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Vermeer van Delft, Jan

Born
Delft (Zuid-Holland), (vor) 1632.10.31
Died
Delft (Zuid-Holland), (vor) 1675.12.15
Country
Netherlands
Gender
male
GND-ID
Name Variations
Vermeer, Johannes; Vermeer van Delft, Johannes; Vermeer, Johannis; Vermeer, Joannis; Meer, Johannes van der; Vermeer, Jan; Meer, Jan van der; Vermeer, Johannes Reyniersz.
Occupations
Painter; Genre Painter; History Painter; Kunsthändler
Places of Activity
Delft (Zuid-Holland)
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By
Last edited
26.03.2024
Published in
AKL CXII, 2021, 519; ThB XXXIV, 1940, 265 ss

VITA

Vermeer van Delft (Vermeer; van der Meer), Jan (Johannes; Johannes Reyniersz. u.a.), niederl. Maler, Kunsthändler, get. 31.10.1632 Delft, begr. 15.12.1675 ebd.

LIFE AND WORK

V. ist der Sohn von Reynier Jansz und Digna Balthazars, deren Eltern E. des 16. Jh. aus den südlichen Niederlanden vermutlich aus Glaubensgründen nach Holland flüchten. V.s Mutter ist noch in Antwerpen geboren. Der Vater, der lebenslang die unterschiedlichen Nachnamen Vos und Vermeer benutzt, ist zum Zeitpunkt der Eheschließung als Seidenweber in Amsterdam tätig. 1631 wohnt das Ehepaar wieder in Delft, wo sich der Vater bei der Lukasgilde als Kunsthändler einschreibt und neben dem Kunsthandel auch einen Gasthof betreibt. Über die Lehrzeit von V. ist aufgrund fehlender Quellen viel debattiert und vermutet worden. Vermutlich hat er ab etwa 1646 eine Lehre begonnen, denn am 29.12.1653 schreibt er sich als Freimeister in der Delfter Lukasgilde ein, wo die Regel gilt, dass ein Maler mindestens sechs Jahre lang in der Lehre gewesen sein muss, bevor er in der Gilde Mitgl. werden kann. Häufig wird angenommen, dass Carel Fabritius sein Lehrmeister gewesen sei, weil dieser ein attraktives Bindeglied zw. Rembrandt und V. darstellt. Aber es ist sehr unwahrsch., dass V. tatsächlich von Fabritius ausgebildet wird, denn dieser kommt vermutlich erst nach 1652 in die Stadt Delft. Unter den Delfter Malern könnte Leonaert Bramer als möglicher Lehrer vermutet werden. Dass V. einen Tl seiner Lehre außerhalb von Delft absolviert haben muss, resultiert aus der Höhe seiner Einschreibegebühr in der Lukasgilde. Als Sohn eines Gilde-Mitgl., der seine Lehre in Delft gemacht hätte, wäre die Gebühr geringer gewesen (cf. Van der Veen, 1996). In V.s frühen Werken ist ein Einfluss aus Amsterdam und Utrecht bemerkbar. Die Entdeckung von Montias (1989), dass Catharina Bolnes, die V. am 20.4.1653 heiratet, verwandtschaftliche Beziehungen zu Abraham Bloemaert aus Utrecht hat, lässt eher in diese Richtung denken. - V.s erste bek. Werke sind zwei bzw. drei um 1654/55 entstandene Historienstücke mit Motiven aus der Bibel und der Mythologie: Christus im Haus von Maria und Martha (Edinburgh), Diana mit ihren Nymphen (Den Haag) und, falls der umstrittenen Zuschr. an V. gefolgt wird, Die hl. Praxedis (Priv.-Slg, seit 2015 Dauerleihgabe im NM of Western Art Tokyo). Alle drei Gem. zeigen, dass sich V. von Entwicklungen der holl. und ital. Malerei inspirieren lässt. Im Inv. von 1657 des Amsterdamer Händlers und Sammlers Johannes de Renialme wird V.s verlorenes Bild Besuch am Grab genannt, das die drei Marien dargestellt haben soll. Da De Renialme eine umfängliche Slg von ital. Gem. besitzt, hat V. bei ihm möglicherweise Kontakt mit Werken aus Italien gehabt. In einem Auktionskatalog von 1861 wird ein weiteres Historienstück Jupiter, Venus und Merkur genannt (Verbleib unbek.). Das Gem. Bei der Kupplerin (1656, Dresden) stellt im Œuvre einen Übergang dar, indem es noch großformatig ist wie die frühesten Werke, aber thematisch bereits der Genremalerei zuzurechnen ist, was auch auf die Schlafende Frau am Tisch (1657, New York, Metrop. Mus.) zutrifft. Die Bilder, die V. in seiner restlichen Karriere malt, sind überwiegend Genrestücke. Zu den Ausnahmen gehören zwei um 1660/61 entstandene Stadtansichten (Straße in Delft, Amsterdam; Ansicht von Delft, Den Haag), später eine Allegorie der Malkunst (um 1666/67, Wien) und eine Allegorie des Glaubens (um 1672-74, New York, Metrop. Mus.). Seit mindestens 1657 scheint V. die Patronage des wohlhabenden Pieter Claesz van Ruijven genossen zu haben, denn im Nachlass von dessen Schwiegersohn befinden sich 1696 nicht weniger als 21 Gem. von V.s Hand. In den 1660er Jahren avanciert V. zum angesehenen Mitgl. in der Delfter Kunstwelt mit erheblicher Reputation, u.a. wird er in den Geschäftsjahren 1662/63 und 1670/71 zum Dekan der Lukasgilde gewählt. 1663 will ihn der frz. Kunstsammler Balthasar de Monconys im Atelier besuchen, trifft ihn aber nicht an, erblickt jedoch lt. Reisetagebuch ein Bild von V. bei dem Bäcker Hendrick van Buyten.V.s Malstil wird in den 1660er Jahren feiner, u.a. weniger pastos und mit etwas weniger grobem Einsatz der spitzförmigen Lichteffekte, die er bisher zur Verlebendigung der Textur auf Oberflächen einsetzt, z.B. auf den Booten und Backsteinziegeln der Ansicht von Delft oder auf dem Brot vom Milchmädchen (Amsterdam). In seiner letzten Schaffensphase vom E. der 1660er Jahre bis 1675 werden die Objekte und Formen abstrakter dargestellt, wodurch die Trennungen zw. Licht und Schatten schärfer hervortreten. Ein interessantes Phänomen in V.s Œuvre ist die wiederholte Darst. von sehr spezifischen Objekten: Landkarten, Tapeten, Stühle, Fenster, Globen und Bilder, die in einigen Fällen identifiziert werden konnten. Hier zeigt sich, dass V. diese Objekte als Dekor- und Versatzstücke (wieder-)verwendet, um seine Gem. zu staffieren.1672 gehört V. zu den ausgewählten Kunstexperten, die in Folge des Verkaufsstreites zw. dem Kunsthändler Gerard Uylenburgh und dem Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg die Echtheit ital. Gem. prüfen sollen, wozu V. nach Den Haag reist und die Echtheit der Gem. stark anzweifelt. Trotz seines Ruhms und seiner prominenten Kunden gerät V. am Lebensende in finanzielle Schwierigkeiten. Der Grund für seine aufgelaufenen Schulden könnte die Wirtschaftskrise in Holland nach 1672 sowie der Unterhalt für seine sehr große Fam. gewesen sein; er hinterlässt elf Kinder und eine Witwe, die von Gläubigern belagert letztlich Bankrott anmelden muss. V.s Ruhm verblasst nach seinem Tod schnell, möglicherweise aufgrund der geringen Produktion zu Lebzeiten. Die relative Seltenheit seiner Bilder lässt V. in Vergessenheit geraten, noch dazu kommt, dass einige seiner Bilder zu Unrecht and. Malern zugewiesen werden, u.a. Pieter de Hooch oder Nicolaes Maes. Erst im 19. Jh. erwacht das Interesse an V. wieder im Kontext der zunehmenden Wertschätzung der niederl. Genremalerei des 17. Jahrhunderts. 1866 veröffentlicht der Kunsthistoriker und Sammler Etienne Joseph Théophile Thoré unter dem Pseud. William Bürger in der GBA eine Artikelserie, die V.s Wiedereintritt in die Kunstgeschichtsschreibung einleitet und ein fieberhaftes Interesse unter europ. und amer. Sammlern auslöst (darunter Thoré selbst, Bartholdt Suermondt, James de Rothschildt, Henry Marquand, Isabella Stewart Gardner, J.P. Morgan). 1923 beschreibt Marcel Proust den fundamentalen Eindruck, den die Ansicht von Delft auf ihn bzw. seine Romanfigur Bergotte gemacht hat (A la recherche du temps perdu, Bd 5). V.s Ruhm erreicht 1935 einen ersten Höhepunkt mit der Ausst. im Mus. Boijmans in Rotterdam, auf der der Künstler von den Ausstellungsorganisatoren selbstbewusst an die Spitze der niederl. Malkunst platziert und mit Rembrandt, Frans Hals und Jan Steen gleichgesetzt wird. In den 1930er/40er Jahren ist der Wunsch von Kunsthistorikern und Sammlern, frühe Werke von V. aufzuspüren, so stark ausgeprägt, dass es dem Gemäldefälscher Han van Meegeren mehrfach gelingt, namhafte Kunsthistoriker und Sammler hinters Licht zu führen, u.a. mit seinen angeblich von V. stammenden Gem. De Emmaüsgangers (1938 vom Mus. Boijmans Rotterdam angekauft), Christus und die Ehebrecherin (von Herman Göring angekauft) und Die Fußwaschung (1943 vom niederl. Staat angekauft). Die Faszination für V.s Bilder hält unvermindert an. Mit einem derzeit als sicher geltenden Gesamtwerk von 37 Gem., von denen drei dat. und vier in der Zuschr. als umstritten gelten, ist V. heute eine Weltmarke, die attraktive Museumsausstellungen garantiert. Mehrere Gem. von V. sind in den letzten Jahren materialtechnisch untersucht und restauriert worden, u.a. die Brieflesende Frau (Amsterdam). Die Restaurierung des Gem. Brieflesendes Mädchen am offenen Fenster (um 1659, Dresden) hat 2017-20 bei der Firnisabnahme zum Vorschein gebracht, dass die Übermalung eines Cupido im Hintergrund (1979 bei Röntgenaufnahmen entdeckt und 1982 von Annaliese Mayer-Meintschel publiziert) nicht von V. selbst stammt, sondern von fremder Hand und erst Jahrzehnte später aufgetragen wurde (cf. Neidhardt, 2019). Dieses Bild ist durch die aktuelle Restaurierung in den orig. Zustand zurückversetzt und in der Ausst. in Dresden ab Sept. 2021 erstmals zu sehen. Die vielfältige und anhaltende internat. Rezeption von V.s Werk in unterschiedlichsten Medien wie Malerei (z.B. von Salvador Dalí), wiss., belletristischer oder fiktionaler Lit., in Dok.- und Spielfilmen sowie in den digitalen Medien (exhib. on screen, blogs u.a.) kann hinsichtlich der Popularität mittlerweile mit Rembrandt konkurrieren.

WORKS

Amsterdam, RM. Berlin, GG. Boston, Isabella Stewart Gardner Mus. (1990 gestohlen, Verbleib unbek.). Braunschweig, HAUM. Den Haag, Mauritshuis. Dresden, GG AM. Dublin, NG of Ireland. Edinburgh, NG of Scotland. Frankfurt am Main, Städel. London, Kenwood House. - NG. - R. Coll. New York, Frick Coll. - Leiden Coll. - Metrop. Mus. Paris, Louvre. Washington/D.C., NG. Wien, KHM.

EXHIBITIONS

Solo exhibitions:

1935 Rotterdam, Mus. Boijmans (K: Vorw. D. Hannema); Amsterdam, RM (K: F.Schmidt-Degener) / 1995 Den Haag, Mauritshuis / 1997 Frankfurt, Städel / 1999 Washington/D.C., NG / 2011-12 Cambridge, Fitzwilliam Mus. (K: M.E. Wieseman) / 2016 St. Petersburg, Ermitage / 2018 München, AP / 2021 Dresden, GG AM (Semperbau). -

 

Group exhibitions:

1966 Den Haag, Mauritshuis: In het licht van V. (K: Magdi M. Tóth-Ubbens) / 2001 London, NG: Vermeer and paint. in Delft; New York, Metrop. Mus.: Vermeer and the Delft School / 2003 Madrid, Prado: Vermeer y el interior holandés (K: A.Vergara u.a.) / 2007 Modena, Foro Boario: V. la ragazza alla spinetta e i pittori di Delft (K: B.W. Meijer) / 2012-13 Rom, Scuderie del Quirinale: V. il secolo d'oro dell'arte olandese / 2013 London, NG: V. and music - the art of love and leisure (K: M.E. Wieseman).

 

SOURCES

Thieme-Becker, Vollmer, and AKL:

ThB34, 1940 (Lit. bis 1940)

 

Other encyclopedias:

Wurzbach, NKL II, 1910; DA XXXII, 1996

 

Printed sources:

W.Bürger, GBA 21:1866(11)297-330, 458-470, 542-575; A.Bredius, Oud-Holland 3:1885, 217-222; T.von Frimmel, Bl. für Gem.-Kunde 2/10:1906, 183-189; C.Hofstede de Groot, Beschreibendes und kritisches Verz. der Werke der hervorragendsten holl. Maler des XVII. Jh. [...], Bd 1, Esslingen 1907; E.Plietzsch, V.v.D., L. 1911; P.Hale, J.V. of Delft, Boston 1913; M.Eisler, JbAK 33:1916(4)213-291; J.Chantavoine, Ver Meer de Delft, P. 1926; W.Valentiner, Pantheon 1932, 304-324; P.Hale, V., Lo. 1937; A.M. Hammacher/P.C. Boutens, De Emmaüsgangers. J.V. en Rembrandt, Am. 1938; A.B. de Vries, J.V.v.D., Am. 1939; E.Plietzsch, V.v.D., M. 1939; A.Blum, V. et Thoré-Bürger, Genève 1946; M.M. van Dantzig, J.V. "De Emmausgangers" en de critici, Leiden 1947; H.E. van Gelder, Kunsthist. mededelingen van het RKD 3:1948, 34-36; A.B. de Vries, J.V.v.D., Am. 1948; P.Coremans, Van Meegeren's faked Vermeers and de Hooghs, Am. 1949; A.Schwengeler, Der Fälscher, Bern 1949; P.T.A. Swillens, J.V. painter of Delft, Utrecht 1950; L.Gowing, V., Lo. 1952; L.Goldscheider, J.V. the paint., Lo. 1958; L.Henno, V. de Delft une affaire scandaleuse de vrais et de faux tableaux, Br. 1958; K.Badt/H.Sedelmayr, Interpretationen (Kunsthist. Seminar Univ. München) 7-8:1962, 34-65; C.Seymour, ArtB 46:1964, 323-331; P.Descargues, V. étude biogr. et critique, Genève 1966; H.Kühn, Report and studies in the hist. of art (NG Washington) 2:1968, 153-202; M.Kuroe, V., To. 1968; D.A. Fink, ArtB 53:1971, 493-505; E.G. Grimme, J.V.v.D., Köln 1974; A.Blankert, J.V.v.D. 1632-1675, Utrecht 1975; J.A. Welu, ArtB 57:1975, 529-547; C.Wright, V., Lo. 1976; E.van Straaten, J.V. 1632-1675 [...] en de cultuur van zijn tijd, D.H. 1977; G.W. Menzel, V., L. 1977; E.Snow, A study of V., Berkeley 1979; J.M. Montias, Oud Holland 94:1980, 44-62; A.K. Wheelock Jr., J.V., N.Y. 1981; L.J. Slatkes, V. and his contemp., N.Y. 1981; A.Mayer-Meintschel, Jb. SKS Dresden 11:1978/79 [1982], 91-99; A.K. Wheelock Jr./K.Kaldenbach, Artibus et historiae 6:1982, 9-35; L.von Mengden, V.s De Schilderconst in den Interpretationen von Kurt Badt und Hans Sedlmayr, Ffm. 1984; A.Blankert, V., N.Y. 1988; J.M. Montias, V. and his milieu, a web of social hist., Pr. 1989 (niederl. 1993); id. u.a., Mercury 1991:12, 42-52; J.Nash, V., Am. 1991; P.L. Donhauser, Artibus et historiae 27:1993, 85-101; D.Arasse, L'ambition de V., P. 1993; B.Broos/A.K. Wheelock (Ed.), V. das Gesamtwerk, St. 1995; A.K. Wheelock jr., V. and the art of paint., New Haven 1995; C.Hertel, Vermeer reception and interpretation, C. 1996; J.V. (K Mauritshuis Den Haag / NG Washington), Zw. 1995; J. van der Veen, in: D.Haks/M.C. van der Sman (Ed.), Dutch soc. and the age of V., Zw. 1996, 124-135; W.E. Hubschmitt, The art of paint., Ann Arbor 1997; I.Gaskell/M.Jonker (Ed.), V. studies (Symposion 1995 Den Haag / Washington), New Haven 1998; W.Liedtke, A view of Delft. V. and his contemporaries, Zw. 2000; W.E. Franits, The Cambridge companion to V., C. 2001; P.Steadman, V.s camera uncovering the truth behind the masterpieces, Ox. 2001; K.Leonhard, Das gemalte Zimmer. Zur Interieurmalerei J.V.s, Diss. München 2001, M. 2003; G.J.M. Weber, Zs. für Kunst- und Kulturwiss. 30:2002(4)38-57; R.D. Huerta, Giants of Delft. J.V. and the natural philosophers, Lewisburg 2003; J.V. der Geograph. Die Wiss. der Malerei (K MHK, GG AM), Kassel 2003; Y.Kobayashi-Sato, J.V., To. 2003; ead., in: A.Golahny u.a., In his milieu [...] in memory of John Michael Montias, Am. 2006, 209-218; H.Balk, Kunstschrift 51:2007(2)40-45; W.Liedtke, V. the complete paint., Gent 2008; T.Brook, Vermeer's hat, Lo. 2008; V. die Malkunst. Spurensicherung an einem Meisterwerk (K KHM Wien), St. Pölten 2010; Der frühe Vermeer (K GG AM Dresden), B. 2010; D.R. Smith, ZKg 74:2011, 193-216; M.Zell, Simiolus 35:2011, 142-164; L.J. Snyder, Eye of the beholder. J.V., Antoni van Leeuwenhoek, and the reinvention of seeing, N.Y. 2015; W.Franits, V., Lo. 2015; K.Schütz, J.V. das vollst. Werk, Köln 2015; F.Grijzenhout, Het straatje van V. gezicht op de Penspoort in Delft, Am. 2015; Vermeer and Rembrandt the masters of the 17th c. Dutch Golden Age (K Kyoto / Tokyo / Fukushima), To. 2015; R.Bier (Ed.), Der V.-Sensor (Konferenzschrift Jan. 2014 ABK Berlin), B. 2016; A.Fémelat, BA Mag. 392:2017(Febr.)76-85; Vermeer and the masters of genre paint. (K Paris / Dublin / Washington), New Haven u.a. 2017; M.Jover, Mag. Connaissance des arts 757:2017(mars)44-53; G.Schwartz, V. in detail, Ant. 2017; J.Jelley, Traces of V., Ox. 2017; F.Grijzenhout, Bull. Koninkl. Nederl. Oudheidkundige Bond [KNOB] 117:2018(1)1.13; U.Neidhardt, BurlMag 161:2019(1395)452-463; F.Grijzenhout, BurlMag 161:2019(1398)747-749. - Kat. der gen. Museen (Werkstandorte).

 

Online sources:

gemaeldegalerie.skd.museum/forschung/vermeer; essentialvermeer.com.

 


THIEME-BECKER

Vermeer, Johannes (Jo[h]annis), holländ. Maler, genannt Vermeer van Delft, * 1632 (get. 31. 10.) Delft, †1675 (begr. 15. 12. i. d. Oude Kerk) ebda. Eltern: Reynier Jansz. (Jansson) Vos[ch], 1631 van der Minne (Schreibfehler?), später van der Meer od. Vermeer genannt, heiratet 1615 i. A'dam Dingnum (Dyna) Balthasars (Baltens). Aufgebot auch i. Delft, Reyniers ständigemWohnsitz.-1615 "Caffawercker" (Seidenwirker), 1631 "Constvercoper",1651 Gastwirt, betreibt Reynier letztere Berufe wohl auch nebeneinander. Tätigkeit R.s als Maler nicht erwiesen. R. vielleicht zeitweilig Besitzer der i. e. Album Bramers (jetzt A'dam, RPK) reproduzierten Bilderslg. 1655 muß d. Sohn Johannes für R.s alte Schuld von f. 250 bürgen (s. u.). R. starb vor s. Frau, die 1670 im Begräbnisregister "weduwe van Reynier Vermeer" heißt. Urkundliches: 5. 4. u. 20. 4. 1653: kirchl. (ref.), bzw. bürgerl. Eheschließung mit Catharina Bol[e]nes; V. wohnt "opt Marctvelt". 29. 12. 1653: Eintritt i. d. Delfter St. Lucasgilde (V. zahlt von f. 6 Meistergeld f. 1, 10 an; Restzahlg erst 24. 7. 1656!). 14. 12. 1655: V. u. Frau Nebenbürgen für e. alte Schuld des Vaters Reynier Jansz. Vermeer i. Höhe von f. 250 zu 5½ 0/0. 30. 12. 1655: V. u. Frau leihen sich auf 1 Jahr bei P. Claesz. v. Ruyven f. 200 zu 4½ 0/0.. 1656: Dat. der Kuppelszene (jetzt Dresden). 30. 11. 1657: V. u. Frau unterzeichnen e. Schuldschein über f. 200. 10.12. 1661: V. Bürge für Clement van Sorgen wegen f. 78. 1662/63: V. (gleichzeitig mit A. Palamedesz) im Vorstand der Gilde. 11. 8. 1663: V. hat bei B. de Monconys' Atelierbesuch kein eigenes Bild im Hause, läßt ihn aber bei e. Bäcker 1 Eiufigurenbild sehen, das f. 300 gekostet hatte. 1667: Erwähnung V.s als eines bedeutenden Delfter Malers u. als Fortsetzer der Kst des 1654 † C. Fabritius in D. v. Bleiswijks "Beschryvinge der stadt Delft", bzw. in e. Gedicht von A. Bon. 1668: Datum eines Astronomenbildes (1939 Paris, Slg Ed. de Rothschild). 13. 7. 1670: Güterteilung mit s. Frau. 1670/71: V. zum 2. Mal Hauptmann der St. Lukasgilde. 18. 7. 1671: V. hat aus d. Erbschaft s. Schwester Gertruyd e. Restanspruch von f. 648 an s. Schwager Anthony v. d. Wiel. 14. 1. 1672: V. vermietet s. Geburtshaus "Mechelen" (am Markte, Südwestecke des Oudemanhuissteegje) an Joh. v. d. Meer ab 1. 5. auf 6 Jahre für f. 180 jährl. 23. 5. 1672: V. als Begutachter italien. Bilder vor e. Notar im Haag. 25. 1. 1674: 2 Schuldscheine V.s von 1673 üb. f. 500 u. 300 von H. de Schepper i. Adam begeben. 5. 3. 1675: V. erhält Vollmacht, für s. Schwiegermutter Maria Tins, Witwe des Reynier Bolenes, Erbschaftssachen i. Gouda zu regulieren. Juli 1675: V. leiht sich f.1000 [Schuld später von Marie Tins übernommen!]. Dez. 1675: V. wohnt bei s. Tode "aen de Oude Langedück". Cath. Bolnes u. 11 Kinder (8 davon minderj.) überleben ihn. - 27. 1. 1676: Cath. Bolnes behält sich für 2 Bilder V.s, die e. Bäcker H. van Buyten (für Brotlieferungen zu insgesamt f. 617-6) an Zahlungsstatt übereignet werden, Rückkaufsrecht vor (Darstellungen: "twee personagien waeroff d'cen een brieff sit te schrijven" (= H. d. G. 35) u. "een personagie spelende op een cyter" (s. bei H. d. G. 26). 24. 2. 1676: V.s Schwiegermutter Maria Tins erhält Gemälde "de Schilderconst" (= H. d. G. 8) von i. Tochter als Pfand. 29. 2.1676: V.s Nachlaßinventar: erwähnt u. a.: Familienbildnisse, 3 Gemälde von [C.?] Fabritius, 2 von Hoogstraten; anonyme Bilder: Veronika, Christus am Kreuz (2), 2 sogen. Türkenbrustbilder, "een schildery daerin allerley vrouwentuijch", 1 Bauernscheune, "een waerin een bas met een dootshooft", 1 Früchtestilleben, 2 Marinen, 1 Landschaft; ferner: Malsachen, I gezeichnetes Wappen V.s, Möbel, Hausrat, "7 ellen goutleer aen de muyr", Kleider, "een turcxe Mantel van den voorn. Sr. Vermeer zalr." (alles als der Witwe zukommend). Außerdem: Familienbildnisse, "een drye Coningen", "een moeder Christi", Mars u. Apollo, 19 weitere Gemälde (als der Witwe u. ihrer Mutter zu gleichen Teilen gehörig). 30. 4. 1676: In dem Antrag der Cath. Bolnes auf e. Moratorium Angaben über V.s finanzielle Schwierigkeiten der letzten Jahre (begründet durch wenig Verdienst V.s i. Kriegszeiten u. die gr. Kinderzahl, die ihn zwang, für s. Kunsthandel eingekaufte Bilder mit Verlust abzustoßen). 30. 9. 1676: A. v. Leeuwenhoek wird Nachlaßwalter. 30. 11. 1676: 26 verschieden große Bilder aus V.s Nachlaß, an Jannetie Stevens i. Delft für e. Schuld verkft, für d. Witwe zurückerworben, die sie 1677 zwecks Verkaufs an Joh. Columbier (Coclenbier) i. Haarlem gibt (nach Bredius wohl keine eigenbänd. Bilder V.s). 1677: Streitfall, ob "de Schilderconst" (s. o.) verkauft werden könne (Haager u. Delfter Protokolle). 1682: 19 "schilderijen van Vermeer" im Nachlaß von Jac. Abrahamsz. Dissius, Delft. 12. 7. 1682: Ein spinettspielendes Mädchen V.s i. d. Slg Diego Duarte, A'dam, auf f. 150 geschätzt. 16. 5. 1696: 21 Gemälde V.s auf anonymen Verst. i. Amsterdam (einzeln m. Preisen zwischen f.17 u. 200 angeführt bei Hoet, Catalogus, I; vgl. auch Hofst. de Groot, Beschr. Verz., I). 22. 4. 1699: Die sog. Allegorie des "Neuen Testaments" (s. u.) in Adam für f. 400 versteigert (H. d. G. 2). - Cath. Bolnes, mehrfach in Verbindung mit Erbschaften genannt (1661, 1672 u. 1678), wird 1688 mit größerem Aufwand begraben; ihre Mutter Maria Tins, die vor u. nach V.s Tode wiederholt mit namhaften Summen über wirtschaftliche Nöte hinweghalf, † zwischen 1681 u. 1705. Der Künstler: Ob V. sich vor s. Verheiratung auf Reisen bildete, ist unbekannt; aus d. Urkunden seit 1653 geht nur d. Enge seines Privatlebens hervor. Den großen Kunstströmungen seiner Zeit hat V. sich nicht verschlossen: d. Reihe seiner erhaltenen Gemälde verrät den allgemeinen Stilwandel der holl. Malerei i. jenen Jahrzehnten u. liefert gleichzeitig Beweise für s. Interesse an d. Malereien akademischer Prägung i. anderen Kstkreisen, besonders der damals als Vermittlerin italienischer Kstprinzipien bedeutsamen Utrechter Schule. V.s Künstlerpersönlichkeit erhebt sich aber durch e. unvergleichliche Erziehung des Auges u. dieangeborene Geschmackskultur hoch über ihre Umgebung. Seine wiederholteWahl i. den Gildenvorstand, d. Besuch des M. de Monconys in s. Hause sprechen für V.s Ansehen, ja für eine, wenn auch beschränkte Berühmtheit zu Lebzeiten. Doch schon Houbraken nennt (1719) nicht einmal mehr V.s Namen, der erst nach d. Mitte des 19. Jahrh. wieder Klang bekommen sollte. Daß dieser Künstler, dessen reifer Stil i. so eminentem Sinne wählend u. vereinfachend ist u. bei dem die Farben wirklich "Taten des Lichts" sind, an der Schwelle des Zeitalters der Freilichtmalerei u. des Impressionismus wiederentdeckt wurde, erscheint heute nichts weniger als Zufall. V.s Kunst: Die ureignen hohen Qualitäten von V.s Gemälden beruhen auf s. "ungewöhnlich tiefen Einsicht in d. Gesetze der Kst", besonders auf seinem ausgeprägten Sinn für künstlerischeVereinhcitlichung von Form und Farbe. Der Abgewogenheit eines Bildganzen entspricht dabei d. Verinnerlichung des Ausdrucks der dargestellten Menschen (oft nur 1 Person), die keine "Staffage"-Figuren, sondern wesentlicher Teil des sie mit Luft u. Licht umgebenden Bildraumes sind u. dadurch Träger der Stimmung werden. Das sichere Gefühl für d. harmonische Gesamtwirkung seiner Schöpfungen behielt V. bis gegen Ende seiner Künstlerlaufbahn. Ordnung u. Klarheit liebend, bevorzugt V. das diffuse, etwas kühle Tageslicht, das beim Durchdringen des Raums alle Schatten auflichtet u. die Lokalfarben mild aufleuchten läßt. In V. vereinigen sich Temperament u. Kraft des malerischen Empfindens mit höchster Empfänglichkeit des Auges für d. Weben von Licht u. Schatten u. die unerschöpflichen Geheimnisse ihres Spiels im Interieur wie im Freien. Keiner verstand so wie er, das Beobachtete in allen Nuancierungen, vom Blinken eines Glanzlichtes bis zum Schweben eines Schlagschattens, mit delikatem Pinsel festzuhalten. - Zumal i. der Gesch. des Farbensehens sind V.s Bilder Marksteine. Die in der "Diana" noch gedämpfte, i. der "Kupplerin" anschwellende, im "Milchmädchen" blühende Farbenkunst des jungen V. führt geradenwegs vom herkömmlichen Helldunkel z. einer reinen Malerei, welche i. Farben aufbaut, die auch d. tiefsten Schatten durchdringen. Gleichzeitig wandelt sich V.s Farbskala von vollen warmen Akkorden zu kühler gestimmten Harmonien (vgl. z. B. das "Rot" auf der Kuppelszene mit dem auf dem Berliner Zweifigurenbild oder auf dem Gemälde i. Braunschweig). Die höchste Stufe findet diese Malerei i. jenen Werken, i. denen V. das Problem farbiger Totalität durch äußerste Beschränkung der Farbskala anstrebt und meistert: Blau - auf den Jugendwerken noch zurücktretend - wird s. Lieblingsfarbe, die i. den Schatten u. Halbschatten der meisten seiner Bilder dämmert u. den Helligkeiten, besonders dem Weiß, eine besonders feine Note verleiht, köstliches "mondscheinduftiges" Blau, dem der Künstler lichtes, anschmiegendes Gelb weniger entgegenstellt, als in exquisiten Valeurs zugesellt. Die Vollkommenheit solcher Werke V.s setzt eine nur durch eminenten Fleiß zu erringende Beherrschung der Maltechnik voraus. Charakteristischerweise finden sich d. bisher beobachteten Pentimenti nur auf Gemälden aus früherer Zeit (H. d. G. 1, 41, 48); bezeichnend aber auch d. Korrekturen an der Silhouette von Kopf, Rücken u. wohl noch am 1. Ärmel des "Mädchens mit d. Weinglase" (H. d. G. 38), bei welchem Bilde V. offenkundig mit der (jetzt durchgewachsenen) blauen Untermalung experimentierte. Die Versuche V.s mit blauer bzw. gemischtblauer, vielleicht auch grünlicher Untermalung erst ab ca. 1660. Nach Wurzbach (s. Lit.) wäre die "Ansicht von Delft" (H. d. G. 48) "mit e. dominierenden Lasurton von Karmin" [?] untermalt u. hätte V. fürs. Untermalungen Tempera- u. Aquarellfarben benutzt, die durch dünnen Firnisüberzug von der darauffolgenden ölfarbenschicht getrennt wurden. - Ausgesprochene technische Eigenheiten erst auf der "Kupplerin" (H. d. G. 41) festzustellen: z. B. die Verstärkung pastos hervortretender Gelbtupfen i. der Goldborte am roten Rock des Kavaliers durch schwarze Punkte. Die von V. nach 1656 ausgebildete Punktiertechnik entwickelt er - wie s. ganze Pinselschrift - zu höchster Meisterschaft; ist die Malerei der bald nach d. Kuppelszene entstandenen Bilder i. den lichten Partien pastos u. körnig, so bevorzugt er späterhin zur Charakterisierung farbiger Glanzlichter, aber auch feiner Valeurs i. den Übergängen oder zur stofflichen Charakteristik emailartig aufgetragene Farbtupfen in reicher Nuancierung. Groß ist V.s Kunst, durch Lasuren u. sich anschmiegende Pinselstriche in Konturen unerwünschte Härten zu vermeiden. Die Verwendung spitzer u. breiter Pinsel nebeneinander ermöglichte es ihm, den Strich i. jeder gewünschten Weise zu variieren. Die in V.s lnterieurmalerei bevorzugte besonders kurze Augendistanz ergab sich für ihn aus s. Willen zu schärfster Beobachtung optischer Feinheiten von selbst. Die daraus resultierende, jähe perspektivische Verjüngung, die gelegentliche (für unser Empfinden ebenso störende) Aufsicht des Fußbodens i. größeren Innenräumen, bzw. die Überbetonung von Vordergrundseinzelheiten,.sowie d. Kühnheit gewisser Bildausschnitte sind nicht - wie meist angenommen wird - unkünstlerisch oder fehlerhaft. Vielmehr sind sie geläufige Kstmittel barocker Gestaltung, gerade bei d. Delfter Schule um und nach d. Jahrhundertmitte hervortretend u. eben bei V. nur besonders ausgeprägt. - Man mag in V. den Neuerer sehen oder "nur" das gottbegnadete Talent, das die verschiedenartigen Ansätze, die i. d. europäischen Malerei vor u. neben ihm aufs. Kst hinwiesen, zur Vollendung führte: auf dem Gebiete der Landschaftsmalerei ist er mit jener, auch i. seinem Werke einmaligen, klassischen Formulierung einer Stadtansicht ein Bahnbrecher gewesen, von der Generationen von Künstlern gelernt haben und lernen werden (H. d. G. 48). - V. hatte keine eigentlichen Malschüler; schon die Eigenart seiner Begabung hätte ihn gehindert, ein guter Lehrmeister zu sein. C. de Man u. J. Ochtervelt u. andere Zeitgenossen haben unters. Einfluß gestanden, ebenso später D. J. v. d. Laen. V.s Verhältnis zu C. Fabritius u. P. de Hooch bedarf besonderer Erörterung (s. u.). Nicht nur diese, sondern auch Ter Borch, N. Maes, Metsu (der im Gefühl V. wohl am nächsten stand), F. Mieris u. Steen haben gelegentlich Probleme verfolgt, denen auch V. nachging. Die Priorität ist dabei nur i. einigen Fällen nachweisb., doch d. Folgerung von "Abhängigkeit" bei so ausgeprägten Künstlern jedenfalls gewagt, wenn nicht eindeutige Beweismittel vorliegen. V.s Gemälde: Fortschritte der Kunstforschung haben früher ungeahnte 13ezicimngen erschlossen u. den Nachweis erbracht, daß V.s künstlerische Vorstellungen aus recht verschiedenartigen Quellen genährt wurden. Seine Anfänge als Maler liegen noch im Dunkel. Eine Lehre bei L. Bramer, der am 5. 4. 1653 hei V.s Hochzeit Trauzeuge war, nicht zu erweisen. Die Zeit für e. einst als sicher angenommene Lehre bei C. Fabritius durch Archivfunde so zusammengeschrumpft, daß e. eigentliches Lehrverhältnis kaum bestanden haben kann (von Fabritius' Eintritt i. d. Delfter Gilde [Okt. 1652] nur ½ Jahr bis zuV.s Heirat u. 14 Monate bis zu s. Aufnahme als Meister). Immerhin V.s Kenntnis der vorausgegangenen u. zeitgenöss. Delfter Kunst nicht zu bezweifeln, auch nicht d. persönliche Bekanntschaft mit s. Malerkollegen. Mangels sonstiger Belege können einzig die erhaltenen Bilder V.s zeigen, welche äußeren Einwirkungen u. Kräfte dem "Phönix" (in A. Bon's Gedicht) den Aufstieg aus des unglücklichen Carels Asche erleichterten. Die anschließende Übersicht über V.s Werk berücksichtigt nur von E. Plietzsch ('39) u. A. B. de Vries els echt anerkannte Bilder. Ihre zeitliche Anordnung - z.T. in Grüppen - folgt im allgemeinen diesen beiden Autoren oder sucht zwischen deren Datierungsvorschlägen zu vermitteln. Jugendwerke: "Diana mit ihren Gefährtinnen" (H. d. G. 3; den Haag) gilt heute als d. früheste von 3 (i. Format u. Sujet abweichenden) Jugendwerken. Sie lehnt sich an J. v. Loos entsprechende Darstellung von 1648 so auffällig an, daß V. dieses od. e. sehr ähnl. Bild akademischer Richtung gekannt haben muß. Freilich weist die matte Glut ihrer Farben wieder auf ganz andere, vielleicht venezianische Vorbilder hin. Darin steht sie in V.s Werk allein. - Bei d. folgenden (größten) Gemälde V.s, "Christus b. Maria u. Martha" (H. d. G. 1; Edinburgh; Bez. unecht?) - vielleicht zur Aufnahme V.s in d. Gilde Ende 1653 fertiggestellt - schon d. lineare Kompositionsschema (s. Plietzsch '39, p. 14) auf akademische Schulung oder Vorlage hindeutend; ferner Beziehungen zu A. Vaccaro (Tod des hl. Josef, Neapel [nicht von B. Cavallino!]) u. A. Allori (Christus b. Maria u. Martha, Wien). Wohl noch schlagender d. Verwandtschaft der Jesusfigur m. d. sitzenden Christus auf ci. gleichnamigen Darstellung des E. Quellinus i. Valenciennes (Ausstg 1918, 285 [wegen Beteiligung des Adr. v. Utrecht für das Stillleben spätestens von1652]). Nichts vonBramer, nichts von Fabritius! Noch mangelt Kraft dem lebhaften Kolorit. Immerhin e. eindrucksvolles Bild, das vielleicht J. Steen zu e. Gemälde desselben Themas anregte (früher D. Katz, Dieren). - Ein Utrechter Motiv ist das Thema der (fast ebenso großen) "Kuppelszene" von 1656 (H. d. G. 41; Dresden), bei dem d. Temperament des 24 jähr. V. erstmalig voll durchbricht: noch zwiespältig i. der räum'.' Darstellung u. mit im Rembrandtkreise üblichem Helldunkel - dieses vielleicht dem jungen V. einst durch C. Fabritius vermittelt -; aber d. volle Akkord Grün - Rot - Gelb - Blau und d. breite u. z. T. auffallend reliefartig hervortretende, fette Malweise kühn über das i. A'dam oder Utrecht Gelernte hinausgehend. Eine Wandlung bereitet sich vor. Der Übergang: Wohl gleich nach d. "Kupplerin" gemalt, zeigen "Das schlafende Mädchen" (H. d. G. 16; New York) u. "Die Briefleserin" (H. d. G. 34; Dresden) wichtige Wandlungen: i. d. "Schlafenden" versucht sich V. nach d. Mißlingen, die Wand auf d. Edinhurgher Bild (H. d. G. 1) zu durchbrechen, zum 1. Male mit wirklichen Raumproblemen; auf H. d. G. 34 öffnet er erstmalig das Fenster weit u. verfolgt er das Spiel des hereinflutenden I.ichtes, das er in körniger Malerei festzuhalten bemüht ist. Stilles Leben und Stilleben sind hier schon zu jener edlen Intimität vereinigt, durch die sich V.s Einfigurenbilder bis späthin auszeichnen. Noch mehr lichterfüllt sind das Interieur auf d. gleichzeitigen, technisch ähnlichen zweifig. Bilde "Soldat u. lachendes Mädchen" (H. d. G. 39; New York, Mus. Frick) u. jene schlichte Küchenecke, in der e. "Magd, die Milch ausgießt", trotz der banalen Umgebung vor der im Lichte eines hellen Vormittags aufleuchtenden weißgetünchten Wand i. plastischer Monumentalität geradezu feierlich emporragt ("Het Meikmcisje", H. d. G. 17; Amsterdam). Wie aus Form u. Farbe heraus aufgebaut und e. Wunder stofflicher Malerei - auch d. Stilleben für sich hat e. unerklärliche innere Größe -, ist "Das Milchmädchen" ein ganz Neues, nie Dagewesenes. - Ähnlich überraschend die beiden Stadtbilder \'.s, die auch um 1658 gemalt sind: Die stille Darstellung von "het Straatje" (H. d. G. 47; Amsterdam) wohl Vorstufe für d. größere "Ansicht von Delft" (H. d. G. 48; den Haag). Wird die feine koloristische Haltung von H. d. G. 47 vom gedämpften Rot der Backsteinfassade bestimmt (das an d. Farbgebung der "Schlafenden" anklingt), so steht die strahlende Schönheit der stellenweise außergewöhnlich pastos gemalten Gesamtansicht in nächster Nähe der Malerei des "Milchmädchens". Da "die neuen Ideen i. Delft i. der Luft lagen, seit C. Fabritius s. letzten Werke schuf" (Valentiner '30, p. XVIII), muß es überraschen, daß V. erst Jahre später auf malerische Probleme zurückgriff, die jenen kurz vor s. Ende beschäftigt hatten. Auch fragt man nach dem Anlaß zu der Wandlung, die V. zu neuen Stoffgebieten u. dafür geeigneten kleineren Bildformaten führte, die ihn den Übergang zur Eigenart f inden u. einen neuen malerischen Stil bilden ließ. In ebendiesem Zusammenhang interessiert nun das so verschieden beurteilte Verhältnis V.s zu Pieter de Hooch. P. de Hooch, bereits vor s. Übersiedlung nach Delft 1654 Genremaler, vollzieht hier schnellden Anschluß an d. lokale Tradition ("Blick auf Delft nach d. Explosion 1654" [H. d. G. 317] i. Verbindung, wohl sogar als Zusammenarbeit mit D. Vosmaer; der "Soldat am Torweg" [H. d. G. 273. Val. '30 p. 22: "1654 od. 1655") i. eindeutiger Abhängigkeit von C. Fabritius' "Torwache" [1654]). Nach Valentiner "um 1655" entstandene Bilder Pieters dokumentieren den raschen Aufstieg (d. Delfter "Familie im Hofraum ihres Hauses" [H. d. G. 321], von hoher Meisterschaft i. der Wiedergabe des Tageslichts u. der Luftperspektive; ferner d. "Kartenspieler" [H. d. G. 264], beide einst von W. Bürger für Werke V.s gehalten!). Daß nun V., vielleicht noch während d. Arbeit an der 1656 vollendeten Kuppelszene, durch d. Berührung mit de Hoochs zu schönster Blüte gelangten Kunst zur Erkenntnis seiner eigensten Begabungen kam, u. daß ihm daraufhin erst d. Betrachtung von C. Fabritius' Spätwerken, zumal des "Stieglitz" von 1654, zum fruchtbringenden Erlebnis wurde, sind Thesen, die e. natürliche Erklärung für die an V.s Werken nach 1656 beobachteten Wandlungen brächten. Valentiners Annahme dagegen, V. sei gegenüber de Hooch nur der Gebende gewesen - was für e. spätere Zeit zutrifft (s. u.) -, zwingt zu genereller, auch von de Vries (p. 57) als allzu künstlich abgelehnter Vordatierung V.scher Übergangsbilder (nach Valentiner wären H. d. G. 16, 34, 39 u. sogar H. d. G. 47 u. 48 vor der "Kupplerin" gemalt!). Doch auch de Vries' Vorstellung, beider Kstler Schaffen i. Delft sei nur Parallelitätserscheinung, überzeugt kaum. Daß V. von de Hooch empfangene Anregungen oder gelegentlich übernommene Motive auf seine Art verarbeitete, bedeutete bei s. starken Begabung noch längst nicht Beeinflußtwerden im Sinne von Abhängigkeit; vielmehr dürfte ihm dc Hooch schon um 1658 i. mancherlei Hinsicht verpflichtet sein (u. vielleicht sind gerade auch de Hoochs "Kartenspieler" [H. d. G. 264] erst kurz vor s. dat. Meisterwerken von 1658 gemalt). Außer den ersten Genrebildern u. den beiden Exterieurs gilt ein i. seiner Schlichtheit großes "Frauenbildnis", das früher Rembrandt hieß, jetzt allgemein als Werk V.s vor 1660 (H. d. G. 43; Budapest). Die (ziemlich fette) Malweise im Gesicht, die Behandlung der cremefarbenen Handschuhe u. die in den Übergängen zum Weiß durchschimmernden blauen Valeurs des schwarzen Kleides bestätigen die Zuweisung. - Bildausschnitt, Anordnung im Raume u. Tracht der "Frau mit der Wasserkanne" (H. d. G.19; New York) sprechen für e. Entstehung bald nach der Dresdener "Briefleserin" u. dem "Soldaten mit dem lachenden Mädchen". Aber mit s. vielen blauen u. bläulichen Tönen u. nach der Malweise gehört dieses anmutigste einfigurige Genrebild V.s doch schon so eng zu einer nächsten Gruppe von 2- und mehrfigurigen Gemälden, daß es (nach Plietzsch) zu Beginn der 60er Jahre gemalt sein dürfte. Gemälde der 60er Jahre: Diese eben genannte, von de Vries noch kurz vor 1660 angesetzte, den Auftakt zu V.s reifstem Stil bildende Gruppe ist zum mindesten innerlich den Werken der 60er Jahre zuzurechnen. Eine Untergruppe umfaßt: I. Das frisch erhaltene Zweifigureninterieur "Herr u. Dame beim Wein" (H. d. G. 37; Berlin), kräftig farbig u. vorwiegend pastos gemalt, aber auch mit feinsten Tupfen u. zartesten Valeurs. 2. Das "Mädchen mit d. Weinglas" (H. d. G. 38; Braunschweig), dreifigurig, doch in Sujet u. Farbe H. d. G. 37 nahestehend; aber duftiger, mit e. besonders schön gemalten Stilleben (Zinnteller mit Zitrone; Krug, Serviette); leider durch d. Durchwachsen der blauen Untermalung ruiniert. 3. Das gleichfalls durch wesentliche Erhaltungsmängel beeinträchtigte Kniefigurenbild "Musikstunde" (H. d. G. 27; New York, Mus. Frick), mit dunklerem Rot, Blaugrau u. viel Blau. - Die 2 anderen Gemälde der Gruppe, wohl ursprüngl. Gegenstücke, zeigen stärkste Raumbetonung durch Zurückverweisung der Figuren bis nahe an d. Hinterwand eines großen Zimmers mit hohen Fenstern: beides Musikszenen (H. d. G. 28 u. 29; London, Buckingham Palace, u. Boston, Mus. Gardner), malerisch u. farbig mit bemerkenswert schönen Partien; beide vielleicht vor H. d. G. 37, 38 u. 27 entstanden. (Auf H. d. G. 28 ein größerer Wandspiegel die räuml. Wirkung erweiternd.) Gemälde der höchsten Reife (meist vor 1665): Mit ihnen stellt sich V. außerhalb der Kst seines Jahrhunderts. Ein seltener künstlerischer Ernst muß den 30 jährigen beseelt haben, daß er nichts anderes suchte als letzte Konzentration u. Beschränkung in Form, Farbe u. Ausdruck. Neben den Abstufungen von zartestem Grauweiß bis tiefen Grauschwarz enthält d. Palette nur die Kompletnentärfarben Gelb u. Blau, manchmal etwas Rot oder Rosa sowie Braun für einige diskret farbige Akzente oder Nuancierungen. - "Das Mädchen mit dem Perlenhalsband" (H. d. G. 20; Berlin) u. in noch stärkerem Maße die zauberhafte "Briefleserin" (H. d. G. 31; Amsterdam) repräsentieren diese höchste Stufe von V.s Kunst am reinsten. In der Farbe wie den übrigen Kstmitteln waltet größte Sparsamkeit; die Figuren, in ihrer so einfachen Beschäftigung wie versunken im Profil vor e. Wand stehend, gehen i. dem vom Licht zu stillem Leben erweckten Raum gleichsam auf. - Malerisch zugehörig, aber weniger straff i. der Gestaltung u. im Ausdruck leicht pointiert die "Briefschreiberin" (H. d. G. 36; New York, [ehem.?] Slg Morgan) u. die "Gitarrespielerin" (H. d. G., Taf. Suppl. I, 45, New York). - Durch verinnerlichte Auffassung des Themas - auffallend zumal gegenüber dem Vorbilde Caravaggios (Neuerwerbung der Brera) - u. die schlichte Farbgebung von nicht minder edler Wirkung als "Perlenhalsband" u. "Briefleserin" das von A. Bredius als Frühwerk V.s veröffentl. u. durch D. A. Hoogendijk nach Holland zurückgebrachte große Bild mit den "Jüngern von Emmaus" (Neuerwerbg des Mus. Boymans, Rotterdam), der farbigen Haltung u. technisch sicheren Ausführung nach der reifen Periode angehörend. - Etwa gleichzeitig gemalt u. wieder mit e. vielleicht mehr als zufälligen Beziehung zur ital. Kst der "Mädchenkopf" vor dunklem Grunde (H. d. G. 44; den Haag), in Haltung, Wendung des Gesichts, Blick u. kostümlicher Aufmachung auf e. Vorbild wie Revis "Beatrice Cenci" hinweisend, aber eben doch V.s ureigene Leistung, in dem Gebrauch der Kstmittel von edler Abgewogenheit und trotz der Erhaltungsmängel noch heute eines der schönsten Bilder des Meisters. Weniger anziehend, doch auch sehr eigenartig u. fast als Gegenstück dazu wirkend ein zweiter "Mädchenkopf" (H. d. G. 42; ehem. Brüssel, Gal. Arenberg). Weitere Gemälde der sechziger Jahre: Hinsichtlich ihrer Entstehung vor oder nach diesen Werken edelster Reife werden drei im Kolorit wieder erweiterte Bilder verschieden beurteilt: die köstliche "Perlenwägerin" (bekanntlich Vorbild für P. de Hoochs "Goldwägerin" i. Berlin [H. d. G. 96]), trefflich als Malerei u. von seltener Poesie der Stimmung (H. d. G. 10; Slg Widener, Stiftg für Washington). Ihr kräftiges Helldunkel erinnernd an jenes 2-figurige Bild mit e. "Briefschreiberin", das mit d. Bilde im Besitz von V.s Witwe identifiziert zu werden pflegt (H. d. G. 35; London, Slg Beit. Nach de Vries um1660162, nach Plietzsch '39 um 1668 gemalt). Ebensowenig klar d. unvollständig erhalt. Datum des "Mannes im Hut" (noch nicht bei H. d. G.; holländ. Besitz), der als Bildnis vor landschaftl. Hintergrund im Werke V.s einzig dasteht; der koloristische Eindruck rückt diese Neuentdeckung i. d. Nähe des "Ateliers". Auf der Höhe seines Schaffens angelangt, bleibt V. nicht bei dem Errungenen stehen, sondern bemüht sich weiterhin um neuartige Lösungen seiner kstlerischen Ideen. Eine geschliffenere Technik u. die wieder bereicherte Palette ermöglichen funkelnde Farbkombinationen; seine Lichtmalerei feiert neue Triumphe, u. manche der folgenden Schöpfungen gehören zum Schönsten, was V. uns hinterlassen hat. Drei Mädchenbrustbilder von pikantem Reiz sind nach de Vries noch um 1664 gemalt: "Das Mädchen mit der Flöte" in exotischem Hut, vor rotbraun u. blau gemustertem Gobelinhintergrund, zwar auf Holz gemalt, aber wohl Gegenstück des "Mädchens im roten Hut", vor bräunlichem, grünschwarz ornamentiertem Gobelin; beider Gesichter mit echt vermeerischer Sorgfalt, doch künstlerisch frei ausgeführt, das Übrige mit eiligem Pinsel spontan, z. T. nur andeutend gemalt (H.d. G. 22d u. 46a; Sammlungen Widener u. Mellon, beide für Washington gestiftet). Ebenso apart "Das Mädchen im blauen Hut" (ein überraschend moderner Typ!), dessen Farbigkeit sich am Ende des Hutbandes zu e. kühnen Dreiklang: Blau-Gelb-Rot, vor heller Wand verdichtet (nicht bei H. d. G.; Lugano, Slg Thyssen-Bornemisza). Gleichfalls von rechts beleuchtet, wie d. vorstehenden Phantasiebildnisse, u. von entsprechend kleinem Format die köstliche "Spitzenklöpplerin" (H. d. G. 11; Paris), ein entzückendes Genrebildchen, hellfarbig, wohl kurz vor dem großen Atelierbild entstanden u. in s. Erhaltungsfrische den Reichtum von V.s Pinselschrift in allen Nuancen offenbarend. "Der Maler im Atelier" (eigentlich e. Allegorie!), mit dem nach V.s Tode seiner Schwiegermutter übereigneten Gemälde "de Schilderconst" identisch, ist sicher nach de Monconys' Besuch i. Delft entstanden (H. d. G. 8; Wien, Gal. Czernin. Nach de Vries um 1665, nach Plietzsch kurz vor 1670). Wohle. Art von Phantasie-Selbstdarstellung, Schein u. Wirklichkeit in unübertrefflicher Weise vereinigend; eine Lichtmalerei von höchster Qualität, reich an subtilen Details. Ein Meisterwerk im höchsten Sinne, das eine erstaunliche Ausdauer V.s beim Malen voraussetzt II. doch eine geschlossene künstlerische Einheit bildet. Von 3 Varianten zum Thema "Dame u. Dienstmagd" ist außer dem Beitschen Bilde (H. d. G. 35 s. o.) noch der kleine, glänzend gemalte "Liebesbrief" ganzfigurig (H. d. G. 32; Amsterdam. Vorbild für d. Interieurkomposition einer 1668 dat. Genreszene P. de Hoochs [H. d. G. 118; 1935 bei D. Katz, Dieren)). Die Dame trägt hier dieselbe gelbe, hermelinverbrämte Jacke wie die Herrin auf d. bedeutenden, 1906 u. 1914 in Berlin ausgestellten Exemplar (H. d. G. 33; New York, Mus. Frick) und die "Gitarrespielerin" (bei H. d. G. 26; Kenwood, Stiftg Iveagh), beides Kniestücke. Für Vermeer auffällig das verlorene Profil der Dame auf d. Frickschen Bild; das i. der Farbe verhaltnere Bild i. Kenwood mit prachtvoll vornehmen, leicht warm durchleuchteten Valeurs von "Schwarz" u. "Weiß" (d. etwas veränderte Fassung des Mus. Johnson, Philadelphia, H. d. G. 26, jetzt als alte Kopie erkannt). - Von den 3 "Astronomen"- Bildern V.s das schönste u. auch besterhaltene bei Ed. de Rothschild (1939 Paris; H. d. G. 6) einwandfrei 1668 dat.; i. alten Katalogen als Gegenstück dazu nachgewiesen das Frankfurter Ex. (H. d. G. 5), dessen apokryphe Jahreszahl 1669 ungefähr d. Entstehungsdatum trifft, da beide Bilder in Einteilung, Raumausstattung u. Malerei miteinander eng verwardt sind. (Ihr Thema in Rembrandts Faustradierung u. einer von W. Vaillant geschabten, also V. vielleicht ebenso bequem zugänglichen Porträtkomposition van Dycks [L. van Uffel] mit allerdings recht anderen künstlerischen Absichten vorgebildet.) Spätwerke: Ein 3. Ex. einer "Astrononnen"-Darstellung (H. d. G. 4; Slg Magnin, New York) seit der Rotterdamer Ausstg 1935 wiederholt angefochten. Als nachgedunkeltes, nicht mehr gut erhaltenes Holzbild muß es heute natürlicherweise gegen das Paar H. d. G. 5/6 abstechen. Konzeption u. manche maltechnischen Eigentümlichkeiten sind aber mehr die V.s als irgendeines anderen bekannten Meisters. Wir nennen das Bild an dieser Stelle, da es auch neuerdings von Plietzsch ('39, p. 36) mit Entschiedenheit für eine echte, sehr späte Arbeit V.s erklärt wurde (eine i. d. offenen Buche lesbare Zahl 1665 nur Textstelle u. ohne Maßgabe für das Entstehungsjahr der Malerei). Die "Allegorie des Glaubens" [nicht des "Neuen Testaments"] (H. d. G. 2; New York), für die V. die wesentlichen Motive aus literarischer Quelle, einem 1644 i. A'dam erschienenen Buche von C. Riva, entnahm, erweist bei aller Schönheit i. d. Malerei, etwa des Gobelinvorhangs links, ein Nachlassen in V.s Kunstsinn (einer Bestellung gegenüber?). Und auch d. letzte Bildergruppe dreier Klavierspielerinnen deutet eine innere Wandlung des Künstlers an: die Einbeziehung des Beschauers, dem diese Frauen kokettierend entgegenblicken (s. Plietzsch '39, p. 37) - e. Kstmittel, das V. auf früheren Genrebildern selten u. dann nur unauffällig anwandte - ist hier Selbstzweck geworden, und die Pointe des Amors auf dem Wandbilde der einen Darstellung (H. d. G. 23) ist ebenso aufdringlich. Noch verhältnismäßig ungekünstelt das "Mädchen am Spinett" (H. d. G. 24; London, Slg Beit), im Bildaufbau einfach u. ansprechend im Ausdruck. Aber bei den beiden "Frauen am Klavier" (H. d. G. 23 u. 25; London) können die mancherlei Reminiszenzen an Schöpfungen der besten Zeit nicht über d. Ausdrucksarmut dieser modisch eleganten Geschöpfe, nicht über den Mangel an Gefühlswärme hinwegtäuschen. Dabei sind Komposition u. Ausführung selbst in diesen späten Gemälden noch durchaus bewundernswürdig. Die Rückschau auf V.s Gesamtwerk erweist, daß dem stilistischen Wandel in d. Bildern seit 1656 von vorwiegend malerischer zu zeichnerisch betonender Malweise eine Gesinnungsänderung des Meisters fast parallel einherging, den beim Malen der Kupplerin impulsives Gefühl, zuletzt aber das Streben nach artistischer Leistung leitete. In der goldenen Mitte dieser in nicht einmal 20 Jahren durchmessenen Künstlerlaufbahn leuchten in unvergänglicher Klarheit jene wahrhaft klassischen Schöpfungen, in denen der Holländer V. dem Geiste edelster Griechenkunst näher kam als wohl irgendein anderer Barockmaler diesseits der Alpen. Anmerkungen: Die Chronologie des Werks durch Seltenheit gesicherter Daten erschwert. Die Form der Signaturen I (v) Meer - das M anfangs mit beigesetztem od. verschmolzenem, ab etwa 1660 mit übergesetztem I - nur als ungefähres Hilfsmittel dienlich (Monogramme bei H. d. G. 48 u. 46a, voller Name I Ver Meer bei H. d. G. 8). Vorhandensein gleicher Objekte auf 2 Darstellungen, etwa desselben Wandbildes, bei V. zu Datierungszwecken nur bedingt nutzbar (s. die Übersicht von Plietzsch '39, p. 53f. [Wichtig die "Kuppelszene" des Utrechters D. v. Baburen auf H. d. G. 25 u. 29, der "stehende Amor" von C. B. van Everdingen od. J. G. van Bronchorst auf H.d. G. 16, 23, 27 u. die "Kreuzigung" von od. nach Jordaens auf H. d. G. 2. Vgl. ferner den Hinweis G. Isarlo's auf E. Baschenis od. Bettera bei dein "Musikstilleben" auf H. d. G. 36]). Auch die Beachtung der Kleidermoden nur ergänzend heranzuziehen. - Gewisse häufige Erhaltungsmängel V.scher Bilder innerlich begründet (Durchwachsen von Blau, Verfärbung des Grün) bzw. durch V.s Maltechnik gefördert (Verlust zarter Lasuren u. feiner Übergänge); makellose Erhaltung, wie etwa des Czernin'schen "Ateliers" selten. Bei Vergleichen Berücksichtigung des Zustandes der betr. Bilder von besonderer Wichtigkeit. Von den Werkverzeichnissen das umfassendste in C. Hofstede de Groots Beschr. u. Krit. Nerz., I (1907). Nachzutragen: (I) 1907 verschollen gewesene, seitdem wieder aufgetauchte Orig.-Bilder: H. d. G. 10 (" Perlenwiigerin", Widener-Stiftg); bei 26 ("Gitarrespielerin", Iveagh-Stiftung. Voll bez.); 36 ("Briefschreiberin", Slg Morgan. Voll bez.); 46a("Mädchen in rotem Hut", Mellon-Stiftg). - (II) Nicht bei H. d. G. '07 genannte Orig.-Bilder: "Die Emmausjünger", Mus. Boymans, R'dam (von D. A.Hoogendijk, A'dam, erworben. Voll bez. Ausst.-Kat. R'dam 1938, Nr 162. D. Hannema in: Jaarverslag Mus. Boymans, 1937. Plietzsch '39, Nr 2. de Vries Nr 22); "Gitarrespielerin", New York (Legat Huntington. Voll bez. 52x46. W. R. Valentiner, Ausst.-Kat. New York 1909, Nr 135. H. d. G. Taf. Suppl. I, 45. Plietzsch '39, Nr 19. de Vries Nr 27); "Herr im Hut", holländ. Besitz (Voll bez., dat. 16..; 87x66. Plietzsch '39, Nr 33 [wahrschein'. um 1670]. de Vries Nr 34 [um 1665]); "Mädchen in blauem Hut", Slg Baron Thyssen-Bornemisza, Lugano (Okt. 1930 bei Paul Cassirer, Bln. Unbez. 23,5 x 21,3. Plietzsch '39 Nr 40. de Vries Nr 30). - (III) Zu streichen, da nicht von V.: H. d. G.9 (= C. de Man); 12 (jetzt Hannover. Zuschreib. an P. de Hooch od. H. v. d. Burch auch fraglich); 12d (= J. Vrel; jetzt Lille); 14 (1938 bei G. Castano, Boston. Photo im RKD); 15 (1932 Londoner Handel. Wohl französisch); 18 (jetzt Privatbes., Leipzig. Abb. Verst.Kat. Frau H., Paris 14. 5. 1914, Nr 280. Vrel nahestehend); 19a (1929 Londoner, 1938 Pariser Handel); 26 (d. Ex. des Johnson-Mus. freie alte Kopie nach d. Ex. der Iveagh-Stiftung, Kenwood; s. o.); 30a (jetzt A'dam, Nr 109); 35a (nach späterer Notiz H. d. G.s wohl Ochtervelt, 1910 bei J. Böhler; nach Notiz E. Plietzsch's: L. de Jongh?); 40a (- P. de Hooch, H. d. G. 216a u. Valentiner '30, p. 76 u. 277); 50 (= G. A. Berckheyde; jetzt den Haag); 51c (= J. Vrel; jetzt Worms, Stiftg Heyl z. Herrnsheim [51, 51 b 51d, 51e, 51 f u. 52a auch von Vrel?]); 52 (- H. v. d. Burch; jetzt A'dam, Nr 1648e); 52 b (= J. Vrel; jetzt A'dam, Nr 2600. Auf Verst. G. Fincke, Bamberg, 11. 9. 1865 [als G. Berckheyde] an W. Bürger); 53 (= J. B. v. d. Meiren?); 54 (- Joris v. d. Haagen [Staffage v. L. de Jongh]; jetzt Wien, Stiftg Benda Nr 89). Weitere Ergänzungen zu H. d. G. auch bei de Vries, p. 77ff. Zuschreibungen: Überbegeisterung der Vermeer-Wiederentdecker W. Bürger, Suermondt u. Waagen sowie steigender Marktwert der Originale V.s haben seit 1866 zu z. T. wilden Attributionen an V. geführt. Außer Werken von J. A. Berckheyde, J. Blommendad (?), G. Ter Borch (H. d. G. 74), Boursse, H. v. d. Burgh, A. Hanneman, J. C. v. Hasselt, P. de Hooch (H. d. G. 33, 163, 192, 264, 272, 321), D. J. v. d. Laen, N. Maes (H. d. G. 90 [?], 97, 309), C. de Man, Metsu (H. d. G. 185), J. v. Noordt, C. A. Renesse, J. Steen (H. d. G. 412), M. Sweerts, V.s Haarlemer Namensvettern, J. Vermeulen, W. v. Vliet, D. Vosmaer, J. Vrel, J. B. Weenix u. a. wurden V. sogar Bilder von Nichtholländern (Franzosen, wie z. B. G. de la Tour) u. vor allem Fälschungen sowie Verfälschungen aller Art - z. T. von irref ührenden Expertisen begleitet! - zugewiesen. Bisher noch nicht endgültig geklärt folgende Zuschreibungen: 1) "Geldzähler"; (ehem.?) Wien, Slg Matsvansky. Von Th. v. Frimmel, Blätter f. Gern.- Kunde Apr. 1906, als Jugendarbeit V.s von 1650 veröffentlicht. Trotz des Abstandes von den anerkannten Frühwerken V.s als "höchst fesselnde" Arbeit des jugendlichen angehenden Künstlers denkbar (vgl. Notiz im H. d. G.-Nachlaß, RKD). Das Monógrarnm allerdings eher gegen V. sprechend. - Nach W. Martin (Onze Kunst, 1907/II p. 24) nicht von V. Nicht bei Plietzsch '39. Nicht bei de Vries. "Klöpplerin"; Stiftg Mellon für Washington. H. d. G. 12b (?) u. Taf. Suppl. II, 51. De Vries 31, als nicht ganz sicher. Nicht bei Plietzsch '39. "Paar am Klavier"; Nachlaß Mannheimer, A'dam. A. Bredius in: The. Burlington Mag., 61 (1932) 145 (d. Abb. p. 144 ungünstig, ohne die Feinheiten der photogr. Vorlage). Nicht bei Plietzsch '39. Nicht bei de Vries. "Lachendes Mädchen"; Stiftg Mellon f. Washington. H. d. G. Taf. Suppl. II, 50. De Vries 19, als zweifelhaft. Von A. Bredius (a. a. O., p. 145) als Fälschung abgelehnt. Nicht bei Plietzseh '39. "Mädchen in Blau"; Sig Hyde, Glenn Falls. Aus Verst. Carruthers u. a., London 23. 3. 1934, Nr 62 (vor Restaurierung). Ausstg R'dam 1935, Nr 88 (stark übermalt). D. Katz, Kat. Ausstg Nymwegen 1936, Nr 71. Von W. R. Valentiner (nach erneuter Reinigung) anerkannt. de Vries 20, als etwas zweifelhaft. Nicht bei Plietzsch '39. 6) "Kopf eines Knaben"; Berlin, K.-K. 4581. Studie (auf Papier). Bürger '66, Nr 46. H. d. G. 46b (nach alter Erwähnung; von H. d. G. später nicht voll anerkannt). Plietzsch '11, Nr 7; '39, Nr 34. Nicht bei de Vries. Zeichnungen: Beglaubigte Orig.-Zeichnungen fehlen. Das Verz. bei Wurzbach, II 777, kritiklos u. völlig überholt; Zuschreibungen von Blättern i. öffentl. Besitz zu berich tigen in: Bega (Weimar), Doomer (Wien), G. v. d. Eeckhout (Wien), Jan Hals (Frkfrt/M., Nr 885; Haarlem), D. Kerkhoff? (Berlin 378), Rembrandt (Dresden, Wien), Toorenvliet (Berlin 2388); vgl. F. Lugt in: Jahrb. d. Preuß. Kstslgn, 52 (1931) 52, u. J. G. van Gelder in: Oud-Holl., 43 (1931) 274 Anm. 1. Verschieden beurteilt die Kreidezeichnung der "Ansicht von Delft" (Frkfrt/M., Nr 884), 1866 als Vorstudie zu dem Gemälde (H. d. G. 48) erstmalig veröffentlicht; Name u. lavierter Vordergrund von fremder Hand. - Meist farbige Zeichnungen nach V. von: A. Brondgeest (Stadtansicht [nach V. oder J. Vrel?]), J. Casteleyn (Herr im Hut), Delfos (H. d. G. 6), W. Hendricks (H. d. G. 48), Lamberts (H. d. G. 47), H. Numan (H. d. G. 48), Stoiker (H. d. G. 11), Vinkeles (H. d. G. 17 u. 47 [?, od. nach J. Vrel?]), J. Waldorp (H. d. G. 20). Reproduktionsgraphik: Ältere Stiche u. Radierungen nach V.: in d. "Recueil de Grav." Lebrun's, 1809, II, 87 (H. d. G. 33) u. von Ch. de Billy (H. d. G. 11), Courtry (H. d. G. 16), Deblois (H. d. G. 5), Garrean (H. d. G. 6), J. Jacquemart (H. d. G. 39), J. W. Kaiser (H. d. G. 17), F. Leenhoff (H. d. G. 6), Riedel (H. d. G. 34, als Flinck!), A. Simon (H. d. G. 8, als P. de Hooch), W. Steelink (H. d. G. 38), W. Unger (H. d. G. 8, 38), Valentin (H. d. G. 23). - Lithographie von L. Ekeman-Alleson 1820 nach H. d. G. 34, als Flinck (s. Dussler, Ink. d. Lith., 1925 p. 166, Nr 20). Lit.: (Auswahl. Bisher ausführlichste Zusammenstellung i. d. Monographie von A. B. de Vries, 1939 [s. u.]): Zeitgenössisch: D. Evertsz. van Bleisweijck, Beschryvinge der stadt Delft, 1667. - [B. de Monconys,] Journal des Voyages, 2 (1666) 149. - Urkundl. Forschungen: A. C. BoogaardBosch in: Nieuwe Rotterdamsche Courant, 25.1. 1939 (über V.s Vater). - L. G. N. Bouricius in: Oud-Holl., 42 (1925) 271f. - A. Bredius in: OudHoll., 3 (1885) 217/22; 28 (1910) 61/64; 34 (1916) 91, 160f.; s. a.: de r s., Kstler-I nv., 2 (Quellenstud. z. holl. Kstgesch., 6), 1916 p. 398. - H. Havard in: Chron. d. Arts, 1877 p. 121/23. - F. Lugt in: Oud-Holl., 53 (1936) 118. - Fr. D. O. Obreen in: Archief voor Ned. Kstgesch., 4 (1881/82) 289/303; 6 (1884/87) 11. Ncd. Spectator, 1870 p. 452. Monographien von: W. Bürger [= E. J. Th. Thoré], Par. 1866 (S.-A. aus: Gaz. d. B. A., 21 [1866/11] 297-330, 458-470, 542-575; mit Nachtr. - Dtsche. Übers. v. P. Prina, 1906). - J. Chanta vorne, Par. 1926. - G. Dreyfous, Par. 1912. - FI. G.Fell, Lo. 1933/34. - Ph. L. Hale, Boston 1913; erw. Ausg. (F. W. Coburn u. R. F. Hale) 1937. - H. Havard, Par. 1888 (Coll. des Art. cél.). - S. Lane, Lo. 1925. V. N. Lazareff, Moskau 1933. - E. V. Lucas, Lo. 1922; 2. Aufl., Einitg v. Ch. J. Holmes, 1929. - A. Plasschaert (j. V. en P. de Hooch), Adam 1924. E. Plietzsch, Lpzg 1911 u. 1939 (im Text zitiert als "Plietzsch '39"). - F. van Thienen, A'dam 1939 (Palet Serie). - G. Vanzype, Brüssel 1908 (Coll. des gr. art. des Pays Bas); erw. Ausg. 1921 u. 1925.- A. B. de Vries, A'dam 1939 (im Text zitiert als "de Vries"). Zusammenfassendes. Allgemeines: C. H. Collins Baker in: Dutch Painting of the 17th Cent., 1926. - W. (v.) Bode, Rembrandt u. s. Zeitgen., 1906, p. 47-54 (ill. Neuaufl. i. Vorbereitg); ders., Die Meister der holt. u. vläm. Malersch., 1917; ders. in: Great Masters of Dutch a. Fl. Painting, 1909. - A. Bredius in: Amsterdam i. d. 17e eeuw, 1897. - Cl. BrièreMisme, La peint. holl., 1928 p. 30/35. - R. v. Eynden & A. v. (1. Willigen, Geschied. d. Vaderl. Schilderk., 1 (1816). - M. J. Friedländer, D. Niederl. Maler des 17. Jahrh., 19'23 p. 37f., 329. - H. E. van Gelder in: Kstgesch. der Nederlanden, [1938]. - H. Ha yard in: L'Art et les Artistes holl., 1880. - J. Huizinga, Holl. Kultur des 17. 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Architekturbild, 1910 p. 144/48, 152 (Raumproblem). - P. Johansen in: Oud-Holland, 38 (1920) 185/99 (Chronologie).-T. Klingsor in: Beaux-Arts, Paris, 2. 2. 1934, p. 6 (Lichtführung). - W. Martin, Altholl. Bilder, 1918 p. 38f., 134f., 136ff. (Stil; Pentimenti; Farbenerhaltung); ders. in: The Burlingt. Mag., 8 (1905/06) 14, 18, 24 (Atelier); 10 (1906/07) 140, 145f. (Pentimenti). - A. Peltzer, Über Malweise u. Stil i. d. holl. Kst, 1903 p. 87/119 (Farbe). - Jh. J. Six in: Offiz. Bericht des Ksthist. Kongr. zu A'dam, 1896, p. 49 (Farbe u. Chronologie); ders. in: Bull. Ned. Oudh. Bond, II. Ser., 1 (1908) 1/5 (Technik). - C. F. L. Wild in: Bull. Ned. Oudh. Bond, II. Ser., 1 (1908) 58-62, 156-158 (Technik). Werkverzeichnisse i. d. Monographien von W. Bürger (1866), H. Havard (1888), E. Plietzsch (1911 u. 1939), G. Van Zype (1908, 1921, 1925), A. B. de Vries (1939). Ferner grundlegend (mit Kritik von Bürgers Verzeichnis): C. Hofstede de Groot, Beschr. u. krit. Verz., 1 (1907) 585/61'. (i. Text abgekürzt: "H. d. G."; engl. Ausgabe: A Cat. rais. ... transi. by E. G. Hawke, 1908. Besprechungen in: The Burl. Mag., 13 [1908] 43f.; Report. f. Kstwiss., 31 [1908] 81 [A. Bredius]; Zeitschr. f. B. Kst, N. F. 19 [1908] 67 [R. Graul]; Zentralbl. f. kstwissensch. Lit. u. Bibliogr., 1 [1909] 147ff. [E. W. Moes]. Erwiderung: C. Hofst. de Groot, Zur Abwehr [o. J:]); dors., Jan V. v. Delft & Carel Fabritius... Photograv. m. tekst (holl., deutsch, engl.), 1907; 1. Suppl., 1913; 2. Suppl., 1930 (i. Text abgekürzt: "H. d. G. Taf.") (Taf. 46/48, 50/52 irrig zugeschr. bzw. nicht gesichert). Zu einzelnen Bildern: A. Bredius, Kstler-Inv., 1 (Qu.-St. 5), 1915 p. 233, 325. - Hanns Fischer, Kurf. Lothar Franz u. s. Gemäldegal. (Diss. Freiburg-Schweiz), 1927; II., ungedr. Teil: Der Gräfl. Schönborn-Wiesentheidsche Bilderbesitz. - Th. v. Frimmel, Lex. d. Wiener Gem.-Slgn, 1 (1913) 199, 248f., Abb. 20, 37; 2 (1914) p. VII. Funde, Wiederentdeckungen: Zu H. d. G. 1: D. S. 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[nicht V.]; 22 (1930) 364 [ältere Nachahmung, modern verfälscht]. - Comoedia, 4. 10. 1927 [nicht V.]. - The Connoisseur, 95 (1935) 7f. [= M. Sweerts]; 96 (1935) 255 [französisch? 2. 7. 1937 bei Christie's, Lo., verst.]; 99 (1937) 140f. - Excelsior, 4. 10. 1927 [nicht V.]. - Frankf. Zeitg (Beil.: "Die Frau") 4.12.1932. - v. Frimme1, Stud. u. Skizz. zur Gem.-Kunde, 2 (1916) 148 m. Tal. [nicht V.]. - Gaz. des Beaux-Arts, 1927/II p. 305/10 (S. de Ricci). - The Illustr. London News, 15. 11. 1924 [nicht V.]. - D. Kunst, 49 (- Kst f. Alle, 39), 1923/24 p. 183 (m. Abb.). - Kstchron., N. F. 18 (1883) Sp. 317 [nicht V.]; N. F. 24 (1889) 572 (A. Bredius) [nicht V.]. - D. Kstwanderer, 1927/28, p. 6f. (W. Martin). - Magaz. of Art, 1901 p. 31f. [nicht V.]. - Nieuwe Rotterd. Courant, 15.5.1923 (C. Hofstede de Groot) [französisch?]; 5. 7. u. 16. 8. 1923 (ders.) [nicht V.]; 24. 12. 1939. - Onze Kst, 35 (1919) 64f. [= A. Hanneman]. - OudHoll., 3 (1885) 219 Anm. 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Cust, The Royal Coll. of Paint., 2). - Ausstellungen: Graves, A Century of Loan Exhib., 4 (1914); einzeln: Amsterdam: 1845 [H. d. G. 47]; 1900 (Slg. Six) [H. d. G. 47]; 1933 (Goudstikker, Het Stilleven) [Nrn 76, 77: früher fälschl. V. zugeschr.]; 1934. - Berlin: 1906 (Meisterw. Alter Kst) u. 1914 [H. d. G. 33]; 1929 (Gal. Schäffer) [IL d. G. 38]. - Birmingham: 1934/35 (Midland Art Treasures Exh.) [Nr 150 - M. Sweerts]. - Brüssel: 1929 (StillebenAusstg; Kat. v. E. Zarnowska) [Nr 96: nicht V.]. - Chicago: 1933 [H. d. G. 10]. - Detroit: 1925 [H. d. G. 10]. - Düsseldorf: 1904 [H. d. G. 42]. - Glasgow: 1933 [Nr 97, aus Slg J. H. Galloway: nicht V.]. - Den Haag: 1890 [H. d. G. 32]; 1924 (Tent. v. Kinderafbeeld. etc.). - London: s. Graves; ferner: 1922 (Agnew's) [H. d. G. bei 26, Ex. Iveagh]; 1924 (Agnew's) [H. d. G. 24]; 1926/27 (Burlingt. F. A. C.) [H. d. G. 24]; 1928 (Roy. Acad. Exh.: Iveagh Bequest) [H. d. G. bei 26]; 1929 (Roy. Acad., Exh. of Dutch Art). - München: 1901 (Meisterw. d. Renaiss.) [Frauenbildnis, monogr., doch nicht V.]. - New York: 1909 (Hudson-Fulton-Celebr., Exh. Metr. Mus., I; Kat. v. W. R. Valentiner); 1939 [H. d. G.17]. - Paris: 1921 (Peint. holl.). - Providence: 1938 (Kat. m. Text v. W. Stechow) [H. d. G. 4, 17]. - Rom: 1928 (hall. Malerei). - Rotterdam :1920 (Kat. 19 von J. Goudstikker-A'dam) [H. d. G. 22d]; 1935 (Mus. Boymans: V., vorspr. e. invl.); 1938 (Meesterw. uit 4 eeuw.). - Ksthändler: J. B. P. Lebrun, Gal. des Peintres flam., holl. et all., Paris 1792, II 49 u. Stich [nach H. d. G. 6]; ders., Recueil de gravures au trait d'après un choix de tableaux, Paris 1809, II 87, Taf. 166 [nach H. d. G. 33]; Sedelmeyer Galleries, Cat. of 300 Paint., Paris 1898, p. 102ff. Versteigerungen: Wichtig d. Werkverzeichnisse von C. Hofstede de Groot u. A. B. de Vries [s. o.]. Ferner: G. Hoet, Cat. of Naamlyst van Schilderyen, 1752, Suppl. v. Terwesten, 1770, I 34/36 (Hauptquelle f. V.s OEuvre), 48, 62, 147 176, 216, 221, 242; II 248, 333, 359, 365, 390, 438; Suppl. 473. - Jahrb. der Bilder- u. Kstblätterpr., 1911 ff., I 42; II 65 (Zusehr.). - Mireur, Dict. des Ventes d'Art, 4 (1911) 102 (fälsch]. b. Th. de Keyser 1881 [betr. H. d. G. 6]); 5 (1911) 143 (J. v. d. Meer de D.), 143-145 (peintre all. [!]); 7 (1912) 330f. (J. V.) [viele Angaben verworren, ja ungenau!]. - Einzeln [nur ill.]: Amsterdam: v. Buuren, 26. 5. 1925 Nr 136 [= Weenix]; Nemes, 13. 11. 1928 Nr 66 [nicht V.]. - Berlin: Herrenburger, 1. 12. 1908 Nr 37 [nicht V.]; "J. F. D.", 28. 11. 1911 Nr 111 [nach Notiz C. Hofstede de Groot i. d. Art des Duck; 1928 bei Katz, Dieren]. - Bonn: Woyna u. a., 1. 3. 1898 Nr 136 [der Abb. nach sehr unwahrscheinl.; = H. d. G. 41a]. - Brüssel: Cardon, 27. 6. 1921 Nr 129 [der Abb. nach nicht V.]; "M. F. B. ...", 14. 5. 1928 Nr 62 [s J. Vermeulen]; bei Fievez, 10. 12. 1928 Nr 79 [Notiz Witt Library: "Horst"]. Köln: Ruhl, 15. 5. 1876 Nr 83 [- J. Vrel]; Grote u. a., 7. 6. 1886 Nr 116 [= J. Vrel. Jetzt Oldenburg]. London: Niesewand, 9. 6. 1886 Nr 66 [Abb. im RKD unter "W. v. Vliet"]. - München: Nemes, 16. 6. 1931 Nr 54 [als anon. holl. Meister. Nach Roger Frey e. Jugendwerk V.s und - auch nach Mitteilg v. E. Waldmann v. 19. 9. 1931 - d. Bez. "meer f" alt. Indessen nach W. R. Valentiner von H. v. d. Burch; s. auch: Weltkst, 5 (1931) Nr 27 (E. Trautscholdt). Jetzt Bremen, Ksthalle]. - Paris: Tabourier, 20. 6. 1898 Nr 188 (= J. Vrel. Jetzt Philadelphia, Mus. Johnson]; A. L..., 15. 6. 1903 Nr 61 [aus Verst. (Lepke) Berlin, 24. 2. 1903 Nr 72. Auf Verst. Spiridon, A'dam 19. 6. 1928 Nr 55 als A. Halmeman]. - Zürich: Hommel, 19. B. 1909 Nr 15 [als "J. Ochtervelt" (1935) im Mus. Brüssel Nr 937. Nicht V. od. Ochtervelt]. Notizen von C. Hofstede de Groot (†), Abb.-Slgen des Rijksbureau v. ksthist. Documentatie im Haag u. der Witt Library, Lo. - Mitteilgn u. Photos durch: O. Bartning, D. G. v. Beuningen, W. Bornheim, C. Brière-Misme, H. Gerson, M. Gorke, E. Grütering, D. Hannema, A. Heppner, D. A. Hoogendijk, G. Isarlo, D. Katz, F. Lugt, Sir Alee Martin, W. Martin, C. Müller-Hofstede, E. Plietzsch, G. Ring, H. Schaeffer, H. Schneider, K. E. Simon, Prokop Toman, W. R. Valentiner, A. B. de Vries, Dr. A. Welcker, H. Wichmann. E. Trautscholdt.