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Goldin, Nan (1953)

Born
Washington (D.C.), 12 September 1953
Country
United States of America, Germany
Gender
female
GND-ID
Name Variations
Goldin, Nan
Occupations
Photographer
Places of Activity
New York, Berlin, Washington (D.C.)
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By
Last edited
08.09.2025
Published in
AKL LVII, 2008, 272

VITA

Goldin, Nan, US-amer. Fotografin, *12.9.1953 Washington/D.C., lebt in New York und Paris.

LIFE AND WORK

Mit vierzehn Jahren verlässt G. ihr Elternhaus. Erste Aufnahmen entstehen mit sechzehn Jahren, es sind Fotogr. von Freunden, ihrer "Wahlfamilie". Die Fotogr. nutzt G. als visuelles Tagebuch, sie selbst beschreibt ihre frühen Arbeiten als Mittel zur Kommunikation und als therapeutische Möglichkeit, über das Erlebnis des Todes ihrer sieben Jahre älteren Schwester Barbara hinwegzukommen, die Suizid beging, als G. elf Jahre alt war. 1973 erste Ausst. mit Schwarzweißfotografien von "Drag queens" in Cambridge/Mass. Dort Besuch von Kursen an der Imageworks-Schule, danach bis 1977 Stud. an der KSch des MFA in Boston. Zu ihren Studienkollegen gehören David Armstrong, Philip-Lorca diCorcia und Mark Morrisroe. 1978 Umzug nach New York und Beginn an der Arbeit The Ballad of Sexual Dependency. Die künstlerische Dokumentation des eig. Lebens und das ihrer Freunde stehen im Zentrum des fotogr. Schaffens. Mit ihrer bewusst unperfekten fotogr. Ästhetik, die scheinbar an amateurhafte Schnappschussfotografie erinnert, wird sie zu einer Ikone der an Privatem interessierten Fotografiekunst. In den 80er Jahren zahlr. Reisen durch Europa, wo sie v.a. die Diashow The Ballad of Sexual Dependency zeigt. 1986 erscheint das gleichnamige Buch, das 1987 den Kodak-Fotobuchpreis sowie den Prix du Photogr. bei den Rencontres internat. de la photogr. in Arles erhält. Die multimediale Präsentationsform der mit Musik begleiteten Diashow wird zunehmend in G.s Werk integriert. Selbsterfahrung mit Drogen ist darin eine Konstante für G., die seit 1988 versucht, drogenfrei zu leben. Verlust und Tod durch Drogen, aber auch durch Aids, spielen in ihrem Werk eine große Rolle. 1989 ist sie Kuratorin der Ausst. "Witnesses: Against Our Vanishing" in New York über die Auswirkungen von Aids innerhalb ihres Freundeskreises. Im gleichen Jahr Camera-Austria-Preis für zeitgen. Fotografie. Ab 1991 verbringt G. drei Jahre im Rahmen des DAAD-Künstlerprogramms in Berlin. Veröffentlichung des Cookie Mueller Portfolio, das deren Aidstod im Jahr 1989 dokumentiert. 1992 erscheint The Other Side mit einer Slg von Fotogr. von Transvestiten und Transsexuellen. Erste Reisen nach Asien. 1994 Brandeis-Preis für Fotografie. Zusammenarbeit mit Nobuyoshi Araki; das Projekt über Jugendliche in Tokio erscheint 1994 u.d.T. Tokyo Love. Veröffentlichung A Double Life mit Fotogr. von G. und David Armstrong aus ihrer 25jährigen Freundschaft. 1995 erste große Einzelausstellung, 1996 erste Retr. im Whitney Mus., New York. Die Wanderausstellung durch europ. Mus. wird begleitet vom Kat. "I'll Be Your Mirror". 1998 zus. mit Guido Costa Veröff. des Bildbandes Ten Years After über Neapel und Italien. 1999 Publ. Couples and Loneliness. 2006 Verleihung des Commandeur des Arts et des Lettres, Paris. 2007 Ausz. mit dem Hasselblad Award; 2022 Käthe-Kollwitz-Preis, Berlin. - G.s Fotogr. war zunächst auf die Abbildung ihrer eig. Lebenswelt in oft intimen Nahaufnahmen beschränkt. Die schonungslose Direktheit korrespondiert mit der genauen Betitelung der Arbeiten, die tief in die Privatsphäre der Dargestellten eingreifen. Die Kamera beschreibt G. als Erweiterung ihres Körpers, ihre Arbeit als eine Art Tagebuch, das andere Menschen lesen dürfen. Die Werkrezeption ist bestimmt von einer hohen Moralität: Entweder im euphorischen Lob dafür, dass sie das Leben von Randgruppen als angeblich Teilhabende authentisch abbildet oder in radikaler Ablehnung, da sie vermeintlich ges. Opfer für ihre Arbeit ästhetisch missbrauche. G.s Aufnahmen ab M. der 90er Jahre verzichten zunehmend auf hartes Blitzlicht, oft versucht sie metaphorisch zu arbeiten, indem sie z.B. leere Räume und Weite benutzt, um Verlust und Einsamkeit zu thematisieren. Die konsequente Integration autobiografischer Bilder führt zu einem veränderten Umgang innerhalb der künstlerischen Porträtfotografie, wobei G.s Werk als Inspirationsquelle einer ganzen Fotografengeneration dient. In der Fotografiegeschichte zu Beginn der 90er Jahre markiert G.s Werk einen Wechsel: Die kalte Künstlichkeit v.a. der Werbe- und Modefotografie wurde abgelöst durch sehr persönliche, scheinbar authentische Bilderwelten, die durchaus mit fotogr. Fehlern oder unfertigen Bildentwürfen operierten. Sehr schnell nahm die Werbebranche diesen vermeintlich authentischen, eher dokumentierenden Stil auf und integrierte die alten Werbeinhalte in diese neue Art der Fotografie. Mittlerweile arbeitet G. auch selbst im Bereich der Werbefotografie, zuletzt entstanden Kinderaufnahmen für die Zs. Kid's Wear. Neben den Einzelfotografien, die von vielen renommierten fotogr. Museumssammlungen erworben wurden, entstanden wichtige Diaschauen, die sich als autonome Kunstwerke zum Teil ebenfalls in musealen Institutionen befinden: The Ballad of Sexual Dependency, 1981-96; The Other Side: 1972-92, 1994; All By Myself, 1992-96; Heartbeat, 2001; Sœurs, Saintes et Sibylles, 2004. - Weitere Foto-Publ.: G./J.Sartorius, Vakat, Köln 1993; G./K.Kertess, Desire by Numbers, Kilchbach 1994; Nan Goldin, Ha. 1998; Luzifers Garten, B. 2003; Sœurs, Saintes et Sibylles, P. 2005.

WORKS

Boston/Mass., MFA. Essen, Mus. Folkwang. London, V&A. - Tate Mod. Los Angeles, MCA. New York, Guggenheim. - Jewish Mus. - MoMA. - New York Univ. Libr. - Whitney. Paris, Centre Pompidou. Rochester/N.Y., George Eastman House. San Francisco, MMA. Winterthur, Foto-Mus.

EXHIBITIONS

Solo exhibitions:

New York: 1981 P.S.1; 1988 Pace/MacGill Gall.; 1996 Whitney: I'll Be Your Mirror (K mit Bibliogr.: E.Sussman/D.Armstrong, Wander-Ausst.); 2016-17 MoMA / 1991 Essen, Mus. Folkwang / 1993 Stockholm, Mod. Mus., Fotografiska Mus. / 1995 Paris, Gal. Yvon Lambert (K: J.-L. Henning) / 1998 Köln, Gal. Jablonka: Hinter dem Spiegel / 1999 Reykjavík, Listasafn Íslands (NG) / 2001 Paris, Centre Pompidou / 2003 Montreal, MAC / Berlin: 2010-11 Berlinische Gal.; 2023 ABK / 2023 Humlebæk, Louisiana / 2023-24 Amsterdam, Sted. Mus. (K Wander-Ausst.). -

 

Group exhibitions:

1985 New York, Whitney: Bienn. / 1987 Madrid, CARS: Amer. Dreams / Paris, MNAM: 1992 Désordres; 1995 Fémininmasculin / 1993 London, Inst. of Contemp. Art: Bad Girls / 1994 Basel, KH: Welt-Moral / 1996 Sydney: Bienn. / Wien: 1997 KH: Engel Engel; 2021 Albertina: Amer. Photogr. (K) / 1998 Hamburg, KH: Emotions & Relations (K) / 2010 São Paulo: Bien. / 2021-22 Hannover, Sprengel Mus.: True Pictures? Zeitgen. Fotogr. aus Kanada und den USA (K) / 2023-24 München, Mus. Brandhorst: This Is Me, This Is You. Die Eva Felten Foto-Slg (K) / 2024-25 Washington (D.C.), NG of Art: The '70s Lens: Reimagining Documentary Photogr.; Bozen, Museion: Among the Invisible Joins; Essen, Mus. Folkwang: Grow It, Show It! (K).

 

SOURCES

Other encyclopedias:

Auer, 1992; M.Guillemot (Ed.), Dict. de la photo, P. 1996; I.F. Walther, Künstler-Lex., in: Kunst des 20. Jh., II, Köln u.a. 1998; L.C. und K.Hillstrom (Ed.), Contemp. women artists, Detroit u.a. 1999; G.McDarrah u.a., The photogr. enc., N.Y. 1999; H.-M. Koetzle, Das Lex. der Fotografen, M. 2002; R.Mißelbeck (Ed.), Prestel-Lex. der Fotografen, M. u.a. 2002; WWAA, 2003/04; B.Govignon (Ed.), Kleine Enz. der Fotogr., M. 2005; R.Lenman (Ed.), The Oxford companion to the photograph, Ox. 2005; L.Warren (Ed.), Enc. of twentieth c. photogr., II, N.Y./Lo. 2006

 

Printed sources:

Frankfurter Rundschau v. 4.12.1998 (Interview); M.Kreisel, Amer. women photographers. A selected and annotated bibliogr., Westport, Conn./Lo. 1999; M.Vescovo/C.Chenis (Ed.), Undicesima Bienn. d'Arte Sacra (K San Gabriele), Isola del Gran Sasso 2004; F.Wagner u.a. (Ed.), Das achte Feld. Geschlechter, Leben und Begehren in der Kunst seit 1960 (K Köln), Ostfildern 2006; E.Blumenstein/F.Ensslin (Ed.), Between two deaths (K Karlsruhe), Ostfildern 2007; Q.Bajac/C.Cheroux (Ed.), Coll. photographs (K MNAM Paris), Göttingen 2007; S.Bright, Art photogr. now, He. 2008; J.Glasenapp, Die dt. Nachkriegsfotografie, Paderborn 2008; elles@centrepompidou. Artistes femmes dans la coll. du MNAM, Centre de création industrielle (K), P. 2009; S.Junge, Kunst gegen das Verschwinden. Strategien der Sichtbarmachung von AIDS in N.G.s Ausst. "Witnesses: Against Our Vanishing", Diss. Zürich 2013, B. u.a. 2015; L. Lebart/M. Robert (Ed.) Une hist. mondiale des femmes photographes, P. [2020]; M.Stoeber, Kunstforum internat. 279:2022(Jan.-Febr.)256-264; T.Schneider, ibid. 299:2024(Nov.-Dez.)238-240.

 

Online sources:

Dict. universel des Créatrices, 2023