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Redon, Odilon

Born
Bordeaux, 20 April 1840
Died
Paris, 6 July 1916
Country
France
Gender
male
GND-ID
Name Variations
Redon, Odilon; Redon, Odilon-Bertrand; Redon, Bertrand; Redon, Bertrand-Jean
Occupations
Painter; Etcher; Lithographer; Flower Painter; Animal Painter; Landscape Painter; Master Draughtsman; Graphic Artist; Pastellist
Places of Activity
England, Paris, Arras, Bièvres (Seine-et-Oise)
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By
Last edited
14.03.2023
Published in
AKL XCVIII, 2018, 87; ThB XXVIII, 1934, 76 s

VITA

Redon, Odilon (eigtl. Bertrand-Jean), frz. Grafiker, Pastellmaler, Maler, *20. oder 22.4.1840 Bordeaux, †6.7.1916 Paris, tätig ebd.

LIFE AND WORK

Als zweites von fünf Kindern des wohlhabenden Gutsbesitzers Bertrand R. als Bertrand-Jean geb. und nach seiner Mutter Marie-Odile Odilon gen., wächst R. auf dem Weingut Peyrelebade nahe Bordeaux auf. Dort besucht er die Schule und zeigt sich schon früh musisch und künstlerisch interessiert, ab 1855 erhält er bei Stanislas Gorin Zeichenunterricht und fertigt nach lith. Vorlagen und Drucken anatomische Studien und Naturstudien an, wobei als Vorlagen oftmals romantische Historienmalerei sowie die Arbeiten von Jean-François Millet, Théodore Rousseau, Camille Corot und Joseph Mallord William Turner dienen. Bes. Faszination übt die Malerei von Eugène Delacroix auf ihn aus. Auf Wunsch des Vaters bereitet sich R. ab 1857 in Paris auf ein Architekturstudium vor, nachdem sein Bruder Gaston R. bereits auf diesem Gebiet erfolgreich ist. Dort besucht er die Bibl., Antikensammlung und Vorlesungen der ÉcBA, deren Aufnahmeprüfung er 1862 jedoch nicht besteht. Deshalb kehrt er in den 1860er Jahren nach Bordeaux zurück, wo er sich in lit. und künstlerischen Kreisen bewegt, was diese Phase seines Lebens ausschlaggebend für seine künstlerischen Interessen werden lässt. Wesentlichen Einfluss übt dabei der Botaniker Armand Clavaud aus, der ihn in Mikroskopie und Naturwissenschaften einführt, außerdem in Anthropologie, Phil. und Lit.; R. lernt dort u.a. die Werke von Spinoza, Charles Baudelaire und Edgar Allan Poe kennen. Er setzt sich intensiv mit evolutionsphilosophischen Theorien auseinander, die versuchen, positivistische Denkweisen und metaphysische Ansätze zu vereinen. In der Tageszeitung La Gironde erscheinen erste kunstkritische Texte und Ausstellungsbesprechungen des Pariser Salons, in denen sich bereits R.s Interesse an einer subjektiven, imaginativen und poetischen Sichtweise in Bezug auf die Kunstproduktion andeutet. R. stellt erste Landschaftsaquarelle in der Soc. des Amis des Arts de Bordeaux aus und ist Mitgl. der philantropischen Vrg Soc. de Sainte Cécile. Unsicher ob seines zukünftigen Werdegangs, erwägt R. bei Corot zu studieren, interessiert sich für das Genre der hist. Landschaftsmalerei und besucht im Herbst 1864 einige Monate das Pariser Atelier von Jean-León Gérôme, dessen klassizistisches Ideal der Betonung der Zchng und der Form jedoch für R.s Kunstverständnis zu beengt erscheinen. Er kopiert im Louvre, entdeckt die Malerei und Kunstauffassung von Leonardo da Vinci und v.a. Delacroix für sich. Hiervon existieren Zchngn und Kopien nach Werken dieser Künstler, z.B. La chasse aux lions nach Delacroix (Öl/Lw., 1868, Bordeaux, MBA) und Triomphe d'Apollon nach Delacroix (Öl/Lw., 1868, Paris, Louvre). Auch die frühen Gem. Gustave Moreaus hinterlassen einen prägenden Eindruck. Zurück in Bordeaux beginnt er ab 1865 Unterricht bei dem Grafiker und Lithografen Rodolphe Bresdin zu nehmen und stellt erste Kohle-Zchngn von Landschaften in der Soc. des Amis des Arts aus, z.B. Un homme assis vu de dos non loin d'un arbre (Kohle, 1865, Priv.-Slg); von seinen zu dieser Zeit entstehenden Rad., Lith. und Kohle-Zchngn, die zumeist isolierte Figuren in karger, dramatischer und existentiell bedrohlicher Lsch. zeigen, wird Le Gué: Paysage avec cavaliers (Rad., 1866 Chicago, Art Inst.) für den Pariser Salon 1867 angenommen. Das erste Ölgemälde Roland à Roncevaux (Öl/Lw., 1868-89, Bordeaux, MBA), inszeniert in theatralischem Hell-Dunkel, erfährt ebenfalls die Aufnahme in den Salon, wird von R. jedoch 1870 in Bordeaux präsentiert. Im selben Jahr wird R. im dt.-frz. Krieg zur Infanterie eingezogen. Nach diesem prägenden Erlebnis zieht R. 1871 endgültig nach Paris, um sich seiner künstlerischen Laufbahn zu widmen, während er nach wie vor die Sommermonate in Peyrelabde verbringt. Dort entstehen einige kleinformatige Landschaftsgemälde in Öl. In seinem Atelier widmet er sich v.a. der Kohle-Zchng und besucht den theosophischen, romantischen und antinaturalistischen Salon von Berthe de Rayssac, in dem er die Maler Paul Chenavard, Louis Janmot und Henri Fantin-Latour kennenlernt, der ihn mit dem Verfahren der Transferlithografie vertraut macht. Dieses wird R. zur Vervielfältigung seiner Zchngn nutzen. Weiterhin Teiln. am Pariser Salon in der Abt. für Grafik, mit zumeist mythologisch-fantastischen Sujets wie Un faune menant un ange (Kohle, 1878). 1878 Hollandreise, dort v.a. beeindruckt von Werken von Peter Paul Rubens, Frans Hals und Rembrandt, der ihn in erster Linie durch die moralische Dimension und das psychologisierende Hell-Dunkel seiner Werke nachhaltig beeinflusst. 1879 erste lith. Folge Dans le Rêve, per Subskription veröff., unter Zuhilfenahme des Verfahrens der Transferlithografie. 1880 Heirat mit Camille Falte. 1881 erste Einzel-Ausst. von 22 Kohle-Zchngn, der sog. Noirs in den Räumen der dem Impressionismus zugeneigten Pariser Zs. La vie moderne, 1882 zweite Ausst. der Noirs in den Räumen der Tageszeitung Le Gaulois in Paris. In den folgenden Jahren konzentriert sich R. v.a. auf die Techniken der Kohle-Zchng und der Lith. und veröffentlicht bis 1899 mehrere Alben: À Edgar Poe, 1882; Les Origines, 1883; Hommage à Goya, 1885; La nuit 1886; La tentation de Saint Antoine, 1888/1889/1886. Diese Lithografiefolgen verschmelzen auf eine bes. Art unterschiedlichste Themen: Evolutionsgeschichte, Naturwissenschaften und metaphysische Dimensionen werden unter dem Aspekt der Entwicklung und der versch. Ebenen des Bewusstseins (wie Traumzustände, Halluzinationen und Visionen) mit kollektivem mythologisch-lit. Wissen verflochten. Weiter Projekte sind Ill. bzw. Parallelschöpfungen in Kohle und Lith. zu Dichtungen u.a. von Stéphane Mallarmé, Baudelaire, Émile Verhaeren und Edmond Picard. 1884 finden die Noirs Erwähnung im Roman À rebours des dem symbolistischen Kreis zugehörigen Schriftstellers Joris-Karl Huysmans, v.a. die Monstres, anthropomorphe Kreaturen wie L'Araignée en pleurs (Kohle, 1881, Priv.-Slg), Plante grasse (Kohle, 1881, New York, Woodner Family Coll.) und Fleur de marécage (Kohle, 1882 Otterlo, Kröller-Müller Mus.) werden so zum Inbegriff eines symbolistisch-dekadenten Ästhetizismus und verschaffen R. zu größerer Bekanntheit auch in Literatenkreisen. Durch Huysmans u.a. Bekanntschaft mit Mallarmé und dessen sich herausformendem symbolistischen Kreis. Als regelmäßiger Teiln. der von Mallarmé veranstalteten Dienstagsrunden (sog. Mardis) lernt R. u.a. Paul Verlaine, Verhaeren und André Gide kennen und diskutiert aktuelle Themen wie z.B. das poetische Verfahren der Suggestion, die Musik Richard Wagners, die Phil. Arthur Schopenhauers sowie neueste Erkenntnisse in Bezug auf die Erforschung der menschlichen Psyche, wie sie unter Jean-Martin Charcot an der Salpêtrière stattfand. 1884 ist R. Gründungsmitglied der Soc. des artistes indépendants, deren ersten Salon er mit organisiert und wo er Zchngn und Lith. neben ersten impressionistischen Gem. präsentiert. 1886 ebenfalls durch Vermittlung von Huysmans Kontakte zu Jules Destrée nach Brüssel, erste Teiln. an der Ausst. der Künstlergruppe Les XX und Teiln. an der letzten Impressionistenausstellung mit 15 Kohlezeichnungen. Ab 1889 Bekanntschaft mit Paul Gauguin und der Gruppe der Nabis, beiderseitige intensive künstlerische Auseinandersetzung v.a. mit Maurice Denis und Émile Bernard. 1890 entsteht das für das Verständnis des Symbolismus ikonenhafte Gem. Les yeux clos (Öl/Lw.; Paris, Orsay), das die Versenkung in innere Welten der Imagination und des Traumes suggeriert. Ab 1890 entstehen immer mehr farbige Arbeiten, oftmals mit farbiger Pastellkreide überarbeitete frühere Noirs, wie z.B. Vieil Ange (Kohle/Pastell, [1875], 1893 Paris, Petit Pal.). R. ist in diesen Jahren bes. in Belgien aktiv, da er in engem Austausch mit dem dortigen Kreis um Les XX, den Dichtern Picard und Verhaeren sowie dem Sammler und Publizisten Jules Destrée steht, der 1891 den ersten Kat. der Kohle-Zchngn und Lith. herausgibt. Ausst. in Den Haag, Antwerpen und Brüssel. 1893 Bekanntschaft mit dem niederl. Mäzen Andries Bonger, der neben Gabriel Frizeau, André Mellerio und Gustave Fayet einer der wichtigsten Förderer und Sammler seiner Werke wird. 1894 legt er in seinen Confidences d'artiste für die Brüsseler Zs. Art moderne erstmalig sein künstlerisches Programm dar. 1895 Reise nach London. 1896 erscheint André Mellerios Le mouvement idealiste en peinture mit einem Frontispiz von R., darin wird er als wesentliche Gallionsfigur des Symbolismus beschrieben, der so als eine mystische Kunst, die sich Realismus und Impressionismus entgegenstellt, definiert wird. R. wird sich später von dieser Interpretation und Zuordnung distanzieren. 1897 muss das Weingut Peyrelebade verkauft werden, was R. nachhaltig betrübt. Dennoch hellt sich seine Palette auf, zahlr. Blumenstillleben und Porträts ihm nahestehender Personen entstehen in Pastell und Öl, die zunehmend dekorativen Char. besitzen. Seine Sujets orientieren sich zu dieser Zeit an einer lit., fantastisch-lyrischen, eklektizistischen Mythologie und an fernöstlicher Spiritualität; Figuren wie Ophelia, Jeanne d'Arc, Beatrice, Apollo, Buddha tauchen wiederholt auf. 1899 gemeinsame Ausst. mit den Nabis bei Durand-Ruel. 1900 Italienreise und erster Venedigbesuch mit seinem Freund und Förderer Robert de Domecy, für dessen Gut Château de Domecy er 18 Tafeln mit floralen Motiven anfertigt (Öl/Lw., Paris, Mus. d'Orsay). Dies markiert den Beginn seiner dekorativen Gest. von Wandschirmen, Tapeten, Teppichen und Mobiliar; 1908 erste Kartons für die Man. des Gobelins, Paris. Ab 1910 Arbeiten für die Bibl. in der Abbaye de Fontfroide von Gustave Fayet mit dem Programm Le jour/La nuit. Zunächst wenig von öff. Erfolg bedacht und nur in lit.-symbolistischen Kreisen v.a. in Belgien und den Niederlanden bek., wird R. ab M. der 1880er Jahre zunehmend als Symbolist und mystisch-idealistischer Maler reklamiert, bes. aufgrund seiner ersten Werkphase, die geprägt ist von subjektiver Imagination und psychologisierender Innenschau. Als nach 1900 keine Noirs mehr entstehen, arbeitet R. an einer von der Phil. des Vitalismus beeinflussten Relektüre seines vergangenen und aktuellen Werks. Obgleich er in die meisten aktuellen künstlerisch-lit. Bewegungen seiner Zeit involviert war, bleibt R. in seinem Schaffen dennoch stilistisch und inhaltlich ein herausragender Einzelgänger, nichtsdestotrotz deutlich beeinflusst vom geistigen Geschehen seiner Zeit.

WORKS

Amsterdam, Sted. Mus. Basel, KM. Berlin, Slg Scharff-Gerstenberg. Bern, KM. Brüssel, MRBA. Cambridge, Fitzwilliam Mus. Chicago, Art Inst. Cleveland, MoA. Dallas, MoA. Dijon, MBA. Enschede, RM Twenthe. Frankfurt am Main, Städel. Honolulu, MoA. London, NG. Los Angeles, Getty Mus. München, NP. Narbonne, Abbaye de Fontfroide. New York, MoMA. Otterloo, Kröller-Müller Mus. Paris, Louvre, Dép. des Arts Graphiques. - Orsay. - Petit Pal. Princeton, Univ. AM. St-Germain-en-Laye, Mus. Maurice Denis. St. Petersburg, Ermitage. Straßburg, MAM et contemp. Tokio, Bridgestone MoA. Washington (D.C.), NG of Art.

SELF-TESTIMONIES

À soi meme, P. 1922; M.A. Leblond (Ed.), Lettres d'Odilon Redon 1878-1916, P. 1923; S.Lévy (Ed.), Lettres inédites d'Odilon Redon à Bonger, Jourdain, Vines…, P. 1987; R. Coustet (Ed.), Critiques d'art, précédées de confidences d'artiste, Bordeaux 1987; A.Strauß (ed.), Nouvelles et contes fantastiques, P. 2011.

EXHIBITIONS

Solo exhibitions:

Paris : 1894, '99, 1900, '03, '06 Durand-Ruel; 1898, 1901 Gal. Ambroise Vollard; 1907 Hôtel Drouot; 1926 Mus. des Arts décoratifs (Retr.); 1956 Mus. de l'Orangerie (K); 1984 Pal. de Tokyo; 2011 Orsay (K) / 1894 Den Haag, Haagse Kunstkring (K) / 1914 Berlin, Gal. Paul Cassirer / 1914 Düsseldorf, Alfred Flechtheim / 1958 Bern, KH / 1973 Frankfurt, Städel (K) / Wintherthur: 1983 KM; 2003 Villa Flora. / 1985 Bordeaux, Gal. des BA; 2005, '16 MBA (K) / 1989 Tokio, NM of Mod. Art / 1990 Melbourne, NG of Victoria; Memphis, Dixon Gall. and Gardens / 1994 Chicago, Art Inst. (K) / 1996 Lugano, Mus. Cantonale d'arte / 2002 Gifu, Shimane AM / 2005 New York, MoMA (K) / 2008 Avignon, Fond. Angladon-Dubrujeaud (K) / 2011 Madrid, Fond. MAPFRE (K) / 2014 Basel, Fond. Beyeler (K) / 2018-19 Kopenhagen, Ny Carlsberg Glyptotek. -

 

Group exhibitions:

Paris: 1878-1910 Salon; 1886 8. Impressionistenausstellung; 1884, '86, '87 Salon des artistes indépendants; Durand-Ruel: 1889, '93 Peintres Graveurs, 1899 zus. mit den Nabis; 1904-07 Salon d'automne; BNF: 1936 Cinquantenaire du symbolisme; 2015 Fantastique !; Orsay: 1993 Nabis; 2008 Le mystère et l'éclat; 2017 Au-delà des étoiles (K); 2005 Grand Pal.: Mélancolie / 1860-79, '83, '87 Bordeaux: Soc. des Amis des BA / Brüssel, 1886, '87, '90 Les XX; 1894-95, '09 La Libre Esthetique / New York: 1913 Armory: Internat. Exhib. of Mod. Art; 1961 MoMA: O.R., Gustave Moreau, Rodolphe Bresdin (K) / 1972 London, Hayward Gall.: French symbolist painters / 1975 Rotterdam, BvB: Le Symbolisme en Europe / 1984 Rom, Villa Medici: Debussy e il Simbolismo / 1999 Kobe, Mun. Mus.: Rêve et réalité / 2000 Seoul, MMA: L'impressionnisme et l'art mod. / 2007 Ferrara, Pal. Diamanti: Il Simbolismo / 2009 Antwerpen, Koninkl. MSK: Goya, R., Ensor / 2009 Amsterdam, Van Gogh Mus.: O.R. and Émile Bernard / 2009 Canberra, NG of Australia: Van Gogh, Gauguin, Cézanne & beyond / 2012 Frankfurt am Main, Städel: Schwarze Romantik (K) / 2014 Seoul, MMA: Au-delà de l'Impressionnisme / 2022 Bonn, Bundes-KH: Das Gehirn in Kunst & Wiss. (K).

 

SOURCES

Thieme-Becker, Vollmer, and AKL:

ThB28, 1934

 

Other encyclopedias:

Edouard-Joseph III, 1934; Pavière, Flower III.1, 1964; ELU IV, 1966; List, 1967; Bauer, GEM VII, 1978; Marchal/Wintrebert, 1987; P.Bellini, Diz. della stampa d'arte, [Mi.] 1995; DA XXVI, 1996; I.F. Walther, Künstler-Lex., in: Kunst des 20. Jh., II, Köln u.a. 1998; Bénézit, 1999

 

Printed sources:

A.Mellerio, O.R., P. 1913; C.Roger-Marx, BurlMag 36.1920, 269-75; A.Mellerio, O.R., peintre, dessinateur et graveur, P. 1923; S.Sandström, Le Monde imaginaire d'O.R.: Etude iconologique, Lund 1955; R.Bacou, O.R., Geneva 1956 ; id., Lettres de Gauguin, Gide, Huysmans, Jammes, Mallarmé, Verhaeren …à O.R., P. 1960; K.Berger, O.R.: Phantasie und Farbe, Köln 1964; R.G. Cohn, Mallarmé's Masterwork: New Findings, P. 1966; A.Werner, The Graphic Works of O.R., N.Y. 1969; J.Selz, O.R., P. 1971; J.Cassou, O.R., P. 1974; R.Hobbs, O.R., Lo. 1977; M.Wilson, Nature and Imagination: The Work of O.R., Lo. 1978; R.Bacou, La Donation Arï et Suzanne R., P. 1984; R.Coustet, L'Univers d'O.R., P. 1984; P.Florence, Mallarmé, Manet and R., Lo. 1986; D.Gamboni, La Plume et le pinceau: O.R. et la littérature, P. 1989; S.Eisenman, The Temptation of Saint Redon: Biogr., Ideology and Style in the 'Noirs' of O.R., Chicago 1992; A.Wildenstein, Cat. raisonné, P. 1992; O.Christ, O.R. Visionen eines Künstlerpoeten, B. 1994; C.Müller-Ebeling, Die "Versuchung des hl. Antonius" als Mikrobenepos, B. 1997; U.Harter, Die Versuchung des hl. Antonius zw. Relig. und Wiss.: Flaubert, Moreau, R., B. 1998; B.Larson, The Dark Side of Nature, Univ. Park, Penn. 2005; S.Lévy, O.R. et le messie feminin, P. 2007; V.Noce, R. dans l'œil de Darwin, P. 2011; M.Seidel, Kunstforum Internat. 281:2022(Mai-Juni)264-266

 


THIEME-BECKER

Redon, Odilon (Bertrand), Maler, Radierer u. Lithograph, *20. 4. 1840 Bordeaux, †6. 7. 1916 Paris. Vater Franzose, Mutter Kreolin. Jugend in Peyrelebade (Le Médoc). 7jährig in Paris: Besuch der Museen; Entschluß, Maler zu werden. Erste Studien in Bordeaux bei dem Maler Gorin. Bekanntschaft mit dem Botaniker A. Clavaud, der R. auf Poe, Baudelaire, Flaubert u. die indische Dichtung hinweist, und mit dem Graphiker R. Bresdin, der ihn in die graph. Techniken einführt. In Paris Beziehungen zu Corot u. Courbet. Beeindruckt durch Gust. Moreau. Eifrige Studien im Louvre. Durch Fantin-Latour zur Lithographie angeregt. 1867 erstmalig im Salon (Section de gravure) vertreten. 1868 Notizen über die Kunst in "La Gironde" veröffentlicht. 1870 Auftrag von dem Architekten Albert Carré, in Arras eine Kapelle auszumalen. Teilnahme am Krieg 1870/71. 1881 Ausstellung in "La vie moderne", 1882 im Saal der Zeitung. ,Le Gaulois". J. K. Huysmans wird auf ihn aufmerksam. 1889 an der Ausstell. der Peintres-Graveurs bei Durand-Ruel beteiligt. Freundschaft mit Huysmans, Mallarmé, A. Vollard, Destrée und den Malern Denis, Bonnard, Vuillard, Sérusier. 1894 Ausstellung bei Durand-Ruel. Reisen nach Belgien, Holland, Italien. 1909 erwirbt R. ein Landhaus in Bievres bei Versailles. R. geht als Graphiker von der Romantik aus. Nicht die Welt der Realitäten ist sein Thema, sondern die der Träume u. hellseherischen Ahnungen, unter Bevorzugung der Nachtseite der Natur u. mit starken tragischen Akzenten. Es ist vor allem die Angst der Kreatur vor dem Unbekannten, die den stimmungsmäßigen Inhalt seiner Visionen bildet, der Schauer der Menschheit vor den Geheimnissen des Jenseits. Diese romantische, in Himmel wie in Hölle heimische Empfindung kleidet er in eine klassische Formensprache, die von starkem künstlerischem Verantwortungsgefühl getragen wird; unter seinen Blättern gibt es nichts Unfertiges; sie sind bis in alle Einzelheiten mit der gleichen Sorgfalt durchgeführt. Seine Phantasiegeschöpfe sind vollkommen logisch erdacht und von starker Ausdruckskraft, ohne daß er je zu billigen Effekten seine Zuflucht genommen hätte. Sein tief religiöses Gefühl schafft glaubhafte Verkörperungen uralter mythologischer Vorstellungen (bes. in den "Origines"), erfindet neue erschütternde Gestaltungen des Christus- u. Buddhatypus und neue Symbole für die Geheimnisse der moralischen Welt. Er begann als Radierer mit Vorwürfen einer mehr literarisch gefärbten Romantik (von Doré u. Bresdin angeregt); er hat (im ganzen 41) Rad. (zum kleineren Teil aus späterer Zeit) hinterlassen. Erst 1879 trat er mit lithogr. Arbeiten an die Öffentlichkeit ("Dans le reve") u. hier schlägt er zum ersten Male die Töne an, die ihm allein eigen sind, u. die er in seinen späteren Folgen immer von neuem in geistreicher Weise variiert. Die Lithographie u. die Kohlezeichnung sind die ihm gemäßen Ausdrucksmittel. Obwohl er sich mit Folgen wie A Edgar Poe (1882), Le Juré (1887), der "Tentation de St-Antoine" von Flaubert (2 Fassungen von 1889 u. 1896) u. in der Apokalypse des Johannes von literarischen Werken hat inspirieren lassen, sind diese Darstellungen nichts weniger als Illustrationen, sondern völlig selbständige Paraphrasen der durch das dichterische Vorbild angeregten Themen. - 1900 ist sein graph. Werk abgeschlossen. Nach diesem Jahr entstehen nur noch einige Porträtköpfe von Freunden, sämtl. en profil (18 Bl.). - Vollständiger Katalog des graph. Werkes (41 Rad. u. 181 Lith.) bei A. Mellerio (s. Lit.), 1913, p. 179/94; Reproduktion des graph. Werkes bei Artz U. De Bois, L'oeuvre graph. complet de O. R. (192 Lichtdrucktaf. in fol.), Haag 1913. Als Maler schließt sich R. in seinen frühen Landschaften (bis ca. 1870) an die Schule von Barbizon an; in den Malereien seit 1900 (fast ausschließlich Blumenstilleben) ist er ein Weggenosse der Nachimpressionisten. Hauptwerke: I. Gemälde: I. Periode (bis ca. 1870): Landschaft (Pastell), Slg Bühler, Winterthur; Landschaft bei Barbizon, franz. Priv.-Bes.; Herde im Médoc, Slg Parent, Paris; Der Gedanke, Slg Leblond, Paris; Das Meer bei Morgat, ebda; Kain tötet Abel, ebda; Pegasus, ebda; Roland; Quadriga, Sig de Gonet, Paris. Vergil u. Dante (Kohlezeichn. 1865), Slg Bonger, Amsterdam. - 2. Periode: Blumen, Prinz Bibesco, Paris; Chinesische Tasse mit Windrosen (Pastell), Slg Bonger, Amsterdam; Blaue Vase mit Blumen (Pastell), Slg I. Bienert, Dresden; Der Kranz (Pastell), Slg Redon, Paris; Der weiße Schmetterling, Slg Leblond, Paris; Der weiße Strauß, vormals SIg Quinn, New York; Blumen (Pastell), Petit Palais, Paris; Die Rose, Slg Bühler, Winterthur; Blumen in grüner Vase, ebda; Kreuzigung (Pastell), Slg Bonger, Amsterdam; Bildnis Mlle Violette H. (Pastell), Slg Kapferer, Paris; Mit geschlossenen Augen, Mus. du Luxembourg, Paris; Wagen des Apollo, SIg de Bois, Haarlem; Illusion, SIg Kröller-Müller, Haag; großes dekorat. Gemälde: Germination (Wandschirm, Buddha mit Blumen), Slg Bonger, Amsterdam; ebda Kohlezeichnungen (Penseur à la fenêtre; Chimère; Le masque de la mort rouge). II. Graph. Arbeiten. Hervorzuheben folg. Alben: 1879 Dans le Réve; 1882 A Edgar Poe; 1883 Les Origines; 1885 Hommage à Goya; 1886 La Nuit; 1887 Le Juré; 1888 La Tentation de St-Antoine; 1889 A Gustave Flaubert; 1892 Songes; 1896 La 76 Tentation de St-Antoine, nouv. série; 1899 Apocalypse de St-Jean. Lit.: I. Monographien u. Abbildungswerke: J. Destrée, L'OEuvre lith. de O. R., Catal. descr., Brüssel 1891. - L'OEuvre graph. complet de O. R. (Tafelwerk), hrsg. Artz u. De Bois, Haag 1913 (vgl. dazu: Van onzen tijd, 1913 p. 394f., u. Zeitschr. f. Bücherfreunde, N. F. 5, 1913, Beibl. p. 256f.). - A. Mellerio, O. R. (Soc. pour l'Etude de la Grav. fr.), Paris 1913 (Kat. d. graph. Werkes m. Lit.-Verz.); Neuausg. 1924. -Cl. Roger-Marx, O. R. (Peintres franç., 21), 1920. - O. R., A soi-même (Journal: 1867-1915), Notes sur la Vie etc., Introd. de J. Morland, Paris 1922. - A. Mellerio, O. R., Peintre, Dessinat., Graveur, Paris 1923. - Lettres d'O. R. (1878-1916), Préface de M. A. Leblond, Paris u. Brüssel 1923. - Ch. Fegdal, O. R. (Maltres de l'Art mod.), 1928. II. Handbücher u. Lexika: J. K. Huysmans, Certains, 1889 p. 150ff. - H. Béraldi, Les Grav. du 19e S., 11 (1891). - R. Muther, Gesch. der Malerei, 1893/94, III. - A. Salmon, La jeune Peint. franç., 1912 p. 6f., 13, 20. - H. W. Singer, Die mod. 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