Baumgartner (irrig: Baumgärtner), Johann Wolfgang (irrig: Wilhelm), tirol.(?) Hinterglasmaler, Zeichner, auch Radierer, Maler, Freskomaler in Augsburg, *1702 Ebbs/Tirol, †7.9.1761 Augsburg.
Baumgartner, Johann Wolfgang
Schmiedelehre beim Vater(?), danach Ausbildung zum Hinterglasmaler in Salzburg. Nachfolgend auf Wanderschaft in "Welschland", Österreich, Ungarn und Böhmen als Hinterglasmaler tätig. Die These eines Rom-Aufenthalts (Noack, 1927) ist unzutreffend und beruht wahrsch. auf einer Verwechslung mit Pater Norbert B. Ab 1733 ansässig in Augsburg mit Privileg als Hinterglasmaler. Besuch der städt. Akad. 1746 Bürgerrecht und Beitritt zur Malerzunft. Danach malte B. in Öl, seit den 50er Jahren auch Fresken. 1750/51 erwähnt bei Gründung der "Soc. Artium Liberalium". - Für seine frühe Tätigkeit als Hinterglasmaler gibt es keine Belege. Die von Ritz (1964/65) B. zugewiesenen Glasbilder entstanden nach Vorlagen von Jacopo Amigoni und sind wahrsch. nicht von B. Lt. Quellenangaben malte er Landschaften und Archit.-Prospekte entweder mit Wasser oder mit Terpentin, z.T. mit radierten Umrissen und mit schwarzem Papier hinterlegt. Die wesentl. künstler. Entwicklung begann in Augsburg im Umkreis der Akad. um Johann Baptist Bergmüller bzw. um Georg Philipp Rugendas und Eichler d.Ä. Daneben wirkten wohl zunächst Johann Ev. Holzer und Gottfried Bernhard Götz auf B. ein, v.a. jedoch der frz. Ornamentstich und dessen Augsburger Varianten. Seit den 40er Jahren wurden Rocaillen bzw. Rocaille-Archit. zu B.s bestimmendem Stilelement. Seine Vorlage-Bll. (Feder, laviert, weiß gehöht, meist auf blauem Papier) zu Stichen für Thesen-Bll., Kalender, Andachtsbilder, mytholog. und allegor. Folgen, Buch-Ill. Augsburger Verleger lassen sich in 4 Schaffensphasen (1733- ca. 1740, bis ca. 1744/45, bis ca. 1755 und bis ca. 1761) gliedern. B. überführte Elemente des Ornamentstichs auch in großformatige Graphik (Thesen-Bll.). Eine eigenhändige Rad. Johannes der Täufer in Halbfigur mit Sign. "J W Baum" (kein Exemplar nachgewiesen) und ein Mezzotinto Jahrmarktszene (doppelt bez. mit JWB und J W Baum), dat. 1743 (Augsburg, Städt. Kunst-Slgn), sind die einzig bek. Versuche in diesen Gattungen. Als Maler von Gem. und Fresken ist B. erst ab den 50er Jahren greifbar v.a. mit kleinformatigen, polychromen Ölbildchen mit Rocaille-Ornamenten als Stich-Vorlagen sowie mit Altarbildern und Fresken. Auch in der Malerei entwickelte B. seine Vorbilder aus dem Augsburger Umkreis um Bergmüller zu eigenen Formvorstellungen weiter. Seine Fresken, auf die er ebenfalls Elemente des Ornamentstichs übertrug, gestaltete B. im Stil des fortgeschrittenen Rokoko. B.s Zchngn und Malereien gehören zu den qualitätvollsten Werken des süd-dt. Rokkoko und waren Vorbild für mehrere Nachfolger (Johann Chrysostomus Winck, Andreas Dahlweiner, evtl. Joseph Haller). Sein heute bek. Werk umfaßt außer Gem. und Fresken ca. 220 Zchngn (davon ca. 200 Stich-Vorlagen); Entwürfe zu mindestens 29 Serien, d.h. 126 Kompositionen zu den Engelbrechtschen Bibelfolgen, um 1743 (davon etwa 50 Vor-Zchngn bek.); mindestens 46 Entwürfe zu Thesen-Bll. in Großformat für den Verlagg der Gebrüder Klauber (davon 31 Vor-Zchngn bek.); 7 mytholog.-allegor. Folgen für den Hertel-Verlag, um M. der 40er Jahre; Entwürfe für 10 großformatige Wappenkalender; ca. 300 Entwürfe zu Buch-Ill., meist in Öl, zu Joseph Giulini, Tägliche Erbauung eines wahren Christen..., 4 Bde, ed. 1753-55 (davon 25 Entwürfe bek.), zu Franz Xaver Dorn, Geistliches Zeughaus voll Gewehr..., ed. 1747; Sancta Beata Austria, ed. vor 1757 bei der Soc. Artium Liberalium, mit 15 Stichen, davon mindestens 11 nach gemalten Vorlagen B.s (kein Exemplar nachweisbar).
Entwürfe, Zchngn, Gem.:
Solo exhibitions:
2009 Salzburg, Barock-Mus. (K). -
Group exhibitions:
2025 Augsburg, Schaezlerpalais: Augsburger Geschmack - Barocke Meisterzeichnungen aus dem Bestand der KS (K).
Thieme-Becker, Vollmer, and AKL:
ThB3, 1909
Other encyclopedias:
Brun, SKL I, 1905; IV, 1917; ÖKL II, 1976 (Lit.); Bénézit I, 1976.
Printed sources:
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Baumgartner, Johann Wolfgang (nicht Wilhelm Baumgärtner, wie bei Nagler und sonst zu lesen), Maler, Zeichner und Stecher geb. zu Kufstein in Tirol 1712, zumeist in Augsburg tätig, † daselbst 1761. Er machte sich zunächst bekannt durch Malereien von Landschaften und Architekturen, Ansichten, die er mit einer ihm eigenen Technik auf Glas auftrug, weshalb er irrtümlich öfter als,,Glasmaler" bezeichnet wird. Doch führte er auch Tafelgemälde und Fresken aus: mit letzteren zierte er namentlich die Kirchen von Gersthofen und Eggenhausen in der Nähe von Augsburg, sowie im Auftrage des Kardinals von Rodt, Bischofs zu Konstanz, mehrere Saalplafonds in dem bischöfl. Palaste zu Meersburg sowie die Decke der Kapelle zu Baitenhausen (Kreis Konstanz). - B. hat außerdem viel für Kupferstecher und Verleger gezeichnet; Ch. A. Kilian, S. D. Herz, S. G. Thelot u. a. haben religiöse Darstellungen nach, ihm gestochen. Im Ferdinandeum zu Innsbruck befinden sich mehrere Handzeichnungen von ihm, die alsVorlagen für Augsburger Stecher dienten. B. wird bisweilen verwechselt mit dem Stecher Johann Jakob Baumgartner und die von diesem herrührenden Stiche werden ihm zugeschrieben. Eine eigenhändige Radierung von ihm ist Johannes der Täufer, Halbfig. bez. J. W. Bau. Stetten, Kunst- u. s. f. Geschichte der Reichsstadt Augsburg. p. 325. - Füßli, Kstlerlex. I u. II. - J. J. Staffler, Tirol und Vorarlberg. Innsbruck 1842. II. 1. p. 283. - Staffieer, Statistik. IV 823. - Nagler, Monogrammisten. IV 686. - Brun, Schweizer. Künstlerlex. 1902. - Guilmard, Les Maitres ornemanistes 1880. - Heinecken, Dict. - Meyer, Kstlerlex. (mit Oeuvre). - Kstdkm. des Großherzogt. Baden. I 484. - Notizen von H. Semper.