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Lucas, Sarah

Born
London, 23 October 1962
Country
Great Britain
Gender
female
GND-ID
Name Variations
Lucas, Sarah
Occupations
Object Artist; Painter; Sculptor; Assemblage Artist; Photographer; Master Draughtsman; Collagist
Places of Activity
London, Aldeburgh (Suffolk)
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By
Last edited
28.01.2026
Published in
AKL LXXXV, 2015, 431

VITA

Lucas, Sarah, engl. Bildhauerin, Objekt-, Assemblage- und Collagekünstlerin, Zeichnerin, Fotografin, Malerin, *23.10.1962 London, lebt in Aldeburgh/Suffolk. Lebensgefährtin der Malers Gary Hume, ab 1991 Angus Fairhurst, später des Grafikers Julian Simmons.

LIFE AND WORK

Stud. in London: 1982-83 Working Men's College; 1983-84 London College of Printing; 1984-87 Goldsmiths College, Univ. of London. 1988 Teiln. an der legendären, von Damien Hirst organisierten Graduierungs-Ausst. Freeze und damit den die brit. Kunstszene der 1990er Jahre dominierenden Young Brit. Artists (YBA) zugerechnet. Später Beteiligung an den aufsehenerregenden Ausst. Brilliant! (Minneapolis/Houston 1995-96) und Sensation (London/Berlin/New York 1997-2000). 1990 zus. mit G.Hume ein Jahr in New York. Für The Shop betreibt L. 1993 zus. mit Tracey Emin einen Laden im Londoner East End, um Multiples zu verkaufen (bedruckte Teetassen, T-Shirts u.Ä.). Sie lehnt die Nominierung für den Turner Prize mehrfach ab. Ca. 2001 kauft sie das ehem. Landhaus von Benjamin Britten in Aldeburgh, wo sie seit ca. 2007 ständig zus. mit J.Simmons lebt. - L. ist eine der anfangs weniger beachteten YBA, erwirbt sich aber nach und nach mit signifikanten Werken bleibende weltweite Achtung. Feministisch inspiriert, präsentiert sie A. der 1990er Jahre vergrößerte Doppelseiten der Boulevardpresse, um die Objektivierung der Frau anzuprangern (Shine On, 1991). Mit Eating a Banana (1990) beginnt sie die 12-teilige Fotoserie Self Portraits (1990-98), in der sie ihre vagen männlichen Züge akzentuiert, um einer Stereotypisierung durch eine zwitterhafte Gestalt und herausfordernde Weiblichkeit zu begegnen, z.B. Self Portrait with Fried Eggs (1996) und Fighting Fire with Fire (1996) mit männlicher Rebellenpose und Zigarette im Mundwinkel. Das rohe Brathähnchen als weibliches Geschlechtsteil entlarvt im Foto Chicken Knickers (1997) bildlich und mit Wortwitz die männliche Überheblichkeit, Frauen als "Chicks" zu bezeichnen. Die entwaffnend simplen Assemblagen der 1990er Jahre aus Möbelstücken, Kleidung, Früchten u.Ä. evozieren sexualisierte menschliche Körper in zwielichtigen Situationen. Dadaistische und surrealistische Ansätze mischen sich mit einem nachdrücklich grobschlächtigen Humor. Two Fried Eggs and a Kebab (1992) beschwören durch das Positionieren der Speisen auf einem Küchentisch eine sexuelle Fantasiesituation herauf. Auf einer alten Matratze ausgebreitet verweisen in Au Naturel (1994) zwei Melonen und ein verbeulter Metalleimer auf Brüste und weibliche Genitalien sowie Gurke und Orangen auf männliche. Zu L.s ständig wiederkehrenden Requisiten zählt die Zigarette, die als postkoitales Klischee aufzufassen ist. Omnipräsent überziehen Zigaretten ab ca. 2000 zahlr. ihrer Objekte (z.B. Ausst. The Fag Show, 2000 bei Sadie Coles HQ, London). Die ebenso oft erscheinende Toilette steht als Symbol für den Körper und das Leben selbst, aber auch als Verweis auf Marcel Duchamps erstes Readymade. Formal von Louise Bourgeois inspiriert und in Anspielung auf die Mädchen in der Zs. Playboy, konzipiert L. die kopflose Figur Bunny aus ausgestopften Nylonstrumpfhosen, z.B. Ser. Bunny Gets Snookered (1997). Hieraus entwickelt sie später amorphe Variationen (Ser. NUDS, ab ca. 2009), Akkumulationen von Brüsten (Nice Tits, 2011) oder Bronzen (Hoolian, 2013). Jüngste Arbeiten sind von Selbstzitaten und formalen Verweisen auf and. Kunst durchdrungen (u.a. Alexander Calder, Minimalismus, präkolumbianische Skulptur). Zudem kreiert L. zahlr. überdimensionierte Penisse, die sie aufrecht oder auf dem Boden liegend präsentiert (Ser. NOB, ca. 2013) sowie mon., durch Motoren in eine masturbierende Bewegung versetzte Arme.

WORKS

Dublin, Irish MMA. London, Nat. Portr. Gall. - Tate. New York, MMA. Paris, Pompidou. Rotterdam, BvB. Wien, Slg Verbund.

EXHIBITIONS

Solo exhibitions:

London: 1992 City Racing; seit 1997 Sadie Coles HQ; 2000 Freud Mus.; 2002 Tate Mod.; 2013 Whitechapel Gall. (Retr.; K); 2023-24 Tate Britain / seit 1995 New York, Barbara Gladstone Gall. / 1995 Rotterdam, BvB (K) / seit 1996 Berlin, Contemp. FA / 1997 Köln, Mus. Ludwig (K) / 2005 Zürich, KH (Retr., Wander-Ausst.; K mit WV) / 2012 Mexiko Stadt, D.F., Mus. Anahuacalli (K); Leeds, Henry Moore Inst. (K) / 2024 Mannheim, KH (K). -

 

Group exhibitions:

2000 Kwangju (Korea): Bienn. / 2003, '13, '15 Venedig: Bienn. / 2020-21 München, PM: Au rendez-vous des amis. Klassische Moderne im Dialog mit Gegenwartskunst aus der Slg Goetz / 2021-22 Hamburg, KH: Futura (K) / 2025 Neuss, Langen Found.: Slg Ringier (K).

 

SOURCES

Printed sources:

J.Saltz u.a., Parkett 1995(45)76-115; V.Engle (Regie), Two melons and a stinking fish, 1996 (Dokumentarfilm); U.Grosenick (Ed.), Women artists, Köln u.a. 2001; M.Collings, SL: S.L., Lo. 2002; I.Graw, Texte zur Kunst 12:2002(45)34-49; In-a-gadda-da-vida (K Tate), Lo. 2004; J.Simmons, Realidad, 2013 (Dokumentarfilm); id./S.L., Tittipussidad, Colchester 2013; E.Miller (Regie), About Sarah, 2014 (Dokumentarfilm); Future bodies from a recent past (K Mus. Brandhorst, München), B. 2022; R.Unruh, Kunstforum Internat. 280:2022(März-April)246-248; C.Thiele, ibid. 297:2024(Aug.)250-252; J.Restorff, ibid. 304:2025(Juli/Aug.)218-220.

 

Online sources:

Oxford art online; Sadie Coles HQ; Website Julian Simmons; Dict. universel des Créatrices, 2023