Han Huang (Taichong; Zhongsu), chin. Maler, Kalligraph, Beamter, Literat, Musiker, *723 Chang'an/Jingzhao fu (Xi'an/Prov. Shaanxi), †17.3.787 ebd. Verwandt mit Han Gan.
Han, Huang
Stammte aus angesehener Aristokraten-Fam., die ihren Ursprung auf das Erbhaus des Zhanguo-zeitlichen Staates Han zurückführte und zw. Han- und Tang-Dynastie bed. Staatsmänner stellte. H.s Vater Han Xiu hatte unter Kaiser Xuanzong 733 kurzzeitig das Kanzleramt bekleidet. Dank der hohen Stellung des Vaters und der Erbprotektion (yin) begann H. vor 756 als Administrator zur Linken der Reiterei der Ehrfurcht gebietenden Garde (Zuo Weiwei Jicao Canjun) und wurde wenig später zum Registerführer (Zhubu) berufen. Während des Aufstandes des An Lushan standen H. und seine vier Brüder auf der Seite des Kronprinzen Li Heng, der als Kaiser Suzong (Reg.-Zeit 756-762) den Thron bestieg. Zu Beginn der Zhide-Ära (756-758) vom Militärkommandanten Deng Jingshan nach Qingqi (in Prov. Shandong) bestellt, konnte H. aufgrund der Bürgerkriegswirren dem Ruf nicht folgen. Unter Li Chengzhao fungierte er als Administrativer Ass. (Panguan) in Shannan (in Prov. Shaanxi). Wenig später von Deng Jingshan nach Huainan (in Prov. Jiangsu) gerufen, verzichtete H. zugunsten des Hofamts als Pal.-Zensor (Dianzhong Shi Yushi). Infolge persönlicher Konflikte des Bruders Han Hong mit Kanzler Wang Yu wurde H. suspendiert, jedoch nach Wangs Entlassung 759 wieder eingesetzt. Sukzessive im Riten-Minist. (Sibu), Büro für Evaluation (Kaogong) und Innen-Minist. (Libu) als stellv. Dir. (Yuanwailang) tätig, erfreute sich H. eines makellosen Rufes, so daß Suzongs Nachf. Kaiser Daizong (Reg.-Zeit 763-780) ihn zum Junker im Innen-Minist. (Libu Langzhong) und Überwachenden Zensor (Jishizhong) ernannte. Nach dem Meuchelmord an Wei Dang auf Betreiben des mächtigen Eunuchen und Kommandanten der Nordarmee Yu Chao'en plädierte H. für die Hinrichtung aller Beteiligter, da er weitere Übergriffe befürchtete. Befördert zum Gehilfen zur Rechten im Kaiserlichen Sekretariat (Shangshu Youcheng), wurde H. 770 zur Rekrutierung von Personal ins Kriegs-Minist. (Bingbu) versetzt und versah ab 771 das Amt des Diensthabenden Junkers im Finanz-Minist. (Hubu Shilang), wo er sich bes. für die Beseitigung von Korruption und Stabilisierung der Staatskasse einsetzte. Trotz Unregelmäßigkeiten in der Berichterstattung über die Schadenshöhe an den in den 770er Jahren von Unwettern betroffenen Salzreservoirs von Hezhong (in Prov. Shanxi), die bed. Steuereinnahmen für die Zentral-Reg. abwarfen, wurde H. nach Aufdeckung der geschönten Unterlagen nicht entlassen. Die unpopulären Maßnahmen seiner Steuerpolitik führten jedoch zur Versetzung ins Zeremonienamt (Taichang). Nach Tätigkeit als dessen Dir. (Taichang Qing) wurde H. zum Bezirksrat (Cishi) von Jinzhou (in Prov. Shanxi) berufen und war danach im selben Amt in Suzhou (in Prov. Jiangsu) tätig, gleichzeitig Regionalkommandant (Guanchashi) von Zhejiang, Minister im Riten-Minist. Ehrenhalber (Jianjiao Libu Shangshu) und Großzensor (Yushi Dafu). Ab 781 Bezirksrat von Runzhou (in Prov. Jiangsu), hatte H. zugleich die Militärkommandantur von Zhenhai dao (Prov. Zhejiang) inne. Während der Rebellion des Zhu Ci 783-784, welche die Hauptstadt bedrohte und Kaiser Dezong (Reg.-Zeit 779-805) zur Flucht nach Fengtian/Prov. Shaanxi zwang, trainierte H. Truppen in Antizipation militärischer Auseinandersetzungen und ging daneben gegen den Empörer Li Xilie vor, der sich eigenmächtig zum Herrscher der Chu-Dynastie erklärt hatte. In den folgenden Jahren unterstützte H. den Kaiser im Kampf gegen politische Gegner und bei der Bewältigung von Wirtschaftskrisen. Belohnt mit dem Titel Herzog von Nanyang (Nanyang jun Gong), wurde H. 785 das Amt des Hausmeisters zur Linken Ehrenhalber (Jianjiao Zuo Pushe) und des Geschäftsführers der Staatskanzlei (Zhongshu Menxia Pingzhangshi) verliehen. Die erfolgreiche Tätigkeit als Aufseher über das Transportwesen im Versorgungssystem der Yangzi-Huai-Region brachte H. den Ehrentitel Herzog von Zheng (Zhengguo Gong) ein, der 786 in Herzog von Jin (Jinguo Gong) umgewidmet wurde. Im selben Jahr begab sich H. zu einem Respektsbesuch nach Chang'an. H.s Nähe zum Kaiser und sein Durchsetzungsvermögen wurde von Konkurrenten und Gegnern mit Unbehagen beobachtet. Hochgeschätzt von Kaiser Dezong, erhielt H. nach seinem Tod den posthumen Titel des Großmentors (Taifu) und wurde mit Staatsehren beigesetzt. - Bescheiden, loyal und mit Gemeinsinn begabt, galt H. als Kenner des Yijing (Klassiker der Wandlungen) und Chunqius (Frühlings- und Herbstannalen), zu denen er exegetische Schriften verfaßte. Neben Kalligraphie und Malerei übte H. die Kunst des Zitherspiels. In der Kalligraphie soll H. bes. die Vorlagen von Zhang Xu (*um 675, †759) studiert haben. Chen Si und der Ming-Kritiker Yao Zongyi (um 1360-68) loben v.a. H.s Kanzleischrift (lishu) sowie die Entwurfskonzeptschrift (zhangcao). Zhu Changwen ordnete H.s Schriftkunst, von der bereits zur Song-Zeit kein Stück mehr erh. war (v. Zhu Changwen, 10/286), der untersten Rangstufe "gekonnt" (neng) des trad. Beurteilungssystems zu. Dies deckt sich mit der kritischen Selbsteinschätzung H.s, der zugab, den Pinsel nicht entschieden führen zu können. Die künstlerische Bedeutung H.s gründet sich v.a. auf seine Malerei. Zhu Jingxuan klassifiziert in seinem Tangchao minghua lu (Ber. über berühmte Maler der Tang-Dynastie, um 840) H.s Darst. ländlicher Genreszenen, Figuren, Wasserbüffel und Esel in den "Obersten Rang der Subtilen" (miaopin, shang). Das Xuanhe huapu (Kat. der Malerei aus der Reg.-Devise Xuanhe, 1120) verzeichnet noch 36 Bilder in der kaiserlichen Slg der Nördlichen Song-Dynastie, u.a. Li Deyu jianke tu (Li Deyu empfängt Gäste), Zui xueshi tu (Gelehrter im Weinrausch), Yiren tu (Weltflüchtiger), Cunshe tu (Dörfliche Gemeinschaft), Yaomin jixiang tu (Yaos Volk schlägt die Xiang-Trommel, viell. nach Wang Wei), Gu'an mingniu tu (Brüllende Büffel an altem Ufer), Guimu tu (Heimkehr vom Weiden). Daneben werden in der Lit. die Lsch. Feiquan chuxia tu (Wasserfall von hohen Klippen), eine Ill. des Gedichtes Guiqulai tu (Heimkehr) von Tao Qian (*365, †427) u.a. erw. (v. Zhou Mi). Die vielgerühmte, H. durch drei Aufschriften von Zhao Mengfu (*1254, †1322) zugeschr. Querrolle Wuniu tu (Fünf Ochsen, Tusche, Farben/Hanfpapier, Siegel aus der Shaoxing-Periode [1131-63] sowie Ruisi Dongge-Siegel und and. Sammlersiegel, Aufschriften von Kong Kebiao [um 1352], Xiang Yuanbian [*1525, †1590], Jin Nong [*1687, †1764], dem Qianlong-Kaiser [Reg.-Zeit 1735-96] u.a.; Beijing, Imperial Pal. Mus.) zeigt H. als versierten Büffelmaler, der bei Guo Ruoxu (um 1070-75) als Lehrer des Dai Song und in Huashi (Gesch. der Malerei) von Mi Fu (*1052, †1107) als einer der wichtigsten Rinder-Darsteller belobigt wird. Zhao Mengfu sah H.s Ochsen zuerst in der Slg von Tian Yan (*1258, †1313) und erhielt das Bild schließlich als Geschenk von Zhao Renju (13./14.Jh.). Der Sammler und Connaisseur Zhou Mi berichtet von einem Werk in dessen Sammlung. Ob es sich dabei um das am 23.8.1752 (v. Dong Jianzhong) in die qing-zeitliche Pal.-Slg übergegangene Wuniu tu handelt, ist unbekannt. Neben dem Werk im Beijinger Imperial Pal. Mus. findet sich eine ca. ein Drittel größere H. zugeschr. Querrolle mit fünf Ochsen (Tusche, Farben/Seide, sign., Siegel) im Ohara Mus. of Art, Kurashiki, die sich von der Beijinger Version durch feinere Linienführung, Bildträger und fehlende Kolophone unterscheidet. Bei diesem Exemplar dürfte es sich um eine mod. Kopie handeln (v. Cahill) und nicht, wie Yonezawa Yoshiho vorschlug, um eine song-zeitliche, der Beijinger Rolle vorausgehende Arbeit. Die politische Aussage des Wuniu tu mit fünf Ochsen, darunter einem mit Nasenring und Kopfriemen, beruht auf der Rinder-Symbolik. In metaphorischer Übertragung versinnbildlicht das Yijing-Trigram Kun die Lasten tragende, fügsame Erde und damit auch Rind und Minister. Zhao Mengfu interpretierte die Darst. als eine Absage H.s an den Hof analog zum Präzedenzfall des Daoisten Tao Hongjing (*456, †536), der durch das gemalte Gleichnis eines freilaufenden und eines angeschirrten Ochsen den Ruf des Liang-Kaisers Wudi (Reg.-Zeit 502-549) in Amt und Würden ablehnte. Dies trifft für H. nur bedingt zu. Das Werk scheint vielmehr versch. Aspekte der Vita H.s zu berühren: sein eig. Beamtentum und das der vier Brüder, H.s Bindung an den Tang-Hof sowie seinen unermüdlichen Einsatz für die Bevölkerung in den Provinzen. Darauf verweist der Ochse mit heraushängender Zunge, der auf den han-zeitlichen Kanzler Bing Ji (†55 v.Chr.) anspielt, der wie H. für sein sozialpolitisches Engagement bek. war. Diese Deutung kommt auch im Sieben-Wort-Kurzgedicht (qiyan jueju) des Qianlong-Kaisers als Aufschrift aus dem Jahre 1753 zum Ausdruck. Das H. zugeschr. Album-Bl. Sanyang (Drei Schafe, Tusche, Farben/Seide, sign., Siegel; Berlin, Mus. für Asiatische Kunst) ist nicht authentisch und stammt vermutlich aus der frühen Ming-Zeit. Der Ausdruck Sanyang kann als phonetisches Wortspiel gedeutet werden und bedeutet dann "(Neujahrs)glückwunsch". Das Schaf ist jedoch auch Sinnbild der Pietät (xiao). Das Album-Bl. als Teil einer Gruppe von Rundfächer-Bll., die namhaften Malern der Tang-, Song- und Yuan-Dynastie zugeschr. sind, gelangte über Japan nach Berlin. Die Echtheit der Arbeiten wird in den Nachschriften der jap. Künstler und Kenner nicht angezweifelt; die Werturteile schließen sich der chin. Trad. an. So zitiert der jap. Kalligraph, Literatenmaler und Sammler Tani Tetsuomi (*1822, †1905) in seinem Epilog das Tangchao minghua lu, das H.s bravouröse Schilderung von ländlichen Genreszenen und die ausgezeichnete Fähigkeit lobt, alle Feinheiten von Figuren und Wasserbüffeln bis ins letzte zu erfassen. Das Berliner Bl. ist vergleichbar mit einem anonymen Rundfächer-Bl. im Taipeier Nat. Pal. Mus., das weidende Schafe darstellt und ebenfalls zur Ming-Zeit entstand. Die Assoziation H.s mit der Malerei von Schafen ist ungewöhnlich und fehlt in den frühen Trakten zur Malerei. Ebenso fragwürdig ist die Zuschr. des Bildes Xuezhong xunmei tu (Im Schnee Pflaumenblüten suchen, Hängerolle, Tusche, Farben/Seide; Washington [D.C.], Freer Gall. of Art). Einen Eindruck von H.s unter dem Einfluß von Lu Tanwei (5.Jh.) stehender Figurenmalerei gibt die zugeschr. Querrolle Wenyuan tu (Literatengarten, Tusche, Farben/Seide; Beijing, Imperial Pal. Mus.), die nicht im Xuanhe huapu erw. wird, obgleich das Werk Titel und Name des Meisters im kalligraphischen Duktus von Kaiser Huizong (Reg.-Zeit 1100-25), Siegel sowie das Datum 1107 trägt. Der Titel wird vermutlich erstmals im Song Zhongxing guange chucang tuhua ji (Verz. der Bilder in den Bibl. der Song-Restauration, 1199) in Zusammenhang mit H. erw. (v. Peiwenzhai shuhua pu, 97/6a). Der Kritiker Zhan Jingfeng (*1532, †1602) sah eine H. zugeschr. Figurenmalerei auf Papier mit der Titelkalligraphie Wenhui tu (Literatentreffen) in der Slg des Sichuaner Kunstkenners Guo Qujie (16.Jh.). Das lt. Zhan Jingfeng die tang-zeitliche Dichtergruppe um Qian Qi und Liu Changqing, nach and. Wang Changling und seinen Zirkel, bei einem "eleganten Treffen" (yaji) darstellende Bild fand der Kritiker zwei Jahre später im Haus des befreundeten Kommandoleiters (Huishi) Guan in einer unsign., sorgfältiger gearbeiteten Version auf Seide unter dem Titel Liulitang yaji tu (Elegantes Treffen in der Liuli-Halle) vor. Während J.Cahill die Beijinger Version, die gemäß Shiqu baoji (Schatulle der Kostbarkeiten vom Steingraben, 1745, II, 725 s.) als Album.-Bl. vorlag und erst später auf eine Querrolle aufgezogen wurde, für eine nach-songzeitliche Kopie einer früheren Arbeit viell. aus der Hand H.s hält, schreiben Xu Bangda, W.C. Fong u.a. das Bild, das auch als Anhang der Querrolle Liulitang renwu tu (Figuren in der Liuli-Halle, Tusche, Farben/Seide; New York, Metrop. Mus.) von Zhou Wenju (*um 917, †um 975) erscheint, H. zu. Bei der Version in der Washingtoner Freer Gall. of Art (Tusche, Farben/Seide) scheint es sich um eine qing-zeitliche Kopie zu handeln (v. Th.Lawton; Xu Bangda). Geschult an den von Xie He (tätig zw. 479 und 502) formulierten "sechs Grundsätzen" (liufa) der Malerei, wurde H. in der frühen Lit. mit dem Tang-Meister Xue Ji (*649, †713) verglichen, der v.a. durch Kranichmalerei Bekanntheit erlangte. Diesem Vergleich liegt vermutlich die beiden Meistern zugeschr. Wirklichkeitsnähe der Darst. zugrunde. Während H.s Ruf als ausgezeichneter Büffelmaler mit vorzüglicher Gabe, den "Geist und Atem" (shenqi) des Gegenstandes adäquat wiederzugeben, in der Kunst des Schülers Dai Song und späteren thematischen Nachf., z.B. Fan Zimin (13.Jh.), fortlebte, ist die Beurteilung von H.s Figurenmalerei wegen des Authentizitätsproblems schwieriger. Zhan Jingfeng sah M./E.16.Jh. bei Begutachtung des H. zugeschr. Wenyuan tu in Bes. von Guo Qujie alle Qualitäten der "Rangklasse der Ungebundenen" (yipin) erfüllt. Technisch und formal gelungen verband H.s Figurenmalerei "Orchideenblatt"(lanyexian) und "Eisendrahtlinie" (tiexian), d.h. kalligraphisch lockere und feste Linien bei Gest. des Faltenwurfs der Kleidung, und erfaßte in Komp. und Ausdruck den Geist der Alten in vornehmer Eleganz. Ohne dies explizit zu artikulieren, scheint Zhan Jinfeng mit seiner Evaluation einem Prinzip zu folgen, das theoretisch von Zou Yigui (*1689, †1772) formuliert wurde, daß nämlich bei der Wertschätzung von Bildern auch die Persönlichkeit des Malers mitgesehen werde, und Malerei so als Spiegel der Persönlichkeit diene (v. Debon/Chou Chün-shan, 118).
Chunqiu tongli (Allg. Richtschnur zu den Frühlings- und Herbstannalen); Tianwenshi xuyi (Astronomische Angelegenheiten mit Vorw. und Erörterung).
Other encyclopedias:
Yu Jianhua, 1981, 1484; Seymour, 1988; Bénézit VI, 2006.
Printed sources:
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