Kanvinde, Achyut (Achyut Purushottam),indischer Architekt, *9.2.1916 Achara/Maharashtra, †28.12.2002 New Delhi.
Kanvinde, Achyut
Stud.: 1936-41 Sir Jamsethji Jijibhai SchA (Schüler v. Claude Batley); 1946-47 Harvard Univ., Cambridge/Mass. (Schüler von Walter Gropius). 1947 Rückkehr nach Indien; 1947-55 Chefarchitekt, Council of Scientific and Industrial Research, New Delhi; 1955 Gründung des eig. Archit.-Büro (mit Shaukat Rai).1974-79 Mitgl. der Delhi Urban Arts Commission; 1970-75 Vorstands-Mitgl., Central Buiding Research Inst., Roorkee/Uttarakhand; Mitgl. und 1974-76 Präs. Indian Inst. of Architects. Ausz.: 1975 Padmaśrī der indischen Reg.; 1985 Indian Inst. of Architects, New Delhi (Gold-Med.). - Obwohl sein Vater, der an versch. KSch in Bombay (Mumbai) unterrichtete, K. an die Malerei heranführte, veranlaßte seine Fam. ihn zum Archit.-Studium. Bereits vor 1947 arbeitete K. für das aus Kreisen des Unabhängigkeitskampfes gegründete Council of Scientific and Industrial Research, das die wiss. und ökonomische Forschung eines unabhängigen Indien organisieren und fördern sollte. Mit einem Stip. des Council geht K. als erster indischer Architekt zum Stud. in die USA. Nach seiner Rückkehr entwirft er zw. 1947-55 v.a. versch. Laborbauten in New Delhi. In ihrer klaren, schnörkellosen Formensprache sind bes. die Bauten der 1950er Jahren stark von W.Gropius beeinflußt. 1959 organisiert K. eine Tagung zur Frage einer staatlichen vorgegebenen Nat.-Archit. nach russ. Vorbild, bei der er selbst gegen den Präs. Jawaharlal Nehru die Forderung nach einer ideologiefreien, rein funktional orientierten Archit. formuliert. Sein Büro beschäftigt ab 1955 junge Architekten wie Morad und Ajoy Choudhury und Ranjit Sabikhi, die sich 1961 zur Design Group zusammenschlossen. In den 1960er Jahren entwickeln K.s Arbeiten sich von den klaren Linien und mon., ungebrochenen Wandflächen des Internat. Style weg zu kleinteiligeren, mehr strukturierten Entwürfen, die sich in ihren Dimensionen und ihrer Wirkung stärker den menschlichen Individuum annähern. K. bevorzugte v.a. für öff. Bauten in dieser Zeit eine Skelettbauweise aus Stahlbeton mit Füllungen aus offenem Ziegel- oder Hausteinmauerwerk, das unter den klimatischen Gegebenheiten Indiens geringen Erhaltungsaufwand erfordert. Zeitgleich begann K., mit der Bepflanzung von Terrassen und von Wandflächen zu experimentieren, die in späteren Entwürfen eine immer größere Bedeutung erhielt. Zunächst für Privathäuser wie das Haus Harivallabhdas in Ahmedabad erprobte K. die Übertragung trad. Konzepte der Lenkung von Luftströmen zur Klimatisierung von Innenräumen auf mod. Bauformen. Zahlr. öff. Bauten und v.a. Fabrikanlagen der 1970er und 1980er Jahre konfrontierten K. mit komplexen Anforderungen. Es gelang ihm dabei, die technologischen Erfordernisse und Abläufe in der Konzeption seiner Bauten sichtbar zu machen. Beispielhaft ist die Molkerei Dudhsagar in Mehsana/Gujarat, für die K. zus. mit dem Ingenieur V.H. Shah die Hanglage des Geländes in die Bauplanung und die technische Konzeption der Produktionsabläufe einbezog, um den Transport der angelieferten Milch zu den versch. Verarbeitungsbereichen auschließlich durch Schwerkraft zu ermöglichen. In den 1980er und 1990er Jahren erschloß sich K. zunehmend regionale indische Bau-Trad. als Inspirationsquelle für seine Entwürfe und beschäftigte sich mit nachhaltigen Bautechniken und ökologische Materialien. Für den Kṛṣṇa-Tempel der hinduistischen ISKCON-Bewegung in New Delhi (1993) verband er Formen indischer Tempel-Archit. mit der für indo-islamische Bauten verwendeten Mat.-Kombination aus rotem Sandstein und weißem Marmor zu einem filigranen, spielerisch ornamentierten Bauwerk. - K. zählt zu den Begründern der mod. indischen Archit.; mit seinen Bauten und archit.-theoretischen Schriften beeinflußte er maßgeblich die Entwicklung nach der Unabhängigkeit Indiens 1947.
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Group exhibitions:
1991 Berlin, Haus der Kulturen der Welt: Vistāra. Die Archit. Indiens (K).
Other encyclopedias:
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Printed sources:
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Online sources:
Archnet (Todesjahr 2003); Urban Archit. India