Publicly available

Fingov, Georgi

Born
Kalofer, 13 May 1874
Died
Sofia, 10 January 1944
Country
Bulgaria
Gender
male
Name Variations
Fingov, Georgi Dimitrov
Occupations
Architect
Places of Activity
Sofia, Plovdiv
View Map
Member of
By
Last edited
22.08.2024
Published in
AKL XL, 2004, 121

VITA

Fingov, Georgi (Georgi Dimitrov), bulg. Architekt, *13.5.1874 Kalofer, †10.1.1944 (während des Bombardements) Sofia. Vater von Dimităr F.,

LIFE AND WORK

Sohn des gleichnamigen hochgebildeten Lehrers, Schriftstellers und Übersetzers. Unter F.s Lehrern am Knabengymnasium in Plovdiv (1888-92) waren Andrej Protič (später bek. Kunsthistoriker), Anton Mitov und Ivan Angelov (später bek. Maler und Prof. an der ABK Sofia) sowie der Tscheche Anton Bezenšek (Begründer der Stenographie in Bulgarien). Als brillanter Mathematiker und Zeichner erhielt F. von Ivan Nesterov, Absolvent der TH Wien, den Rat, dort Archit. zu studieren. Als Archit.-Student in Wien (1892-97) knüpfte F. dauerhafte freundschaftl. Beziehungen zu den künftigen Architekten Jurdan Milanov, Nikola Jurukov, Rudolf Stummer von Traunfels, Oskar Laske und Karl Limbach (mit dem er lebenslang korrespondierte). Nahm 1897 an einer Studienreise nach Italien unter Ltg von Prof. Karl König teil, arbeitete in dessen Archit.-Büro (entwarf nach eig. Erinnerungen Details für die Kuppel des Philipphofes in Wien). 1897-98 Stud.-Abschluß, gleichzeitig Ass. am Lehrstuhl für antike Archit. unter Prof. Karl Mayreder und Arbeit in dessen Archit.-Büro (Details für die Karlskirche in Wien und eine Villa in Hinterbrühl). In dem ebenfalls von Mayreder geleiteten Stadtregulierungsbüro beim Wiener Magistrat erarbeitete F. eine Perspektivansicht des Regulierungsplanes für den Platz vor der TH (Ressel-Park) und die Karlskirche (mit überdachtem Fluß Wien; 1897 auf der Milleniums-Ausst. in Budapest gezeigt). Kehrte nach dem Stud.-Abschluß 1898 nach Bulgarien zurück, erhielt die offizielle Anerkennung des Dipl. mit dem Recht auf Niederlassung als priv. praktizierender Architekt. Arbeitete 1898-1901 in Plovdiv zus. mit dem Architekten Vălko Vălkovič. Leistete nach dessen Tod 1901 den Militärdienst, arbeitete allein weiter. 1899 Mitgl. des Red.-Kollegiums der Zs. der Bulg. Ing.- und Architekten-Ges. (Biad), ab April 1901 deren reguläres Mitglied. Zog E. 1901 auf Einladung des Bürgermeisters von Sofia in die Hauptstadt, um die Archit.-Abt. des Stadtrates zu leiten. Die Verpflichtungen eines Beamten sagten ihm jedoch nicht zu, so daß er 1902 zus. mit seinem Landsmann Kiro Maričkov ein priv. Archit.-Büro gründete, dessen secessionist. Entwürfe bis 1910 oft imitiert wurden. Beide nahmen 1903 an der Gründung der Ges. für zeitgen. Kunst "Săvremenno izkustvo" und an deren erster Ausst. teil. Außerdem Beteiligung an zahlr. Wettb. (u.a. zur Methodistenkirche von Dr. Albert Long, Sofia, 1922), oft preisgekrönt und realisiert. F. übernahm 1903 von Friedrich Grünanger den Posten des Verantwortlichen für den Bau und Erhalt der Schlösser im Minist. für öff. Bauten und Verkehrswege (Mosps). Hielt sich nach seiner Heirat im Dez. 1905 bis Febr. 1906 in Wien und Dresden auf. Verließ 1906 das Mosps und führte die Bauaufsicht beim 3. Knabengymnasium "William Gladstone" in der Pirotska ul. 58 in Sofia (1. Wettb.-Preis mit K.Maričkov, 1903), entwarf gleichzeitig sein eig. Haus (Šipka ul. 38) in ausgeprägtem Secessionsstil (voll. 1907, 1914 wegen finanzieller Probleme verkauft). Ab 1.3.1907 Vertreter der 1. Böhm.-Mähr. Mechan. Fabrik Prag (Hersteller von Wasser- und Dampfheizungen) in Bulgarien. Erhielt im gleichen Jahr mit K.Maričkov einen Geldpreis im internat. Wettb. zum Justiz-Pal. in Sofia. 1910 zus. mit Nikola Jurukov Reise nach Italien, Österreich und Deutschland zum Studium der dortigen Steinerzeugnisproduktion. Gründete 1911 mit N.Jurukov und Dimo Ničev ein Archit.-Büro, das nach einer Ausschreibung den Auftrag über acht Grundschulen in Sofia erhielt (Bauaufsicht bis E. 1912). Gleichzeitig Mitgl. der Komm. des Minist. für öff. Bauten, Straßen und Stadtentwicklung (Mospb) zur Auswahl von Grundstücken für Reg.-Bauten in der Hauptstadt. 1912-18 Teiln. an den Balkankriegen und am 1. WK. Gründete in der kurzen Friedenszeit 1913 zus. mit dem Schweizer Architekten Heinrich Meyer das "Techn. Büro G.Fingov & Co." zur Vertretung versch. Firmen in Sofia. 1919 mit D.Ničev Gründung eines Archit.-Büros, in das später auch der Architekt Georgi Apostolov eintrat und dort bis 1926 blieb (erhielten 1920 einen Geldpreis für den Wettb.-Entwurf zum Haus der Biad und der Ges. bulg. Architekten [Dba] in Sofia, ul. Rakovski 108, ab 1930 Mitgl. des Baukomitees). Wurde im Dez. 1920 Teilhaber der Aktien-Ges. Podem, 1923-24 Mitgl. des Aufsichtsrates. Am 16.4.1925 während eines Bombenanschlags auf die Hl.König-Kathedrale in Sofia verwundet. 1927 zus. mit D.Ničev Geldpreis für den Wettb.-Entwurf zum Krankenhaus der ges. Versicherung. Bürgte (mit D.Ničev) 1928 für einen Bankkredit an den Auftragnehmer N.Šurupov, der nach dem Erdbeben in Südostbulgarien bankrott ging. Verarmt und hoch verschuldet, trennten sich F. und Ničev. Bereits 1927 verließ F. die Biad und trat der neu gegr. Ges. bulg. Architekten (Dba) bei, ab 1928 Mitgl. von deren Schiedsgericht. 1931 Zusammenarbeit mit seinem Sohn, dem er 1938-40 assistierte. Bedrückt durch die Schulden und immer weniger Aufträge, verfiel F. in Depressionen und zerstörte 1943 sein gesamtes persönl. Archiv. - F. ist einer der bedeutendsten Vertreter der bulg. Archit. im frühen 20.Jh. Er war ein außergewöhnl. produktiver Autor von typolog. wie stilist. unterschiedl. Gebäuden. Die meisten seiner Entwürfe zus. mit K.Maričkov sowie mit N.Jurukov und D.Ničev wurden zu Musterbeispielen des bulg. Secessionsstils. Die in den 1920er Jahren entstandenen gemeinsamen Arbeiten mit Ničev und G.Apostolov wurden schrittweise rationalistischer in Entwurf und Raum-Komp. sowie lakon. Interieur- und Fassadendekoration im Geist des Art Déco.

WORKS

Bistrica b. Borovec: kgl. Jagdhütte, 1903-06. Burgas: Zoll- und Hafenbehörde, 1905 (mit K.Maričkov). Evksinograd b. Varna, Demetriuskloster: Rest., 1904-05. Kazanlăk: Haus für P.Šipkov, 1901-02. Kričim: kgl. Jagdvilla, 1903-06. Plovdiv, Kath. frz. St.Josefskolleg: Mädchenschlafsaal, 1898. - Geschäftshaus Chadžiopolu; Haus für Dr. Rimalovskij, beide 1901 (alle mit V.Vălkovič). - Sachat tepe: Ev. Kirche. - Bäckerei Papadopolu. - Häuser für N. Prančov und Ch.Genadiev, alles 1901. Sitnjakovo/Rilagebirge: kgl. Jagdvilla, 1903-06. Sofia, mit K.Maričkov: bul. Dondukov 83: Haus für L. Funk; Klinik für Dr.Tričkov, beide 1903. - ul. Strumica 4: Haus für D.Delidelev, 1903. - ul. W.Gladston 25-27: Haus für S.Săbev, 1904. - bul. Al.Stambolijski (ehem. ul. Klementina 28): Haus für Iv. Conev, 1904. - ul. San Stefano 31: Haus für V.Drenkova, 1905. - ul. Šipka 23: Haus für K.Bot'ov, 1905. - ul. Rakovski 122/ul. Chan Krum: Haus für N.Ivanov, 1905 (jetzt mit 3 zusätzl. Etagen). - ul. A.Kănčev 3: Haus für die Brüder Ivanov, 1905. - bul. E.Georgiev 16: Haus für D.Gančev, 1905. - ul. Slavjanska 28: Haus für S.Kirkovič, 1905-07. - ul. Rakovski 90: Haus für Chr.Savov, 1906. - ul. Bratja Miladinovi 9: Haus für D.Chaimov, 1906. - ul. Pirotska 78: 18. Grundschule, 1907. - ul. Lavele 30: Mädchenwirtschaftsschule "Maria Louisa", 1907. - ul. Solunska 14/ul. Chr. Belčev, Amer. Kindergarten: Rekonstr., 1907. - ul. Š.Pet'ofi 2: Krankenhaus des Roten Kreuzes (jetzt Teil des Medizin. Pirogov-Inst.), 1907. - ul. Krakra 14, Haus S.Paprikov (entworfen von Karl Heinrich, 1894): Aufstockung um 2 Etagen, 1907. - bul. Al.Stambolijski (ehem. ul. Klementina)/ul. Knjaz Boris I: Haus für V.Lazarov, 1907. - ul. Šesti Septemvri 21: Zentrale der bulg. Eisenbahn, 1908. - ul. Oborište 10: Haus für E.Gorgas, 1908. - ul. G.Wašington 13: Haus für D.Batalov, 1908. - ul. Marin Drinov 36: Haus für F. und Maričkov, 1909. - ul. Šipka 44: Haus für Smedovski, 1909. - bul. K.Gotvald 54: Haus für A.Momarčev, 1909. - ul. Chadži Dimităr: Haus für G.Băčvarov, 1909. - ul. M.Drinov 33: Haus für K.Ticholov, 1911. - mit D.Ničev, N.Jurukov: 8 Grundschulen, 1911-12: ul. Oborište 42; ul. Šipka 40; ul. Kaliakra 2/bul. Bălgarija; ul. Klokotnica 8.; bul. Christo Botev 117; ul. Pozitano/ul. M. Balabanov 2; ul. Knjaz Boris I, 27; ul. Šesti Septemvri 16. - bul. Car Osvoboditel 6/ul. Benkovski 3: Haus der Beamten-Rückversicherungs-Ges., 1924-25 (1. Wettb.-Preis 1912; jetzt Staatl. Versicherung). - ul. Benkovski 2/ul. Slavjanska: Industrie- und Handelskammer, 1920-24 (1. Wettb.-Preis 1912). - ul. Moskovska 19/ul. Benkovski: Sofia Bank, 1913 (heute DSK Bank). - ul. Lege 1: Haus für den Geschäftsmann Konfino mit Buchladen, 1914. - ul. Alabin 39: Haus für B.Konfino, 1914. - mit D.Ničev, G.Apostolov: pl. Garibaldi 2: Bulg. Handelsbank, 1920-25. - ul. Car Šišman 12: Haus für G. Gubidelnikova, 1921 (nur mit Apostolov). - ul. Pozitano 3/ul. Alabin: Genossenschaftsmietshaus Tărgovski Dom, 1923. - ul. Rakovski/bul. Car Osvoboditel: Restaurant für Balabanov, 1923. - ul. Iv.Vazov 30: Haus für den Geschäftsmann Konfino, 1923. - ul. Alabin 58: Hotel, 1924-25 (jetzt TS Bank). - ul. Eksarch Josif 31 (ehem. Banski pl.): Haus für R.Džerasi mit Apotheke, 1924-25. - bul. Dondukov 39, Prager Kreditbank: Aufstockung um 2 Etagen, 1925-26. - bul. Dondukov 21: Österr. Versicherungs-Ges. Phoenix, 1925-26. - bul. Dondukov 57: Kaufhaus S.Patak, 1925-26. - ul. Veslec 26: Genossenschaftswohnhaus Săglasie, 1925-26. - ul. Krakra 15: Wohnhaus für die Angestellten der Zentralen Bulg. Genossenschaftsbank, 1925-26. - ul. Šipka 25: Haus für G.Atanasov, 1925-26. - ul. Alabin 54: Dt. Versicherungs-Ges. Adler (Orel), 1926 (vermutl. Bauaufsicht durch G.Apostolov bis 1928). - mit D.Ničev: bul. Dondukov 55: Napredăk Bank, 1921. - ul. Pelo Pelovski 63: Ev. Kirche, 1922. - ul. Lege 17: Frz.-Bulg. Bank, 1922. - ul. Aksakov 14: Genossenschaftswohnhaus Sila, 1922. - Zentrale Bulg. Genossenschaftsbank: Aufstockung um 2 Etagen, bis 1928 (1. Wettb.-Preis für die Entwürfe 1925). - ul. Kiril i Metodij 63: Haus für T.Conev, St. 1925-28. - allein: Dondukov bul. 8: Druckerei der Versicherungs-Ges. Balkan, 1911. - ul. Otec Paisij 43: Haus für A.Čal'ovski, 1914. - ul. Aksakov 15: Haus für A.Tinterov, 1915. - ul. Šipka 7: Erweiterung des Hauses von G.Atanasov, 1919. - ul. Oborište/Al. Konstantinov: Haus für K.Iv.Rusev, 1919. - Vitoša bul. 1: Miets- und Bürohaus Tărgovski dom, 1920-24. - ul. Denkolgu 21: Haus für Dr. G.Čitakov, 1924 (mit D.Ivanov, Bauunternehmer Ja.Urumov; eines der ersten genossenschaftl. Mehrfamilienwohnhäuser in Sofia). - ul. Graf Ignatiev 52: eig. Haus, 1924-25. - ul. Serdika 6/ul. Triadica, Hotel Ljulin (von N.Torbov, 1912): Aufstockung um eine Etage, 1925. ul. Serdika 1: mehretagiges Bürohaus, 1925-28. - ul. Verila 1: Klinik für Dr.Sofroniev, 1929. - bul. Car Osvoboditel 12, Klinik von Dr.Slavčev: Aufstockung um eine Etage, 1930. - ul. Trapezica 30: Kaufhaus Levi, 1930. - ul. Pirotska 2/ul. G.Wašington: Kaufhaus Batalov, 1930. - ul. A.Zlatarov 15: Genossenschaftswohnhaus "Čepino" für G. Kiselinčev, 1931. - ul. Kiril i Metodij 47, Haus von T.Conev: Aufstockung um 2 Etagen, 1932. - ul. German 1: Haus für den Dekorationsmaler Charalambi Tačev, um 1935. Varna: Villen für Dr. M.Slavčev und Gen. Vujčev, beide 1915. Vrana b. Sofia: kgl. Sommerresidenz (Villa Nr 1), 1903-06.

SELF-TESTIMONIES

Po razširenie na zdanieto na bălgarskata centralna kooperativna banka v Sofija, in: Spisanie na Bălgarskoto inžereno-architektno družestvo 1930(21)452; Architekt Jurdan Milanov, in: Architekt 1931(10)1-2. Mojat život i dejnost. 1874-1938 (Auto-Biogr.; im Arch. von P.Iokimov, Sofia).

SOURCES

Other encyclopedias:

F.Czeike, Das große Groner Wien Lex., W. u.a. 1974; Enc. "Bălgarija", I, Sofija 1978; ÖBL IV, 21993. Addenda: M.Conev, Dejci na Bălgarskoto Inženerno-Architektno Družestvo, 1893-1949, Sofija 2001; EIIB III, 2006

 

Printed sources:

Spisanie na Bălgarskoto inženerno-architektno družestvo 1904(1-2)17-24; 1912(18)171; (24)217 s.; 1914(6-8)65; (37-39)299; 1930(5)96; 1932(16)244-246; Tărgovija i promišlenost v.13.11.1913; Architekt 1927(10)16 s.; 1928(6)14; 1932(5-6)119: Dăržaven vestnik 1936(54)82-88; Österreich in Gesch. und Lit. 1963(10)36 s.; M.Georgieva-Vezneva u.a., Predloženie za objavjavane na architekturni pametnici na kulturata v Sofija 1878-1944, Sofija 1977, 216, 224 (jeweils ohne Namen von F.), 253 (ohne Namen von F., Dat. falsch), 304 (Dat. und Architekt falsch), 306 (ohne Name von F., Dat. falsch), 310 (Dat. falsch), 314, 335, 368, 471 (ohne Name von F., Dat. falsch), 494; S.Kovačevski/P.Iokimov, in: Architekturata v Bălgarija 1878-1944, Sofija 1978, 211; Ja.Bankov, Izkustvo 1985(8)39-41; I.Avramov, Architektura 1985(6)32 s.; 1987(5-6)57 s.; (6/7)20 s.; V.Georgiev, Masonstvoto v Bălgarija, Sofija 1986, 130, 185-186, 211; L.Stoilova, in: Avstrijski architekturni vlijanija v Sofija (K), Sofija 1998; ead. u.a., Avstrijska architekturna škola v Bălgarija, 1999 (Ms. im Nat. Wiss.-Fonds Sofia); G.Minčeva, Sega v. 16.6.2002, 43; G.Doytchinov/C.Gantchev, Österr. Architekten in Bulgarien. 1878-1918, W. u.a. 2001 (WV); Wilhelmi, 2001

 

Archives:

Sofia, Zentrales StsA: Inv. 120, l. 1 / Veliko Tărnovo, Archit.-Mus., Inv. 18, l.1: WV.

 

Personal correspondence:

der Nachfahren F.s, Sofia