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Kazakov, Matvej Fedorovič

Born
Moskau, 20 November 1738
Died
Rjazan', 7 November 1812
Country
Russia
Gender
male
GND-ID
Name Variations
Kazakov, Matvey Fyodorovich; Kazakov, Matvej Fedorovič; Kasakoff, Matwej Fjodorowitsch; Kozakov, Matvej Fedorovič; Kazakov, Matvej Fjodorovič (Transcription)
Occupations
Architect
Places of Activity
Moskau, Kaluga, Tver'
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By
Last edited
22.03.2024
Published in
AKL LXXIX, 2013, 485

VITA

Kazakov, Matvej Fedorovič, russ. Architekt, *9.(20.)11.1738 Moskau, †26.10.(7.11.)1812 Rjazan'.

LIFE AND WORK

Entstammte der Fam. eines kleinen Angestellten; bis 1751 häusliche Bildung und Erziehung. Früh verwaist. Ab März 1751 Ausb. an der Archit.-Schule des Moskauer Baumeisters Dmitrij Vasil'evič Uchtomskij; ebd. umfassende, klassizist. Bildung, durch die sich K., der weder Europa bereist noch in St. Petersburg studiert hatte, den neuen Stil organisch aneignete (aufgrund seines graf. und zeichnerischen Talents frühzeitig Übernahme von Lehrverpflichtungen in unteren Klassenstufen). Danach unter Ltg von Uchtomskij tätig (u.a. beteiligt an der Rekonstr. der Kirche Spas na Boru, 1760-63, an Bauten zur Krönungsfeier von Ekaterina II., 1762, sowie am Bau der Rüstkammer des Kreml', 1763, alle Moskau). 1763-67 unter Ltg von Petr Romanovič Nikitin Mitwirkung an der grundlegenden Umgestaltung und Wiedererrichtung der Stadt Tver' nach einem Großbrand; K. erwarb so solide städtebauliche Kenntnisse und realisierte erste eigene Bauprojekte im Stil des Frühklassizismus (u.a. Wohn- und Verwaltungsbauten; z.B. Erzpriesterhaus [später Reise-Pal., 1809 umgebaut von Carlo Rossi, s. dort]). Nach Machtantritt von Ekaterina II. kam der Stadt Moskau eine führende Rolle bei der Errichtung klassizistischer, dem Maßstab der Reformen der Zarin angemessener Bauten zu (z.B. radikale Umbauten im Kreml'). Aufgrund seiner erfolgreichen Arbeit in Tver' wurde K. im Febr. 1768 nach Moskau in die (eigens für die Projektierung und den Bau des Ensembles eines Großen Kreml'-Pal. gegr.) Expedition für Kreml'bauten versetzt und war als 1. von Gehilfe Vasilij Ivanovič Baženov tätig (Rein-Zchngn von Projekten, Kostenvoranschläge, Suche nach entsprechendem Baumaterial [Kalksteinlagerstätten bei Moskau; Marmorlagerstätten; Inspektion von Ziegeleien], Bauaufsicht). Prägend für K. wurden Lehrverpflichtungen in der sog. "partikulären Akad." (von Baženov zur Aus- und Fortbildung junger Baumeister gegr.). Im Rahmen des Kreml'-Projekts entstanden 2 Zchngn K.s, die den Kreml' zu Beginn der Erdarbeiten sowie einige für die feierliche Grundsteinlegung bestimmte Verzierungen zeigen (u.a. Razborka Kremlevskoj steny i zemljanye raboty dlja postroenija Kremlevskogo dvorca, Feder/Tusche, 1772) und als einzige erh. Zeugnisse ihrer Art Einblick in dieses (nicht umgesetzte) Bauprojekt geben. Parallel zu K.s wichtigsten Projekten entstanden im folgenden ganze Ser. ähnlich virtuoser Zchngn. Auch Rad. (Ikonostas cerkvi Prečistenskogo dvorca; Proekt ikonostasa cerkvi v usad'be Raj-Semenovskoe; Cerkov' Spasa na Boru v Kremle). 1774 mit dem Bau des temporären Prečistenka-Pal. für Ekaterina II. betraut, einer komplizierten Verbindung dreier in Reihe angeordneter Steinbauten miteinander sowie mit provisorischen Prunksälen aus Holz; aufgrund der kurzen Bauzeit und brillanten Ausführung wurde K. 1775 auf Vorschlag von Baženov mit dem Titel Architekt geehrt. Während der Zusammenarbeit von Baženov und K. kam es zu einem Aufschwung der neugotischen Archit., einer der originellsten Phasen der Moskauer Baukunst. Das von K. für die Feierlichkeiten anlässlich des Friedens von Küçük Kaynarca errichtete Ensemble temporärer Holzpavillons (Chodynka-Feld, 1775) ließ die Feierlichkeiten durch seine kühne architektonische Phantasie, kombiniert mit west-europ. Archit.-Formen und alt-russ. Dekor, romantisch überhöht wirken. Erh. sind 4 Zchngn K.s mit Darst. dieser "Lustbauten" (u.a. Fejerverk na Chodynskich toržestvach v Moskve, Tusche/Feder, 1775). Ekaterina II. beauftragte K. 1775 mit dem Bau des dem Chodynka-Feld gegenübergelegenen Petrovskij-Reise-Pal., das die besagte phantasievolle Archit. nachzuempfinden suchte. Das erh. Ensemble erinnert an ein ma. Schloss und belegt die Originalität von K.s "Gotik". Der streng symmetrische Grundriss wies klass. Bezüge auf; der kompakte, zentrierte, von einer Kuppel abgerundete Raum des Hauptgebäudes assoziierte das Erbe von Andrea Palladio. Das architektonische Dekor hingegen bildete eine komplexe Synthese gotischer und alt-russ. Elemente; Ziegelmauern wurden farblich markant mit Kalkstein- und Terrakottaelementen kombiniert, was der Fassade pittoreske Züge verlieh. 1778 war K. zus. mit seinen Schülern in Kolomna tätig (Generalbebauungsplan, Aufmaß des Kreml'; 6 Zchngn [Tusche] mit Ansichten des Kreml'; Bauten im Staro-Golutvinskij-Kloster, s.u.). 1783 für einige Monate zur Verfügung von G.A. Potemkin abgestellt (städtebauliche Arbeiten in Ekaterinoslav [Dnipropetrovs'k], Cherson und Poltava [Projekte nicht erh.; evtl. kann K. das Projekt der Adelsversammlung Poltava zugeschr. werden]). K. vermochte mehr Bauprojekte als andere Moskauer Architekten zu realisieren, weswegen das architektonische Antlitz Moskaus aus der Zeit vor dem Stadtbrand 1812 als das K.sche Moskau bezeichnet wird. Er gilt als bed. Baumeister des russ. Klassizismus und legte den Grundstein der Moskauer Archit.-Schule des 4.V.18./1.V.19.Jh. K. reagierte sensibel auf die Bedürfnisse der Ges., besaß ein beeindruckendes Gespür für das rechte Maß und bewältigte virtuos die Gratwanderung zwischen rational klassizistischen Formen und der pittoresken Moskauer Stil-Polyphonie. Daher konnte K. den Senats-Pal., in dem sein reifes Können zum Tragen kam, nahtlos ins Ensemble des Moskauer Kreml' einfügen. Der frühklassizistische, 4-stöckige Mon.-Bau in Form eines (vom Grundstück vorgegebenen) gleichschenkligen Dreiecks entsprach der Tektonik des Klassizismus; die beiden unteren Etagen fungierten als Sockelgeschoss für die verbundenen oberen Etagen. Die langgestreckte Fassade ist durchgängig mittels dorischer Säulen und Lisenen rhythmisiert und mit Fenstereinfassungen und ornamentalen Wandmalereien verziert. Die durch einen ionischen Säulenportikus akzentuierte Mitte der Hauptfassade führt in den fünfeckigen Paradehof, der durch eine feierlich wirkende dorische Säulenrotunde mit Kuppel voll. wird. In der Rotunde befindet sich der Katharinensaal (auch "russ. Pantheon" genannt), der durch seine Größe (Ø 24,7 m, die seinerzeit größte Kuppel) und das üppige Dekor beeindruckt (u.a. Säulenreihe in korinthischer Ordnung entlang des gesamten Umfanges; Kuppel mit Kassettendecke und Stuckrosetten; reichhaltiges Dekor mit Ornamentalstuck und allegorischen Hochreliefornamenten; Farbkombination weiß-azur-gold). K.s nächstes bed. öff. Bauwerk, die Moskauer Univ., wurde auf einem neu entworfenen, weiträumigen Platz gegenüber dem Kreml' errichtet (nach Stadtbrand 1812 von Domenico Gilardi umgebaut) und prägte mit ihrer klass. Paradefassade die Bebauung des Stadtzentrums nachhaltig. K. verzichtete auf die für den Frühklassizismus typische komplexe Komp., üppiges Fassadendekor sowie allegorische Skulpturen und fand zu klaren, funktional motivierten Grundrissen sowie verhaltenen, für den Hochklassizismus char. architektonischen Formen. Im folgenden wurden K.s Säulenordnungen stetig strenger (z.B. Ensemble Golicyn-Krankenhaus: glatte Fassade, bis auf einen feierlichen dorischen Portikus fast völliger Verzicht auf architektonisches Dekor). K. schuf auch zahlr. Pal. der prosperierenden Kaufmannsschicht, bei denen er trad. Stadt-Pal.-Grundrisse aufgriff und eine optisch optimale Anordnung der Pal. anstrebte. Die Pal. verdeutlichen die Variationsbreite von K.s Komp.; char. sind v.a. die Pal. I.I. Demidov und M.P. Gubin (s.u.), deren dreistöckige repräsentative, mit großen klass. Portikus versehene Fassaden gemäß der zeitgen. städtebaulichen Vorgaben direkt auf der Grundstücksgrenze angeordnet waren, wodurch die Moskauer Bebauung an Monumentalität gewann. K. war nicht nur ein brillanter Projektierer, sondern auch ein bau- und materialtechnisch versierter Praktiker, dem orig., den Moskauer Klassizismus bereichernde Konstruktionslösungen gelangen. Als seine bed. Leistung gelten Rotunden- und Kuppelbauten in öff. Gebäuden und Kirchen (u.a. die doppelte Holzkuppel des zentralen Saales des Petrovskij-Reise-Pal. oder die effektvolle, klass.-runde Kuppel der Metropolit-Filipp-Kirche). Große Aufmerksamkeit widmete K. auch der Interieur-Gest. Bei mon. öff. Interieurs nutzte er dabei v.a. architektonische Formelemente (Säulen, Pilaster, Simse) zur harmonischen Gliederung von Wänden sowie Skulptur-Basreliefs, mon. Wandmalereien und Stuck. Der außergewöhnlich expressive, für repräsentative Zwecke bestimmte Säulensaal der Adelsversammlung kann als Höhepunkt in K.s Schaffen gelten. Von zentraler Bedeutung sind dabei weiße Säulen korinthischer Ordnung, die um den gesamten Saal angeordnet sind, der als der schönste und größte Saal des klass. Moskau gilt und in seiner erhabenen und strengen Form einem antiken Peristyl ähnelt. Die (vom Brand 1812 verschonte) Enfilade des Demidov-Pal. lässt K.s Können bei der Konzipierung von Paradeinterieurs in Wohnbauten erahnen. Bes. elegant wirkt die äußerst seltene Ausgestaltung der Säle mit vergoldetem Schnitzwerk (bek. als "goldene Zimmer"). Die Decken sind überwiegend mit floralen Malereien und Stuck verziert. Ab 1801 im Ruhestand, konzentrierte sich K. vorrangig auf seine Lehrtätigkeit. In der Trad. von Uchtomskij und Baženov organisierte er eine bei der Expedition für Kreml'bauten angesiedelte Archit.-Schule (später in K.s Haus [Bol'šoj Zlatoustinskij per. 11/1] verlegt; Studenten u.a. Ivan Vasil'evič Egotov, Aleksej Nikitič Bakarev und Roman Ivanovič Kazakov). 1797-1803 schuf K. zus. mit seinen Schülern Zchngn zur Erfassung des Moskauer Baubestands, aus denen die berühmte, für die Rekonstr. des Stadtbildes von E.18.Jh. sehr wertvolle Alben-Serie hervorging (Ščusev-Archit.-Mus. Moskau). Diese Alben (6 zu privaten, 7 zu öff. Bauten) zeigen sowohl bes. exponierte Ensembles als auch sämtliche Bebauungsvarianten sowie Grundrisse, Fassaden und Schnitte und bieten rares Material zu nicht erh. und umgebauten Gebäuden sowie zur Gesch. der Bautechnik und Interieurkunst. Ferner entstand der Atlas Fasadičeskij plan stoličnogo goroda Moskvy (1801-04). K. verstarb in Rjazan', wohin er vor der Besetzung Moskaus durch Napoleon von seinen Verwandten in Sicherheit gebracht worden war und wo er vom verheerenden Stadtbrand erfuhr. - K.s Söhne wurden von ihm ausgebildet und waren gleichfalls als Architekten tätig: Vasilij Matveevič K. (*1772 Moskau, †nach 1817; Stud.: ab 1782 Archit.-Schule der Expediton für Kreml'bauten; 1783-87 Adelspensionat der Moskauer Univ.) war ab 1789 als Archit.-Gehilfe tätig und wurde 1792 für eine Zchng des Auferstehungsklosters Novyj Ierusalim geehrt. Spezialisierte sich später auf den (Um-)Bau (Projekte) von Poststationen (1796 Vologda; ab 1797 Vjaz'ma, Dorogobuž, Gžatsk; 1799 Projekt Postamt Moskau; 1809 Rjažsk, Smolensk; 1817 Tver'). Matvej Matveevič K. (*8.[19.]12.1781 Moskau, †17.[29.]10.1819 ebd.) war ab 1798 als (bis '99 nichtetatmäßiger) Archit.-Gehilfe 1. Klasse in der Expedition für Kreml'bauten tätig. 1800-01, ab '03 Unterstütztung von K. bei der Zusammenstellung des o.g. Atlas (1805 hierfür mit einer gold. Tabakdose geehrt). 1802 Archit.-Gehilfe bei der Moskauer Stadtduma. 1804 Titel Architekt und entsandt ins Stadtduma-Komitee für den Bau der Chamovniki-Kaserne. 1811 Entwurf des Ikonostas für die Dreieinigkeitskirche in Kaluga. 1813 Architekt für städtische Bauten in Moskau. Autor der ersten postumen K.-Biografie. Pavel Matveevič K. (*1783 Moskau, †nach 1810 ebd.) war 1798 Archit.-Gehilfe 2. Klasse (im Range eines Kanzleraristen der Expedition für Kreml'bauten). 1799 als versierter Zeichner belegt. 1800, '03-10 Mitarbeit an K.s o.g. Atlas. 1801 Rang Kollegienregistrator.

WORKS

Kolomna, Staro-Golutvinskij-Epiphanie-Kloster: Steinmauer, 1778. Moskau, Leningradskij pr. 40: Petrovskij-Reise-Pal., 1775-82 (heute Gästehaus der Moskauer Stadtregierung). - Kreml': Senatsgebäude (heute Amtssitz des Präsidenten der Russ. Föderation), 1776-89. - Ul. Giljarovskogo 35: Metropolit-Filipp-Kirche, 1777-88. - Bol'šaja Dmitrovka 1, Haus der Adelsversammlung (heute Haus der Gewerkschaften): Säulensaal, 1784-87. - Mochovaja 11: Hauptgebäude der Moskauer Univ., 1786-93. - Dol'skaja ul. 1, Landgut Caricyno: Katharinen-Pal., 1786-95. - Gorochovskij per. 4: Stadt-Pal. I.I. Demidov, 1789-91 (heute Univ. für Geodäsie und Kartografie). - Marosejka 14/2: Kirche Kosmas und Damian, 1791-93. - Leninskij pr. 8: Golicyn-Krankenhaus (heute 1. Städtisches Klinisches Krankenhaus), 1796-1801. - Mjasnickaja 42: Haus I.I. Baryšnikov, 1797-1802. - Petrovka 25: Stadt-Pal. M.P. Gubin, 1790er Jahre (heute Inst. für Rheumatologie). - Pavlovskaja ul. 25: Pauls-Krankenhaus (heute Russ. Staatl. Medizinische Univ.), 1801-07. - Puškin-MBK. Pavlovsk, Mus.-Komplex. Petrovskoe-Knjažiščevo, Landgut: Mus.-Komplex, 1775-85. Raj-Semenovskoe: Kirche, 1774-83. St. Petersburg, Russ. Mus.

EXHIBITIONS

Solo exhibitions:

Moskau: 1938 Archit.-Akad.; 1963 (K); 1988 AM / 1948 Irkutsk.

 

SOURCES

Thieme-Becker, Vollmer, and AKL:

ThB19, 1926

 

Other encyclopedias:

Oudin, 1970; P.Constantin, Dicţ. univ. al arhitecţilor, Bu. 1986; ChudSSSR IV.2, 1995; DA XVII, 1996; A.F. Krašeninnikov (Ed.), Zodčie Moskvy vremeni barokko i klassicizma (1700-1820-e g.), Mo. 2004 (Lit.)

 

Printed sources:

A.I. Vlasjuk et al., K., Mo. 1957 (Bibliogr.); Architektor M.F. K. (K), Mo. 1963 (Zchng-Verz.); M.I. Domšlak, Architektura starinnogo prazdnika, Dekorativnoe isk. SSSR 1965(12)34-39; N.F. Guljanickij, Architekturnoe nasledstvo. Vyp. 22, Mo. 1974, 30-52; E.V. Nikolaeva, Klassičeskaja Moskva, Mo. 1975; A.M. Kučumov, Russkoe dekorativno-prikladnoe isk. v sobranii Pavlovskogo dvorca-muzeja, Le. 1981; M.V. D'jakonov, Russkij gorod. Vyp. 3, Mo. 1980 (Archivalien-Verz.); Pamjatniki architektury Moskvy. Kreml'. Kitaj-gorod. Central'nye ploščadi, Mo. 1982; Pamjatniki architektury Moskvy. Belyj gorod, Mo. 1989; Pamjatniki architektury Moskvy. Zemljanoj gorod, Mo. 1989; Ward I, 1989; H. Heidebrecht, Dt. Baumeister in Rußland A. 18. Jh., St. 1996; M.F. K. i architektura klassicizma, Mo. 1996; Ekaterina Velikaja i Moskva (K Tret'jakov-Gal.), Mo. 1997; V.I. Baženov i M.F. K. Problemy tvorčeskogo nasledija, Mo. 1997; A. Carpifave, Splendori della corte degli Zari (K Rom), Mi. 1999; N. Aleksandrova, Russkij risunok (K Puškin-MBK), I, Mo. 2004; Drawing and watercolours in Russia. The eighteenth c. (K Russ. Mus.), Bad Breisig 2005.

 

Archives:

Moskau, Ščusev-AM: R1-12244/1-79; R1-12245/1-43; R1-12265/1-74; R1-5498/1-15; R1-12268/1-32; R1-12269/1-24; R1-12292/1-8; R1-12293/1-43; R1-12294/1-19; R1-12295/1-33; R1-12296/1-84; R1-275/1-14 (graf. Material, Alben) / HM: 68558/R -1607, 68556/1606, 63495 šč/R-1616, 70156/R-373 / RGADA: Gosarchiv, r. XVI, d. 97, l. 37; f.1239, op. 150, d. 158, l .2; Dvorcovyj otdel, d. 46484, č. 4, l. 8935; ebd. d. 46485, l. 25 ; Dela Kamennogo prikaza, kn. 28, l.164 s.; ebd. kn. 57, l. 185; f. 280, d. 318, l. 28; f. 259, kn. 4688, l. 147-151 / Rossijskij Gos. Voenno-Istoričeskij Archiv (RGVIA): f. 418, d. 404/ 1-10; d. 407, 418, 421, 434. - St. Petersburg, RGIA: f. f. 485, op.1, ed.chr. 59; f. 1488, op. 4, d. 390, 381; f. 515, op. 71, d. 2691, 2692, 2694, 2695; f. 759, op. 95, l. 92; f. 733, op. 96, l. 376 s., 380 s. / Russ. Mus.: P-8110 -8114. / AK, Mus.: A-12-21. / Ermitage: Nrn 8918-8929.

 


THIEME-BECKER

Article by: H. W.

Kasakoff, Matwej Fjodorowitsch, Architekt, der bedeutendste russ. Baukünstler d. 2. Hälfte d. 18. Jahrh., geb. 1738 als Sohn eines Unterbeamten des Hauptkommissariats, †1812 in Moskau; erhielt seine Ausbildung seit 1751 zusammen mit Bashenoff u. Kokorinoff in dem an den Senat angegliederten "Baukommando" des Fürsten Dmitrij Uchtomskij in Moskau, das zur Zeit der Kaiserin Elisabeth eine Art praktische Bauschule bildete, welcher auch K. Blank, P. Nikitin, der Deutsche J. Velten u. and. hervorrag. russ. Architekten entstammen. Nach Absolvierung derselben arbeitete er eine Zeit lang unter Leitung d. Archit. P. R. Nikitin und entwickelte dann in Moskau u. Umgebung eine derartig umfassende Bautätigkeit, daß man behaupten kann, während der ganzen Regierungszeit Katharinas u. Pauls I., wie auch im 1. Jahrzehnt des 19. Jahrh. sei in Moskau kaum ein Bau von Bedeutung errichtet worden ohne Anteilnahme K.s; wenn er ihn nicht selbst aufführte, so lieferte er doch Zeichnungen u. Pläne oder beteiligte sich wenigstens mit Ratschlägen. Mit dem ausschweifendsten Barock der Epoche Katharinas II. beginnend, durchschritt er allmählich alle Phasen des Klassizismus, bis zum Empire einschließlich, blieb aber dabei immer individuell u. persönlich und schuf schließlich seinen eigenen "Kasakoffschen" Stil, welcher - verglichen mit dem Petersburger Klassizismus - den Charakter einer gewissen Wärme u. Intimität aufweist und für das Moskau des 18. Jahrh. so charakteristisch geworden ist, daß er als der spezifische Moskauer Baustil der Regierungszeit Katharinas II. angesprochen werden kann. K. hat eine Schule herangebildet, die in seinem Geiste weiterschuf u. in Moskau u. dem übrigen Rußland fast ein ganzes Jahrhundert hindurch zahlreiche Bauten im "Kasakoffschen Stil" errichtete. Außerhalb dieses Kreises stehen einzelne Bauten K.s, in denen sich ein gewisser gotisch-romantischer Einschlag geltend macht, dessen Ursprung bisher noch nicht aufgeklärt ist, u. der innerhalb seines Oeuvre befremdet; hierher gehört als Hauptwerk das 1788 von K. aufgeführte, aber nicht vollendete, nur als großartige Ruine erhaltene (an Stelle eines von Bashenoff errichteten u. auf Befehl der Zarin sofort nach Vollendung niedergerissenen Baus) Schloß Zarizyno bei Moskau (zahlr. Abb. in Staryje Gody 1911 Märzheft p. 25ff.). Als typische Beispiele dieser gotisierenden Bauten wären noch zu nennen: Das Petrowskij-Schloß (erbaut 1775/82; vollständig erhalten; gestochen v. Fr. Dürfeldt 1816) und das Portal des Tschudoff-Klosters im Kreml. Neben Moskau war K. hauptsächlich noch in Kaluga u. Tula tätig. Für Kaluga entwarf er das Projekt eines Schlosses, führte zahlreiche Regierungsbauten auf, sowie einen Kaufhof, der in seiner Verquickung altrass. Bauart mit got. Details an Zarizyno erinnert. In Tula arbeitete er 1763 in Gemeinschaft mit P. R. Nikitin, P. Obuchoff u. F. I. Stengel an dem Wiederaufbau der durch eine Feuersbrunst zerstörten Stadtteile. Von bedeutenderen Projekten sind noch zu nennen: 2 Entwürfe für Schloß Konjkowo (begonnen, aber aufgegeben), sowie 2 für Schloß Bulatnikowo (desgl.). Auch an dem nach Plänen Quarenghis begonnenen Gräfl. Scheremetjeffschen Lustschloß Ostankino bei Moskau dürfte K. Anteil haben, wenn dieser auch noch nicht genau festgelegt ist; Grabar möchte ihm den Mittelbau mit der auch an anderen Bauten K.s ganz ähnlich gestalteten Kuppel, sowie die Eckrisalite des Hauptgebäudes zuweisen. Hervorzuheben ist ferner K.s Mitarbeit an Bashenoffs großartigem Projekt für das Kremlpalais (Pläne u. Risse bei Bondarenko), wie K. auch sonst häufig mit B. zusammengearbeitet hat (u. a. beim GolizynHospital, dem Pawlowski-Hospital u. der Gr. Himmelfahrtskirche). Ein genaues Verzeichnis seiner Bauten bis 1800 gibt K. 1801 in seinem Gesuch um Versetzung in den Ruhestand (aufbewahrt in d. Moskauer Abt. d. Archivs d. Ministeriums d. Kaiserl. Hofs), aus deren langer Reihe als die bedeutendsten zu nennen sind: Palais Paschkoff (jetzt Rumjanzeff-Mus.) 1782/84; ein sehr stattlicher Bau mit kreisrunder Flachkuppel (nicht gesichert; früher Bashenoff, von Grabar K. zugeschrieben); Palais Rasumowskij auf der Gorochowaja zu Moskau, 1790/93 (später Nikolai-Waisenhaus), mit der Himmelfahrtskirche daneben; Petrowskij - Schloß bei Moskau; Golizyn-Krankenhaus (begonnen von Bashenoff) mit herrlicher Kapelle; Pawlowskij -Krankenhaus (1802/7); Universität (umgebaut 1816 von Gilardi; von K.s Bau nur die runde Aula mit Kuppel erhalten); Senatsgebäude im Kreml, dessen runder Kuppelsaal zu den schönsten Schöpfungen K.s gehört; Gebäude der ehem. Adelsversammlung, 1784 (urspr. DolgorukoffPalais, jetzt Ssowjet-Haus), mit dem grandiosen, größten Festsaal Moskaus, der allein vom Bau K.s erhalten ist; Generalgouverneur - Palais (urspr. Pal. Tschernyschoff, jetzt Moskauer Ssowjet); Tor des Jausa-Krankenhauses (vielfach bestritten); die Kirchen des Metropoliten Filipp auf der Mjeschtschanskaja, der Hll. Kosmas u. Damian auf der Pokrowka, Johannes d. Täufers auf der Kasjonnaja u. die sog. Große Christi Himmelfahrt-Kirche auf der Nikitskaja. Privatpalais: Fürst A. A. Prosorowskij (nicht erhalten), Mme Kosizkaja auf der Twerskaja (erhalten, aber st'.rk umgebaut), Graf A. G. Orloff auf d. Nikitskaja (nicht erhalten), P. A. Demidoff auf der Nowaja Bassmannaja, I. I. Demidoff am Nikita Mutschenik (nicht erhalten), Fürst A. B. Kurakin auf der Staraja Bassmannaja (nicht erhalten), I. I. Baryschnikoff auf d. Mjassnizkaja, Gräfin E. F. MussinaPuschkina, Gen.-Maj. A. P. Jermoloff, Gen. Schepeljoff, Gubin auf d. Petrowka (erhalten), Golochwastoff auf d. Lubjanka, Chlebnikoff, Timirjaseff, Kalinin, Bessonoff usw. Leider sind zahlreiche Bauten K.s abgegangen bzw. durch spätere Umbauten stark entstellt. (Von den K. fälschlich zugeschriebenen Bauten gehört das "Grüne Haus" der Synodaldruckerei dem Mironowskij, die Lazaruskirche auf d. gleichnamigen Friedhof dem E. Nasaroff. über weitere falsche Zuschreibungen siehe unten.) Ein Bildnis K.s stach A. Afanassjeff für Beketoffs "Portraitsammlg berühmter Russen" (Abb. bei Rowinskij). K. hat auch, angeregt durch Piranesi, radiert; Rowinskij führt 5 Blätter (darunter 2 Zuschreibungen) auf: 1 Kremlansicht u. 2 Ikonostasisdarstell., bezeichnet M. Kasakoff (russ.). Zu den bedeutendsten Schülern u. Nachfolgern K.s gehören O. J. Beauvais [Bonn] u. Iwan Jegotoff, dann, der gotisierenden Richtung K.s folgend, A. Bakareff, I. L. Mironowskij u. P. I. Tamanskij. K. hatte 3 Söhne, Wassilij, Matwej u. Pawe1, die sämtl. Architekten waren; von ihnen ist wohl der bedeutendste Matwej, der seinem Vater beim Bau der Kirche des Empfängnisklosters zu Moskau u. auch sonst behilflich war; man kennt von ihm einen interessanten Entwurf zu einem Denkmal Alexanders 1. Von Wassilij ist ein von Iwan Rosonoff 1793 radierter Aufriß der Kirche des Auferstehungsklosters in Nowo-Jerussalim unweit Moskaus bekannt, wo sein Vater bedeutende Restaurationsarbeiten mit Unterstützung der Söhne ausführte. - Bisher ungeklärt ist das Verwandtschaftsverhältnis K.s zu Rodjon Rodjonowitsch K., ebenfalls Architekt, dessen Biographie noch ganz in Dunkel gehüllt ist; von ihm rühren in Moskau die Kirche des Hl. Martin auf der Taganka (1792/98) u. der Glockenturm des Spasso-Andronjewskij Klosters (1765/94) her, welche wiederholt fälschlich Matwej K. d. Ält. zugeschrieben wurden. I. E. Bondarenko, Der Architekt M. F. Kasakoff, Moskau 1912; ders., Moskauer Architektur etc., in "Führer durch Moskau", 1919 p. 10, 16 f., 19, 23, 26 (Abb.). - I. Grabar, Gesch. d. russ. Kunst (russ.), Moskau 1910ff., I 38ff. (m. Abb.); II 288 Anm. 1; III 321, 393, 336. - F. Gornostajeff, Die Architektur Moskaus, in "Durch Moskau", 1917 p. 104/06. - W. Nikoiskij, Das alte Moskau, 1924. - W. Sgura, Zarizyno, in "Podmoskownyje Museji", Heft 6 (1925); ders., Alte russ. Baumeister, Moskau 1923, p. 23/26, mit Abb. - N. Sbidkoff, Ostankino, in "Podmoskownyje Museji", Heft 1 (1925) p. 51 f. (sämtl. russ.). - A. Eliasberg, Russ. Baukunst, München 1922, p. 30 (m. 6 Abb.); ders., Klassizist. Baukunst in Moskau, in "Kunst u. Künstler", VI (1908) 283. - P. Ettinger in "Cicerone", V (1913) 147; ders. in "Apollon", 1913 p. 74ff. - D. A. Rowinskij, Lex. russ. Portraitstiche, 1886/89, II Sp. 1051; ders., Lex. russ. Stecher, 1895 II [unter Kosakoff u. Rosonoff] Benois-Fomin, Hist. Arch.-Ausst. St. Petersburg 1911, p. 23, 40, 48, 51, 55. - K. Lohmeyer. Friedr. Joachim Stengel, Düsseldf 1911, p. 45 Anm. - Staryje Gody (russ.), 1908 p. 108, 577; 1909 p. 614, 819; 1910 Maiheft p. 6, 15, 18ff., 20ff., 24ff., 30, 33ff. (I. Grabar); Julih. p. 187, 209; 1911 Januarh. p. 51; Febr.-H. p. 58; März-H. p. 18, 20ff., 24ff., 26ff., 32; April-H. p. 43; Juli-H. p. 172; Dez.-H. p. 72; 1912 Juni p. 50; Juli 118, 148; Nov. p. 33; Dez. p. 67; 1913 Jan. p. 58; Febr. p. 58; April p. 43; Okt. p. 58; 1914 Jan. p. 54; März p. 25. - Trésors d'art en Russie, I (1901) 176; II (1902) 167. - Kat. Hist. Arch.-Ausst_ Moskau 1913 p. 25ff. - Mit Notizen von P. Ettinger-Moskau.