Publicly available

Kadishman, Menashe

Born
Tel Aviv, 21 August 1932
Died
(bei) Tel Hashomer, 8 May 2015
Country
Israel
Gender
male
GND-ID
Name Variations
Kadishman, Menashe
Occupations
Sculptor; Painter; Graphic Artist
Places of Activity
Tel Aviv
View Map
By
Last edited
28.02.2022
Published in
AKL LXXIX, 2013, 70

VITA

Kadishman, Menashe, israelischer Grafiker, Maler, Bildhauer, *21.8.1932 Tel Aviv, lebt und arbeitet ebd.

LIFE AND WORK

Stud.: 1947-50 Tel Aviv b. dem Bildhauer Moshe Sternschuss; 1954 ebd. Bildhauerei b. Rudolf Lehmann; 1959-60 St. Martin's SchA und Slade SchA, London, b. den Bildhauern Antony Caro und Reg Butler. 1960-72 lebt und arbeitet er als Bildhauer in London. 1972 Rückkehr nach Israel. Zählt mit seinen Zeitgenossen Dani Karavan und Raffi Kaiser zu den herausragenden Künstlern Israels. Seit 1961 zahlr. Gruppen-, seit 1965 Einzel-Ausst. weltweit. Teiln. an der documenta 4 (1968) und 6 (1977) sowie an den Bienn. in Venedig 1972 und 1978. Zahlr. Ausz.: 1967 1. Preis für Skulptur, 5. Bienn. de Paris; 1981 Jurypreis, Norwegian Internat. Print Bienn.; 1990 The Dizengoff Prize for Paint. and Sculpture der Stadt Tel Aviv; 1995 The Israel Prize for Plastic Art; 2007 Ehrendoktor Bar Ilan Univ., Ramat Gan/Israel. - Wie bei den meisten israelischen Künstlern seiner Generation ist auch das Werk K.s geprägt von der Auseinandersetzung mit einer herben, fast feindlichen Natur und dem Schicksal der Juden. Erfahrungen, die der Künstler in seinen jungen Jahren im Kibbuz machen konnte, wirken bis heute, in einem tiefen Einvernehmen mit Pflanzen und Kreaturen in der Kargheit der Wüste. Daneben stehen die vermittelten Schrecken des tödlichen Antisemitismus in Deutschland, im gesamten besetzten Europa, in der Sowjetunion und in arabischen und afrikanischen Ländern. Als dritte hist. Komponente ist die stete Auseinandersetzung mit den Nachbarn Israels zu erkennen, die bei K. schon seit Jahrzehnten zu einer bewussten Anerkennung der palästinensischen Bevölkerung in Israel, der Westbank und im Gazastreifen führt. So ist K. als humanistischer, ökologischer und politischer Künstler zu sehen. Frühe bildhauerische Äußerungen entstehen, unter dem Einfluss seiner engl. Lehrer, in abstrakten Erkundungen der Mat. Stein und Bronze. In seiner emblematischen Skulptur Suspense (1963, Granit, Höhe 220cm, Slg des Künstlers) formuliert er Probleme wie die verletzende Durchdringung von Massen und das Schweben schwerer Gewichte. Große Aufmerksamkeit gilt der Textur der roh gebrochenen Oberflächen und dem Spiel des Lichtes darauf. Die wenigen Bronzen dieser ersten Epoche gemahnen in ihrer Naturnähe an das Vorbild Henry Moore. Zunehmende Abstraktion kennzeichnet die 1970er Jahre, in denen K. vornehmlich mit Stahl und Glas arbeitet, um feste und doch schwebende Formen zu gestalten. Segments nennt er einen dynamischen Bogen, dessen fünf scheinbar schwebenden Segmente von Glas gestützt werden (1969, bemaltes Aluminium, Glas, Höhe 160cm, New York, MMA). Schon zu dieser Zeit tendiert K. zur Paraphrase in der Ser., so etwa mit der mehrfachen Wiederholung der Skulptur Suspense, jetzt in blau oder gelb gefasstem Stahl oder in Cortenstahl (1974, Miami, Braman Coll.; 1966, Jerusalem, Israel Mus.; 1968 Washington/D.C., Hirshhorn Mus.). Großformatige geometrische Formenzeichen bestimmen seither die Stadtbilder in Israel (Circles, 1974, Cortenstahl, Höhe 400cm, Jerusalem, Hebrew Univ., Mount Scopus; Uprise, 1967-1974, Höhe 1500cm, Tel Aviv, Platz am Habima Nat. Theater). Eine konzeptuelle Phase im Werk K.s ist für die frühen 1970er Jahre nachweisbar, 1972 im Mus. Haus Lange Krefeld dokumentiert. Ausgedörrte Erde und geborstenes Glas wiederholen sich, gleichsam als Zeichen für geschundene Natur und Kreatur. Im Lande der "Reichskristallnacht" hat eine mit scharfkantigen Scherben verlegte Tür natürlich eine politische Bedeutung (Broken Glass Door, 1971, Holz und Glas, Höhe 200cm, Krefeld, Haus Lange). Auch die gleichzeitigen Tilgungsaktionen, die K. in Telefonbüchern der Städte New York, Tel Aviv, Köln und Tokio von 1968-72 durchführt, weisen auf das Verbrechen des Genozids hin, oder - wie der Künstler nicht müde wird zu betonen - auf die Verbrechen aller Genozide weltweit. Gleichzeitig und bis in die 1980er Jahre tritt K. mit frühen ökologischen Konzepten auf, etwa mit der Betonung der Natur durch verfremdende Einfärbungen von Bäumen und Schafen (Red, Yellow and Blue, Painted Trees at the Israel Mus., 1972; The Sheep Project, 1978, Venedig, Bienn.), oder seine Kennzeichnung von Bäumen mit gelben Farbflächen und Glas (The Forest, 1969, Montevideo, Nat. Mus. of Art; The Forest, 1970, New York, Central Park; Neckless to the Forest, 1970, Long Island, E. & J. Stern Coll.; The Forest, 1972, Krefeld, Haus Lange). Von Beginn der 1980er Jahre bis heute findet K. einen Arbeitsschwerpunkt in der spontanen Primamalerei um die Themen Schaf, Herde und Hirte. Stark buntfarbige Porträts von Schafen eröffnen einen ganzen Kosmos von Persönlichkeiten jener Kreatur, die dem nomadisierenden Wüstenbewohner am nützlichsten ist. Aberhunderte von gemalten Schafshäuptern sind seither entstanden, und in immer neuen Variationen blicken uns die Tiere an, sanft, neugierig, manchmal tückisch. Häufig gesellen sich Hauptthemen des Kadishman'schen Schaffens als Graffiti dazu, etwa der Hund, der an der Leiche eines Soldaten nagt, die Mutter mit dem toten Sohn oder die Opferung Isaaks. So werden die Schafe zu Metapherträgern menschlichen Daseins. Diese Werkgruppe mündet nach 1995 unmittelbar in eine weitere serielle Variante, die bis zu 400 Abbilder von Schafen auf identischen Hochformaten vereinigt. Montiert auf Holzfüßen werden diese Gem. zu ganzen Herden, installiert in Kunsthallen, gelegentlich auch unter freiem Himmel. Der Betrachter mischt sich wie ein Hirte unter diese Herde. Wendet er sich um, so ergeben die Rückseiten der Lw. eine monochrome Struktur, die eine Allusion an ein Gräberfeld aufkommen lässt (The Herd, 1995, Installation von 300 Schafshäuptern, Acrylfarbe/Lw., je 80cm x 60cm, Ben Shemen/Israel). Schon seit den späten 1970er Jahren führt K. Baum- und Tier-Darst. als großformatige Skulpturen aus. Stahlbleche werden in autogener Schweißtechnik geschnitten und durch Rund- oder Winkelbiegung stabilisiert. (Trees in Negative, 1977, 8 Cortenstahlplatten, Höhe: 700cm, Bethlehem/Pa., Lehigh Univ.; The Herd, 1996, 18 Skulpturen, Stahlblech und gebogene Armiereisen, Höhe ca. 80cm, Spiegelscherben. Flugrostpatina, Tokio, Artfront Gall.). Diese Schneidetechnik von Stahlblechen von 2cm bis 11cm wird bis heute immer wieder in Formaten 15cm bis 800cm angewandt. Themen dieser Skulpturen, deren große Formate sich zumeist an das Publikum im öff. Raum wenden, sind die zentralen menschlichen Belange, z.B. die Geburt. In seinen Geburtsbildwerken werden Mutter und Kind auf anthropomorphe Zeichen aus Kopf, Haarzöpfen, Brüsten und einem Bein sowie das Motiv der Kopfgeburt reduziert (Birth, 1990, Cortenstahlblech, geschnitten und gebogen, Höhe 280cm, Besitz des Künstlers). Hunderte von Variationen des Themas entstehen in den 1990er Jahren. Gleichzeitig kreisen die skulpturalen Arbeiten um die Themen Tod und Trauer. Das aus Stahl geschnittene Motiv der Mutter, die sich über den Sarg wirft (Mourning, 1980, Stahlblech, Höhe 150cm, Nizana/Israel, T. & L. Eliav Coll.), oder der Mutter, die klagend ihren toten Sohn emporhebt, während ein Hund dessen Blut leckt (Mother Carrying her Sacrifice, 1999, Stahlblech, geschnitten und auf Plinthe verschweißt, Höhe 400cm, Tel Hashomer/Israel, Shiba Hospital) wird in Varianten von Figürlichkeit bis Abstraktion (Sculpture, 2001, Cortenstahlblech, Höhe 100cm, Jerusalem, Holocaust Hist. Mus. Yad Vashem, Family Plaza) ausgeführt. Das Thema Opfer, insbesondere die Opferung Isaaks, begleitet K. seit den 1970er Jahren, in denen George Segal den Künstler und dessen Sohn Ben K. zu einer Abraham- und Isaakgruppe abgeformt hat (G. Segal, Abraham Sacrifices Isaac, 1973, Gips, Höhe 214cm, Tel Aviv, Mus. of Art). K. konzentriert sich ganz auf die beiden Opfer: Isaak, als das scheinbar gottgewünschte Opfer Abrahams, und den engelsgesandten Widder, die der Künstler zu einem Opferpaar verschmilzt (Sacrifice of Isaak, 1987, Cortenstahlblech, Höhe 500cm, Tel Aviv, Univ.). Auch von diesem Icon entstehen in den 1980er und 1990er Jahren zahlr. Varianten. Schalechet, also Gefallenes Laub, nennt K. sein Opus Magnum der 1990er Jahre. Waren schematisierende Kopfscheiben bereits bei Geburts- und Trauerszenen aufgetaucht, so beschränkt sich der Künstler hier ganz auf Kopfzeichen. In unterschiedliche ovale Formen aus Stahlblech von 2 bis 15cm Stärke und Höhen von 15 bis 20cm werden Augen-, Nasen- und Mundmotive geschnitten. Dies geschieht seriell über digital gesteuerte Schneidbrenner, die ca. 50 versch. Typen gespeichert haben. Der Künstler selbst individualisiert diese Schädelmotive durch das abrupte Abkühlen der glühenden Teile mit Wasser, wodurch eine immer and. Patina und unterschiedliche Verzunderungen wachsen. Im Laufe der Jahre entstehen so über 20.000 Häupter, die heute im Jüdischen Mus. in Berlin in einem der char. Leerräume (Voids) von Daniel Libeskinds Archit. geschichtet sind (Shalechet, 1997-1999, ca. 20.000 Skulpturen aus Stahlblech, Berlin, Jüdisches Mus., Dauerleihgabe von Dieter und Si Rosenkranz). Die grauenhafte Anmutung von Leichenbergen in dt. Konzentrationslagern verstärkt sich noch in der interaktiven Notwendigkeit über diese Häupter zu laufen, wobei das Schleifen von Stahl auf Stahl schreiende Geräusche evoziert. - K. ist zweifellos einer der kreativsten Künstler der reichen und internat. tätigen Szene in Israel. Mit seiner durchweg human-politischen Arbeit bewegt er sich vornehmlich in einer breiten Öffentlichkeit, am liebsten im öff. Raum. Sowohl seine malerischen, wie auch seine bildhauerischen Arbeiten oszillieren zw. gemäßigter Figürlichkeit und Abstraktion, die dem Betrachter weite Felder für Interpretation und Phantasie lassen. Stets betont K. als Aufgabe seiner Kunst den pazifistischen und völkerverständigenden Aspekt.

WORKS

Aachen, Suermondt-Ludwig-Mus. Amsterdam, Stedelijk Mus. Atlanta/Ga., High MoA. Beijing, NM of China. Berlin, Jüdisches Mus. Breda, De Beyerd Centre for Contemp. Art. Collegeville/Pa., Berman MoA. Dallas, Nasher Sculpture Center. Duisburg, Wilhelm Lehmbruck Mus. Florenz, Uffizien. Humlebaek, Louisiana Mus. Huston, MFA. Jerusalem, Israel Mus. - Yad Vashem. Kamakura, MMA, Kamakura & Hayama. Köln, Mus. Ludwig. London, Tate Modern. Miami, The Bass Mus. München, PM. New York, Metrop. Mus. - MMA. - The Jewish Mus. Philadelphia/Pa., MoA. Pistoia, Fattoria di Celle. Prato, Centro per l'Arte Contemp. Luigi Pecci. Tel Aviv, Mus. of Art. Tokio-Shinagawa, Hara MCA. Toronto, AG of Ontario. Washington/D.C., Hirshhorn Mus. and Sculpture Garden.

EXHIBITIONS

Solo exhibitions:

London: 1965 Grosvenor Gall.; 1992 Annely Juda Fine Arts / New York: 1970, Jewish Mus.; 1989 Nora Haime Gall. / 1975, '90 Jerusalem, Israel Mus. / Tel Aviv: 1982, 2007 Julie M. Gall.; 1987, 2005 Mus. of Art / 1988 Berlin, Kammermusiksaal / 1993 Düsseldorf, Gal. Hans Mayer / 1994 Pistoia, Fattoria di Celle / 1997 Beijing, Nat. AG of China / 1998 Breda, De Beyerd, Centrum voor Beeldende Kunst / 1999 Aachen, Suermondt-Ludwig-Mus. / 1999 Singapore, AM / 2000 Haarlem, Frans Hals Mus. / 2003 Schwäbisch Gmünd, Gal. im Prediger / 2009 Ramat Gan, Mus. of Israeli Art / 2011 Be'er Sheva, Negev Mus.; Rom, Ermanno Tedeschi Gall. -

 

Group exhibitions:

1961 Kirchheim unter Teck: Symposium of Europ. Sculptors / 1967 Toronto: Internat. Sculpture Symposium / Jerusalem, Israel Mus.: 1974, '80: Borders / 1979 Duisburg, Wilhelm Lehmbruck Mus.: Schwimmende Plastik / London: 1981 Tate Gall.: Landscape: The Printmaker’s View; 1990 Barbican AG: Chagall to Kitaj / 1983 Haifa, MMA: Nature as Inspiration and Pretext / 1984 Rio de Janeiro, MMA: Arte em Israel / 1985 São Paulo, Bien. / Tel Aviv: 1985 Mus. of Art: Two Years: Qualities Accumulated; 1998 Mus. of Art: Perspectives on Israeli Art of the Seventies; 2003 Univ. AG: 30 Outdoor Sculptures by Israeli Artists; 2008 Mus. of Art: My Own Body / 1988 New York, Brooklyn Mus.: 40 Israeli Artists / 1989 Seoul, Olympic Sculpture Garden / 1991 Detroit, Inst. of Art: Art/Israel Today / 1993 Buenos Aires, MNBA: Arte Contemp. Israeli / Amsterdam: 1995 Stedelijk Mus.: Couplet; 2000 Art Affairs Gall.: Stock from the Last Century / 2006 Mailand, Pal. Reale: Israele, Arte e Vita.

 

SOURCES

Other encyclopedias:

GEA, Printmakers, 1985; DA XVII, 1996

 

Printed sources:

C.Spencer, K. at the Grosvenor Gall., Lo. 1965; M.Levin, Sculpture in Jerusalem, Jerusalem 1983; P.Restany (Ed.), M.K., Tel Aviv 1996; U.Schneider (Ed.), M.K. Shalechet. Häupter und Opfer, Mi. 1999; M.K. Prints, The Genia Schreiber Univ. Art Gallery (Ed.), Tel Aviv 2005; J.Baal-Teshuva (Ed.), M.K., M. 2007; M.Scheps, M.K. Sculptures and Environments, M. 2012.

 

Online sources:

Website K.