La Tour, Georges Du Mesnil de, lothringischer Maler, *14.3.1593 Vic-sur-Seille, †30.1.1652 Lunéville.
La Tour, Georges Du Mesnil de
Sohn eines Bäckermeisters. 1616 Heirat mit Diane Le Nerf, Tochter eines Finanzverwalters des lothringischen Herzogs Henri II., ansässig in Vic-sur-Seille. Der Ehe entstammen elf Kinder. Eine mögliche Romreise zw. 1613 und 1616, wie sie für lothringische Künstler seiner Generation üblich war, ist ungesichert. Ab 1620 scheint L. als Maler in Lunéville auf, wo er von Henri II. mehrere Freibriefe ausgestellt bekommt. Er nimmt in den Folgejahren Lehrlinge auf: Charles Roynet (1626), François Nardoyen (1636), Chrétien George (1643), Nicolas Daniel (1644), Nicolas Didelot (1648). Ab 1648 ist sein Sohn Ètienne als ausführender Mitarb. verzeichnet, mehrere Spätwerke können ihm möglicherweise zugeschrieben werden. 1623 kauft Henri II. ein unbek. Gemälde von L., 1624 eine heute verschollene Darst. des hl. Petrus. 1631 annektieren Ludwig XIII. und Richelieu Lothringen, 1634 leistet L. mitsamt den anderen Notabeln Lunévilles den Treueeid auf den König. In diesen Jahren knüpft L. Kontakte zu Richelieu und dem König und infolgedessen auch zu einem hochrangigen Pariser Kundenkreis. 1638 wird Lunéville durch den frz. Gouverneur Pédamond gebrandschatzt, wobei mit großer Sicherheit auch L.s Atelier (und einige Werke) zerstört werden. L. zieht daraufhin mit seiner Familie nach Nancy. 1639 sechswöchiger Aufenthalt in Paris, wo L. für unbek. kgl. Aufträge 1000 livres erhält und - als seinerzeit einziger lothringischer Maler - als peintre ordinaire du roi bez. wird. 1640 neuerliche Erwähnung in Paris, wo L. im Louvre residiert. Zurück in Lunéville muss sich L. von nun an darum bemühen, sich sowohl die Gunst des lothringischen Herzogs als auch jene Ludwigs XIII. zu sichern. In diesen Jahren malt L. einen Hl. Sebastian für den Herzog und ein gleichnamiges Bild für Ludwig XIII. (evtl. die Version im Louvre, da sie Lapislazuli-Pigmente enthält), außerdem einen Hl. Hieronymus für Kardinal Richelieu, wobei es sich mit großer Sicherheit um die Version aus dem NM Stockholm handelt. Er wird von weiteren Persönlichkeiten des frz. Hofes gesammelt, etwa Richelieus Finanzminister Claude de Bullion (Verleugnung Petri), der Herzogin von Aiguillon (Nacht mit Musikanten), Jean-Baptiste de Bretagne (Amme mit Kind, Wahrsagerin, Schlafender Mönch, Flötenspieler bei Kerzenlicht) und André Le Nôtre (Nachtstück). Keines der gen. Werke ist gesichert. 1643 wird Henri de La Ferté-Senneterre zum frz. Gouverneur in Lothringen ernannt und verlangt von seinen Provinzen anstatt einer finanziellen Abgabe ein Kunstwerk, im Falle von Lunéville jährlich ein Gem. von L. 1645 malt L. für ihn eine Geburt Christi, 1648 die Auffindung des hl. Alexius (evtl. Nancy, Mus. Lorrain), 1650 einen Hl. Sebastian (nicht identifizierbar) und 1651 einen weiteren Reuigen Petrus. 1952 stirbt L., ein halbes Jahr nach seiner Frau, in Lunéville an der Pest. - L. hatte keine künstlerische Nachfolge. Sein Werk scheint nach seinem Tod schnell in Vergessenheit geraten zu sein, vermutlich weil seine Malweise nicht den klassizistischen Vorgaben der zunehmend zentralisierten frz. Kunstproduktion entsprach. Die Anekdote Dom Calmets von 1751, L. habe für Ludwig XIII. einen Hl. Sebastian gemalt, der diesem so gefallen habe, dass er alle anderen Gem. in dem Raum habe abhängen lassen, zeichnet dennoch das Bild eines seinerzeit sehr erfolgreichen Malers. L.s Gem. werden in den nachfolgenden Jahrhunderten anderen Künstlern zugeschrieben: Diego Velázquez, Bartolomé Esteban Murillo, Jan Vermeer van Delft, den Brüdern Lenain, Hendrick ter Brugghen u.a. Erst 1915 wird L. von Hermann Voss wiederentdeckt, der zwei signierte Werke, Der Engel erscheint dem hl. Joseph und die Verleugnung Petri (beide Nantes, MBA) sowie die Geburt Christi (Rennes, MBA) mit biogr. Quellen zu L. verbindet. Über Roberto Longhi wird das Interesse an L. auch in der frz. Forschung geweckt, die in den Folgejahren laufend neue Zuschreibungen ans Licht bringt. Die Gruppen-Ausst. "Les Peintres de la Réalité en France au XVIIe siècle" in der Orangerie des Tuileries von 1934 bewirkt eine breite öff. Wahrnehmung L.s, dem mittlerweile 13 Werke zugeschrieben werden. In den nachfolgenden Jahrzehnten wächst das Œuvre L.s auf über 80 Originale und Kopien, es folgen zahlr. Monogr. und Großausstellungen, 1972 die erste Einzel-Ausst. in der Orangerie des Tuileries, Paris. Die Ausst. zieht finanziell aufsehenerregende Ankäufe des Falschspielers mit dem Karo-Ass und eines Hl. Thomas durch den Louvre nach sich, u.a. eine Reaktion auf den in den vorangegangenen Jahren von der frz. Öffentlichkeit stark kritisierten Verkauf mehrerer Gem. L.s aus Europa in die USA. 1984 erklärt Christopher Wright in seinem Buch "The Art of the Forger" die Wahrsagerin zu einer Fälschung aus den 1920er Jahren, was trotz Medienechos vom Gros der Forschung zurückgewiesen wird. 1996/97 folgen weitere Einzel-Ausst.: "Georges de La Tour and His World" (Washington, NG und Fort Worth, Kimbell AM) und "Georges de La Tour" (Paris, Grand Pal.), die offene Fragen zur Datierung und Zuschreibung der Werke erneut aufrollen. Die Schau im Grand Pal. wird zur weltweit meistbesuchten Ausst. von 1997, ein weiteres Zeichen für die endgültige Popularität L.s. - Trotz seiner spektakulären und vielbeachteten Wiederentdeckung weist die Forschung über L.s Werk nach wie vor gravierende Lücken auf. Knapp 40 Originale sind gesichert, davon aber nur zwei zuverlässig datierbar: die Tränen des hl. Petrus (1645, Cleveland, Mus. of Art) und die Verleugnung Petri (1650, Nantes, MBA). Die Chronologie der übrigen Werke ist nach wie vor ungeklärt. Die detailreichen Darst. von Drehorgelspielern und Bettlern sowie die Genreszenen werden gemeinhin dem Frühwerk zugerechnet. Ein Entwicklungsschema von den sog. 'Tag-' zu den 'Nachtstücken' wird aber seit der Entdeckung der Auszahlung (Lwiw, GG) großteils verworfen. Nächtliche Spielszenen wie Der hl. Petrus verleugnet Christus, Die Würfelspieler und Karten spielende Soldaten werden aufgrund der mangelnden Variation der Sujets als Spätwerk L.s aufgefasst, die mindere Qualität der Ausführung lässt eine Mitarb. von Ètienne L. vermuten. Die Entdeckung des Gem. Johannes der Täufer in der Wüste 1994 (Vic-Sur-Seille, Mus. L.) bringt die These eines qualitativ minderwertigen Spätwerks allerdings neuerlich durcheinander. Durch Originalität der Bilderfindung in ihrer extremen Reduziertheit wird das Gem. gemeinhin als Spätwerk aus der Hand L.s angesehen. - Schon in den frühen Genreszenen werden in L.s Werk Möglichkeiten und Grenzen menschlicher Erkenntnis von Bedeutung und ihr epistemologischer und moralischer Horizont thematisiert. Wie bei der Ser. der blinden Drehorgelspieler wird hierfür häufig der Sehsinn selbst zum Prüfstein der Erkennbarkeit der Dinge. Die penible Oberflächenbeschreibung der Bilder steht dabei in sinnfälligem Kontrast zur Blindheit der Bildfiguren, eine Pointe, die im trompe-l'œil einer Fliege auf dem Drehorgelspieler aus Nantes auf die Spitze getrieben wird. Die blinden Bettler, auf wackeligen Beinen und von schlingernden Schatten umgeben, scheinen aus der geometrisch streng austarierten Bildfläche herauszukippen und werden so zur Allegorie der 'gefallenen', sündhaften Natur des Menschen. In der Prügelei unter Bettelmusikanten wird der menschliche Naturzustand dem Grundtenor des 17.Jh. entsprechend ganz in eine negative Anthropologie gefasst. In der Darst. der Falschspieler und der Wahrsagerin wird die soziale Anpassung zum Täuschungsmanöver, durch das die niedrigen Instinkte vermeintlich beherrscht, eigentlich aber bloß verdeckt zum Ziel kommen. Im Gem. der Wahrsagerin, das diesen Bildwitz mehr als deutlich vor Augen stellt, zeugen die fixierenden Blicke der Protagonisten davon, dass die Außenwelt nie vollends beherrschbar und überschaubar sein kann. Eine positive Überwindung des Naturzustands beschreiben im Gegensatz dazu die relig. Gem., die ges. Distanz, Affektkontrolle, Innerlichkeit und Introspektion propagieren. Nicht zufällig geht die Innenschau mit einer Abwertung des äußeren Sehsinns einher: so haben die betreffenden Figuren zumeist ihre Augen geschlossen, sind blind, geblendet, schlafen oder sind mystisch verzückt. Bei aller Kritik an den Grenzen des Sichtbaren sind L.s Gem. aber nicht umsonst für ihre Lichtdarstellungen bekannt. Die Darst. von Feuer in seinen unterschiedlichen Formationen, Farbspielen und Beleuchtungseffekten geht weit über die übliche barocke Lichtmetaphorik hinaus und ist in der Gesch. der europ. Malerei einzigartig geblieben. Die Bezeichnung 'Nachtstück' für die betreffenden Gem. ist dabei ungenau (wenngleich schon im 17.Jh. üblich). Es handelt sich bei den sog. 'Tag-' wie 'Nachtstücken' um fensterlose Innenräume bzw. Bildräume, die durch eine flache Wand begrenzt werden; eine Bilderfindung Michelangelo Merisi Caravaggios. L. hat darüber hinaus weitere Charakteristika der Malerei Caravaggios forcierter als jeder andere Maler der Caravaggio-Nachf. übernommen. Beispielsweise verstärkt er die Geometrisierung der Bildflächen, eine lange kaum beachtete Eigenheit der Gem. Caravaggios. Darüber hinaus ist L. der einzige Maler in der Trad. Caravaggios, der dessen Bezugnahme auf das Atelier übernimmt. So wiederholen sich die dargestellten Personen und Requisiten auf fast allen seinen Bildern mit einer Konsequenz, die sonst nur aus der Stilllebenmalerei bekannt ist. - Wie L. innerhalb der Caravaggio-Nachf. zu verorten ist, ist nach wie vor ungeklärt. Aufgrund formaler Ähnlichkeiten der Prügelei unter Bettelmusikanten mit einem "Violinspieler" von H. ter Brugghen (1627, Kopie in Privat-Slg) wird eine Bekanntschaft beider Maler seit spätestens 1627 vermutet. Das Werk beider weist weitere thematische Ähnlichkeiten auf, etwa die Überlagerung von Magdalenen- und Melancholie-Darst. in der Magdalena Terff bzw. Magdalena mit der rauchenden Flamme und ter Brugghens "Melancholia oder Maria Magdalena" (1630, Toronto, AG of Ontario). Auch wenn der tatsächliche Kontakt L.s zu anderen Künstlern bisher nur vermutet werden kann, gilt das Bild des genialen Einzelgängers endgültig als überholt; seit dem Ausst.-Kat. "Georges de La Tour and his World" (1996) bildet die Bezugnahme auf lothringische Künstler wie Jacques Bellange und Jacques Callot und die Utrechter Caravaggisten ein Gegengewicht zu der bisher vergeblichen Suche nach Spuren L.s in Rom. L.s Gem. halten sich zumeist an gängige ikonogr. Themen ihrer Zeit, formulieren diese aber auf eigenständige Weise neu. Die Darst. von Bettlern und Straßenmusikanten ist zwar in Lothringen nicht ungewöhnlich, bei L. wird sie aber in ungewöhnlicher Größenordnung und Detailgenauigkeit in die Malerei überführt. Die physiognomische Ähnlichkeit der Drehleierspieler lässt darauf schließen, dass es sich bei ihnen um ein Modell handelt. Beim Drehleierspieler mit Schulterband mit seiner liquiden Behandlung von Licht und Schatten ist die Nähe zu frühen Arbeiten von D. Velázquez am offensichtlichsten. Der bühnenhafte, flache Bildraum ist ein bleibendes Charakteristikum in L.s Werk. In den Darst. des büßenden Hieronymus erzeugt er eine gesteigerte Theatralik. Der prominente Kardinalshut in der Stockholmer Version lässt darauf schließen, dass es sich um das Gem. für Richelieu handelt. In der Darst. des büßenden Hieronymus, in den Magdalenen-Darst. und der Verzückung des hl. Franziskus wird der Bildraum bloß durch rektanguläre Steinblöcke definiert, die im Unklaren belassen, ob es sich um einen Innen- oder Außenraum handelt. Diese formale Schematisierung der Darst. steht in deutlichem Widerspruch zu ihrer dok. Wirklichkeitsbeobachtung und wird in den 'Nachtstücken' tendenziell verstärkt. Bei der Magdalena Terff und der Magdalena mit der rauchenden Flamme sind dabei großflächige Partien des Bildes schwarz übermalt, sodass die Objekte in ihnen nur mit Mühe erkennbar sind. Diese Auslöschung des Sichtbaren ergänzt sich mit der meditativen Thematik der Bilder, die durch den geblendeten Blick der Magdalena auf eine Innenschau verweisen. In der Auffindung des hl. Sebastian erreicht die formale Reduktion ein Höchstmaß, die Geometrie der Figurenanordnung, die Glätte der Oberflächen und die Puppenhaftigkeit der Gesichter lässt jeden Wirklichkeitsbezug verschwinden. Auch die Fackel mit ihrer arabesken Flamme wirkt hochartifiziell. Das Sujet der Darst. ist singulär, gemeinhin wird entweder das Martyrium des Sebastian oder aber die Versorgung seiner Wunden zum Bildthema gemacht. Die Sebastians-Darst. ähnelt dabei jener des Hl. Alexius, in dem der reglose Körper eines Hl. aufgefunden und untersucht wird. Auch hierbei handelt es sich um ein seltenes Bildsujet, das von Pietro Berrettini (Pietro da Cortona) und Claude Mellan ebenfalls aufgegriffen wurde. Der Engel erscheint dem hl. Joseph ist im Motiv umstritten, möglicherweise handelt es sich auch um den Engel, der Petrus aus dem Gefängnis befreit. Die Wahrsagerin ist wahrscheinlich etwas später zu datieren als die Falschspieler. Die Geometrisierung und Flächigkeit ist hier noch strenger als in den anderen 'Tagstücken'. Die Linearität der Konturen hat die Vermutung aufkommen lassen, dass L. zuerst als Kupferstecher ausgebildet wurde. Am linken Bildrand ist das Gem. vermutlich beschnitten worden. Die prominent ins Bild gesetzte Sign. am rechten oberen Bildrand steigert die Artifizialität der Darst. zusätzlich, sie verweist viell. auf einen prestigeträchtigen Auftraggeber. Die Darst. von Spielszenen setzen sich auch in den 'Nachtstücken' fort, bei den Würfel und Karten spielenden Soldaten steht aber nicht der soziale Betrug, sondern das Leben als Glücksspiel im Vordergrund. Die Zusammenführung der Verleugnung Petri mit Würfel spielenden Soldaten ist dabei bemerkenswert. Der Vergleich des Glaubenszweifels mit der Unwägbarkeit eines Würfelspiels lässt an die pascalsche Wette denken. Fast alle Bilderfindungen L.s existieren in mehreren, oft beinahe deckungsgleichen Versionen. Während die Forschung lange Zeit auf der Idee des einen Originals mit mehreren Kopien verharrte, muss mittlerweile davon ausgegangen werden, dass es sich bei der Wiederholung von Bilderfindungen um eine gängige Praxis L.s handelt. Die zahlr. Kopien des Hl. Sebastian, der von Irene gepflegt wird könnten dabei ein möglicher Hinweis darauf sein, dass es sich nicht bei der Version im Louvre, sondern hierbei um jene Bilderfindung handelt, die Ludwig XIII. besaß.
Solo exhibitions:
Paris: 1972 Orangerie des Tuileries (K); 1997-98 Grand Pal. (K); 2025 Mus. Jacquemart-André / 1996-97 Washington (D.C.), NG of Art (dann Fort Worth, Kimbell AM; K) / 1998 Orléans, MBA (K) / 2004 Albi, Mus. Toulouse-Lautrec. -
Group exhibitions:
Paris: 1934 Mus. de l'Orangerie: Les Peintres de la réalité en France au XVIIe siècle (Wander-Ausst. K); 1982 Grand Pal.: La Peinture franç. du XVIIe siècle dans les coll. amér. (dann New York, Metropolitan Mus., Chicago, Art Inst.; K) / 1992 Nancy, MBA: L'Art en Lorraine au temps de Jacques Callot (K).
Thieme-Becker, Vollmer, and AKL:
ThB22, 1928
Other encyclopedias:
Bauer, GEM V, 1977; DA XVIII, 1996; P.Brasme, La Moselle et ses artistes, Metz 2002
Printed sources:
D.Calmet, Bibl. lorraine ou hist. des hommes illustres qui ont fleuri en Lorraine, Nancy 1751; H.Voss, Arch. für Kunstgesch., 2:1915, 121-123; P.Jamot, G.L., P. 1942; F.-G. Pariset, G.L., 1593-1652, P. 1949; P.Choné, G.L.: un peintre lorrain au XVIIe siècle, Tournai 1966; K.Spinner, ZKg, 34:1971(3)169-183; A.Blunt, BurlMag 114:1972(883)516-525; J.Thuillier, Tout l'œuvre peint de G.L., P. 1973; B.Nicolson/Ch.Wright, G.L., Lo. 1974; Z.A. Blunt, BurlMag 114:1972(883)516-525; V.Stoichita, G.L., Bu. 1980; C. del Bravo, Artibus et Historiae 7:1985, 9-22; A.Reinbold, G.L. ou la nuit traversée, Metz 1994; D.Arasse, Le Détail. Pour une hist. rapprochée de la peinture, P. 1996; Ph.Conisbee, G.L. and his world, Wa. 1996; J.-P. Cuzin/D.Salmon, G.L. Hist. d'une redécouverte, P. 1997; Ph.Conisbee, BurlMag 140:1998(1140)201-205; D.Judovitz, Spiritual passion and the betrayal of paint. in G.L., in: P.Gouk/H.Hills (Ed.), Representing emotions: new connections in the hist. of art, music and medicine, Ashgate 2005; M.Serres, Über Malerei. Vermeer, L., Turner, Dresden 2010
La Tour, Georges Du Mesnil (Dumesnil) de (i. d. ält. Lit. fälschlich Ménil La Tour u. Claude), lothr. Maler, * gegen 1600 vermutlich in Lunéville, †30. 1. 1652 ebda. Heirat vor 1621. Bildaufträge von Karl IV. v. Lothringen, Ludwig XIII. von Frankreich u. lothr. Würdenträgern; darunter: Hl. Alexis, 1648 für den Gouverneur von Nancy gemalt, Hl. Sebastian von 1649, Geburt Christi von 1644. Als Kennzeichen seiner Gemälde wird durchweg die Nachtbeleuchtung hervorgehoben ("Dans une nuit", "Dans un clair-obscur"); L. galt als Spezialist dieser durch Caravaggio in Italien und durch Honthorst in Holland beliebt gewordenen Gattung. über L.s künstler. Erziehung ist nichts überliefert; aus stilistischen Gründen scheint es plausibel, daß er den Le Nain nahegestanden hat, aber gewisse Beeinflussung auch durch seinen Landsmann Callot ist nicht unwahrscheinlich (vergl. Callots Nachtbeleuchtungsversuche, M. 65 u. 666, die unter ital. Einfluß stehen). - Die erhaltenen Werke L.s zeichnen sich aus durch eine - in der Caravaggio-Nachfolge nicht ungewöhnliche - reliefartige Strenge des kompositionellen Schemas, die durch ein herbes, eigenwilliges Kolorit (charakteristisch ein starkes Zinnober u. Lila) u. eine harte, bis zur starren Gradlinigkeit gesteigerte Linienführung noch unterstützt wird. Provinziell u. gerade für Frankreich im 17. Jahrh. merkwürdig berührt die Verbindung einer "niedrigen", d. h. naturalistisch-weltlichen Auffassung der religiösen Vorwürfe mit der starren Haltung des Stiles. Bisher können L. folg. 6 Bilder zugeschrieben werden: Épinal, Mus.: Nachtstück mit kerzehaltender Magd und sitzendem Mann. - Nantes, Mus.: Der Engel erscheint dem hl. Joseph, bez.: G. de La Tour; Petrus u. die Magd, desgl. u. dat. 1650 (beide reprod. von H. Voss in Arch. f. Kstgesch. unter erstmaliger Identifizierung ihres Urhebers mit L.). - New York, Coll. Stillwell : Beweinung des hl. Sebastian durch 3 hl. Frauen (Verst.-Kat. 1927 Nr 26: "Durch, c. 1640-50"; 1906 in Brüssel erworben, vielleicht mit einer der urkundlich erwähnten Sebastians-Darstell. identisch). - Paris, Louvre: Anbetung des Kindes durch die Hirten (1926 aus Berliner Kunsthandel erworben, vordem "Honthorst" gen., durch den Unterz. neubestimmt). - Rennes, Mus.: Geburt Christi (früher "Schalcken" u. "Le Nain" gen.; als L. erstmalig von Voss im Archiv f. Kstwiss. bestimmt, mit Hinweis auf einen verwandten Stich a. d. Callot-Kreis). - Fälschlich L. zugewiesen: Verleugnung Petri im Louvre, früher: "Le Nain" (Autorschaft fraglich). L. nahestehend : Leningrad, Ermitage (Nr752) : Spinnerin ("Honthorst"). Lit.: A. Joly, Dumenil-La-Tour, peintre, Nancy 1863. - Réun. des Soc. d. B.-Arts, XXIII (1899) 493 f. - Archiv f. Kstgesch., II (1914/15), Heft 314, Taf. 1211123 (Text v. H. Voss; mitweiterer Lit.). - Ch ron. d. Arts, 1922 p. 60 f. (L. Demonts). - La Renaiss. de l'Art franç., VII (1924) 507. - Der Kunstwanderer, VI II (1926)404(Abb.).