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Sesshū, Tōyō

Born
Akahama, Provinz Bitchū, 1420
Died
(Tempel) Daikian (Iwami), 26 August 1506
Country
Japan, China
Gender
male
GND-ID
Name Variations
Tōyō Sesshū; Sesshū; Sesshû; Tōyō; Oda; Bikeisai; Unkoku; Beigensanshû; Tendô Daiichiza; T'ien-t'ung Daiichiza; Beigenzan Shujin; Sessō Tōyō; Unkokuken; Sesshū Tōjō; Sesshu
Occupations
Painter; Landscape Artist; Priester; Dichter
Places of Activity
Kyōto, Kamakura, (Tempel) Unkokuan (Yamaguchi), (Tempel) Ch'ing-tê-ssǔ (Ningpo), Beijing, Ōita, Masuda (Iwami)
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Last edited
08.04.2024
Published in
AKL CIII, 2019, 172

VITA

Sesshū Tōyō (Sessō Tōyō; Tōyō Sesshū; Yō Shika; Unkoku), jap. Mönch, Maler, *1420 Akahama, Provinz Bitchū (heute Stadt Sōja, Präfektur Okayama), †26.8.1506 Daikian (Iwami). Arbeitete in Kyōto, der Bungo Provinz (heute Präfektur Ōita) und der Suō Provinz (heute Präfektur Yamaguchi).

LIFE AND WORK

S.s hieß wahrsch. Fuji oder Oda. Elfjährig wurde er Novize im Rinzai Zen Tempel Hōfukuji in seiner Heimatstadt. In den 1430er oder 1440er Jahren ging S. nach Kyōto. Dort wurde er möglicherweise beim berühmten Mönchmaler Kichizan Minchō oder seinen Anhängern im Tōfukuji-Tempel ausgebildet. Der Einfluss von Minchōs figuralem Stil spiegelt sich am besten in S.s spätem Werk Hui Ke mit dem Arm zu Bodhidharma (Sainenji, 1496) wider, in dem S.s kühne, graf. durchdachte Linien Bodhidharmas Kleidungsstücke umreißen, ein char. Merkmal von Minchōs Ikonenbildern. In Kyōto war S. in erster Linie im Shōkokuji Tempel beheimatet, wo er Malerei bei dem Mönchsmaler Tenshō Shūbun studierte. Im Vorwort zu seiner 1495 Lsch. in gebrochener Tusche, erklärte S. seine künstlerische Schuld gegenüber Shūbun. Shūbuns Einfluss auf S.s frühe Arbeiten ist in zwei Gem. zu sehen, die oft schlicht als Lsch. bezeichnet werden (Tokio-Minato, Nezu-Mus.; Kyōto, NM). In diesen Gem. verwendete S. Techniken, die Shūbun zugeschr. wurden, insbes. die Anhäufung von Vordergrundmotiven in einer Ecke der Komp., die Verwendung feiner Pinselstriche für die Darst. von Bäumen und Archit. und die Verwendung von negativem Raum, um den Eindruck eines atmosphärischen Nebels zu erwirken. Um 1454 wurde der Ōuchi-Clan in der Provinz Suō im Südwesten Japans zu seinem Förderer, der begünstigt durch die Nähe zum asiatischen Kontinent gute Handelsbeziehungen zu China und Korea pflegte. S. hatte möglicherweise die Absicht, mit einem diplomatischen Tributschiff nach China zu gelangen. Sein frühes Interesse an der chin. Kultur zeigt sich darin, dass er den Namen "Unkoku" annahm, einen Beinamen des berühmten neokonfuzianischen Gelehrten Zhu Xi, den S. zutiefst bewundert zu haben scheint. Durch eine 1457 verfasste Aufzeichnung dokumentiert der Mönch Ryōkō Shinkei die Annahme des Namens Sesshū/Schneeboot, unter dem der Künstler heute bek. ist. Es wird daher vermutet, dass S. vor diesem Zeitpunkt als "Sessō Tōyō" bek. war, dessen Schriftzeichen in den Siegeln der dem Künstler zugeschr. Fühwerke erscheinen. 1467 reiste S. als Tl der zwölften diplomatischen Gesandtschaft unter der Schirmherrschaft des Ashikaga-Shogunats mit einem von den Ōuchi gecharterten Schiff von Kyushu aus zum Ming-Hof. Da die jap. Delegation nach ihrer Ankunft auf die Einreiserlaubnis in die Hauptstadt warten musste, traf S. wahrsch. währenddessen die vor Ort ansässigen Literaten. In Tiantong Shansi, einem Tempel außerhalb von Ningbo, erhielt er den Ehrentitel "Tiantongsi dai'ichiza"/[Inhaber des] Ersten Sitzes im Tiantong Kloster, mit dem er später einige seiner wichtigsten Komp. signieren sollte. S. begleitete eine kleine Gruppe ausgewählter Delegationsmitglieder auf ihrer Reise entlang des Kaiserkanals nach Peking. Es wird angenommen, dass S. dort die beispiellose Gelegenheit hatte gemeinsam mit den Hofmalern der Verbotenen Stadt zu studieren und zu arbeiten. Vor der Abreise A. 1469 beauftragte der Minister des Ritenministeriums S. damit, Malereien für die Haupthalle des Amtsgebäudes anzufertigen. Die Lsch. der vier Jahreszeiten, eine Ser. von vier Gem. (Tokio, NM) könnten das Ergebnis dieses Auftrags sein. Die großformatigen mon. Bergformationen, die dynamische Pinselführung und der verdichtete komp. Raum in diesen Werken zeigen S.s Auseinandersetzung mit den Stilidiomen der chin. Hofmalerei des 15. Jahrhunderts. Die Schriftrolle Szenische Ansicht Chinas (Kyōto, NM), die als Kopie nach einem Werk S.s gilt, stellt in lebendigen, skizzenhaften Formen versch. Fluss- und Kanalabschnitte dar, die die Delegation bei ihrer Reise nach Südchina durchsegelt hatte. Diese Arbeit spiegelt S.s intensives Interesse an einer Landschaftsdarstellung wider, die durch Reisen und Begegnungen erfahrbar wird - ein Aspekt, der ihn auch in seiner späteren Schaffenszeit weiter beschäftigten wird. Gegen E. 1469 kehrte S. nach Japan zurück. Durch die mit dem Bürgerkrieg verbundenen Unruhen ist sein Verbleib in den folgenden Jahren unklar. Im dritten Mondmonat 1476 schließlich ist S.s Wohnsitz in Ōita im Norden Kyushus dok., wo er das erste seiner Tenkai Togarō Ateliers eingerichtet hatte. In den 1470er und frühen 1480er Jahren reiste S. durch das nördliche Kyushu und in die Provinz Minō (heutige Präfektur Gifu). 1486 war ein wichtiges Jahr in seiner Malerkarriere. Durch den Besuch von S.s Freund Ryōan Keigo im Sommer diesen Jahres ist die Gründung des zweiten Tenkai Togarō Ateliers überliefert. In seinen Aufzeichnungen beschreibt Ryōan die idyllische Umgebung von S.s Wohnung und bemerkt, dass Ōuchi Masahiro, Kopf des Ōuchi-Clans, den Künstler dort gelegentlich besuchte. Im zwölften Mondmonat 1486 vollendete S. sein Hw. Lsch. der vier Jahreszeiten, bek. als Lange Lsch. (Mōri Fam.-Slg). Die Schriftrolle führt auf einer Länge von 15 Metern den Betrachter durch eine weitläufige Lsch. aus Bergen, Flüssen, Fischerdörfern und Höhlen, während die Jahreszeiten von Frühling bis Winter wechseln. Die Bedeutung dieses Werks in S.s Œuvre liegt v.a. darin, dass sich hier der reife Stil des Künstlers zeigt. Dieser ist durch einen kräftigen Duktus sowohl in der Textur als auch der Linienführung charakterisiert, die seinen Formen eine Lebendigkeit einhaucht, die unter den Arbeiten seiner Zeitgen. einzigartig bleibt. S.s kompositorische Herangehensweise ist ebenfalls bemerkenswert und zeichnet sich durch einen von der Struktur her gedachten Einsatz von Motiven aus, der einerseits die relativen räumlichen Beziehungen deutlich macht, andererseits aber den logischen Vorstellungen von Raum und Tiefenwirkung trotzt. Obwohl die Typologie der Bäume, Texturstriche und Steingärten in der Langen Lsch. mit denen des chin. Malers Xia Gui aus dem 13. Jh. in Verbindung gebracht werden, waren S.s dynamische Transformation dieser Formen und die Entwicklung seines reifen Stils v. a. seinem Stud. zeitgen. chin. Landschaftsmalerei zu verdanken. Nach 1501 konnte S. nach Amanohashidate, einer berühmten Sandbank in der Miyazu-Bucht in der Präfektur Kyōto, reisen, die die Inspiration für sein Werk Amanohashidate (Kyōto, NM) lieferte. Dieses Gem., wahrsch. ein Vorentwurf, reflektiert S.s Integration von malerischen Techniken und Beobachtungen von tatsächlichen Lsch. und Orten, eine Fortsetzung seiner Experimente mit der der Darst. "wahrer Lsch." (shinkeizu-Malerei) während seines Aufenthalts in China. 1495 malte S. für seinen Schüler Josui Sōen (Tokio, NM) die Lsch. in gebrochener Tusche. Diese Art der Landschaftsmalerei, die durch die sukzessive Schichtung nasser Tusche abstrakte Formen kreiert, praktizierte S. seit seinen frühen Jahren. Wohl der bedeutendste Aspekt der Lsch. in gebrochener Tusche ist jedoch S.s Vorwort, das er über der Darst. angebracht hat und in dem der Künstler knapp die Umstände seiner Chinareise beschreibt. Dieser Text ist ein seltenes Zeugnis eines frühneuzeitlichen professionellen jap. Malers zu seinem Leben und seiner Kunst. S. starb vor 1507, das genaue Datum sowie der Ort werden von der Forsch. diskutiert. Er hatte eine Reihe bek. Schüler und Anhänger, von denen allerdings keiner den Rang des Lehrers erreichte. Obwohl dies teilw. dadurch erklärt werden kann, dass sie nicht die ganze Bandbreite oder Qualität seiner Technik beherrschten, ist es v.a. die Singularität seiner Chinareise sowie die Tatsache, dass S. der einzige vormoderne Maler in der Gesch. der jap. Kunst war, der die Malerei am chin. Hof studierte, die seine Sonderrolle bekräftigen. Dabei war es nicht nur der Kontakt mit der chin. Berufs- oder Hofmalerei, auch der Austausch mit den Literaten in Ningbo, von denen einige ebenfalls Maler waren, öffnete ihm wahrsch. die Augen für die Welt des malenden Dilletanten, des kultivierten Edelmanns, für den die Malerei gleichermaßen ein Medium individuellen Ausdrucks wie auch der bildlichen Darst. war. Diese Erfahrungen wirkten nachhaltig auf S.s Auffassung des eig. Handwerks. Den Erfahrungswert des Reisens schätzte er sein Leben lang und machte häufige Reisen durch sein Heimatland. S.s gilt als der Erfinder der chin. Landschaftsdarstellung in Japan. Seine Wirkung erwies sich als so bedeutend, dass in der Momoyama- und Edo-Periode die Unkoku-, Hasegawa- und Kanō-Schulen, drei der wichtigsten jap. Malerschulen, alle Anspruch darauf erhoben, S.s Vermächtnis fortzusetzen.

WORKS

Kyōto, NM: Vögel und Blumen der Vier Jahreszeiten-Wandschirme, Tusche und Farbe/Papier, undat.; Figuren unterschiedlicher Länder-Schriftrolle, Tusche/Papier, 1501. Northampton, Smith College MoA: Bodhidharma überquert den Fluss Jangtsekiang auf einem Schilfrohr, Tusche/Papier, Dat. unbekannt. Okayama, Pref. AM: Tenjin besucht China, Tusche und Farbe/Seide, 1501; Lsch. nach Yu Jian, Tusche/Papier, Dat. unbekannt. Osaka, Fujita AM: Selbstporträt im Alter von 71 Jahren, Tinte und Farbe/Seide, 1490; Dat. unbekannt. Tokio, NM: Herbst- und Winterlandschaft, Tusche/Papier, Dat. unbekannt. Yamaguchi, Pref. AM: Lsch. nach der Gao Kegong Schriftrolle, Tusche/Papier, 1474.

EXHIBITIONS

Solo exhibitions:

Tokio: 1956, 2002 (Wander-Ausst.) NM; 2005 Nezu Mus. / 2006 Yamaguchi, Pref. AM (alle K).

 

SOURCES

Thieme-Becker, Vollmer, and AKL:

ThB30, 1936

 

Other encyclopedias:

ELU IV, 1966; Roberts, DJA, 1976; Tazawa, 1981; DA XXXI, 1996; K.Rawlings (Ed.), Benezit dict. of Asian artists II, N.Y. u.a. 2012

 

Printed sources:

J.C. Covell, Under the Seal of Sesshū, N.Y. 1941; T.Matsushita, Japan Quarterly 3:1956(4)460-467; N.Kumagai, Bijutsuji 23:1957, 21-35; id., Bujutsushi 25:1957, 24-33; id., S. Tōyō, To. 1958; M.Ishizawa u.a., The heritage of Jap. art, To. u.a. 1986; A.Shimao, Shinchō Nihon Bijutsu Bunkō 1 S., To. 1996; D.Croissant/M.Wakabayashi, Jap. paint. in the Linden Mus. Stuttgart. A selection from the Baelz coll. (K), St. 1998; A.Y. Seo/S.Addiss, The art of twentieth-c. Zen, Boston/Lo. 1998; M.R. Cunningham, Ink paint. and ash-glazed ceramics (K), Cleveland, Ohio 2000; S.Miyajima, S.: Ryoitsu no Gaka, To. 2000; A.Shimao, S. no Sansui Chōkan - Fūkei Emaki no Sekai de Asobō, To. 2001; Kyūshū Kara Mita S. ten (K City AM), Fukuoka 2006; Y.Lippit, ArtB 94:2012(1)50-77; M.Watada, Kangashi: S. no Shigoto, To. 2013.