Namatjira, Albert (Elea), austral. Maler, *28.7.1902 Hermannsburg/Northern Territory (heute Ntaria), †8.8.1959 Alice Springs/Northern Territory. Mitgl.der Sprachgruppe Western Arrarnta (Arrernte, Aranda, Arunta).
Namatjira, Albert
N. wurde in einer dt. lutherischen Mission geboren und wuchs dort auf. Sein Geburtsname, Elea, wurde nach seiner Taufe durch Albert ersetzt. Er arbeitete als Handwerker (Schmied, Zimmermann) und als Vieh- und Kameltreiber. Ein Ziel der Mission Hermannsburg war, die trad. Lebensweise der Aborigines zu europäisieren und ihre relig. Trad. durch das Christentum zu ersetzen. N. wurde trotzdem im Alter von 13 Jahren in die indigene Trad. eingeweiht. Seine ersten künstlerischen Arbeiten waren Malereien auf Bumerangs, Speerschleudern (woomeras) und Holzschilden. A. der 1930er Jahre holte Pastor F.W. Albrecht Künstler europ. Abstammung in die Mission, die den Aborigines Unterricht geben sollten. 1934 begegnete N. den Künstlern John A. Gardner (1906) und Rex Battarbee zum ersten Mal und beschloss, von ihnen die Aqu.-Malerei zu lernen. 1936 kam Battarbee zurück und unterrichtete N. während einer achtwöchigen Reise durch das Outback, auf der N. als "Kameljunge" (camel boy) arbeitete. Battarbee erkannte N.s Naturtalent sofort und berichtete von seinem "unverdorbenen" (unspoilt) und naturnahenTalent. Genauso wichtig scheint es ihm gewesen zu sein, dass N. seine Arbeit als Kameljunge mit großem Fleiß ausführte. Zu Lebzeiten wurde N.s gelungene Integration in die weiße Ges. betont, auch seine angeblich ungewöhnliche Intelligenz und Motivation. Auch die Tatsache, dass N. ab M. der 1930er Jahre in der westlichen Trad. malte, stellte Battarbee bis in die 1950er Jahre als Verbesserung, sogar Befreiung gegenüber der Vorstellung, N. wäre sonst in der "primitiven" Trad. der Arrarnta geblieben, dar. Schon in den 1930er Jahren erzielte N. kommerziellen Erfolg. Ab 1943 beriet ihn ein sog. Advisory Council, das ihn in seinen Geschäften unterstützen und dafür sorgen wollte, dass seine Produktivität nicht auf Kosten der Qualität stieg. 1948 entstand der Film N. the Painter (Regie: Charles P. Mountford und Lee Robinson). 1953 erhielt N. die Queen's Coronation Medal, 1955 wurde er Ehren-Mitgl. der R. Art Soc. of New South Wales. 1956 porträtierte ihn Sir William Dargie (Portrait of A.N., Brisbane, Queensland AG). Ranghohe Europäer aus den Küstenstädten Australiens, auch Mitgl. der brit. Königs-Fam., bsuchten N., um seine Malerei zu bewundern. N. wurde das berühmteste Mitgl. der sog. Hermannsburger Schule von indigenen Künstlern, die Lsch.-Malerei nach europ. Vorbild schufen. Entgegen europ. Stereotypen zeigt die Hermannsburger Aqu.-Malerei eine fruchtbare, sogar bunte Lsch. im zentralen Australien anstelle einer öden Wüste. Die Bilder galten damals als dekorativ; sie stehen nicht in Verbindung zur Avantgarde dieser Zeit. N. und seine Malerei wurden als Kuriosum betrachtet. In der Interpretation wird heute betont, dass die abgebildeten Lsch. insbesondere für indigene Betrachter mit tiefer Bedeutung verbunden sind. 1939 wurde N.s Bild Illum-Baura (Haast's Bluff) von der AG of South Australia angekauft, als erste Arbeit eines Aborigines, die Eingang in ein KM fand. Das Bild, wie auch weitere seiner Werke, ist von weichem, warmem Licht char. und zeigt, dass N. konventionelle Perspektive und Bildaufbau beherrschte. Trotzdem sind Unterschiede zur europ. Praxis erkennbar, z.B. dass Gegenstände im Vorder-, Mittel- und Hintergrund sowie am Bildrand und in der Bildmitte die gleiche Schärfe haben. Im Hinblick auf die vielen Fragen nach indigener Identität und die Möglichkeit der Übernahme einer europ. Lebensweise durch Aborigines erscheint es von Bedeutung, dass N. (nach frühen Experimenten mit Porträts, Szenen des täglichen Lebens und Tierbildern) meist keine Menschen und selten die Spuren ihrer Anwesenheit auf dem Land wie z.B. Pfade, Siedlungen oder Landwirtschaft abbildete. Er suchte Lsch. aus, zu denen er nach dem trad. Gesetz eine Beziehung hatte, wandte aber auch ästhetische Kriterien für seine Subjektwahl an. So bleibt die Interpretation seines eig. Verhältnisses zum angestammten Land bzw. zur Besiedlung durch Weiße offen. Genauso bed. kann es sein, dass er nicht nur auf Papier malte, sondern auch Speerschleudern und Bumerangs mit Lsch.-Malerei schmückte. Die Hermannsburger Lsch.-Malerei ist nicht, bzw. nicht nur, als von Außen aufgesetzt zu sehen. N. gab diese Kunst weiter, da es bei der Arrarnta Pflicht ist, das Wissen mit der nächsten Generation zu teilen. So wurde diese Lsch.-Malerei Tl der indigenen Tradition. N. soll auch dem später berühmt gewordenen Clifford Possum Tjapaltjarri Unterricht angeboten haben, der ihn aber ablehnte. 1957 wurde N. durch die Verleihung der austral. Staatsbürgerschaft, von der Aborigines sonst per se ausgeschlossen waren, ausgezeichnet. Fortan durfte er wählen, Land besitzen, ein Haus bauen und Alkohol kaufen und konsumieren. Den Alkohol durfte er nicht mit and. Aborigines teilen. Da aber das Arrarnta-Gesetz zum Teilen verpflichtet, tat er dies trotzdem. Wegen dieses Verstoßes gegen das austral. Gesetz wurde er zu einer Freiheitsstrafe verurteilt. Die Belastungen dieser Situation, zus. mit der zunehmenden Verschlechterung seines Gesundheitszustandes, führten zu seinem frühen Tod.
Einzelausstellungen:
Melbourne: 1939, '48 FA Soc. Gall. (heute Atheneum Gall.); 1944 Myer Mural Hall / Adelaide: 1939, '46 R. South Austral. Soc. of Arts; 1991 Flinders Univ. AM / 1945, '50 Sydney, Anthony Hordern's Art Gall. / Alice Springs: 1947 Griffiths House; 1984 Araluen Centre (Retr.) / 1947 Brisbane, Commercial Bank Chambers / 1958 Perth, Claude Hotchin Gall. / 2002 Canberra, NG of Australia (Retr., K). -
Gruppenausstellungen:
1937 Adelaide, R. South Austr. Soc. of Arts Gall.: Central Australia Watercolours by R.Battarbee / 1951 Melbourne, Tye's AG: A.N., Otto Pareroultja, Edwin Pareroultja and Aborigine Artists / Sydney, Anthony Hordern's AG: 1952 The Aranda Group (K); '54 Aboriginal Art / 1957 Vancouver und Winnipeg, Canadian Trade Fair / 1958 Sydney, Artlovers' Gall. / 1958 Brisbane, Moreton Gall.: Watercolours by A.N. and Other Arunta Artists (K) / 2014 Canberra, Parliament House: N. to Now.
Thieme-Becker, Vollmer und AKL:
Vo3, 1956.
Weitere Lexika:
Robb/Smith, 1993; J.Arnold/D.Morris (Ed.), Monash biogr. dict. of 20th c. Australia, Port Melbourne 1994; DA XXII, 1996.
Gedruckte Nachweise:
C.P. Mountford, The Art of A.N., 1944; R.Battarbee, Mod. Austral. Aboriginal Art, Lo. 1951; J.D. Batty, N.: Wanderer Between Two Worlds, Mb. 1963; N.Amadio u.a., A.N., Mb. 1986; Ströter-Bender, 1991, 48; J.Hardy u.a. (Ed.), The Heritage of N., Mb. 1992; J.-A. Birnie Danzker, Traumzeit - Tjukurrpa (K München), M./N.Y. 1994; H.Morphy, Aboriginal Art, Lo. 1998; Himlens spejl. Skyer og vejrlig i dansk maleri 1770-1880 (K), Odense 2002; G.Petitjean, Contemp. aboriginal art. The AAMU and Dutch coll. (K), Ghent u.a. 2010
Onlinequellen:
artistfootsteps.com/html/Namatjira_biography.htm