Hammershøi, Vilhelm, dän. Maler, *15.5.1864 Kopenhagen, †13.2.1916 ebd. Bruder des Malers Svend H.
Hammershøi, Vilhelm
1872-78 priv. Zeichenunterricht bei Niels Christian Kierkegaard, Frederik Rohde und Vilhelm Kyhn. Stud.: 1879-84 KA bei Johann Frederik Vermehren; parallel dazu Kurse an der Freien Studienschule bei Peder Severin Krøyer, alle ebd. Ausz.: 1889 Bronze-Med. der WA in Paris; 1911 Großer Preis von Rom. - H. malte v.a. häusliche Interieurs, aber auch verstörend leere, unbewegte und verschwiegene Lsch. und Stadträume. Kennzeichnend sind eine gedämpfte Farbigkeit in Grau und Ocker, eine auf wenige graf. Elemente reduzierte Komp. und das Motiv der Rückenfigur. Zeitlebens war die Konzentration auf eine durch Licht und Konturen bestimmte Malerei für H. wichtig. Seine Bilder bestanden aus einer Vielzahl von Farbschichten, woraus ein langer Entstehungsprozess resultierte, in dessen Verlauf Farb- sowie Licht- und Schattenwirkung erst allmählich artikuliert wurden. Der gleichmäßige Duktus aus kurzen Pinselstrichen, mit dem er die relativ trockene Farbe flächendeckend auftrug, verlieh seinen Darst. einen vibrierenden, unruhigen Charakter. Manchmal legte er mit grauer Farbe einen Dunstschleier über die Szenen, wodurch Konturen verhüllt wurden. Sein Werk entstand in einer künstlerisch innovativen Epoche und wurde in Dänemark v.a. in Künstlerkreisen rezipiert. Bei der Wahl seiner Sujets ließ sich H. von der holl. Genremalerei des 17.Jh. und der dän. Malerei des Goldenen Zeitalters des frühen 19.Jh. anregen. Die Ausb. H.s an der KA stand in der Trad. dieser Malerei und dessen Hauptvertreter Christoffer Wilhelm Eckersberg. Die Unzufriedenheit gegen die teilw. veralteten Lehrmethoden an der KA führte dazu, dass er zus. mit zahlr. and. Studenten seine Studien an der Freien Studienschule komplettierte. Hier schloss er einige wichtige Freundschaften, u.a. mit Jens Ferdinand Willumsen, Carl Holsøe, Johan Rohde, Peter Ilsted und den späteren Kunsthistorikern Karl Madsen und Emil Hannover. 1885 debütierte er in der Charlottenborger Frühjahrs-Ausst. der KA mit Porträt einer jungen Frau, Anna Hammershøi, die Schwester des Künstlers (1885; Kopenhagen, Hirschsprung Slg) und wurde dadurch schlagartig berühmt. Mit diesem Bild erfüllte H. die formalen Anforderungen (Frauenporträt, dreiviertel Ansicht, Lebensgröße) für den Neuhaus-Preis, um den er sich bemühte. Doch die gedämpfte Farbigkeit, der diffus wirkende Pinselduktus und die unbestimmte Perspektive lösten eine heftige Kontroverse unter den Akademiemitgliedern und den Vertretern der Freien Studienschule aus. Obwohl sich 41 Künstler in einem offenen Brief für die Preisvergabe an H. aussprachen, wurde ihm dieser von der Jury letztlich nicht zuerkannt. Nachfolgend kam es immer wieder zu derartigen öff. Auseinandersetzungen um H.s Bilder. 1887 reiste er nach Holland und Belgien und wurde dort zu dem Gem. Hiob angeregt, dessen Präsentation in den folgenden Jahren ebenfalls großes Aufsehen erregte. H. stellte Hiob als im Schock erstarrte nackte Gestalt dar, die wie eine Personifikation des Leidens wirkte und von Zeitgen. als eigenartig radikal empfunden wurde. Aufgrund des Mischungsverhältnisses der Farben dunkelte das Gem. im Laufe der Zeit immer stärker nach und ist inzwischen kaum noch erkennbar. Aber auch das Gem. Junges nähendes Mädchen (1887; Kopenhagen, Ordrupgaard Slg) wurde 1888 von der Ausst. der KA zurückgewiesen und daraufhin in einer Protest-Ausst. zus. mit den Arbeiten and. abgewiesener Künstler in Kopenhagen gezeigt. Hier erwarb es der Zahnarzt Alfred Bramsen, der fortan zu H.s wichtigstem Sammler, Mentor und Biographen avancierte. Ein Jahr später wurde das Bild auf der WA in Paris ausgezeichnet, wo H. mit vier Werken in der dän. Abt. vertreten war. 1890 entstand das Gem. Schlafzimmer (Priv.-Slg), das vom Ausst.-Komitee der KA wegen Anstößigkeit ebenfalls abgelehnt wurde. Deutlich lassen sich motivische Parallelen zu Caspar David Friedrichs Frau am Fenster (1822) feststellen. Es war H.s letzte Einreichung zu den Ausst. der KA. Aus Protest gegen diese Ablehnung gründete H.s Studienfreund Johan Rohde Die freie Ausst. (Den frie Udstilling), die sich nach frz. Vorbild rasch zu einem der wichtigsten Foren der avantgardistischen Kunst in Skandinavien entwickelte. Der aufsehenerregende Kontext der Ausst.-Gründung entsprach jedoch weder H.s Wesen noch dem seiner Sujets. Seine Bilder wurden von dän. Sammlern mehrheitlich ignoriert und eher im europ. Ausland verkauft und dort hoch geschätzt. 1891 heiratete H. Ida Ilsted, die Schwester seines Studienfreundes, die zudem sein wichtigstes Modell wurde. Auf ihrer halbjährigen Hochzeitsreise besuchte das Paar 1891-92 Paris und hatte dort engen Kontakt zu F.F. Willumsen und dessen Frau. In Paris machte er die Bekanntschaft des Kunstkritikers und Autors Théodore Duret sowie der Künstler Pierre Puvis de Chavannes und Auguste Renoir. Bei dem Kunsthändler Paul Durand-Ruel stellte H. das Porträt von Ida Ilsted (1890; Kopenhagen, Staatliches KM) aus, konnte es jedoch wegen zu hoher Preisforderung nicht verkaufen. H. malte hier u.a. Ein griechisches Relief im Louvre (1891; Kopenhagen, Neue Carlsberg Glyptothek) nach dem antiken Marmorrelief Hermes und die drei Grazien aus Thassos. Obgleich er sich in Paris u.a. auch mit zeitgen. frz. Malerei und bes. mit Paul Gauguin auseinandersetzte, hatte das keine Auswirkungen auf seine eig. Bildgestaltung. 1893 erhielt H. ein Reisestipendium der KA, das ihn mit seiner Frau über München, Verona, Venedig und Bologna nach Florenz führte. Thematisch schloss er mit dem in dieser Zeit entstandenen Gem. Artemis (1893/94; Kopenhagen, Staatliches KM) an das Sujet der drei Grazien und die Welt der griech. Mythen an, verließ damit ein zweites und letztes Mal die reale Darstellungswelt, die ansonsten seine Bilder prägte. Auch formal unterscheidet sich das Werk deutlich von H.s and. Arbeiten. Erstarrte Bewegungen und mangelnde Tiefenräumlichkeit erinnern an Fresken der Früh-Renaiss., die er auf seiner Reise durch Norditalien gesehen hatte. Andererseits ähnelt die Darst. Bildern des Symbolisten Puvis de Chavannes. H. positionierte sich mit diesem großformatigen Gem. nachdrücklich in den symbolistischen Kontext seiner Zeit. 1897-98 reiste das Paar nach London, wohin es noch weitere vier Mal kam. H. widmete sich im Brit. Mus. wie schon in Paris den antiken Ausstellungsobjekten. Außerdem entstand das ihn und seine Ehefrau zeigende Bild Zwei Figuren (1898; Århus, ARoS KM), das von der emotionalen Distanz und Sprachlosigkeit zweier Menschen zeugt. H. orientierte sich in dieser Zeit an James Abbott McNeill Whistler und versuchte sogar, zu ihm Kontakt aufzunehmen. Bereits in Studienzeiten spielte Whistler für H. eine bes. Rolle. In einigen Porträts seiner Mutter, die er in nur wenigen Grautönen ausführte, orientierte er sich an Whistlers "Studie in Grau und Schwarz" (1871). Das von H. jedoch am häufigsten gemalte Sujet waren Interieurs. Ein Großteil davon, sie machten etwa ein Drittel seines gesamten Œuvres von etwa 370 Arbeiten aus, entstanden in einem Backsteingebäude an der Strandgade 30 in Kopenhagen, wo H. zw. 1898 und 1909 während seiner produktivsten Schaffensphase wohnte. Bevor er einzog, ließ er Täfelungen und Zierleisten sowie Türen und Fenster einheitlich Weiß und die zuvor farbigen Wände und Decken Grau streichen; die Fußböden wurden dunkel gebeizt. Die sparsame Möblierung in seinen Werken entsprach jedoch keineswegs dem vorherrschenden bürgerlichen Zeitgeschmack und seinem eig. Wohnumfeld. Sorgfältig komponierte Raumgefüge vermitteln mitunter einen Eindruck von Theaterszenerien. Die Innenräume wurden durch direktes, schräg oder diffus einfallendes Licht geprägt, wie z.B. in Interieur. Strandgade 30 (1901; Hannover, Niedersächsisches LM). Die Farbgestaltung der Bilder beschränkte er auf subtil nuancierte Grauwerte. Die räumliche Situation blieb ebenso unbestimmt wie auch die Tätigkeiten der abgebildeten Person. Zudem scheint in H.s Bildern die Zeit stillzustehen. Im ikonogr. Kontext verleiht eine Frau dem Raum durch ihre Anwesenheit Intimität und Privatheit. In H.s Werken verweigert sie sich jedoch, da der Raum durch sie nicht belebt wird und so eine Distanz zum Betrachter entsteht. Interieur mit Klavier und Frau in Schwarz (1901; Kopenhagen, Ordrupgaard Slg) zeigt das Wohnzimmer des Künstlers, das, obgleich darin ein Klavier abgebildet ist, eine bes. Stille und Einsamkeit ausstrahlt. Eines seiner populärsten Werke, Tanz der Staubkörner (1900; Kopenhagen, Ordrupgaard Slg), mit einer auf wenigen senk- und waagerechten Linien beruhenden Komp. lässt einen puritanisch ausgestatteten Raum erkennen. Das Bild erinnert formal an menschenleere Fensterbilder, die in der 1.H. des 19.Jh. beliebt waren. H. thematisierte allerdings nicht das übliche dialektische Verhältnis von Innen und Außen, sondern lenkt, durch die Eintrübung der Fensterscheiben, den Blick in den Innenraum zurück. Zw. 1900 und 1909 malte er mindestens 15 Varianten dieses Fenster- und Türmotives, teilweise auch mit Figuren. Die gedämpfte Farbigkeit und die teilw. irritierenden Bildausschnitte seiner Werke erinnerten viele Zeitgen. an kol. Schwarzweißfotografien. Seine Umsetzung der Umwelt in farbreduzierte Darst. entsprach dem Bestreben, einen wirklichkeitsnahen optischen Eindruck in eine Art Abbild seelischer Befindlichkeit zu überführen. H. verwendete aber auch Fotogr. als direkte Bildvorlagen, z.B. in Portr. Ida Ilsted (1890; Kopenhagen, Staatliches KM), Interieur. Frederiksberg Allé (1900), in das er eine Rückenfigur einfügte oder Ansicht der Alten Asiatischen Handels-Ges. (1902). Neben Interieurs und Porträts malte er auch Lsch. und Archit. sowie einige Akte. Das mon. Gem. Fünf Porträts (1901/02; Stockholm, Thielska Gall.) irritierte als Gegenentwurf zum verbreiteten Sujet des Freundschaftsbildes und führte in Kopenhagen zu hitzigen Debatten. Neben seinem Bruder Svend stellte er vier Freunde dar: den Architekten Thorvald Bindesbøll, K.Madsen, J.F. Willumsen und C.Holsøe. In angespannter, ernster Stimmung schweigen sich die fünf Protagonisten an. Auch seine Lsch. vermitteln, entgegen dem zeitgen. Trend, keine romantische Sehnsucht nach unberührter Natur. Es handelte sich stets um die Darst. erschlossener Gebiete, meist aus der unmittelbaren Umgebung von Kopenhagen, z.B. in Lsch. Ansicht von Fortunen (1901; Kopenhagen, Staatliches KM) oder Lsch. Gentofter See (1903). Sein Blick auf die Szenerie ist distanziert und durch einen hohen, für die Zeit bemerkenswerten Abstraktionsgrad gekennzeichnet, z.B. in der auf wenige Linien reduzierten Komp. Bauernhof (1883). H. interessierte sich neben dem Licht v.a. für die graf. Qualitäten der Linienstrukturen von Landschaft. Seine urbanen Ansichten und Architekturdarstellungen sind immer menschenleer. Die Städte wirken erstarrt, still und melancholisch, was sich auch bereits in dem frühen Gem. Ein Flügel vom Schloß Christiansborg. Spätherbst (1890-92; Kopenhagen, Staatliches KM) andeutete. Immer wieder malte H. versch. Ansichten dieses Schlosses. Um 1900 besaß er bereits ein internat. Renommee und erhielt Besuch u.a. von Emil Nolde und Rainer Maria Rilke (1904), der eine Biogr. über ihn plante, aber auch von Paul Cassirer (1905), der mehrere Bilder von ihm erwarb und für den Verkauf in Deutschland sorgte. H.s Kunst war durch den Zeitgeist der "Décadence" beeinflusst. Ähnlich wie bei Whistler, Puvis de Chavannes, Max Klinger oder Edvard Munch besitzen seine Werke ein melancholisches Element, aus dem eine bildimmanente Spannung erwächst. Obgleich H. als ein menschenscheuer, äußerst verschlossener Sonderling galt, war er zu Lebzeiten ein gefeierter Maler. Er führte ein zurückgezogenes Leben, mied öff. Veranstaltungen und äußerte sich kaum zu seiner Kunst. Ziemlich rasch nach seinem Tod geriet sein Werk in Vergessenheit und wurde erst in den 1980er Jahren durch weltweite Ausst. wiederentdeckt.
Einzelausstellungen:
Kopenhagen: 1900 (K), '16 (Gedächtnis-Ausst.), '30, '55 KV; 1981, '97, '98, 2006 Ordrupgaard Slg (K); 1983 Kgl. Slg der Drucke und Zchngn (K) / 1905 Berlin, Gal. Eduard Schulte / London: 1907 E. van Wisselingh & Co. Gall. (K); 1912 Atelier-Ausst. bei Leonard Borwick; 1913 Ethel Nettleship; 2008 RA / Stockholm: 1957, '76 Prins Eugens Waldemarsudde (K); 2000 NM / 1975 Malmö, KM / New York: 1983 Wildenstein & Company; 1998 Solomon R. Guggenheim Mus. / 1983 Washington (D.C.), The Phillips Coll. / 1997 Paris, Orsay (K) und Nordisk Gall. (K) / 1999 Göteborg, KM (K) / 2001 Århus, KM (mit Hein Heinsen und Erik A.Frandsen; K) / 2003 Hamburg, KH (K) / 2008 Tokio-Taito, NM of Western Art (K). -
Gruppenausstellungen:
Paris: 1889, 1900 WA; 1987 Mus. du Petit Pal.: Lumières du Nord. La peint. scandinave 1885-1905; 1993 Orsay: L'Europe des peintres / 1897 St. Petersburg: Scandinavian Art / 1903 Venedig: Bienn. / 1909, '13 München: Internat. Kunst-Ausst. / 1982 Washington (D.C.), Corcoran Gall. of Art: Northern light. Realism and symbolism in Scandinavian paint. 1880-1910 (K) / 1996 Düsseldorf, KM: Im Lichte des Nordens / 1998 Köln, WRM: Lsch. als Kosmos der Seele. Malerei des nordischen Symbolismus bis Munch (K) / 2000 Kopenhagen, Staatliches KM: Symbolism in Danish and Europ. paint. 1870-1910 (K); 2000 Modum, Stiftung Blaufarbenwerk: Den Forunderlige Stillheten. Ida Lorentzen V.H. (K) / 2005 Lausanne, Fond. de l'Hermitage: Impressions du Nord. La peint. scandinave 1800-1915 / 2006 Helsinki, Ateneum: A Mirror of Nature (K) / 2019 Hamburg, KH: Im Licht des Nordens. Dän. Malerei der Slg Ordrupgaard.
Thieme-Becker, Vollmer und AKL:
ThB15, 1922
Weitere Lexika:
Kindler, ML III, 1966; Bauer, GEM IV, 1977; S.Monneret, L'impressionnisme et son époque, I-II, P. 1987; Dict. de la peint., P. 1991; Weilbach III, 1995; DA XIV, 1996; Schurr/Cabanne I, 1996
Gedruckte Nachweise:
A.Bramsen/S.Michaelis, V.H. Kunstneren og hans værk, Kph./Kristiania 1918; P.Vad, V.H., Kph. 1957; id., V.H. and Danish art at the turn of the c., New Haven/Lo. 1992; S.Meyer-Abich, V.H. Das malerische Werk, Diss. Bochum 1995; P.Vad, Akzente 43:1996(6)562-571; H.Wivel, V.H., Kph. 1996; E.Steffensen, H. Within the walls, Kph. 1997; F.Krämer, V.H. Strandgade 30, Interieurs, Mag.-Arbeit Univ. Hamburg 2000; P.Delerm, Intérieur. V.H., P. 2001; A.E. R.Scales, V.H. and fin-de-siècle Copenhagen. Visualising interiority and imaging the feminine, Diss. London 2003; B.Scavenius/J.Lindhe, H.s København, Kph. 2003; P.Bosetti, Art 2003(4)28-36; A.Rosenvold Hvidt, V.H. 1864-1916, Kph. 2005; P.G. Berman, In another light. Danish paint. in the nineteenth c., Lo. 2007; F.Krämer, Das unheimliche Heim. Zur Interieurmalerei um 1900, Köln u.a. 2007
Hammershøi, Vilhelm, Maler, geb. 15.5. 1864 in Kopenhagen, †13. 2. 1916 ebenda an der Schwindsucht; Bruder Svend H.s. Vorgebildet unter N. C. Kierkegaard, Fr. Rhode u. V. Kyhn, studierte H. seit 1879 an der Kopenhagener Akad. unter Fr. Vermehren u. seit 1884 an P. S. Krøyer's Kunstschule in engem Anschluß an den gleichaltr. C. Holsøe, debütierte 1886 in der Akad.-Ausst. mit einem schwermütig gestimmten, technisch meisterlichen Interieurbildnis seiner Schwester (jetzt in der Kopenhagener Hirschsprung-Gal.) und ging, nachdem die Akad. mehrere seiner zarttonigen Grau in Grau-Interieurs zurückgewiesen hatte, 1891 zu der von ihm mitbegründeten Kopenhagener Sezessionsausst. über. Seitdem wurde er von der fiingeren dän. Künstlerschaft wie auch im Auslande (1889 u. 1900 in Paris, 1891 u. 1909 in München, 1911 in Rom prämiiert) als eine der hervorragendsten u. eigenartigsten, in seinen luft- u. lichtvollen Interieurbildern dem Delfter Vermeer vergleichbaren Künstlererscheinungen seiner Zeit anerkannt und fand mit ganzen Gruppen seiner Gemälde im Kunstmuseum wie in der Hiirschsprung-Galerie zu Kopenhagen würdige Vertretung. ebenso mit Einzelstücken im dortigen Rathaus (in einem der Bürgermeisterzimmer 2 Wandbilder H.s mit Darst. der Kopenhagener Armenhäuser), im Museum zu Aarhus u. im Nat.-Mus. zu Frederiksborg (Selbstbildnis), im Nat.-Mus. u. in der Thiel-Gal. zu Stockholm, im Mus. zu Göteborg (3 Interieurs), in der Nat.- Gal. zu Berlin (Nr 917 "Sonnige Stube"), in der Gall. Naz. Moderna zu Rom u. in den Uffizien zu Florenz (Selbstbildnis). Eine Sammlung von ca 50 Gemälden u. Studien H.s erwarb sein Kopenhagener Gönner u. Biograph Dr. A. Bramsen (1905 bei Schulte in Berlin ausgest.). Neben der auf schlichttonigste Licht- u. Luftwirkung eingestellten Interieurmalerei u. einer nicht minder schlicht-sachlichen Bildniskunst (Hauptwerk sein großes Gruppenbild "5 Portrats" von 1901 in der Stockholmer Thiel-Gal.) pflegte er in gleichem Sinne auch die Landschafts- u. Architekturmalerei, namentlich in traumhaft - jenseitig anmutenden Verbildlichungen dänischer Königsschlösser. Endlich kennt man aus seinen Jugendjahren noch einige historische Kompositionen, einen ins Weltschmerzliche gesteigerten "Hiob" von 1888 u. eine in archaisch-feierlicher Ruhe gehaltene "Artemis" von 1893 (im Kunstmus. zu Kopenhagen). Bramsen-Michaëlis, V. Hammershøi, Kopenhagen 1918. - A. Bramsen, V. Hammershø's Arbejder, 1900; ders. in Zeitschr. f. Bild. Kunst 1905 p. 177ff. (mit Abb.) und im Berliner Schulte-Kat. seiner Hainmershøi-Sammlg 1905. - G. Nordensvanin Nordisk Familieholt. (Stockholm), Ausg. 1909 X H. 9/10. - V. Wanscher in Ordoch Bild (Stockholm) 1915. - J. Kruse in Konst och Konstnärer (Stockholm) 1913 p.13ff.; cf. 1914 p. 22 (Abb.). - Muther, Gesch. der Mal. des 19. Jahrh., 1893ff. III 260; cf. Kunstchronik 1889 p. 518, 1900 p. 436, 1916 p. 299 f. - Weilbach, Nyt Dansk Kunstnerlex. 1896 I. - Madsen, Kunstens Hist. i Danmark, 1901ff., p. 414ff.; ders. in Tidskr. für Konstvetenskap I (Stockholm 1916) 32 f., 90; cf. VI (1921) 31 u. Kunstmuseets Aarsskrift (Kopenhagen 1914ff.) II 205, III 158, IV120 u. 181. - E. Hannover, Dan. Kunst des 19. Jahrh., 1909 p. 106f. - J. Elias in Kunst u. Künstler XIV (Berlin 1916) 403/8, cf. 368 u. XVII (1919) 149 u. 151f. - E. Goldschmidt in Die Kunst XXIII (München 1910/11) 409ff.; cf. I (1900) 429, III (1901) 850 f., XIII (1906) 113f. - W. Ritter in L'Art et les Artistes X (1910) 26418. - T. M. Wood in The Studio XLVII (1909) 252f. 255f.; cf. Graves, A Cent. of Loan Exhib., London 1913 II. - O. Andrup in Dahl-Engelstoft's "Dansk Biograf. Haandleks." 1920 I.