Le Brun (Lebrun), Charles, frz. Maler, Stecher, Bildhauer, Dekorateur, *Feb. 1619 Paris, get. 24.2.1619 ebd., †12.2.1690 ebd., Sohn des Bildhauers Nicolas L. (erste Erwähnung 1607), Bruder des Malers Nicolas L. (1615) und des Kupferstechers Gabriel L.
Le Brun, Charles
Am 26. Febr. 1647 heiratet L. die aus einer Fam. von Wappenmalern stammende Suzanne Butay; ihre Ehe bleibt kinderlos. Über die familiären Verbindungen seiner Brüder sowie seiner Nichten und Cousinen ist L. mit zahlr. Künstlern verschwägert, wie Alexandre Boudan, Philippe Caffieri (1634), Anselme Flamen (1647), René Antoine Houasse, Jean Humbelot (1610), Jean Jans (1644), Nicolas Legendre, Gilles Loir, Étienne de Morainvilliers, Jean-Baptiste Tuby (1635), Adam Frans van der Meulen, Jean Vilain, François de Villers (1647) und François Verdier (1651). Über mindestens 74 Patenschaften erstrecken sich diese weitläufigen Verwandtschaften und Verbindungen zudem auf Künstler wie Pierre Mariette, Gilles Rousselet, Eustache Le Sueur, Léonard Petit, Jean Waldor d.J., Baudouin Yvart, Evrard Jabach, Jacques Prou (1620), François Vatel, François Chauveau (1613), Israël Silvestre, Jean Varin (1607/1672), Claude Lefebvre (1632), Gédéon Berbier du Metz, Domenico Cucci, André Félibien des Avaux, Noël Coypel, Madeleine Coypel-Hérault, Louis de Melun, Pierre Breau (1665), Jean-Baptiste Monnoyer, Jean Lemoine le Lorrain, Jean Lemoine de Paris, Claude Ballin (um 1615), François Francart (1622), Michel Ballin, Jean Lefebvre (1644), Jean-Baptiste Lully, Jean Garnier (1632), François de Troy, Nicolas Loir, Gérard Edelinck (1640), Robert Nanteuil, Michel Thomassin de Joyeuse, Sébastien Le Clerc (1637), Jean Berain (1), François Girardon, Jean Cotelle (1607), Joseph Cussat, Filippo Branchi, Antoine Coyzevox, Guillaume Anguier, François Bonnemer und Charles Lemire (cf. Bénédicte Gady 2009 in ead. '10). Zudem arbeitet L. im Laufe seiner Tätigkeit als "Premier peintre du roi" mit zahlr. weiteren Künstlern zusammen. Über seinen Vater und dessen berufliche Tätigkeit wird L. bereits als Kind mit den geschäftlichen Umständen des Künstlerberufs vertraut gemacht. Der relativ unbek. bleibende Bildhauer Nicolas L. vermittelt seinem Sohn vermutlich erste technische Fertigkeiten sowie Kenntnisse der strukturellen Gliederung der Maler- und Bildhauerzunft, deren Juror er 1625-27 ist; darüber hinaus stellt er Verbindungen zu Künstlern wie Simon Guillain, Jacques Sarazin, Gilles Guérin, Pierre Patel (um 1605) und François Bellin (1632) her. L. erweist seinem Vater bereits in jungen Jahren mit dem Gem. Le Portrait du sculpteur Nicolas Ier L. eine frühe und außergewöhnliche Ehrung (Salzburg, Residenz-Gal., vermutlich um 1634-35). Die besondere Bedeutung des väterlichen Einflusses lässt sich möglicherweise auf spezielle Zunftregelungen zurückführen: Da L. erst nach der Aufnahme seines Vaters in die Zunft geb. wird, ist er von der sonst verpflichtenden Lehrzeit entbunden, was es ihm gemäß dem Ausdruck von Guillet de Saint-Georges freistellt, "von Schule zu Schule" zu wandern. So sind mindestens zwei seiner Lehrmeister namentlich bek.: François Perrier um 1633-34 sowie Simon Vouet, vermutlich um 1635-36 sowie erneut E. der 1630er Jahre. Seine Fam. mütterlicherseits spielt eine noch größere Rolle für L.s Zukunft als Maler. Der Gemahl seiner Cousine, Mathurin Renaud de Beauvallon, Anwalt am "Conseil du Roi", macht L. vermutlich um 1635 oder '36 mit dem Kanzler Pierre Séguier bek., der zu seinem Gönner - in der Terminologie des 17. Jh. zu seinem "Patron" - wird und L. fortan fördert. Zw. 1636 und '38 wird L. vermutlich sogar vom Kanzler beherbergt. Der Großvater L.s, Pierre Le Bé, sein Onkel Étienne I. sowie seine Cousins Étienne II. und André sind durchweg Schreibmeister. Étienne I. und Jean sind damit betraut, Ludwig XIV. in die Schreibkunst einzuführen. Sie stehen in ständigem Kontakt mit zahlr. Verlegern, namentlich Jean und Roland Le Blond, über die L. vermutlich seine ersten Aufträge für Vor-Zchngn für Drucke erhält. So liefert L. ab M. der 1630er Jahre u.a. die Vorlage eines St-Augustin, der von G.Rousselet gestochen und von P.Mariette verlegt wird und der Bezug nimmt auf eine "Ste-Geneviève" von Laurent de La Hyre. L. führt auch mehrere kleinere Gem. auf Holz sowie in Camaieu-Schnitt aus, die als Modell für den Stich von Flug-Bll. dienen, wie z.B. die fünf ebenfalls von G.Rousselet gestochenen und von P.Mariette publ. Devotionalienbilder Iesus Amabilis (London, Priv.-Slg), Mater Amabilis (nach einem verschollenen Gem.), St-Bernard (ebenso), St-Bruno und St-Hyacinthe (Sotheby's, New York, 25.1.2001, Nr. 133). In den Jahren 1638-39 zeichnet er mindestens zwei Allegorien anlässlich der Geburt des Thronfolgers (eine davon verschollen, die and. von A.Boudan verlegt): L'Oblation du Dauphin (Vor-Zchng Paris, BN; Druck von Jérôme David bei A.Boudan) sowie L'Espoir de la France (Vor-Zchng ebd., Druck von J.Humbelot). Darüber hinaus fertigt L. einen Louis XIII en riche lieu an (verschollen) sowie ein Portrait équestre de Louis XIII et Anne d'Autriche devant Saint-Germain en Laye, das von Pierre Daret (1605) gestochen wird. Vor seiner Abreise nach Italien stellen diese für den Handel bestimmten Stiche einen wesentlichen Tl seiner Arbeit dar, wie z.B. auch St-Étienne und St-Laurent (Gem. als Vorstudie Aachen, Suermondt-Ludwig-Mus.), Ste-Geneviève tenant un cierge (Gem. als Vorstudie Rouen, MBA, um 1637-39), Les Quatre Saisons (Gem. als Vorstudie für L'Automne, Brüssel, Priv.-Slg, sowie für L'Hiver, Frankreich, Priv.-Slg) oder L'Hist. du fils prodigue und Les Quatre Heures du Jour, Letztere von L. selbst um 1640 gestochen. Gleichzeitig arbeitet L. auch für P.Séguier und dessen Umfeld, in einem deutlich von S.Vouet beeinflussten Stil. So malt er einen Christ en croix (Moskau, Puschkin-Mus., 1637), der als Modell für einen P.Séguier gewidmeten Stich dient. Er zeichnet daneben auch Frontispize für Bücher (z.B. Georges de Scudéry, Didon, 1637, L'Aveugle de Smyrne, 1638) sowie für Abh. (z.B. Séguier au Parnasse für Girard du Thillay, 1641; La Grandeur d'âme et la Fidélité soutenant le portrait de Claude Bouthilier, für Louis Girard, 1642). Seinen ersten großen Auftrag, ein Gem. für den Pal. des Kardinals Richelieu, Hercule terrassant Diomède (Nottingham, Castle Mus. and AG), verdankt L. vermutlich der Vermittlung durch P.Séguier. Zw. 1641 und '42 führt L. sein erstes Altar-Gem. für die Kap. der Maler- und Bildhauerzunft in der Église du St-Sépulcre in Paris aus, Le Martyre de St Jean à la Porte Latine (heute in der Kirche St-Nicolas-du-Chardonnet). Neben dem Einfluss S.Vouets lässt sich darin zunehmend auch jener Peter Paul Rubens' beobachten. In der Forsch. wird debattiert, ob das Gem. eine Spende - so Guillet de Saint-Georges - oder ein "chef-d'œuvre", also ein Aufnahmestück für die Zunft war. Im Juni 1638 erscheint L. unter der Bezeichnung eines "peintre de Sa Majesté". Im Aug. 1640, als er seinen ersten Lehrling einstellt, nennt er selbst sich "peintre du roy et de Monseigneur le chancellier". Am 9.5.1641 wird ihm eine Urkunde als kgl. Maler und Kammerdiener verliehen; gleichwohl scheint er niemals den Titel eines Meisters geführt zu haben. Gegen E. des Jahres 1642, wahrsch. im Okt., bricht L. nach Lyon auf, um sich Nicolas Poussin auf dessen Romreise anzuschließen. Der vermutlich auf Anweisung P.Séguiers unternommene Aufenthalt in Rom scheint für L. weniger den letzten Abschnitt seiner Ausb. darzustellen als vielmehr eine Auszeit von seiner bereits rege vorangetriebenen Karriere in Paris. Trotz L.s bereits für den 25.7.1643 dok. Gesuchs um Rückkehr nach Paris verweilt er insgesamt drei Jahre in Italien, das er schließlich E. 1645 ohne Zustimmung P.Séguiers verlässt. Während seines Aufenthaltes in Rom fertigt er insbesondere Kopien nach Raffael, Annibale Carracci und Guido Reni für sich selbst sowie für P.Séguier an. Auch beschäftigt er sich mit dem Zeichnen nach antiken Vorbildern. Ein Livre d'antiques tirées d'après celles qui sont à Rome, das er später P.Séguier widmet, enthält Zchngn antiker Kunstwerke sowie von Stichen aus den Werken von Guillaume Du Choul (Paris, BN, Fr. 17217). L. führt daneben auch frei entworfene Gem. aus, wie La Thèse du roi en sa jeunesse (um 1643, Priv.-Besitz); vier sakrale Gem. für P.Séguier: Pietà (Paris, Louvre), La Charité romaine (Caen, MBA?), L'Ange Raphaël conduisant Tobie en la maison de Ragouél, père de Sara (verschollen) sowie Descente de croix (zweifellos Vorlage für den Stich von François de Poilly [1622]); einen Christ en croix à six figures für den Großmeister des Malteserordens (verschollen) sowie La Purification de la Vierge (1645, für das Hôtel-Dieu von Lyon; Detroit/Mich. Inst. of Arts). Im Stil von N.Poussin erstellt er La Déification d'Énée (Montréal, MBA), Mucius Scaevola devant Porsenna (Mâcon, Mus. des Ursulines), Horatius Coclès (London, Dulwich College Picture Gall.) sowie L'Allégorie du Tibre (Paris, Priv.-Slg). In Rom oder möglicherweise bereits auf seiner Rückreise in Lyon fertigt L. das Gem. La Mort de Caton an (1645-46, Arras, MBA). Einige Anzeichen deuten darauf hin, dass L. am Kunsthandel zw. Italien und Frankreich beteiligt ist. Zw. seiner Rückkehr nach Paris im Jahre 1646, die ihn über Lyon und Dijon führt, und der nahezu ausschl. Tätigkeit für den König ab 1661 fertigt L. zahlr. Werke für versch. Auftraggeber. Er setzt sich für die Anerkennung der Malerei als freie Kunst ein und ist an der Gründung der Acad. R. de peint. et de sculpt. 1648 beteiligt, an der er von A. an dank seiner Stellung bei P.Séguier eine einflussreiche Rolle spielt. Zwölf anerkannte Vertreter ihrer Kunst werden als Prof. an die Akad. berufen, wobei L. im Zuge eines Losverfahrens der erste Amtsmonat zufällt und es ihm obliegt, die neugeschaffenen Strukturen mit Leben zu füllen. Beim 1651 erfolgten Zusammenschluss der Acad. mit der konkurrierenden Zunft der Maler- und Bildhauer scheint L. zunächst eine unentschiedene Haltung einzunehmen, bevor er sich später eindeutig für eine Trennung der beiden Institutionen ausspricht, die sich 1654 in der Verabschiedung neuer Statuten niederschlägt und schließlich 1655 endgültig vollzogen wird. L. hat an der Acad. nacheinander das Amt des Rektors und des Kanzlers inne, ab 1663 des Kanzlers auf Lebenszeit sowie schließlich des Akad.-Dir. ab 1683. In den Jahren 1647 und '51 führt L. die alljährlich von der Goldschmiedezunft in der Kathedrale Notre-Dame von Paris dargebrachten Gem. ("Mays") aus (La Flagellation de St-André, La Lapidation de St-Étienne, in situ). In Anlehnung an Claude Nivelon malt er 1650 einen großformatigen Serpent d'airain (verschollen) für das Refektorium des Konvents des Dritten Ordens der Franziskaner von Picpus, welcher seinen Durchbruch als Maler kennzeichnet. Am 7.12.1654 wird L. damit beauftragt, die Ausmalung der Gewölbe, des gesamten Dekors sowie zehn Gem. für die Seminar-Kap. von St-Sulpice in Paris anzufertigen (zerst.; Gewölbemalerei auf Stich von Louis Simonneau dok.; Gem. La Pentecôte heute im Louvre). L. scheint dieses einheitliche Großdekor unter Mithilfe von Charles de La Fosse sowie der Brüder Jacques und Claude Lefebvre im Zeitraum von nur 14 Wochen ausgef. zu haben. Für das Karmeliterkloster im Faubourg Saint-Jacques malt L. in den 1650er Jahren zwei für das Hauptschiff der Kirche bestimmte Gem. (Le Christ au désert servi par les anges, Paris, Louvre; Le Repas chez Simon, Venedig, Gall. dell'Accad.), entwirft das Modell des Tabernakels (Paris, MAD) und leitet die Arbeiten am Dekor der Chap. Ste-Geneviève und der Chap. de la Madeleine, deren Altar-Gem. La Madeleine renonçant aux vanités du Monde sich heute im Louvre befindet, sowie an versch. Oratorien auf dem Gelände des Konvents. Gleichzeitig ist L. auch an zahlr. Profanbauten beschäftigt. Am 3.8.1650 wird er mit der Ausgestaltung eines Raumes des Hôtel particulier des Jérôme de Nouveau betraut (zerst.; Gem. als Vorstudie für Apollon quittant Téthis in Dublin, NG of Ireland); ab dem 27. Aug. gibt er einen Tl des Auftrags an Guillaume Guignard ab. Am 31.12.1652 unterzeichnet L. einen Kostenvoranschlag und den Auftrag für die Ausmalung und Vergoldung der Räumlichkeiten der Grande Chambre und des Cabinet des Prälaten Louis Barbier de La Rivière (L'Apothéose de Psyché und Le Lever du Soleil, heute Paris, Mus. Carnavalet). Er arbeitet ebenfalls am Hôtel de Jars (um 1652, zerst.), schmückt im Auftrag des Parlaments-Präs. Pomponne II. de Bellièvre einen Raum des Hôtel des Premiers présidents au parlement de Paris aus (um 1653-57, zerst.) und entwirft ein Kabinett für das Hôtel de La Bazinière (Vertrag vom 19.11.1658 zw. La Bazinière und den ausführenden Künstlern Daniel Hallé und Charles Baccot). Für Nicolas Lambert de Thorigny malt L. um 1650-62 die Gal. des Hôtel Lambert aus und entwirft deren gesamtes Dekor, das sich der Gesch. des Herkules widmet. Mit der Ausf. der Lsch.-Malereien auf den Wänden beauftragt er Jacques Rousseau (1626), mit jener der Stuckarbeiten Gerardus van Opstal. Mit dem Großauftrag für das Dekor des Schlosses von Vaux-le-Vicomte für den Oberintendanten der Finanzen Nicolas Fouquet festigt L. endgültig seinen Ruf als Dekorateur und Bauleiter. Er arbeitet zeitgleich zu den gen. Pariser Aufträgen an der räumlichen Ausstattung für weitere Anwesen N.Fouquets in Paris und Saint-Mandé sowie an einem Oratorium für die mit diesem befreundete Marquise de Plessis-Bellière in Charenton. L. ist in Vaux-le-Vicomte von Dez. 1657 bis zur Unterbrechung der Bauarbeiten nach der Verhaftung N.Fouquets im Sept. 1661 tätig. Er entwirft dort das Dekor der Appartements für N.Fouquet sowie für den König im Erdgeschoss des Schlosses, fertigt einzelne Zchngn für die Skulpturen des Außenbereichs an und ist an der Organisation der prunkvollen Feste beteiligt. Gleichzeitig gestaltet er auch Vorlagen für die Tapisserie-Man. von Maincy, die unter der Ltg von J.Waldor steht. Auch wenn L. erst durch die Ausstattung von Vaux-le-Vicomte die besondere Aufmerksamkeit Ludwigs XIV. sowie dessen Ministers Jean-Baptiste Colbert, Marquis de Seignelay, erlangt, so führt er doch bereits zuvor versch. Arbeiten für den Königshof aus. Im Auftrag von P.Séguier unterbreitet L. 1653 einen Vorschlag für die Ausstattung der Grande Chambre du Conseil im Louvre, der jedoch nicht ausgef. wird (Zchngn im Louvre; Abh. dazu in der BN, Fr. 18158, fol. 152). Darin finden sich bereits die Ursprünge jener Prinzipien von räumlichem Einklang und hierarchischer Staffelung, die L.s spätere Dekors für den König kennzeichnen. Auch eine Variante dieses Schemas, die L. 1658-59 für die Ausstattung des Salon du Dôme im Louvre vorschlägt, findet keine Umsetzung. 1655 führt L. die von E.Le Sueur begonnene Ausschmückung des Petit Cabinet du Roi am Louvre zu E. (an der Decke Louis XIV gouvernant le char de l'État, zerst.; an der Wand La France triomphante, zerst.). Für das Oratorium der Königin malt L. ein Crucifix aux anges (Paris, Louvre), das einen Traum der Anna von Österreich darstellt. Anlässlich des kgl. Einzugs des frischvermählten Ludwigs XIV. und seiner Gattin Maria-Theresia von Österreich am 26.8.1660 in Paris beauftragt die Stadt L. mit dem Entwurf eines Triumphbogens, der an der Spitze der Pl. Dauphine errichtet werden soll und der von Charles Poerson, D.Hallé, Jacques Lhomme, F.Francart und C.Baccot ausgef. wird (Stiche von Sébastien Leclerc [1637]und F.Chauveau). L. fertigt ebenfalls zahlr. verschiedenartige Staffelei-Gem. an, die meist Porträts seiner Freunde darstellen, wie von Louis Testelin (Paris, Louvre), Charles-Alphonse Dufresnoy (Paris, Louvre), des Kupferstechers Michel Lasne (1602) (Sceaux, Priv.-Slg) oder von E.Jabach und seiner Fam. (um 1660, Berlin, Kaiser-Friedrich-Mus., während des 2. WK zerst.; eine weitere Version in New York, Metrop. Mus.). Unter seinen wichtigsten Werken sind zu nennen: Le Massacre des Innocents (um 1647-50, '70-72 überarbeitet, London, Dulwich College Picture Gall.), Suzanne justifiée par Daniel (um 1653-57, angefertigt für die Troisième chambre des Enquêtes du parlement de Paris, heute Priv.-Slg, Paris), Le Silence oder Le Sommeil de l'Enfant Jésus (1655, Paris, Louvre); Le Sacrifice de la fille de Jephté (um 1656, Florenz, Uffizien) sowie das Portrait équestre du chancelier Séguier (1660, Paris, Louvre). Während dieser Zeit führt L. weiterhin Vor-Zchngn bzw. Holzmalereien für eine spätere Umsetzung als Kpst. aus, so Bilderreihen wie Les Prophètes oder Le Christ et les Apôtres oder Frontispize für Bücher und Abhandlungen. Um die Wiedergabe seiner Werke besser beaufsichtigen zu können, erhält L. am 8.5.1656 ein kgl. Privileg, das unerlaubte Kopien seines Werkes untersagt. Darin wird er gemäß seiner am 2.3.1656 (und nicht 1646) erh. Urkunde als "peintre ordinaire du roi" (ordentlicher Maler des Königs) bezeichnet. Im Laufe seiner gesamten Karriere gibt L. mindestens 76 nach seinen Werken gestochene Bild-Taf. heraus. Darunter befinden sich auch nicht ausgef. Entwürfe wie der urspr. für den Grand Salon im Schloss von Vaux-le-Vicomte bestimmte Pal. du Soleil. Darüber hinaus fertigt L. auch Skizzen für Tapisserien an, so für Pomponne II. de Bellièvre (Fabelthemen, u.a. ein Jupiter nourri par Amalthée) sowie im Auftrag von J.Waldor und E.Jabach (u.a. David et Abigaïl, Gesch. des Tobias, des Meleagros [um 1658-59, Kartons im Louvre bzw. in der Walker AG in Liverpool oder verschollen] und des Endymion). Zahlr. Gründe mögen Ludwig XIV. und J.-B. Colbert dazu bewogen haben, L. als "premier peintre du roi" auszuwählen: die Vielfalt seiner Tätigkeiten, die er bes. am Bau von Vaux-le-Vicomte als Maler und Bauleiter unter Beweis stellt, ein Kreis an erlauchten Schirmherren sowie auch seine eig. Überzeugungsgabe, die er bei den in Anwesenheit des Königs ausgef. Gem. Les Reines de Perse aux pieds d'Alexandre und La Tente de Darius (1660-61, heute Versailles) zeigt. Zu Beginn der 1660er Jahren steht L. in ungeteilter Gunst bei Ludwig XIV. und J.-B. Colbert. Im Dez. 1662 wird er vom König in den Adelsstand erhoben und erhält ein Adelswappen, dessen Heroldsbild aus einer goldenen Lilie auf blauem Grund besteht, die von einem Schildhaupt mit einer strahlenden Sonne sowie einem schwarzen Helm bekrönt wird. 1667 erhält L. ein von Diamanten umrahmtes Porträt des Königs, 1668 wird ihm der Ehrentitel eines kgl. Schildknappen (Écuyer) verliehen. L. trägt zu der von J.-B. Colbert gewünschten Reform der Acad. R. de peint. et de sculpt. bei, indem er 1663 neue Statuten verabschieden lässt und '67 die Veranstaltung der "Conférences" einführt. Am 7.5.1667 hält L. den ersten Vortrag dieser R., in dem er Le Grand St-Michel von Raffael untersucht; später folgen Vorträge über La Manne von N.Poussin (5.11.1667), über L'expression générale (7.4.1668) und L'expression particulière (6.10. und 10.11.1668), Sur la manière que l'écolier devait prendre pour dessiner à l'Acad. (4.1.1670) sowie Le Ravissement de St-Paul von N.Poussin (10.1.1671). Darüber hinaus ist er an der Gründung der Acad. de France in Rom 1666 beteiligt, zu deren erstem Dir. Charles Errard (geb. zw. 1601 und '07) berufen wird. 1678 wird L. in die Acad. d'archit. aufgenommen. Am 8.3.1663 wird L. zum Dir. der Pariser Gobelin-Man. ernannt, deren faktische Geschäftsführung er bereits zuvor innehat. 1667 wird die Man. durch kgl. Beschluss in die Man. R. des meubles de la Couronne umgewandelt. Als deren Leiter ist L. mit den Vor-Zchngn für Tapisserien, Skulpturen, Mobiliar, Goldschmiedearbeiten und and. Werke betraut, deren Ausf. er beaufsichtigt und für die er Arbeiter anleitet. Für die Man. entwirft er mehrere Tapisserie-Ser., die sowohl in Hoch- wie in Flachwebtechnik ausgef. werden, so u.a. die Hist. d'Alexandre (Gem. im Louvre, um 1662-73), Les Muses (1666 ausgeliefert), Les Quatre Eléments (von André Félibien 1665 beschrieben; '67 geliefert), Les Quatre Saisons (von A.Félibien 1667 beschrieben; '69 geliefert), Les Mois oder Les Maisons R. (um 1669-83), L'Hist. du roi (beg. vor 1673, '83 voll.), in der insbesondere der Besuch des Königs in der Man. 1667 dargestellt wird, Ergänzungen zu L'Hist. de Constantin nach Jules Romain (zunächst in Maincy 1660-61 hergestellt, schließlich '67 geliefert) sowie zu L'Hist. de Moïse nach N.Poussin (ausgeliefert 1685). Darüber hinaus fertigt L. auch Entwürfe für Silbermobiliar an, die 1689 umgesetzt werden, und stellt '65 im Auftrag Ludwigs XIV. ein Modell für eine als Geschenk für den indischen Großmogul gefertigte Prachtkutsche her. Am 1.7.1664 erhält L. mittels einer Urkunde die Bestätigung als "Premier peintre du roi". Er führt diesen Titel jedoch bereits seit 1658, zeitgleich mit Ch.Errard und obwohl der bisherige Träger dieses Titels, der 1641 ernannte N.Poussin, noch am Leben ist. Gleichzeitig wird L. zum "Garde général du cabinet du roi" ernannt, als welcher er mit dem Erhalt und dem Neuerwerb für die kgl. Slgn betraut ist. Er kauft in diesem Amt 1662 und '71 zahlr. Gem. und Zchngn bei E.Jabach, die zum Kern der kgl. Slgn gehören werden und fertigt darüber hinaus 1683 ein erstes Inventar der kgl. Gem. an. L. erhält in dieser Zeit ein jährliches Gehalt von 12000 Pfund, das sich zusammensetzt aus 1200 Pfund aus seiner Funktion als "Premier peintre du roi", 2000 Pfund in Form von Livrees, 4800 Pfund für die Ausf. und die Aufsicht über die Ausmalung der kgl. Besitzungen sowie 4000 Pfund für die Ltg der Gobelin-Manufaktur. In der doppelten Funktion als "Premier peintre du roi" und Dir. der Gobelin-Man. führt L. mehrere Großaufträge für Ludwig XIV. aus, so die Gal. d'Apollon im Louvre (1663-71, unvoll.), die Appartements im Schloss der Tuilerien (1666-71, zerst.), das Dekor des Schlosses von Saint-Germain-en-Laye (Apollon et Daphné in Freskomalerei an der Fassade des Château-Vieux, 1667; Dekor des Petit Appartement du roi, nach 1669, zerst.) sowie schließlich umfangreiche Arbeiten in Versailles. Dort beaufsichtigt L. die Ausgestaltung des Appartements des Bains (1671-81, zerst.) sowie der Grands Appartements des Königs und der Königin (1671-80), mit deren Ausf. und vermutlich auch Entwurf er and. Künstler beauftragt. An Entwurf und Ausf. der "Escalier des Ambassadeurs", gen. Prachttreppe (1674-79, zerst., in Stich dok.), ist er jedoch erneut persönlich beteiligt, ebenso am Bau der Grande Gal. - die seit dem 19. Jh. Gal. des Glaces gen. wird - sowie zweier anschl. Salons, des Salon de la Paix und des Salon de la Guerre (voll. 1686). Seine dem Thema der gefallenen Engel gewidmeten Pläne für die dritte Schloss-Kap. werden hingegen nicht ausgeführt. Für das Schloss von Marly und seine zwölf Pavillons fertigt L. Vor-Zchngn für Fassadenfreskos an (teilw. und mit Änderungen ab 1683 ausgef.; zerst.). Über die Funktion als "Premier peintre" hinaus verdankt es L. v.a. seiner uneingeschränkten Gunst beim König und J.-B. Colbert, dass ihm jene prestigeträchtigen Bauaufträge zuerkannt werden. Nach dem Tod J.-B. Colberts 1683 wird L. vom neuernannten Oberintendanten des Bauwesens, François Michel Le Tellier, Marquis de Louvois, von der Funktion als Leiter der kgl. Dekorationen entbunden und durch Pierre Mignard (geb. um 1610) ersetzt, der den Titel des "Premier peintre du roi" jedoch offiziell erst nach L.s Tod 1690 trägt. Zeitgleich zu den Großaufträgen der kgl. Prachtdekore und zu seinem Amt als Leiter der Gobelin-Man. entwirft L. für J.-B. Colberts Schloss in Sceaux den Pavillon de l'Aurore (1672-74) und das Dekor der Schloss-Kap. (1674-76, zerst., auf Stich dok.). Er malt nunmehr nur noch wenige Staffelei-Gem. und überträgt deren Ausf. teilw. and. Künstlern, wie er selbst gegenüber Daniel Huet anlässlich des Auftrags zum Baptême du Christ äußert (1666-70, Caen, MBA; während des 2. WK verschollen). Die Pariser Tuchhändlerzunft gibt bei L. eine Résurrection du Christ für den Hochaltar der Église du St-Sépulcre in Auftrag (1674-76, Lyon, MBA). Im Auftrag des Maréchal de Villeroy, Nicolas V de Neufville, malt L. für die Karmeliter von Lyon eine Descente de croix, die F.M. Le Tellier in die kgl. Slgn überführen lässt (1684, Rennes, MBA). Dem Großherzog der Toskana, Cosimo III. von Medici, übersendet L. sein Selbstportrait (1684, Florenz, Uffizien). 1686 bzw. '87 führt L. zwei aufeinander bezogene Gem. aus, Moïse et les filles de Jéthro sowie Le Mariage de Moïse (Modena, Gall. Estense) und widmet sich schließlich der Gesch. Christi (1685-90, Troyes, MBA; Saint-Étienne, Mus. d'Art et d'Industrie; Paris, Louvre). Ebenso zeichnet sich L. durch eine bedeutende Tätigkeit im Bereich des ephemeren Dekors aus und gestaltet u.a. den Fronleichnamsschmuck der Gobelin-Man. in den Jahren 1664 und '65, die Taufzeremonie für den Grand Dauphin in Hof des Château-Vieux von Saint-Germain-en-Laye 1668, die Trauerfeierlichkeiten für den Kanzler P.Séguier in der Église de l'Oratoire 1672, das Dekor für das 1674 über dem Grand Canal von Versailles gezündete Feuerwerk, das Bühnenbild für die Aufführung der "Phèdre" von Jean Racine anlässlich des von J.-B. Colbert für den König gegebenen Empfangs im Schloss von Sceaux 1677, das Feuerwerk zum Festtag Ludwigs des Hl. in der Gobelin-Man. 1679, eine ebenfalls auf dem Gelände der Man. errichtete Struktur eines Temple de l'Immortalité anlässlich der Geburt des kgl. Enkels, des Herzogs von Burgund, 1682 sowie schließlich den Dankgottesdienst nach der Genesung Ludwigs XIV. in der Église de l'Oratoire 1687. L. entwirft darüber hinaus, wie zu Beginn seiner Karriere, mehrere Frontispize für Bücher, so z.B. für die "Œuvres" von J.Racine (1676) oder "Les Métamorphoses d'Ovide en rondeaux" von Isaac de Benserade (1676), sowie zahlr. hauptsächlich Ludwig XIV. gewidmete Abh. (darunter Abh. von Emmanuel-Théodore de la Tour d'Auvergne, Duc d'Albret, 1661; Charles Maurice le Tellier, 1663; Charles d'Orléans, Comte de Saint-Pol, 1664; J.-B. Colbert 1668; die "Thèse de la Guerre" von Jacques Nicolas Colbert, 1677 sowie die "Thèse de la Paix" von Jean-Baptiste Colbert de Croissy, 1680 und die "Thèse de la Relig." des Prälaten Melchior de Polignac, 1685) sowie einige J.-B.Colbert gewidmete Schr. (Louis Béchameil, 1668). Außerdem fertigt L. Skizzen für unterschiedliche Bildhauerarbeiten an. Seine Entwürfe für Versailles sind Modelle für die an der Fassaden-Gest. tätigen Bildhauern, insbesondere für die Giebel des Marmorhofes sowie für die Statuen des Südflügels. Auch zeichnet L. Entwürfe für Gartenanlagen (im Zuge der "Grande Commande" von 1674), wie z.B. für die Brunnenfiguren des Bassin du Fer-à-cheval (gestochen von Louis de Chastillon; einige sind vermutlich urspr. um 1668 für die Stadt Paris entworfen worden). L. entwirft daneben auch versch. Grabdenkmäler, so für Jérôme Bignon (zw. 1667 und '85, ausgef. von J.-B. Tuby und möglicherweise F.Girardon, teilw. wiederaufgebaut in der Kirche St-Nicolas-du-Chardonnet), für den Maréchal de Turenne, Henri de La Tour d'Auvergne (1676 bei J.-B. Tuby und Gaspard Marsy in Auftrag gegeben, um 1683-84 in der Abteikirche von Saint-Denis errichtet, heute im Invalidendom), von J.-B. Colbert (1685 bei A.Coysevox und J.-B. Tuby in Auftrag gegeben, Kirche St-Eustache). Auch für das Grab seiner Mutter, Julienne Le Bé, fertigt L. eine Vor-Zchng an und gibt dieses bei Jean Collignon (†1699) in Auftrag (Paris, Kirche St-Nicolas-du-Chardonnet, Kap. St-Charles, nach 1668). Diesem gegenüber wird später auch L.s eig., von A.Coysevox und J.-B. Tuby ausgef. Grabmal errichtet. Gelegentlich ist L. auch an archit. Projekten tätig. Um 1665 ist er gemeinsam mit Louis Le Vau und Claude Perrault (1613) an der Konzeption der O-Fassade des Louvre beteiligt, woraus schließlich der Entwurf der Kolonnaden hervorgeht. L. schlägt anlässlich des Concours von 1671 die Einf. einer spezifisch frz. archit. Ordnung vor, welche die fünf bisherigen, aus der Antike überlieferten Ordnungen ergänzen solle. Aus seinen Überlegungen geht u.a. das mit gallischen Hähnen versehene apollinische Sonnenkapitell in der Grande Gal. von Versailles hervor. L. entwirft darüber hinaus auch Hochaltäre für Pariser Kirchen, so z.B. für die Karmeliterkirche der Pl. Maubert. Im Zuge seiner höchst erfolgreichen Karriere werden L. zahlr. Hommagen und Widmungen zuteil, so von Seiten Charles Perraults, der zu Ehren L.s ein langes Gedicht mit dem Titel "La Peint." verfasst (1668). Henri Testelin widmet ihm seine "Sentimens des plus habiles peintres sur la pratique de la peint. et sculpt.", in welchen er die an der Acad. R. gehaltene "Conférences" zusammenfasst. Die Accad. di San Luca in Rom wählt L. 1676 und '77 zu ihrem "Principe". Gleichwohl verschafft ihm sein Ruhm auch ernsthafte Feinde, wie P.Mignard oder den nicht mit ihm verwandten Louis Le Brun, der ihn 1663 gar umzubringen versucht, oder auch Simon Jaillot, der 1676 das L. verunglimpfende Pamphlet "Dialogue d'un gentilhomme Narcfois et d'un Italien" veröffentlicht. L. kann als einer der ersten Maler gelten, die es zu einem bedeutenden Vermögen gebracht haben. Zum Zeitpunkt seines Todes wird der Gesamtwert seiner Besitzungen auf die beträchtliche Höhe von 550000 Pfund geschätzt. Nach seinem Tod lässt F.M. Le Tellier für die kgl. Slgn zahlr. Gem. L.s sowie seine gesamten Zchngn beschlagnahmen, die heute größtenteils im Louvre verwahrt werden.
L'expression des passions et autres conférences, J.Philippe (Ed.), P. 1994
Einzelausstellungen:
1931 Maisons-Laffitte, Château (zus mit P.Mignard) / Versailles: 1963, '90-91 Château & Trianon, 2007 Château / Paris: 1985 Louvre; 2008 Gal. des Gobelins / 1990 London, Dulwich Pict. Gall. / 2000 Sceaux, Mus. de l'Île-de-France / 2010 Los Angeles, J. Paul Getty Mus. (alle K). -
Gruppenausstellungen:
1968 Lille, MBA: Au temps du Roi Soleil (K) / 1974 Paris, Louvre: Cartons d'artistes du XVe au XIXe s. (K) / 1982 Florenz, Pal. Vecchio: Gli arazzi del Re Sole (K) / 1997 Nantes, MBA: Visages du grand s. (K Wander-Ausst.) / 2000-01 Rom, Acad. franç.: Le Dieu caché (K) / 2007 New York, Metrop. Mus.: Tapestry in the Baroque (K Wander-Ausst.).
Thieme-Becker, Vollmer und AKL:
ThB22, 1928
Weitere Lexika:
Heinecken III, 1789 (?); Le Blanc II, 1856 (?); Jal, 1867; Dict. du grand s., P. 1990; DA XIX, 1996
Gedruckte Nachweise:
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Prat, Le dessin franç. au XVIIe s., P. 2013; E.Rickenbacher, Über den Wellen bin ich einzigartig, B./M. 2013
Manuskript:
L.Pericolo, Peint. et doctrine acad. sous Louis XIV., Diss. Éc. pratique des hautes études Paris, 1998; G.Lafage, Ch.L. décorateur de fêtes et de cérémonies, Diss. Paris IV-Sorbonne, 2013
Archive:
Paris, BN: L.H. Lomedie de Brienne, Discours sur les ouvrages des plus excellens peintres, um 1695
Onlinequellen:
universalis.fr
Le Brun (Lebrun), Charles, Maler und Ornamentzeichner, *24. 2. 1619 Paris, †12. 2. 1690 ebda, Sohn des Nicolas I, Bruder der Gabriel u. Nicolas II. 1632 Schüler Fr. Perriers, 1634137 Simon Vouets, 1638 bereits peintre du roi. 1640 erste Aufträge seitens Richelieus. Geht 1642 mit Unterstützung des Kanzlers Séguier mit Poussin nach Rom, wo während eines 3jähr. Aufenthalts Zeichnungen nach der Antike (100 Bl., Séguier dediziert, i. d. Bibl. Nat.) u. Kopien nach den Carracci, Raffael, Guido Reni u. a., sowie (im Auftrage Séguiers) mehrere eigene, den Einfluß Poussins aufweisende histor. Kompositionen (Horatius Cocles [Gal. Dulwich], Mucius Scaevola [Louvre], Tod des Cato [Louvre] u. a.) entstehen. Januar 1646 Rückkehr nach Paris. 1647 Verheiratung mit Suzanne, Tochter des Hofmalers Robert Butay. 1648 Mitgründer der Acad. Roy. In den folg. Jahren neben Staffelei(mytholog., allegor., histor., relig. Darstell.) u. Altarbildern für Pariser Kirchen (Marienzyklus für das Séminaire de St-Sulpice, 1654 beg.; daraus: Herabkunft des hl. Geistes, im Louvre) und Bildnissen (Familie Jabach in Berlin) vor allem mit Ausmalung zahlreicher Pariser Hotels beschäftigt; davon erhalten: Hôtel Lambert de Thorigny (Plafondgem. der Galerie: Darstell. aus d. Herkulesmythe), 1650/58, u. Hôtel Nouveau (Deckengem.: Merkur führt Hebe dem Jupiter zu; jetzt Musée Carnavalet) um 1651. 1657 tritt er in Beziehung zu Nic. Fouquet, der ihm 1658 die Ausschmückung des Schlosses Vaux (Plafond- u. Wandgem.; davon erhalten: Apotheose und Taten des Herkules, Aurora, Triumph der Treue) und die Leitung seiner Gobelin-Manuf. Maincy überträgt, deren Betrieb L. von Grund auf erneuert. 1660 von Mazarin bei Hofe eingeführt, malt er für die Königinmutter einen Kruzifixus mit Engeln (Louvre), für den König: Alexander d. Gr. u. die Witwe des Darius (Louvre; ebda 4 große dems. Zyklus angehörende, zwischen 1662/68 entstandene Bilder). 1662 nobilitiert u. zum Premier peintre du Roi, 1663 zum Garde général der Sammlungen des Königs und, auf Betreiben seines Gönners Colbert, zum Direktor der Manufacture roy. des tapisseries et des meubles de la couronne ernannt, für deren mannigfaltige Produktionszweige (außer Gobelins auch Möbel, Goldschmiede- u. Schlosserarbeiten, Marketerien usw.) er als Entwerfer tätig war, sich auf diese Weise bald die Stellung eines mit unbeschränkten Machtbefugnissen ausgestatteten Kunstdiktators erobernd. Neben seiner bedeutsamen organisator. u. künstler. Tätigkeit für die Gobelins u. einer Fülle von Gelegenheitsarbeiten (als Stiche erhaltene Entwürfe für Triumphpforten zum Einzug des Königs, Festdekorationen, Feuerwerke, Illuminationen, Katafalk für die Leichenfeier für den Kanzler Séguier usw.) führte L. mit seinem Gehilfenstabe, mehrfach unter gleichzeitiger Besorgung der architekton.-plastischen Ausschmückung der Räume, zahlreiche dekorat. Freskenfolgen aus. Hauptbeispiele dieser Gattung bieten die (unvollendet gebliebene) Dekorierung der nach dem Brande 1661 neuerbauten Petite Galerie (Galerie d'Apollon) des Louvre, die ihn 20 Jahre beschäftigt hat, und die Arbeiten für Versailles: Stukkaturen, Innenausstattungen und Ausmalung des Grand Escalier (1674/78; zerstört; gestoch. von Baudet), der Gal. des Glaces (Deckendekoration [1679/84] mit Apotheose Ludwigs XIV. als Mittelbild, 8 großen Rund- und Halbrundbildern und 18 Medaillons mit Darst. der Taten des Königs); Entwürfe für Gartenskulpturen (Fontänen usw.). 1668 Ernennung zum "Recteur perpetuel" der Pariser Akad. 1670 bis 74 (?) Ausschmückung von Colberts Schloß Sceaux (zerstört). 1683/86 Ausschmückung von Marly (zerstört). Mit dem Tode seines Gönners Colbert fand die glorreiche Laufbahn L.s ein jähes Ende, da dessen Nachfolger Louvois L. feindlich gesinnt war und ihm Mignard vorzog. - L.s Bedeutung erschöpft sich nicht in seiner Leistung als genialer Dekorateur und "grand peintre du grand siècle", sondern beruht auf der sämtl. Gebiete des Kunstgewerbes beherrschenden und maßgebend bestimmenden universellen Persönlichkeit, die der Kunst jener Epoche ihre großartige Einheitlichkeit verleiht u. L. geradezu zum Schöpfer des Stiles Louis XIV stempelt. Arbeiten inöffentl. Bis. (in Ergänzung des Kataloges bei Marcel) : Bern : Krieger mit Küraß. - Budapest, Mus. d. bild. Kste: Apotheose Ludwigs XIV.; Hauptstädt. Mus.: Männl. Bildnis. - Cambrai: Geometriestunde. - Cambridge, Fitzwilliam-Mus.: Hl. Familie. - Chantilly: Bildnis Pomponne de Belliévre. - Château -Gauthier: Reiterkampf auf Brücke. - Chicago, Art Inst.: Familie des Darius vor Alexander. - Dole: Ludwig XIV. vor Dole. - Dresden: Hl. Familie. - Fontainebleau : Anbetung der Hirten. - Goluchow, Czartoryski-Mus. : 2 Supraporten. - Hampton Court, Roy. Pal. : Ludwig XIV. zu Pferde (Zuschr.). -Innsbruck: Sturz der Engel. - Karlsruhe: Christus am Kreuz. - Köln: Entwurf (Pinselzeichn.) zum Jabachbild. - Leningrad (Winterpalais) : Christus predigend; Szene a. d. Passion. - Le Puy: Christus am Kreuz, Männl. Bildnis. - Lissabon: Apotheose eines Helden. - Madrid: Triumphzug eines röm. Imperators (Zuschr.). - Mannheim : Mannl. Bildnis. - Marseille: Einzug Alexanders in Babylon, Amphitrite, Christus am Kreuz. - Minneapolis, Walker. Art Coll.: Marius auf den Ruinen Karthagos. - Montauban: Apotheose Ludwigs XIV. - Montpellier: Hl. Johannes in Ekstase. - Morez: Christus u. d. Samariterin. - München: Joh. auf Patmos. - New Orleans, Delgado-Mus.: Alexander u. die Frauen des Darius. - Nizza: Bellona. - Nottingham: Herkules u. Diomedes. - Pawlowsk: Maria Magdalena. - Potsdam, Neues Palais : Hl. Familie; Minerva erbittet von Jupiter die Rückkehr des Odysseus. - Quebec, Laval Univ.: Zwei Engel. - Schleißheim: 2 Supraporten (Gegenstücke). - Tournas, Reiterbildnis Ludwigs XIV. - Wien, Staatsgal.: Himmelfahrt Christi; Gal. Liechtenstein: Bethlehemit. Kindermord; Gal. Czernin : Venus u. Amor. - Worms, Heylshof: 2 Frauenstudien. Lit.: H. Jouin, Ch. L. B. et les Arts sous Louis XIV, 1889 (grundlegende Monogr.). - P. Marcel, Ch. L. B. (Coll. Maisres de l'art), Paris o. J. (1909], mit Katalog d.Werke (p. 161/73) u. Bibliogr. (p.174/79). - Ergänzungen dazu: Jal, Dict. cric. de Biogr. etc., 1872. - D. Guilmard, Les Maîtres Orneman. etc., 1881. - Montaiglon, Procès-Verb. de l'Acad. Roy. etc., 1875/92. Table par Cornu, 1909. - Lemonnier, L'Art franç. au temps de Louis XIV, 1911 p.17 ff. - A. E. Brinckmann, Barockskulptur (Handb. d. Kstwiss.), o. J.; ders., Baukst d. 17. u. 18. Jahrh. 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