Publicly available

Walker, Kara

Born
Stockton (California), 26 November 1969
Country
United States of America
Gender
female
GND-ID
Name Variations
Walker, Kara Elizabeth; Walker, Kara E.
Occupations
Master Draughtsman; Silhouette Cutter; Painter; Installation Artist; Video Artist; Mixed-Media Artist
Places of Activity
New York
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By
Last edited
17.11.2025
Published in
AKL CXIV, 2022, 425

VITA

Walker, Kara (Kara Elizabeth; Kara E.), US-amer. Mixed-Media-Künstlerin, *26.11.1969 Stockton/Cal., lebt in New York.

LIFE AND WORK

W. lebte ab ihrem 14. Lebensjahr in Atlanta/Ga. Stud.: 1991 Bachelor of Arts, Atlanta College of Art; 1994 Master of Arts, RISD. W.s Werk, das für seine schwarzen und weißen Scherenschnitte aus Papier bek. ist, mit denen sie erstmals 1994 weitreichende Aufmerksamkeit erregte, beschäftigt sich mit der Art und Weise, wie die Gesch. von Sklaverei und Unterdrückung in der heutigen Kultur erinnert und erneut sich vorgestellt wird. Ausz.: u.a. 1997 John D. and Catherine T. MacArthur Found. Achievement Award ("Genius Grant"); 2008 United States Artists Eileen Harris Norton Fellowship. 2012 Aufnahme in die Amer. Acad. of Arts and Letters. Lehrtätigkeit: ab 2001 Prof. School of the Arts, Columbia Univ.; ab 2015 Tepper Chair, Mason Gross School of the Arts, Rutgers University. W. bedient sich so unterschiedlicher Quellen wie Sklavenerzählungen, Liebesromane, Hollywoodfilme, Fernsehen und Pornografie und arbeitet mit einer großen Bandbreite von Medien wie Scherenschnitten, Arbeiten auf Papier, Text, Video, Film, Multimedia, Installation, Performance, Skulptur, Kunst im öff. Raum und Theater. So schafft sie ästhetische Erfahrungen, welche die Betrachter dazu auffordern, dem weiterhin gegenwärtigen Rassismus im täglichen Leben ins Auge zu sehen und die die Positionen untersuchen, die race und Sexualität in der zeitgen. kollektiven Vorstellung innehaben. Dafür stellt sie Charaktere dar, die sich mit einer Vielzahl von hochbrisanten Aktivitäten beschäftigen, die um Gewalt, Sexualität und Körperfunktionen kreisen. Bei W.s erster Scherenschnittinstallation Gone, An Historical Romance of Civil War As it Occurred Between the Dusky Thighs of Young Negress and Her Heart (1994, New York, Drawing Center) z.B. werden die Betrachter mit einer Reihe von Charakteren vertraut gemacht, die auf bek. Geschichten wie etwa Margret Mitchells Roman Gone with the Wind (1936) anzuspielen scheinen, die jedoch ein verwirrendes und verstörendes Verhalten zeigen, das über diese einfachen Referenzen hinausgeht. Zu diesen Figuren gehört ein junges Paar, bei dem es sich um eine Southern Belle und ihren Beau handeln könnte, die sich bei Vollmond unter einem moosbewachsenen Baum umwerben. Doch unter dem Rock der Frau ist jemand versteckt, und der Mann ist im Begriff, ein junges Mädchen aufspießen, das wiederum dabei ist, einen toten Vogel zu essen. Häufig werden in W.s Werk den Betrachtern gerade die Hinweise, die solche unangenehmen Situationen erträglicher werden lassen könnten, vorenthalten, da W. wenig Einblick in die Motive, Absichten und das Innenleben ihrer Charaktere bietet. Das Ergebnis ist eine verblüffende Konfrontation mit einer schonungslosen, provokativen Bildsprache, die in klarem Zusammenhang mit dem brutalen Erbe der Sklaverei in der heutigen Zeit steht, jedoch keine Behauptungen - beziehungsweise mehrere widersprüchliche Behauptungen - über die Absicht der Künstlerin und die Verantwortung des Betrachters aufstellt. Was die Erfahrung noch komplizierter macht, ist W.s bewusster Einsatz von Schönheit, um Betrachter in ihr Werk hineinzuziehen, was dem Prozess, die darin enthaltenen, zutiefst tragischen und grausamen Geschichten zu interpretieren, eine zusätzliche Ebene der Komplexität hinzufügt. Die Betrachter bleiben mit der Frage zurück, was genau W. mit Stereotypen macht: sie aufzusprengen und durch Spott zu entkräften oder sie zu reanimieren und wieder in den Vorstellungen in Umlauf zu bringen. Die konfrontative Natur von W.s Arbeit hat sowohl Kritik als auch Lob hervorgerufen. 1997 - in dem Jahr, als W. mit dem Stip. der MacArthur Found. ausgezeichnet wurde - startete ihre Künstlerkollegin Betye Irene Saar eine Briefkampagne, in der sie bezüglich des Inhalts und der Auswirkungen von W.s Kunst sowie wegen der großen Aufmerksamkeit, die ihr zukam, Bedenken äußerte. 2009, also nachdem W. eine etablierte Größe in der Kunstwelt geworden war, veröffentlichte die Künstlerin Howardena Pindell Kara Walker - No, Kara Walker - Yes, Kara Walker -?, ein Buch von Kritiken, in dem eine Reihe von Reaktionen auf W.s Werk zusammengetragen waren, darunter eine unverhältnismäßige Zahl an negativen Beurteilungen. W.s Arbeit wurde auch immer wieder öff. zensiert, erstmals 1999, als das Detroit Inst. of Art die fünfteilige Installation A Means to an End: A Shadow Drama in Five Acts (1995) aufgrund der darin enthaltenen umstrittenen Darst. - eine schwarze Frau stillt einen zu großen weißen Jungen und ein weißer Mann erwürgt ein nacktes schwarzes Mädchen - aus einer Gruppenausstellung ausschloss. Dann erneut 2012, als die Newark Public Libr. auf Beschwerden reagierte, indem sie The moral arc of history ideally bends towards justice but just as soon as not curves back around toward barbarism, sadism, and unrestrained chaos (2010), eine großformatige Arbeit, die als Leihgabe in der Bibl. hing und Szenen von Lynchmord und interracial sexueller Gewalt zeigt, zunächst ab- und dann wieder aufdeckte. Währenddessen setzte sich W.s beruflicher Aufstieg weiter fort, sie hatte zahlr. Einzelausstellungen und Installationen in den Vereinigten Staaten sowie im Ausland. 2014 erreichte W. mit ihrer ersten Skulptur im öff. Raum, A Subtlety, or the Marvelous Sugar Baby, eine neue Ebene der Sichtbarkeit. Hauptbestandteil dieses Denkmals für die Opfer der weltweiten Zuckerindustrie, das in einem stillgelegten, ehem. von der Domino Sugar Factory betriebenen Lagergebäude installiert wurde, war eine 21 Meter lange und fast elf Meter hohe nackte Frauenfigur aus Zucker. Ein Palimpsest von Karikaturen, erinnern die Gesichtszüge und das Kopftuch der Frau an eine stereotype Mammy. Ihre kauernde Körperhaltung ähnelt einer Sphinx und ihre sorgfältig eingerahmten Brüste und Genitalien beschwören Pornografie herauf. Der Titel ist ebenso vielschichtig, er deutet auf kulinarische "Subtilitäten" wie etwa aufwendige Zuckerskulpturen hin, verweist auf die Auszehrung des Körpers durch Zwangsarbeit und Sexualisierung, und gibt eine Prise von W.s befremdlichem, trockenen Humor zum Besten, da die Arbeit alles andere als subtil erscheint. A Subtlety stellte für W. einen kreativen Sprung in versch. neue Medien dar, zu denen Monumentalskulpturen, Kunst im öff. Raum und ephemere Kunst gehören, während sich eine Reihe von Themen herauskristallisierte, die von Beginn an Teil ihres künstlerischen Schaffens waren: die Verwendung von Farbe und Form zur Problematisierung von racialized identity, das Verwischen der Grenzen zw. Gesch. und Fantasie sowie die Einbeziehung des Betrachters in ihr Werk, von denen alle ganz unterschiedliche Reaktionen bei den Betrachtern hervorriefen. Während die Interpretationen von und die Herangehensweisen an W.s Werk mit den Jahren stark zugenommen haben, gibt es einen Punkt, in dem sich die meisten Autoren einig zu sein scheinen: der Fähigkeit ihres Werks, einen Zustand äußerst unangenehmer Ambivalenz zu schaffen und aufrechtzuerhalten, der sich totalisierender Interpretationen widersetzt, während es gleichzeitig unzählige persönliche Reaktionen hervorruft. Über das Enthüllen der Unnachgiebigkeit von Rassismus und dem Generieren der Erzeugung von Unterschieden hinaus kann diese Ambivalenz sowohl zur Gewissenserforschung als auch zur Quellensuche anregen: W.s Arbeit bringt Bedeutungs- und Metapherebenen hervor, die kult. Quellen und ges. Wechselwirkungen miteinander verbinden und so Bedeutungsgeflechte offenbaren, die vorher nicht sichtbar waren.

WORKS

Baltimore/Md., MoA. Chicago, Art Inst. Frankfurt am Main, Slg Dt. Bank. London, BM. - Tate. Los Angeles, Broad Mus. New York, Brooklyn Mus. - Guggenheim. - Metrop. Mus. Paris, Centre Pompidou. Rom, MAXXI. San Francisco/Cal., MMA. Washington/D.C., Smithsonian Amer. AM. - Videos: u.a. Testimony: Narrative of a Negress Burdened by Good Intentions, 2004; 8 Possible Beginnings or: The Creation of African-America, a Moving Picture by K.E. W., 2005; …calling to me from the angry surface of some grey and threatening sea. I was transported, 2007; Fall Frum Grace, Miss Pipi's Blue Tale, 2011.

SELF-TESTIMONIES

Freedom, A Fable: A Curious Interpretation of the Wit of a Negress in Troubled Times, Santa Monica 1997; W. (Ed.), Ruffneck Constructivists, Ph. 2014; MCMXCIX, Am. 2017.

EXHIBITIONS

Solo exhibitions:

Chicago: 1997 Renaiss. Soc. (Wander-Ausst.; K); 2013 Art Inst. / 1999 Stockholm, Gall. Index / 2003 Rome, Centro Naz. per le Arti Contemp. / New York: 2003 Studio Mus. in Harlem; 2006 Metrop. Mus. (K); 2020 Sikkema Jenkins & Co. / 2007 Minneapolis (Minn.), Walker AC (Wander-Ausst.; K) / London: 2013-14 Camden AC (Wander-Ausst.); 2015 Victoria Miro; 2019 Sprüth Magers; Tate Modern / 2016 Cleveland (Ohio), MoA (K) / 2021 Basel, KM. -

 

Group exhibitions:

New York: 1994 Drawing Center: Selections; 1997 Whitney: Bienn.; 1998 Wooster Gardens/Brent Sikkema: Pierre Molinier, Kay Rosen, K.W.; 2002 Guggenheim: Moving Pictures; 2007 Studio Mus. in Harlem: Silhouette: Coll. in Context; MoMA: 2009-10 Compass in Hand; 2015-16 Scenes from a New Heritage; 2022-23 Fotografiska: Black Venus (Wander-Ausst.) / 1995 Atlanta, Nexus Contemp. AC: Landscapes, Borders, Boundaries / 1996 Boston, Inst. of Contemp. Art: New Hist. / 1999 Houston (Tex.), Contemp. AM: Other narratives (K) / 2000 Valencia, Espai d'Art Contemp. de Castelló: El poder de narrar: Cartografiant històries / 2002 São Paulo: Bien. / 2003 Pittsburgh, Carnegie Mellon Univ.: Comic Release: Negotiating Identity for a New Generation (Wander-Ausst.; K) / 2005 Chicago, MCA: Trials and Terrors / 2006 Rotterdam, BvB: Dark / 2007, '15 Venedig: Bienn. / 2008 Den Haag, Den Haag Sculptuur: Freedom: Amer. Sculpt. / 2010 Liverpool, Tate: Afro Modern / 2012 Los Angeles, MCA: Blues for Smoke (Wander-Ausst.; K) / 2018 New Orleans: Prospect; Dakar: Dak'Art / London: 2018-19 BM: New acquisitions; 2022 Hayward Gall.: In the Black Fantastic; 2024 RA: Entangled Pasts, 1768 - now / 2021 Köln, Rautenstrauch-Joest-Mus.: RESIST!; Richmond, Virginia MFA: The dirty south (K Wander-Ausst.) / 2022 Washington (D.C.), NG: Afro-Atlantic Histories (Wander-Ausst.; K) / 2022-23 Wolfsburg, KM: Empowerment (K) / 2025 Bonn, KM: From Dawn Till Dusk (K).

 

SOURCES

Printed sources:

K.W.: Pictures from Another Time (K Univ. of Michigan MoA), Ann Arbor, 2002; K.W.: Narratives of a Negress (K Wander-Ausst.), C., Mass. 2003; G.DuBois Shaw, Seeing the Unspeakable: The Art of K.W., Durham 2004; D.English, How to See a Work of Art in Total Darkness, C., Mass. 2007; K.W.: The Black Road (K Centro de Arte Contemp.), Malaga 2008; K.W.: Bureau of Refugees (K New York), Mi./N.Y. 2008; K.W.: A Negress of Noteworthy Talent (K Fond. Merz), T. 2011; K.W.: Dust Jackets for the Niggerati (K Sikkema Jenkins & Co.), N.Y. 2013; K.W.: Norma (K London), Manchester 2015; R.Peabody, Consuming Stories: K.W. and the Imagining of Amer. Race, Oakland 2016; K.W.: FIGA (K Deste Found.), At. 2019; A.Mbuti, Black artists now, M. 2022; M.Stoeber, Kunstforum Internat. 285:2022(Okt.-Dez.)247-249; J.Davis u.a., Kunst der Vereinigten Staaten 1750-2000, B. 2024; R.Ermen, Kunstforum Internat. 305:2025(Sept./Okt.)232-233.

 

Online sources:

Website W.; Dict. universel des Créatrices, 2024