Lanfranco, Giovanni, ital. Maler, Zeichner, Radierer, *26.1.1582 Parma, †29.11.1647 Rom.
Lanfranco, Giovanni
Von seinem Vater zum Stud. der "lettere" vorgesehen, wurde L. lt. Passeri als Page in den Dienst des Grafen Orazio Scotti di Montalbo in Piacenza gegeben, der eine bed. Rolle am Hof Herzog Ranuccios I. Farnese spielte. Graf Scotti erkannte L.s Zeichentalent und ermöglichte ihm eine Ausb. in der Wkst. Agostino Carraccis, der damals in Parma in den Diensten des Herzogs stand. Bellori berichtet vom gründlichen Stud. L.s nach den Kuppelfresken Correggios in seiner Heimatstadt Parma und überliefert ferner, er habe noch vor seinem Weggang nach Rom eine Madonna mit Hll. für einen Seitenaltar von S.Agostino in Piacenza gemalt (nicht erh.). Lt. Mancini war es Herzog Ranuccio Farnese selbst, der L. und seinen Landsmann und Mitschüler Sisto Badalocchio nach dem Tod A.Carraccis 1602 nach Rom zur Weiterbildung bei dessen Bruder Annibale schickte. Versch. Dok.-Funde haben neuerdings zu einer Revision von L.s Frühwerk geführt (Witte, 2000; Denunzio, 2000; Schleier, 2006). Entgegen der Nachr. bei Bellori und Passeri können dieser ersten, bis 1610 dauernden röm. Phase nur noch wenige Werke sicher zugewiesen werden, darunter Fresken und Rad., jedoch keine Lw.-Gemälde. Als früheste bek. Arbeit L.s gilt sein Beitr. zur Dekoration der Längswände der Gall. Farnese, wo er um 1604 neben Domenichino, S.Badalocchio und Antonio Carracci tätig war. Von den acht stuckgerahmten Bildfeldern werden L. gemeinhin Arion auf dem Delfin und von Teilen der Forsch. auch Merkur und Apoll zugeschrieben. Darüber hinaus malte er wahrsch. auch das Lünettenfresko mit der Erscheinung des hl. Diego an seinem Grab, ehem. in der Capp. Herrera in S.Giacomo degli Spagnuoli (heute Barcelona, MN de Catalunya), deren Ausstattung 1604-07 von Francesco Albani geleitet wurde. Ebenfalls unter der Ltg F.Albanis entstanden die Deckenfresken in einem Salone im Pal. des Asdrubale Mattei, wo L. rahmende Grisaillen ausführte (Zahlungen Apr. 1607). Zus. mit S.Badalocchio schuf L. 1605-06 eine F. von Rad. nach Raffaels Fresken in den Loggien des Vatikan, die ihrem gemeinsamen Lehrer Annibale Carracci gewidmet ist. Bis zur vorübergehenden Rückkehr in seine Heimat war L. in den folgenden Jahren an mehreren Projekten unter der Ltg Guido Renis beteiligt, die dieser vorwiegend im Auftrag des Kardinals Scipione Borghese ausführte, darunter die Ausstattung des Oratorio di S.Andrea im Komplex von S.Gregorio Magno. Hier malte L. an der monochromen Innenfassade in fingierten Nischen beiderseits des Eingangs die Figuren des Hl. Gregor und der Hl. Silvia sowie das Kardinalswappen über der Widmungs-Inschr. von 1608. Diese und weitere Arbeiten sind im Herbst 1609 durch Zahlungsvermerke in einem Rechnungsbuch G.Renis belegt, ein letzter Eintrag auf L.s Namen datiert vom 10.6.1610. Eine eigenständige Hs. L.s lässt sich in diesen Werken noch nicht fassen, vielmehr passt er sich dem Stil des jeweils leitenden Malers an. Nach dem Tode Annibale Carraccis kehrte L. wohl im Sommer 1610 in die Emilia zurück. Lt. Bellori verbrachte er etwa ein Jahr in seiner Heimatstadt Parma und in Piacenza, wo er im Hause seines früheren Förderers Graf Scotti lebte. Während L. in Rom bislang lediglich Hilfsdienste für die nur wenig älteren, aber bereits selbstständig arbeitenden Carracci-Schüler übernommen hatte, konnte er sich in der Heimat als eigenständiger Maler etablieren. In kurzer Zeit erhielt er hier wohl v.a. durch die Vermittlung Graf Scottis, für den er mehrere Bilder malte, zahlr. große Aufträge, darunter das Altarbild Der Erzengel Raffael bezwingt den Dämon für die Capp. dell'Angelo Custode von SS. Nazzaro e Celso in Piacenza (sign. und 1610 dat.; heute Neapel, MN Capodimonte). Der athletische Figurentypus und die auch in and. Bildern vorherrschende dunkle und kühle Farbigkeit verraten die Orientierung an Annibale Carracci. Eine erste Kuppelausmalung L.s wurde im Zuge der Säkularisation zerstört. Sie war Tl der Dekoration der Lukas-Kap. in der 1810 abgerissenen Servitenkirche von Piacenza, die L. für das Collegio dei Notai ausführte. Die Quellen beschreiben eine Himmelfahrt Mariens in starker Anlehnung an Correggios Kuppel in S.Giovanni Ev. in Parma. Erh. geblieben ist das zugehörige Altarbild des Hl. Lukas mit dem Engel (sign. und 1611 dat., Piacenza, MCiv.). Hier zeigt sich L. in Farbwahl und Modellierung deutlich von Ludovico Carracci beeinflusst, während der schwebende, an den Fingern abzählende Engel das bek. Motiv Caravaggios aus der Capp. Contarelli zitiert. Nach dem produktiven Intermezzo in der Emilia kehrte L. 1612 nach Rom zurück, wo er binnen weniger Jahre zu einem der gefragtesten Maler der Stadt aufstieg und sich ohne Unterbrechung bis zu seinem Weggang nach Neapel im Jahr 1634 aufhalten sollte. Im Aug. 1613 mietete er für ein Jahr zus. mit Antonio Carracci eine Wohnung in der Via Paolina, als Mitgl. der Accad. di S. Luca ist er erstmals am 27.10. und 2.12.1613 dokumentiert. Zunächst widmete sich L. einigen noch ausstehenden Aufträgen für Auftraggeber in Piacenza, darunter das Altar-Gem. mit der Errettung einer Seele für die dortige Kirche S.Lorenzo (sign.; um 1612/13, Neapel, MN di Capodimonte), in dessen leuchtender Farbigkeit am deutlichsten die emilianischen Vorbilder L.Carracci und bes. Bartolomeo Schidone aufscheinen. Etwas später wird das Kabinettstück mit der Heilung der Hl. Agathe im Kerker (Parma, Gall. Naz., weitere Version Rom, Gall. Corsini) angesetzt, das bereits ein ausgeprägtes Chiaroscuro und stimmungsvolle Gegenlichteffekte zeigt. Diese Anleihen bei den Caravaggisten und bes. bei Orazio Borgiani sollten auch die zahlr. Altarbilder der folgenden Jahre prägen. L. versuchte nun erfolgreich Kontakte zu wichtigen Auftraggebern zu knüpfen. Von Asdrubale Mattei erhielt er E. 1614 den Auftrag für Deckenmalereien in dessen Pal. mit drei Szenen aus dem AT: Joseph und das Weib des Potiphar, Traumdeutung Josephs im Kerker sowie Elias auf dem Feuerwagen (letztere nicht erh.). Für den Marchese Clemente Sannesi malte L. eine Anbetung der Hirten (La Notte) (Alnwick Castle/Northumberland), eine Paraphrase von Correggios berühmtem Gem. gleichen Sujets. Einer Nachr. Passeris folgend, galt dieses Bild in der Forsch. lange als frühestes Werk L.s, wird jedoch heute um 1615/16 angesetzt. Für die Brüder Sannesi hatte L. bereits bei seinem ersten Romaufenthalt gearbeitet, die Deckenfresken in der Palazzina Sannesi wurden jedoch beim Abriss des Gebäudes im 19. Jh. zerstört. Clemente Sannesi soll den Maler auch bei einem seiner wichtigsten Mäzene, Kardinal Alessandro Peretti-Montalto eingeführt haben, der ihm später den Auftrag zur Ausmalung der Kuppel von S.Andrea della Valle verschaffte. Um 1615/16 schuf L. für ihn zwei Szenen für eine Ser. von insgesamt elf Oval-Gem. zum Leben Alexanders des Großen für den Salon des Pal. verso Termini (beide: Reggio Emilia, Fondaz. Cassa di Risparmio). An dem Zyklus waren versch. Maler unterschiedlicher Ausrichtung beteiligt, darunter Domenichino, F.Albani und S.Badalocchio. Seinen endgültigen Durchbruch verdankte L. 1615 der Ausmalung der Capp. Buongiovanni in S.Agostino, seinem ersten öff. Werk in Rom. Die Kap. ist den Hll. Augustinus und Wilhelm von Aquitanien sowie der Jungfrau Maria gewidmet. Neben dem Altarbild mit der Marienkrönung (erste Version im Louvre) sowie Lateralbildern mit Szenen aus dem Leben der Titel-Hll. waren es v.a. die Kuppel mit der Himmelfahrt Mariens und die zugehörige Lünette mit den Aposteln am Mariengrab, die den Beifall der Zeitgen. fanden. Schon Bellori sah in diesen Fresken ein Präludium zur späteren Kuppel in S.Andrea della Valle. In einer Weiterentwicklung von Correggios Kuppelausmalungen erprobte L. hier erstmals ein einheitliches Komp.-Prinzip zur Steigerung des Illusionismus seiner vielfigurigen Paradies-Vision. Der Erfolg der Capp. Buongiovanni öffnete L. den Zugang zu prestigeträchtigen Großaufträgen, bes. für Papst Paul V. Borghese und seinen Umkreis. So wurde er nun zus. mit Agostino Tassi und Carlo Saraceni mit der Friesdekoration der Sala Regia im päpstlichen Quirinals-Pal. betraut (Zahlungen Aug. bis Dez. 1616; nicht ausgef. Entwurf für eine umfangreichere Dekoration im Louvre). Zeitgleich - und nicht schon während des ersten Romaufenthaltes wie bei Passeri überliefert (Witte 2000, id. 2001; Denunzio 2000) - entstand die Ausstattung des Camerino degli Eremiti für Odoardo Farnese. Dieser für die Privatandacht bestimmte, unmittelbar an die Kirche und das Oratorium von S.Maria della Orazione e Morte angrenzende Raum im Pal. Farnese wurde im 18. Jh. zerst., von den urspr. vier Wandfresken und neun Lw.-Gem. der Decke haben sich die Entrückung der hl. Maria Magdalena und Christus von Engeln gespeist (Neapel, Capodimonte) erhalten. Begünstigt von Papst Paul V. konnte L., nachdem viele seiner Konkurrenten inzwischen die Stadt verlassen hatten, verstärkt für den Borghese-Hof tätig werden. So bewarb er sich erfolgreich um die Ausmalung der Benediktionsloggia von St. Peter (Auftrag Apr. 1619), doch sollte ausgerechnet dieser prestigeträchtigste und umfangreichste Auftrag schließlich unausgeführt bleiben, da das Projekt nach dem plötzlichen Tod des Papstes von den Nachf. aufgegeben wurde. Die umfangreichen Vorarbeiten wurden 1665 im Auftrag von L.s Sohn zumindest in Teilen als Stichfolge von Pietro Sante Bartoli publ. (Schleier, 1970). Die Auseinandersetzung mit dieser mon. Aufgabe macht sich A. der 1620er Jahre in einem veränderten, kraftvoll-dynamischen Figurenstil bemerkbar, der sich auch in den zahlr. Altar-Gem. niederschlägt. Bilder wie die Ekstase der sel. Margarethe von Cortona für S.Maria Nuova in Cortona (1622, Florenz, Pal. Pitti) zeichnen sich durch einen nunmehr hochbarocken Stil mit spannungsgeladenen Komp. und dramatischen Effekten aus. In der ersten H. der 1620er Jahre entstanden zudem drei Kap.-Dekorationen in wichtigen röm. Kirchen: die Passionsszenen der Apsiskalotte der Capp. Paganini in S. Maria in Vallicella (1620/21) und die umfangreiche Ausstattung der Capp. Sacchetti in S. Giovanni dei Fiorentini (um 1622/23), die eine weitere Kuppelausmalung (Himmelfahrt Christi) und zwei hochdramatische Lateral-Gem. (Christus am Ölberg; Kreuztragung, beide auf Holz) mit einschließt. Der Zyklus großformatiger Gem. für die Sakraments-Kap. von S.Paolo fuori le mura (1624/25; Schleier 2001, Kat. 63-69) ist heute auf versch. Slgn verteilt (u.a. Los Angeles, Getty Mus.; Dublin, NG of Ireland). Eine gänzlich and. Wirkung wusste L. in seinem bedeutendsten profanen Werk dieser Phase zu erzielen, dem Deckenfresko mit dem Rat der Götter in der Loggia der Villa Borghese (Zahlungen Aug. 1624 - Juli 1625; Entwurf in Wien, Albertina). Für den Auftraggeber Scipione Borghese hatte L. zuvor schon Gem. wie die Darst. Orcus, Norandino und Lucinda (um 1619/21) nach Ariost gemalt (ebd., ehem. Villa Frascati). Hier bedingt der Anbringungsort in der langgestreckten Loggia ein extremes Querformat des zentralen Bildfeldes. Innerhalb eines von Atlantenpaaren getragenen, illusionistischen Archit.-Rahmens, der noch entfernt an das komplexere Dekorationsschema der Gall. Farnese erinnert, öffnet sich der Ausblick in einen lichten und von heiterer Ruhe bestimmten Götterhimmel. Ohne einen auf den ersten Blick erkennbaren narrativen Zusammenhang lagern die olympischen Gottheiten in ungezwungener Natürlichkeit auf Wolkenbänken (zur Ikonogr. Ficacci, 1998). Das trad. Dekorationsprinzip des Quadro riportato ist kaum noch als solches spürbar, denn anders als etwa in Raffaels Göttermahl der Villa Farnesina oder A.Carraccis Gall. Farnese, wo sich die zentrale Darst. friesartig entlang der vorderen Bildebene entfaltet, weiß L. seinem Figurenpersonal trotz des schmalen Formates eine differenzierte Tiefenräumlichkeit zu verschaffen. Unmittelbar im Anschluss begann er mit seinem bekanntesten und einflussreichsten Werk, den Kuppelfresken von S.Andrea della Valle, der Hauptkirche des Theatinerordens, deren Bau kurz zuvor von Carlo Maderno voll. worden war (Zahlungen Aug. 1625 - Sept. 1628). Kardinal Peretti-Montalto hatte L. lt. Passeri urspr. die Ausmalung der Kuppel und der Apsiskalotte in Aussicht gestellt. Doch wurde nach dessen Tod 1623 der Auftrag auf Betreiben Kardinal Ludovisis zunächst an dessen Protegé Domenichino vergeben. Vermutlich auch, weil man eine schnellere Fertigstellung anstrebte, wurde Domenichino zu seinem großen Ärger dazu gedrängt, die Kuppel an L. abzutreten. Diese Episode führte zu einer weiteren Verschärfung der seit längerem bestehenden Rivalität zw. den beiden Künstlern. L.s Fresken fanden allg. Beifall. Bellori widmet der Ausmalung eine ausführliche Beschreibung und weist ihr unter den röm. Kuppeldekorationen den ersten Rang zu. In der steilen, über einem hohen Tambour sitzenden Wölbung organisiert L. das Thema der Himmelfahrt Mariens kompositorisch in zwei konzentrischen Reg. dynamisch bewegter Figuren: im unteren Maria im Kr. der Hll., flankiert von den Theatiner-Hll. Kajetan von Thiene und dem erst 1624 seliggesprochenen Andrea Avellino, sowie darüber ein Reigen musizierender Engel auf schwebenden Wolkenbänken, der sich mit zunehmender Höhe in einem goldenen Licht auflöst. Akzentuiert durch eine von Putten getragene ringförmige Girlande um die Laternenöffnung kulminiert die Himmelsvision in dem kopfüber im gleißenden Licht der Laterne herabschwebenden Christus. Dabei knüpft L. an Correggios Bildlösungen bes. im Dom von Parma, aber auch an jüngere Kuppelausmalungen wie die Il Cigolis in der Capp. Paolina in S. Maria Maggiore an und entwickelt die Motive seiner eig. Himmelsausblicke im Casino Borghese wie auch der Capp. Buongiovanni weiter. Für die rasche Ausf. beschäftigte L. zahlr. Mitarb., darunter Antonio Richieri, Francesco Adorni, Giovanni Francesco Mengucci und François Perrier. Mit der sog. Navicella, einem Altarfresko für einen der Kuppelpfeiler von St.Peter, folgte ein weiterer prestigeträchtiger Großauftrag. Noch 1625 hatte sich L. u.a. direkt bei Papst Urban VIII. um einen Auftrag für St.Peter beworben und am 20.8.1625 die Zusage erhalten, einen Ersatz für das nur 20 Jahre alte Vorgängerbild von Bernardo Castello zu schaffen. Durch dessen Einspruch verzögerte sich die Ausf. dieses hochdramatischen Historienbildes jedoch, das am 17.9.1628 enthüllt wurde (nur Fragm. erh.; Komp.-Entwurf Wien, Albertina). Es steht am A. einer Ser. von Arbeiten für den Barberini-Papst und seinen Umkreis, darunter das einflussreiche Gem. der Unbefleckten Empfängnis für den Hochaltar von S. Maria della Concezione (1628-30; 1813 größtenteils zerst.), die Anbetung der Hirten (1631; ebd.), die Ausstattung der Capp. del SS. Crocifisso in St.Peter für Francesco Barberini sowie die Kabinettstücke der Transfiguration (1626/27) und Kreuzigung Christi (1628; beide GNAA, Pal. Barberini). Als Zeichen der Anerkennung für die Navicella verlieh Papst Urban VIII. L. lt. Passeri auch den Titel eines "Cavaliere dell'Ordine di Gesù Christo" (Breve vom 11.10.1628). In seinen Sign. verwendete L. fortan den Zusatz "EQVES", etwa in dem Altar-Gem. mit dem Martyrium der Hl. Lucia (um 1632) für S. Lucia in Selci. Statusbewusst zeigt er sich auch in seinem Selbstbildnis (um 1629/30; Columbus, Mus. of Art) in der Ordenstracht mit dem roten Kreuz über der Brust. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere wurde L. als Nachf. Giovanni Lorenzo Berninis 1631 zum Princeps der Accad. di S. Luca ernannt. Nach dem Vorbild der röm. Oberschicht hatte er sich zudem auf dem kleinen Fam.-Bes. in den Monti di Bravetta vor den Toren Roms ein Casino errichten lassen, das er lt. Passeri zus. mit Freunden mit Szenen aus dem Orlando Furioso dekorierte (nicht erh.; Rad. von Antonio Richieri; Schleier, 2007; Branchini, 2007). Einen intimeren Einblick in das Priv.-Leben jenseits formeller Selbstdarstellung gibt das einige Jahre früher entstandene, ungezwungene Fam.-Bildnis, das seine Frau (Heirat 1616) mit seiner Mutter und den sieben Kindern des Künstlers zeigt (Banca Popolare di Novara). Es war urspr. als Freundschaftsgabe für Ferrante Carlo gedacht, den Sekretär Scipione Borgheses und Autor einer Lobschrift auf die Kuppelfresken von S. Andrea della Valle. Gegen E. der 1620er Jahre fällt in L.s Gem. eine neue, weichere und flüssigere Malweise sowie eine hellere, leuchtendere Farbigkeit auf, die eine Auseinandersetzung mit venez. Vorbildern verrät, etwa in dem Altarbild Der Hl. Sylvester bezwingt den Drachen für die Karmeliterkirche S. Teresa in Caprarola (1628). L. führte in dieser Zeit auch versch. Altar-Gem. für Kirchen außerhalb Roms und sogar nördlich der Alpen aus, wie die großformatige Himmelfahrt Mariens (1631/32) im Auftrag der Fugger für die Dominikanerkirche in Augsburg (heute München-Nymphenburg, Christkönigkirche) oder das ebenfalls bes. mon. Hochaltar-Gem. Christus am Ölberg für die Stiftskirche St. Leodegar im Hof in Luzern für den päpstlichen Nuntius Ranuzio Scotti, den Sohn seines frühen Förderers in Piacenza. Im März 1634 verließ L. Rom und zog nach Neapel, wo er für mehr als ein Jahrzehnt bis kurz vor seinem Tod tätig sein sollte. Er folgte dabei einer Einladung der Jesuiten, die ihn auf Betreiben des Ordensgenerals Muzio Vitelleschi mit der Ausmalung der Kuppel ihrer Kirche Gesù Nuovo beauftragt hatten. Nach Querelen um Nachbesserungen und die Bezahlung wurden die Fresken erst am 31.7.1636 enthüllt. Die Rippenkuppel mit der Darst. des Paradieses (Beschreibung bei Bellori) stürzte 1688 ein, von L.s Malereien erh. geblieben sind nur die Evangelisten der Pendentifs. L.s Hoffnungen auf den Nachfolgeauftrag zur Ausmalung des Presbyteriums zerschlugen sich, hiermit wurde Massimo Stanzione betraut. Während seiner Zeit in Neapel war L. auch mehrfach für den kunstsinnigen Vizekönig und vormaligen span. Botschafter in Rom, Manuel de Zúñiga y Fonseca, den Grafen von Monterrey, tätig. In seinem Auftrag entstanden mehrere Szenen aus der röm. Gesch., die für den Pal. del Buen Retiro, das Lustschloss Philipps IV. in Madrid, bestimmt waren (ausgef. 1634/35 und 1638/39; heute im Prado und Aranjuez, Mus. de Traje) und das mon. Altar-Gem. mit der Verkündigung an Maria für die Kirche der Augustinas Descalzas in Salamanca. Daneben führte L. weiterhin Altar-Gem. für röm. Kirchen sowie versch. and. Orte aus, darunter mehrere Aufträge für Städte in der Toskana wie das Martyrium des Hl. Laurentius für S. Pier Cigoli in Lucca (1635; heute MN di Villa Guinigi). Am 3.4.1637 unterzeichnete L. den Vertrag zur Ausmalung der Kartäuserkirche von S.Martino (voll. 1639). Dieser umfasste die Freskierung des gotischen Rippengewölbes im Langhaus mit einer Himmelfahrt Christi, deren Personal sich auf versch. fingierte Durchbrüche der Gewölbekappen verteilt, außerdem die Lünette des Presbyteriums mit einer dramatischen, vielfigurigen Kreuzigung Christi sowie die zweigeteilte Lünette der Innenfassade mit den Szenen der Berufung der Apostel Petrus und Andreas sowie Christus errettet Petrus aus den Fluten und schließlich mon. Figuren der Apostel in der Fensterzone des Langhauses sowie Kartäuser-Hll. und Bischöfe des Ordens in der Apsis. Den umfangreichsten Auftrag in Neapel führte L. für einen weiteren Orden aus: die Theatiner, für die er bereits in S.Andrea della Valle gearbeitet hatte. In ihrer Kirche SS. Apostoli war er mit Unterbrechungen von 1638 bis zu seinem Weggang 1646 tätig. Das komplexe Dekorationsschema des Kirchengewölbes entwickelt Motive aus S. Martino weiter, bes. in den Apostelmartyrien des Langhauses bedient sich L. eines dramatischen Stils, der mit seiner schnellen flüssigen Malweise auf Luca Giordano vorausweist. Allerdings sind spätestens bei diesem Auftrag einzelne Nachlässigkeiten in der Ausf. (bes. der Lw.-Gem. für die Apsis) nicht zu übersehen und bereits Bellori bemerkt, der Maler habe sich in Neapel der Routine ergeben und bisweilen nicht auf der Höhe seines Könnens gearbeitet. Dies beeinträchtigt jedoch nicht die mon. Wirkung seiner Szene Christus am Teich von Bethesda, deren illusionistischer Archit.-Prospekt mit seinen Durchblicken die Innenfassade gleichsam zu einer Säulenhalle erweitert. Zwei Tage nach dem plötzlichen Tod Domenichinos, der seit 1631 mit der Ausmalung der Capp. del Tesoro im Dom beschäftigt war, beschlossen die Verantwortlichen am 8.4.1641, die Ausmalung der Kuppel an L. zu übertragen. Wegen der von ihm geforderten baulichen Vorbereitung (Entfernung der Stuckrippen, Schließung der Laterne) verzögerte sich die Ausf. jedoch bis 1643. Anders als in S.Andrea della Valle sind in dieser Himmelsvision die unterschiedlichen Reg. zu einer einheitlichen räumlichen Konzeption verschmolzen. Die geplante Ausmalung der Sakristei führte L. nicht mehr aus. Zu seinen letzten Arbeiten in Neapel zählen das malerisch bravouröse Altar-Gem. der Madonna mit den Hll. Januarius und Petrus sowie dem Stifter Kardinal Ascanio Filomarino (sign., 1645) für die Kap. des Pal. Arcivescovile in Neapel sowie die Deckenfresken im Oratorio dei Nobili der Casa Professa der Jesuiten (1646). E. 1646 kehrte L. - lt. Passeri und Bellori aus familiären Gründen - nach Rom zurück, wo er als letzten großen Auftrag das Fresko mit der Glorie des Hl. Karl Borromäus in der Apsiskalotte von S. Carlo ai Catinari ausführte. - Mit seinem äußerst umfangreichen Werk, das wohl nicht zuletzt seiner raschen und sicheren Arbeitsweise geschuldet ist, gehört L. zu den wichtigsten Vertretern der Barockmalerei. Nachhaltige Impulse gingen dabei von seinen großen Kuppelausmalungen aus, in Neapel ist seine Wirkung bes. in der folgenden Malergeneration bei L.Giordano, Giovanni Battista Benaschi und Francesco Solimena deutlich erkennbar. Zur Treffsicherheit und Ökonomie von L.s Zeichenmitteln bemerkte bereits sein erster Biograf: "Beim Zeichnen erfasste er den natürlichen Ausdruck mit wenigen Kohle- oder Kreidestrichen, er entwarf mühelos, und sofort entwickelte er daraus seine Bildidee in einer (Feder-)Skizze, die er bisweilen lavierte" (Bellori, 381). Das zeichnerische Œuvre wurde v.a. von E.Schleier erschlossen. Umfangreiche Bestände befinden sich u.a. in Florenz, Neapel und Paris.
Thieme-Becker, Vollmer und AKL:
ThB22, 1928
Weitere Lexika:
DEB VI, 1974; PittItalSeic II, 1988; DA XVIII, 1996; DBI LXIII, 2004
Gedruckte Nachweise:
G.Mancini, Considerazioni sulla pittura, I, ed. A.Marucchi/L.Salerno, R. 1956; Bellori, Vite 1672; Passeri, Vite, 1772; L.Salerno, BurlMag 94:1952, 188-196; D.Posner, in: W.Cahn (Ed.), Essays in Honor of Walter Friedlaender, N.Y. 1965; E.Schleier, Revue de l'art 7:1970, 40-67; N.Turner, Storia dell'arte 1971(12)297-325; E.Schleier, Disegni di G.L. (K), Fi. 1983 (Lit.); G.P. Bernini, G.L., Parma 1985 (Lit.); L.Laureati/L.Trezzani, in: Il patrimonio artistico del Quirinale, Mi. 1993; J.Bentini/L.Fornari Schianchi (Ed.), La pitt. in Emilia e in Romagna. Il Seicento, II, Mi. 1995; E.Negro, in: id./M.Pirondini (Ed.), G.L. La scuola dei Carracci, Md. 1995 (WV); D.M. Pagano, In Paradiso, Na.1996; L.Ficacci, in: S.Schütze/A.Coliva (Ed.), Bernini scultore (K), R. 1998; F.Barry, in: J.Imorde u.a. (Ed.), Barocke Inszenierung, Emsdetten/Z. 1999; A.E. Denunzio, Aurea Parma 84: 2000(3)365-386; A.Witte, BurlMag 142:2000, 423-428; E. Schleier, in: L'idea del Bello (K), R. 2000; G.L. Barocco in luce (K), Na. 2001; E.Schleier (Ed.), G.L. (K), Mi. 2001 (WV; Lit.); M.G. Bernardini (Ed.), L. a Roma, Mi. 2002; A.Sferrazza, Paragone 53:2002, 49-58; A.Costamagna, in: id. u.a. (Ed.), S. Andrea della Valle, Mi. 2003; D.Ganz, Barocke Bilderbauten, Petersberg 2003; A.Witte, The artful hermit, Am. 2004; Barock im Vatikan (K Bonn/Berlin), L. 2005; E.Schleier, Dello stile naturale (K), M. 2006; R.Banchini, Quad. del Dipartimento Patrimonio Architettonico e Urbanistico 17:2007(33/34)157-164; id., Boll. d'arte 92:2007, 149-158; E.Schleier, Studi di storia dell'arte 18:2007, 143-160; id., in: K.Buttler/F.Krämer (Ed.), Jacobs-Weg, Weimar 2007; L.Sickel, Röm. Jb. 38: 2007/08, 231-295; E.Oy-Marra, in: U.Pfisterer/G.Wimböck (Ed.), Novità, Z. 2011; T.Carratù (Ed.), Effetto notte (K), R. 2011; E.Oy-Marra, in: L. di Cosmo/L.Fatticconi (Ed.), Le componenti del Classicismo secentesco, R. 2013; R.Vodret, in: Carlo Saraceni, 1579-1620 (K), R. 2013
Lanfranco, Giovanni, Maler, * Parma 26. 1. 1582 (Battistero di Parma, libro dei battesimi, sub anno; Notiz N. Pelicelli), † Rom 30. 11. 1647 (Notiz Fr. Noack aus dort. Archiven). Erster Unterricht bei Agost. Carracci, aber hauptsächlich unter Annibale fortgebildet, dessen Mitarbeiter er gelegentlich war. Bald nach 1600 in Rom nachzuweisen, wohin er aus der Emilia übersiedelt, um im Pal. Farnese mitbeschäftigt zu werden. Erstes vollständiges Werk: Ausmalung eines Raumes mit Eremitendarstell. (zerstört; vgl. den Stich Villamenas von 1620). Um 1610 kehrt L. auf 1 Jahr in seine Heimat zurück, wo er Altarbilder für Kirchen in Piacenza u. Parma ausführt. Von etwa 1612 ab wieder in Rom, wo er seit 1613 in den Akten der Akad. S. Luca nachweisbar ist u. 13.7.1631 Mitglied der Congreg. Virtuosi wird. Es entstehen nacheinander: Hochaltarbild in S. Giuseppe a capo le case, Dekoration der Capp. Buongiovanni in S. Agostino (um 1616), Fries der Sala Paolina im Pal. del Quirinale (zuS. mit Saraceni ond Tassi), die Deckenmalerei der Loggia im Casino Borghese (1782 durch D. Corvi bei Umgestaltung des Raumes stark restauriert) und vor allem das epochemachende Kuppelfresko von S. Andrea della Valle (beg. 1621). Die projektierte Ausmalung der Loggia delle Benedizioni von St. Peter unterbleibt infolge des Todes Pauls V. (vgl. die Stiche von P. S. Bartoli 1665), dagegen wird die Capp. del SS. Sacramento in S. Paolo f. l. m. mit großen Leinwandbildern u. Fresken ausgeschmückt, die schon im 17. Jahrhundert, unter der Feuchtigkeit leidend, entfernt u. (später) zerstreut wurden. L.s letzte röm. Arbeiten sind die Passionsszenen der Capp. Sacchetti in S. Giovanni dei Fiorentini u. der Fresken der Capp. del Crocifisso in St. Peter, ebenda das (nur fragmentarisch erhaltene, an Ort und Stelle durch Mosaikkopie ersetzte) monumentale Altarbild des auf den Wellen wandelnden Christus. - 1633 oder 1634 ging L. nach Neapel, wo er zahlreiche Monumentalaufträge ausführte. Neapler Hauptwerke: Fresken der Hauptkuppel und der Pendentifs des Gesù Nuovo (nur letztere erhalten); Fresken der Langhauswölbung von S. Martino (Certosa) u. das große Fresko an der Chorwand ebenda; Fresken in SS. Apostoli mit den Taten u. Martyrien der Apostel (in gewisser Weise L.s Hauptwerk, ein beispielloses Ensemble dramatisch bewegter Szenen größten Maßstabes); Kuppelmalerei der Capp. di S. Gennaro im Dorn, nach Domenichinos Tode (1641) neu begonnen und, mit der Absicht diesen zu übertrumpfen, unter höchster Steigerung aller illusionistischen Mittel durchgeführt. - 1646 nach Rom zurückgekehrt, übernimmt L. die Ausmalung der Chorapsis von S. Carlo ai Catinari (Paradiesglorie, 1647 voll.). - L. ist der Nachwelt hauptsächlich als Schöpfer einiger illusionistischer Decken- und Kuppelmalereien im Gedächtnis geblieben; er ist der eigentliche Erbe Correggios, dessen Fresken im Dom u. in S. Giovanni Ev. zu Parma ihn schon früh und nachhaltig beeinflußt haben. Entwicklungsgeschichtlich besteht L.s Bedeutung darin, daß er die illusionistisch-lumina-istischen Tendenzen des emilianischen Cinquecento nach Rom verpflanzt und der tektonischen u. manieristischen Grundeinstellung der röm. Monumentalmalerei aufgezwungen hat. Damit hat er jene Expansion malerischer Dekorationskunst begründet, die sowohl in Rom wie besonders in Neapel seit Mitte des 17. Jahrh. zum Siege gelangte. - L. steht aber auch als Meister des Altarbildes und der religiösen Historie in vorderster Reihe und hat namentlich an der Erweiterung der kompositionell malerischen Möglichkeiten der Sacra Conversazione entscheidenden Anteil. Wesentlich bedacht auf die Grandiosität u. Monumentalität der Gesamtwirkung, unterstreicht er das Wesentliche seiner meist reich und kompliziert gestalteten Kompositionen mit solcher Wucht u. Eindringlichkeit, daß eine ganz neuartige, schlagende Fernwirkung entsteht. Das Detail wird darüber stellenweise über Gebühr vernachlässigt oder doch lieblos u. willkürlich behandelt. Charakteristisch ist für L. ein starkes Helldunkel, eine Kompositionsweise in hellen u. dunklen Flecken, der die Aufgabe zufällt, die erstrebte Dynamik und Dramatik gewaltiger Massen mit malerischen Mitteln hervorzubringen. Der Eindruck mancher Werke L.s ist demgemäß ein sehr lauter, ja förmlich betäubender, und je selbständiger er sich weiter entwickelte u. zu seinem "klassizistischen" Widerpart Domenichino in bewußten Gegensatz tritt, um so kühner u. mächtiger, aber auch um so roher, äußerlicher u. undifferenzierter wird seine Kunst. Nicht mit Unrecht betrachtete ihn eine spätere, ernüchterte Zeit als eine historische Parallelerscheinung in der Malerei zu dem ihm geistig weit überlegenen Bernini, neben dem er auch künftig als eigentlicher Begründer des röm. Hochbarock zu nennen sein wird. Werke (außer den genannten Freskenzyklen). Afragola, SS. Rosario: S. Conversazione, für S. Martino in Neapel gem. (vgl. Passeri a.a.O. p.153 f. u. P. Saquella in Napoli Nobilissima, VIII [1899] 133ff., m. 2 Abb.). - Augsburg, Mus. i. d. Dominikanerkirche : Assunta, Kolossalbild, von d. Fugger 1631 bestellt (vgl. H. Wiedemann i. d. Zeitschr. d. Hist. Ver, f. Schwaben u. Neubg, Bd 43 [1917] 15f., m.Taf.). Dom : Kreuztragung Christi (vgl. H. Voss in: Das Schwab. Museum, 1926, p. 69, in. Abb.). - Berlin, K. F. M. (Vorrat): Der hl. Andreas. - Braunschweig, Landesmus.: Findung Mosis. - Caprarola, Zoccolanti: Der hl. Sylvester bändigt den Drachen. - Dresden. Gal.: Der reuige Petrus. - Dublin, Nat. Gall.: Wunder d. Brote u. Fische; Abendmahl (aus S. Paolo f. l. m.). - Edinburgh, Gal.: Hl. Christophorus. - Fermo, S. Filippo Neri: Abendmahl (2. Hälfte 20er Jahre). - Florenz, Pal. Pitti: Vision der hl. Margarete v. Cortona, für S. M. Nuova in Cortona gem., berühmtes Hauptwerk, vielzitiertes Beispiel für die Interpretation der Ekstase im Sinne der Gegenreform., vor Berninis hl. Therese entstanden. Gal. Corsini: Gottvater (Rundbild). - Genua, Pal. Rosso: Kreuztragung (Variante im Augsburger Dom; Frühbild). - Leningrad, Ermitage: Verkündigung; Himmelfahrt der Magdalena (inhaltlich übereinstimmend : Prado No 563; Vorzeichn. Leipzig; Graph. Kab.). - Lucca, Pinak.: Laurentiusmarter, 1645 dat. - Luzern, Hofkirche: Christus a. Ölberg (1633). - Macerata, S. Giovanni : Tod Mariä, 1631 von G. F. Pellegrini rad. - Madrid, Prado: Gladiatorenkämpfe an Caesars Leiche (gest. von F. Selma); Röm. Seeschlacht; Auspizien : antike Darstell., um 1634 im Auftrag des Vicekönigs von Neapel für eine größere Folge gem., an der u. a. Domenichino, Sacchi, P. da Cortona u. Falcone mitgewirkt haben. (In den gleichen Zusammenhang dürften 2 Originalrad. I,.s gehören [13.30 u.31], deren erste eine Allocutio, ihr Gegenstück einen Triumphzug darstellt.) - Marseille, Mus.: Elias u. der Rabe (vgl. Dublin). - Modena, Gal.: Hl. Magdalena; Hl. Hieronymus (Oval-Brustbilder). - Neapel, Mus. Naz.: Schutzengel, aus Piacenza, 1600 datiert; Madonna mit hl. Hieronymus und Schutzengel, aus Piacenza, früh; Madonna mit den Hll.. Augustin u. Dominikus, dgl.; "Madonna di Reggio" mit den hll. Franz u. Rusticus, aus Parma, früh; Himmelfahrt der Magdalena (mit weiter Landschaft); Madonna mit den Hll. Carlo Borromeo u. Hieronymus (?); Herminia bei den Hirten (vgl. Rom, Kapitol); Christus u. Petrus auf d. Meer (interessante Lichtstudie, kleine Figuren). - Orvieto, Mus.: Krönung Mariae: - Padua, Mus. Civico: Himmelfahrt d. Magdalena (als "se. carraccesca"). - Paris, Louvre (einschließlich Vorrat) : Krönung 310 Lanfranco Mariac, Variante des Altarbildes d. Capp. Buongiovanni, gest. v. Baudet); Betender hl. Petrus; Abschied der Apostel Petrus und Paulus (v. E. Picart gest.); Pan u. Diana; Hagar in d. Wüste (z. Zt in Maisons-Laffitte). - Patata, Gal.: Hll. Agathe und Petrus; Christus mit Heiligen in der Glorie; Madonna delle Grazie : Schutzengel (? Badalocchio zugeschrieben, eher L.). - Perugia, S. Domenico: Madonna del Rosario. - Poitiers, Mus.: Elias und die Witwe (vgl. Dublin, Marseille). - Pozzuoli, Dom : Verkündigung; Gefangennahme d. hl. Artemas; Begrüßung des hl. Paulus. - Rom, Gal. Barberini : Hl. Cäcilie. Gal. Borghese : Keuschheit Josephs; Orco, Lucina u. Norandino (Ariost, Ort. für. XVII), für Scip. Borghese gem., gest. v. D. Cunego. Gal. Colonna: Befreiung Petri. Gal. Corsini: Hll. Agathe u. Petrus (Replik in Parma). Gal. des Kapitols: Herminia bei den Hirten (Replik in Neapel). Gal. Doria-Pamfili: Galathea und Polyphem. Smlg R. Longhi: David (Frühzeit). Pal. Costaguti (früher Patrizi) : Justitia u. Pax; Nessus u. Dejaneira; Polyphem u. Acis (Deckenfresken um 1620). Pal. Ginnasi : Ausgießung des hl. Geistes (Deckenfresko, kurz nach 1630). S. Agostino: Gesch. d. hl. Augustinus (r. Querschiff), in Neapel gem. S. Carlo ai Catinari : Verkündigung. S. Lucia in Selci: Enthauptung d. hl. Lucia. S. M. della Concezione (Cappuccini) : Geburt Christi (Nachtstück); Engelgruppen (Fragmente aus dem verbrannten Hochaltarbild der Empfängnis Mariae, für das L. 1628/30 von der päpstl. Kammer insgesamt 300 Scudi erhielt; Depositeria Generäle im röm. Staatsarch.). S. M. della Morte: Paulus u. Antonius als Einsiedler; Simeon der Stylit (kleine Freskobilder). S. Paolo f. 1. m.: 2 Lünetten aus d. Capp. del SS. Sacramento, heute im Museum d. Kirche. - Salamanca, Agustinas descalzas : Verkündigung, in Neapel gemalt. - Savona, Dom: Abraham und die 3 Engel (I. Seitenbild d. Capp. Gavotti). - Siena, S. Domenico (Sakristei) : alte Repliken des Bilderzyklus v. S. Paolo, Rom, von denen kleine Kopien sich in Gatschina befinden (vgl. E. v. Liphart in Staryje Gódy, 1916. Juli-Heft p. 15f., mit Abb., u. K. Bauch in Belvedere, 1924 H. 25 "Forum", m. Abb.). - Spoleto, S. Domenico : Maria u. Anna in d. Glorie mit den Hll. Katharina, Klara u. Helena unten. - Wien, Kunsthist. Mus.: Madonna in der Glorie mit den Hll. Antonius u. Jacobus, vermutlich das von Bellori erwähnte Bild aus S. Marta in Rom. Lit.: (außer der im Text gen.) : C. de Bit. Het Gulden Cabinet, Antw. 1662, p. 330. - [A. Félibien,] Entretiens sur les vies. des plus excellens peintres, 1666. - Sandrart, Teutsche Acad., 1675 (Ausg. von A. R. Peltzer, 1925). - Malvasia, Felsina pittrice, 1678. - Bellori, Vite de' pittori etc. moderni, 1672, p. 365 ff. (' 1728 p. 127148; Ausg. von Pisa, 1821, II 103ff.). - Baldinucci, Not. de' prof. del disegno, 1687188 u. 1702/28 (ed. 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