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Sandrart, Joachim von (1606)

Born
Frankfurt (Main), 12 May 1606
Died
Nürnberg, 14 October 1688
Country
Germany, Netherlands
Gender
male
GND-ID
Name Variations
Sandrart, Joachim von (1606); Sandrart, Joachim von; Sandrart, Joachim von (der Ältere)
Occupations
Painter; Etcher; Master Draughtsman; Kunstschriftsteller; Sammler
Places of Activity
Venedig, Bologna, Rom, Neapel, Frankfurt (Main), Amsterdam, München, Nürnberg, Wien, Stockau (Ingolstadt), Augsburg, Prag, London, Utrecht, Florenz
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Last edited
25.08.2025
Published in
AKL CI, 2018, 71

VITA

Sandrart, Joachim von, dt. Maler, Zeichner, Grafiker, Kunstliterat, Sammler, *12.5.1606 Frankfurt/Main, †14.10.1688 Nürnberg (Grab Nr. C 3b auf dem Johannisfriedhof, Epitaph noch vorhanden)

LIFE AND WORK

Als eine der einflussreichsten Persönlichkeiten im dt. Reichsgebiet im 17. Jh. mit besten Beziehungen in die europ. Nachbarländer prägte S. das Kunstgeschehen seiner Zeit in hohem Maße nicht nur durch seine malerischen und graf. Werke, sondern v.a. durch die Publ. seiner Teutschen Academie der Edlen Bau-, Bild- und Mahlereykünste (3 Tle, Nü., 1675, 1679) und sein Wirken für die Etablierung einer akad. Kunstausbildung in Deutschland. - Geb. als Sohn calvinistischer Flüchtlinge aus dem Hennegau erfuhr er die ersten künstlerischen Anregungen in der Zchng durch Georg Keller (1568) und Sebastian Stosskopf; es folgte eine Stecherlehre 1620 bei Peter Isselburg in Nürnberg. Ergänzt wurden die Erfahrungen in den druckgrafischen Techniken durch den Kontakt zu Egidius Sadeler II. in Prag (1622), der ihm die Malerei nahelegte. Während seiner Tätigkeit in der Wkst. von Gerard van Honthorst (ab 1622) in Utrecht lernte er 1627 Peter Paul Rubens kennen. Mit ihm reiste er durch die Niederlande, mit dem Lehrer van Honthorst im Jahr darauf, 1628, nach London, wo er die reichen Antiken- und Kunstsammlungen von Charles I. und Thomas Howard Earl of Arundel studierte. Ein Höhepunkt der Lehr- und Wanderjahre als Künstler waren die Jahre in Italien, bei denen ihn sein Vetter und Mentor Michel Le Blon begleitete: 1629 reiste S. über Venedig, Bologna und Florenz nach Rom. Hier studierte er neben den antiken Skulpturen und Bauwerken die Meisterwerke in den Slgn der Stadt, Gem. von Tizian, Raffael, Michelangelo ebenso wie zeitgen. Werke. Er pflegte einen engen Austausch mit ital. Künstlern (Domenichino, Pietro da Cortona, Andrea Sacchi [1599], Pietro Testa) wie mit and. Malern und Bildhauern, die wie er aus dem Norden gekommen waren (Claude Lorrain, Nicolas Poussin, François Du Quesnoy, Pieter van Laer); zudem stand er in engem Kontakt mit der Schilderbent, der Vereinigung holl. und fläm. Künstler in Rom. Für seine späteren Publ. als Kunstliterat erwiesen sich nicht nur diese Kontakte, sondern v.a. die Tätigkeiten im Dienste von Vincenzo Giustiniani, einem der anerkanntesten priv. Kunstsammler Roms, als wegweisend: In Giustinianis Auftrag organisierte S. die Zusammenarbeit von Zeichnern und Stechern an der Gall. Giustiniana, einem umfangreichen Konvolut von Reprod. im Kpst. nach den Antiken der Sammlung. Der Geschmack der Giustiniani, in deren von S. als Kustos betreuten Slg die Werke Caravaggios und dessen Nachf. dominierten, spiegelt sich in den wenigen Ölgemälden, die aus der röm. Zeit überliefert sind (Tod Catos, Öl/Lw., 1631, Padua, MCiv. agli Eremitani; Der barmherzige Samariter, Öl/Lw., 1632, Mailand, Pin. di Brera; Tod des Seneca, Öl/Lw., 1635, ehem. Berlin, Kaiser-Friedrich-Mus., zerst.). Nur kurze Zeit blieb S. nach seiner Rückkehr aus Rom 1635 in Frankfurt. Die beiden 1636 dort entstandenen Werke sind Schlüsselwerke: Im ganzfigurigen Porträt des Ratsherrn und Gelehrten Johann Maximilian zum Jungen (Öl/Lw., Frankfurt/Main, Hist. Mus.), mit dem S. freundschaftlich im Geiste des Neostoizismus verbunden war (Widmung auf dem Kpst. nach dem sog. Ariost von Tizian, um 1640), wird S.s Einbindung in den europ. Humanismus erkenntlich; mit dem kleinformatigen Gem. der Mondscheinlandschaft mit Amor und Venus pudica (Öl/Holz, 1636, Seligenstadt, Priv.-Slg) erwies S. nicht nur seinem Frankfurter Malerkollegen Adam Elsheimer seine Reverenz, sondern verband diese zus. mit den Erfahrungen in der Kunstmetropole Rom zu einer Reflexion über die Bedeutung der Kunst. Zudem dienten Zchngn der Italienzeit (Ausbruch des Vesuvs 1631, um 1631-37, Verbleib unbek.; Wahre Bildtnuß des Felsens Scyllae, und des gefährlichen Ohrts Charybdis, vor 1640; La Solfatara, um 1631; beide Verbleib unbek.) als Vorlagen für Kpst. in den Publ. des Verlagshauses von Matthaeus Merian d.Ä., mit dem S. in enger Verbindung stand. Schon 1637 verließ der Maler das von den Unruhen des Dreißigjährigen Krieges geprägte Deutschland: In Amsterdam (bis 1645) bewegte er sich durch die Vermittlung des verwandten Kunstagenten Le Blon in Kreisen von Gelehrsamkeit und Kunst und trat selbst als Kunsthändler nach dem Vorbild seines Cousins in Erscheinung. Hier tritt er v.a. als Porträtmaler hervor (versch. Porträts für die Fam. Bicker, Amsterdam, Amsterdam Mus. und RM; Schützenkompagnie des Kapitän Cornelis Bicker, Öl/Lw., 1640, Amsterdam, RM; Darst. von Gerardus Joannes Vossius, Caspar Barlaeus, Pieter C. Hooft, Samuel Coster und Joost van den Vondel mit vorbereitenden Ölskizzen, alle Kpst., 1641-42, ibid.). Von Amsterdam aus entstanden Kontakte zum Hof in München und S. erhielt Aufträge für Porträts von Maximilian I. von Bayern und seiner Frau (Hauptexemplar verloren, zahlr. Wiederholungen, z.B. Wien, KHM) und eine Serie von Monatsdarstellungen, ergänzt durch die Darst. von Tag und Nacht, für das Alte Schloss in Schleißheim (Öl/Lw., 1642/43, in situ), in denen Genreszenen und allegorische Elemente Ideen der fläm. wie der holl. Malerei aufnehmen. Diese Werke begründen seinen großen Ruhm als "teutscher Apelles", den er v.a. nach seiner Rückkehr 1645 nach Deutschland (bis 1670 auf der geerbten Hofmark Stockau b. Ingolstadt, 1670-73 in Augsburg, 1674-88 in Nürnberg) weiter stärkt. Während der Feierlichkeiten zum E. des Dreißigjährigen Krieges 1649 in Nürnberg entstehen zahlr. Porträts der Teiln. des Exekutionstags (heute: Skokloster, Schloss; Náchod, Zámek; Nürnberg, GNM), ebenso wie ein großformatiges, vom schwed. Thronfolger Karl Gustav beauftragtes Gem. des Friedensmahls mit allen Teilnehmern (Öl/Lw., 1649-50, Nürnberg, SM Fembohaus). Nach Kontakten schon in den 1640er Jahren zum Erzherzog Leopold Wilhelm von Österreich, für den er neben dem großformatigen allegorischen Gem. Minerva und Saturn beschützen Wiss. und Kunst (Öl/Lw., 1644) auch die kleine, ganz auf den venez. Geschmack des Auftraggebers eingehende Mystische Vermählung der Hl. Katharina (Öl/Holz, 1647, beide Wien, KHM) schuf, entstanden zw. 1651-53 einige Porträts der Kaiserfamilie im Auftrag von Ferdinand III. sowie ein Mythologisches Gruppenbildnis der Domus Austriae mit den Familienmitgliedern in der Rolle der olympischen Götter (verschollen, Reprod.: Franciscus van der Stehen, Kpst.). Neben dem Titel eines Pfalz-Neuburgischen Rates (seit 1645) wurde S. 1653 in Regensburg der Reichsadel verliehen. In den letzten Lebensjahrzehnten prägten großformatige Altarbilder sein Œuvre. Nach Anfängen in den 1640er Jahren für die Jesuitenkirche St. Ignatius in Landshut (Pflege des Hl. Sebastian; Abschied der Apostel, Öl/Lw., 1644, in situ) und für den Würzburger Dom (zwei Altarbilder im Stil Rubens': Kreuzabnahme und Himmelfahrt Mariens, beide Öl/Lw., 1646/47, zerst.), über Gem. für versch. Kirchen in München, für den Dom in Bamberg (Enthauptung Joh.Bapt., Öl/Lw., 1651, Bamberg, Diözesan-Mus.), die Stadtpfarrkirche in Linz (Letztes Abendmahl, Öl/Lw., 1651/52, in situ) und die mon. Kreuzigung für den Stephansdom in Wien (Öl/Lw., 1653, heute: Wien, Pfarrk. Neulerchenfeld) kulminierte seine Tätigkeit als Altarbildmaler in der Ausstattung der Benediktinerstiftskirche in Lambach, für die er neben dem Hochaltarbild (Himmelfahrt Mariens) sechs Gem. für die seitlichen Altäre schuf (alle Öl/Lw., 1654-61, in situ). Mit den eklektizistischen Werken, in denen sich niederl. wie ital. Vorbilder erkennen lassen, errichtete S. nach eigener Aussage in seinem Lebenslauf in der Teutschen Academie eine "vollkommene Schule der ganzen Mahlerey-Kunst", deklarierte also seine Werke als perfekte Modelle für ein vortreffliches Kunstschaffen. Als calvinistischer Künstler demonstriert S. damit die Idee eines konfessionsübergreifenden Bildschaffens, bei dem der Maler sich von den theologischen Inhalten der Werke zwar teilw. betont distanziert, aber dennoch ganz den Vorgaben katholischer Altarbildmalerei zu entsprechen versteht. In den letzten Altarwerken verstärkt sich zum einen die Tendenz, in emotional bewegten Bildern herausragende Einzelfiguren großen, verehrenden Menschengruppen gegenüberzustellen (Verherrlichung der Hl. Walburga, Öl/Lw., 1663/64, Eichstätt, St. Walpurgis; Kajetans wunderbares Eingreifen bei der Pest, Öl/Lw., 1670, München, St. Kajetan), zum and. gibt es deutliche Aufnahmen aus Vorbildern von Tizian (Ausgießung des Hl. Geistes, wahrsch. Öl/Lw., 1666-69, Hauptaltarbild 1809 zerst., Waldhausen, ehemalige Augustinerchorherren-Stiftskirche; Himmlische Glorie, Öl/Lw., 1671, Wien, Schottenkirche). Als Vermächtnis anzusehen ist die Erziehung Jupiters (Öl/Lw., Entst. zw. 1671 und 1679, Nürnberg, GNM), eine allegorische Darst. der "Rettung der Künste" mit Merkur als Beschützer und Erfinder aller Künste, die S. der Stadt Nürnberg zu seinem Andenken testamentarisch überließ. S. starb 82-jährig und wurde auf dem Johannisfriedhof in Nürnberg beigesetzt. - Neben seiner Tätigkeit als Maler hatte sich S. seit M. der 1660er Jahre verstärkt der Tätigkeit des Kunstschriftstellers und akad. Lehrers gewidmet; er war maßgeblich an der Gründung der KA in Nürnberg (1662) und Augsburg (1670) beteiligt. Zw. 1675 und 1680 publizierte er im Selbstverlag in Nürnberg, finanziert durch den Erlös aus dem Verkauf der Hofmark Stockau die Teutsche Academie, die zu den wichtigsten Quellentexten der Frühen Neuzeit gehört. In der lat. Übersetzung von Christianus Rhodius wurde sie ab 1680 auch für eine internat. Leserschaft zugänglich gemacht. Die vielfältigen Themen der Bde reichen von allg. Abh. zur antiken Archit. und Skulptur, zur Theorie und zu den Vorbildern der Malerei, über die Viten antiker und mod. Künstler versch. Länder (darunter auch eine ausführliche Biogr. S.s) bis hin zu Ausf. über die Kunstsammlungen und Schatzkammern seiner Zeit. V.a. im ersten Teil (1675) orientiert sich S. an dem Modell, das Giorgio Vasari mit den "Vite" vorgelegt hatte, indem der Theorie über die drei Künste die Biogr. der bedeutendsten Künstler der Frühen Neuzeit folgen. Der zweite Bd (1679) erweitert die theoretischen Kapitel zu den Kunstgattungen durch umfangreiche antiquarische Ausführungen. Den Abschluss bilden zwei ikonogr.-mythografische Schriften: Die Übersetzung von Karel van Manders Paraphrase der "Metamorphosen" des Ovid (1679) und die reich mit neuen Ill. versehene Übersetzung von Vincenzo Cartaris "Imagini de i dei degli antichi" (Ve., 1556), in der "Iconologia Deorum oder Wahre Abbildung der Götter" (1680). Als Ergebnis einer langjährigen Beschäftigung mit Kunst und durch den intensiven Austausch mit Gelehrten, Künstlern, Auftraggebern und Sammlern erweist sich die Teutsche Academie als Kompilation von Quellentexten (u.a. Vasari, van Mander, Carlo Ridolfi, Cornelis de Bie, Johann Neudörffer d.Ä.; im Bereich der Archit. u.a. Sebastiano Serlio und Andrea Palladio; im Bereich der antiquarischen Wiss. u.a. Giovanni Angelo Canini und Caspar Bartholin), die kommentiert, durch eig. Erfahrungen oder neuere Erkenntnisse erw. und durch zahlr. Kpst. bereichert wurden. Redaktionell begleitet wurde die Publ. von Dichtern und Gelehrten der Nürnberger Sprachgesellschaft des Pegnesischen Blumenordens. V.a. S.s Berichte aus erster Hand über Künstler (u.a. Testa, da Cortona, Lorrain, Poussin, Rubens, Rembrandt), Kunstwerke und Slgn machen die Teutsche Academie zu einer bed. Quellenschrift für das Kunstschaffen des 17. Jahrhunderts. Die Herausgabe des ersten Teils führte 1676 zu S.s Aufnahme in die "Fruchtbringende Ges.", jene 1617 gegründete Sprachgesellschaft, die darauf zielte, die dt. Sprache zu fördern und zu verfeinern. Als erste enz. Kunstgesch. in dt. Sprache, als Kompilationstext zu den Grundlagen der künstlerischen Ausb., der eine Übersetzung von Fachliteratur aus dem Niederländischen, Französischen und Italienischen ins Deutsche einschloss, entsprach das Werk den Ideen der Fruchtbringenden Ges. ebenso wie den Vorstellungen des Pegnesischen Blumenordens in Nürnberg, in dem er ebenfalls Mitgl. war. S.s Überlegungen, seine Erfahrungen in den Kunstmetropolen Europas, v.a. in Italien und den Niederlanden, für das eig. Land fruchtbar zu machen und mit berühmten Künstlern des dt. Reichsgebiets (Albrecht Dürer, Matthias Grünewald, Elsheimer) zu einer nat. Identität zu verbinden, entsprach den Idealen beider Sozietäten: das europ. verbindende Vorbild Antike, die Sehnsucht nach einer blühenden Kunstproduktion, das Wetteifern mit dem europ. Ausland. Diese Grundsätze finden in S.s schriftlichen Werken wie Gem. ihren Niederschlag. Neben der Fülle von Quellenmaterial für eine Vielzahl von Künstlern der 2. H. des 17. Jh., die S. in der Teutschen Academie lieferte, verdient sein Leben und Wirken in mehrfacher Hinsicht besondere Beachtung: Er etablierte auf der Basis seiner internat. Erfahrungen in Deutschland eine akad. Künstlerausbildung, deren Grundlagen im gemeinsamen Zeichnen nach Antiken, Aktmodellen und auch vortrefflichen Kunstwerken sowie theoretischen Studien bestand. Mit den theoretischen Texten, v.a. aber durch die zahlr. Kupfertafeln nach den berühmten und vorbildlichen Statuen der Antike, die er in Rom studiert und gezeichnet hatte, boten seine Bde das Fundament für eine Kunst, die als universale und vermittelnde Sprache zw. den europ. Kulturen verstanden werden konnte. Mit dem ausgeprägten Impuls, eine Erinnerungskultur der dt. Künstler zu etablieren, machte er nicht nur wesentliche Quellen über Künstler wie Dürer, Grünewald und Elsheimer verfügbar, sondern trug auch zum Erhalt des Dürergrabes bei, das er 1680 erwarb und umfangreich renovieren ließ. S. setzte sich intensiv für die Bildung einer nat. Identität im dt. Sprachraum im Bereich der Künste ein. Dennoch zielte sein Postulat für ein vortreffliches Kunstschaffen sowie die Akademiegründung nicht nur auf eine nat., dt. Kunst; durch die Teutsche Academie war das entsprechende Wissen ortsunabhängig nutzbar. Sie sollte jedoch keine spezifisch dt. Kunst lehren, sondern als deutschsprachiges Kompendium zur Kunst in Theorie und Praxis das verfügbare Wissen dem deutschsprachigen Künstler vermitteln. Gleichwohl plädierte er auf der Basis der von Justus Lipsius aus den Schriften Senecas abgeleiteten Gedanken des Neostoizismus, die ihn mit vielen seiner Zeitgen. in Europa verband, für eine Erneuerung der dt. Kunst, die er als eine europ. Malerei in dt. Ausprägung definierte. In der Überzeugung, dass die Welt der antiken Götter ein Fundament des Kunstschaffens in den meisten Ländern Europas darstellte und damit in hohem Maße für eine Verständigung jenseits der Ländergrenzen und auch der Konfessionen geeignet war, zielten S.s Bemühungen als gelehrter Künstler im schriftlichen wie im malerischen Œuvre darauf, die Kunst in den Zeiten nach dem Dreißigjährigen Krieg als ein übernationales, überkonfessionelles und den Frieden sicherndes Medium zu etablieren. Zwar stellt die Rezeption der Teutschen Academie S.s die Wahrnehmung seiner künstlerischen Hinterlassenschaften auch heute noch weitgehend in den Schatten, doch ergeben sich gerade in der Zusammenschau von kunstliterarischem und künstlerischem Werk neue Erkenntnisse.

WORKS

Augsburg, Barfüßerkirche: Jakobs Traum, Öl/Lw., um 1675. Amsterdam, RM: Odysseus und Nausikaa, Öl/Lw., 1642-43. Bamberg, Diözesan-Mus. Braunschweig, HAUM: Fischhändlerin, Öl/Lw., 1644. Bremen, KH: Cimon und Pero, Holz, 1645. Brno, Kapuzinerkirche: Auffindung des hl. Kreuzes, Öl/Lw., 1653. Freising, Dom: Unbefleckte Empfängnis Mariae, Öl/Lw., 1662-63. Garsten, ehem. Benediktinerstiftskirche: Tod des Hl. Benedikt, Öl/Lw., 1685. Lambach, Benediktinerstiftskirche (Triumphbogenaltäre): Kreuzigung, Ausgießung des Hl. Geistes, Öl/Lw., vor 1683. Linz, Kapuzinerkirche: Kreuzigung, Öl/Lw., um 1662. München, AP: Der wunderbare Fischzug, Öl/Lw., 1646; Jakobs Traum, Öl/Lw., 1648. - Frauenkirche: Engl. Gruß-Altar, Öl/Lw., 1646. - Pfarrk. St. Peter: Joseph und Joachim, Öl/Holz, 1647. Münster, LWL-Mus. für Kunst und Kultur: Friedensmadonna, Öl/Lw., 1648. Neukirchen b. Lambach, St. Stephan: Hl. Sippe, Öl/Lw., 1678. Nürnberg, ABK: Archimedes, Öl/Lw., 1642-43. - GNM: Bildnis eines Herrn, Öl/Lw., 1651. Paris, Notre Dame des Blancs-Manteaux, Chap. Ste-Geneviève: Tod Mariae, Öl/Lw. Pommersfelden, Gräflich Schönborn-Wiesentheid'sche GG: Isaak segnet Jakob, Öl/Lw. Regensburg, St. Emmeram: Martyrium des Hl. Emmeram, Öl/Lw., 1666. Rennes, MBA. Rom, S. Francesco a Ripa. Salzburg, Dom: Hl. Anna Selbdritt, Öl/Lw. Vaduz, Slg Liechtenstein. Wien, KHM: Pythagoras, Öl/Lw., 1651; Großer Fischmarkt, Öl/Lw., 1656.

SELF-TESTIMONIES

L'Acad. todesca della archit., scultura e pittura: Oder Teutsche Acad. der Edlen Bau-, Bild und Mahlerey-Künste, Nü. 1675; Der Teutschen Acad. Zweyter und letzter Haupt-Theil: Von der Edlen Bau-, Bild und Mahlerey-Künste, Nü. 1679; P. Ovidii Nas. Metamorphosis, Oder: Des verblümten Sinns der Ovidianischen Wandlungs-Gedichte gründliche Auslegung (aus dem Niederl. Carls von Mander zu Behuf der Edlen Poesi-Kunst und Tugend Liebhabere ins Teutsche übersetzt und der Sandrartischen Acad. einverleibet), Nü. 1679; Iconologia Deorum, Nü. 1680; Sculpturae veteris admiranda, Nü. 1680; Acad. nobilissimae artis pictoriae, Nü. 1683; Romae antiquae et novae theatrum, Nü. 1684.

EXHIBITIONS

Solo exhibitions:

2006 Frankfurt am Main, HM (K). -

 

Group exhibitions:

2025 Augsburg, Schaezlerpalais: Augsburger Geschmack - Barocke Meisterzeichnungen aus dem Bestand der KS (K).

 

SOURCES

Thieme-Becker, Vollmer, and AKL:

ThB29, 1935

 

Other encyclopedias:

Zülch, 1935; Waller, 1938; Toman II, 1950; ELU IV, 1966; Bauer, GEM VII, 1978; Sitzmann, Ostfr., 1983; P.Bellini, Diz. della stampa d'arte, [Mi.] 1995; DA XXVII, 1996; NDB XXII, 2005; Grieb I, 2007

 

Printed sources:

J.-L. Sponsel, S.s Teutsche Acad., D. 1896; P.Kutter, J.v.S. als Künstler, Nebst Versuch eines Kat. seiner noch vorhandenen Arbeiten., Diss., Univ. Straßburg, 1907; W.Waetzoldt, Dt. Kunsthistoriker, Bd 1, s.l. 1921; A.R. Peltzer, MüJb N.F. 2:1925, 103-65; F.Bohmert, J.v.S., "Teutsche Acad. der Bau-, Bild- und Mahlereykünste" 1675 und 1679, Diss. Freiburg 1949 (unpubl.); K.Gerstenberg, Mitt. des Vereins für Gesch. der Stadt Nürnberg 50:1960, 352-73; L.Grote, in: Barock in Nürnberg (K GNM), Nü. 1962; Dt. Maler und Zeichner d. 17. Jh. (K Orangerie Schloss Charlottenburg), B. 1966; C.Krahmer, J.v.S., Peintre et historien d'art du dix-septième siècle, Diss. Paris 1966; Augsburger Barock (K Rathaus u.a.), Au. 1968; A.Nicopoulos, Die Stellung J.v.S.s in der europ. Kunsttheorie, Diss. Kiel 1976; G.Adriani, Dt. Malerei im 17. Jh., Köln 1977; C.Klemm, J.v.S., Kunst-Werke u. Lebens-Lauf, B. 1986 (WV, Lit.); id., in: J.R. Paas (Ed.), "Der Franken Rom", Wb. 1995; A.M. Kluxen, in: S.Glaser/A.M. Kluxen (Ed.), Musis et litteris, M. 1883; S.Ebert-Schifferer, in: Roma 1630 (K Rom), Mi. 1994; Hollstein, German 40, 1995; V.Schmidt-Linsenhoff, Kritische Berichte 24:1996, 7-20; A.Tacke, in: 1648 - Krieg und Frieden in Europa (K Münster), Bd 2, Mainz 1998; H.Laufhütte, in: D.Jöns/D.Lohmeier (Ed.), Festschr. für Erich Trunz zum 90. Geburtstag, Neumünster 1998; K.Möseneder, in: B.Becker-Cantarino u.a. (Ed.), Künste und Natur in Diskursen der Frühen Neuzeit, Bd 1, Wb. 2000; D.Gerstl, in: B.Becker-Cantarino u.a. (Ed.), Künste und Natur in Diskursen der Frühen Neuzeit, Bd 2, Wb. 2000; C.Mazzetti di Pietralata, in: Caravaggio in Preussen (K Berlin), Mi. 2001; S.Ebert-Schifferer, in: ibid.; M.-C. Heck, Revue de l'art, 132:2001, 43-50; L.Simonato, Ann. della Scuola normale Superiore di Pisa, Classe di Lettere e Filosofia, 4.Ser. 9/10:2000(2002)219-241; ead., Studi secenteschi 45:2004, 139-173; E.Meier, Marburger Jb. für Kunstwiss. 31:2004, 205-239; C.Mazzetti di Pietralata, Storia dell'arte 112.2005, 91-118; S.Meurer, "In Verlegung des Autoris", Lo. 2006; M.-C. Heck, Théorie et pratique de la peinture, P. 2006; M.Thimann, Gedächtnis und Bild-Kunst, FiB. 2007; A.Schreurs, in: K.Schade u.a. (Ed.), Zentren und Wirkungsräume der Antikenrezeption, Münster 2007; A.Schreurs, in: H.Böhme u.a. (Ed.), Übersetzung und Transformation, B. 2007; L.Simonato, in: M.Deramaiy u.a. (Ed.), Les Acad. dans l'Europe humaniste, Genève 2008; A.Schreurs, in: A.Thielemann/S.Gronert (Ed.), Adam Elsheimer in Rom, M. 2008; A.Schreurs, in: W.Bauer u.a. (Ed.), Dimensionen der Theatrum-Metapher in der frühen Neuzeit, Hn. 2008; M.Thimann, in: M.Schierbaum (Ed.), Enzyklopädistik 1550-1650, B. 2009; M.-C. Heck, in: ead. (Ed.), L'hist. de l'hist. de l'art septentrional au XVIIe siècle, Turnhout 2009; S.Ebert-Schifferer (Ed.), J.v.S. Ein europ. Künstler und Theoretiker zw. Italien und Deutschland, M. 2009; A.Schreurs, in: M.Thimann/C.Zittel (Ed.), Georg Philipp Harsdörffers "Kunstverständige Discurse", He. 2010; A.Schreurs, in: U.Heinen (Ed.), Welche Antike?, Bd 2, Wb. 2011; C.Mazzetti di Pietralata, J.v.S. (1606-1688): I disegni, Mi. 2011 (WV Zchngn); E.Meier, in: N.Büttner/E.Meier (Ed.), Grenzüberschreitung, Marburg 2011; E.Korthals Altes, in: ibid.; W.Eiermann, Mitt. der Ges. für Vergleichende Kunstforschung in Wien 63:2011(3)1-14; L.Simonato, in: M.M. Donato/M.Ferretti (Ed.), "Conosco un ottimo storico dell'arte…", Pisa 2012; E.Meier, J.v.S., Rb. 2012; Unter Minervas Schutz - Bildung durch Kunst in J.v.S.s Teutscher Acad. (K Bibl. Augusta), Wolfenbüttel 2012; L.Simonato, in: L.di Cosmo/L.Fatticcioni (Ed.), Le componenti del Classicismo secentesco, R. 2013; E.Meier, in: N.Hegener (Ed.), Künstler-Sign., Petersberg 2013; G.Swoboda, S.s "Mystische Vermählung" - ein Geschenk mit zwei Seiten, W. 2014; S.Meurer u.a. (Ed.), Aus aller Herren Länder, Turnhout 2015; J.Bikker, Simiolus 38:2015/16(4)260-272; B.Kuhn-Forte, RömJb 41:2013/14, 341-392.

 

Online sources:

GNM-Archiv; Teutsche Akad., Edition und Kommentar, ed. C.Blüm u.a., 2008-12 (ta.sandrart.net; Lit.)

 


NÜRNBERGER KÜNSTLERLEXIKON

Sandrart, Joachim d. Ä. von, Maler, Radierer, Kunstschriftsteller, Kunsthändler, Sammler, * 12. get. 18. 5. 1606 Frankfurt/Main - † 14. begr. 18. 10. 1688 Sohn des Lorenz, Kaufmann aus Valenciennes und höchstbesteuerter Kaufmann in Frankfurt. ∞I) Frankfurt 27.2.1637 Johanna von Milkau auf Stockau (†1672 Augsburg), kinderlos; II) Nürnberg 5.11.1673 Esther Barbara (* 1651 - †1688), Tochter des Wilhelm Bloemart, Großkaufmann und Bankier. 1619 erste Unterweisung im Zeichnen bei Sebastian Stoßkopf in Hanau. Weitere Ausbildung bei den Kupferstechern Theodor de Bry und Matthäus >Merian d. Ä. in Frankfurt, bei Daniel Soreau in Hanau, 1620 bei Peter >Isselburg in Nürnberg, 1622 bei Egidius Sadeler in Prag. 1623-27 Ausbildung als Maler bei Gerard van Honthorst in Utrecht. 1627 hielt er sich in London auf, 1628-35 in Venedig, Bologna, Rom, Neapel, 1635 in Frankfurt, 1638 bis mind. 1642 in Amsterdam. Nach dem Tod seines Schwiegervaters übernahm er 1645 das ererbte Gut Stockau bei Ingolstadt wo er bis 1670 mit Unterbrechungen wohnte. 1649/50 kam er zum Friedenskongreß in Nürnberg und erhielt den Auftrag, das "Friedensmahl" bildlich festzuhalten, das wohl als sein malerisches Hauptwerk betrachtet werden kann. Er führte die Arbeit im Hause des Hans Paulus Deinhart am Josephsplatz 1 aus; nach den Akten des Bauamts wurde 1649 aus der Peunt ein eisernes Öfelein ausgeliehen, weil in einer der Kammern dieses Hauses das "auf dem Rathauß gehaltene Friedens Panquet abgemahlet wirdt" (Ausk. Karl Kohn). Von Pfalzgraf Carl Gustav von Zweibrücken (später König Karl X. von Schweden) erhielt Sandrart für diese Arbeit 2000 fl. rh. und eine goldene Kette mit kgl. Brustbild im Wert von 200 Dukaten. 1670 verkaufte er das Gut Stockau und zog nach Augsburg. Um den Jahreswechsel 1673/74 siedelte er nach Nürnberg über, wo er die Leitung der 1662 gegr. Malerakademie übernahm. Im November/Dezember 1674 wurde im Haus zur goldenen Rose am Josephsplatz 1, wo Sandrart schon 1649 gearbeitet hatte, eine "academi eingerichtet, damit man sich in der Zeichenkunst üben konnte". 1674-86 war er als Leiter des Bauwesens für die evangelisch-reformierte Gemeinde in Stein tätig, die er mit insgesamt 2049 fl. unterstützte. Nach dem Westfälischen Frieden malte er viele Kirchengemälde, sowohl für katholische Auftraggeber (Altarblätter für österreichische und süddeutsche Klöster und Stifte) als auch für Protestanten. Nach Will hatte er die Fähigkeit, ein Portrait im Werte von 50 fl., manchmal auch zwei, an einem Tag fertigzustellen. Sein literarisches Hauptwerk ist die "Teutsche Academie der Edlen Bau-, Bild- und Mahlerey-Künste", 1. Teil 1675, 2. Teil 1679, 3. Band Ikonographische Schriften 1679/80, Nachdruck in 3 Bänden, Nördlingen 1994. Das Werk gilt als erste Kunstgeschichte in deutscher Sprache, das von Sigmund von >Birken und anderen Literaten sprachlich überarbeitet wurde. 1653 erhob ihn der Kaiser in den Adelsstand, 1676 wurde er in die "Fruchtbringende Gesellschaft" (Palmenorden) aufgenommen. 1680 erwarb er das Grab Albrecht >Dürers auf dem Johannisfriedhof, das er renovieren ließ und der Obhut der Malerakademie übergab. Gegen seine Bestimmung, daß es "ihm (Dürer) zu glorwürdigen Ehren allein bleiben, auch hinfüro auf ewig niemand anders mehr hineingelegt werde" wurde in den Jahren 1811/19 in drei Fällen verstoßen. Zum Schluß wohnte Sandrart in der Alten Ledergasse (Tucherstraße). Panzer verzeichnete sein Portrait in vielen Varianten; auch wurden mehrere Medaillen auf ihn geprägt. Die Sandrartstraße in Nürnberg wurde nach ihm benannt.

 

Works

AMSTERDAM; Gemeentemusea. BAMBERG, Erzbischöfl. Diözesanmus. BERLIN, KpstKab. BRAUNSCHWEIG, Herzog Anton Ulrich-Mus. BREMEN, Kunsthalle. ERLANGEN, GS der UB. FLORENZ, Uffizien. FRANKFURT/Main, Hist. Mus. MAILAND, Pincoteca di Brera. MÜNCHEN, BStGs. -, StGS. MÜNSTER, Westfäl. Landesmus. für Kunst und Kulturgesch. NÜRNBERG, GNM: 3 Gemälde. -, MStN: "Das große Friedensmahl in Nürnberg", Ölgemälde, 1649; Zeichnungen, Kupferstiche. WIEN, GS Albertina; -, KhM.

 

Exhibitions

1840/1; 1840/6; 1906/2; 1909/1; 1952/5; 1954/3; 1955/4; 1959/4; 1968/11; 1987/2; 1992/17; 1998/11 S. 246.

 

Bibliography

ADB; NDB; Thieme-Becker; Doppelmayr, 1730; C. G. Müller, 1791, S. 85, 86, 89, 137, 145, 154, 167, 202, Forts. I-, S. 13, 20, 36, 37; Will, Münzbel. Bd. III, S. 265f.; Will, GL III, S. 448-451 u. VIII, S. 20-24; K. Pilz, in: MVGN 43, 1952; K. Gerstenberg, in: MVGN 50, 1960; Barock, 1962; Christian Klemm, in: MVGN 72, 1985; Christian Klemm: Joachim von Sandrart, Kunstwerke und Lebenslauf, Berlin 1986; Tacke, 1995 u. 2001; Stadtlexikon 2000.