Rose, Tracey, südafrikanische Performancekünstlerin, Fotografin, Zeichnerin, Malerin, *1974 Durban, lebt in Johannesburg.
Rose, Tracey
Stud.: Bachelor of FA, Univ. of the Witwatersrand, Johannesburg, Master of FA, Goldsmith College, Univ. of London. Bereits kurz nach Abschluss ihres Stud. M. der 1990er Jahre erlangt R. internat. Aufmerksamkeit mit ihren Arbeiten zu Gender, Identität, Relig. und Fragen der Klassifizierung von Menschen, wie sie im Südafrika der Apartheid herrschte. Bis 1994, dem offiziellen Ende der Apartheid, erlebte sie deren Auswirkungen in vollem Maße; Erfahrungen, die sie in ihren Werken immer wieder aufgreift und die sich wie ein roter Faden durch ihre Werke ziehen. In vielen ihrer Arbeiten verwendet sie ihren eig. Körper als Projektionsfläche, Medium oder Subjekt. Ciao Bella, (Venedig: Bienn., 2001) zeigt in Anspielung auf Da Vincis "Letztes Abendmahl" versch. weibliche Figuren (von ihr selbst gespielt), die sich in den schweren Barockrahmen der drei Videoprojektionen an einer langen Speisetafel auf teils humorvolle, teils groteske Weise vergnügen. Neben Marie Antoinette nehmen z.B. Saartjie Baartman (im Europa des 19.Jh. auf Grund ihrer körperlichen Merkmale als "Hottentot Venus" ausgestellt), Mami Wata (ein weiblicher Wassergeist, in vielen Regionen Afrikas verehrt), aber auch eine Lolita und ein Playboy Bunny an der Versammlung teil. R. schafft somit nicht nur eine eig. Erzählung, zw. Fakten und Fiktion springend, sondern dringt mit ihrem Körper in ein Hw. europ. Kunstgesch. ein. Die Auseinandersetzung mit schwierigen Themen ist für sie ebenso wichtig wie die Positionierung und kritische Hinterfragung ihres Ichs als Frau, als Südafrikanerin und als Künstlerin. Dies erreicht sie z.B. in der Fotogr. The Kiss, 2001, in der sie Fragen nach "Rasse", Geschlecht, Macht und letztlich Menschlichkeit an den Betrachter stellt. Die Fotogr. spielt auf Auguste Rodins berühmte Skulptur "The Kiss" an und zeigt ein nacktes Paar. Der Mann, schwarz, sitzt auf einer hüfthohen Säule und hält die Frau, weiß, in seinen Armen. Die Fotogr. gewinnt eine weitere Dimension, wenn man berücksichtigt, dass es sich bei der Frau um R. selbst, bei dem Mann um ihren Galeristen handelt. R. stößt somit auch Fragen nach den Machtverhältnissen zw. den Geschlechtern sowie in der Kunstszene an. Mit ihren häufig multi-medialen Arbeiten schafft R. konzeptuelle Werke, die den Betrachter oftmals schockieren oder erstaunen, zumindest aber fesseln. Sie möchte auf politische und soziale Ungerechtigkeiten hinweisen, vergangene wie gegenwärtige. So lässt sie sich während ihres Stud. am Goldsmith College in London dabei fotografieren, wie sie in der Tate Mod. auf den Versammlungstisch der Mitgl. uriniert. Mit einer Augenklappe, Union Jack-Strumpfhosen und goldenen Schuhen mit Leopardenmuster bekleidet, verweist R. auf die Ausbeutung des afrikanischen Kontinents durch Großbritannien während der Kolonialzeit. Nicht zuletzt gründet der Reichtum des Namengebers des Mus., Henry Tate, auf der Arbeit afrikanischer Sklaven. Obwohl R. ihren Zugang seit einiger Zeit im Vergleich zu früher als weniger aggressiv beschreibt, bleibt sie ihrer Beschäftigung mit problematischen Themen treu. In der Arbeit Die Wit Man, 2015, streift sie durch die Straßen Brüssels, auf der Suche nach dem Grab König Leopolds II, um seinen Geist zu erwecken und ihn für seine Taten während der Kolonialzeit verantwortlich zu machen. R. wendet sich derzeit wieder vermehrt der Zchng und der Malerei zu, den Medien, mit welchem sie ihren Einstieg in die Kunst fand.
Solo exhibitions:
2001 Mexiko-Stadt: La Panaderia / 2003 Grahamstown, Gall. in the Round / 2004, '07 Johannesburg, Goodman Gall. / 2008 Los Angeles, MC Kunst / 2010 Soweto, XHomes / 2012 Kopenhagen, Nikolaj KH / 2013, '15 Berlin, Dan Gunn / 2014 Madrid, MNCARS / 2017 Limerick, City AG / 2022 Kapstadt, Zeitz MCA Africa / 2024 Bern, KM. -
Group exhibitions:
2004 Johannesburg, AG: Negotiated Identities / 2005 London, Haywood Gall.: Africa Remix (Wander-Ausst. K) / 2006 New York, ICP: Snap Judgements (K); Stockholm, Mod. Mus.: Perfect Performance / 2007 Venedig: Bienn. / 2008 Brüssel: Bienn. / 2009 Arnhem, MMK: Rebelle / Liverpool, Tate: Afro Modern / 2011 Lyon: Bienn. / 2013 Paris, La Maison Rouge: My Joburg / 2014 Mexiko-Stadt, Mus. Univ. Contemp. de Arte: Theory of Colour / 2015 Brüssel, WIELS Contemp. AC: Body Talk; Metz, FRAC Lorraine: Feminism, Sexuality and the Body in the Work of African Women Artists / 2016 Dakar: Dak'Art; São Paulo: Bien. / 2022-23 Wolfsburg, KM: Empowerment (K).
Printed sources:
10 years, 100 artists. Art in a democratic South Africa, Cape Town 2004; K.Jones, NKA J. of Contemp. African Art 2004(19)26-31; S.Williamson, South African Art Now, N.Y. 2009; D.Völzke, Monopol Mag. (Juni) 2010, 46-48; M.Stoeber, Kunstforum Internat. 285:2022(Okt.-Dez.)247-249
Online sources:
African American Visual Artists Database; Dict. universel des Créatrices, 2024