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Sangallo, Antonio da (1484)

Born
Florenz, 12 April 1484
Died
Terni, 3 August 1546
Country
Italy
Gender
male
GND-ID
Name Variations
Sangallo, Antonio da; Sangallo, Antonio da (der Jüngere); Cordiani, Antonio da; Cordini, Antonio; Antonio da Sagallo; Condiani, Antonio (Mistaken name); Corolani, Antonio (Mistaken name); Coriolani, Antonio (Mistaken name); Sangallo, Antonio da (il Giovane)
Occupations
Architect; Master Draughtsman; Cabinetmaker
Places of Activity
Rom, Piacenza, Florenz, Perugia
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By
Last edited
25.04.2018
Published in
AKL CI, 2018, 85

VITA

Sangallo, Antonio da (eigtl. Cordini, Antonio), d. J., ital. Architekt, Zeichner, Tischler, *12.4.1484 Florenz, †3.8.1546 Terni. Entstammt einer großen und bek. florentinischen Künstlerfamilie (s.v. Antonio d.Ä.); mütterlicherseits Neffe des Architekten Antonio d.Ä. sowie des Giuliano da S., Bruder des Battista.

LIFE AND WORK

S. ist an den bedeutendsten Bauprojekten der Renaiss. in leitender Funktion beteiligt, vom Pal. Farnese in Rom bis zum Petersdom. Im Laufe seiner langen, fruchtbaren Karriere bildet er eine in seiner Zeit einzigartige Erfahrung in der archit. Bau- und Unternehmenspraxis heraus und beeindruckt auch als präziser und gründlicher Kenner der Antike. Bereits bei seiner frühesten eigenständigen Erarbeitung sakraler, ziviler und militärischer Archit.-Entwürfe, die sich als ungemein erfolgreich erweisen, zeigt sich sein außerordentliches planerisches Talent. S. ist einer der ersten und einflussreichsten Repräsentanten der Epoche der "Berufsarchitekten", die sowohl die künstlerischen als auch die techn.-wirtschaftlichen Aspekte ihres Faches beherrschen und eine neue, auf den allg. anerkannten Prinzipien und Normen nach den Vorgaben Vitruvs beruhende Formensprache auf der Basis der Antike begründen. - S. erlernt von seinem Vater Bartolomeo, einem Böttcher, das Schreiner- und Zimmererhandwerk. Wie seine Onkel ist er zunächst als Tischler tätig und wendet sich erst später dem archit. Planen zu. Seine handwerkliche Ausb. ermöglicht ihm eine große Bandbreite an Erfahrungen in der Schmiedekunst. Die Routine im Bau von Decken, Dachträgern und Holzgerüsten führt ihn allmählich an das Verständnis des Bauorganismus, v.a. aber der techn. Aspekte des Bauens heran. 1503 verlässt er Florenz und ist durch Unterstützung seiner Onkel an and. Bauprojekten beteiligt, wo er seine Kenntnisse der archit. Praxis erweitert und sich als einfallsreicher Techniker und Konstrukteur bewährt. 1505/06 nimmt seine Laufbahn mit der Mitarb. als Capomastro auf der Baustelle des Petersdoms unter der Ltg von Donato Bramante eine erste entscheidende Wendung. Diese lehrreiche Zusammenarbeit mit Bramante umfasst wahrsch. auch das Interesse an der klassischen Formensprache: So widmet sich S. nach seiner Ankunft in Rom, unterstützt durch seinen außerordentlich belesenen Onkel Giuliano da S., dem Stud. antiker Gebäude und des Architekturtraktats von Vitruv. In den letzten Jahren des Pontifikats Julius II. erhält er erste eig. Aufträge und nimmt die Zusammenarbeit mit Alessandro Farnese auf, dem späteren Papst Paul III., einem der reichsten und einflussreichsten Kardinäle der Kurie, der ihn mit dem Entwurf seiner röm. Residenz nahe des Campo de' Fiori und mehreren weiteren Aufgaben in den familieneigenen Gütern in und um Viterbo betraut. In Viterbo führt S. als Tischler und Unternehmer gleichzeitig auch die mon. Holzdecke der Wallfahrtskirche S. Maria della Quercia aus (1518). Unter den Aufträgen Farneses ist die kleine Dorfkirche S.Egidio in Cellere (um 1513/14) hervorzuheben, bei der S. zu Beginn seiner Tätigkeit als unabhängiger Architekt überraschendes kompositorisches Geschick zeigt. Ausgehend von Vorbildern, die zuvor bereits sein Onkel Giuliano in S. Maria delle Carceri in Prato und Bramante im Petersdom sowie in der kleinen Kirche SS. Celso e Giuliano erprobt haben, erarbeitet er eine originelle Bauvariante auf Grundlage des griech. Kreuzes: Der Grundriss ist in ein Quadrat eingeschrieben, in dessen Kanten vier sich zum zentralen Raum hin öffnende Kap. mit deutlich abgeschrägten Innenecken entstehen, wodurch sich der Raum in ein unregelmäßiges Oktogon verwandelt; an der Außenseite sind drei Arme des Kreuzes als Tempelgiebel gestaltet, deren Eingangsportale von großen Bögen gerahmt werden, während sich der vierte Arm zu einer halbrunden Apsis erweitert. S. vollzieht diesen Aufbau in der Kirche S. Maria di Loreto am Trajansforum wenige Jahre später einer innovativen Neubearbeitung, die er um A. der 1520er Jahre beginnt und bis zur Anlage des oberen Abschlusses fortsetzt (die Kuppel wird 1573-76 von Giacomo del Duca realisiert). Mit dem Pal. Farnese in Rom, dessen erste Planungsphasen in die Jahre 1513-15 zurückreichen und der ihn bis zu seinem Tod beschäftigen wird, schafft S. eines seiner Hauptwerke. Die erste Version des Projektes ist kaum dok. und hinterlässt nur wenige Spuren am realisierten Gebäude, da die Anlage 1534 nach der Wahl des Auftraggebers zum Papst überarbeitet wird. Der Pal., ein kompakter rechteckiger Block mit den beeindruckenden Ausmaßen von 260 x 330 x 130 röm. Palmi (etwa 58 x 74 x 29 Metern), ist eine mon. Neubearbeitung der florentinischen Pal. des späten Quattrocento, in die Elemente der neuen Archit. Bramantes und Raffaels eingeführt werden, und einer der ersten Roms, die das Idealmodell der "casa all'antica" auf den Entwurf mod. Gebäude übertragen. Der Grundriss nimmt die räumliche und visuelle Organisation von Bramantes Pal. Castellesi auf und entwickelt sie inspiriert von Vitruvs Beschr. der domus antica (De Architectura, Libro VI) weiter: S. ordnet die Abfolge Eingangshalle/Hof mit Zugang zu Treppe/Garten entlang der Hauptachse an und kreuzt sie mit einer zweiten, quer verlaufenden Achse zu der sich die beiden Seiteneingänge öffnen. Eine brisante Neuerung ist der Kontrast zw. der Gestaltung der Außenfassaden, einfach und klar in der strengen Horizontalität der Wände in Sichtbackstein und frei von archit. Ordnungen, und der lebhaften plastischen Gliederung der Innenräume: dem Eingangshallen-Atrium auf basilikalem Grundriss mit drei von dorischen Säulen gegliederten Schiffen, abgeleitet von den Rekonstr. des vitruvianischen Hauses, und dem Hof mit drei Loggia-Ordnungen mit char., von Halbsäulenordnungen in der Abfolge dorisch-ionisch-korinthisch gerahmten Bögen, die ihrerseits direkt auf das Marcellustheater und das Kolosseum verweisen. In diesen Jahren erhält S. den Auftrag zum Bau des röm. Wohnsitzes des Konsistoriumsjuristen Melchiorre Baldassini (um 1514-18): Hier kann er das gleiche Modell in zwei Varianten, einer mon. und einer kleineren, erproben. Im Pal. Baldassini, dessen Grundstück von seitlichen Gebäuden eingeschlossen und das im Vergleich zum Pal. Farnese recht klein ist, sind die Räume zusammengezogen und anders proportioniert, doch der kompositorische Grundgedanke ist ähnlich und die Bauelemente verbinden die versch. Tle des Gebäudes von außen nach innen miteinander zu einer einheitlichen, kohärenten Architektur. Dieses in S.s Projekten fortan unveränderte typologische Modell wird in versch. räumlichen Anordnungen und Proportionen entsprechend den Mitteln und Bedürfnissen des jeweiligen Auftraggebers variiert: von den ersten Gebäuden der 1510er und '20er Jahre (Rom, Pal. Inghirami bzw. Pal. Ricci; Gradoli, Pal. Farnese; Amelia, Pal. Farrattini) bis zu den großen Residenzen der 1530er und '40er Jahre (Orvieto, Pal. Pucci; Rom, Pal. für Luca Massimo und für Eurialo Silvestri; Pal. Sacchetti, ehem. S., ehem. Ricci; Tolentino, Pal. für Ascanio Parisani) über die kleineren, aber den größeren entsprechend gestalteten "Palazzetti" (Rom, Palazzetto Cosciari, Haus für Pietro Fieschi, Bischof von Cervia; Pal. Medici-Clarelli ehem. Casa S.). Nach Bramantes Tod im Apr. 1514 wird Raffael durch den neu gewählten Medici-Papst Leo X. zum ersten Architekten des Petersdoms ernannt, Giuliano da S. und Fra Giovanni Giocondo werden ihm zur Seite gestellt; nach Giulianos Tod im Herbst 1516 geht das Amt des zweiten Architekten schließlich auf S. über. Damit beginnt die offizielle Zusammenarbeit von Raffael und S., durch die Ersterer fundamentale Unterstützung bei der Klärung konstruktiver Aspekte und beim Stud. des vitruvianischen Traktats erhält, Letzterer eine komplexere und dynamischere Formensprache erlangt. Die wichtigsten gemeinsamen Projekte in Rom entstehen für Leo X. und die Medici: Der Bau des Petersdoms (ab 1514), der Bau der Villa Madama auf dem Monte Mario (ab 1518) und die Anlage der Via Leonina mit der Neuordnung der Piazza del Popolo an einem und der Piazza della Dogana am and. E. (ab 1517), wo ein großartiger, von Giuliano da S. und später von S. entworfener Medici-Pal. entstehen soll, der jedoch nicht verwirklicht wird. Beim Bau der Kirche S. Giovanni dei Fiorentini nehmen sowohl Raffael als auch Giuliano wie S. jeweils eigenständig an einem Planungsgeschehen teil, was eindrücklich die Positionen der röm. Sakralarchitektur im 16. Jh. zusammenfasst. Im Anschluss an den Baubeginn nach Jacopo Sansovinos Plänen für einen Zentralbau, der sich 1518 überraschend gegen die Entwürfe der wichtigsten in jenen Jahren in Rom tätigen Architekten durchsetzt, stocken die Arbeiten zw. E. 1520 und A. 1521 wegen techn. Schwierigkeiten. Die Auftraggeber wenden sich, wie um dieselbe Zeit auch wegen der Kirche S. Marcello al Corso, an S. als erfahrenen Baumeister. Dieser beginnt einen eig. Plan auszuarbeiten, der die möglichen Varianten des Bauorganismus sowohl als Zentral- als auch als Longitudinalbau auslotet und diese oftmals auf einem Bl. einander gegenüberstellt. Die endgültige Entscheidung fällt auf eine traditionellere, longitudinale dreischiffige Anlage mit Seitenkapellen, einem Chor ohne Chorumgang und einer überkuppelten Vierung. Die Fassade weist dagegen eine innovative Lösung auf, die vom variierenden Rhythmus der Achsabstände und der allmählichen Abnahme der Höhen vom Zentrum zu den Seiten gekennzeichnet ist und damit eine dynamische Bewegung schafft, welche die Gliederung des Innenraums reflektiert. Dieser Fall ist exemplarisch für S.s Arbeitsmethode, wie sie auch anhand der zahlr. erh. Zchngn in den Uffizien (GDS, Archit. drawings 1994 und 2000) nachvollziehbar wird. Er scheint von zwei scheinbar gegensätzlichen Impulsen geleitet zu sein: einerseits definierte und wiederholbare "Typen" zu finden, andererseits versch. Vorschläge und neuartige Lösungsmöglichkeiten zu finden. Beide Modi münden in ein Entwurfsziel, das S. in sämtlichen realisierten wie unrealisierten Entwürfen fast wie besessen verfolgt: der Suche nach einem gleichzeitig definierten und flexiblen Modell mit einer gleichbleibenden Struktur, die den Besonderheiten des Umfeldes, den funktionellen Erfordernissen und den Ansprüchen des Auftraggebers angepasst werden kann. Nach Raffaels Tod wird S. im Dez. 1520 erster Architekt der Bauhütte des Petersdoms, unterstützt von Baldassarre Peruzzi. S. erarbeitet ausgehend von Bramantes Zentralbauentwurf einen longitudinalen Baukörper a quincunx mit Chorumgängen, dessen verkürztes Langhaus von einem massiven Fassadenkörper abgeschlossen wird: ein ehrgeiziges, mon. und an originellen, kompositorisch ausgereiften Lösungen reiches Projekt. Beim Tod von Leo X. im Nov. 1521 werden während des kurzen Pontifikats Hadrian VI. die von S. beg. Bauarbeiten jäh angehalten, bis im Nov. 1523 Kardinal Giulio de' Medici unter dem Namen Clemens VII. den Papstthron besteigt. Während der beiden mediceischen Pontifikate steigt S. unter die Protagonisten der Kunstwelt auf: Er realisiert zahlr. Pläne und Bauten, die sowohl kirchliche, zivile und militärische Gebäude als auch stadtplanerische Maßnahmen umfassen. In Rom sind v. a. zwei große archit. und städtebauliche Projekte hervorzuheben, in denen er sowohl als Koordinator als auch als Planer agiert. Beide interpretieren meisterhaft die dynastische Selbstdarstellung der wie er selbst aus Florenz stammenden Medici-Päpste: die Neuordnung des nördlichen Campo Marzio mit der Fertigstellung der Via Leonina und der Anlage einer dritten Straße von der Piazza del Popolo aus Richtung Esquilin, die zus. mit der Via Lata den sog. "Tridente" bilden sollen; die Neuorganisierung des Bereiches nächst der Engelsbrücke mit der Anlage des "piccolo tridente" aus Straßen, die von der Brücke aus in Richtung der Stadt ausstrahlen, und der Bau der Fassade der Zecca Pontificia (auch: Pal. della Zecca in Banchi; Pal. del Banco di S. Spirito) an der Gabelung der Via Papalis und Via Florida. Letzteres ist eines der innovativsten und komplexesten Werke S.s: Über einem massiven rustizierten Sockel erhebt sich die zweigeschossige Fassade, die Triumphbogenmotiv und Serliana miteinander kombiniert. In dieser archit. Erfindung gelingt es ihm auf originelle Weise antike Referenzen mit mod. Erfindungen in formaler Harmonie miteinander zu komponieren. Gleichzeitig gelingt ihm die dynamische Gestaltung eines strategischen Verkehrsknotenpunktes durch eine Fokussierung der urbanen Sichtachsen auf das neuartige konkave Fassadenprofil. Während Clemens' Regentschaft, die vom traumatischen Ereignis des Sacco di Roma seitens der kaiserlichen Truppen 1527 geprägt ist, erlangt S. aufgrund seiner nunmehr unangefochtenen planerischen und techn. Autorität den Hauptteil der Großaufträge in den päpstlichen Territorien und weitet seine Tätigkeit von der profanen und sakralen Archit. auf urbane Projekte, Befestigungsanlagen, mechanisches und hydraulisches Ingenieurwesen, Beratungen und die Lieferung von Baumaterial aus: Hervorzuheben sind u.a. seine Werke in Orvieto (Pozzo di S. Patrizio; Pal. Pucci; Voll. der Domfassade), Montecassino (Kap. für Piero de' Medici), den Marken (Modernisierung der Befestigungsanlagen von Ancona und Ascoli Piceno, zus. mit Pier Francesco Florenzuoli; Ancona, Villa Ferretti; Voll. der Arbeiten an der S. Casa di Loreto) und Florenz (Fortezza Alessandra gen. "da Basso"). Mit der Wahl von Paul III. 1534 wird S. vom Papst zum Architetto delle Fabbriche Pontificie ernannt und damit zum Protagonisten der Archit. Roms und des Kirchenstaates. Die effiziente Organisation seiner Wkst., in der die Brüder, Cousins und zuverlässige Mitarb. wie Antonio da Labacco, Giovanni Mangone, Nanni di Baccio Bigio und Bartolomeo de' Rocchi arbeiten, ermöglicht ihm die gleichzeitige Ltg von Baustellen an weit auseinanderliegenden Orten. Neben der Betreuung großer Einzelbauvorhaben wie des Pal. Farnese und des Petersdoms betraut ihn der Papst mit zwei aufwendigen Aufträgen, die Archit., Städtebau und Befestigung umfassen: die Modernisierung der röm. Verteidigungsanlagen, deren Verwundbarkeit sich während des Sacco offenbart hatte, und die Neugestaltung der Hauptzentren des Herzogtums Castro, Nepi und Ronciglione, mit dem der Papst seinen Sohn Pier Luigi Farnese ausgestattet hatte. 1537 beginnt S., an der Renovierung der antiken Aurelianischen Stadtmauer zu arbeiten, von welcher er weite Teile zu erhalten und nur wenige strategische Punkte zu verändern beabsichtigt. Von diesem gewaltigen Werk, das der Papst nach kurzer Zeit unterbricht, um sich realistischerweise ganz auf die Befestigungen des Vatikans zu konzentrieren, sind wenige, aber bed. Fragm. am südlichen Teil der Mauer erhalten: der Bastione della Colonnella und der Bastione Ardeatino, die als exzellente Beispiele der Entwicklung mod. Befestigungsanlagen gelten. Auch die Ertüchtigung der vatikanischen Stadtmauer bleibt unvoll., enthält aber einige Hw. S.s wie die unvollendete, als Triumphbogen mit konkavem Profil ähnlich der Fassade der Zecca Pontificia gestaltete Porta Santo Spirito, die wegen ihrer Magnifizenz für Vasari sogar der antiken Archit. ebenbürtig sei (Vasari, 1568, Bd 3.1, 320). Auch von S.s Arbeit im Herzogtum Castro sind nur wenige gebaute Zeugnisse erhalten: die Neugestaltung des Hauptortes, wo er die Stadtmauer modernisiert und den prachtvollen zentralen Platz, an dem der Herzogspalast, die Osteria und die Zecca liegen, nach dem Vorbild eines antiken Forums umgestaltet, wird 1649 bei der Zerst. Castros auf Befehl Innozenz X. brutal vernichtet. Auch von den Projekten für Nepi sind nur wenige Reste erhalten (Befestigungsanlagen; Piazza del Comune; S. Tolomeo, später von Jacopo Barozzi da Vignola voll.). S.s hohes Ansehen in der Militärarchitektur, das er in den 1520er Jahren mit den Arbeiten an der Burg von Montefiascone und den Entwürfen für Parma und Piacenza erworben hat, wird A. der 1530er Jahre durch die Neuerungen, die er in den Befestigungen von Ancona und Florenz einführt, gefestigt und erfährt in der 2. H. des Jahrzehnts mit den Modernisierungsmaßnahmen der Verteidigungsanlagen von Rom, Castro und Nepi und danach mit dem Bau der Rocca Paolina in Perugia seine endgültige Bestätigung. Während er in den päpstlichen Territorien mit diesen Aufgaben befasst ist, setzt er in Rom den Bau des Pal. Farnese fort und widmet sich ab der 2. H. der 1530er Jahre einer R. von Aufgaben auf der rechten Tiberseite. Dazu gehört der Neubau von S. Spirito in Sassia, bei dem er mit dem einschiffigen Bau mit verlängertem Chorabschluss, absidischen Seitenkapellen sowie einer von Pilastern gegliederten Fassade mit zwei abgestuften Ordnungen, bekrönt von einem Tympanon ein bereits bei S. Maria in Monserrato (beg. 1518) und S. Marcello al Corso (beg. 1519) erprobtes Modell für den Sakralbau wiederaufnimmt, das nach dem Konzil von Trient weite Verbreitung finden wird. Auch in diese Zeit fallen die Maßnahmen am südöstlichen Abschnitt der Vatikanischen Pal., wo er die Sala Regia und die Capp. Paolina umgestaltet. Parallel hierzu nimmt er die Arbeit an der Baustelle des Petersdoms wieder auf, wo er nach Peruzzis Tod 1536 der einzige verantwortliche Architekt ist: 1537-38 entwickelt er eine R. von Plänen mit sowohl zentralem als auch longitudinalem Grundriss, ab 1539 beginnt er, eine Synthese aus beiden Typologien zu erarbeiten. Im abschließenden Entwurf ist der Block mit zentralem Grundriss nach Vorbildern Bramantes über einen Zwischenkörper mit großem gewölbtem Vestibül mit der majestätischen, von zwei beeindruckenden Glockentürmen flankierten Fassade vereint. Die äußeren Fronten sind durch umlaufende, den Baukörper vereinheitlichende Bänder aus übereinanderstellten Ordnungen gegliedert; die Kuppel ist an ihrer Basis mit übereinandergestellten Arkadenöffnungen versehen und wird von vier kleineren Kuppeln flankiert. Von nun an gilt S.s Aufmerksamkeit dem Bau eines bis in die kleinsten Details ausgestalteten, gewaltigen Holzmodells (7,36 × 6,02 × 4,68 Meter), das in siebenjähriger Arbeit von einer Handwerkergruppe unter der Ltg seines Mitarb. Antonio da Labaccos gefertigt wird. Das Modell kann als Hauptbeitrag von S.s gesamter Tätigkeit in der Dombauhütte, vom Gehilfen Bramantes bis hin zum leitenden Architekten, gelten, in dem seine kompositorischen und konstruktiven Fähigkeiten, seine Kenntnisse antiker Bauten und seine rationale, organische und mon., streng an den Vorgaben Vitruvs ausgerichtete Formensprache kulminieren. Als einer der maßgeblichsten Kenner Vitruvs realisiert er mithilfe seines Bruders Battista eine auf 1531 dat. Ausgabe von "De Architectura", von der nur die Einleitung erhalten ist. 1541-42 ist er Mitbegr. der Congregazione dei Virtuosi del Pantheon. In den 1540er Jahren ist S. unablässig im Kirchenstaat unterwegs, um neue Projekte zu realisieren und techn. Beratung zu leisten: in Pitigliano, auf dem Monte Amiata, wo er eine Villa "all'antica" für Kardinal Marcello Cervini, den späteren Papst Marcellus II. entwirft; erneut in Ancona, in Rieti und in Terni. In der umbrischen Stadt, wo er sich aufhält, um ein hydraulisches Problem im Zusammenhang mit der Cascata delle Marmore zu lösen, stirbt er an einem plötzlichen Fieber am 3.8.1546. - Der von seinen Zeitgen. als vielseitiger Architekt und unvergleichlicher Bautechniker gefeierte S. war eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der Renaissance. Gleichwohl führte sein außerordentliches techn. Fachwissen dazu, dass Vasari in S.s Vita dessen Fähigkeiten als Baumeister zwar hervorhebt, ihn jedoch wohlweislich nur für wenige Werke als Planer lobt und deutet damit das Fehlen jener Innovationskraft an, die Vasari im Ideal des Künstlerarchitekten wie etwa Raffael oder Michelangelo verwirklicht sieht. Die spätere Kritik hat sich, bei aller Verschiedenheit, in Vasaris Trad. größtenteils auf S. als techn. Experten konzentriert, der die Anwendung der Regeln beherrscht, jedoch keine originelle Formensprache besitzt. Erst unlängst hat man begonnen, dieses alte Vorurteil zugunsten aufmerksamer Analysen seiner Werke aufzugeben. Diese enthüllten neben einer beispiellosen Technikbeherrschung und gründlichen Kenntnis des Altertums S.s Fähigkeit außergewöhnliche kompositorische Erfindungen mit einer Sensibilität für die Beziehung zw. Archit. und urbanem Raum zu verbinden, um so klassische Vorbilder in schlüssigen archit. Lösungen in Einklang mit zeitgen. Idealen zu bringen.

WORKS

Ancona: Stadtbefestigung, Instandsetzungsarbeiten, 1532-37. Amelia (Terni): Pal. Farratini, um 1520-25. Castro (Viterbo): Umgestaltung der Stadtmauer und des Stadtzentrums (zerst.), 1537-43. Cellere (Viterbo): S.Egidio, um 1513-14. Florenz, Pläne für S. Marco, 1520. - Fortezza Alessandra gen. da Basso, 1534-37. Gradoli (Viterbo): Pal. Farnese, um 1515-24. Loreto (Ancona): Piazza (Voll.). - S. Casa, ab 1525. Montecassino (Frosinone), Abtei: Kap. für Piero de' Medici, 1531. Montefiascone (Viterbo): Burg (Voll.). - S. Maria di Montemoro, Planung von Kirche und Kloster, 1523-38. Nepi (Viterbo), Plan für die Umgestaltung der Stadtmauer und des Stadtzentrums sowie für die Kirche S. Tolomeo, 1539-45. Orvieto (Terni), Pozzo di S. Patrizio, 1527. - Pal. Pucci, 1528-34. - Duomo: Altare de' Magi (1527-28); Domfassade (Voll.). Perugia: Rocca Paolina, 1540-43. Rom: Pal. Inghirami später Ricci, 1512-24. - Pal. Farnese, 1513/15-46. - Pal. Baldassini, 1514-18. - Pal. Medici (Plan) und Neuordnung des Areals zw. der Dogana und Piazza Navona, 1514-15. - S. Giacomo degli Spagnoli: Kap. für Giacomo Serra, 1517-18. - S. Maria in Monserrato, 1517/18-22-1542. - Trajansforum: S. Maria di Loreto, ab 1518/22. - Haus für Pietro Fieschi, Bischof von Cervia, um 1515-37. - Palazzetto Cosciari, um 1520-25. - Ospedale di S. Giacomo degli Incurabili und Kap. S. Maria Portae Paradisi, 1518-24. - S. Giovanni dei Fiorentini, 1518-21 Plan, 1521-34 Bau. - Pal. della Zecca in Banchi, Fassade, um 1524-25. - S. Luigi dei Francesi, Plan, ab 1524/25. - Pal. di Luca Massimo, 1533-34. - S. Maria sopra Minerva: Gräber von Leo X. und Clemente VII. 1534-36. - S. Spirito in Sassia, um 1538-45. - Pal. di Eurialo Silvestri (später Rivaldi), 1542. - Pal. S. (später Ricci, dann Sacchetti), ab 1543. - Casa S. (später Pal. Medici-Clarelli), via Giulia, 1534-40. - Petersdom, 1508/9-16 Mitarb., 1516-20 zweiter Architekt, 1520-46 erster Architekt. - Pal. Vaticani: Sala Regia und Capp. Paolina, 1539-46. - Mura Aureliane und Vaticane, Plan zur Erneuerung, 1537-43. Tolentino (Macerata): Pal. für Ascanio Parisani, ab 1540. Viterbo, S. Maria della Quercia: Holzdecke, 1518.

SOURCES

Thieme-Becker, Vollmer, and AKL:

ThB29, 1935

 

Other encyclopedias:

EUA XII, 1964; ELU IV, 1966; Oudin, 1970; DBI XXIX, 1983; DEAU V, 22006

 

Printed sources:

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