Dong Qichang (Tung Ch'i-ch'ang; Xuanzai; Sibo; Siweng; Xiangguang; Xiangguang jushi; Wenmin), chin. Maler, Kalligraph, Sammler, Kunsttheoretiker, Beamter, Gelehrter, *10.2.1555 Shanghai, †Dez. 1636 Huating.
Dong, Qichang
Entstammte einer ab A. der Jin-Dynastie (1115-1234) in der Präfektur Songjiang ansässigen Fam., die über mehrere Generationen hinweg keine Beamten hervorgebracht hatte. 1567 siedelte D. nach erfolgreicher Shengyuan-Prüfung nach Huating über, um dort die Präfekturschule zu besuchen. Betrieb hier intensive kalligraph. Studien. D.s Jugend erfuhr 1571 durch seine Aufnahme in das Haus der Gelehrtenfamilie Mo eine entscheidende Wende. Durch Mo Ruzhong, einen hohen Beamten und geschätzten Dichter und Kalligraphen, sowie seinen Sohn, den Maler Mo Shilong (1537-1587), befaßte er sich intensiv mit künstler. Fragen. In späteren Jahren sollte D. einzig Mo Ruzhong als seinen Lehrer anerkennen. Durch ihn kam er mit weiteren gelehrten Persönlichkeiten der Region in Berührung. 1577 wurde er Tutor im Hause von Lu Shusheng (1509-1605); er pflegte Kontakt mit Gu Zhengyi, einem Sammler und Maler, der sich den Meistern der Yuan-Zeit verschrieben hatte; und er errang das freundschaftl. Wohlwollen von Xiang Yuanbian (1528-1590), der damals die umfang- und qualitätsreichste Kunst-Slg besaß. Durch den engen Umgang mit Xiang Yuanbian erhielt D. Zugang zu wichtigen Werken, u.a. der "Autobiographie" (zi xu tie) des Mönchs Huaisu, einem Vertreter der Wilden Konzeptschrift (kuangcao). Zeit seines Lebens blieb D. dem Hause Xiang Yuanbians eng verbunden. Wegen seiner Studien vernachlässigte er die Vorbereitung auf die Provinzprüfung. Auch D.s zunehmendes Interesse für den Chan-Buddhismus und die Lektüre chan-buddh. Schriften übte einen tiefen Einfluß auf ihn aus. Der Ruf seiner Essays im Examensstil des "achtbeinigen Satzbaus" (bagu wen) eilte ihm voraus, noch bevor er (nach zwei fehlgeschlagenen Anläufen 1579 und 1585) 1588 die Juren- und 1589 die Jinshi-Prüfung ablegte. D.s Beamtenlaufbahn vollzog sich nicht geradlinig. Als Anwärter der Hanlin-Akad. nominiert, zerschlugen sich seine Hoffnungen auf eine vielversprechende Karriere, als er 1592 nach monatelanger Abwesenheit eine wichtige Prüfung versäumte. 1593 kehrte D. nach Beijing zurück. Erst gegen E. des Jahres erhielt er den Posten eines Jun. Compilers der Hanlin-Akad., den er für sechs Jahre einnahm. 1598 zum Tutor des Thronanwärters, Prinz Changluo, ernannt. Nach nur einem halben Jahr wurde D. auf einen nominell ranghöheren Provinzposten versetzt. Er zog es vor, nach Huating zurückzukehren. Vermutl. hatte er sich im Rahmen seiner Tutorentätigkeit den Unmut von Kaiser Shenzong (reg. 1573-1620) zugezogen: Trotz einflußreicher Freunde sollte ihm erst 20 Jahre später wieder ein Amt in Beijing angetragen werden. In den Jahren des unfreiwilligen Rückzugs (1599-1621) konzentrierte sich D. auf seine künstler. Aktivitäten, unterbrochen von wenigen kurzen Zwischenspielen auf Provinzposten, die er nicht immer abzulehnen wagte (u.a. 18 Monate in Huguang). Eine Zäsur stellt 1616 die Brandschatzung seines Anwesens durch eine aufgebrachte, von zahlr. Streitigkeiten gezeichnete Nachbarschaft in Huating dar, bei der ein Großteil seiner Arbeiten vernichtet wurde. Daher sind nur wenige Werke erh., die unmittelbar vor dem Brand entstanden, jedoch zahlr. Bilder, mit denen D. die Freunde bedachte, welche ihm in den folgenden Jahren Unterkunft gewährten. 1620 starb Kaiser Shenzong; Changluo folgte ihm als Kaiser Guangzong auf den Thron, überlebte den Vater jedoch nur um einen Monat. D. wurde wie alle ehem. Tutoren des Thronfolgers mit diversen Ämtern bedacht und 1621 nach Beijing berufen. Er widmete sich den "Hist. Aufzeichnungen Kaiser Guangzongs" (Guangzong shilu) und Kaiser Shenzongs; letztere schloß er 1624 ab. D.s letzte Jahre im Staatsdienst sind gekennzeichnet von dem Bestreben, nicht zw. die Fronten der ihm durch Freunde (vor allem Ye Xianggao) nahestehenden Donglin-Partei und der unter Kaiser Xizong (Reg.-Zeit 1621-27) erstarkten Eunuchen-Clique um Wei Zhongxian zu geraten, eine Klippe, die er mit den Mitteln der Kunst zu umschiffen suchte. 1625 wurde D. auf eig. Wunsch als Riten-Minister nach Nanking versetzt und kehrte ein Jahr später nach Huating zurück. 1631 ein letztes Mal nach Beijing beordert, schied er, fast achtzigjährig, nach mehrfach vorgetragener Bitte um Entlassung 1634 endgültig aus dem Staatsdienst aus. - D.s immense Bedeutung für die Gesch. der chin. Malerei gründet sich v.a. auf seine Theorie der Nördl. und Südl. Schule. Darin unternahm er in einer retrospektiven Schau den Versuch, die Entwicklung der chin. Malerei, beginnend mit der Tang-Zeit (618-906), nachzuzeichnen. Er unterschied zw. zwei Trad.-Strängen - den professionellen Malern der Nördl. Schule und den in Poesie, Malerei und Kalligraphie nur sich selbst verpflichteten Literatenmalern (wen ren) der Südl. Schule. Die Namensgebung der Schulen richtet sich nicht nach geograph. Zugehörigkeit, sondern stellt eine Analogie zur Nord-Süd-Dichotomie chan-buddh. Terminologie her: Während in der Nördl. Chan-Trad. der schrittweise Weg zur Erleuchtung Doktrin war, suchten Anhänger der Südl. Trad. den Moment plötzl. Erkenntnis. In der Rekonstruktion einer Entwicklungslinie jener Südl. Schule der Malerei setzte D. den Maler und Dichter Wang Wei (701-761) als Ahnvater ein. Über Dong Yuan und Juran (aktiv um 960-um 986), die "Vier großen Meister der Yuan-Zeit" (1260-1368) [Wu Zhen (1280-1354), Ni Zan (1301-1374), Wang Meng (1308-1385) und v.a. Huang Gongwang (1269-1354)], bis hin zu den ming-zeitl. Meistern der in Suzhou prosperierenden Wu-Schule, Shen Zhou (1427-1509) und Wen Zhengming (1470-1559), spannte D. einen Bogen, an dessen Ende er sich selbst stellte. Der Südl. Schule der Literatenmaler gab er den uneingeschränkten Vorzug, die Nördl. Schule hingegen schätzte er gering. D. entwickelte seine Theorie vermutlich relativ spät, nicht vor 1588 (Wai-kam Ho, 1976). Sie ist ausgeführt im Mo Shilong zugeschr. Huashuo (Not. über die Malerei), weshalb die Urheberschaft der Theorie kontrovers diskutiert worden ist (Shen Fu). Der Text ist auch enthalten im 1627 von Zheng Yuanxun (1598-1645) kompilierten Meiyouge wenyu (Aufz. aus dem Pavillon selbstgewählter Einsamkeit), der sowohl von D. als auch seinem Freund Chen Jiru (1558-1639), dem späteren Hrsg. von D.s gesammelten Schriften Rongtai ji, autorisiert wurde. Untrennbar verbunden mit D.s kunsttheoret. Auffassungen ist seine Bedeutung als Sammler und Maler. Er verfügte nicht nur über zahlr. Kontakte, sondern besaß nach einem glanzvollen Examen auch die notwendigen finanziellen Mittel. D. war bestrebt, seine deduktiv entwickelte Theorie anhand der alten Meister zu untermauern. Die Rückkehr nach Beijing 1593 war u.a. von dem Wunsch bestimmt, manche der schon damals seltenen Werke ausfindig zu machen. Dies gelang ihm kurz darauf: Dong Yuans Xi shan xing lü (Reisende zw. Flüssen und Bergen) ist vermutl. das erste Bild überhaupt, das er erwarb. Es folgten 1597 Longxiu jiaomin tu (Privilegierte Bewohner der Hauptstadt), von D. mit einem langen Kolophon versehen, und Xiao Xiang tu (Die Flüsse Xiao und Xiang). D. ging davon aus, daß ein spezieller Texturstrich, der "Hanffaser-Strich" (pi ma cun), welcher für Dong Yuan sehr char. war, als stilist. und techn. Bindeglied der Südl. Schule fungierte. Texturstriche führte er auf Wang Wei zurück. 1595 hatte er Gelegenheit, die erst kurz zuvor entdeckte, jenem zugeschr. Querrolle Jiang shan xue ji (Flüsse und Berge nach dem Schnee) zu studieren. Sie gehörte Feng Mengzhen (1548-1605) aus Hangzhou; D. entlieh das Bild fast ein Jahr und sah darin seine Theorie bestätigt und zum Abschluß gebracht. 1595 erwarb D. Huang Gongwangs Meisterwerk Fuchun shan ju (Wohnsitz in den Fuchun-Bergen). Aus der Kenntnis dieser (Vor-)Bilder heraus entwickelte sich ab 1577 sein eig. Malstil, in dem er markante stilist. Merkmale zusammenschließen wollte. 1597 entstand Wanluan caotang tu (Grasbewachsene Wanluan-Halle), eines der frühesten erh. Bilder und das "innovativste Werk seit Zhao Mengfu (1254-1322)" (Wen Fong, in: Wai-kam Ho, 1992). Die darin von D. entwickelten Neuerungen wirkten bis zu den qing-zeitl. sog. "orthodoxen Meistern" und den "Individualisten" fort. In Motiv und Komp. mit Anklängen an Dong Yuans Longxiu jiaomin tu, in Felsformation und Bäumen an Wang Wei, war die Pinselführung auf trockene, parallele gerade Striche reduziert. Die Textur der frühen Meister wandelte D. zu abstrakten Formeln, in denen konkav-konvexe Formen sowie das aus der Kalligraphie entlehnte Konzept "kinet. Energie" (shi) die zentrale Rolle spielten. Das abstrakte Design unterlag der Spannung gegenläufiger Bewegungen. Der flachen Komp. ming-zeitl. Malerei setzte D. ein enges Zusammenspiel von Vorder- und Hintergrund entgegen. Seit der Yuan-Zeit galt den Literatenmalern das expressive Spiel von Pinsel und Tusche mehr als die Darst. der Natur. D. führte diesen Ansatz konsequent weiter, indem er Malerei als Kalligraphie auffaßte. Emotionslos muten seine kub. Felsmassen fast modern an. Basierend auf der von ihm zurückverfolgten "korrekten" Trad.-Linie der Südl. Schule strebte D. stilist. eine "große Synthese" (da cheng) der mon. Landschaftsmalerei der Song-Zeit und des expressiv-kalligraph. Modus der Yuan-Zeit an. Dieses Unterfangen markiert einen Wendepunkt in der Malerei der späten Ming- und frühen Qing-Zeit. Weitere wichtige Bilder D.s sind u.a. Lin Guo Zhongshu shanshui (Lsch. in der Art von Guo Zhongshu, um 1599; Östasiatiska Mus., Stockholm) sowie eine zeitgleich entstandene Lsch. in der Art Huang Gongwangs (Slg Mr. und Mrs. H.C. Weng). D.s ausgereiften Stil repräsentiert Jingxi zhaoyin tu (Einladung in die Abgeschiedenheit von Jingxi, dat. 1611, Metrop. Mus., New York). Weitere wichtige Werke wie Qingbian tu fang Beiyuan bi (Die Qingbian-Berge in der Art Dong Yuans, dat. 1617, Cleveland Mus. of Art) folgten. D. malte außerdem zahlr. Alben, unter denen Qiu xing ba jing (Acht Ansichten von Herbststimmungen, dat. 1620, Shanghai Mus.) und Fang gu shanshui (Lsch. in der Art alter Meister, 1621-24, Nelson-Atkins Mus., Kansas City) herausragen. Das Frontispiz zu Qiu xing ba jing zeigt ein Portr. D.s, gemalt von Zeng Jing (1564-1644). Die Albumblätter überzeugen nicht nur als Abfolge, sondern verkörpern eigenständige, z.T. farbige Komp. Obgleich angelehnt an alte Meister, zeigen D.s Bilder stets einen individuellen Stil mit großer Bandbreite, u.a. experimentierte er mit einem "nassen" Pinsel. Die Vielfalt sowie die große Nachfrage, die er nur durch Schreib- und Malgehilfen befriedigen konnte, erschweren die Bewertung seiner Bilder, zumal schon zu D.s Lebzeiten Fälschungen kursierten. Neun "Ghostpainter" sind namentlich bekannt. D.s Kalligraphie war bis zum Aufleben der Epigraphik in der späten Qing-Zeit (1644-1912) enorm einflußreich, nicht zuletzt aufgrund der Wertschätzung durch Kaiser Kangxi (Reg.-Zeit 1662-1722). Schon früh hatte er sich den alten Meistern zugewandt: 1579 sah er eine tang-zeitl. Kopie von Wang Xizhis Guannu tie, die ihn tief beeindruckte. Wen Zhengming und Zhu Yunming (1461-1527), den Meistern in der M. der Ming-Zeit, fühlte er sich ebenbürtig, während seine Haltung zu Zhao Mengfu (1254-1322) zwiespältig blieb. Seinen Duktus zeichnet eine gewisse Rauheit aus, welche von Nachfolgern kaum erreicht wurde. D.s Aufzeichnungen über seine kalligraph. Entwicklung sind im 1720 kompilierten Huachan shi suibi enthalten. Wichtigster Schüler D.s war Wang Shimin (1592-1680), der älteste der Vier Wangs, welche die orthodoxe Linie weiterführten. In der Kalligraphie gilt Zhang Zhao (1691-1745) als bed. Nachfolger. Ungeachtet des prägenden Einflusses, der die chin. Kunsttheorie bis heute bestimmt, wird D.s Konzept der Nördl. und Südl. Schule durchaus krit. betrachtet. Nicht wenige Künstler entziehen sich einer starren Einordnung entsprechend seinen Kriterien von Status und Stil; seine "monolith. Sichtweise" (H.Kohara, in: Wai-ching Ho, 1991) und die Problematik in der Bewertung tang- und song-zeitliche Malerei haben späteren Generationen die prakt. Umsetzung seiner Theorie erschwert.
Group exhibitions:
2014 Los Angeles, LACMA: Chin. Paint. from Jap. Coll.
Thieme-Becker, Vollmer, and AKL:
ThB33, 1939 (s.v. Tung Ch'i-ch'ang)
Other encyclopedias:
Yu Jianhua, 1981, 1225 s.; Zhongguo meishu cidian, Shanghai 1987, 76; Seymour, 1988; DA IX, 1996; Bénézit IV, 1999
Printed sources:
A.W. Hummel (Ed.), Eminent Chin. of the Qing period (1644-1912), II, Wa. 1944, 787-789; N.Wu, Tung Ch'i-ch'ang. The man, his time and his landscape paint., 2 Bde, New Haven 1954; Wen Fong, Tung Ch'i-Ch'ang and the orthodox theory of paint., in: Nat. Pal. Mus. quart. 2:1968(3)1-26; S.Bush, The Chin. literati on paint., C., Mass. 1971, 158-179; Shen Fu, in: Proceedings of the internat. symposium on Chin. paint. (1970), Taipei 1972, 85-140; Nakata Yūjiro, Shodō geijutsu (Kunst der Kalligraphie), VIII, To. 1972, 184-186, 207-214, Taf. 103-154; Wang Shiming (Ed.), Gugong fashu. Ming Dong Qichang moji, XX, Pal. Mus., Taibei 1975; Wai-kam Ho, in: C.F. Murck (Ed.), Artists and trad. Uses of the past in Chin. cult., Pr. 1976, 113-129; H.Kohara u.a., Joi, Tō-Kishō (Xu Wei, Dong Qichang), in: Bunjinga suihen (Werke der Literatenmalerei), V, To. 1978, Taf. 18-90; H.Kohara (Ed.), Tô Kishô no shoga (D.s Kalligraphie und Malerei), 2 Bde, To. 1981; Qi Gong, in: Qi Gong cong gao, Bj. 1981, 149-164; J.Cahill, The distant mountains, N.Y. u.a. 1982, 13-27, 87-128; Li Jingyan, in: Shanghai bowuguan jikan 2, 1982; J.Cahill, in: P.Gregory (Ed.), Sudden and gradual. Approaches to enlightenment in Chin. thought, Univ. of Honolulu 1987, 429-446; Junghee Han, Tung Yüan's influence on Tung Ch'i-ch'ang's paint., Diss. Univ. of Kansas 1988; Ren Daobin, Dong Qichang xinian (Chronolog. Biogr.), Bj. 1988; Zheng Wei, Dong Qichang nianpu (Chronolog. Biogr.), Shanghai 1989; Wai-kam Ho (Ed.), Proceedings of the Tung Ch'i-ch'ang Internat. Symposium held at the Nelson-Atkins Mus. of Art, Kansas 1991; Wai-kam Ho, The c. of Tung Ch'i-ch'ang 1555-1636 (K Kansas/Los Angeles/New York), 2 Bde, Kansas 1992; C.Riely, Tung Ch'i-ch'ang (1555-1636). The interplay of politics and art, Diss. Harvard Univ., Cambridge 1995; J.M. Rosenfield/F.E. Cranston, Extraordinary persons (K Slg Kimiko und John Powers), I, C., Mass. 1999
Tung Ch'i-ch'ang, chines. Staatsmann, Maler, Kalligraph u. Dichter, Tzŭ Hsüan-tsai (in der Lit. der Mandschu-Zeit Yüan-tsai, da Hsüan Tabu war), Hao Ssŭ-po, Ssŭ-wêng (im Alter), Hua-ch'an, Tsung-po, Hsüeh-shih, posthumer Name Wên-min, *1555 Hua-t'ing, Prov. Kiangsu, †1636, Okt. oder später, als Ritenminister. Der größte Kenner, Kalligraph u. Maler seiner Zeit. Seine Bilder, ausschließlich Landschaften, folgen vor allem dem Tung Yüan (s. d.) u. den 4 großen Meistern der Yüan-Zeit, bes. Huang Kung-wang u. Ni Tsan (s. d.). Seinen beiden, z. T. textlich übereinstimmenden Schriften Hua-yen u. Hua-ch'an-shih Sui-pi, zusammenhanglosen, oft unverständlichen Notizsammlungen, hat der große Name des T. außerordentliche kunstgesch. Bedeutung gegeben. Sie bringen die Unterscheidung der "nördlichen" u. "südlichen" Richtung der Malerei nach Analogie der nördl. u. südl. Richtung des Ch'an-Buddhismus, den T. eifrig studiert hat. Bis in die Neuzeit beherrscht diese Theorie von den beiden Hauptströmungen der Malerei, deren eine von Wang Wei, die andere von Li Ssü-hsün (s.d.) ausgehen soll, die gesamte ostasiat. Kunstbetrachtung. In Wahrheit ist sie die Erfindung des Malers Mo Shih-lung, eines intimen Freundes des T., aus dessen Hua-shuo T. seitenweise zitiert, ohne seine Quelle anzugeben. Auch der Maler Ch'én Chi-ju, (s.d.) gleichfalls ein Freund des T. und wie Mo oft auf T.s Bildern durch poetische Aufschriften vertreten, hat zu T.s Schriften mehr oder weniger freiwillig beigetragen. Bilder (viele Kopien u. Fälschungen) des T. sind häufig; ein Verz. der veröffentl. bei Sirén, I 235ff.; hinzuzufügen: Kokka 541; Ferguson, Li-tai Chu-lu Hua-mu, Nanking 1934, III 359ff., Liste der in chin. Sammlungsverz. erw. Werke (rd 400). Lit.: Sirén, Later Chin. Painting, Lo. 1938, I 165 ff. - Contag in: Ostas. Ztschr., 1933 p. 83ff., 174ff.