen auf einem Blatt, beide von 1618-19 (RIBA, London). Zuvor hatte J. in Newmarket laut den Abrechnungen des Office of Works bereits einen Stall, ein Cottage, einen Zwinger mit Unterkünften darüber, ein neues Brauhaus und ein Lagerhaus errichtet. Die einzig erh. Hinweise auf das Cottage finden sich auf einem Skizzenblatt mit kleinen Häusern, gezeichnet von J.Webb (Worcester College, Oxford). Jones' wichtigstes erh. Werk ist das Banqueting House in Whitehall mit dem doppelt quaderförmigen Hauptsaal über zwei Stockwerke für die Aufführung höfischer Maskenspiele, errichtet 1619-23 nach einem Brand, der die ältere Aufführungsstätte an derselben Stelle zerst. hatte. Möglicherweise ist das Banqueting House als erster Komplex eines größeren Palastes in Whitehall zu sehen. Die eindrucksvollen Pläne dafür sind in einer Reihe eigenhändiger Zchngn von J.Webb von etwa 1637-38 überliefert (möglicherweise unter Mitwirkung von J.; Chatsworth House). Karl I. hatte die ehrgeizigen Bestrebungen mit dem Escorial in Spanien, dem Louvre in Paris wie auch mit legendären Bauten wie dem Salomonischen Tempel zu konkurrieren. 1623-26 entstand Queen's Chapel in St. James's Palace, errichtet in Folge der Verhandlungen für die "Spanische Partie" zwischen der Infantin und Karl I., in deren Zusammenhang Spanien eine öff. röm.-kath. Kirche in London für die Infantin forderte. Die Heiratsklauseln waren 1615 nach England gesandt worden und 1617 genehmigte Jakob den Bau einer Kap. innerhalb St. James's Palace. Zwischen 1630 und 1635 entwarf J. eine weitere kath. Kap. für die Kapuziner, diesmal in Somerset House (1775 zerst.). Die darauffolgenden Bautätigkeiten am Palast, die zwei reich dekorierte Kabinette, eine Gal. mit einer Pergola sowie im Garten eine Anlegestelle, eine Treppe und einen Brunnen betrafen, waren um 1638 beendet. Im Auftrag Francis Russels, 4.Earl of Bedford, entwarf J. (vermutlich unter Mitwirkung des frz. Architekten Isaac de Caus) 1631 in Covent Garden die erste Piazza in London. Als Begrenzung der Westseite entstand St. Paul's Church, der erste Kirchenneubau seit der Reformation in London. Die Kirche, 1631-33 in Form eines antiken Tempels mit einem toskanischen Portikus errichtet, bildete den Endpunkt einer langen Blickachse, die Covent Garden in die Trad. der Idealstädte der Renaiss. rückte. J.s wichtigster Privatbau außerhalb des Office of Works war möglicherweise Wilton House in Wiltshire, für den 4. Earl of Pembroke, Philip Herbert, einem weiteren wichtigen Förderer des Architekten. Zw. 1636-40 ließ sich Pembroke die berühmte Südseite und Teile seines Sitzes in Wilton erneuern, entweder von I.de Caus oder, wie in Covent Garden, unter der Ägide von J. in Zus.-Arbeit mit dem frz. Architekten. Hierzu gehörte ein Prunkgemach für Karl und Henrietta Maria und in der Mitte des ersten Geschosses eine doppelte Halle, die als Empfangszimmer diente. Wahrsch. war J. als Ass. von J.Webb zehn Jahre später, 1648-51, in Wilton erneut beteiligt, dieses Mal beim Wiederaufbau der Südfront nach einem Brand. In den 1630er Jahren war J. auch mit Arbeiten an der St. Paul's Cathedral beschäftigt. Erneut außerhalb des Office of Works tätig, führte er dort das größte Bauprojekt seiner Laufbahn aus: Zw. 1633 und 1641 wurden die Mauern des Langhauses und des Querschiffes erneuert und der Chor ausgebessert. J. fügte einen gewaltigen, vom König finanzierten Portikus an die Westfassade an, der als größter freistehender korinthischer Portikus in der westlichen Welt seit der Antike mit Michelangelos unausgeführtem Portikus für St. Peter rivalisierte. 1666 wurde die Kathedrale beim Großen Brand von London irreparabel zerstört. Von den vermutlich zahlreichen mit dem Projekt zusammenhängenden Zchngn haben nur drei überdauert, ein Entwurf für die Türen der Nord- und Südseitenschiffe (dat. 1637), ein Aufriss des Nordquerschiffes (undat., doch wahrsch. nach 1633) und ein unausgef. Entwurf für die Westfassade ohne Portikus (Worcester College, Oxford; RIBA London). Grundriss, Südaufriss und Ansichten von Norden, Süden und Westen sind in den Stichen Wenceslaus Hollars in William Dugdales "The History of St Paul's Cathedral" in London von 1658 (erweiterte Ausg. 1716) überliefert. Die Fassade von St. Paul's Cathedral ziert zus. mit der von Banqueting House das von J.Webb errichtete weiße Marmorgrab von J. in St. Benet Paul's Wharf. - Jones' großes Verdienst für die engl. Archit. ist es, eine klassische Architektursprache strenger Auffassung eingeführt zu haben. Mit seinen kgl. Bauten, vom Theater für die Maskenspiele in Whitehall bis hin zum geplanten Triumphbogen in Temple Bar (1636-38), drückte er der Stadt London den Stempel der kgl. Herrschaft auf. In Form und Ikonografie sollten seine Bauten als öff. sichtbarer Ausdruck höfischer Politik und des Selbstbildes der Stuarts verstanden werden.

WORKS

Bagshot Park/Surrey, Lodge, 1631-32. Edinburgh, Holyroodhouse, Dekoration der kgl. Kapelle, 1616-17. London, Barber Surgeon’s Hall, Monkwell Street, Anatomy Theatre, 1636-37. Norton-in-Hales Church, Salop, monument to Lady Cotton, ca.1611, voll. nach 1634. Stoke Park/Northants., Pavillons, ca.1630. Theobald's Palace/Herts., Stallgebäude, 1623, Banqueting House, 1625. Winchester , Kathedrale, Lettner, 1637-38.

SELF-TESTIMONIES

J./J.Webb, The Most Notable Antiquity of Great Britain, Vulgarly called Stone-Heng, on Salisbury Plain, Restored, By Inigo Jones Esquire, Architect Generall to the King ..., London 1655.

SOURCES

Thieme-Becker, Vollmer, and AKL:

ThB19, 1926

 

Other encyclopedias:

Macmillan II, 1982; DA XVII, 1996; Colvin, 2008.

 

Printed sources:

P.Cunningham, I. J. A Life of the Architect (1848 ), Nendeln 1966. J.Summerson, I. J., Harmondsworth 1966 (Überarbeitete Aufl. mit Einleitung von H.Colvin, Lo./New Haven 2000); B.Allsopp (Ed.), I. J. on Palladio: being notes by I. J. in his copy of I Quattro Libri dell Architettura di Andrea Palladio 1601, 2, Newcastle-on-Tyne 1970; J.Harris/S.Orgel/R.Strong, The King's Arcadia. I. J. and the Stuart Court, Lo. 1973; R.Strong/S.Orgel, I. J. The Theatre of the Stuart Court, 2, Lo. 1973; R.Strong, Britannia Triumphans. I. J., Rubens and Whitehall Palace, Lo. 1980; A.C. Fusco, I. J. Vitruvius Britannicus, Rimini 1985; J.Orrell, The Theatres of I. J. and John Webb, C. 1985; J.Bold, John Webb. Archit. Theory and Practice in the Seventeenth Century, Ox. 1989; J.Harris/G.Higgott, I. J. Complete Archit. Drawings, N. Y. 1989; J.Peacock, The Stage Designs of I. J. The European Context, C. 1995; M.Leapman, I. The Troubled Life of I. J. Architect of the English Renaiss., Lo. 2003; E.Chaney, I. J.s's 'Roman Sketchbook', 2, (Roxburghe Club) Lo. 2006; C.Anderson, I. J. and the Classical Trad., C. 2007; G.Worsley, I. J. and the Europ. Classicist Trad., New Haven/Lo. 2007; V.Hart, I. J. The Architect of Kings, New Haven/Lo. 2011.

 

Archives:

Archiv-Mat.: Derbyshire, Chatsworth House; London, RIBA Library; Oxford, Worcester College/Queens College; Monteral, Canad. Centre for Archit. in Montreal.

 

Online sources:

Oxford DNB, 2004.

 


THIEME-BECKER

Article by: Willich.

Jones, Inigo, engl. Architekt, Maler u. Zeichner, geb. 15. 7. 1573 in London, †21. 6. 1652 daselbst, begraben in St. Benets Church (Grabmal durch Brand 1666 zerstört), Sohn eines Tuchmachers. Ober seine Ausbildung ist wenig bekannt; nach Tradition u. älteren Nachrichten war er Tischlerlehrling. Nach dem Tode seines Vaters ging er nach Italien, wo er sich mehrere Jahre zwischen 1596 und 1604 aufhielt und als Maler hauptsächlich Landschaftsstudien betrieb. Ein ihm zugeschriebenes Bild in Chiswick zeigt den Stil Poussins. Daran schloß sich eine Reise nach Dänemark, wohin ihn König Christian IV. von Venedig aus mitgenommen haben soll, doch ist Zeit, Dauer u. Art dieses Aufenthalts unsicher. Keinesfalls wirkte er dort als Architekt, höchstens für Theaterinszenierungen bei Hofe; die ihm in Kopenhagen zugeschriebenen Gebäude sind nicht von ihm. Ende 1604 ist er am engl. Hof beschäftigt mit der Inszenierung von Ben Jonsons -Masque of Blacknessì, die am 7. 1. 1605 aufgeführt wurde, im gleichen Jahr mit einer Theateraufführung der Stadt Oxford für den König. Mit Jonson, später wegen eines Zerwürfnisses auch mit anderen Dichtern zusammen, inszenierte J. nunmehr mit einigen Unterbrechungen bis 1640, als das Parlament alle Theater verbot, mindestens 28 bei Hofe aufgeführte Stücke, indem er die gesamte bauliche Einrichtung, Dekoration, Kostüme, Beleuchtung, Maschinerie, Verwandlungen usw., entwarf. In den großen Sälen von Whitehall mußte jedesmal die Bühne und der Zuschauerraum eingebaut werden; feste Theater im heutigen Sinn gab es in England damals nicht. In engl. Bibliotheken (s. u.) wird eine große Anzahl von derartigen Skizzen u. Entwürfen J.s bewahrt, die ihn als geschickten Maler u. phantasievollen Zeichner zeigen. Während die öffentliche (Shakespeare-) Bühne, unbeeinflußt von Neuerungen, an der alten Art des offnen Spielpodiums ohne bewegliche Szenerie festhielt, führte J. dagegen bei Hofe die neue italien. Art ein: Fester Bühnenrahmen, auswechselbare Dekoration, künstliche Beleuchtung, perspektivisch geschlossenes Szenenbild, tiefer, ansteigender Zuschauerraum mit Logengalerien. Hand in Hand damit geht eine Veränderung der Darstellungen, die nicht mehr wie bisher realistischen, sondern allegor. u. mytholog. Inhalts sind: Schäfer-, Feen- und Rittermärchen mit prächtigen Kostümen, überraschenden Beleuchtungs- und Maschineneffekten, Verwandlungen unter Mitwirkung von Musik, Tanz und Gesang. In Italien sind diese -intermezziì genannten Stücke die Vorläufer der Oper gewesen, in England werden sie -masquesì genannt, haben aber mit den elisabethanischen Maskenspielen nur mehr den Namen gemein. Häufig spielte die Hofgesellschaft einschließlich der königl. Familie in den von J. gezeichneten Kostümen selbst mit, wie an ital. Fürstenhöfen der Zeit. In den ersten Jahren bildeten die seitliche Begrenzung des Bühnenbildes die -telariì, dreiseitige, drehbare Prismen mit aufgemalten Dekorationen; dann wurden sie durch die neue ital. Erfindung der Kulissen ersetzt, die einen mehr als dreimaligen Szenenwechsel erlaubten. überall ist ein genaues Studium des gleichzeit. ital. Theaters zu erkennen. Von architektonischer Tätigkeit J.s hört man bis 1616 wenig, obgleich er, wegen seiner Inszenierungen sehr gefeiert, 1610 zum surveyor des Prinzen Heinrich von Wales ernannt wurde; nur einiger kleinerer Arbeiten unter dem Hofarch. Sal. de Caus in königl. Schlössern und Gärten wird Erwähnung getan. Daß er 1605 St. Johnës College in Oxford erbaut habe, wie die Tradition behauptet, ist nicht anzunehmen. 1612 wurde J. durch den Tod des Prinzen Heinrich stellenlos und unternahm von Frühjahr 1613 bis Herbst 1614 eine 2. Studienreise nach Italien mit dem Auftrag. Kunstwerke für Farl of Arundel, Lord Pembroke u. Lord Danvers anzukaufen. Notizen in dem erhaltenen Exemplar von Palladios Quattro Libri, das er mit sich führte, geben über Reiseetappen (Rom, Neapel, Tivoli, Vicenza) u. Verkehr mit Künstlern (Unterhaltung mit Scamozzi über Theaterperspektive)wichtige Aufschlüsse. Zurückgekehrt, wurde er Anfang 1615 an Stelle des † Simon Basil als Surveyor general of works bei Hofe angestellt. Erst von da ab beginnt neben seiner fortdauernden Beschäftigung für die Hofbühne seine Tätigkeit als Architekt. 1616 lieferte er Zeichnungen u. Modell für die -star chamberì (Whitehall?), entwarf die Schlösser Houghton Hall in Bedfordshire u. Chilham in Kent und begann die Villa der Königin in Greenwich (fertig erst 1635), die den Kern für die spätere große Schloßanlage (seit 1694 Marinehospital) bildet. Die fast quadratische Villa ist der erste Bau in der strengen palladianischen Richtung, die charakteristisch für die ganze spätere Entwicklung der engl. Baukunst wurde. Erst nach dem Tode J.s hat sein Schüler John Webb - angeblich nach J.s Plan - den sog. King Charles-Block in Greenwich nahe am Themseufer errichtet, der für den späteren Ausbau maßgebend wurde. Im gleichen Jahre 1616 erbaute J. die neue Kapelle von Lincolnës Inn in engl. Tudorgotik; unten eine niedrige Halle mit Fächergewölben u. antikisierendem Detail, oben ein saalartiger Raum mit Holzdecke, außen mit Strebepfeilern besetzt. Eine vage Tradition schreibt ihm auch die Kirche St. Katherine Cree (1628/30) zu; besser beglaubigt ist die ebenfalls gotische Kirche St. Albanës, Wood Street (zerstört). Dies sind die einzigen Werke J.s in mittelalterlichem Stil. 1618 war er in einer Kommission zur Anlage des Gartenplatzes von Lincolnës Inn Fields; von den den Platz ehemals umgebenden Häusern sind Lindsay House (1640) u. einige Bauten an der Great Queenstreet - wenn auch verändert - erhalten als Beispiele seiner schlichten klassischen Straßenarchitektur, andere, wie Ely House für den spanischen Gesandten (1620), Furnivals Inn und Shaftesbury House (1644) sind zerstört. Erhalten ist das monumentale Wassertor am Stadthaus des Duke of Buckingham. - Januar 1619 brannte die alte Banketthalle des Schlosses Whitehall nieder und J. hatte einen großartigen Neubau aufzuführen, der schon Juni 1622 vollendet war. Innen und außen zweigeschossig in reinster Hochrenaissance gegliedert, mit Gemälden von Rubens geschmückt, bildet die Halle in ihren Raumproportionen 2 aneinandergelegte Würfel, J.s mit Vorliebe für Festräume angewandtes Verhältnis. Zugleich entwarf er auf Befehl des Königs einen Plan für den Neubau des gesamten mittelalterlichen Gebäudekomplexes von Whitehall. der - ausgeführt - der größte Fürstenpalast der Welt geworden wäre. De LëOrmeës Tuilerienplan, vor allem aber der Escorial Philipps II. sind in ihrer symmetrischen Disposition und Gruppierung um verschiedenartig gestaltete Höfe die Vorbilder, werden aber an Größe u. architektonischem Reichtum weit übertroffen. DieBanketthalle bildet nur einen sehr kleinen Teil der Gesamtanlage von 354 x 290 m Grundfläche. Diese Pläne, möglicherweise schon vor dem Brande begonnen, blieben einstweilen liegen und auch ein 2. Projekt (für Karl I. um 1639?) von 182 x 143 m kam wegen Ausbruchs der Revolution nicht zustande. Es sind viele Varianten zu diesen Plänen erhalten, und es ist strittig, ob der große oder der kleine Plan der frühere ist, doch scheint Cunninghams Ansicht, nach der das Projekt später reduziert wurde, mehr Wahrscheinlichkeit für sich zu haben als die umgekehrte Ansicht von Blomfield u. a. 1631/38 erbaute er den Marktplatz von Covent Garden mit der anstoßenden Kirche: auf 2 Seiten gewölbte Arkadenhallen, über denen sich die schlichten Hauswände mit dorischen Pilastern erheben, auf der einen Schmalseite die Kirche in Form eines toskanischen Antentempels. Verfall, Brände, Reparaturen u. Umbauten haben die nach ital. Mustern -piazzaì genannte ursprüngliche Anlage heute gänzlich zerstört. Seit 1621 saß J. in einer Kommission für Wiederherstellung der baufälligen St. Pauls-Kathedrale in London; 1633 wurde begonnen, den ganzen Bau stückweise in klassischem Stil zu erneuern; bis zum Ausbruch des Bürgerkrieges waren die Westfront u. die beiden Langseiten fertig: dann blieb alles liegen und wurde 1666 durch Brand zerstört. Das Hauptstück war die große korinthische Säulenportikus von 10 Achsen der Westseite. Bei der Ausführung hatte J. die alte St. Gregorskirche teilweise abreißen lassen; auf eine Klage der Gemeinde verurteilte ihn später das Parlament zur Wiederherstellung. Um 1637 wurde die Kapelle in Somerset House nach J.s Entwurf vollendet u. der Mittelteil der Wasserfront mit der großen Galerie entworfen. Ein weiterer Plan mit dem Vermerk -not taken 1636ì für eine Fassade von 110 Fuß Höhe in 3 Ordnungen ist noch vorhanden. Alles damals Gebaute wurde durch den Palast des 18. Jahrh. ersetzt. Gleichzeitig errichtete J. ein ovales anatomisches Vorlesungstheater für die Barber Surgeons Hall in Monkwellstreet (1782 fast völlig zerstört), das Chorgestühl der Kathedrale von Winchester u. eine Kapelle im St. James-Palast. Bei Beginn des Bürgerkrieges verließ J. London, da er wegen seines katholischen Glaubens u. seiner Königstreue sehr gefährdet war; 1643 wurde er seines Amtes entsetzt und floh nach Basing House in Hampshire, wo er mit einigen Hofkünstlern u. königstreuen Adligen, als das Schloß nach 2jähriger Belagerung von Cromwell eingenommen wurde, gefangen gesetzt und zu einer hohen Geldstrafe verurteilt wurde. Danach scheint er sich ziemlich unbelästigt, aber in ständiger Sorge um Leben u. Gut bei verschiedenen Edelleuten auf dem Lande aufgehalten zu haben. In diese Zeit fällt seine Arbeit in Wilton House für Earl of Pembroke. Die Südfront des Hauses, nach Brand von 1647 erneuert, zählt in ihrer ruhig vornehmen Haltung zu J.s besten Bauten. Unter den von ihm ausgestatteten Gemächern ist der große Saal berühmt, 60 Fuß lang, 30 hoch u. breit. Auch das Stallgebäude ist von ihm. Sehr vieles in engl. Landsitzen wird J. zugeschrieben, doch nur weniges ist authentisch oder durch den Befund wahrscheinlich. Am stärksten trifft dies zu bei Rainham Hall, Norfolk, die in Haustein-Ziegelbauweise etwas holländisch anmutet. Der Umbau der älteren, als Ruine überkommenen Kirby Hall (1647) und von Durham House ist von J., wahrscheinlich auch der Westflügel von Cranborne Manor (1647) u. Coleshill (1650), hier besonders die schönen Innenräume. Castle Ashby, vermutlich auch Stoke Park sind von ihm begonnen, aber nach Unterbrechung während des Bürgerkriegs von anderer Hand vollendet. Die Stadthalle von Bath, das Landhaus Pendhill, Schloß Lees Court, die Treppe von Forde Abbey, eine Windmühle bei Chesterton und ein Gartenhaus in Becketts Park werden mit einigem Recht ihm zugeschrieben. Cobham, Brympton, Amesbury, Gunnersbury sind von J.s Schüler Webb, die beiden letzten nach J.s Entwürfen. Die prachtvolle Treppe von Ashburnhamhouse in London mit der ovalen Oberlichtkuppel ist von ihm entworfen; ausgeführt von Webb zwischen 1650 u. 1660. Blomfleld schreibt J. auch das stark barock gehaltene Portal von St. Mary in Oxford zu. Es sind noch viele Architekturentwürfe von J. erhalten, z. B. Theaterpläne verschiedenster Form, darunter eine Modifikation des palladianischen Theaters zu Vicenza mit einem Straßenprospekt unter dem großen Mittelbogen, ferner Entwürfe für Temple Bar in London (1636 u. 1638) u. ein medizin. Auditorium aus seiner allerletzten Zeit, außerdem für Kamine, Stuckdecken, Garten- u. Haustore. Zu Beginn der Herrschaft CromweIls wurde J. in seine früheren Amter wieder eingesetzt, hat aber nicht mehr lange gelebt und ist im königlichen Palaste Somerset House gestorben. Erbe der Hinterlassenschaft und Testamentsvollstrecker wurde John Webb, sein Adoptivsohn u. Gatte der Nichte J.s, zugleich sein Schüler u. wichtigster Gehilfe, der später viele unfertig gebliebene Bauten J.s vollendete und seine eigenen Entwürfe vielleicht oft für die seines Lehrers ausgab. Es ist sehr schwer, J.s Werk von dem Webbës zu trennen, erst in den letzten Jahren hat eine schärfere Kritik der Bauten u. Zeichnungen eingesetzt, die wichtige Resultate ergeben hat. So wird der sog. King Charles-Block in Greenwich ganz Webb zugeschrieben, der auch den 1. Plan für die Gesamtgestaltung machte; die Konzeption der heute bestehenden Anlage stammt aber erst von Chr. Wren aus dem Anfang des 18. Jahrh. Auch für den kleineren Entwurf für Whitehall wird neuerdings Webbës Autorschaft aus der Zeit der Restauration vermutet. 1620 war J. vom König mit einem Gutachten über das prähistorische Stonehenge beauftragt worden, das 3 Jahre nach J.s Tod von Webb veröffentlicht wurde (s. u.). Die darin niedergelegte Ansicht, daß das megalithische Monument ein römischer Tempel gewesen sei, wurde gegen einen Angriff Dr. Charltons von W.ebb in einer 2. Schrift verteidigt. 1725 wurde die Schrift mit einer älteren anonymen Biographie J.s neu herausgegeben. Die erhaltenen Zeichnungen J.s stammen meist aus dem Besitz J. Webbës; später mit dessen eigenen Blättern untermischt u. zerstreut, wurde im 18. Jahrh. vieles von Lord Burlington angekauft, dessen Erben, die Herzöge von Devonshire, noch heute manches in den Bibliotheken von Chatsworth u. Chiswick aufbewahren. Jetzt besitzt das Brit. Mus. in den Lansdowne-Mss., die Bibliothek des Worcester College in Oxford, das Soane Mus. in London u. das Royal Institute of Brit. Architects daselbst die Hauptmasse, um deren Sichtung u. Klassifizierung die engl. Kunstwissenschaft eifrig bemüht ist. Charakteristisch für J.s vornehmliehe Schulung als Maler ist es, daß er in freihändigen, figürlichen u. ornamentalen Zeichnungen weit gewandter ist als in architektonischer Darstellung. Van Dyck hat mehrere Bildnisse von J. gemalt, darunter eine Grisaille, gest. von W. Hollar 1655. Außerdem existieren ein Holzmedaillon u. eine Terrakottabüste; ein Selbstporträt (Federzeichnung) in Chatsworth. Ein Brustbild J.s, Gemälde eines Unbekannten, wird in Sherborne House aufbewahrt(Connoisseur, Febr. 1912, p. 85). J. gilt den Engländern als ihr größter Baukünstler, und dies Urteil ist seit seinem Tode niemals angefochten worden. Er hat die engl. Architektur aus ihrer Abhängigkeit von Holland, Deutschland u. Frankreich befreit und eine neue, von der ital. Hochrenaissance abgeleitete Entwicklung angebahnt, die dem engl. Schönheitsempfinden so konform war, daß sit: 150 Jahre hindurch maßgebend blieb. So konnte der festländische Barock u. das Rokoko in England gar keinen Boden gewinnen, der Stil Louis XIV nur in seiner palladianisch-klassischen Komponente. Ein sicheres Gefühl für Proportion, Solidität, Ruhe u. vornehme Schlichtheit im Aufbau, Sparsamkeit und Feinheit des Schmucks bezeichnen seine Art. The most notable Antiquity of Great Britain called Stone-Heng restored by I. J. 1655 u. 1725, m. Biogr. - J. Ware, Designs of 1. J. and others, 1735. - W. Kent, The Designs of I. J., 2 Bde, 1727 u. ö. - Colin Campbell, Vitruvius Britannicus, 1725/31, I 12/18. - P. Cunningham, 1. J. A Life of the Architect, 1848; ders., The Lives of the most eminent Brit. Painters etc., 183011, IV. - R. T. Blom fiel d, I. J., in The Portfolio, 1889 p. 88 ff., 113 ff., 126 ff. - Dict. of Nat. Biogr., XXX (1892) 111/9, m. ausführl. Lit.-Ang. - H. P. Horne, An Essay in the life of I. J., in The Hobby Horse, 1893 p. 70. - W. J. Loftie, I. J. and Wren etc., 1893. - St. C. Ramsay, I.J., 1924. P. J. 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