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Wolgemut, Michael (1434)

Born
Nürnberg, 1433 / 1434
Died
Nürnberg, 30 November 1519
Country
Germany
Gender
male
GND-ID
Name Variations
Wolgemut, Michel; Wolgemut, Michael; Wolgemut, Michel (1434)
Occupations
Painter; Master Draughtsman
Places of Activity
München, Nürnberg
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By
Last edited
25.08.2025
Published in
AKL CXVII, 2022, 118

VITA

Wolgemut, Michael (Michel), dt. Maler, Zeichner, Entwerfer von Hschn. und Glasgemälden, *wohl 1433/34 Nürnberg, †30.11.1519 ebd.

LIFE AND WORK

W. war der Sohn von Valentin W., Maler in Nürnberg (nachg. ab 1461, †1469/70), und dessen Frau Anna (nachg. ab 1470, †Dez. 1491/März 1492). Nach dem 9.1.1472, spätestens 1473 heiratete er Barbara (†Febr./März 1500), die Witwe des Malers Hans Pleydenwurff. Seine zweite Frau Christina (†1550) ehelichte W. nach dem März 1500. Mit ihr hatte er einen Sohn, Michael W., Maler in Krems (†vor 15.2.1541), von dem bislang keine Werke bek. sind; außerdem eine Tochter, Ehefrau des Gürtlers Linhart Bischoff in Nürnberg (nachg. 1541). W.s bekanntester Schüler war Albrecht Dürer (1471). - Auf das Geburtsjahr W.s lässt Dürers 1516 dat. Porträt des Malers (Nürnberg, GNM) schließen. Es trägt die Altersangabe 82, die sich wohl auf das Entstehungsjahr des Bildnisses und nicht auf das nachträglich vermerkte Sterbejahr W.s (1519) bezieht. Die erste Ausb. zum Maler erhielt W. vermutlich bei seinem Vater, dem gebürtigen Nürnberger Valentin W. Dieser ist in den nur unvollst. überlieferten Steuerlisten der Stadt 1461 auf der Lorenzer Seite, 1462-69 auf der Sebalder Seite dokumentiert. Es sind keine gesicherten Werke von ihm bek., doch wird er in der Forsch. gelegentlich mit dem Meister des Wolfgangaltars identifiziert. Es wurde wiederholt angenommen, dass W. um 1465 in der Wkst. H.Pleydenwurffs mitarbeitete und an der Ausf. des "Hofer Altars" (München, AP) beteiligt war (Betz, 1955, Bd 1, 224-227; Benker, 2004, 33, 219). Doch lässt sich diese Annahme weder archivalisch noch stilkritisch belegen (Strieder, 1993, 58; Hirschfelder, in: Baumbauer/Hirschfelder/Teget-Welz, 2019, 40). Als Frühwerk W.s wird ein Tafelgemälde mit der Messe Papst Leos IX. in Kloster Andechs diskutiert (Weniger, in: Baumbauer/Hirschfelder/Teget-Welz, 2019, 51-53). Archivalische Quellen aus den ersten ca. 37 Lebensjahren W.s haben sich nicht erhalten. Ab einem unbek. Zeitpunkt bis Fasching 1471 arbeitete er als Geselle bei Gabriel Mäleskircher (1455-91 in den Quellen nachw.) in München. W. bemühte sich um die Heirat mit dessen Tochter Magdalena in der Absicht, die Wkst. seines Meisters zu erben. Doch lehnte diese die Vermählung nach W.s Rückkehr nach Nürnberg ab. W. scheiterte mit dem Versuch, die Ehe vor dem geistlichen Gericht in Freising einzuklagen, da laut Urteil vom 8.7.1471 kein Eheversprechen nachg. werden konnte. Wahrsch. arbeitete W. nach der Rückkehr aus München zunächst in der Wkst. seines Vaters, die nach dessen Tod offenbar von der Mutter weitergeführt wurde (1470-80 erscheint sie in den Nürnberger Steuerlisten). W. selbst wird 1473 erstmals als Bürger mit Einkommen in den Steuerlisten genannt. Durch die Heirat mit der Witwe H.Pleydenwurffs gelangte W. in den Besitz von dessen Werkstattfundus, darunter Zchngn, Musterbücher und Pressbrokatmodel. Am 30.4.1479 kaufte er das "Haus unter der Veste an der Schildröhre" (heute Burgstr. 21), das 1464-71 Pleydenwurff gehört hatte. 1493 erwarb W. das Eckhaus Burgstr./Obere Krämersgasse 2 und das Nebenhaus Obere Krämersgasse 4, verkaufte die Anwesen jedoch zwei Jahre später wieder. 1486-90 ging Dürer in die Lehre bei W., der das Schaffen seines Schülers anfangs stark beeinflusste. Auch der Sohn H.Pleydenwurffs, Wilhelm, dürfte bei W. gelernt haben; in den frühen 1490er Jahren arbeitete er eng mit ihm zusammen. Darüber hinaus lassen sich Jörg Stocker (1461) aus Ulm und Matthias Grünewald namentlich als Maler greifen, die zeitweise in W.s Wkst. tätig waren (Oellermann, 1991; Teget-Welz, 2015, 16). Grünewald führte um 1503 die Flügel des aus Bindlach stammenden Retabels in der St.Michaelskirche in Lindenhardt aus. - W. leitete eine der führenden Nürnberger Großwerkstätten für Tafelgemälde und zählt zu den erfolgreichsten Malerunternehmern des Spätmittelalters. Die Werke, die aus seinem Atelier hervorgingen, prägten nicht nur das Bild der Nürnberger Kunstproduktion um 1500, sondern wurden auch bis weit über die Grenzen der Reichsstadt hinaus, etwa nach Böhmen und Sachsen, exportiert. Besonders lukrativ war die Fertigung großer wandelbarer Flügelretabel. Dabei übernahm W.s Wkst. in vielen Fällen auch die Fassung der geschnitzten Figuren der Altaraufsätze, wie sich anhand von Schriftquellen, aber auch kunsttechnologisch nachweisen lässt, etwa wenn dieselben Pressbrokatmodel für die Skulpturen Verwendung fanden wie für die Tafelgemälde (vgl. Roller, 1999; Baumbauer, in: Baumbauer/Hirschfelder/Teget-Welz, 2019, 101-111). Zudem wurden zahlr. kleinere Retabel und dem Totengedenken dienende Epitaphien in der Wkst. gefertigt. Außerdem waren W. und seine Mitarb. als Reißer von Hschn., Maler von Porträts und Buchillustrationen sowie Entwerfer, evtl. auch Hersteller von Glasgemälden tätig. Die große Bandbreite unterschiedlicher Werke, aber auch Anzahl und Größe der in W.s Atelier geschaffenen Altaraufsätze wurden durch die Zusammenarbeit mit zahlr. Mitarb. und Kooperationspartnern wie Bildhauern, Kistlern und Schmieden ermöglicht. In der Blütezeit seines Schaffens im letzten V. des 15. Jh. arbeiteten stets zw. sechs und zwölf Gesellen und Lehrlinge für W. Sie sind nicht archivalisch belegt, lassen sich aber anhand stilkritischer Indizien greifen (Hirschfelder, in: Baumbauer/Hirschfelder/Teget-Welz, 2019, 59-69). Als Leiter eines arbeitsteilig strukturierten Werkstattbetriebs überließ W. die Ausf. eines großen Teils seiner Werke den Mitarbeitern. Diese waren offensichtlich angehalten, sich eines bestimmten, für W. char. 'Werkstattstils' zu bedienen, was die Händescheidung vielfach erschwert. - Eine wichtige Basis für die Erforschung des Œuvres von W. und seiner Wkst. bildet die unveröff. Freiburger Diss. von Betz (1955). Eine erneute, umfassende Behandlung des Gesamtwerks erfolgte erst 2019 (Baumbauer/Hirschfelder/Teget-Welz). Die Beschäftigung mit W.s malerischem Schaffen konzentriert sich in jüngster Zeit v.a. auf die Untersuchung der spätmittelalterlichen Werkstattpraxis im Hinblick auf Arbeitsteilung und Kooperation, aber auch hinsichtlich der eingesetzten Arbeitstechniken, die mit kunsttechnologischen Untersuchungsmethoden erforscht werden. Neue Erkenntnisse zu Aufbau, Genese, Mal- und Verzierungstechniken der Werke W.s erbrachte etwa die Analyse der Tafelgemälde des Meisters und seiner Mitarb. im GNM, Nürnberg (Hess/Hirschfelder/Baum, 2019). - Zu W.s ersten Großaufträgen in Nürnberg gehörte der Entwurf und vermutlich auch die Ausf. für Tle der Verglasung des Hallenchors der Nürnberger Pfarrk. St. Lorenz. Offenbar gehen das von Kaiser Friedrich III. gestiftete Kaiserfenster im Chorscheitel von ca. 1476/77 sowie die beiden angrenzenden Chorfenster (Knorr-Fenster von 1476; Konhofer-Fenster von 1477/78) auf die W.-Wkst. zurück (Scholz, 2019, 111-175). In der F. konzentrierte sich W. jedoch stärker auf die Tafelmalerei, insbes. auf wandelbare Schnitzretabel, die zumeist mit Skulpturen im Schrein und Tafelgemälden auf den Flügeln ausgestattet waren. Die Bildprogramme orientierten sich in erster Linie an den Patrozinien der Kirchen und der Altäre, in und auf denen die Retabel aufgestellt waren. Zu den häufigsten Bildthemen gehören dementsprechend die Viten Christi und Mariens sowie der Heiligen, denen die Altäre geweiht waren. Als frühestes mon., doppelt wandelbares Schnitzretabel ist der 1479 dat. Hochaltaraufsatz der Zwickauer Marienkirche mit Skulpturen weiblicher Heiliger im Schrein für W. dokumentiert. An seiner Ausf. waren mindestens fünf Maler der Wkst. beteiligt; W. selbst werden die Marienszenen der ersten Wandlung zugeschr. (Roller, in: Bodechtel u.a., 2008, 78-102). Der ehem. Inschriftentafel des Retabels zufolge beliefen sich die Gesamtkosten inklusive Transport auf die hohe Summe von 1400 Gulden. Auch für den 1484 voll. Marienaltar der ehem. Augustiner-Chorherrenstiftskirche in Feuchtwangen ist belegt, dass er aus der Wkst. W.s stammt. Die Ausf. überließ dieser vollst. zwei Mitarbeitern. Der Maler der Flügel gehört bis in die 1490er Jahre hinein zu den wichtigsten Gesellen W.s. und ist bereits an den Predellenflügeln des Zwickauer Retabels nachweisbar. Predellenflügel und Schreinrückseite in Feuchtwangen wurden von einem and. Maler ausgef., dem weitere Werke zugewiesen werden können (Roller, in: Baumbauer/Hirschfelder/Teget-Welz, 2019, 71-77). Als zweiter Hauptmaler der Zeit vor 1500 ist der Maler der ersten Wandlung des von Sebald Peringsdörffer und seiner Frau Katharina Harsdörffer um 1486 gestifteten Retabels aus der Nürnberger Kirche der Augustinereremiten (heute in der Friedenskirche, Nürnberg) zu bestimmen. Der Altaraufsatz ist durch den Nürnberger Schreib- und Rechenmeister Johann Neudörffer für die W.-Wkst. bezeugt (Neudörffer/Lochner, 1547/1875, 128). Dem Maler der ersten Wandlung des Peringsdörffer-Retabels können zahlr. weitere Altargemälde und Epitaphien zugeschr. werden (Hirschfelder, in: Baumbauer/Hirschfelder/Teget-Welz, 2019, 59-69). So war er neben W. selbst an der Ausf. des für den Hochaltar der Nürnberger Dominikanerkirche St. Marien geschaffenen, 1489 voll. sog. Straubinger Retabels beteiligt (die Flügel heute in St. Jakob, Straubing). Für den um 1490/1500 entstandenen Hochaltaraufsatz aus der Crailsheimer Johanneskirche setzte W. neben dem Maler der Flügel des Feuchtwanger Retabels Mitarb. ein, die zuvor stilistisch nicht nachw. sind. Teget-Welz vermutet jüngst, dass es sich bei dem Maler der Figur des Henkers in der Szene mit der Enthauptung Johannes des Täufers um den jungen Dürer handelt (Teget-Welz, in: Baumbauer/Hirschfelder/Teget-Welz, 2019, 146-147). Aus dem ersten Jahrzehnt des 15. Jh. sind mehrere dok. Retabel, u.a. für Friedrich den Weisen, verloren oder bisher nicht identifiziert. Als letzter bed. Großauftrag der W.-Wkst. ist das doppelt wandelbare Hochaltarretabel der Pfarrk. St. Johannes und St. Martin in Schwabach zu nennen. Es dürfte 1502 bei Veit Stoß (1431) in Auftrag gegeben worden sein, der es aber aufgrund seiner Verhaftung 1503 nicht vollenden konnte. Die Fertigstellung übernahm W., der die Ausf. der Gem. im Wesentlichen einem jüngeren, dem Dürer-Umkreis nahestehenden Gesellen übertrug. Die Predella des 1508 errichteten Retabels wird W. selbst zugeschr. und bildet damit einen wichtigen Fixpunkt hinsichtlich der eigenhändigen Werke des Meisters. In der F. ging die Nachfrage nach großen Altarretabeln aus der Wkst. W.s offenbar zurück und er erhielt nur noch kleinere Aufträge für regionale Dorfkirchen. - Neben Retabeln und Epitaphien haben sich auch einige Porträts erhalten, die von W. oder seinen Wkst.-Mitarb. ausgef. wurden. Zu den ältesten Zeugnissen 'privater' Porträtmalerei zählt das Bildnisdiptychon des Ehepaars Hans und Ursula Tucher (Nürnberg, Mus. Tucherschloss und Hirschvogelsaal, Leihgabe der Tucher'schen Kulturstiftung; Kassel, GG AM). Das Bildnis Ursulas ist 1478 dat., das ihres Mannes entstand laut Inschr. erst 1481 und damit nach einer Pilgerreise Hans Tuchers ins Hl.Land. Während das Diptychon der Wkst. W.s zugeschr. wird, macht die Forsch. den Meister selbst für die Ausf. des Porträts des Levinus Memminger (Madrid, Mus. Thyssen-Bornemisza) von 1485 verantwortlich. Der Porträttypus eines Brustbildes vor reich verziertem Stoffvorhang und mit Fensterausblick in eine Lsch. blieb auch für Dürer prägend, der ihn variierte und weiterentwickelte. - Neben der Tafelmalerei wurde die Grafikproduktion und damit ein um 1500 bes. zukunftsträchtiges Bildmedium in den 1480er Jahren zu einem wichtigen Betätigungsfeld W.s. 1491 lieferte er 91 Entwürfe für die ganzseitigen Hschn.-Ill. zu Stephan Fridolins Schatzbehalter oder Schrein der wahren Reichthümer des Heils und ewiger Seligkeit, der bei Anton Koberger gedruckt wurde und zu den wichtigsten Werken der vorreformatorischen Passionsfrömmigkeit gehört. Die Entwürfe der Hschn. stammen von W. selbst sowie von seinem selbstständig arbeitenden Kooperationspartner W.Pleydenwurff und einem weiteren Künstler. Die Zusammenarbeit W.s mit seinem Stiefsohn ist auch für einen Auftrag König Maximilians, zwei Mss. mit biblischen Szenen zu illustrieren, urkundlich belegt. Zudem realisierte W. die Ill. der sog. Schedelschen Weltchronik (Liber chronicarum), die 1493 erst auf Latein, dann in volkssprachlicher Übersetzung erschien, zus. mit W.Pleydenwurff und einem weiteren Mitarbeiter. Laut Vertrag erhielt W. für den Bilderschmuck der Weltchronik 1000 Gulden. Der Stadtarzt und Frühhumanist Hartmann Schedel kompilierte die Texte, der Losungsschreiber Georg Alt übersetzte sie, in Kobergers Offizin wurde das Buch gedruckt. Der Nürnberger Humanist Sebald Schreyer und sein Schwager Sebastian Kammermeister finanzierten das Vorhaben. Der großformatige, außergewöhnlich reich ill. Bd umfasst 652 Seiten mit 1804 Hschn., die auf innovative Weise mit dem Text kombiniert sind, und gilt als Meisterwerk der frühen dt. Druckkunst. Erzählt wird die Menschheitsgeschichte von der Erschaffung der Welt bis zu ihrem Ende. Der Text ist mit Figuren, mythologischen und biblischen Szenen sowie Stadtansichten bebildert. Auf den ersten Tl der Chronik folgt ein geogr. Traktat, der die christlichen Nationen Europas vorstellt und ebenfalls mit Stadtansichten ill. ist. Zur Schedelschen Weltchronik haben sich eine R. zeichnerischer Vorarbeiten erhalten, insbes. der 1490 dat. Visierung zum ersten Hschn. der Chronik (London, BM) kommt dabei für die Rekonstr. von W.s eigenhändigem zeichnerischen Œuvre bes. Bedeutung zu (Teget-Welz, in: Baumbauer/Hirschfelder/Teget-Welz, 2019, 113-121). Dem Bl. lassen sich weitere Zchngn des Meisters angliedern. Zudem haben sich von seinen Mitarb., auch unabhängig von der Weltchronik, vorbereitende Zchngn, Visierungen, Studienmaterial und Nachzeichnungen erhalten, die in der Universitätsbibliothek Erlangen bewahrt werden. Das Mat. diente einerseits zur Wiederverwendung einmal erarbeiteter Bildfindungen, andererseits zu Übungszwecken als Bestandteil der Malerausbildung. - W.s Werk steht am E. der süddeutschen Spätgotik. Seine Gem. sind geprägt von starker Buntfarbigkeit und dem Einsatz vielfältiger Verzierungstechniken. Viele Retabeltafeln zeichnen sich durch eine dichte Staffelung zahlr. Figuren im Vordergrund aus, die gelegentlich in eine perspektivisch, aber oft versatzstückartig wiedergegebene Architekturkulisse integriert sind, während sich im Hintergrund eine weite Lsch. erstreckt. Trotz des Bemühens um perspektivische Darst. findet sich noch kein konsequenter Einsatz der Zentralperspektive. Epitaphien und die Außenseiten von Retabeln weisen oft mehrere Heiligenfiguren in isokephalischer Reihung auf. Stets wird der Ausf. der faltenreichen Gewänder mit schönlinig geschwungenen Säumen, mehrfach gebrochenen Knick- und langen Röhrenfalten bes. Aufmerksamkeit geschenkt, ebenso ihrer Verzierung mit Metallauflagen und Pressbrokaten. Die Bildhintergründe der Retabelinnenseiten und der Epitaphien sind meist vergoldet und mit Gravierungen versehen. W. und seine Mitarb. setzten ein festes Repertoire wiederkehrender Figurentypen ein, doch lassen die Werke zugleich das Bemühen um die Darst. unterschiedlicher Char. spürbar werden. Von zentraler Bedeutung für das Schaffen W.s in Nürnberg war seine Orientierung am Werk seines Vorgängers H.Pleydenwurff. Wahrsch. griff W. nicht nur auf dessen Vorlagenmaterial zurück, sondern arbeitete anfangs auch mit Malern zus., die noch von Pleydenwurff geprägt worden waren. Auf dessen Bildschöpfungen gehen neben vielen Figurentypen und Einzelmotiven auch ganze Kompositionsschemata W.s zurück. Damit fanden auch die Errungenschaften der von Pleydenwurff intensiv rezipierten niederl. 'Ars nova' Eingang in die Werke W.s und seiner Mitarbeiter. Dies spiegelt sich in erster Linie in dem Bemühen um eine gegenüber der ersten H. des 15. Jh. wirklichkeitsnähere Darstellungsweise. Sie zeigt sich u.a. in der Tiefenerschließung des Raumes, der detaillierten Darst. von Lsch., der Wiedergabe unterschiedlicher Stofflichkeiten sowie in der Differenzierung der Figurentypen und der Konzentration auf deren Interaktion. In vieler Hinsicht, etwa bezüglich der Darst. individueller Physiognomien, koloristischer Raffinesse oder der Ausgewogenheit seiner Komp. blieb W. jedoch hinter dem Vorbild Pleydenwurffs zurück. Ab den 1480er Jahren lässt sich zunehmend die Rezeption der Kpst. Martin Schongauers in den Gem. der W.-Wkst. beobachten. Die Stärke seines Malerbetriebs lag weniger in der künstlerischen Innovation als vielmehr in der flexiblen Anpassung an einen breiten Markt sowie in der großen Produktpalette und hohen Produktivität. Dabei variiert die Qualität der Werke, unter denen sich auch Meisterleistungen wie das Zwickauer oder das Straubinger Retabel finden.

WORKS

Weitere Werke der W.-Wkst. (Auswahl): Detroit, Inst. of Art: Bildnis eines jungen Mannes, 1486. Kalbensteinberg, St. Maria: Nördliches Seitenretabel, um 1490/1500. Nürnberg, GNM: Epitaph für Jodokus Krell aus der Pfarrk. St. Lorenz, um 1483 (Leihgabe der BSGS, München); Gerechtigkeitstafel aus dem Nürnberger Rathaus, um 1485/1500 (Leihgabe der Mus. der Stadt Nürnberg); Zwei Flügel eines Martinsretabels aus der Deutschordenskirche St. Jakob, Nürnberg, 1490 (Leihgabe der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Nürnberg); Bildnis des Hans Perckmeister, 1496; Epitaph für Anna Groß, um 1509; Stifterscheibe des Dr. Lorenz Tucher aus der Pfarrk. St. Michael, Fürth, 1485; Zwei Flügel eines Retabels aus der Deutschordenskirche St. Jakob, Nürnberg, um 1490. - St. Lorenz: Epitaph für Hans und Kunigunde Meier, geb. Sternecker, um 1473 oder 1480er Jahre; Epitaph für Georg Keiper aus der Dominikanerkirche St. Martin, Nürnberg, um 1484; Katharinenretabel des Levinus Memminger, um 1485/90; Epitaph für Anna Fürer, geb. Tucher, aus der Kirche des Hl.-Geist-Spitals, Nürnberg, um 1487; Epitaph für Leonhard Spengler, um 1488; Rechter Flügel des Rosenkranztriptychons aus der Dominikanerkirche St. Marien, Nürnberg, 1488/89; Flügel des Retabels des Andreas Harsdörffer und der Ursula Behaim aus der Dominikanerinnenklosterkirche St. Katharina, Nürnberg, um 1485/98 (Die Predellenflügel im GNM, Leihgabe der Mus. der Stadt Nürnberg, und in Brighton, Royal Pavilion & Mus.). - St. Sebald: Petersretabel, 1477/78. - Pfarrk. Zu Unserer Lieben Frau: Epitaph des Michael Raphael aus der Dominikanerkirche St. Marien, Nürnberg, um 1489/90. Prag, NG: Zwei Flügel eines Vierzehn-Nothelfer-Retabels aus der Franziskaner-Observantenkirche in Kadaň, 1485/90. Schwabach, St. Johannes und St. Martin: Dreikönigsretabel, um 1485; Hl.-Kreuz-Retabel, um 1485/90. Würzburg, Martin von Wagner Mus.: Linker Flügel eines unbek. (Marien-)Retabels, um 1485/90 (mit Sign. W.Pleydenwurffs).

SOURCES

Thieme-Becker, Vollmer, and AKL:

ThB36, 1947

 

Other encyclopedias:

DA XXXIII, 1996; Grieb I, 2007

 

Printed sources:

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NÜRNBERGER KÜNSTLERLEXIKON

Wolgemut, Michael d. Ä., Maler, Zeichner für den Holzschnitt, * 1434/37 Nürnberg - † 30. 11. 1519 Vermutlich Sohn des >Valentin, Maler. ∞I) 1472 oder 1473 Barbara (†15.3.1500), Witwe des Hans >Pleydenwurff; II) nach 1500 Christina (†1550, wohnhaft in der Fröschau = Augustinerstraße), mind. ein Sohn Michael und eine Tochter Magdalena. Lehre vermutlich beim Vater. Um 1450 Wanderschaft, um 1465 bei Hans >Pleydenwurff in Nürnberg tätig. Um 1470/71 war er Geselle bei Gabriel (vermutlich Gabriel Maeleskircher) in München, dessen Tochter Magdalena er heiraten wollte; das Eheprojekt scheiterte. 1471 Rückkehr nach Nürnberg. Nach der Eheschließung übernahm er die Werkstatt des Hans Pleydenwurff, bereits 1473 sind Arbeiten unter der Leitung Wolgemuts nachgewiesen, wie das Epitaph des Hans Meyer, Nürnberg, St. Lorenz. Wolgemut besaß eine der bedeutendsten Malerwerkstätten Deutschlands, an der später auch sein Stiefsohn Wilhelm >Pleydenwurff beteiligt war. Er lieferte viele komplette Altäre und beschäftigte zu diesem Zweck neben Malern auch Schreiner, Holzschnitzer und Schmiede. 1479 erhielt er als Bezahlung für den Zwickauer Hochaltar 1400 fl. Dieser war neben dem Straubinger Altar und dem Peringsdörfer-Altar ein Hauptwerk. Die vielen von Wolgemut und aus seiner Werkstatt erhaltenen Portraits zeigen, daß er auch auf diesem Gebiete eine führende Stellung einnahm. Er arbeitete auch als Buchmaler und illuminierte zusammen mit Wilhelm Pleydenwurff vor 1493 zwei Bücher mit Figuren des Alten und Neuen Testaments für Kaiser Maximilian. Der Holzschnitt wurde von ihm und seinen Mitarbeitern nachhaltig gefördert und beeinflußt, wovon die 91 Stöcke zum "Schatzbehalter" der Predigtsammlung des Franziskanerpredigers >Fridolin und die 645 Stöcke zur 1493 erschienenen Schedelschen Weltchronik Zeugnis geben. Für letztere wurden 1000 fl. bezahlt, womit auch Nachbesserungen für die beim Druck entstandener Schäden abgegolten waren. Zudem entstanden in der Werkstatt mehrere Illustrationen zu Einblattholzschnitten. Wolgemuts bekanntester Schüler war Albrecht >Dürer, der vom 30.11.1486 bis 1489 bei Wolgemut in die Lehre ging. Wolgemuts Witwe scheint die Werkstatt im kleinen Umfang weitergeführt zu haben. Eine Altartafel für die Kirche in Windelsbach wurde lange Zeit nicht bezahlt, so daß der Rat 1530 bei der dortigen Gemeinde reklamierte. Am 22.4.1479 kaufte Wolgemut das Anwesen "Unter der Veste an der Schildröhre" (Burgstraße 21), das früher Hans Pleydenwurff gehört hatte. 1493 erwarb er die beiden Häuser Ecke Burgstraße/Krämersgasse 2 und Krämersgasse 4 dazu, doch wurden diese bereits 1495 für 204 fl. rh. wieder verkauft. Sein 1516 von Albrecht Dürer gemaltes Bildnis, nach dessen Angaben Wolgemuts Geburtsjahr errechnet wurde, befindet sich im GNM; eine Kopie von Johann Wilhelm >Orth befindet sich im Besitz der MStN. Panzer verzeichnete Wolgemuts Portrait. BEERBACH, ev. Pfarrkirche: Hochaltar, um 1505. KALCHREUTH, Andreaskirche: Hauptaltar, 1498. NÜRNBERG, Lorenzkirche: Altartafel; -, Friedenkirche: Peringsdörfer-Altar. SCHWABACH, ev. Stadtpfarrkirche: Hochaltar. STRAUBING, kath. Pfarrkirche: Hochaltar. ZWICKAU, Marienkirche: Hochaltar. WV s. Th.-B.

 

Works

BERLIN, KpstKab. DETROIT, Institut of Arts. ERLANGEN, UB. KASSEL; Staatl. KS. LONDON, BM. LUGANO: Slg. Thyssen-Bornemisza. MÜNCHEN, BStB. -, GS der Stadt. NÜRNBERG, GNM. -, MStN.-, ev.-luth. Pfarramt St. Lorenz.

 

Exhibitions

1829/1; 1840/1; 1928/2; 1955/4; 1971/3; 1986/7; 1987/2; 1989/3.

 

Bibliography

ADB; Thieme-Becker; Doppelmayr, 1730; Will, Münzbel. Bd. IV, S. 139; Stegmann, in: Rep. f. Kw. Bd. 13, 1890; H. Stegmann, in: GNM M 1895, S. 115-120; Gümbel, 1907; W. Wenke, in: GNM A, 1933; Gerhard Betz: Der Nürnberger Maler Michael Wolgemut und seine Werkstatt. Ein Beitrag zur Geschichte der spätgotischen Malerei in Franken, Diss. Freiburg 1955; Burger, 1961 Nr. 4624; U. Frenzel, in: GNM A, 1970; P. Strieder, in: Fränkische Lebensbilder 12, 1986; Prein 1989/91; Löcher, 1997; Merkl, 1999; Roller, 1999; Stadtlexikon 2000.