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Morisot, Berthe

Born
Bourges (Cher), 14 January 1841
Died
Paris, 2 March 1895
Country
France
Gender
female
GND-ID
Name Variations
Morisot, Berthe Marie Pauline (Birth name); Morisot, Berthe; Morisot, Berthe Marie Pauline; Manet, Berthe Marie Pauline (Married name); Manet, Berthe (Married name)
Occupations
Painter
Places of Activity
Paris, Saint-Germain-en-Laye, Cimiez (Nizza), (bei) Mézy-sur-Seine (Yvelines), Beuzeval-Houlgate (Calvados)
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By
Last edited
21.03.2024
Published in
AKL XC, 2016, 505

VITA

Morisot (verh. Manet), Berthe (Berthe Marie Pauline), frz. Malerin, *14.1.1841 Bourges, †2.3.1895 Paris (begr. Friedhof Passy). Schwester der Malerin Edma M., Mutter der Malerin Julie Manet.

LIFE AND WORK

M. ist die Tochter des ab 1852 in Paris ansässigen hohen Staatsbeamten Edme Tiburce M. und von Marie-Joséphine-Cornélie Thomas, Großnichte von Jean Honoré Fragonard, auf deren gesellschaftlichen Zusammenkünften sie Künstler, Musiker und Literaten kennenlernt. 1857 Zeichenunterricht bei Geoffroy Alphonse Chocarne, 1857-60 Schülerin von Joseph Guichard (*1806). Im Louvre Bekanntschaft mit Auguste-Joseph Bracquemond und Henri Fantin-Latour. Ab 1860 Schülerin von Camille Corot, bewundert dessen Pleinairmalerei, ist im Sommer 1861 mit der Fam. in dessen Nähe in Ville-d’Avray, wo M. im Freien malt. Ab 1863 Unterricht bei Achille François Oudinot (durch ihn Kontakt zu Charles-François Daubigny) und beim Bildhauer Aimé Millet. Freundet sich 1864 mit Adèle de Castiglione-Colonna an, die M. 1875 porträtiert (Fribourg, MAH). 1864 Debüt im Pariser Salon (Souvenir des bords de l’Oise und Vieux chemin à Auvers, beides Lsch., 1863, Priv.-Bes.); stellt dort bis 1873 v.a. Lsch. und Stadtansichten, ab 1865 Darst. von Personen, ab 1870 auch Porträts aus. Ab 1865 arbeitet M. mit Edma in einem vom Vater gebauten Atelier in Passy. Zw. 1865 und '71 ist sie öfter in der Normandie und der Bretagne (Edma wohnt ab 1869 in Lorient). 1867 Ausst. bei dem Pariser Kunsthändler Cadart. 1868 lernt M. über Fantin-Latour Édouard Manet kennen, zu dem eine tiefe, gegenseitig inspirierende Freundschaft entsteht (er porträtiert M. zw. 1868 und '74 mehr als zehnmal). Regelmäßige Empfänge im Hause Manet, wo M. u.a. Edgar Degas kennenlernt. Während des Dt.-Frz. Kriegs 1870/71 zunächst in Paris, dann in Saint-Germain-en-Laye. Der Sammler Paul Durand-Ruel kauft 1872 erste Arbeiten (La Jetée, Priv.-Bes.). Am 22.12.1874 heiratet sie Eugène Manet, den Bruder von Édouard. 1874 zus. mit Degas, Auguste Renoir, Claude Monet, Camille Pissarro und Paul Cézanne in der Ausst. der Soc. anonyme des peintres, sculpteurs, graveurs in den Räumen des Fotografen Nadar. Von da an ist M. bis 1886 in den Impressionisten-Ausst. vertreten außer 1879 nach der Geburt ihrer Tochter Julie am 14.11.1878. Bei der ersten Impressionisten-Aukt. 1875 mit Werken u.a. von Monet, Renoir und Alfred Sisley bei Drouot erzielen ihre Bilder die höchsten Preise. 1875 Hochzeitsreise, u.a. auf die Isle of Wight und nach London, wo viele Bilder entstehen (Eugène Manet sur l'île de Wight, 1875, Paris, Mus. Marmottan Monet), die M. 1876 bei den Impressionisten ausstellt. Um 1879 Freundschaft mit Mary Cassatt. 1879 und '80 im Sommer in Beuzeval-Houlgate. 1881-84 mietet die Fam. ein Sommerhaus in Bougival, wo M. malt (Impressionisten-Ausst. 1887 u.a. Eugène Manet et sa fille dans le jardin de Bougival, 1881, Paris, Mus. Marmottan Monet). Im Winter 1881-82 arbeitet M. in Nizza (Le port de Nice, mehrere Versionen, u.a. Dallas/Tex., Mus. of Art, Impressionisten-Ausst. 1882). 1881 kauft das Ehepaar in Paris ein Grundstück für ein Haus (40, rue de Villejust, heute Rue Paul Valéry), in das sie 1883 mit der Witwe von Manet einziehen. Hier veranstaltet M. jeden Donnerstag Abendessen mit Künstlerfreunden wie Renoir, Degas und Stéphane Mallarmé, einem ihrer engsten Vertrauten. 1882 Reise nach Italien. 1883 (u.a. mit Femme étendant du linge, Washington/D.C., NG of Art) Teiln. an der von Durand-Ruel initiierten Ausst. Paint., Drawings and Pastels by Members of "La Soc. des Impressionnistes" in London (Dowdeswell & Dowdeswell Gall.). 1883 bereitet M. mit ihrem Mann eine Ausst. zu Manet vor (1884 Paris, ÉcBA). 1887 entwirft sie Ill. für Le tiroir de laque von Mallarmé (unveröff.) und 1888 für sein Gedicht Le nénuphar blanc (verschollene Dreifarben-Zchng dazu von Monet gelobt). Ab E. der 1880er Jahre experimentiert sie mit graf. Techniken, fertigt zw. 1888 und '90 Lith. und Kaltnadel-Rad. (The drawing lesson, Washington/D.C., NG of Art); 1886 folgt eine Bronzebüste ihrer Tochter (Buste de Julie, St. Petersburg/Fla., MFA). 1889/90 entstehen in Cimiez b. Nizza viele Bilder und Pastellzeichnungen (La cueillette des oranges à Cimiez, Pastell, 1888/89, Grasse, MAH). 1891 Kauf des Landhauses Château du Mesnil b. Mézyy-sur-Seine. Am 13.4.1892 Tod ihres Mannes. 1892 Ausst. in der Pariser Gal. Boussod et Valadon, Monet kauft das Bild La Jatte de lait (1890, Priv.-Bes.). 1894 erster Werkankauf durch den frz. Staat (Jeune femme en toilette de bal, 1879, Paris, Orsay; Impressionisten-Ausst. 1880). 1896 erste große Retr. in Paris, Gal. Durand-Ruel, organisiert von Monet, Renoir, Degas und Mallarmé. - M. gehört zu den berühmtesten frz. Impressionistinnen. Die ihr als Frau vorgegebenen Themen beschränken sich weitgehend auf Garten- und Hausszenen, Freunde und Angehörige. Sie porträtiert v.a. Edma (Jeune femme à sa fenêtre [Madame Pontillon]), auch zus. mit ihrer Mutter (The mother and Sister of the Artist, beide Salon 1870, Washington/D.C., NG of Art), Freundinnen (so die Töchter des Malers Léon Riesener), den Ehemann und von Geburt an die Tochter. Vom Frühschaffen 1868/69 ist wenig bek., denn M. zerstört fast alles bis auf einige Bilder (u.a. zwei Kopien nach Veronese), Zchngn und Aqu., sodass es schwierig ist, die Arbeiten der Anfangszeit zu charakterisieren. Eines der frühesten erh. Gem., Strohgedeckte Hütte in der Normandie (1865, Salon 1866, Priv.-Bes.), ist einer der ersten Vorboten des Impressionismus. Typisch ist die offene und fast skizzenhafte, lockere Malweise unter Verzicht auf eine Grundierung, sodass mancherorts das Gewebe der Lw. freiliegt; der Farbauftrag variiert von lasierend bis pastos. Mit wenigen, fast groben Pinselstrichen, die als solche erkennbar bleiben, gestaltet M. Lsch. oder Stoffe (Vorhang in Eugène Manet sur l'île de Wight). Gleichzeitig hält sie mit ihrem dynamischen Pinselstrich den flüchtigen Moment fest (Jour d‘été, um 1879, London, NG). Erst bei einer Betrachtung der Bilder auf Abstand treten die sichtbaren, fast zusammenhanglos nebeneinander stehenden Pinselstriche in den Hintergrund und lassen eine ganz bes., atmosphärische Stimmung aus flirrendem Licht und Farbe entstehen. Ihre Lsch. sind vermutlich mit Kohlestift vorskizziert, der Farbauftrag erfolgt dann ebenso skizzenhaft mit lebhaftem Pinselduktus (Bateaux sur la Seine, 1879/80, Köln, WRM). Dabei arbeitet M. mit hellen Farben und dem von ihr bevorzugten Weiß. Den vornehmlich weiblichen, mit großer Sensibilität dargestellten Porträtierten haftet oft etwas Verträumt-Melancholisches an, ein Grund für den Erfolg der 1980er Jahre, v.a. in den USA in Folge ihrer Retr. (South Hadley, Mass., Mount Holyoke College, und Washington /D.C., NG of Art). Zu einem der frühesten dieser komplexen Bilder gehört ein Intérieur (um 1871, Priv.-Bes.): Im Hintergrund schauen eine Frau und ein Kind, dem Betrachter den Rücken zugekehrt, aus dem Fenster, im Vordergrund ist eine sitzende Frau im Profil vor einem Blumenstillleben, in Gedanken versunken, dargestellt. Um 1880 werden M.s Gem. immer unfertiger, abstrakter, sodass sie zus. mit Cassatt bereits von zeitgen. Kunstkritikern in durchaus negativer Absicht als Vorreiterin des neuen Stils angesehen wird. Sie beschäftigt sich zunehmend mit der Frage nach Thema und Farben, die sie immer bewusster im Wechselspiel der komplementären Farben nebeneinander setzt. Nicht zuletzt unter dem Einfluss der Arbeitsweise Renoirs legt M. ab 1886 größeren Wert auf das Zeichnen und auf Vorstudien, auf die stärkere Betonung der Linienführung und die Wiedergabe des Lichts. Um 1892 erfolgt dann der letzte, bed. Wandel in ihrer Malweise, vermutlich im Zusammenhang mit dem Aufkommen des Symbolismus, zu dessen einflussreichsten Vertretern Mallarmé zählt.

WORKS

Bordeaux, MBA. Buenos Aires, MNBA. Chicago, Art Inst. Cleveland/Ohio, Mus. of Art. Hachiōji, Tokyo Fuji AM. Madrid, Mus. Thyssen-Bornemisza. Montpellier, Mus. Fabre. New Haven/Conn., Yale Univ. AG. New York, Metrop. Mus. Pau, MBA. Stockholm, NM. Toulouse, Mus. des Augustins.

SELF-TESTIMONIES

Correspondance, ed. D.Rouart, P. 1950; Mallarmé-M. Correspondance 1876-1895, ed. O.Daulte/M.Dupertuis, Lausanne 2009.

EXHIBITIONS

Solo exhibitions:

(alle mit K) 2002 Lille, MBA (Wander-Ausst.) / 2006 Lodève, Mus. de Lodève / 2007 Tokio, Seiji Togo Memorial Sompo Japan Nipponkoa Mus. of Art / 2011 Madrid, Mus. Thyssen-Bornemisza / Paris: 2012 Mus. Marmottan Monet; 2019 Orsay (Wander-Ausst.). -

 

Group exhibitions:

1874 London: Exhib. of the Soc. of French Artist / 1883 Berlin: Impressionisten-Ausst. / 1886 New York, Nat. Acad. of Design: Works in oil and pastel by the impressionists of Paris / Paris: 1887 Gal. Georges Petit: Expos. internat. de Peint. et de Sculpt.; Mus. Marmottan Monet: 1993 L'impressionnisme et les femmes (K); 2014 Les Impressionnistes en privé (K); 2014-15 Mus. du Luxembourg: Paul Durand-Ruel. Le pari de l'impressionnisme (Wander-Ausst.; K) / 1887 Brüssel: Salon des XX / Frankfurt (am Main): 2008 Schirn: Impressionistinnen (Wander-Ausst.; K); 2015 Städel: Monet und die Geburt des Impressionismus (K) / 2024 Remagen, Arp Mus.: Maestras. Malerinnen 1500-1900.

 

SOURCES

Thieme-Becker, Vollmer, and AKL:

ThB25, 1931

 

Printed sources:

G.Wildenstein, B.M. Cat. des peint., pastels et aqu., P. 1961; Growing up with the Impressionists. The diary of Julie Manet, ed. R.de Boland Roberts/J.Roberts, Lo. 1987; K.Adler/T.Garb, B.M., Ithaka 1987; A.Higonnet, B.M.s images of women, C. 1992; T.Garb in: Rahmenwechsel. Kunstgesch. als feministische Kultur-Wiss., ed. B.Söntgen, B. 1996; M.Shennan, B.M., Thrupp 1996; A.Clairet u.a., B.M., 1841-1895. Cat. raisonné de l'œuvre peint., Montolivet 1997; M.Delafont/C.Genet-Bondeville, B.M. ou l’audace raisonné, Lausanne 1997; R.T. Clement u.a., The women impressionists, Westport 2000; D.Brahimi, La peint. au féminin. B.M. et Mary Cassatt, P. 2000; J.-D. Rey, B.M., P. 2002; B.M. Les peintres et les écrivains de l'impressionnisme, ed. D.Bona u.a., P. 2003; P.Todd, The impressionists at home, Lo. 2005; J.-D. Rey, B.M., P. 2010.

 

Online sources:

Dict. universel des Créatrices, 2023

 


THIEME-BECKER

Morisot, Berthe Marie Pauline, verehel. Manet, Malerin, Radiererin u. Lithographin, *14. 1. 1841 Bourges, †2. 3. 1895 Paris; jüngere Schwester der Landschaftsmalerin Edma M. (* Valenciennes; Schülerin von Chocarne, J. Guichard u. Oudinot), seit 1874 Schwägerin Ed. Manets, der sie häufig porträtierte (u. a. auf s. Bildern "Le Balcon" u. "Le Repos"). Lernte bei Guichard, Oudinot, Corot, Manet u. Aimé Millet. In öffentl. Smlgn: Louvre: Die Hortensie (2 Mädchen in Interieur); Die Schmetterlingsjagd; Junge Frau im Ballkleid; Pastellbildnis der Schwester; Die Wiege; Nat.-Mus. Algier: Musikstunde; Mus. Bagnols: Die Hafeneinfahrt; Mus. Lyon: Bäuerin aus Nizza; Mus. Fragonard, Grasse: Die Orangenernte; Mus. Fabre, Montpellier: Junges Mädchen; Mus. Pau: Nähende Frau; Mus. Toulouse: Auf der Bank; Mus. Brooklyn: Mme Boursier m. Tochter; Mus. Ixelles: Kind m. Puppe; Nat. Gall. London: Ein Sommertag; Nat.-Mus. Oslo: Häuser am Fluß; Mus. Toledo: Frau u. Kind im Gras. - In der Samml. W. Hansen, Kopenhagen: Dame mit Fächer, Mädchen im roten Mieder; i. d. Samml. Torsten Laurin, Stockh.: Im Garten. Lit.: A. Fourreau, B. M. (Maîtres de l'art mod.), 1925. - Th. Duret, Les peintres impress., 1878 (5. dtsche Ausg. Berlin 1923). - J. K. Huysmans, L'art moderne, 1883. - Roger Marx, Maitres d'hier et d'aujourd'hui, 1914 p. 299/322. - G. J anneau, B. M., 1921. - Michel, Hist. de l'art, VIII (1926) 598f.-Chron. d. arts, 1892 p. 170, 178; 1895 p. 92; 1903 p. 138f.; 1905 p. 36; 1914 p. 115. - Gaz. d. B.-Arts, 19 (1865) 30; 1907 II 390/92; 491/504 (R. Marx); 1912 I 318f.; 1927 I 27/35 (Paul Jamot, Manet et B. M.). - Le Temps, 22. 4. 1877 (P. Mantz). - Bull. de l'art anc. et mod., 1905 p. 47; 1914 p. 117f.; 1922 p. 67; 1929 p. 237, 243. - Art et Décoration, 1908I 167/76 (L. Rouart); 1914I Suppl. Mai, p. 1ff. - L'art décor., 1907 1126; II 162ff. - Emporium, 26 (1907) 3/11 (Vitt. Pica). -The Studio, 28 (1903) 165ff.; 42 (1908) 318; 72 (1918) 53. - Mercure de France, 1892 t. V p. 259f.; Avril 1895, t. XIV p. 100f.; Avril 1896 p. 157f.; Juin 1902, t. XLII 810/13; t. CXXXVI (1919) 768/70 (G. Kahn). - Bull. de la vie artist., 1920 p. 535f. - La Renaiss. de l'art fr., V (1922) 337, 341, 548; VII (1924) 245f., 270; IX (1926) 273, 275, 317/22 (Paul Valéry); XI (1928) 252, 301; XII 8t), 85, 99; XIII 47. - Beaux-Arts, III (1925) 95; IV 222; VII (1929) H. 6 p. 17; VIII (1930) Nr 5 p. 8; Nr 8p. 2f. - Konstrevy (Stockh.), 1927 H. 6 p. 20. - Apollo (London), XI (1930) 293/95 (H. Granville Fell). - The Brooklyn Mus. Quarterly, XVI (1929) Nr 3 p. 82 u. Abb. (auf d. Umschlag). - Le Musée d. B.-Arts d'Alger (Bull. des Musées de France), 1930 p. 17 (Abb.), 26.- Mitteil. v. Mil. M. L. Bataille, Paris.