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Genzken, Isa

Born
Bad Oldesloe, 27 November 1948
Country
Germany
Gender
female
GND-ID
Name Variations
Genzken, Isa; Genzken, Hanne-Rose (Real name)
Occupations
Photographer; Sculptor; Filmmaker
Places of Activity
Düsseldorf, Berlin, Köln
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By
Last edited
09.10.2025
Published in
AKL LI, 2006, 452

VITA

Genzken, Isa (eigtl. Hanne-Rose), dt. Bildhauerin, Fotografin, Filmemacherin, *27.11.1948 Bad Oldesloe, lebt in Berlin.

LIFE AND WORK

Stud.: 1969-71 HBK Hamburg, 1971-73 HBK Berlin, 1973-77 KA Düsseldorf. Bereits 1976 werden G.s Arbeiten in der einflussreichen Düsseldorfer Gal. Konrad Fischer in einer Einzel-Ausst. gezeigt. Dort lernt sie Blinky Palermo, Hanne Darboven, Sigmar Polke sowie US-amer. Künstler wie Carl André und Sol LeWitt kennen. Mit dem Kunsthistoriker Benjamin H.D. Buchloh, der zu dieser Zeit in Köln lebt, ist G. befreundet und wechselt von der Berliner an die Düsseldorfer KA. 1973 ist sie in Köln vom 30.7. bis 4.8. Mitwirkende einer Performance von Bruce Nauman. Täglich erhält sie von ihm Instruktionen, um die Wahrnehmung ihres Körpers in Bezug zu der des Raumes zu setzen. Am jeweiligen Abend gibt sie wiederum einen Bericht an Nauman. Als ihre großen Vorbilder nennt sie El Lissitzky, Barnett Newman und Dan Graham. M. der 70er Jahre heiratet sie ihren Lehrer Gerhard Richter, mit dem sie bis 1989 zusammenlebt. Bald nach dem Studienabschluss folgen Einladungen zu den wichtigsten internat. Ausst. wie Westkunst, 1981 in Köln, oder zur documenta 7, 1982 in Kassel. Ausz.: 1978-80 Karl-Schmidt-Rottluff-Stip.; 2002 Wolfgang-Hahn-Preis der Stadt Köln. - Seit mehr als 30 Jahren entsteht G.s vielseitiges Œuvre in ungewöhnlichen Materialkombinationen: Skulptur, Fotogr., Film, Collage und Collagebücher. Die Lust am Materialeinsatz bedient keinen homogenen Formenkanon, weist jedoch inhaltlich und methodisch zahlr. Verknüpfungen auf. Gemeinsam ist den Werkgruppen die variationsreiche Oberflächenbehandlung und Fokussierung auf die Wahrnehmung der Strukturen. Ein wesentlicher Faktor in der Präsentation der Arbeiten ist der Bezug zum Betrachter, dem sie in "Augenhöhe" begegnen. So sind die frühen Hyperboloiden (1976-85) in Relation zum eigenen Körper aufgestellt, die Betonskulpturen (1985-90) auf Stahlrohrgestellen präsentiert, die den Einblick auf Augenhöhe geben. Dies gilt ebenso für die Serie Fenster seit 1990 und die Hochhäuser seit 1999 sowie für die neueste Serie Empire Vampire, Skulpturen-Arrangements, bei denen auf hohen Sockeln auf einer Spiegelplatte bizarre Konsum-Kleinodien mit militanten Accessoires arrangiert sind. Assoziationen zur Archit. ergeben sich aus den Arbeiten im öff. Raum (u.a. Brüssel: Camera, Edelstahl, 4,18 × 5,20 m, 1990; Bielefeld: Spiegel, Stahl, 30 × 20 × 39 m, 1992; Leipzig: Rose, Edelstahl, Aluminium, Lack, Höhe 8 m, 1993/97). Inhaltl. wie formal ist Archit. als Denkmodell immer einer der wesentl. Faktoren ihrer Arbeitsweise. G. erfasst mit einem ungewöhnlichen Blick die archit. Umgebung, die reale wie die konstruierte. Alle Arbeiten folgen dieser Arbeitsmethode. Insofern hat jede einzelne Arbeit Modellcharakter, was wiederum die Arbeitsweise in Werkphasen bedingt. Visuell ist damit jedem Werk Fragilität und, damit unweigerlich verbunden, Verletzlichkeit eingeschrieben. Von den frühen Arbeiten bis zu den heutigen spannt G. den Bogen zw. den Bereichen Werbung, Design, Archit. und Skulptur. Die aktuelle Diskussion, die in den einzelnen Disziplinen geführt wird, ist an der Gest. kritisch ablesbar. G. gibt einen Aus- und gleichzeitig Einblick, wofür sie eine formale Entsprechung in den zahlr. Fenstermotiven findet, die als ein Von-Innen-nach-Außen und umgekehrt zu interpretieren ist. Dieses Motiv ist doppelt konnotiert, ges.-polit. wie priv.-öffentlich. Das Prinzip des Dialoges umfasst inhaltlich wie formal die versch. Werkgruppen. Die Begriffspaare wie Offenheit und Geschlossenheit, Schwere und Leichtigkeit, Transparenz und Dichte, Struktur und Hülle, Abhängigkeit und Autonomie, durchlässig und hermetisch ergeben eine Verflechtung der einzelnen Werkphasen, die auf den ersten Blick sehr divergent und eigenwillig erscheinen. Gibt G. in frühen Arbeiten mit den Titeln noch subtile Hinweise auf Privates (Meister Gerhard, 1990), so ist ihre Publ. "Skizzen für einen Spielfilm" (Bremen 1993) als Autobiographie zu lesen. Diesem Prinzip bleibt G. treu, so lassen sich die Titel der Hochhäuser von 2000 wie Kai und Lawrence mit den Namen ihrer Künstlerfreunde Althoff und Weiner ergänzen. Die Ausst.-Titel Jeder braucht mindestens ein Fenster (1993 Chicago), Sie sind mein Glück (2000 Braunschweig), Urlaub (2000 Frankfurt am Main, KV) und Hier und Jetzt zufrieden sein (2001 Köln) sind ein weiteres Angebot an die Interpretation. 2007 Repräsentantin im Dt. Pavillon auf der Bienn. in Venedig.

WORKS

Baden-Baden, Slg Frieder Burda. Berlin, Bundes-KS. - Flick Coll., Hamburger Bahnhof: 11 x Beton auf Stahlrohrgestell, 1989; New Building for Berlin, Glas, Klebeband, Klebstoff, 2001; Science fiction - Hier und Jetzt zufrieden sein, Holz, Spiegelglas, Tintenstrahldruck auf Papier, 2001 (mit Wolfgang Tillmans). - Slg Hoffmann. - NG: Rotes Ellipsoid, Lack, Kunstharzfarbe auf Holz, 1977. Dijon, Le Consortium: Fenster, Beton auf Stahlrohrgestell, 1990. Dunkerque, FRAC. Eindhoven, Sted. Van Abbe-Mus.: Feuervogel, rot-grün-gelb-oranges Hyperbolo, Lack auf Holz, 1981. Gent, Mus. van Hedendaagse Kunst: Passage, 1990. Grenoble, Mus. de Grenoble: Hall, Beton auf Stahlrohrgestell, 1987. Hamburg, KH: H M G, Beton auf Stahlrohrgestell, 1987. Kanazawa, 21st Century MCA. Kiel, Kunstbesitz der Landeshauptstadt. - StG im Sophienhof: Brunnen, Beton auf Stahlrohrgestell, 1986. Köln, Mus. Ludwig. Los Angeles, MCA: Kinderschirm, Plastik, Metall, Holz, 2004. Mannheim, SKH: Yamasaki, Gips und Holz bemalt, 1985. München, Lenbachhaus. Pittsburgh/Pa., Carnegie Mus. of Art: Empire Vampire III, 1, Metall, Lack, Glas, Spiegelfolie, Plastik, Stein, Holz, 2004. Nürnberg, KH: Fenster, Beton auf Stahlrohrgestell, 1990. Otterlo, RM Kröller-Müller: Staffelei, Lack auf Holz, 1983. Rotterdam, BvB. Stuttgart, SG: Grüngraues offenes Ellipsoid, Lack auf Holz, 1977. Tokio, Mori Art: Rose, Stahl, Aluminium, Lack, 1993. Wien, EA-Generali Found.: Zwei Frauen im Gefecht, Video, 1974; Lampe, Kunstharz, armiert, Leuchtstoffröhren, Stahlgestell, 1996. Winterthur, KM: Bühne, Beton auf Stahlrohrgestell, 1988. - Arbeiten im öff. Raum: Baden-Baden, Villa Schriever: Rose, Edelstahl, Aluminium, Lack, 1993. Bielefeld, Willy-Brandt-Platz: Spiegel, Stahl, graviniert, 1992. Deurle, Mus. Dhondt-Dhaenens: Fenster, polierter Stahl, 1998. Leipzig, Neue Messe: Rose, Edelstahl, Aluminium, Lack, 1992/97. München, Arnulfstraße: X, Stahlbeton, 1994. Münster, Univ.-Bibl.: ABC, Beton, Stahl, 1987.

EXHIBITIONS

Solo exhibitions:

seit 1976, u.a. 1983 Bremen, KH (K) / München: 1986 Gal. Fred Jahn (K); 2006 Lenbachhaus: Empire Vampire / Köln: 1987, 1996 (mit Joseph Zehrer, K);2005 Gal. Daniel Buchholz; 2001 Mus. Ludwig: Science Fiction - Hier und Jetzt zufrieden sein (mit Wolfgang Tillmans, K); 2005 Gal. Daniel Buchholz: Kinder filmen / 1987 Rom, Gall. Pieroni (mit Gerhard Richter, K) / 1988 Bonn, Rhein. LM (K) / 1989 Winterthur, KM (K); Rotterdam, BvB (K) / 1992 Chicago, The Renaiss. Soc.: Jeder braucht mindestens ein Fenster (K) / 1996 Wien, EA-Generali Found.: Met Life (K) / 1999 Leeuwarden, Fries Mus.: Liebe als Wissen / 2000 Braunschweig, KV: Sie sind mein Glück (K) / Frankfurt am Main: 2000 KV: Urlaub (K); 2015 MMK / New York: 2000 AC Project ROOM: Fuck the Bauhaus - New Buildings for New York; 2006 Gall. David Zwirner: New Work; 2013-14 MoMA (Retr., Wander-Ausst., K) / Berlin: 2002 Skulpt.-Projekt Gal. Meerrettich: Haare wachsen wie sie wollen; 2023 Neue NG (K) / 2002 Mönchengladbach, Mus. Abteiberg (K) / 2003 Zürich, KH (K mit Ausst.-Verz., Bibliogr.) / 2004 London, Gal. Hauser und Wirth: Wasserspeier und Angels / 2006 Chicago, The Saatchi Gall.; Wien, Wiener Secession (K); Innsbruck, Gal. im Taxis-Pal. (K) / 2007-08 Dresden, SKS. -

 

Group exhibitions:

2010; '25 São Paulo: Bien. / 2022 Bonn, Bundes-KH: Das Gehirn in Kunst & Wiss. (K) / 2025 Wien, Albertina Modern: Remix (K) / 2025 Neuss, Langen Found.: Slg Ringier (K).

 

SOURCES

Other encyclopedias:

Künstler. Krit. Lex. der Gegenwartskunst, M. 1990; L.C. und K.Hillstrom (Ed.), Contemp. women artists, Detroit u.a. 1999

 

Printed sources:

J-P. Bordaz, Parkett (Z.) 1992(31)6-10; A.Haase, Kunstforum internat. 1992(119)206-218; I.Graw, Texte zur Kunst 4:1994(13)43-57; D.Bussel, Afterall 2000(2)39-42; A.Wege, in: Women artists, ed. U.Grosenick, Köln u.a. 2001, 150-155; J.Hoffmann, Kunstforum internat. 2002(158)367 s.; J.Heiser, Parkett (Z.) 2003(69)62-73; P.M. Lee, ibid., 74-85; I.Graw, Die bessere Hälfte, Köln 2003, 211-223; C.Lorch, Frankfurter Allg. Ztg v. 22.8.2006; M.Vissault, Cremers Haufen. Alltag, Prozesse, Handlungen. Kunst der 60er Jahre und heute (K Münster), Bielefeld 2004; G.Jansen/P.Weibel (Ed.), Faster! Bigger! Better! Signetwerke der Slgn im ZKM Mus. für Neue Kunst (K Karlsruhe), Köln 2006; J.Collins, Sculpt. today, Lo./N.Y. 2007; B.Franzen u.a. (Ed.), Skulpt.-Projekte Münster (K), Köln 2007; H.Kersting (Bearb.), Kunst der Gegenwart, 1960 bis 2007 (K StM Abteiberg), Mönchengladbach 2007; KölnSkulptur 4 (K Skulpt.-Park), Köln 2007; Zeitblick. Ankäufe der Slg Zeitgen. Kunst der Bundesrepublik Deutschland 1998-2008 (K Berlin), Köln 2008; elles@centrepompidou. Artistes femmes dans la coll. du MNAM, Centre de création industrielle (K), P. 2009 K.König, I.G. Sesam, öffne dich! (K London/Köln), Köln 2009; M.Seidel, Kunstforum Internat. 281:2022(Mai-Juni)264-266; P.C. Scorzin, ibid. 291:2023(Sept.-Okt.)208-211; J.Restorff, ibid. 304:2025(Juli/Aug.)218-220.

 

Online sources:

Dict. universel des Créatrices, 2023; David Zwirner