Mitchell, Joan, US-amer. Malerin, Zeichnerin, *12.2.1925 Chicago, †30.10.1992 Paris.
Mitchell, Joan
Stud.: 1942-44 Englisch, Kunstgesch., Smith College, Northampton/Mass.; 1944-47 Art Inst., Chicago, Abschluss Bachelor of Art 1947 (bei Louis Ritman, Robert von Neumann); 1950 Master of FA ebd.; 1950 Kunstgesch., Columbia Univ., New York; Mitgl. im Eight Street Club. Ausz.: 1987 Ehrendoktorwürde der School of the Art Inst., Chicago; 1991 Grande Prix des Arts, Paris. - M.s erste figürliche Lith., Freiluftmalereien und Zchngn entstehen während ihrer Sommeraufenthalte 1943 und '44 in der Künstlerkolonie Oxbow in Saugatuck/Mich. Ein frühe Inspirationsquelle ist die Slg des Art Inst. Chicago (Henri Matisse, Paul Cézanne und besonders Wassily Kandinsky). 1947 wird ihre gegenständliche Lith. Tired Children in der Annual Exhib. des Art Inst. ausgezeichnet. Die junge Malerin findet Interesse an der Malerei von Jackson Pollock und Hans Hofmann. Im Jahre 1948 erhält sie ein Stip. für Paris. Hier heiratet sie 1949 Barney Rosset (bis 1952). Als M. 1950 zurück nach New York geht, beginnt sie abstrakt zu malen und nimmt Kontakt auf zur New York School um Willen De Kooning und Franz Kline. Beim Stud. der graf. Techniken im Atelier Stanley William Hayters lernt sie Paul Henry Brach, Michael Goldberg und Miriam Shapiro kennen. 1951 zieht sie in die 51 West 10th Street, wo auch diese drei ihre Ateliers haben. Dort entsteht im selben Jahr Cross section of a Bridge (Öl/Lw., 203 x 304 cm, Osaka, City MMA), M.s erstes Werk in mon. Format, das sie von nun an immer wieder nutzen wird. Es ist eine abstrakte Komp. aus Farbfeldern in den Grundfarben, die um ein Zentrum pulsieren. Nach außen werden die weichen geometrischen Elemente größer und grauer. 1952-55 zieht M. mit ihrem Atelier ins Greenwich Village. Sie unternimmt Reisen nach Haiti, Kuba und Mexiko und wird Mitgl. der Künstlergruppe "The Club". Während einer Frankreich-Reise im Jahre 1955 lernt sie Jean Paul Riopelle kennen, mit dem sie in Paris zusammenzieht. Die Sommer verbringt sie künftig an der Seine, die Winter in New York. 1956 entsteht Hemlock (New York, Whitney), ihr erstes Werk mit direktem lyrischen Bezug. Die großformatige, fast quadratische Komp., die durch das Gedicht "Domination of Black" von Wallace Stevens inspiriert ist, setzt sich aus grünen und hellblauen Pinselstrichen auf hellem Grund zus., so dass die Farbstriche wie durch die Luft wirbelnde Federn wirken. Eine ganz ähnlich leichte Pinselführung findet sich bei einer R. von Arbeiten dieser Zeit. Ab 1959 arbeitet M. in ihrem Atelier in der Rue Frémicourt in Paris. Ab 1960 werden ihre abstrakten, intensiven und farbenfrohen Komp. flächiger und die einzelnen rhythmischen Pinselstriche zu Feldern konzentriert. Zum Teil gehen sie mittig in eine trübe, dunkle Masse über. 1964 entsteht das Girolata Triptych (Priv.-Slg), das zur von M. als "black-paintings" bez. Werkgruppe dieser Jahre zählt. 1967 beginnt die Zusammenarbeit mit dem Pariser Galeristen Jean Fournier, 1968 zieht M. nach Vétheuil um. Das farbenfrohe Mon paysage malt M. bereits 1967 (Saint-Paul-De-Vence, Fond. Maeght). Das von Blau- und Grüntönen dominierte Hochformat zeigt weniger eine bestimmte Lsch., als dass es die Lsch. vereinigt, welche die Künstlerin liebte. Das farbenprächtige Werk bildet ein Zwischenstadium für Komp. mit flächigeren Elementen der Folgezeit wie das Triptychon Les bleuets aus dem Jahr 1973 (Paris, Centre Pompidou). In Vétheuil entstehen 1969 bereits erste Werke der Sunflower-Serie. In den 1970er und 80er Jahren dient die vielfältige Natur der frz. Lsch. als Inspirationsquelle für ihre Arbeit (Green Tree, 1976). Sie komponiert ihre Lsch.-Bilder dabei immer durch Rückerinnerung, wie sie selbst sagt (Interview mit John Baur, 1958). 1977 beginnt sie mit der Arbeit an der Werkgruppe der Tilleul-Bilder in Öl und Pastell; 1979 entsteht ihr größtes Polyptychon La vie en rose (New York, Metrop. Mus.). Das vierteilige Gem. Edrita Fried (New York, J.M. Found.) malt M. 1981 im Gedenken an die verstorbene Freundin. Blaue Pinselstriche dominieren die hochformatigen Einzel-Komp.: Wenn das erste Bild der Ser. zunächst durch Violetttöne geprägt ist, tritt zunehmend orange hinzu, das wie eine von links einbrechende Welle die vierte Taf. dominiert. Die Malweise aus gebündelten Strichen bleibt char. für die frühen 1980er Jahre und setzt sich auch in dem 1983 begonnenen 21-teiligen Grande Vallée-Zyklus fort. Um diese Zeit erfährt M. von ihrer Krebserkrankung und die Arbeiten, die in der Folge entstehen, kreisen um die Themen Leben und Tod. Ab 1986 entstehen mit den Lille- und Chord-Werken wieder leichtere, aufgelöstere Kompositionen. Nach ihrer Operation konzentriert sich M. stark auf die Pastellmalerei. Ihre mon. Gem. von 1990-91 sind komponiert aus übereinander gestaffelten Farbfeldern. Sie zeugen von einem gesteigerten Freiheitsgefühl und bringen die frische, spontane Energie zum Ausdruck, die M.s Werk grundsätzlich auszeichnet. Neben ihren großformatigen Gem. schafft die sie einen umfangreichen Korpus an Papierarbeiten. M. ist Synästhetikerin, sie verband Buchstaben mit versch. Farberscheinungen. Vor diesem Hintergrund ist auch ihre Aussage zu verstehen, dass ihre Malerei keine Allegorie, kein Geschichte sei, sondern eher ein (visuelles) Gedicht. M. bildet eine wichtige Figur im amer. Abstrakten Expressionismus mit engen Verbindungen zu den Künstlern der New York School. Dabei wird sie zu den Abstrakten Expressionisten der zweiten Generation gezählt. In ihrem Bekenntnis zu den Grundsätzen der gestischen Abstraktion bleibt sie ihr ganzes Leben lang beständig und kompromisslos. 1993 wird die J.M. Found. in New York gegründet.
Einzelausstellungen:
1974, '92, 2002 New York, Whitney / 1982 Paris, MAMVP / 1988 San Francisco, MMA (Retr.) / 2008 Emden, KH (K) / 2015 Bregenz, Kunsthaus (K); Essen, Mus. Folkwang (K). -
Gruppenausstellungen:
1944 Chicago, Art Inst.: 48 Ann. Exhib. (K) / New York: 1951 Artist Club, Ninth Street Show; 1957 Jewish Museum, Artists of the New York School, second generation (K); 1967 MoMA: In Memory of My Feelings (K) / 1955 Minneapolis, Walker AC: Vanguard (K) / 1958 Venedig: Bienn. (K) / 1959 Kassel: documenta (K) / 1977 Paris, Centre Pompidou: Paris - New York (K) / 1990 Wiesbaden, Mus.: Künstlerinnen des 20. Jh. (K) / 2012 Seattle, AM: Elles: SAM (Wander-Ausst.) / 2013 Montréal, MBA: In These Drawings My Hands Are Dreaming / München: 2016 Mus. Brandhorst: Painting 2.0 (K); 2016-17 Haus der Kunst: Postwar - Kunst zw. Pazifik und Atlantik 1945-1965 (K).
Thieme-Becker, Vollmer und AKL:
Vo6, 1962
Weitere Lexika:
ContempArtists, 1983; WWAA, 1984; Dunford, 1990; DA XXI, 1996
Gedruckte Nachweise:
K.Kertess, J.M., N.Y. 1997; The paintings of J.M. (K Whitney; ), N.Y. 2002 (Retr.; WV; Lit.); J.M. Leaving America, Lo. 2007; J.M. Works on paper 1956-1992, N.Y/Göttingen 2007; N.Ohlsen, J.M. Weggefährtin von Jackson Pollock, Heidelberg 2009.
Onlinequellen:
J.M. Found.; Dict. universel des Créatrices, 2023; Gal. David Zwirner
Mitchell, Joan, amer. Malerin, *1926 Chicago, Ill., ansässig in New York. Stud. am Art Inst. in Chicago, 1948/49 in Paris. Dann in New York tätig. 1955ff. wieder in Paris, zur Zeit wieder in New York. Befreundet mit Riopelle. Abstrakte Malerin. Sonderausst.: 1956 in d. Janis Gall. in New York, 1957, 58 u. 60 in d. Stable Gall. ebda, 1958 in d. Gal. Rive Droite in Paris, 1960 bei P. Schneider ebda. Lit.: Seuphor. - Art Internat. (Zürich), 2 (1958) H. 2/3 p. 38f., 42 (Abb.); 4 (1960) H. 1 p. 26, m. Abb. - The 1958 Pittsburgh Bicent. Internat. Exh. of Contemp. Paint. a. Sculpt., Departm. of F. Arts, Carnegie Inst., 1958/59, Kat.