Gibbs, James, brit. Architekt, *23.12.1682 Fittysmire (Footdeesmire) b. Aberdeen, †5.8.1754 London.
Gibbs, James (1682)
Sohn wohlhabender kath. Händler. Stud.: Marischal College, Aberdeen. Um 1700 verwaist, ist er zunächst evtl. bei Verwandten in den Niederlanden und reist dann über Frankreich, Deutschland und Österreich nach Italien. Im Okt. 1703 beginnt er eine Priester-Ausb. im Scots College in Rom; von einem übereifrigen Rektor verängstigt, verläßt er das Kolleg im Aug. 1704 ohne Gelübde. Er erwägt, Maler zu werden, wendet sich aber der Archit. zu und wird Schüler von Carlo Fontana (ein Mitschüler ist zu dieser Zeit vermutl. Filippo Juvarra) und Abraham Paris; evtl. auch Unterweisung in Perspektive durch Pietro Francesco Garoli. In der vergebl. Hoffnung, seinen schwerkranken Bruder William noch vor dessen Tod zu sehen, eilt er 1708 nach London. Hier trifft er 1709 John Erskine, 11th Earl of Mar, selbst ein Amateurarchitekt, der zu einem ersten bed. Förderer G.s wird. Für diesen entwirft er um 1710 ein vom röm. Pal. Chigi von Gianlorenzo Bernini inspiriertes Jagdhaus für den Fam.-Sitz b. Alloa/Clackmannanshire und baut 1710 das offizielle Haus der gemeinsamen Staatssekretäre für Schottland, Earls of Mar und Loudoun, in Londons Whitehall um (beides zerst.). 1711 Mitbegr. der Mal-Akad. von Godfrey Kneller. Protegiert von Mar, dem Lord High Treasurer Robert Harley, Earl of Oxford, und Christopher Wren, wird er ab 1713 neben Nicholas Hawksmoor Bauinspektor für das Projekt der Fifty New Churches in London, für das er bereits 1713 avantgardist. Holzmodelle in Form klass. Tempel vorweisen kann. 1714 unterbreitet er für St.Mary-le-Strand neben einem antik inspirierten Aussehen nach dem röm. Tempel der Fortuna Virilis auch ein barockes Konzept. Dieses kombiniert er mit einer statuenbekrönten Ehrensäule für Queen Anne in der Art der Trajanssäule, die der Eingangsfront in einiger Entfernung vorangestellt werden soll. Zunächst wird der Kirchenbau jedoch nach Plänen von Thomas Archer begonnen. Nach dem plötzl. Tod der Königin im Aug. 1714 wird das gesamte Konzept neu durchdacht und v.a. die Ehrensäule aufgegeben. Die Figur der Königin (für die in Florenz bereits ein Ausf.-Modell von Giovanni Battista Foggini existiert) soll nunmehr auf dem runden Portikus eines neuen Kirchenentwurfs von G. zur Aufstellung kommen (am Ende wird statt der Statue eine Urne plaziert). Für die Bau-Ausf. (1714-23) wird G. angewiesen, seinen Entwurf den bereits errichteten Fundamenten von Archers Bau anzupassen, jedoch den kleiner geplanten Kampanile über der Westfassade deutl. zu vergrößern. Aufgrund der herausgehobenen Lage inmitten des Strand gestaltet G. einen homogenen, vielfältig gegliederten und allansichtigen Baukörper. Der zweigeschossige Außenbau ist an den Längsseiten reich plast. modelliert: Jede zweite der sieben Achsen ist nach vorne verkröpft und alternierend übergiebelt, während in den mittleren fünf Achsen des Obergeschosses durch das Palladio-Motiv der Fenster zusätzl. Räumlichkeit erzeugt wird. In der Folge des von Mar geführten jakobit. Aufstands trotz gegenteiliger Beteuerungen als Papist gebranntmarkt (bes. aufgrund intriganter Bemerkungen eines neid. schott. Architekten, vermutl. Colen Campbell), verliert G. im Jan. 1715/16 das Amt als Bauinspektor der Fifty Churches (er sichert jedoch die Bauaufsicht über St.Mary). Gezwungen, seine Laufbahn neu auszurichten, konzentriert sich G. auf priv. Bauherren. Wenngleich er noch bis 1718 im Geheimen mit dem exilierten Earl of Mar Briefkontakt hält, entsteht doch G.s wichtigstes Landhaus der Zeit in Sudbrook/Surrey gerade für den Mann, der Mar im Feld bezwang, John Campbell, 2nd Duke of Argyll. Die grundlegenden Ideen des 1715-19 gebauten und explizit als Villa bez. Hauses sind auf Andrea Palladio zurückführbar, v.a. der gerade Balustradenabschluß über dem Portikus wie auch die Innendisposition eines zentralen quadrat. Salons, der sich gleichermaßen zu den Portiken der Front wie der Rückseite öffnet und dem die Nebenräume beidseitig angegliedert sind. 1715-16 modernisiert G. auch das Haus des gerade volljährig gewordenen Earl of Burlington in Piccadilly (im 19.Jh. abgetragen), dem er Kolonnaden und Wirtschaftsgebäude anfügt, wird aber bald von Colen Campbell verdrängt; evtl. baut G. jedoch später für Burlington im Garten von dessen Landsitz in Chiswick/Middx. einen Pavillon. In Twickenham/Middx. errichtet er, durch einen Trakt mit dessen Haus verbunden, ca. 1716-21 einen oktogonalen Pavillon für James Johnston, den G.s bevorzugte Stukkateure Carlo Giuseppe Artari und Giovanni Bagutti in delikater Weise mit Proto-Rokoko-Ornament ausschmücken (heute als Orleans House bek.). G. wird 1716 Mitgl. des St. Luke's Club, 1719 dessen Steward. And. Mitgl. sind u.a. der Gartenentwerfer Charles Bridgeman, der Bildhauer Michael Rysbrack und der Maler James Thornhill, mit denen G. gemeinsame Projekte verfolgt. Bridgeman und Thornhill sind z.B. auch an der Umgestaltung von Wimpole Hall/Cambs. beteiligt. Der Bauherr, Edward Harley (Sohn von Robert und ab 1724 2nd Earl of Oxford), wird einer seiner bedeutendsten Auftraggeber und Fürsprecher. Entwürfe G.s, die urspr. u.a. einen ausgreifenden Bibliotheksflügel beinhalten, existieren bereits 1713; nur langsam fortschreitend entstehen ab ca. 1719 nach wechselnden Plänen zwei Seitenflügel mit aufwendiger Innendekoration, wobei v.a. die von Thornhill ausgemalte Kap. (1719-24), die Bibliothek und die Treppe (beide 1728 von Besuchern beschrieben) herausragen. Wie hier beschäftigt sich G. mehrfach mit grundlegenden Modernisierungen bestehender Landsitze, die er prunkvoll ausstattet. Die innovative Transformation des ma. Witham Park/Somerset (ca. 1717; zerst.) mit einem offenen Tempelportikus als Eingang zu einem Vorhof nimmt die Lösung von Robert Adam für Osterley Park um Jahrzehnte vorweg. Die ambitionierten Pläne für Lowther Hall/Westmorland (ca. 1717) gelangen dagegen nicht zur Umsetzung. Mehr Glück ist ihm beschieden, als er 1716-19 für den Earl of Carnarvon (ab 1719 Duke of Chandos) in Cannons/Middx. tätig wird, bei dessen Modernisierung and. Architekten bereits Stückwerk geleistet haben. Bes. hat er hier die Vorgabe einer Kolossalordnung zu berücksichtigen. Die dadurch schon angelegte Monumentalität vermag er zum Vorteil auszunutzen und noch zu steigern, indem er die elf Achsen der Front durch eine kalkulierte Übereckansicht während der Anfahrt optisch auf das Doppelte anwachsen läßt (1747 abgetragen; einige von G. entworfene Möbel gelangen danach nach Kirkleatham - ein Paar vergoldeter Stühle von dort werden am 8.6.2006 bei Christie's, London, versteigert). Mit derlei vielbeachteten Planungen vermag es G., sich als bed. Persönlichkeit in der zeitgen. Archit. zu etablieren und erneut auch öff. Bauaufgaben an sich zu ziehen. In London stockt er 1719-20 den Turm von St.Clement Danes auf und wird 1720, als gefragtester brit. Architekt angesehen, zum Baumeister für St.Martin-in-the-Fields berufen (Ausf. bis 1726). Er konzipiert hierfür eine Eingangslösung mit vorgestelltem klass. Tempelportikus und einem sich dahinter innerhalb des Baukörpers erhebenden Glockenturm. Der Innenraum präsentiert sich als durch eine Säulenarkade gegliederte Hallenkirche, in der die Seitenschiffe jochweise einzeln überkuppelt sind. Alternativ zum Ausf.-Entwurf legt er auch versch. Varianten vor, in denen sich die Hallenform ins Runde ausweitet und als Rotunde mit eingestelltem Säulenkranz erscheint; auch hierbei jedoch bleibt der Tiefenzug durch die Abfolge von Eingang, Hauptschiff mit in der Hauptachse weiter gefaßter Arkade und Chor bewahrt. Diese Entwürfe werden zwar aus Kostengründen verworfen, sind G. aber so wichtig, daß er sie 1728 detailliert in seinem Archit.-Buch (s.u.) darlegt. In den frühen 1720er Jahren beginnt auch G.s wichtige Tätigkeit für universitäre Einrichtungen mit der Berufung zum Architekten eines Komplexes öff. Gebäude der Univ. Cambridge. Ein E. 1721 unterbreiteter Plan umfaßt eine Dreiflügelanlage um einen rechteckigen Hof. Obgleich in stark vereinfachten Formen gehalten, ist die Idee deutl. durch die Konzeption des röm. Kapitols von Michelangelo inspiriert, der G. in den Seitenflügeln durch die Verwendung von sieben Achsen zum Hof, einer Kolossalordnung mit ungebrochenem Gebälk und einer Dachbalustrade Hommage zollt. Im erweiterten Ausf.-Entwurf gehen diese formalen Anklänge hingegen weitgehend verloren, da nun die Hofseiten dieser Bauteile zentrale, übergiebelte Eingänge wie auch and. Detailformen erhalten. Der rasch in Angriff genommene rechte Flügel beherbergt das Senate House und wird bis 1730 voll., bleibt aber isoliert, weil der restl. Komplex nicht nach G.s Entwurf errichtet wird. Das Innere des Senatsgebäudes ist als eleganter Saal mit reicher archit. Dekoration gestaltet und hat, nach dem Vorbild des Banqueting House von Inigo Jones, ein durch Säulen abgegrenztes Vestibül und schmale, konsolengetragene Emporen. Gleichzeitig entwickelt G. in Cambridge auch für King's College einen Plan zur Anlage eines Forums, das aus drei einzeln stehenden neuen Gebäuden und der got. King's College Chapel gebildet wird. 1724-31 errichtet er mit dem Fellows' Building auch einen der seitl. Bauten, erneut jedoch wird das umfassendere Konzept nicht ausgeführt. Neben den öff. Projekten vernachlässigt er das lukrative Geschäft mit Landhäusern keineswegs. Mit Ditchley Park/Oxon. (1720-27) etabliert G. eine neuartige Nüchternheit im Aussehen von Landsitzen, kombiniert mit Prachtentfaltung im Inneren. Hier verzichtet der Außenbau fast vollständig auf archit. Dekoration, die Hall hingegen ist neuklassizist. gestaltet, während sich der Salon durch Rocaillemotive (allerdings typischerweise im strikten archit. Korsett einer korinth. Pilastergliederung) auszeichnet. Bei seiner bedeutendsten Kirche in der Provinz, All Saints' in Derby (1723-26; heute Kathedrale), vermag G. den bestehenden got. Glockenturm erfolgreich mit dem Neubau des Schiffs zu verbinden. In der Zeit 1723-31 entstehen außerdem G.s wichtigste Grabdenkmäler, v.a. in Westminster Abbey, oft in Zusammenarbeit mit Rysbrack. Versch. Beispiele hiervon nimmt er auch in das erstmals 1728 ersch. und wiederholt neuaufgelegte A Book of Archit. auf. Gleichermaßen als Werküberblick wie als Vorlagenbuch konzipiert, präsentiert er darin sowohl seine wesentlichsten ausgef. Bauten wie auch nicht umgesetzte Projekte. Die Publ. erscheint zu einem Zeitpunkt, als er die Stellung als erfolgreicher Architekt zu konsolidieren sucht, der er auch ges. Erfolge wie die Mitgl. in der Soc. of Antiquaries (1726) und der R. Soc. (1729) an die Seite zu stellen vermag. Bereits 1723 erfolgte die Wahl zu einem der Governors von St.Bartholomew's Hospital, London, die mit der Erwartung verknüpft ist, daß er als Architekt des Hospitals fungieren würde. Nach seinen Plänen werden schließl. ab 1728 und schrittweise noch postum bis 1768 vier Baublöcke errichtet. G.s Londoner Wohnhaus, das ebenfalls die eig. Bibliothek und KS aufnimmt, befindet sich ab 1726 an der Ecke von Henrietta und Wimpole Str. in dem durch E.Harley erschlossenen Stadtviertel Marylebone, an dessen archit. Transformation G. ab den 1720er Jahren beteiligt ist. 1726 übernimmt er als Nachf. des verstorbenen John Vanbrugh die archit. Ltg der Umgestaltung von Stowe/Bucks. für Richard Temple, Viscount Cobham. Diese erstreckt sich sowohl auf das Haus wie v.a. auch auf die aufsehenerregenden, sich mehr und mehr ausbreitenden Gärten, für die bereits seit einigen Jahren C.Bridgeman verantwortl. ist (auch William Kent führt später parallel zu G.s Tätigkeit Teile der Gärten aus). G. arbeitet seit Wimpole (ca. 1720/21) und etwa gleichzeitig Down Hall/Essex für den Dichter Matthew Prior häufig bei Gartengestaltungen mit Bridgeman zus. (bis zu dessen Tod 1738); weitere Beispiele der Partnerschaft sind Cliveden/Bucks. (1723-25), Tring Park/Herts. (ca. 1724-39) und daraufhin v.a. Badminton/Glos. (ab ca. 1728) sowie Gubbins/Herts. (ca. 1728-32). Während die meisten Gartengebäude G.s mit der Zeit verschwanden, existieren einige wichtige Beispiele in Stowe noch heute. G. errichtet hier zunächst das Paar der Boycott Pavilions (1728-29), die er mit einer Mischung aus Pyramiden und Obelisken bekrönt (1758 durch Kuppeln ersetzt), den Temple of Friendship (1739-41) und die Palladian. Brücke (1738-42), deren Prototyp in Entwürfen von Palladio für die Rialtobrücke zu sehen ist, die in den Quattro Libri publiziert sind; G. hat vermutl. auch Kenntnis von einer nur wenig früher ähnl. gestalteten Brücke im Garten von Wilton House. Schließl. entsteht in Stowe auch der Temple of Liberty (1741-47) in got. Formen auf dreieckigem Grundriß, der, da die Gotik als engl. Nationalstil gilt, einem zeitgen. Verständnis entsprechend auf die nat. freiheitl. Trad. anspielt. In ähnl. ikonogr. Ausrichtung führt G. bis 1738 (offenbar ohne Bridgemans Mitarb.) auch Gartengebäude für Hartwell/Bucks. aus, die sich einem sehr viel formaler gehaltenen Gartenlayout einfügen (der geplante Umbau des Hauses reduziert sich auf die Umgestaltung der Hall, um 1740). Durch gelegentl. Beratertätigkeiten und kleinere baul. Eingriffe für Colleges in Oxford macht G. seine Präsenz auch dort spürbar. Die wesentlichste Aufgabe ist jedoch das späte Hw., die Radcliffe Libr. (auch Radcliffe Camera gen.). Er wird bereits 1720 als einer der sieben fähigsten Architekten des Königreichs erwogen, einen Bau für die Bibliotheksstiftung zu entwerfen. Aus finanziellen Gründen aufgeschoben, wird die Unternehmung erst M. der 30er Jahre wiederaufgenommen mit Nicholas Hawksmoor als Architekten, der einen Rundbau zu errichten hofft. G. wird zwar bereits 1735 für Pläne entlohnt, übernimmt das Projekt allerdings erst nach Hawksmoors Tod 1736. Er legt zunächst Rechteckpläne vor (die Datierung ist unklar, möglicherweise bereits ca. 1720 oder ca. 1735), greift aber schließl. ebenfalls die für den Bautypus ungewöhnl. Rundform auf, mit der er sowohl auf die Rotunde der berühmten Wolfenbütteler Bibliothek alludiert wie auch den Memorialcharakter des Gebäudes unterstreicht (Bau-Ausf. 1737-47). Von John Summerson als Indiz für eine in England rare manierist. Geisteshaltung angesehen, ist G. am Außenbau darauf bedacht, der Säulenordnung keine anschaul. stat. Kohärenz zuzugestehen. Er weist den paarweise gruppierten Säulen des Hauptgeschosses weder im Sockelgeschoß ein klar definiertes Gliederungselement zu, noch gewährleistet er deren Fortführung in die Stützen der Kuppel, die sich stattdessen zw. den Säulen erheben. Eine alternative Interpretationsweise der Disposition offenbart gleichwohl, wie sehr G. auf eine achsiale Anordnung bedacht ist, die sich aus den tatsächl. stat. Verhältnissen erklärt. So sind alle Fenster- und Türöffnungen im Innen- wie im Außenbau vom Sockel bis in die Laterne linear übereinander angebracht, während sich im Äußeren die Travéen mit der Nischengliederung durch ihre achsiale Fortsetzung in die Kuppelstreben als Pfeiler zu erkennen geben. Deren Stellung und Funktion ist radial in den Innenraum hinein fortgeführt, wo der kleinere Kreis der Arkadenpfeiler und nach oben hin die Lisenen und Kuppelrippen die Tragefunktion logisch komplementieren. Wie auch immer man den Bau lesen mag, er ist im Œuvre G.s wie in der brit. Archit. überhaupt singulär. Als einziges wichtiges Bauwerk im Archit.-Buch von 1728 fehlend, publiziert er, sich über dessen Bedeutung wohl bewußt, 1747 eine eig. Abh. hierüber u.d.T. Bibliotheca Radcliviana. 1749 begibt sich G. zur Kur nach Aachen. Von den späten Bauten sind v.a. Bank Hall in Warrington/Lancs. (1749-50; später Rathaus) sowie Teile der Landhäuser Patshull Hall/Staffs. (1742-54) und Ragley Hall/Warwicks. (1750-54) zu erwähnen. G. hinterläßt einen Großteil seines Besitzes dem Sohn seines frühen Förderers Earl of Mar, die Bibliothek, Stich-Slg und eig. Zchngn der Radcliffe Libr. (Zchngn heute im Ashmolean Mus., Oxford), das Wohnhaus dem schott. Maler Cosmo Alexander sowie eine Geldsumme seinem langjährigen Archit.-Zeichner, dem Architekten John Borlach. - G. ist anfangs v.a. für Bauherren aus dem Kreis der Tories und Jakobiten, zunächst auch vorrangig schott. Herkunft, tätig und hat zeitlebens kath. Sympathien, die er jedoch aufgrund des in England vorherrschenden polit. Klimas zu verschleiern sucht. Häufig wird er daher als Tory-Architekt par excellence gesehen. Wenngleich diese Geisteshaltung sicherl. im Vordergrund steht, so darf doch nicht übersehen werden, daß er auch in namhaften Whigs Förderer findet. Zu einer Zeit polit. motivierter Schwierigkeiten während des Wechsels zum hannoveran. Königshaus steht ihm v.a. im Duke of Argyll ein Whig zur Seite, der ihm sogar 1727 das Amt als Architect of the Ordnance (nahezu eine Sinekure) verschafft und dem G. 1728 zum Dank sein Archit.-Buch widmet. G. arbeitet auch für Lord Burlington und sogar für den Whig First Lord of the Treasury Robert Walpole an dessen Fam.-Sitz Houghton Hall (ca. 1727-35) - gleichzeitig mit den Arbeiten in Stowe für Viscount Cobham, der als Whig Boy Patriot Walpoles Politik verachtet. All das zeigt G. mehr als Pragmatiker, der die eig. Geisteshaltung hintanstellt, was er in Briefen an den exilierten Mar auch explizit zum Ausdruck bringt. Als erster im Ausland ausgebildeter brit. Architekt führt er den Stil von Christopher Wren vermischt mit röm.-barocken Einflüssen weiter. Wenn auch nicht unberührt vom zeitgen. Trend zum Palladianismus, etabliert sich G. als eine von dessen doktrinärer Umsetzung weitgehend unabhängige Persönlichkeit. Darüber hinaus zeigt sein Vokabular eine erstaunl. Vielfalt von Quellen, von der Gotik, dem Manierismus, Hoch- und Spätbarock bis hin zu klassizist. Ansätzen, wobei er bisweilen nicht versäumt, Rekonstruktionen antiker Mon. (z.B. durch Fischer von Erlach) zurate zu ziehen. Zitate, Hommagen und Übernahmen ziehen sich durch das gesamte Œuvre. Bereits der frühe Dedikationsstich für die Hist. coelestis von John Flamsteed (1712) basiert auf dem Altar des hl. Luigi Gonzaga von Andrea Pozzo, dessen archit. Entwürfe G. auch später mehrfach rezipiert. Für ein Motiv wie den runden Portikus von St.Mary-le-Strand läßt sich als vermutl. Vorbild der Tempietto anführen, den Wren den Querschiffsfassaden von St. Paul's Cathedral voranstellt. Variationen auf das Formengut von Francesco Borromini finden sich allenthalben, und noch in der relativ späten Radcliffe Camera zitiert G. im Vestibül dessen Kuppelkassettierung von S.Carlo alle Quattro Fontane nahezu unverändert. In ital. Trad. nimmt er sich Grabmalsentwürfen an, die in England zu dieser Zeit vorrangig allein Bildhauern überlassen wurden. Auch in diesen sind Vorbilder archit. wie figurativer Art z.T. recht genau nachweisbar, z.B. im Mon. für John Sheffield, Duke of Buckingham (1721-22; nicht ausgef.), das röm. Einflüsse frz. Prägung zeigt: Während sich die Disposition der archit. und figuralen Komponenten eng an das Grabmal des Earls of Exeter (Stamford/Lincs.) von Pierre-Etienne Monnot anlehnt, ist die zentrale Figurengruppe animierter als bei diesem und variiert die (niemals in ihrer intendierten Form aufgestellte) Grabmalsgruppe des Duc und der Duchesse de Bouillon von Pierre Le Gros; beide Mon. entstanden in Rom kurz vor oder während G.s Aufenthalt dort. In den Bauten verzichtet G. trotz aller röm.-barocken Vorbilder weitgehend auf geschwungene Bauglieder, enthält sich der Exuberanz noch stärker als bereits sein Lehrer Fontana und verleiht der eig. Archit. klare, zumeist gerade Linien. Die Rundkirchenentwürfe für St.Martin sind nahezu die einzigen Versuche, zu einer hybriden Umrißgestalt zu gelangen, die gleichzeitig auf dem Kontinent von Böhmen über den Alpenraum bis nach Oberitalien zur Norm werden. Es fällt jedoch auf, daß er reicher reliefierte, komplexe Entwürfe für den Außenbau v.a. in den frühen Jahren unterbreitet, bald aber - wohl in Reaktion auf eine krit. Haltung in der Auftraggeberschaft und Öffentlichkeit - zusehends nüchterner plant. Er arbeitet gerne mit Risaliten und offenen, durch Säulen artikulierten räuml. Komponenten (z.B. Portiken), verwendet daneben aber auch ausgedehnte Wandflächen, von der sich Fensteröffnungen in regelmäßiger Reihung absetzen. Durch dekorative Details ruft er auf den Wandflächen starke Licht-Schatten-Kontraste hervor. Hieraus erklärt sich etwa die Vorliebe für Rustika-Elemente, die vielfach einer glatten Wand gegenübergestellt werden. Er setzt die Rustika oft zur Charakterisierung eines Sockelgeschosses ein oder zur Auszeichnung eines Mittelrisalits, häufiger aber zur Betonung von Eckkanten. Seine bes. Vorliebe zur Überlagerung von profilierten Fenster- und Türrahmungen mit einzelnen, regelmäßig verteilten Blockquadern und Keilsteinen führt zur Benennung dieses Motivs als "Gibbs Surround" - wenngleich das Motiv manierist. Ursprungs ist (es findet sich bereits in Traktaten von Serlio), von Zeitgenossen irrtüml. als palladian. angesehen wird und auch bei and. brit. Architekten seit dem 17.Jh. (v.a. Inigo Jones) populär ist (zum Ursprung vgl. Wittkower, 1974). Wie stark die geplante dekorative Überarbeitung die Gliederung dominieren kann, zeigt sich z.B. in der Kap. von Wimpole Hall (1719-24), wo eine glatte Wand und ein Spiegelgewölbe mit Stichkappen die einzigen archit. Vorgaben für die umfangreiche archit.-figurale Scheinmalerei von James Thornhill liefern. G.s Arbeiten bleiben nicht unangefochten und vielfach findet sich der Vorwurf, daß er auch die bestkonzipierten Bauten durch übermäßige Dekoration zu verderben neigt. Auch ein gewisser Schematismus ist vielfach zu beobachten. Bes. Colen Campbell entwickelt eine ausgeprägte Abneigung gegen G., die sich im Unterdrücken von dessen Verdiensten im "Vitruvius Britannicus", einer von Campbell als Überblickswerk für mod. brit. Archit. angelegten Publ., beredt manifestiert. Die Übergehung in diesem archit. Standardwerk vermag G. durch die Publ. des eig. Stichwerks A Book of Archit. mehr als auszugleichen. Neben eig. Bauten und Projekten (z.B. alternative Vorschläge für St.Martin-in-the-Fields und St.Mary-le-Strand) bildet er hier v.a. eine Vielzahl archit. Details und Accessoires ab (Türme, Obelisken, Grabmäler, Fenster, ornamentale Gitter, Vasen, Kartuschen, Piedestale usw.). In weit größerem Maße als das direkte Stud. seiner existierenden Bauten erlaubt es diese bewußt als Musterbuch angelegte, leicht zugängl. und vielverkaufte Publ. verständnisvollen Personen, nach den darin präsentierten Entwürfen eig. würdige Bauwerke zu errichten und standesgemäß auszustatten. Wegen der einfachen Übertragbarkeit werden G.s Projekte somit zum Prototyp in der gesamten englischsprachigen Welt. Im anglikan. Kirchenbau wird bes. die Kombination von klass. Portikus und einem sich dahinter erhebenden substantiellen Glockenturm wie bei St.Martin-in-the-Fields insbesondere in den amer. Kolonien zum beherrschenden Vorbild.
weitere Bauten:
A book of archit., containing designs of buildings and ornaments, Lo. 1728 (versch. Neu-Aufl.); Rules for drawing the several parts of archit., Lo. 1732 (versch. Neu-Aufl.); Bibl. Radcliviana. Or, a short descr. of the Radcliffe Libr. at Oxford, Lo. 1747.
Thieme-Becker, Vollmer, and AKL:
ThB13, 1920
Other encyclopedias:
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Printed sources:
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Archives:
London, Hist. Mss. Commission; Lambeth Pal.: Baudokumentation für St.Mary-le-Strand; Sir John Soane's Mus.: u.a. handschriftl. Erinnerungen mit WV und Bemerkungen zu antiken und mod. Bauten in Italien; RIBA: Biographical file
Online sources:
Oxford DNB, 2004 (Lit.)
Personal correspondence:
T.Friedman, Leeds
Gibbs, James, Architekt. geb. 23. 12. 1682 in Footdeesniire b. Aberdeen in Schottland, † in London 5. 8. 1754, Grab und Gedenktafel in der von ihm erbauten Mary-leBone-Chapel. Als Sohn wohlhabender Eltern, mit guter klassischer Bildung, ging er frühzeitig zu Studienzwecken nach Holland und fand dort die Unterstützung des John Erskine, Lord of Mar, der ihm eine Reise nach Italien ermöglichte (um 1700). Er arbeitete unter dem Architekturmaler P. F. Garola in Turin u. dann bei dem berühmten Archit. C. Fontana in Rom. 1709 kehrte er nach England zurück und fand in London Anstellung als "surveyor" beim Bau der nach einem Parlamentsbeschluß zu errichtenden 50 Kirchen der Stadt; dabei hat er jedenfalls anfangs unter Leitung Christ. Wrens gearbeitet. Sein erster selbständiger Bau war die Kirche S. Mary-le-Strand, die als Monument der Königin Anna mit besonderem Aufwand an bevorzugter Stelle geplant war. aber der erste großartige Entwurf konnte nach dem Tod der Königin nur in bedeutend vereinfachter Form ausgeführt werden (1714-17). Hier tritt noch deutlich die italienische Schulung zutage, doch sind schon Anklänge an Wren's Art vorhanden, die in den folgenden Bauten stärker werden und schließlich in den abstrakten Klassizismus münden, der die Architektur Englands immer mehr beherrschte. 1719 errichtete G. die oberen Teile des Turms von S. ClementDanes und 1721-26 die Kirche S. Martinin-the-Fields am Trafalgarsquare zu London, die den Engländern als sein bester Kirchenbau gilt: ein erster Entwurf dazu sah eine Kreisform mit innerer Säulenstellung vor, ausgeführt wurde aber ein rechteckiger Bau mit korinthischer, von einem Turm gekrönter Tempelfront. Das Problem, diesen mit dem antiken Portikus zusammenzustimmen, ist hier noch nicht recht gelöst. Gleichzeitig führte er die 1724 vollendete Kirche S. Peters in Verestreet, meist Mary-le-Bone Chapcl genannt, aus. - Seit 1722 war G. ständig für Bauten der Universitätsstadt Cambridge als Nachfolger des Wrenschülers Hawksmoor beschäftigt; das Senatshaus ist dort sein bedeutendster Bau. Es sollte ursprünglich den Flügel eines dreiseitig geschlossenen Hofes bilden mit einer Bibliothek als Mitte (später anders von Wright ausgeführt) und einem Verwaltungsgebäude gegenüber (1730 voll.). Gleichzeitig entwarf G. die 4 neuen Gebäude von Kinds College, von denen aber nur das Fellow-building nach seinem Plan ausgeführt wurde. In Oxford errichtete er die Bibliothek des Christ-Church College (1716-61) und den Hof von All-Souls College, diesen in korrekt gotischem Stil, der in der konservativen Universitätsstadt zu allen Zeiten gepflegt wurde. - In diese Zeit fallen einige bedeutende Grabmäler, vor allem das des Herzogs von Newcastle in -der Westminsterabtei zu London, ein zweites Monument für denselben steht in Bolsover, Derbyshire. In Westminster sind noch eine Anzahl Grabmäler von seiner Hand; wie die von John Smith (1718), Ben Jonson, John Freind (1728), Marq. of Anandale (1723), Matthew Prior (1721) und Catherine Bovey. 1725 errichtete er die dreischiffige All Hallows Church in Derby, 1730 den Hof von St. Bartholomews Hospital in London, 1737 bis 47 schließlich die von ihm selbst als Hauptwerk seines Lebens bezeichnete Radcliffe-Bibliothek in Oxford. Das Äußere, für das G. einen Entwurf Wrens für ein Mausoleum Karls I. benützt haben soll, ist eine Rotunde von gut abgewogener Monumentalität, im Innern des geschickt gestalteten Raumes wirkt die barocke Stuckverzierung ungünstig. G. hat den Bau selbst in Stichen veröffentlicht (s.u.). In seine letzten Lebensjahre fällt der Bau von St. Nicolas in Aberdeen (1752), den er bei seinem Tode unfertig hinterließ. - Eine umfangreiche Tätigkeit entfaltete G. auch in der Villen- und Schloßarchitektur, über die sein unten genanntes Werk den besten Aufschluß gibt. Die Entwürfe sind von einer pedantischen Regelmäßigkeit, die selbst in England Anstoß erregte, in ihrer starren palladianischen Bindung weit entfernt von der französ. Verfeinerung oder der beweglichen Phantasie der deutschen Meister der Zeit. Die bedeutendsten Bauten sind Ditchley Castle in Oxfordshire für Lord Litchfield, eine Villa in Richmond (Surrey) für den Herzog von Argyll, Milton House bei Peterborough für Lord Fitzwilliam, Umbauten der Schlösser von Twickenham und Isleworth und das 1747 abgerissene Schloß Cannons (Middlesex) für den Herzog von Chandos; ferner einige hübsche Gartenpavillons, Tempel und kleinere Parkgebäude in den Gärten von l-Iackwood und Stowe und für Sir Cooper in Derby. G. ist, nachdem mit der Entlassung des alternden Wren die letzte wirkliche Größe aus der engl. Architektur geschwunden war, ihr bedeutendster und typischer Vertreter. Er ist der gelehrteste Architekt seiner Zeit, seine Kenntnisse sind seine Stärke und Schwäche; sie bewahrten ihn vor Extravaganzen, legten aber seine Phantasie lahm. Palladio ist ihm zum starren Schema geworden; seine strenge Symmetrie ist bei Wohnhausbauten, wo sie keine Rücksicht auf die Bequemlichkeit und die Bedürfnisse der Bewohner nimmt, am wenigsten erträglich. - G.s ornamentale Kunst ist besonders leblos und akademisch, sogar da, wo er dem französ. Rokoko Konzessionen macht. Sein Hauptgebiet bleibt das rein Architektonische, hierin ist er Wren's bester Nachfolger, ohne eigentlich sein Schüler zu sein. Mit G.s Tod geht auch der letzte Rest von dessen Tradition für England verloren. Noch zu seinen Lebzeiten wurde G. von den Architekten, die dem Kreis von Lord Burlingtons Society of dilettanti angehörten, Walpole, Kent, Campbell u. a., lebhaft literarisch bekämpft; die Nichterwähnung seiner Bauten in dem großen Sammelwerke Vitruvius Britannicus Campbells erklärt sich nur aus diesem Parteihaß, mit dem man drüben die Antike gegen Palladio ausspielte. - G. war selbst literarisch, nie aber polemisch tätig. Noch in Italien verfaßte er 1707 ein umfangreiches Ms.: A few short remarks an some of the finest ancient and modern Buildings in Rome and other parts of Italy, das für seinen eigenen Gebrauch und trahrscheinlich für spätere Veröffentlichung bestimmt war; es befindet sich im Soane Mus. in London mit einer kurzen Biographie G.s von einem Unbekannten. Sein 1728 ersch. Kupferstichwerk von etwa 200 Tafeln: Book of Architecture gibt uns den besten Aufschluß über seine bis dahin fertiggestellten Bauten und Entwürfe. 1733 erschienen mit 64 Tafeln: Rules for drawing the several parts of archit., die starken Einfluß auf ihre Zeit hatten als Musterbuch für Baumeister und Liebhaber. Sein Hauptwerk in Oxford veröffentlichte er in einer Stichfolge: Bibliotheca Radcliviana 1747. 1752 übersetzte er die Geschichte Portugals unter der Regierung König Emanuels: "de rebus Emanuelis", ins Englische. Seine Bücher und Zeichnungen vermachte er der Radcliffe-Bibliothek in Oxford, wo sie sich noch befinden; andere Zeichnungen von ihm sind im Brit. Mus.u. in der Soane Coll. in London. Es existieren drei Bildnisstiche von ihm: zwei von M'Ardell nach Bildern von Hogarth und S. Williams, einer von P. Pelham nach H. Huysing. Eine Bildnisbüste von Rysbrach in Marmor steht in der Radcliffe Library zu Oxford,-eine zweite in der Kirche St. Martin-in-the-Fields in London, eine dritte von Coyzevox auf seinem Grabmal. Dict. of Nat. Biogr., 1890. - Redgrave, Dict. of Art., 1878. - Chancellor, Lives of Brit. Archit. 1909, p. 233 ff. - Cunningham, Lives of the most emin. Painters etc., 1830/1, IV. - Walpole, Anecd. of Paint. in Engl. ed. 1862. - Godfrey, Hist. of. Archit. in London 1911, p. 313, 317 f., 363. - B. Bradleyand E. T. Bradley, Westminster Abbey, 1906 p. 16. - Review of print. acquis. Victoria and Alb. Mus. London 1912, p. 61. - Guide of Drawings, Brit. Mus. 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