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Shonibare, Yinka

Born
London, 9 August 1962
Country
Great Britain, Nigeria
Gender
male
Name Variations
Shonibare, Yinka
Occupations
Painter; Installation Artist; Video Artist; Photographer; Master Draughtsman; Collagist; Object Artist
Places of Activity
Lagos, London
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By
Last edited
09.09.2025
Published in
AKL CIII, 2019, 374

VITA

Shonibare, Yinka, brit.-nigerianischer Installations-, Objekt- und Videokünstler, Fotograf, Maler, *9.8.1962 London, lebt ebd.

LIFE AND WORK

Stud.: 1984-89 Byam Shaw SchA, 1989-91 Goldsmiths College, Univ. of London, beide London. Als Sohn eines Anwalts und Nachfahre des Yoruba-Königs Kosoko wächst S. in Lagos, Nigeria, auf und kommt erst als junger Erwachsener zurück nach London. Mit 18 Jahren erkrankt er infolge einer Virusinfektion an der seltenen neurologischen Krankheit Transverse myelitis, als Langzeitfolge davon ist er halbseitig gelähmt. Das Goldsmiths College, an dem S. seinen Master of FA macht, ist die wichtigste und progressivste KSch Großbritanniens zu dieser Zeit und bringt viele der sog. Young Brit. Artists hervor. 1997 nimmt S. an der von Charles Saatchi organisierten RA-Ausst. Sensation teil; 2002 ist er auf der von Okwui Enwezor kuratierten documenta XI mit dem Tableau Gallantry and Criminal Conversation vertreten. 2004 ist er für den Turner-Prize nominiert und bekommt den Titel MBE (Member of the Order of the Brit. Empire) verliehen, den er fortan als offiziellen Teil seines Namens trägt. Zahlr. Ehrendoktorwürden und Preise folgen; 2008 erhält er eine erste große Retr. am MCA Sydney, die anschl. auch ans Brooklyn Mus. in New York und ans NM of African Art in Washington/D.C. reist. Wichtige öff. Aufträge sind die Werke Nelson's Ship in a Bottle (2009) für den vierten Sockel am Trafalgar Square und die Ser. Wind Sculpture für das NM of African Art in Washington (2013) sowie für den Central Park in New York (2017). 2019 erhält er den Titel CBE (Commander of the Order of the British Empire), ab diesem Zeitpunkt Teil seines Namens. - S. entwickelt seine künstlerische Sprache am Beispiel von feministischen Künstlerinnen wie Cindy Sherman, deren subversive Strategien er für seine eig. Situation als Schwarzer Künstler, der ständig stereotypischen Erwartungen ausgesetzt ist, fruchtbar nutzen kann. Bes. deutlich wird dies in der Fotoserie Diaries of a Victorian Dandy (1998), die in ihrer bildlichen Erzählstruktur an William Hogarths moralische Bilderfolgen (Modern moral subjects) erinnert und in der alles authentisch viktorianisch inszeniert ist. Mit Ausnahme der Tatsache, dass der Protagonist Schwarz ist. S. sagt dazu, dass er sich selbst in die viktorianische Zeit einschreibt, um soziale oder hist. Relationen umzukehren. Die kult. Zuschreibung von Kleidung und Stoffen spielt eine entscheidende Rolle in S.s Kunst. Schon in Double Dutch (1994), wörtlich "Kauderwelsch", malt er scheinbar authentische afrikanische Muster mit Acryl auf kleine quadratische Lw. vor einer rosa Wand. Zur selben Zeit beginnt er lebensgroße Figurengruppen aus Faserglas in "typisch afrikanischen" Stoffen und viktorianischen oder and. europ.-hist. Kleidungsschnitten als Tableaux Vivants zu arrangieren. Oftmals erscheinen die Figuren ohne Kopf, wodurch S. ein Bild der brit. und europ. Gesch. als geprägt von Klassenunterschieden, unterdrückter Libido und missionarischem Eifer zeichnet. Vergleiche dazu bilden die Werke Boy/Girl (1995), How Does a Girl Like You Get to Be a Girl Like You? (1995), Mr and Mrs Andrews Without Their Heads (1998), Dressing Down (1999), The Swing (after Fragonard) (2001), Henry James and Hendrik C. Andersen (2001), Gallantry and Criminal Conversation (2002), Scramble for Africa (2003). Doch obgleich das Thema der Werke S.s hist. Ursprungs ist oder aus dem Science-Fiction-Genre stammt, wie im Beispiel der Fam. stereotypischer Aliens in Dysfunctional Family (2001): Immer führen die batikbedruckten Stoffe zu einer visuellen Afrikanisierung, die aber - und das ist das Entscheidende - mit einer trügerischen kult. Zuschreibung verbunden ist. Eigtl. stammen die Wachsdruckstoffe, auch Dutch Wax genannt, nämlich aus Indonesien, von wo aus sie durch niederl. Kolonisatoren nach Europa importiert wurden. Im 19. Jh. produzieren Zentren der Industrialisierung wie Manchester diese farbigen Stoffe und finden im Zuge des Kolonialhandels einen Absatzmarkt an der westafrikanischen Goldküste. In vielen Teilen Afrikas wird Dutch Wax in der Folge Teil der einheimischen Mode, und im späten 20. Jh. gelten diese Stoffe dann auch in Europa und Nordamerika als typisch afrikanisch. Als S. in den 1980er Jahren zum Studieren nach London kommt, sind Wachsdruckstoffe ein wichtiger Teil der Afrozentrismus-Bewegung, die alles scheinbar authentisch Afrikanische auch kommerziell zelebriert. Der offensichtliche Zusammenhang zw. Konsum und Identitätsbildung ist bed. für die Kunstpraxis von S., der erkennt, dass kult. Essentialismus nicht unbedingt frei von kolonialer Einschreibung ist. Seine ganze Karriere hindurch verhält sich S. kritisch gegenüber Ideen des Authentischen und der kult. Zuschreibung.

WORKS

Ann Arbor, Univ. of Michigan MoA. Chicago, Art Inst. - MCA. Neu-Ulm/New York, Walther Coll. Savannah/Ga., SCAD MoA. Stockholm, Magasin III. Washington/D.C., SI, NM of African Art.

EXHIBITIONS

Solo exhibitions:

London: 1994 Centre 181 Gall.; 1997, 2001, '03, '06, '09, '13, '16 Stephen Friedman Gall.; 1998 Art on the Underground; 2000 V&A; 2004 Tate Britain; 2007 NG of Art; 2007 Hayward Gall.; 2013-14 R. Mus. Greenwich; 2024 Serpentine Gall. / 1998 Norwich, AG / 1999 Birmingham, Ikon Gall. (Wander-Ausst., K) / 2002 Rom, The Brit. School (K) / 2002 Johannesburg, Camouflage (K) / New York: 2002-03 Studio Mus. (Wander-Ausst.); 2008, ’12, ’17 James Cohan Gall./ Jerusalem: 2002-03 (Wander-Ausst.); '10-11 Israel Mus. / 2004 Rotterdam, BvB (Wander-Ausst., K) / 2004 Stockholm, Mod. Mus. / 2007 Paris, Mus. du Quai Branly / 2009 Dublin, The Hugh Lane / 2009-10 Washington (D.C.), SI, NM of African Art / Berlin: 2010 Friedrichswerdersche Kirche, Schinkel-Mus.; 2014 Blain-Southern / 2011 Madrid, Centros de Arte (Wander-Ausst.) / 2012 San Diego, AM / 2013 Kopenhagen, GL Strand / 2013 Wakefield/Yorks, Sculpture Park / 2013-14 Gdansk, City Gall. (Wander-Ausst.) / 2016 Den Haag, Gemeente-Mus. / 2016 Lagos, Brit. Council / 2017 Margate/Kent, Turner Contemp. / 2021 Salzburg, MdM Mönchsberg (K). -

 

Group exhibitions:

New York: 1991 Grey AG: Interrogating Identity (Wander-Ausst., K); 2003 Mus. of African Art: Looking Both Ways: Art of the Contemp. African Diaspora (K.); 2008 Metrop. Mus.: The Essential Art of African Textiles / London: 1995 Barbican: The Art of African Textiles; 2010, '14, '15, '16, '17 RA Summer Exhibit.; 2012 Tate Britain: Migrations: Journeys Into Brit. Art; 2024 Barbican AG: Unravel - The Power and Politics of Textiles in Art; 2024 RA: Entangled Pasts, 1768 - now / 1997 Johannesburg: Trade Routes, 2. Bienn. / 2001 München, Villa Stuck: The Short C. (Wander-Ausst., K) / 2001, '07, '15, '17, '24 Venedig, Bienn. / 2003 Zürich, Migros Mus.: The African Exile Mus. / 2005 Düsseldorf, Mus. Kunstpalast: Africa Remix, Contemp. Art of a Continent (Wander-Ausst., K) / 2010 Berlin, Friedrichswerdersche Kirche, Schinkel-Mus.: Who Knows Tomorrow? (K) / 2011 Los Angeles, LACMA: Human Nature / 2014-15 Frankfurt, MMK: The Divine Comedy: Heaven, Hell, Purgatory (Wander-Ausst., K) / 2015 Weil am Rhein, Vitra Design Mus.: Making Africa: A Continent of Contemp. Design (K) / 2024-25 Essen, Mus. Folkwang: Grow It, Show It! (K).

 

SOURCES

Other encyclopedias:

Delarge, 2001

 

Printed sources:

K.Mercer, Art that is ethnic in inverted commas. Kobena Mercer on Y.S., Frieze Mag. 25, 1995; M.Keen/E.Ward, Recordings, Lo. 1996; S.L. Kasfir, Contemp. African art, Lo. 1999; O.Enwezor (Ed.), The short c. (K Wander-Ausst.), M. u.a. 2001; L.A. Farrell (Ed.), Looking both ways. Art of the contemp. African diaspora (K Wander-Ausst.), N.Y./Gent 2003; S.Njami (Ed.), Afrika remix. Zeitgen. Kunst eines Kontinents (K Wander-Ausst.), Ostfildern-Ruit 2004; Kunst-Bull. 2004(9)54; Kunstforum internat. 171:2004(Juli/August)381; L.Pauli (Ed.), Acting the part (K NG of Canada, Ottawa), Lo./N.Y. 2006; Vitamin Ph. New perspectives in photogr., Lo. 2006; J.Collins, Sculpture today, Lo./N.Y. 2007; B.Glasner u.a. (Ed.), Patterns 2. Design, art and archit., Basel u.a. 2008; R.Kent (Ed.), Y.S. MBE, M./Lo. 2008; A.LaGamma, African arts 42:2009(1)98; O.Enwezor/C.O. Agulu (Ed.), Contemp. African art since 1980, Bo. 2009; U.Kittelmann (Ed.), Who knows tomorrow (K Berlin), Köln 2010; Y.Ola, Satires of power in Yoruba visual culture, Durham 2013; Kunstforum internat. 2014(227)257s.; E.Howie, The dandy Victorian: Y.S.s allegory of disability and passing, Lo. 2017; In the Black Fantastic (K Hayward Gall.), Lo. 2022; T.Schneider, Kunstforum Internat. 299:2024(Nov.-Dez.)238-240.

 

Online sources:

Website S.; Oxford art online