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Herrera, Juan de (1530)

Born
Mobellan (Asturien), (um) 1530 / 1532
Died
Madrid, 1597.01.15 / 1598
Country
Spain
Gender
male
GND-ID
Name Variations
Herrera, Juan de; Herrera, Juan de (1530); Herrera, Juan de (1532); Herrera, Juan-Bautista; Herrera y Gutiérrez de la Vega, Juan de
Occupations
Architect; Soldat
Places of Activity
Yuste, Madrid, Aranjuez
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By
Last edited
01.11.2011
Published in
AKL LXXII, 2012, 346; ThB XVI, 1923, 540 ss

VITA

Herrera (H. y Gutiérrez de la Vega), Juan de, span. Architekt, Ingenieur, Stadtplaner, Mathematiker, Philosoph, Soldat, *1533 Movellán (heute zu Valdáliga; Kantabrien), †15.1.1597 Madrid.

LIFE AND WORK

H. entstammt einer wohlhabenden Adelsfamilie, wächst aber aus Erbfolgegründen in bescheidenen Verhältnissen und ohne Zukunftsaussichten in der abgelegenen Bergregion Kantabriens auf. 1547 tritt er in Valladolid als Vierzehnjähriger in den Dienst des Kronprinzen Philipp. Sowohl sein bisher angenommenes Geburtsjahr 1530 als auch sein Stud. der Geisteswissenschaften (Humanidades) und Phil. bis 1548 und 1551-53 an der Univ. ebd. werden von der jüngeren Forsch. in Frage gestellt (Aramburu-Zabala Higuera). 1548 bricht H. mit anderen Höflingen sowie bed. Militär-Ing., Wissenschaftlern und Künstlern im Gefolge Philipps zur Unterweisung nach Italien, Deutschland und Flandern auf und widmet sich, möglicherweise, 1549 in Brüssel dem Stud. der exakten Wiss., bis er 1551 mit Philipp nach Spanien zurückkehrt. Erst im Alter von zwanzig Jahren darf H. 1553 die angestrebte Militärlaufbahn, die zehn Jahre dauern wird, im Dienst Karls V antreten. Er kämpft als Arkebusierreiter und Leibwächter des Regenten von Mailand, Ferrante Gonzaga, in den Kriegen um Siena und das Piemont sowie 1555 in Flandern gegen Heinrich II von Frankreich. Im September 1556 kehrt er im Gefolge des Kaisers, den er zum Kloster San Jerónimo de Yuste (Extremadura) begleitet, nach Spanien zurück. Ob er bis zu Karls Tod 1558 in Yuste bleibt oder bereits im Frühjahr 1557 an den Hof des Infanten Carlos nach Valladolid geht, ist unklar. 1559 übernimmt Philipp II nach seiner Rückkehr in die damalige Hauptstadt (1561 Umzug des Hofes nach Madrid) die Bediensteten seines Vaters und somit auch H., der bis 1563 Mitgl. der Leibgarde ist. Erst 1562 wird H. erneut erw., als er für Honorato Juan, Humanist und Lehrer des Infanten Carlos, die Illustration einer Kopie des Libro del saber de astronomía von Alfons X dem Weisen in Alcalá de Henares fertigstellt. Er arbeitet auch mit dem Mathematiker Pedro Esquivel an dessen Projekt der geodätischen Karte Spaniens für Philipp II. Seine Kunstfertigkeit im Zeichnen wird, ebenso wie die tech. Kenntnisse und das Interesse für Maschinen, auf mögliche Erfahrungen beim Militär mit Kartographie und Festungsbau zurückgeführt (Wilkinson-Zerner). Daß H. bereits 1560 Mitarb. des Hofarchitekten Juan Bautista de Toledo wird, ist nicht erwiesen. Auf Geheiß des Königs wird er im Februar 1563 zus. mit Juan de Valencia Assistent von Toledo, 1567 zum kgl. Architekten befördert und nach Toledos Tod im selben Jahr zu dessen Nachf. als Architekt der kgl. Schloß- und Klosteranlage in San Lorenzo de Escorial ernannt. Zugleich Schloßwart und Quartiermacher Seiner Majestät avanciert er 1577 zum Hofarchitekten auf Lebenszeit. Damit ist er für die Entwürfe sämtlicher kgl. und weiterer bed. Bauvorhaben wie auch für die Überprüfung und Genehmigung aller großen Projekte anderer Architekten zuständig; letzteres führt zu unzähligen Eingriffen in fremde Planungen. - H. erlernt das Metier des Architekten nicht wie bis dahin üblich auf der Baustelle, sondern, entsprechend den Theorien Albertis, im Entwurfs- und Organisationsbüro seines in Rom humanistisch ausgebildeten Lehrers. Der von Philipp II zur Abgrenzung vom Baumeister verliehene Architektentitel, in Spanien eine Neuheit, impliziert zugleich eine innovative Arbeitsteilung und unterstreicht das kgl. Vorhaben, mit Hilfe Toledos, gefolgt von H., die Archit. der it. Renaiss. einschließlich der personalisierten Arbeitsabläufe im Land einzuführen. Toledo beginnt sogleich mit der Planung des Escorial, dessen Grundsteinlegung 1563 erfolgt (voll. 1584), sowie mit Entwurf und Ausf. des Königspalastes in Aranjuez (ab 1561). H., der sich im Modellbau und mit seiner außergewöhnlichen Zeichenkunst hervortut, ist in beide Projekte involviert und voll. die Bauwerke mit künstlerischer und tech. Sicherheit sowie beispiellosem organisatorischen Talent. Darüber hinaus sind weitere Fähigkeiten sowie H.s Belesenheit dok., u.a. durch ein kgl. Privileg von 1573 für die Erfindung von Instrumenten zur Bestimmung von Längen- und Breitengraden mit Hilfe des Erdmagnetismus. Auch sind Wasserbauprojekte (El Escorial, Aranjuez, Valladolid u.a.), Brücken und die Erfindung hydraulischer Maschinen bekannt wie auch die Konstruktion unzähliger Baukräne (ab 1568) für die Errichtung des Escorial, deren Funktionsweise H. in Anlehnung an Vitruv beschreibt, wobei er diesen an Erfindungsgeist und Originalität übertrifft (Iñiguez Almech). Nicht zuletzt verfasst H. das phil. Traktat Discurso sobre la figura cúbica (Ma. 1976), in dem er alle Maße und Proportionen der Natur auf den Kubus zurückführt, was einen Bezug zur Lehre des katalan. Mystikers Ramón Llull herstellt. Der Zusammenhang zur Planung des Escorial wurde von Taylor nachgewiesen. Auf H.s Initiative gründet Philipp II 1582 in Madrid die Acad. Matemática; er selbst richtet einen Lehrstuhl für Archit. ein. - Der nach H. benannte herrerianische Stil, wegen seiner schematischen Strenge und Schmucklosigkeit auch estilo desornamentado, verklärt die Tatsache, daß H. entgegen dem Ideal der Renaiss. kaum ein eig. Bauwerk allein entwirft und selbst ausführt. Der kühle, abstrakte Stil ist die heftigste Reaktion auf den verspielten span. Platereskenstil, zugleich die mon. Weiterentwicklung der it. Renaiss.-Architektur. Paradoxerweise zeichnet er sich durch Mangel an Persönlichkeit aus; H.s Anteile an den Entwürfen sind oft ungeklärt, zumal er selten auf den Baustellen erscheint und das Zeichnen aus gesundheitlichen Gründen zunehmend seinen Schülern, v.a. Francisco de Mora, überträgt. Gemäß Wilkinson-Zerner zählt H. zu den ersten mod. Architekten, die sich bewußt um einen universalen, auch von Kriterien der Wirtschaftlichkeit und des Maßhaltens geprägten Stil bemühen. Auf seine Veranlassung und gegen großen Widerstand werden alle Werkstücke des Escorial erstmals in den Steinbrüchen und nicht auf der Baustelle bearbeitet, um den Arbeitsprozeß zu beschleunigen. Gleichwohl ist es Philipp II, an dessen Seite H. fast sein ganzes Leben verbringt, der ihn zu konstruktiver Einfachheit, Strenge und edler, aber unaufdringlicher Erhabenheit in der Archit. anhält. Die grundlegenden Entwurfsideen für den Escorial übernimmt H. von Toledo, verändert diese aber entschieden durch Vereinfachung (selbst die dorische Ordnung vermag er zu reduzieren), Vereinheitlichung und bessere Raumnutzung, so im Fall der Haupttreppe, die er in eine offene imperiale Treppe umwandelt (voll. 1574), der Basilika (beg. 1576), des Königshofs und der Bibl. (ab 1573). Letztere gilt als H.s Hauptwerk und wird nach dem Vorbild der Univ.-Bibl. von Valladolid zum Modell für nachfolgende Bibl., z.B. für die Vatikanische. H. entwirft auch die Fresken sowie fast das gesamte Mobiliar des Escorial, zu dessen Herstellung durch it. Kunsttischler er die erste Tischlerschule ihrer Art in Spanien gründet. Die Entwürfe für das Hauptretabel (1579-90), die Monstranz, den Brunnen im Evangelistenhof und die kgl. Grabanlage (1592-1600) stammen ebenfalls von H. Auch sind alle Dächer der Gesamtanlage von ihm; die Türme (1574-83) integriert er, anders als von Toledo erdacht, flach in die Fassade, was dieser ihre bemerkenswerte archit. Dimension ohne skulpt. Wirkung verleiht. Dem durch Exaktheit bestechenden Bauwerk liegt der Parameter 3:2 zugrunde. H. entwirft zudem die Dienstgebäude (Ausf. 1581 und 1587-88 von Francisco de Mora). 1589 veröff. er eine Serie von Radierungen, Las Estampas, in der Grundrisse, Ansichten und Schnitte des Escorial reproduziert werden. Nach dem Tod von Rodrigo Gil de Hontañón 1577 übernimmt H. den in got. Konzeption beg. Neubau der Kathedrale von Valladolid, für den er einen völlig neuen Entwurf (1578-80) auf der Basis der vorgesehenen Grunddisposition und Proportionen anfertigt, der infolge des Konzils von Trient aber vor allem eine innovative innere Distribution vorsieht und den neuen Typus der Prozessionskathedrale ins Leben ruft. Der schmucklose, schematische Renaiss.-Bau wird ab 1582 von dem obersten Baumeister Pedro de Tolosa und dessen Sohn Alonso de Tolosa unter dem Architekten Diego de Praves, alle Vertraute H.s, in abweichender Form ausgeführt und übt weitreichenden Einfluß auf die Ausführung der Kathedralen von Salamanca, Mexiko-Stadt, Puebla und Lima aus. Wahrscheinlich ist H. verantwortlich für die Einhaltung der von Philipp II 1573 verfaßten städtebaulichen Richtlinien für die Stadtgründungen in der Neuen Welt (Ordenanza de descubrimiento, nueva población y pacificación de las Indias), die ein geometrisches Stadtschema im Sinne der Renaiss. vorschreiben. Er selbst überträgt dieses in den 1580er Jahren als Mitgl. der Junta de Urbanismo auf sein Projekt einer städtebaulichen Neuordnung um einen zentralen Platz, die Plaza Mayor, in Madrid, das nicht zur Ausf. kommt, aber im Nachfolgeprojekt von Juan Gómez de Mora aufgegriffen wird (1617-19). H.s konzeptionelles Verständnis des öff. Raumes beeinflußt zwei Jh. lang die span. und lateinamer. Stadtentwicklung. Auch der herrerianische Stil, v.a. von Francisco de Mora und Juan Gómez de Mora getreu fortgeführt, verbreitet sich in ganz Spanien als eine Art akad. Methode für öff. Bauten.

WORKS

Aranjuez, Kgl. Palast: Westflügel, Frontispiz, 1575-80; Gärten der Nordseite, 1581; Casas de Oficios, 1585-86. Granada, Pal. Karls V: Umbau der Kap. und des Innenhofs mit Galerie, 1583-90 (Ausf. Juan de Minjares). Lissabon, Kgl. Palast: Turm, 1580 (Ausf. um 1590, Felipe Terzi, Juan Bautista Antonelli; zerst. 1770). Madrid: Puente de Segovia, um 1578 (Ausf. 1588, Juan de Nates). Sevilla: Casa Lonja de Mercaderes (Handelsbörse, heute Archivo General de Indias), 1573-83 (Ausf. 1584-96, Juan de Minjares). Simancas, Kastell: Umbau und Erweiterung (Archivo General de Simancas), ab 1574. Toledo, Alcázar: Südfassade, 1573-78; Umgestaltung der Haupttreppe, 1574-76 (Ausf. Diego de Alcántara). - Rathaus, ab 1574. Villaviciosa de Odón, Castillo-Palacio: Wiederaufbau, 1583 (heute Archiv der Luftwaffe).

SELF-TESTIMONIES

Sumario y breve eclaración de los diseños y estampas de la fábrica de San Lorenzo el Real del Escurial, Ma. 1589 (Faksimile Ma. 1954).

EXHIBITIONS

Solo exhibitions:

1990 Providence, R.I., Brown Univ. (K) / 1997 Madrid, Jardín Botánico (K).

 

SOURCES

Thieme-Becker, Vollmer, and AKL:

ThB16, 1923

 

Other encyclopedias:

EUI XXVII, 1925; Oudin, 1970 (s.v. Herrera, Juan-Bautista); EWA VII, 1971, 420 s; Macmillan II, 1982; LdK III, 1991; González Echegaray, 1991; R.J. Van Vynckt (Ed.), Internat. dict. of architects and archit., I, Detroit u.a. 1993; Dicc. de arte esp., Ma. 1996; DA XIV, 1996; Spanish artists II, 1996; Dict. des architectes, P. 1999

 

Printed sources:

R.Taylor, Archit. and Magic. Considerations on the idea of the Escorial, in: H.Hibbard (Ed.), Essays in the History of Archit. presented to Rudolf Wittkower, Lo. 1967, S.81-109; J.Rivera Blanco, Juan Bautista de Toledo y Felipe II. La implantación del clasicismo en España, Valladolid 1984; S.Sebastián Lopez u.a., Arte iberoamericano desde la colonización a la independencia, I. Ma. 1985; L.Cervera Vera, Doc. biogr. de J.de H., Ma./Zaragoza 1987; A.Bonet Correa, Hist. de las artes aplicadas e industriales en España, Ma. ²1987; A.Pleguezuelo Hernández, La lonja de mercaderes de Sevilla, in: Arch. Esp. de Arte 63:1990(Jan./März)15-41; Cinco ss. de arte en Madrid (XV-XX), Ma. 1991; M.A. Aramburu-Zabala Higuera (Ed.), J.de H. y su influencia (Actas del simposio, Camargo 1992), Santander 1993; C.Wilkinson-Zerner u.a., J. de H. Architect to Philip II of Spain, New Haven 1993; VII Simposio Hispano-Portug. de Hist. del Arte (Cáceres/Olivenza 1993). Las relaciones artíst. entre España y Portugal, Badajoz 1995; P.Barreiro Pereira, J. de H. Arquitecto real (Ausst.-Kat.), Ba. 1997; A.Bartolomé Arraiza u.a., Artes decorativas, Ma. 1999 (Summa artis, 45.1); M.Viganò (Ed.), Architetti e ing. militari ital. all'estero dal XV al XVIII sec., II, Livorno 1999; Las trazas de Juan de Herrera y sus seguidores, Santander 2001; F.Iñiguez Almech, Arquitectos Españoles, Zaragoza 2001

 


THIEME-BECKER

Article by: August L. Mayer.

Herrera, Juan de, Architekt, geb. zu Mobellan (Asturien) um 1530, † in Madrid 15. 1. 1597. Stammte aus vornehmem Geschlecht, studierte bis 1548 in Valladolid Latein u. Philosophie, kam im Gefolge des Kronprinzen Philipp nach Brüssel, wo er 3 Jahre Architektur studierte, kehrte 1551 nach Spanien zurück, folgte dem Prinzen 1553 als Soldat nach Italien und wurde wegen seiner Tapferkeit und Klugheit zur Leibwache Karls V. befohlen, bei dem er bis zu dessen Tode in Yuste verblieb. 1559 wandte er sich als Schüler des aus Italien nach Madrid berufenen Juan Baut. de Toledo wiederum der Architektur zu. Seine geometrischen Zeichnungen für ein 1562 von der Universität Alcalá de Henares herausgegebenes Buch erregten Aufsehen. Am 18. 2. 1563 berief ihn Philipp II. auf Vorschlag Toledos zu dessen Gehilfen beim Escorial mit 100 Dukaten Jahresgehalt, der aber 14. 3. 1567 auf 150 gesteigert wurde und ab 1. 1. 1568 250 Dukaten betragen sollte. Nach Toledos Tode (19. 3. 67) übernahm H. die Bauleitung ohne Titel u. weitere Aufbesserung. Er erwarb sich das unbeschränkte Vertrauen des Königs u. wurde dessen Hofarchitekt, richtiger Bautenminister, da er nicht nur alle königl. Bauten entwarf oder die Pläne prüfte und verbesserte, sondern alle bedeutenden Bauten im Lande mit Ausnahme der Kirchen seiner Beurteilung unterbreitet wurden. Erst 18. 2. 1577 erhielt er einen höheren Gehalt (400 für die Arbeiten am Madrider Schloß, 400 für die des Escorial), später das ehrenvolle Hofamt eines aposentador de palacio und am 1. 1. 1587 1000 Dukaten Jahresgehalt auf Lebenszeit aus den Salinen von Cuenca. Nach dem Tod seiner 1. reichen Gattin heiratete der 51 jährige Ende 1581 eine blutjunge, arme Verwandte. Der ehemalige Soldat scheint seit ca 1560 körperlich nicht sehr kräftig gewesen zu sein. Die Bauten konnte er nicht persönlich leiten, nur selten erschien er an den Baustellen. Wahrend er sämtliche Pläne für den Escorial selbst arbeitete, mußte er später die Zeichnungen mehr und mehr Schülern überlassen, vor allem Francisco de Mora, der unter H.s Leitung 1587 alle Zeichnungen für den Alcázar in Segovia, seit 1589 für den Escorial, seit 1591 für den Alcázar in Madrid anfertigte. 1593 übergab ihm H. die gesamten Arbeiten für den Escorial. - H. veränderte die ursprüngl. Pläne Toledos für den Escorial vollkommen. Die Revisionszeichnungen nach der Vollendung des Baues hat Pedro Peret 1587 gestochen. Dieses Hauptwerk, das Schloß, Kloster und Kirche umfaßt mit bedeutenden Nebengebäuden, war 23. 4. 1563 begonnen; der Bau der Kirche dauerte 1574-80; Schlußsteinlegung des Klosters Sept. 1584. H. ließ als erster die Werkstücke in den Brüchen u. nicht erst auf der Baustelle bearbeiten. - Als Gehilfe Toledos baute H. das Schloß von Simancas um, entwarf 1571 die Südfassade des Alcázar in Toledo und die 8 eckige korinth. Kapelle (durch Brände und Umbauten von H.s Ideen wenig mehr zu erkennen), erhielt im gleichen Jahr Auftrag für neue Pläne zum Schloß von Aranjuez (unter H. bis 1586 neue Südfassade vollendet, sowie ein Drittel der O.- u. W.-Fassade u. das Atrium), begann 1584 die Casa de oficios in Aranjuez (wie der Hauptbau aus Granit und Ziegeln), mit dem Schloß durch Korbbogenarkaden aus Granit verbunden, lieferte 1582 dis Zeichnungen für den neuen Börsenbau in Sevilla, wobei er das Motiv des Evangelistenhofes im Escorial zugrunde legte. Der Bau, 14. 8. 1598 vollendet, zeigt durch die Schuld des ausführenden Architekten Juan de Minjares nicht alle Feinheiten des H.achen Entwurfs (vgl. Schubert a. a. O. p. 64, 65). 1585 entwarf er die Kathedrale von Valladolid, die aber nur teilweise zur Ausführung gelangte (Originalpläne u. Holzmodell noch in Vall. vorhanden). 31. 12. 1589 befahl der König die Errichtung von Herbergen in Torrelodones nach H.s Plänen. Nach 1596 begann man in Toledo mit dem Umbau des Zocodover, d. h. der den Platz umsäumenden Gebäude nach einem älteren Plan H.s, doch wurde nur auf der Ostseite ein Bruchteil umgebaut. - In Madrid baute er die sog. Segovianer Brücke über den Manzanares, die anscheinend in den 80er Jahren ausgeführt wurde, ferner bei Madrid die Brücke zwischen Galapagar und Torrelodones über den Guadarrama. H.s Anteil am Umbau des alten Schlosses in Madrid ist heute nicht mehr festzustellen. - Auf Wunsch des Domkapitels von Salamanca vom 31. 8. und 17. 12. 1588 prüfte er die neuen Pläne des dortigen Kathedralbaues. (über versch., H. wohl zu Unrecht früher zugeschr. Bauten vgl. Schubert a. a. O. p. 69.) H. ist Spaniens größter Architekt. Sein Hauptwerk, der Escorial, aber auch seine anderen Schöpfungen bilden den diametralen Gegensatz zum Stil u. Geist der Alhambra. Von jedem Spanier werden Alhambra u. Escorial als die Pole span. Kunst u. span. Empfindung betrachtet. Genial hat H. nicht nur künstlerisch formiert, was Philipp II. als Idealstil vorschwebte, sondern er hat mit seinen Schöpfungen den stolzen, ernsten, asketischen Charakter des Kastiliers u. Nordspaniers in Architekur umgesetzt. Kein Wunder daher, daß die Börse in Sevilla sich nicht in den Charakter der andalusischen Bauten restlos einfügt. Entwicklungsgeschichtlich bedeutet H.s Stil innerhalb der span. Architektur die stärkste Reaktion gegenüber dem bisherigen ornamentreichen Renaissancestil, der selbst noch unter Karl V. den plateresken Charakter nicht ganz verloren hatte. Aber H.s "estilo desornamentado" betonte doch ein Moment spanischer Art zu stark, als daß sich bei dem dualistischen Charakter der span. Kunst und dem Bedürfnis des Spaniers nach jenem maurischen, bzw. gotisch-barocken Einschlag H.s Stil sehr lange halten oder gar weiterentwickeln konnte. Allgemein entwicklungsgeschichtl. betrachtet, bedeutet H.s Kunst die monumentalste und edelste Um- und Weiterbildung italien. Renaissancearchitektur außerhalb Italiens. - Stets vornehm und großzügig, stark und männlich (selbst der dorische Stil schien ihm noch vereinfachungsbedürftig), in Proportionierung und Linienführung von edelstem Geschmack, konnte H. auf allen Schmuck verzichten. Eine leichte Verschiebung seiner meisterlichen Massengruppierung vergrößerte naturgemäß die Wirkung der noblen Silhouetten, was die Änderungen an derSevillaner Börse beweisen. Mit der Escorialkirche, die nicht nur im Grundriß mit Sta Maria di Carignano in Genua gewisse Ähnlichkeit besitzt, hat H. die Grundform der Hofkirche geschaffen (Empore (mit Chor) dem Seitenaltarumgang entsprechend, sich um die Kirche ziehend). Nicht minder monumental ist die Anlage der Kathedrale in Valladolid, wo er den Typus der Prozessionskathedrale geschaffen hat. - Die äußere Physiognomie H.s ist uns durch eine Plakette a. d. J. 1578 und einen Stich des Otto van Veen überliefert. Milizia, Memorie degli Archit., ed. 1785, 1254. - Llaguno y Amirola, Not. de los Arquit. de Espina, 1829, II 117-150 u. Reg. p. 393 f. - Pérez Pastor, Noticias y doc., II (1914). - O. Schubert, Gesch. d. Barock in Spanien, 1908. - J. Braun, S. J., Spaniens alte Jesuitenkirchen, 1913. - Martiy Monsó, Estud. rel. á Valladolid, 1898ff. - Cean Bermudez, Ocios ... sobre bellas artes, 1870 (enthält : "Vida de J. d. H.". "Tres dialogos entre J. d. H... y Battista Antonelli"). - Jahrb. d. Kstsamml. d. Allerh. Kaiserh., XII 2. T. - C. Justi, Miscell... span. Kstlebens, 1908. - Quadrado, Valladolid (España),1885 p.149ff.; ders., Salamanca (España), 1884 p. 73, 851. - Quadrado y V. de la Fuente, Castilla la Nueva (España), 1885 1 90. - Romera. Cuba etc. (España), 1887 p. 858 IT. - Díazy Pérez, Extremadura (España),1887 p.822. - Madrazo, Sevilla y Cádiz (España), 1884 p. 810, 713 f.; ders., Navarra y Logroño (España), 1888 III 701. - G estoso y Peres, Guía art. de Sevilla, 1888 p. 188, 158. - Arte Españ., 1 (1912) 49 f.