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Ghiberti, Lorenzo

Geboren
Florenz, 1378 / 1381
Gestorben
Florenz, 1. Dezember 1455
Land
Italien
Geschlecht
männlich
GND-ID
Weitere Namen
Ghiberti, Lorenzo; Ghiberti, Lorenzo di Cione di Buonaccarso; Lorenzo di Bartoluccio; Lorenzo di Bartolo; Lorenzo di Bartolo Michele; Lorenzo di Cione di Ser Buonaccorso Ghiberti; Ghiberti, Bartuluccio di Michele; Ghiberti, Lorenzo di Cione
Berufe
Bildhauer*in; Goldschmied*in; Architekt*in; Maler*in; Zeichner*in; Erzbildner *in; Bildhauer*in; Schriftsteller; Gelehrter
Wirkungsorte
Florenz, Rom, Pesaro
Zur Karte
Von
Lein, Edgar
Zuletzt geändert
25.03.2024
Veröffentlicht in
AKL LIII, 2007, 29; ThB XIII, 1920, 541 ss

VITAZEILE

Ghiberti, Lorenzo, ital. Bronzebildner, Plastiker, Goldschmied, Architekt, Maler, Zeichner, Schriftsteller, *1378 oder 1381 Florenz, †1.12.1455 ebd. (begr. in S. Croce), fast ausschl. in Florenz tätig. Vater der Goldschmiede Tommaso und Vittorio G., Großvater von Buonaccorso G.

LEBEN UND WIRKEN

Aus den Altersangaben in G.s Steuererklärungen von 1427 und 1442 lässt sich das eine wie auch das and. Geburtsjahr ableiten. Sohn der Mona Fiore aus Val di Sieve b. Florenz, die 1370 Cione Paltami Ghiberti, den Sohn des Notars Ser Buonaccorso aus Pelago geheiratet hatte. Mona Fiore verließ ihren Mann, um mit dem Goldschmied Bartolo di Michele (gen. Bartoluccio) zusammenzuleben, den sie nach dem Tod ihres Mannes 1406 heiratete. Von Bartoluccio zum Goldschmied ausgebildet, signierte G. die N-Tür des Florentiner Baptisteriums und die Statue des Täufers Johannes nur mit seinem Vornamen. Im Privatleben und in offiziellen Urkunden nannte er sich nach seinem Lehrmeister Lorenzo di Bartolo, Lorenzo di Bartoluccio oder Lorenzo di Bartolo Michele. Erst nach dem Tod von Bartoluccio im Jahr 1422 und der Klärung seiner legitimen Abstammung am 16.4.1444 verwendete er den Namen Lorenzo di Cione di Ser Buonaccorso Ghiberti und bezeichnete den ersten Mann seiner Mutter als seinen Vater. Da G. nicht nur Bronzebildwerke schuf, sondern auch Entwürfe für Glasfenster und als Architekt am Florentiner Dom mitarbeitete, war er Mitgl. mehrerer Zünfte: am 3.8.1409 wurde er in die Zunft der Goldschmiede (Arte della Seta), 1423 in die Malerzunft (Compagnia dei Pittori) und am 20.12.1426 in die Zunft der Steinmetzen (Arte di Pietra e Legname) aufgenommen. In seinen Commentarii erwähnt G. einen Aufenthalt in Rom, der wahrsch. 1447 anzusetzen ist. Er könnte jedoch bereits E. des 14.Jh. in Rom gewesen sein, denn die Aktfigur des Isaak im Konkurrenzrelief für das Florentiner Baptisterium weist große Ähnlichkeiten zu dem knienden Sohn der Niobe in den Kapitolinischen Mus. auf. 1400 flüchtete G. vor der Pest aus Florenz nach Pesaro, kehrte jedoch bereits wenige Monate später zurück. Im Zusammenhang mit der Errichtung des Taufbrunnens im Baptisterium zu Siena reiste G. im Juni sowie im Winter 1416 und im Frühjahr 1417 dorthin. Nach Voll. seiner ersten Bronzetür am Florentiner Baptisterium (1424) hielt er sich wahrsch. von Mai bis Okt. 1424 mit seinen Gesellen in Venedig auf, wohin er vor der Pest geflüchtet war. Lt. den Commentarii kam er auch nach Padua und kannte offenbar auch Pisa, Massa und Volterra, San Gimignano, Cortona und Pistoia sowie die außerhalb der Toskana gelegenen Städte Assisi, Perugia und Neapel. Um 1416 ∞Marsilia, die sechzehnjährige Tochter des Wollkämmers Bartolomeo di Luca; Söhne Tommaso (*1417) und Vittorio (*1418). Letzterer wurde zum gleichberechtigten Partner seines Vaters und übernahm nach dessen Tod die Ltg der Wkst., die G. im Test. vom 26.11.1455 seinem Enkel Buonaccorso vermacht hatte. Dieser Buonaccorso G., Vittorios Sohn, war Künstler und Ing.; Buonaccorsos Sohn Vittorio G. (*1501) arbeitete als Bildhauer, Maler und Architekt. - Lorenzo war als junger Mann wohl auch zum Maler ausgebildet worden, denn er berichtet in seinen Commentarii, daß er 1400 zus. mit einem and. Maler nach Pesaro ging, um im dortigen Kastell einen Raum für Carlo Malatesta auszumalen. 1401 kehrte er nach Florenz zurück und beteiligte sich an dem von der Tuchhändlerzunft (Arte di Calimala) ausgeschriebenen Wettb. um die zweite Bronzetür für das Florentiner Baptisterium. Die Zunft, deren Oberaufsicht das Baptisterium unterstellt war, hatte zuvor von Andrea Pisano eine (1336 voll.) Bronzetür arbeiten lassen. Lt. Commentarii beteiligten sich sechs weitere Künstler an der Ausschreibung: Simone da Colle, Niccolò di Luca Spinelli, Francesco di Valdambrino, Niccolò di Piero Lamberti, Jacopo della Quercia und Filippo Brunelleschi. Alle sieben erhielten von der Zunft das Material für ein Bronzerelief, auf dem die Opferung des Isaak dargestellt sein sollte. Vorgeschrieben waren nicht nur die Größe und die Form des Rahmens, der - gemäß dem von Andrea Pisano geschaffenen Vorbild - als Vierpassraute gestaltet sein sollte, sondern auch die genaue Zahl der darzustellenden Personen und Tiere sowie die Gest. der Landschaft. Von den sieben 1402 voll. Reliefs haben sich nur die von Filippo Brunelleschi und G. erhalten. Im Gegensatz zu Brunelleschi erzeugte G. eine Einheit aus Lsch. und Figuren und schuf räumliche Tiefe durch die Staffelung von Figuren, eine Handlung von gemäßigter Dramatik und einen idealisierten Stil von vollkommener Schönheit. Die perfekte Darst. der Aktfigur des Isaak folgt unmittelbar röm. Vorbildern und zeigt G.s Interesse an der antiken Kunst. G. wurde zum Sieger des Wettb. erklärt, weil sein Beitrag (mit Ausnahme der separat gegossenen Figur des Isaak) aus einem Guss geschaffen worden war und weil er wesentlich weniger Material verbraucht hatte als Brunelleschi. Dies war mit Blick auf die Kosten für insgesamt 28 Reliefs der geplanten Bronzetür von grundlegender Bedeutung. Am 23.11.1403 wurde der Vertrag über die zweite Bronzetür für das Baptisterium zw. der Arte di Calimala, G. und Bartoluccio abgeschlossen. Die beiden Künstler wurden verpflichtet, jedes Jahr drei Reliefs zu vollenden, und sollten dafür jährl. 200 Fl. erhalten. Da diese Vereinbarung nicht eingehalten wurde, schloss die Zunft am 1.7.1407 einen zweiten Vertrag mit G. als dem nunmehr allein verantwortlichen Künstler ab. Darin verpflichtete er sich, nur mit ausdrücklicher Erlaubnis der Zunft and. Arbeiten anzunehmen oder auszuführen, beständig an den Reliefs der Bronzetür zu arbeiten und wichtige Arbeiten in Wachs und Bronze selbst auszuführen. Als Lohn wurden ihm jährlich 200 Fl. zugesichert und das Recht, Mitarb. zu beschäftigen. Nach über zwanzigjähriger Arbeit war die Bronzetür voll. und wurde am 19.4.1424 am Hauptportal des Baptisteriums unmittelbar gegenüber der Domfassade angebracht. Andrea Pisanos Bronzetür wurde an die S-Seite des Baptisteriums versetzt. G.s erste Bronzetür folgt bis in Details dem von Andrea Pisano geschaffenen Vorbild. Entgegen der urspr. Absicht der Zunft wurden zum Schmuck der Bronzetür jedoch nicht Szenen aus dem AT, sondern aus dem Leben Jesu dargestellt. Die 28 in Vierpassrauten eingefügten Reliefs sind in sieben Reihen übereinander angeordnet und durch ein Gerüst aus horizontalen und vertikalen Rahmenleisten mit Blattwerk und individuell gestalteten Köpfen voneinander abgesetzt. Über den Reliefs mit der Geburt Christi und der Anbetung der Hl.Drei Könige befindet sich die Sign. Opus Laurentii Florentini. Der Kopf links oberhalb der Inschr. zeigt G.s Selbstbildnis. Die vergoldeten Reliefs heben sich deutlich vor dem dunkel patinierten Grund ab. In der untersten Reihe sind die Kirchenväter Augustinus, Hieronymus, Gregorius und Ambrosius, über ihnen die Evangelisten Johannes, Matthäus, Lukas und Markus dargestellt. Darüber folgen die Reliefs mit den Szenen aus dem Leben Jesu, von der Verkündigung bis zur Auferstehung und der Ausgießung des Hl. Geistes. Die Szenen sind in der Reihenfolge des Geschehens von links nach rechts und von unten nach oben angeordnet. Zw. 1423 und 1426, als die Arbeit an der Bronzetür weitgehend beendet war, schuf G. die bronzene Verkleidung der Laibung und des äußeren Rahmens der Tür mit Friesen aus Blättern, Blüten, Früchten und Tieren. Die Arbeit an der Bronzetür dauerte auch deshalb über 20 Jahre, weil G. - entgegen der vertraglichen Vereinbarung - and. Aufträge annahm und ausführte. Für die Arte di Calimala schuf er 1412-16 die weit überlebensgroße Bronzestatue des Täufers Johannes, die in einer Nische an der O-Seite von Orsanmichele aufgestellt wurde (Guß der Figur am 1.12.1414 beg.). Auf dem Saum des Gewandes ist die Sign. Opus Laurentii angebracht. Mit dem Guss, der Nachbearbeitung, der Vergoldung der Buchstaben auf dem Gewandsaum und der Aufbringung des Silbers in den Augen der Figur waren G. und seine Mitarb. noch mehrere Monate beschäftigt. Obwohl Kopf und Büste der Figur sowie die linke Hand mit der Schriftrolle getrennt gegossen und nachträglich mit dem Körper verbunden wurden, ist die Figur des Täufers Johannes eine technische Meisterleistung. Stilistisch ist sie mit ihren tief ausgearbeiteten Schüsselfalten noch der Spätgotik verhaftet und zeigt Einflüsse der Internat. Gotik, die auch in den Reliefs an der Bronzetür sichtbar sind. Die erste in Florenz gegossene Bronzestatue der Neuzeit steht jedoch ideell in der Nachf. der berühmten antiken röm. Bronzefiguren des Mark Aurel, des Dornausziehers und der Wölfin und begründete G.s Ruhm als bester Bronzegießer seiner Zeit. Im Wettstreit mit der Zunft der Tuchhändler beauftragten nachfolgend auch die Zunft der Geldwechsler (Arte del Cambio) und die Zunft der Wollweber (Arte della Lana) G. mit der Anfertigung von Bronzestatuen für Orsanmichele. Für die Arte del Cambio schuf er die Figur des Evangelisten Matthäus mit Vertrag vom 26.8.1419, das Datum der Voll. des Wachsmodells ist auf dem Saum des Gewandes der Figur mit 1420 angegeben (Inschr.: Opus Universitatis Cansorum Florentiae Anno Mccccxx; Figur 1422 voll.). Im selben Jahr entwarf G. die Figurennische für die Statue an der W-Seite von Orsanmichele (ausgef. von den Steinmetzen Giacomo di Corso und Giovanni di Niccolo). Zehn Jahre später schuf G. den Entwurf für das 1432 von dem Steinmetzen Jacopo di Bartolo aus Fiesole ausgef. Marmortabernakel um Fra Angelicos Flügelaltar für die Zunft der Leinenweber (Arte dei Linaiuoli) im Mus. di S. Marco. Am 21.5.1417 erhielt G. von den Aufsehern der Sieneser Dombaubehörde den Auftrag über zwei der insgesamt sechs quadrat. Bronzereliefs für den Taufbrunnen im dortigen Baptisterium, die binnen 20 Monaten voll. sein sollten. Weil G. jedoch mit der Bronzetür und der Figur des Hl.Matthäus beschäftigt war, verschob er die Arbeit um mehrere Jahre. Die beiden Reliefs wurden nach wiederholten Mahnungen der Sienesen erst 1425 beg. und waren zwei Jahre später weitgehend fertiggestellt. G. schuf das Relief mit der Taufe Christi im Jordan, die Arbeit an dem zweiten Relief mit Johannes vor Herodes überließ er wahrsch. weitgehend seinem Gehilfen Giuliano di Ser Andrea. Eines der beiden Reliefs war im Mai 1427 vollst. vergoldet und fertiggestellt, das and. im Okt. desselben Jahres. Diese beiden Reliefs für den Taufbrunnen in Siena wurden vorbildl. für die Gestaltung der Reliefs an der sog. Paradiestür. Unmittelbar nach der Voll. der zweiten Bronzetür hatte die Arte di Calimala entschieden, eine dritte Bronzetür für das Florentiner Baptisterium arbeiten zu lassen und am 2.1.1425 einen neuen Vertrag mit G. abgeschlossen. Der Humanist Leonardo Bruni entwickelte ein Bildprogramm, das unmittelbar an den beiden älteren Bronzetüren orientiert war und insgesamt 28 Relieffelder mit acht Propheten und 20 Szenen aus dem AT vorsah. In diesem Zusammenhang hätte dann auch die von G. im Konkurrenzrelief geschaffene Opferung des Isaak verwendet werden können. Die Gest. der letzten Bronzetür wurde jedoch bereits zu Beginn der Arbeit verändert. Die Einteilung auf der Rückseite der Türflügel beweist, dass die Anzahl der Relieffelder auf 24 reduziert werden sollte. Schließlich wurde das Bildprogramm noch einmal grundlegend abgewandelt und auf zehn große quadratische Reliefs beschränkt. Wer wann diesen Entschluß fasste, ist nicht bek., aber der Wille zu einer völlig neuartigen Gest. dieser Bronzetür wird maßgebl. von dem überwältigenden Eindruck bestimmt worden sein, den die von G. für den Taufbrunnen in Siena geschaffenen Reliefs in Florenz gemacht hatten. Jeder der beiden Türflügel ist mit fünf annähernd quadratischen und vollst. vergoldeten Reliefs geschmückt. Sie werden gerahmt von einem umlaufenden Fries mit je zehn stehenden und zwei liegenden Figuren in Nischen, zw. denen Medaillons mit Köpfen und Blattranken eingefügt sind. Die in den Reliefs dargestellten Szenen aus dem AT sind über beide Türflügel hinweg von links nach rechts und von oben nach unten angeordnet, beginnend mit der Erschaffung Adams und Evas, dem Sündenfall und der Vertreibung aus dem Paradies und der Gesch. von Kain und Abel in den beiden oberen Reliefs, darunter die Reliefs mit Noah nach der Sintflut, Abraham und die Opferung Isaaks, Jakob und Esau sowie Joseph und seine Brüder. Die unteren Register zeigen Moses mit den Gesetzestafeln und die Eroberung Jerichos durch Josua und schließl. David und Goliath sowie die Königin von Saba vor König Salomo. Da die urspr. zum Schmuck der Tür vorgesehene Anzahl der Reliefs auf zehn reduziert wurde, war G. gezwungen, mehrere Szenen in einem Bildfeld miteinander zu verbinden, um möglichst viele Gesch. zeigen zu können. V.a. in den oberen Registern der Paradiestür sind versch. Episoden in einem Bildfeld vereint. Im Verlauf der Arbeit wurde die Anzahl der Szenen in den Reliefs jedoch immer stärker reduziert und schließlich im letzten Relief auf die Darst. der Königin von Saba vor Salomo beschränkt. G. signierte seine zweite Bronzetür auf dem glatten Rahmen zw. dem zweiten und dritten Register von unten mit Laurentii Cionis De Ghibertis und Mira Arte Fabricatum und fügte dazwischen sein Selbstbildnis und das Bildnis seines Sohnes Vittorio ein. Die Bezeichnung Paradiestür soll - so Giorgio Vasari in seinen "Viten" - von Michelangelo geprägt worden sein, der dieses Werk für würdig erachtet habe, die Pforten des Paradieses zu schmücken. Die zehn Relieftafeln waren am 7.8.1447 voll. und die Vergoldung aller Teile am 16.6.1452 abgeschlossen. Am 13.7.1452 beschlossen die Konsuln der Arte di Calimala, die neue Bronzetür wegen ihrer Schönheit gegenüber der Domfassade anzubringen und G.s erste Bronzetür an die N-Seite des Baptisteriums zu versetzen. Der Goldschmied Piero di Donato polierte die Tür und brachte sie wohl noch vor dem 24.Juli desselben Jahres an, so dass am Festtag des Täufers Johannes alle drei Portale des Baptisteriums mit Bronzetüren geschmückt waren. Bereits am 24.1.1448 hatte die Zunft der Tuchhändler bei G. einen bronzenen Rahmen mit Blumen, Blättern und Früchten zur Einfassung der Paradiestür bestellt, an dem G. und sein Sohn Vittorio noch 1452 arbeiteten. Im Dez.1452 beschloss die Zunft, von G. einen ebensolchen äußeren Rahmen für die von Andrea Pisano geschaffene Bronzetür anfertigen zu lassen Diese Arbeit wurde am 12.2.1453 offiziell an Lorenzo und Vittorio G. vergeben und 1462-64 von Vittorio vollendet. Während der 27 Jahre dauernden Arbeit an der Paradiestür übernahm G. eine Reihe bed. Aufträge. Am 2.4.1425 hatte die Arte della Lana beschlossen, die alte Marmorstatue ihres Schutzpatrons an Orsanmichele gegen eine Bronzestatue des Hl.Stephanus von G. auszutauschen und eine neue Nische einrichten zu lassen, um sich im innerstädtischen Wettstreit mit der Arte di Calimala und der Arte del Cambio zu behaupten. Das Modell der Figur war am 5.8.1427 fertiggestellt und die Bronzestatue am 1.2.1429 vollendet. Eine Präsentations-Zchng in Temperafarben auf Leinen (Paris, Louvre) beweist, daß G. auch die Nische an der W-Seite von Orsanmichele entworfen hatte. Das Vorhaben wurde jedoch aufgegeben und die Statue des Hl.Stephanus in der alten Nische an Orsanmichele aufgestellt. Zw. 1425 und 1427 schuf G. die bronzene Grabplatte für Leonardo Dati, den 1425 verstorbenen Generalminister des Dominikanerordens, der in S.Maria Novella beigesetzt wurde. Der Kopf des Verstorbenen wurde möglicherweise nach einer Totenmaske angefertigt. Außerdem lieferte G. die zeichnerischen Entwürfe für die Grabplatte des Lodovico degli Obizi (†1424), die 1427 von dem Bildhauer Filippo di Cristofano in Marmor ausgef. wurde, und für die marmorne Grabplatte des 1427 verstorbenen Bartolomeo Valori.In diesen Jahren arbeitete G. im Auftrag von Cosimo und Lorenzo de' Medici an dem Bronzeschrein für die Reliquien der Hll. Protus, Hyazinthus und Nemesius, der 1428 in S. Maria degli Angeli aufgestellt wurde. Auf der Vorderseite des Sarkophags, dessen Deckel mit Blattranken verziert ist, halten zwei Engel einen Kranz aus Olivenblättern und -früchten, in dem die Inschr. mit den Namen der Hl.Märtyrer angebracht ist. Der in napoleon. Zeit zerst. Schrein konnte weitestgehend wiederhergestellt werden (heute im Bargello). Neben seiner Arbeit an der Paradiestür schuf G. auch den im Chor des Florentiner Doms aufgestellten bronzenen Reliquienschrein für den Hl.Zenobius. Im März 1432 wurde der Vertrag zw. der Arte della Lana und G. abgeschlossen und ein Zeitraum von drei Jahren für die Voll. festgesetzt. Tatsächlich dauerte es jedoch zehn Jahre, bevor der Schrein fertiggestellt war. Bereits am 22.10.1434 wurde die Bronze für den Guß zweier Reliefs am Schrein erworben, aber offenbar kamen die Arbeiten nicht voran. Der Vertrag wurde schließl. im April 1437 annulliert, aber am 18.4.1439 erneut abgeschlossen. Darin verpflichtete sich G., alle Arbeiten binnen zehn Monaten zu vollenden, aber erst am 30.8.1442 ist die letzte Zahlung an G. verbucht. Der Schrein zeigt Relief-Darst. der Wunder des Hl.Zenobius und auf der Rückseite die Inschr. in einem von Engeln gehaltenen Blattkranz. G.s letztes Werk ist das bronzene Türchen für ein von Bernardo Rossellino geschaffenes Marmortabernakel in S. Egidio (S. Maria Nuova), auf dessen Außenseite der auf einer Wolkenbank thronende Gottvater im flachen Relief dargestellt ist. Im Sommer und Herbst 1450 erhielten G. und sein Sohn Vittorio mehrere Zahlungen für dieses Werk. Um alle Arbeiten in seiner Bronze-Wkst. ausführen und sich verstärkt auf den Entwurf und die Herstellung der Wachsmodelle konzentrieren zu können, beschäftigte G. zahlr. Mitarb., die für das Säubern der gegossenen Bronzen, die Nachbearbeitung und die Vergoldung zuständig waren. In einem zw. 1404 und '07 zu dat. Dok. werden insgesamt elf Mitarb. in G.s Wkst. namentl. aufgeführt, unter ihnen Giuliano di Ser Andrea und Donatello. In einer zweiten, nach 1407 aufgesetzten Liste werden 25 in G.s Wkst. tätige Mitarb. gen., zu denen neben Giuliano di Ser Andrea und Donatello auch Bartolo di Michele und Bernardo Ciuffagni gehörten. Einige dieser Mitarb. hielten sich jedoch – wie Donatello – nur kurz in G. Wkst. auf. Um 1420 waren auch Paolo Uccello und Michelozzo di Bartolomeo für G. tätig. Michelozzo war maßgebl. an der Entstehung der Bronzestatue des Hl.Matthäus beteiligt. An der Paradiestür arbeiteten u.a. Michelozzo, Vittorio und Tommaso Ghiberti, ab 1444 auch Benozzo Gozzoli und 1448 der Goldschmied Bernardo Cennini. Da in G.s Wkst. zeitweilig Goldschmiede, Bildhauer, Maler und Bronzegießer gemeinsam tätig waren, wurde seine Kunst für eine ganze Generation junger Künstler vorbildlich. In seinen Commentarii erwähnt G., er habe Malern, Bildnern und Steinmetzen zahlr. Modelle in Wachs und Ton überlassen. Tatsächl. haben sich in Florenz, aber auch in Mus. in Berlin, Paris, London, Frankfurt am Main und andernorts Madonnenreliefs aus Stuck oder Ton erh., die auf Vorbilder von der Hand G.s zurückgeführt werden können und von seiner Wkst. und unbek. Nachf. geschaffen und verbreitet wurden. Nach Abschluß der Arbeiten an der Paradiestür überließ der siebzigjährige Künstler die Ltg der Wkst. weitgehend seinem Sohn Vittorio, um sich ganz der Abfassung seiner Commentarii zu widmen. Der um 1447 beg. und unvoll. gebliebene Traktat ist in einer Abschrift aus dem 15.Jh. in der Bibl. Naz. in Florenz erhalten. Im ersten Teil der Commentarii finden sich Berichte über Künstler der Antike und ihre Werke nach Vitruv und Plinius. Im zweiten Teil gibt G. einen Abriß der nachantiken Kunstgesch., von Giotto über die Florentiner und Sieneser Maler und Bildhauer des 13. und 14. Jh. bis zur eig. Autobiogr., der ersten erh. Lebensbeschreibung eines Künstlers überhaupt, in der v.a. seine Werke aufgelistet werden. Der dritte Teil beschreibt die für Bildhauer notwendigen Wiss., einscHl.der Optik und der Anatomie, und enthält eine von Vitruv angeregte Theorie der Proportionen des Menschen. Neben seiner Haupttätigkeit als Wachsbildner und Bronzegießer arbeitete G. auch als Architekt. Sein Entwurf für eine Treppe zu den Gemächern Papst Martins V. in S. Maria Novella wurde am 20. 5. 1419 von der Florentiner Dombaubehörde angenommen. Im Zusammenhang mit der Errichtung der Kuppel des Florentiner Doms kam es noch einmal zu einemWettstreit zwischen G. und Brunelleschi. Am 19. 8. 1418 wurde die Konkurrenz um den Bau der Kuppel ausgeschrieben, am 23. 9. erhielt G. vier Mitarb. zugewiesen, die ihm bei der Arbeit am Modell helfen sollten, und am 13. 12. desselben Jahres wurden die Modelle der Kuppel eingereicht. Am 11. 8. und 3. 10. 1419 erhielt G. von der Dombaubehörde Geld für Modelle des Doms, von denen eines aus kleinen Ziegelsteinen errichtet wurde. Am 16. 4. 1420 wurden G., Brunelleschi und der Maurermeister Battista d'Antonio bei gleichem Gehalt von monatl. je drei Goldflorin zu Aufsehern über die Arbeiten an der Domkuppel ernannt, am 24.4.1420 erhielten G. und Brunelleschi je 10 Fl. für ihre Arbeit an einem gemeinsamen Modell der Domkuppel. Offenbar waren beide Künstler und auch Battista d'Antonio in den nächsten Jahren gleichberechtigt für den Kuppelbau verantwortl., denn am 23.1.1426 unterbreiteten sie gemeinsam einen Vorschlag zur Errichtung der Kuppel. Am 4. 2. 1426 wurde der Vorschlag angenommen und Brunelleschi mit der Bauleitung betraut. Sein Gehalt wurde auf 100 Fl. im Jahr erhöht, während G. weiterhin monatl. 3 Fl. erhielt. Dafür mußte sich Brunelleschi mit ganzer Kraft dem Kuppelbau widmen, während G. nur zeitweilig für dieses Projekt tätig war. Aber G. blieb der Dombaubehörde auch weiterhin als Berater verbunden und war gemeinsam mit Brunelleschi und Battista d'Antonio für die Errichtung der Kuppel verantwortlich. Am 21. 7. 1429 wurde G. gemeinsam mit Brunelleschi erneut zum Aufseher über den Dom gewählt und 1431 und 1432 in diesem Amt bestätigt. 1435 beteiligte sich G. an einem Wettb. um die Ausgestaltung der drei Kap. in den Apsiden des Doms, der am 25. 11. zugunsten Brunelleschis entschieden wurde, und noch einmal wetteiferte er im Aug. 1436 mit Brunelleschi und vier and. Meistern um die Gest. der Laterne auf der Domkuppel. Aber auch diese Aufgabe wurde E. Dez. 1436 Brunelleschi übertragen. Am 30. 6. 1436 hatte G. eine letzte Zahlung für seine Aufsehertätigkeit im Zusammenhang mit der Domkuppel erhalten. In seinen Commentarii vermerkte er stolz, 18 Jahre lang als gleichberechtigter Partner von F. Brunelleschi an der Kuppel des Florentiner Doms gearbeitet zu haben. Am 4. 1. 1420 wurde G. außerdem zum Aufseher über die Holzarbeiten in der Strozzi-Kap. (heute Sakristei) in S. Trinità ernannt. Im Rahmen dieser Tätigkeit könnte er auch für den Entwurf des Portals zur Strozzi-Kap. und der Fassade der Kap. verantwortl. gewesen sein, die in ihrer Mischung aus got. Proportionen und Formen der Renaiss. der von G. entworfenen Nische für den Hl.Matthäus und dem Rahmen für den Flügelaltar von Fra Angelico in S. Marco nahe stehen. Als Sachverständiger war G. bereits im Nov. 1404 für die Florentiner Dombaubehörde tätig gewesen und hatte über die Strebepfeiler und Fenster in der Hauptapsis des Doms zu entscheiden. Von dieser Aufgabe wurde er am 16. 2. 1406 entbunden; er lieferte jedoch zahlr. Entwürfe für Glasfenster im Dom. Bereits 1404 entstand der Entwurf für das große Rundfenster mit der Himmelfahrt der Maria in der Fassadenwand des Doms, 1412 folgten die Entwürfe für die beiden flankierenden Rundfenster mit den Hll. Stephanus und Laurentius und 1424 die Entwürfe zu den beiden Rundfenstern im ersten Joch des Doms mit der Vertreibung Joachims aus dem Tempel und dem Marientod. Versch. Zahlungen (1434, '36, '40 und '41) an G. belegen, daß er zahlr. Entwürfe für nicht näher bez. Fenster in den Kap. der drei Tribunen lieferte. 1442 entwarf G. beinahe monatl. Fenster und schließl. 1443 auch drei der großen Rundfenster mit der Darbringung im Tempel, Christus am Ölberg und der Himmelfahrt Christi im Tambour unterhalb der Domkuppel. Vasari berichtet, daß G. auch den Entwurf für das um 1450 zu dat. Rundfenster mit der Kreuzabnahme in der Fassadenwand von S. Croce fertigte. Ein bei Vasari erw. Fenster mit einer Marienkrönung in der Pieve S. Maria in Arezzo ist verloren. G.s Entwürfe für die Glasfenster haben sich ebensowenig erh. wie seine Zchngn, die von Vasari als vortreffl. gerühmt werden. Eine in der Albertina in Wien aufbewahrte Zchng mit den Schergen einer Geißelung wurde nicht als vorbereitende Studie zu G.s Relief der Geißelung Christi an der N-Tür geschaffen, sondern wahrsch. nach diesem Relief angefertigt; ob sie von G. selbst oder einem and. Künstler des 15. Jh. stammt, ist ungeklärt. Ebenfalls nicht erh. sind G.s Goldschmiedearbeiten, von denen einige in der Lebensbeschreibung erw. werden und dok. gesichert sind. G. fertigte die Entwürfe zweier Silberleuchter für Orsanmichele, die im Sommer 1418 bei dem Goldschmied Guariento in Auftrag gegeben wurden. 1419 schuf er eine Mitra mit acht halbfigurigen Hll. und eine Gewandschließe mit segnendem Christus aus Gold für Papst Martin V., 1441 eine goldene Mitra mit Figuren für den in Florenz weilenden Papst Eugen IV. Wahrsch. 1428 faßte G. den antiken Marsyaskarneol der Medici kunstvoll in Gold. Die beiden Statuetten der Hll. Andreas und Franziskus vom Andreas- Reliquiar in der Pin. Com. in Città di Castello gehören in den Umkreis der Figuren an der N-Tür des Baptisteriums, wurden aber wohl nicht von G. selbst geschaffen. Nicht sicher als Arbeiten der G.-Wkst. zu identifizieren sind auch die beiden Engel vom Jakobus-Reliquiar im Dom zu Pistoia. G.s Steuererklärungen aus den Jahren 1427, '31, '33, '42 und '47 ist zu entnehmen, daß er Häuser und Grundbesitz besaß und seinen Besitz stetig vergrößern konnte. 1452 erhielten er und sein Sohn Vittorio als Teil der Bezahlung der Paradiestür das Haus in der Via Bufalini b. S. Maria Nuova mitsamt der Wkst., in der die Tür gegossen worden war. – G. interessierte sich sehr für die antike Skulpt., die er nicht nur aus den Schriften der antiken Autoren kannte, sondern in Florenz, Pisa und Rom studierte. Er besaß eine umfangreiche Slg antiker und mod. Werke aus Bronze und Marmor, in der sich neben einigen Köpfen und Torsi auch das berühmte "Letto di Policleto", ein Relief mit Amor und Psyche, befand. Nach G.s Tod wurde der Wert der Slg auf 1500 Fl. geschätzt. – Lorenzo G. war der berühmteste Bronzegießer und Goldschmied der Frührenaissance. Er schuf überlebensgroße Bronzefiguren und entwickelte einen völlig neuartigen, maler. Reliefstil. Mit seinen Werken beeinflußte er zahlr. jüngere Bildhauer und Maler, von denen einige in seiner Wkst. tätig waren. Obwohl in allen seinen Arbeiten spätgot. Tendenzen sichtbar sind, war er zweifellos einer der erfindungsreichsten Künstler der Früh-Renaiss., der nicht nur der Skulpt., sondern auch der Malerei zahlr. neue Impulse gab. Sein der Schönheit verpflichteter Stil war – wie die von Benvenuto Cellini geschaffenen Bronzebildwerke beweisen – noch im 16. Jh. prägend. Durch seine Commentarii wurde er zum ersten Kunsthistoriker der Neuzeit und konnte sich auch als Literat und Humanist beweisen. Mit Recht konnte G. in seinen Commentarii behaupten, in Florenz seien nur wenige Kunstwerke von Bedeutung geschaffen worden, die nicht von seiner Hand entworfen und von ihm angeordnet worden waren.

WERKE

Florenz, Baptisterium: N-Tür, Bronze, teilweise vergoldet, 1403-24; Umrahmung der N-Tür, Bronze, 1423-26; Umrahmung der Paradiestür, Bronze, 1448-52; Umrahmung der S-Tür, Bronze, 1453 beg., 1464 von Vittorio G. (*1418) voll. - Dom: Reliquienschrein für den Hl. Zenobius, Bronze, 1432-42; Fassadenwand: Glasfenster mit der Himmelfahrt der Maria (nach Entwurf von G.), 1404; Glasfenster mit dem Hl. Stephanus und dem Hl. Laurentius (nach Entwürfen von G.), 1412; erstes Joch: Glasfenster mit der Vertreibung Joachims aus dem Tempel und dem Marientod (nach Entwürfen von G.), 1424; Tambour: Glasfenster mit der Darbringung im Tempel, Christus am Ölberg und der Himmelfahrt Christi (nach Entwürfen von G.), 1443. - S.Croce, Fassadenwand: Glasfenster mit der Kreuzabnahme Christi (nach einem Entwurf von G.), um 1450. - S.Egidio (S.Maria Nuova): Türchen für das Marmortabernakel von Bernardo Rossellino, Bronze, 1450. - S.Maria Novella: Grabplatte für Leonardo Dati, Bronze, 1425-27. - Bargello: Die Opferung des Isaak, Bronzerelief, teilw. vergoldet, 1401/02; Reliquienschrein der Hll.Protus, Hyazinthus und Nemesius, Bronze, 1428 voll. - Museo dell'Opera del Duomo: Paradiestür, Bronze, vergoldet, 1425-52 (ehem. Baptisterium). - Mus. di S.Marco: Marmortabernakel um Fra Angelicos Flügelaltar für die Zunft der Leinenweber (nach einem Entwurf von G.), 1432. - Orsanmichele: Hl. Joh.Bapt., Bronze, 1412-16; Hl.Matthäus, Bronze, 1419-22; Marmornische für den Hl.Matthäus (nach einem Entwurf von G.), 1422; Hl.Stephanus, Bronze, 1425-29. Siena, Baptisterium: Reliefs am Taufbrunnen mit den Darst. der Taufe Christi und Joh.Bapt. vor Herodes, Bronze, 1425-27. - Zchngn: Paris, Louvre: Präsentations-Zchng des Hl.Stephanus in der Nische, Tempera/Lw., um 1427. Wien, Albertina: Schergen einer Geißelung Christi, Tinte/Papier, 15.Jh. (Zuschr.).

SELBSTZEUGNISSE

L.G.s Denkwürdigkeiten (I commentarii), ed. J.von Schlosser, 2 Bde, B. 1912; Der dritte Kommentar L.G.s: Naturwissenschaften und Medizin in der Kunsttheorie der Früh-Renaiss., eingeleitet, kommentiert und übersetzt von K.Bergdolt, Weinheim 1988; L.G. I commentarii, ed. L.Bartoli, Fi. 1998.

QUELLEN

Thieme-Becker, Vollmer und AKL:

F.Schottmüller, in: ThB13, 1920.

 

Weitere Lexika:

M.Wundram, in: DA XII, 1996; C.La Bella, in: DBI LIII, 1999 (Lit.); G.Bonsanti, in: A.Boström (Ed.), The enc. of sculpt., II, N.Y./Lo. 2004.

 

Gedruckte Nachweise:

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Archive:

Publ. Archivalien: A.Doren, Das Aktenbuch für G.s Matthäus-Statue an Or San Michele zu Florenz, in: Ital. Forsch. 1:1906; G.Poggi, Il Duomo di Firenze, ibid. 2:1909 (Repr. ed. M.Haines, Fi. 1988); Transskriptionen von Dok. und Digest zu Dokumenten in: R.Krautheimer/T. Krautheimer-Hess, 1956, App. C: Sources (grundlegend).

 


THIEME-BECKER

Ghiberti, Lorenzo, Bronzebildhauer, Goldschmied, Architekt, Maler und Schriftsteller, geb. Florenz 1378, Sohn des Cione di Ser Buonaccorso u. der Madonna di Fiore aus Val di Sieve, † Florenz 1. 12. 1455. Bis 1443 nannte er sich nach seinem Lehrer u. Freund Bartoluccio (Bartolo) di Michele, der 1406 sein Stiefvater wurde, Lorenzo di Bartoluccio (Bartolo). Nachdem G. 1444 den Prozeß über die angezweifelte Legitimität seiner Geburt gewonnen hatte, nannte er sich Lorenzo di Cione di Ser Buonaccorso. Seine Abstammung von der alten Adelsfamilie der Ghiberti ist umstritten. G. erlernte die Goldschtniedekunst bei Bartoluccio di Michele; andere Lehrer von ihm sind nicht bekannt. Vielleicht hielt er sich Ende des 14. Jahrh. in Rom auf. 1400 ging er, als die Pest in Florenz wütete, nach der Romagna, wo er als Gehilfe eines Malers (Piserino?) Fresken im Kastell des larlo Malatesta in Pesaro malte. Nach seiner Rückkehr nach Florenz beteiligt er sich mit 6 toskanischen Bildhauern (Brunelleschi, Simone da Colle, Niccolù Spinelli d'Arezzo, Jacopo della Quercia, Francesco di Valdamhrino und Niccolö Lambcrti) an der Konkurrenz für die 2. Tür des Baptisteriums u. erhält als Sieger im Wettbewerb (über das Proberelief: "Opfer Abrahams", s.u.) 23.11. 1403 zusammen mit Bartoluccio di Michele den Auftrag. April 1424 Vollendung der 2. Tür. l)ie Monate Oktober bis Dezember dieses Jahres (1424) verbringt G. wegen der in Florenz wütenden Pestepidemie mit seinen Gehilfen in Venedig. Wahrscheinlich ist er damals auch in Padua gewesen. 2. 1. 1425 Auftrag für die 3. Tür (Paradiesestür) des Baptisteriums; 1452 Vollendung derselben. Diese beiden monumentalen Schöpfungen, an denen sich der Meister beide Male im Bildnis verewigt hat, sind G.s eigentliches Lebenswerk; entstanden, wie alle seine anderen Werke, in Florenz (seine Gießhütte befand sich in der Via Bufalini bei S. Maria Nuova). Die Art der im 2. "Kommentar" (s.u.) niedergelegten Kenntnisse von Kunstwerken in den verschiedenen Städten läßt eigenes Sehen und dadurch wie auch anderen Nachrichten zufolge seinen gelegentlichen Aufenthalt in Siena (1418/17), Pisa, Massa, Volterra, S. Gimignano, Cortona, Pistoia, Perugia, Rom (vor 1400? u. 1437?) u. Neapel annehmen. 3. 8. 1409: Aufnahme in die Florentiner Goldschmiedezunft; 1423 Aufnahme in die Compagnia dei Pittori; 28. 12. 1427 Aufnahme in die Zunft der Steinmetzen. Aus seiner Ehe mit Marsilia di Bartolomeo di Luca gingen 2 Söhne, Tommaso und Vittorio (s. das.), hervor, die seine Schüler, Gehilfen u. Nachfolger in der Goldschmiedekunst und Erzbildnerei wurden. - In seinen letzten Jahren widmete sich G. der Abfassung seiner "Kommentare". (über das neu aufgefundene Ausgabenbuch s.u.) In ihnen ist der 1442 vollendete Zenobiusschrein, nicht aber die - freilich unbedeutende - Tabernakeltür für S. Maria Nuova (1450) erwähnt, was eine ungefähre Datierung ergibt. Werke. 1) Bildwerke. a) Bronzen: "Opfer Abraham s", Relief; Anlaß: die Konkurrenz für die 2. Baptisteriumstür 1401/2. Im 15. Jahrh. im Zunfthaus der Mercatanti in Floren z, jetzt im Mus. Naz. ebenda. - 2. Tür für das Baptisterium in Florenz, mit 28 gotischen Vierpaßfeldern (14 auf jedem Flügel), davon 20 mit Darstellungen aus d. Neuen Testament, 4 von Evangelisten u. 4 von Kirchenvätern. Begonnen 23. 11. 1403. Gehilfen: Bartoluccio di Michele, später Donatello, Bernardo Ciuffagni u. a. 1. 6. 1407 neuer Vertrag: Statt Bartoluccio und Donatello werden Michelozzo neben vielen andern Gehilfen und Paolo Uccello (als Lehrling) genannt. 9. 4. 1424 Einweihung der Tür. 14. 1. 1447 Auftrag für die Umrahmung derselben; 1452 ist G. mit ihr und der Umrahmung der 1. Tür (von Andrea Pisano) beschäftigt. - In Caste Idi Sangro (Abruzzen) befanden sich vor einigen Jahren Abgüsse nach Reliefs dieser Tür sowie 2 Reliefs ("Darstellung im Tempel" und "Flucht nach Ägypten"), die als nicht ausgeführte Entwürfe für dieselbe umstritten sind. - Statue Johannes des Täufers für Or San Michele in Florenz; Auftrag der Zunft der Kaufleute. Bez. u. dat. 1414. - "Johannes der Täufer vor Herodes" und "Taufe Christi", Reliefs für den Taufbrunnen für S. Giovanni in Siena; Auftrag 21. 5. 1417; Beginn der Arbeit 1424; Guß und Vergoldung 1427 vollendet. Gehilfe: Giuliano di Ser Andrea. - Ursprünglich sollte G. außerdem 4 Statuetten für diesen Taufbrunnen ausführen; es sind wohl die, die später Giov. Turini gearbeitet hat. - Matthäusstatue für Or San Michele in Floren z; Auftrag der Wechslerzunft 26. 8. 1419; Modell 1420 (dieses Datum inschriftlich an der Statue), 1420 möglicherweise Guß, 1422 Guß und Ziselierung vollendet. - Grabplatte für Fra Leonardo Dati (†1423) in S. Maria Novella in Florenz (hinter dem Hochaltar). - 3. Tür (Paradiesestür) für das Baptisterium in Floren z, mit Darstellungen aus dem Alten Testament; Auftrag der Vorsteher der Kaufmannszunft (Arte dei Mercatanti di Calimala). Der erbte Entwurf sah dieselbe Einteilung wie auf den älteren Türen mit 28 kleinen Feldern vor; ein zweiter 24 Felder, der endgültige (ausgeführte) Plan hingegen nur 5 große Reliefs auf jedem Flügel, mit breiten umrahmenden Friesstreifen, in denen 24 Statuetten u. 24 kleine Köpfe angebracht sind. Programm von Leonardo Bruni. Auftrag 2. 1. 1425. Unter den Gehilfen Michelozzo, später auch G.s Söhne, Bernardo Cennini und Benozzo Gozzoli. 1437 waren erst 3 Reliefs ganz vollendet, 1438-42 Unterbrechung der Arbeit, wohl aus finanziellen Gründen; 1443 fehlten noch 4 Reliefs; 1443-47 die 4 anderen großen Reliefs vollendet und der Umguß des bronzenen Türgerüstes ("telaio") ausgeführt (das zu Beginn der Arbeit gefertigte war für 24 kleine Reliefs berechnet gewesen); 1448 bis 52 Randleisten mit den schon 1436 gegossenen, später ziselierten Statuetten und Reliefs ausgeführt; 1452 Vergoldung und Einweihung der Türen. - Reliquienschrein für die Hl. Hyazinthus, Protus und Nemesius für S. Maria degli Angeli in Floren z. Vorn Inschrift mit der Jahreszahl 1428 in einem Olivenkranz, den 2 schwebende Engel halten. Im Auftrag des Cosimo de' Medici ausgeführt. Der Schrein wurde während der französischen Okkupation gestohlen, zertrümmert und als Metall verkauft. Die Stücke wurden - bis auf die verschollene Rückseite - später wieder zusammengesetzt. Jetzt Mus. Naz., Florenz (1. Bronzensaal No 21). - Stephanusstatue für Or San Michele im Auftrag der Wollweberzunft. Ausgeführt 1428. - Reliquienschrein des hl. Zenobius im Florentiner Dom. Vorn u. an den Schmalseiten Reliefs mit Wundertaten des Heiligen; an der Rückseite 6 schwebende Engel mit Laubkranz, in dem sich die Inschrift befindet. 23.3. 1432 G. Sieger in der Konkurrenz; 1434 Ankauf von Bronze für den Schrein in Venedig; 1437 Mahnung, den Schrein zu vollenden; 1439 neuer Vertrag; die Reliefs der Schmalseiten noch nicht vollendet; Januar 1442 Fertigstellung. - Bronzetürchen mit Relief des thronenden Petrus für das Tabernakel des Bernardo Rossellino in S. Maria Nuova (S. Egidio) in Florenz; in Arbeit 30. 6. 1450. - Statuetten einer Karyatide und eines Heiligen: Berlin, Kaiser Friedrich-Mus. (Bronzenkat. II No 18, 18a). - G. wohl zu Unrecht zugeschrieben: 2 Statuetten: Maria und Johannes zu Oxford (Ashmolean Mus.) und eine trauernde Maria in Pari s, Louvre. - b) Marmor: Grabplatten für Lodovico degli Obizi (†1424) und für Bartolomeo Valori (†1427) in S. Croce in Floren z. Beide von G. modelliert; Ausführung nicht eigenhändig (die erstgen. 1427 durch Filippo di Cristofano). - Zeichnung für den Tabernakelrahmen (Marmor) zu Fra Angelico's Flügelaltar für die Leinweberzunft: Mus. S. Marco in Florenz. - Vielleicht nach G.s Entwurf (Venturi). Jakob- usstatue und das darunter befindliche Relief: Enthauptung des Heiligen, Or San Michele. - c) Madonnenkompositionen in Ton, Stuck und Wachs. Von den überaus zahlreichen anonymen Arbeiten in Ton und Stuck in italienischen Kirchen, Museen u. Privatbesitz, die einst dein "Meister der Pellegrinikapelle", dann verschiedenen Tonbildhauern zugeschrieben wurden, hat Bode 8 Madonnenreliefs und 3 ebensolche Statuetten in Berlin (Kaiser Friedr.-Mus.u. Privatbes.), in Paris (Louvre) u. in London (Vict. u. Alb.-Mus.) für G. in Anspruch genommen u. andere ähnliche Werke seiner Werkstatt und seinen Nachfolgern zugewiesen. Für die primitiveren findet er das Vergleichsmaterial an Frauen- und Kindergestalten an der 2. Bronzetür, für die fortgeschritteneren geht er von einer oft wiederholten Madonncnkoml.osition aus, au deren Sockel sich bei einem der 2 Berliner Exemplare eine liegende Frauengestalt befindet, die identisch mit der "Eva" der 3. Bronzetür ist. - Im Kaiser Friedrich-Mus. in Berlin der Abdruck eines flüchtig gearbeiteten kleinen Wachsreliefs der Madonna zwischen anbetenden Engeln (Nr. 23) im Stil der Frühwerke G.s. - Von 2 von Siréu veröffentlichten Madonnenreliefs dürfte das größere in Florenz (Mus. Naz.) mit G.s Werkstatt zusammenhängen. d) Goldschmiedearbeiten: Entwürfe für 2 Silberleuchter für Or San Michele, vom Goldschmied Guariento auszuführen (1417). - Mitra u. Mantelschließe mit segnendem Christus aus Gold für Papst Martin V. (1419). Fassung für den Marsyaskarneol der Medici: 1428? (Bronzereplik im Berliner Mus.). - Goldene Mitra mit figürlichem Schmuck für Eugen IV. (1438). Alle diese genannten Goldschmiedewerke sind nicht mehr erhalten. Dagegen schreibt Venturi G. 2 Statuetten: die Hl. Johannes u. Franziskus, im Museum von Città di Castello zu (nach Schmarsow Jugendwerke des Luca della Robbia). G. als Architekt. G. war 1404-9 in der Sachverständigenkommission der Florentiner Dombaubehörde; 1418 reichte er 2 (nicht erhaltene) Modelle für die Domkuppel ein. 1419 Entwurf einer Treppe zur Wohnung Martins V. in S. Maria Novella. 1420 wurde G. zusammen mit Brunelleschi und Battista d'Angelo zum Provveditore des Kuppelbaus gewählt. Das Gehalt wurde 1425 vorübergehend nicht ausgezahlt; 4. 2. 1426 wurde Brunelleschi die unmittelbare Bauleitung unterstellt; 1429 erhielten er u. G. den Auftrag, ein Modell des Doms zu liefern; 31.1. 1433 trat G. endgültig aus der Dombauleitung aus. - 1435 Konkurrenz für die Chorschranken des Doms, zusammen mit Brunelleschi u. Angeln di Lazzaro d'Arezzo, in der Brunelleschi siegte. Ebenso schlug dieser 1436 G. in der Konkurrenz für die Laterne der Domkuppel. Malereien. über Tafelbilder G.s ist nichts bekannt, auch die Fresken für Carlo Malatesta in Pesaro sind nicht mehr erhalten: hingegen Glasfenster im Florentiner Dom. An der Fassade: "Himmelfahrt Mariä", Rundfenster des Mittelschiffs; "HI. Stephanus", Seitenschiff-Rundfenster (Süd), "Hl. Laurentius", desgl. (Nord): 1412/3 (?): im Mittelschiff die beiden ersten Rundfenster (nach der Fassade zu gelegen): Vertreibung Joachims aus dem Tempel" (Südseite), ..Tod Mariä" (Nordseite): 1423 bis 26 (G. 1425 in Volterra). In den 14 Chortribunen je ein thronender Heiliger oje eine kleinere Scheibe mit einem Heiligenpaar (Zahlungen für die Entwürfe 1434, 1436, 1440. 1441, 1442). 1m Tamhour der Kuppel: Rundscheiben mit "Darstellung im TempeI", "Christus in Gethsemane" (Zahlung 1443) und "Himmelfahrt Christi" (Zahlung 1444). Ein Entwurf G.s zur "Krönung Mariä" wurde zugunsten eines andern von Donatello zurückgestellt (1443/4). Außerdem stammt von G. der Entwurf der "Kreuzabnahme" im Rundfenster der Hauptfassade von S. Croce. - Zugrunde gegangen ist ein von Vasari sehr gelobtes Fenster mit der "Krönung Mariä" in S. Maria della Pieve in Arezzo. G. als Schriftsteller. Seine Denkwürdigkeiten (von G. nach antikem Sprachgebrauch "Commentarii" gen.) sind nicht in der Originalhandschrift, sondern in einer noch im 15. Jahrh. entstandenen Kopie erhalten. Sie befand sich einst im Besitz von Vasari's Freund Cosimo Bartoli und ist heute in der Bibl. Naz. zu Florenz. Eine bessere Abschrift - oder das Original - scheint (nach Frey) dem sogen. tnonymus Magliabecchiantts vorgelegen zu haben. - Der erste Kommentar ist nicht nur im Stil abhängig von der Antike. Die Einleitung ist die fast wörtliche Übersetzung aus einer Schrift des älteren Athenaeus, eines Kriegsschriftstellers der Diadochenzeit, von der G. eine griechische Abschrift besaß; das Programm der enzyklopädischen Künstlerbildung hat G. dem Vitruv, die Darstellung antiker Kunst dem Plinius entnommen. Doch finden sich iiberall längere und kürzere Einfügungen, die eine gewisse Selbständigkeit G.s dem Stoff gegenüber erkennen lassen. Der '2. Kommentar - ungleich wichtiger - bespricht die Kunst des Mittelalters, in der Hauptsache toskanische Künstler des 14. Jahrhunderts. Es sind dies die frühesten literarisch wertvollen Künstlerbiographien; die letzte handelt von G.s eigenem Leben. Wenig wird hier von den Ereignissen desselben, sondern fast nur, in sachlich schlichter Form, von seinen Werken berichtet. - Am Schluß stellt G. eine Abhandlung über Baukunst in Aussicht, an deren Abfassung ihn der Tod verhindert zu haben scheint (vgl. den Art. Ghiberti, Buon.). - Der dritte und umfangreichste Kommentar ist unvollendet, manches in ihm nur Entwurf geblieben; deshalb ist es unwahrscheinlich, daß er fertiggestellt war, aber der Schluß verloren ging. G. sucht hier die theoretischen Grundlagen der Kunst festzustellen. Für die Optik benutzte er das Handbuch des Alhazen; er kannte auch andere arabische Schriftsteller des Mittelalters, wie auch Plato, Aristoteles, Euklid, Ptolomaeus u. a. In der Abhandlung über freies und gedämpftes Licht berichtet er über merkwürdige Funde von antiken Bildwerken in Florenz, Siena und Rom. Den fragmentarischen Schlug bildet eine Proportionslehre. Dem Schema Vitruv's wird ein anderer Kanon des "Varro", ein anscheinend altes Ateliergut, gegenübergestellt. Wie bei der Optik sucht G. auch hier durch kritische Vergleichung zu innerer Selbständigkeit den ihn interessierenden Problemen gegenüber zu gelangen. (Das von Baldinucci benutzte, 1403 begonnene Ausgabenbuch - "giorn:de" - G.s ist heim. Antiquar Rosenthal in München wieder aufgefunden worden und soll veröffentlicht werden). G.s Schriften sind 1912 von Julius v. Schlosser zum ersten Male vollständig herausgegeben worden; bis dahin war ihre Bedeutung nach Inhalt, Auffassung und Stil nur einzelnen Forschern bekannt geworden. Neben den sehr viel umfangreicheren Künstlerbiographien Vasari's u. den theoretischen Schriften von Alberti, von denen nur der Traktat über' die Malerei etliche Jahre älter ist, wurden G.s Kommentare fast ganz übersehen. Sie zeichnen sich gegenüber den viel jüngeren Künstlerviten Vasari's durch Schlichtheit der Sprache und Sachlichkeit, das Fehlen alles Anekdotenhaften und Autopsie bei allen besprochenen Kunstwerken aus. G. dankt seinen Ruhm der Erzbildnerei, in erster Linie den Bronzetüren am Baptisterium; aber er ist in Wahrheit ein überaus vielseitiger Künstler gewesen, reich an technischem Können, theoretischem Wissen u. nicht ohne schriftstellerische Begabung. Er ist einer der frühesten, ja wohl der älteste Vertreter des idealen Renaissancemenschen, als dessen bedeutendste Vertreter L. B. Alberti u. Leonardo gelten. In seinen Bildwerken offenbart sich der Einfluß der Antike u. der Gotik, nicht als gelegentliche, gleichsam zufällige Entlehnungen; sein Stil scheint vielmehr organisch dem der Vergangenheit entwachsen, sein feiner Geschmack an klarsicher und mittelalterlicher Kultur geschult zu sein. Anmut und Harmonie waren ihm wichtiger als dramatische Ausprägung einer Situation u. letzter Realismus in der Formgestaltung. Dadurch erscheint er neben Donatcllo als letzter Gotiker, obwohl auch er der Antike und der unmittelbaren Naturanschauung wichtige Anregungen verdankt. Seine Liebe zur klassischen Kunst ist auch durch seine Antikensammlung bewiesen. Er war der erste Künstler der Renaissance, der solche Schätze zu eigner Freude und intensivem Studium für sich selbst erwarb. Nureinantikes Bildwerkans G.s Sammlung ist sicher nachzuweisen: ein herrlicher Marmortorso - aus der SIg Gaddi in den Uffizien (Zimmer des Hermaphroditen Nr. 315) -, der † i. wahrscheinlich als Vorbild zum "Isaak" in seinem frühesten Relief diente. Als Maler offenbart G. sich in den reichen landschaftlichen Hintergründen seiner Reliefs, besonders denen der Paradiesestüren. Auch ohne seine Schriften wäre aus ihnen sein besonderes Interesse für die damals aufkommenden perspektivischen Probleme bewiesen. - Wie für G.s Bildwerke ist für ltcinc Schriften die Abhängigkeit von Antike und Mittelalter charakteristisch, die - damaliger Auffassung nicht widersprechend - bis an die Grenze des Plagiats reicht; aber es offenbart sich in beiden zugleich die selbständige harmonische Persönlichkeit, die überkommene, wertvolle Güter innerlich zu verarbeiten suchte, um sie dadurch ganz zu besitzen. F. Schottmüller. Quellen: G.s Schriften (Ausgaben u. Speziallit.) s.u. - Vasari-Milanesi, II (1878). - Vasari, dtsche Ausg. Gottschewski-Gronau, III (1906). - C. Frey, Samml. ausgew. Biogr. Vasaris, III (Ghiberti), 1886; Libro Billi, 1892; Codice Magliab., 1897. - Bocchi-Cinelli, Le Bellezze di Firenze, 1877. - Baldinucci, Not. de' prof. del disegno, 1681 ff.; Mailänder Ausg. 1811 V 47 ff.;' ed. Ran alli, I (1845) 347 ff. - R icha, Not. delle chiese flor., 1754 ff. I, III, V, VI, VIII. - Rumohr, Ital. Forschungen, 1827 II 353-9. - Gaye, Carteggio ined. di artisti it. I 103-10; 148-55. - Gualandi, Mern. orig. risg. le b. arti, IV (1843). - Milanesi, Doc. etc. dell' arte sen., II 89 f., 91 f., 119-24. - Poggi, Duomo di Firenze (Urkundenwerk) s.u. Neuere Literatur, 1) Monographien und Allgemeines: Ch. Perkins, Ghiberti et son Ecole, Paris 1888 (Hauptwerk); cf. Repert. f. Kstwiss. IX (1886) 336-40 (Fabriczy). - Burckhardt-Bode, Cicerone", 1910 s. Reg. - W. Bode, Die ital. Plastik (Handbücher der K. Museen,), Berlin 1911; Florent. Bildhauer der Ren., 1910. - Alfred Gottholdd Meyer in Spemanns Museum IV 17 bis 20. - M. Reyrnond, La Sculpture Florentine. Première Moitié du XVe siècle, Florenz 1898, u. in A. Miche1, Hist. de l'Art, III (1906) 487, 521-37. - A. Venturi, Storia dell' arte it., VI (1908). - P. Schubring, Die ital. Plastik des Quattrocento (Burgers Handbuch f. Kstwiss.), o. J. [1919] s. Reg. 2) Bildwerke: Gesamtpublikationen in Bodes Denkm. der Ren.-Skulptur Toskanas; Ital. Bronzestatuetten der Ren., 1907 I. - a) Florenz. Türen des Baptisteriums: Tommaso Patch (Antonio Cocchi], La Porta principale di S. Giov. Batt. incisa da Ferd. Gregori, Florenz 1773, mit Abdruck des (verschollenen) Libro della 2a e 3a Porta); wieder abgedr. von E. Müntz, Les Archives des Arts. le re Série, Paris 1890 p. 15-22 u. Brockhaus (s.u.) Beilage 2; zuletzt vollständig (mit den Spogli Strozziani des Florent. Staatsarchivs) von Frey in seiner Vasari-Ausg. I (1911) Beil. IV p. 353ff. - A. Schmarsow, G.s Kompositionsgesetze an der Nordthür des Florent. Baptisteriums (Abh. der Sächs. Ges. der Wiss. Bd XVIII Nr. 4), Leipzig 1899. - H. Brockhaus, Forschungen über Florent. Kstwerke, 1902, ital. Ausg. Mailand 1902 (Hauptarbeit). - O. Siren, G.s ferste Bronzeporte; in Tilskueren, XXV (1908) 834-50. - M. Marangoni in Rassegnad'arte, XI (1911) 31 f. (über die Löwenköpfe an der Innenseite der 2. Tür, m. Abb.). - Reliefs in Castel di Sangro: L'Arte, IV (1901) 422-4 (A. de N in o); V (1902) 112-4 (M. Rey mon d); XI (1908) 34851 (G. de Nicola). - Die eilt. Lit. über die Baptisteriumstüren bei P. A. Bigazzi, Firenze e Contorni. Manuale bibliogr. Florenz 1893 p. 94 f. - Statuen an Or San Michele: H. Semper, Donatello. Seine Zeit u. Schule (Quellenschr. f. Kstgesch.) 1875 p. 100-4. - A. Schinarsowinder Festschr. des Ksthist. Inst. in Florenz, 1897 p. 48-9. - A. Doren, Das Aktenbuch für G.s Matthacusstatue usw.; in Ital. Forschungen hrsg. v. Ksthist. Inst. in Florenz, I (1906); auch einzeln, Berlin 1906. - Märtyrerschrein (Mus. Nat.): (J. B. Supino,] Cat. del R. Mus. Naz. in Firenze, Rom 1898 p. 384 f. - Zenobinsschrein (Dom): G. Poggi, Il Duomo di Firenze I (Ital. Forschungen hrsg. v. Ksthist. Inst. iu Florenz II), 1909 p. XCV - IC m. Urk. - Die Plastik, IV (1914) H. 10 Taf. 89-91 (gute Abb.). - Grabplatten: Brockhausim Jahresberichtdes Ksthist. Inst. in Florenz 1903/6 p. R = Kstchron. N. F. XVII (1906) 222. - Tabernakel in S. Maria Nuova: Poggiin Miecell. d'arte, I (1903) 105-7, mit Urk. - b) Siena: V. Lusini, Il S. Giovanni di Siena, Florenz 1901 m. Urk. - c) Zuschreibungen,. Schulwerke: Allan M arquand, A Terracotta Scetch by L. G.; in Amer. Journal of Archaeol. IX (1894) 206-11 m. Taf. - W. Bode, Flnrent. Bronzestatuetten in den K. Museen: irt Jahrb. der preuß. Kstsamml. XXIII (1902) 66ff.; L. G. als fiihrender Meister unter den Florent. Tonbildnern usw.; das. XXXV (1914) 71ff.; cf. O. Wulff, XXXVIII (1917) 245 Anm. - F. Goldschmidt, Die ital. Bronzen der Ren. t,. des Bar. (Beschreib. der Bildwerke. . K. Museen 1914 Nr 18, 18a. - Siren, Due Madonne della bottega del G.; in Rivista d'arte, V (1907) 49-54. - L. Planisscig, Die Estensische Kstsammlung f, Wien 1919. Bautätigkeit: C. Guasti, La Cupola di S. Maria del Fiore, Florenz 1857 s. Reg. - Fabriczy, Brunelleschi, 1892 s. Reg. - A. Doren, Zum Bau der Florent. Domkuppel; im Repert. f. Kstwiss. XXI (1898) 249ff. - Stegmann-Geymüller, Arch. der Ren. in Toscana, s. Reg.-13d. - P. Wenz. Die Kuppel des Domes zu Florenz, Berliner Dissert., 1901 p. 27ff., 59ff. Entwürfe für Glasmalereien etc.: H. Semper, Die farb. Glasscheiben im Dom zu Florenz, m. Urk.; in Mitt. der K. K. Centr.Comm. XVII (1872) 21ff. - A. Marquand, Two Windows in the Cathedral of Florence; in Amer. Journal of Archaeol. N. S. IV (1900) 197 f. m. Abb. - Poggi Duomo di Firenze 1. c. p. LXXXI - LXXXVIII m. Urk. - Zeichnungen (sämtlich zweifelhaft): Gaz. des B.- Arts, XII (1862) 539 (Lagrange). - P. N. Ferri, Cat. Raccolta di disegni. R. Gall. d. Uffizi, Rom 1890 p. 79. - Delaborde, Les Mattres Florentins du XVe siècle. 30 Dessins de la Collection Thiers, Paris 1889. 5) G. als Schriftsteller u. Sammler: Der 2. Kommentar G.s zuerst hrsg. von Cicognarainseiner Storiadella Scultura, auch einzeln, Venedig 1818 (mit Lücken); Nachträge von Rottmohr im Kstblatt, 1821 p. 29 f. u. Ital. Forschungen, 1827 I passim. - Abgedr. in Le Monnier's Vasari-Ausg., bei Frey, Samml. ausgew. Biogr. usw., I. c. - Abschließende Gesamtausgabe von Julius v. Schlosser: L. G.s Denkwürdigkeiten (I Commentarii), zum 1. Male nach der Handschr. der Bibl. Naz. in Florenz hrsg. u. erläutert. 2 Bde, 1912. Bd I enthält den Text, Bd II Schlossers grundlegenden Kommentar, mit Einleitung, Angaben der ält. Lit. (p. 8), Annalen zur Lebensgesch. G.s (p. 53-9) usw. Dazu die wichtige Vorarbeit dess. Verf.: L. G.s Denkwürdigkeiten. Prolegomena zu einer künftigen Ausg., im Kstgesch. Jahrh. der K. K. Zentr.-Komm. IV (1910) 105-211, auch einzeln, Wien 1910; mit Lit.-Angaben (p. 112.-14, 211), Regesten zur Lebensgesch. G.s (p. 115-7) u. Faksimile der Handschr. - Frey, Libro Billi; Cod. Magliab. I. c. - Kailab, Vasaristttdicn, hrsg. v. J. v. Schlosser (Quellenschr. f. Kstgesch. N. F. XV), 1908 (auch einzeln, Wien 1908), p. 151-7. - J. v. Schlosser, Materialien zur Quellenkde der Kstgesch. II Frühren. (Sitzungsbcr. d. K. Akad. d. Wiss. in Wien, philos.-hist. Kl. Bd 179 Abh. 3), 1915 p. 3-9. - Durch die quellenkritischen Arbeiten von Frey, Kallab u. Schlosser ist die Ilt. Lit. über G. in der Hauptsache überholt. - J. v. Schlosser, Ober einige Antiken G.s; im Jahrb. der ksthist. Samml. d. allerh. Kaiserh. in Wien, XXIV (1903) 125-59. - P. G. Hübner, Le Statue di Roma (Röm. Forschungen hrsg. v. der Bibliotheca Hertziana II), 1912 199. B. C. K.