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Prandtauer, Jakob

Geboren
Stanz (Tirol), (vor) 1660.07.06
Gestorben
St. Pölten, 16. September 1726
Land
Österreich
Geschlecht
männlich
GND-ID
Weitere Namen
Prandtauer, Jakob; Brandauer, Jakob; Brandtauer, Jakob; Prandauer, Jakob; Prantauer, Jakob
Berufe
Baumeister*in
Wirkungsorte
St. Pölten, Kapelln, Melk
Zur Karte
Von
Zuletzt geändert
16.04.2024
Veröffentlicht in
AKL XCVI, 2017, 479; ThB XXVII, 1933, 347 s

VITAZEILE

Prandtauer, Jakob, österr. Baumeister, getauft 6.7.1660 Zams (*Stanz), †16.9.1726 St. Pölten.

LEBEN UND WIRKEN

P. absolvierte von 1677 bis 1680 eine Maurerlehre bei Georg Asam in Schnann. Wo er sich anschl. aufgehalten und gearbeitet hat, ist nicht bekannt. Möglicherweise war P., wie unzählige andere Tiroler Handwerker, Saisonarbeiter. Am 16.7.1692 kaufte P. ein Haus in St. Pölten (Klostergasse 15), fünf Tage später, am 21.7.1692 heiratete er Elisabeth Rennberger, mit der er vier Kinder hatte. Die Niederlassung in St. Pölten setzt voraus, dass P. bereits vor 1692 Tirol dauerhaft den Rücken gekehrt hat. Möglicherweise war er einige Zeit als Geselle in der Wiener Wkst. des vielbeschäftigten Baumeisters Christian Alexander Oedtl tätig. 1693 ließ sich P. seinen Maurerlehrbrief ausstellen, um anschl. einen Betrieb zu gründen. Unklar bleibt, weshalb die Quellen P. mehrfach als Bildhauer bezeichnen, da ihm bislang keine Skulptur überzeugend zugewiesen werden konnte. Dass P. 1692 in St. Pölten sesshaft wurde, und zwar im sog. Klosterviertel, also in jenem Teil der Stadt, der dem Augustiner-Chorherrenstift unterstand, dürfte kein Zufall gewesen sein. Der Propst des Stiftes, Christoph Müller von Prankenheim (amtierend 1688-1715), lag seit Jahren ständig im Streit mit der Stadt, auf dessen Baumeister er bislang bei Bauarbeiten zurückgegriffen hatte. Den ersten Auftrag, den P. von Christoph Müller von Prankenheim erhielt, war die Erneuerung des Turmabschlusses der Klosterkirche. Der Propst war Auftraggeber und darüberhinaus ein wichtiger Förderer P.s, indem er ihn innerhalb seines Ordens weiterempfahl. So kam P. noch im ausgehenden 17. Jh. in Kontakt mit den Augustiner-Chorherrenstiften Dürnstein und Herzogenburg, für die er kleinere Arbeiten erledigte (u. a. legte er einen Weinkeller in Dürnstein an und errichtete einen Pfarrhof in Haitzendorf). Daneben war er in diesen Jahren auch für das Benediktinerstift Melk tätig, für das er die Pfarrk. von Lassee umbaute. 1695 wurde P. von den Niederösterreichischen Ständen mit der Errichtung von (Holz-)Brücken über Nebenflüsse der Donau im heutigen NÖ betraut. Auch wenn nur die Brücke über die Erlauf realisiert wurde, zeigt der Auftrag doch, dass P. technisch ausgesprochen erfahren gewesen sein muss. Die Errichtung von Brücken zählte zu den anspruchsvollsten Bauaufgaben, mit denen ein Baumeister in der Barockzeit betraut werden konnte. Ohne ein in künstlerischer Hinsicht namhaftes Œuvre vorweisen zu können, erhielt P. 1702 seinen ersten großen Auftrag: den Neubau der Stiftsk. von Melk. Die Eigenheiten der Melker Stiftsk. liegen in der durch abgeknickte, kurvierte Pilaster in Bewegung versetzten Doppelturmfassade und dem dynamisierten Innenraum, in dem die vorschwingenden Emporen dem zurückschwingenden Gebälk antworten. Der Bau ist ein erstaunlich frühes Beispiel der Rezeption borrominesker Architekturvorstellungen nördlich der Alpen, das sich nicht mit P.s übrigen Werk vereinbaren lässt. Tatsächlich hatte der Baumeister zunächst einen ganz konventionellen Entwurf vorgelegt. Erst nach mehrfacher Überarbeitung der Pläne, von der Einflussnahme des Bauherren, Abt Berthold Dietmayr (amtierend 1700-39), geprägt, gelangte P. zu der ausgeführten Lösung. 1708 starb der in Passau ansässige und vor allem in OÖ tätige Klosterbaumeister Carlo Antonio Carlone, dessen Nachfolge P. im Benediktinerstift Garsten und im Augustiner-Chorherrenstift St. Florian noch im selben Jahr antrat. Zwei Jahre später (1710) übernahm P. auch die Bauleitung im Benediktinerstift Kremsmünster. In Garsten und St. Florian gelang es ihm, die aus dem letzten Drittel des 17. Jh. datierende Planung Carlones geschickt zu modernisieren. Zu seinen hervorragendsten Leistungen gehört der in den Südtrakt eingebundene Saal von St. Florian (1718/19), dessen Aufriss er in unmittelbarer Auseinandersetzung mit den Vorgaben Carlones entwickelte: Geht die Idee der Kolossalordnung noch auf Carlone zurück, so ist die maximale Auflösung der Wand des pavillonartigen Baus das Verdienst P.s, der sich hier bewusst von der schweren Archit. seines Vorgängers distanzierte. Ab 1710/11 leitete P. die Umgestaltung der Melker Klosteranlage, bei der er große Teile des bestehenden Baus bewahrte. Zu den Besonderheiten von Melk zählt die Öffnung des Komplexes zur Donau hin: Eine begehbare, eingeschossige Altane verbindet den Saal- mit dem Bibliotheksbau (die Altane wurde erst nach dem Tod P.s durch Joseph Munggenast errichtet; P. hatte eine niedrige Mauer zwischen Saal und Bibl. vorgesehen). Beachtung verdienen darüber hinaus in Melk die durch den Einsatz verschiedenster Fensterverdachungen nuancenreich gestalteten Fassaden jener Trakte, die der Repräsentation dienten. Bei der Gestaltung des Kammertraktes, durch den die Zufahrt in das Kloster führt, griff P. auf das Vorbild des Pal. Trautson von Johann Bernhard Fischer von Erlach zurück. P. schloss damit in Melk unmittelbar an die hochbarocke Archit. Wiens an. In Herzogenburg hatte P. ab 1714 die in seinem Schaffen einmalige Gelegenheit, eine vollkommen neue Klosteranlage zu errichten: Nachdem er zunächst mehrere groß dimensionierte Projekte entworfen hatte, musste er die Planung auf Wunsch des Auftraggebers verkleinern. Letztendlich entstand ein aus zwei Höfen bestehender Komplex, in dessen Genese der Propst punktuell den kaiserlichen Hofarchitekten Fischer von Erlach einschaltete (Saal, Treppenhaus, Vestibül, Turmplanung). 1715 begann P. mit der Umgestaltung des Augustiner-Chorherrenstiftes Dürnstein, bei der er besonders behutsam mit dem Altbestand umgehen und versch. Vorgaben des Bauherrn zu berücksichtigen hatte. Zw. 1717 und 1719 ging die Bauleitung in Dürnstein dann auf Joseph Munggenast über. Wenig später war P. erneut mit Arbeiten im Augustiner-Chorherrenstift St. Pölten befasst, dem inzwischen Johann Michael Führer als Propst (amtierend 1715-39) vorstand: Bis 1722 barockisierte P. u.a. den Chor der Stiftsk. und gestaltete die Orgelempore um. Im Kloster entstand unter seiner Ltg erstmals eine repräsentative Bibl. (um 1721). Bei den von P. errichteten Pfarr- und Wallfahrtskirchen handelt es sich zumeist um einfache Saalkirchen mit begleitenden Kapellen (Lassee, Sonntagberg, Ravelsbach, Wullersdorf etc.). Aus dem Bereich des Profanbaus ist P.s unausgeführt gebliebener Entwurf für das in Mähren gelegene Schloss Jaroměřice/Jarmeritz im Auftrag von Johann Adam Graf von Questenberg zu erwähnen. Die 1707/08 entstandene Aufrisszeichnung P.s zeigt stilistische Eigenheiten, die sich später auch an anderen Bauten wiederfinden: die Betonung der Mitte durch ein Doppelfenster und die Vorbereitung der Pilaster im Hauptgeschoss durch Verkröpfungen im Bereich des Erdgeschosses. Zu den anspruchsvollsten Profanbauten P.s zählen der ehem. Kremsmünstererhof in Linz (vermutlich 1722 beg.) sowie das Jagd- und Lustschloss Hohenbrunn (spätestens 1724 beg.), das er im Auftrag des Stiftes St. Florian errichtete. - P. zählt zu den bedeutendsten Baumeistern des österr. Hochbarock. Als Baumeister zahlr. Klöster, darunter Melk, St. Florian, Garsten, Kremsmünster, Dürnstein und Herzogenburg, war P. auch für die Bauvorhaben auf deren Besitzungen verantwortlich. Dort errichtete er Pfarr- und Wallfahrtskirchen, Pfarr-, Lese- und Stiftshöfe, Schüttkästen sowie Kelleranlagen zur Lagerung von Wein. Neben den Klöstern waren die Niederösterreichischen Stände ein weiterer wichtiger Auftraggeber P.s. Für sie plante er Brücken und Kasernen. Von Seiten des Adels erhielt er vereinzelt Aufträge für Schlossbauten auf dem Land, die zus. mit versch. Bürgerhäusern den Kern seines profanen Werkes ausmachen. P. deckt das gesamte Spektrum an Bauaufgaben ab, mit dem ein Baumeister in der Barockzeit betraut werden konnte; seine Bedeutung liegt jedoch in den von ihm errichteten Klosteranlagen. Dank seiner umfassenden Fähigkeiten verstand sich P. ebenso auf den geschickten Umgang mit alter Bausubstanz wie auf Neubauten. Für die einzelnen Klöster entwickelte er stets ein individuelles, auf die unterschiedlichsten Vorgaben (Topografie, alter Baubestand, finanzielle Situation etc.) ausgerichtetes Projekt. Für die Bauherren war es von großem Vorteil, dass P. nicht nur die Pläne lieferte, sondern ihre Ausführung auch persönlich überwachte. Darüber hinaus war der Baumeister auch bereit, auf die - manchmal durchaus eigenwilligen - Wünsche seiner Auftraggeber einzugehen. Eine Besonderheit von P.s Klosteranlagen sind die Hoffassaden, die, unabhängig von der Wertigkeit der dahinterliegenden Räumlichkeiten, alle gleich behandelt werden (Melk, Herzogenburg). Lang gestreckten Trakten verlieh P. ein wohl proportioniertes Erscheinungsbild, indem er sie durch schwach ausgebildete Risalite akzentuierte. Die archit. Sprache P.s vereint zeitgemäße und altertümliche Elemente, die sich oft an denselben Bauten wiederfinden. Das Formenrepertoire P.s war gegen oder bald nach 1708 voll ausgebildet und wurde von ihm kontinuierlich bis zu seinem Tod 1726 verwendet. Stilistisch von P. beeinflusst zeigt sich das Werk des um eine Generation jüngeren Baumeisters Joseph Munggenast (1680-1741), der ebenfalls v.a. auf dem Gebiet des Klosterbaus tätig war. - Das Stift Melk verwahrt ein großformatiges Porträt P.s aus den 1720er Jahren. Aus dem persönlichen Nachlass des Baumeisters haben sich einige wenige Bücher erhalten (Stift Melk und Stift Seitenstetten). Insgesamt sind etwas mehr als 60 Pläne P.s erhalten, 15 beziehen sich auf das Stift Herzogenburg und zwölf auf Kremsmünster. Zwölf weitere Planzeichnungen haben die Brücken über Nebenflüsse der Donau zum Gegenstand. Zu so bedeutenden Großbauten wie den Stiften Melk und St. Florian haben jeweils nur drei Risse aus der Wkst. P.s die Zeit überdauert. Zu and. Klosterbauten, wie etwa dem Augustiner-Chorherrenstift St. Pölten, dem Stift Garsten oder auch dem Stift Dürnstein sind gar keine Risse von P. überliefert.

WERKE

Aggsbach, Pfarrhof, 1726. Christkindl/Steyr, Wallfk.: Voll. nach dem Tod Carlo Antonio Carlones, 1708-10. Dürnstein, Kellerschlössel, ab 1714; Schüttkasten, 1715-16. Joching, Zehenthof (sog. Prandtauerhof), 1696 voll. Klosterneuburg, Umbauprojekte für die Klosteranlage, 1714/15 (?). Krems, Kaserne, 1721-23. Neuhofen an der Krems, Pfarrk., Umbauprojekt (nicht ausgef.), 1710. Primmersdorf/b. Raabs an der Thaya, Schüttkasten, wahrsch. 1706-12. Ravelsbach, Pfarrk., 1721-26. St. Andrä an der Traisen, Augustiner-Chorherrenstift, Um- bzw. Wiederaufbau der Klosteranlage, zw. 1699 und ca. 1714. St. Pölten, ehem. Augustiner-Chorherrenstiftskirche (heute: Dom), oberstes Turmgeschoss 1692/93; Inst. der Engl. Fräulein, Inst.-Gebäude: Adaptierung des ersten Kernbaus, ab 1708, Inst.-Kirche: Neubau (entspricht dem Chor der später vergrößerten Kirche), 1715-17; Karmelitinnenkloster (Klosteranlage und Klosterkirche), Bauführung, 1708-12; Pal. Kriechbaum, um 1717/18; Bürgerhaus, Hofstatt 5, Neufassadierung, vermutlich 1718; Bürgerhaus, Fuhrmannsgasse 14, Umbau, ab 1726; Schloss Ochsenburg, Umbau (ab 1700). Sonntagberg, Wallfk. (Basilika), ab 1706. Weikendorf, Pfarrhof, 1716-18. Ybbs an der Donau, Reiterkaserne (heute Therapiezentrum), 1721-23.

AUSSTELLUNGEN

Einzelausstellungen:

1960 Melk, Stift Melk (K) / 1961 Innsbruck, Tiroler LM (K) / 2010 St. Pölten, SM und Diözesan-Mus. (beide K). -

 

Gruppenausstellungen:

1981 Mondsee, Heimat-Mus.: Das Mondsee-Land (K) / 1989 Melk, Stift Melk: 900 Jahre Benediktiner in Melk (K).

 

QUELLEN

Thieme-Becker, Vollmer und AKL:

ThB27, 1933

 

Weitere Lexika:

ELU IV, 1966; Oudin, 1970; DA XXV, 1996

 

Gedruckte Nachweise:

H.Hantsch, J.P. Der Klosterarchitekt des österr. Barock, W. 1926; G.Schikola, Beitr. zu einer P.-Monogr., Diss. (Ms.), W. 1959; ead., Jb. des Stiftes Klosterneuburg, N.F., 1961(1)175-188; L.Pühringer-Zwanowetz, WJbKg 1973(26)96-120; T.Korth, Stift St. Florian. Die Entstehungsgeschichte der barocken Klosteranlage, Nü. 1975; L.Pühringer-Zwanowetz, Österr. Kunsttopographie, Bd 43, 1. Tl, W. 1977, 172-486; ead., in: Stift Herzogenburg und seine Kunstschätze, St. Pölten-W. 1982, 49-94; P.Fidler, Zur Bauaufgabe in der Barock-Archit. Das Pal. Questenberg, Inn. 1985; Österr. Kunsttopographie, Bd 54: Die Kunstdenkmäler der Stadt St. Pölten […], Horn 1999; H.Weigl, "... auf seinen Unkosten herauf reisen, umb zue sehen, ob die Arbeith gebührent verricht werde ...", in: F.Polleroß (Ed.), Reiselust & Kunstgenuß. Barockes Böhmen, Mähren und Österreich, Petersberg 2004, 75-88; W.Huber/H.Weigl (Ed.), J.P. (1660-1726). Planen und Bauen im Dienst der Kirche (K), St. Pölten 2010; Th.Karl/Th.Pulle/H.Weigl (Ed.), J.P. (1660-1726). Der Profanbaumeister (K), St. Pölten 2010; H.Weigl, J.P. (1660-1726). Das Werk des Klosterbaumeisters, Petersberg (in Vorbereitung)

 

Archive:

Arch.: Stiftsarchive Herzogenburg, Klosterneuburg, Kremsmünster, Melk, St. Florian, Seitenstetten, Zwettl; St. Pölten, Niederösterreichisches Landesarchiv (detaillierte Angaben in H.Weigl, J.P.)

 


THIEME-BECKER

Prandtauer (Brandauer, Brandtauer, Prandauer, Prantauer, eigenhändig stets Prandtauer), Jakob, Baumeister, * Stanz bei Landeck i. Tirol 15. od. 16. 7. 1660 (get. 16. 7. in Zams), †16.9. 1726 St. Pölten, Nieder-Österr. Eltern: Simon Pr., Maurermeister, und Maria Lentsch. Einziger Sohn unter 8 Kindern. Lernte das Maurerhandwerk bei Georg Asam zu Schnann im Stanzertal. Verwandt in unbekanntem Grade (bez. als Vetterschaft) mit der Familie Mungenast. Lebensweg bis 1689 sonst unbekannt, aber nach den Traditionen seiner Heimat wahrscheinlich in Süddeutschland beschäftigt. 1689 erwähnt als Bildhauer zu St. Pölten. Bis zur Jahrhundertwende amtlich als "Bildhauer" bezeichnet, nur 1695 als Mitglied einer Kommission für den Brückenbau über den Traisenfluß als "Baumeister". Heiratete 21. 7. 1692 Elisabeth Maria Remberger, Kammerzofe der Gräfin Gurland zu Thalheim (bei Schildberg). Wird in der Matrikel von Kapelln als Bildhauer bei der Herrschaft Thalheim bezeichnet. Erwarb kurz vorher ein Haus im Klosterviertel der landesfürstl. Stadt St. Pölten. Leistete 1700 den Bürgereid als "Baumeister". Um diese Zeit bereits als Architekt bekannt, wahrscheinlich durch Beteiligung bei der großen bürgerlichen u. adeligen Wiederaufbautätigkeit in St. Pölten. Seit 1701 im Dienste des Abtes Berthold Dietmayr von Melk, welches Kloster der Mittelpunkt seiner ausgebreiteten Tätigkeit wurde, die ihn im besonderen Sinne zum Klosterbaumeister des Landes gemacht hat. Bauunternehmer größten Stils, der neben eigentlicher künstler. Leistung u. schöpferischer Konzeption auch das rein Handwerkliche besorgte u. sich für seine Bauten in jeder Beziehung verantwortlich fühlte. Ingenieur, Baumeister u. Bauleiter in einer Person. Sein Schwiegersohn ist der St. Pöltener Bildhauer Peter Widerin. Keine Nachrichten über P.s künstlerische Abhängigkeit. Seine Kunst wurzelt im 17. Jahrh. in den gebräuchlichen italien. Vorbildern. Später starke Be einflussung durch die Wiener Palastarchitektur, u. zwar besonders von Fischer v. Erlach, aber auch von Hildebrandt. Er nimmt eine Zwischenstellung ein zwischen dem plastischen Stile Fischers u. dem ornamental-illusionistischen Hildebrandts. Seit etwa 1720 machen sich - indirekt über Fischer - französ. Einflüsse geltend, bes. in der geometrischen Behandlung der Wandgliederungen. P. ist ein durchaus naiver u. ungelehrter Künstler, der aus den Eindrücken der Wiener Baukunst schöpft, sie auf ländliche Verhältnisse überträgt und nach eigenem Empfinden im Rahmen seiner Aufgaben weiter entwickelt. Beherrschung u. Gestaltung des Raumes, Einbeziehung der natürlichen Voraussetzungen der Lage in eine mächtige Gesamtwirkung sind die Kennzeichen seiner Kunst. Mit einfachsten Mitteln, ohne viel Aufwand an plastischem Schmuck, erreicht er allein durch die Aufeinanderbeziehung solider, massiger Bauteile starke Eindrücke. Diese Gesamtschau eines Kunstwerkes ist sein ursprüngliches Genie, während er sich in Einzelheiten an Vorbilder anlehnt (z. B. der mittlere Einfahrtstrakt in Melk als Nachahmung des Palais Trautson, ungar. Konvikt, von Fischer). In den Einzelmotiven erscheint er weniger phantasiereich. Darin und in dem Festhalten an bestimmten Grundformen in seinen Plänen offenbart sich die ländliche, konservative Gesinnung (vgl. den Grundriß der Melker Stiftskirche, der immer wieder erscheint). In seinem Dienste bildete sich eine Anzahl tüchtiger Baumeister heran, die sich bei den Aufgaben provinzieller Baukunst, beim Bau von Landkirchen u. kleinstädtischen Bürgerhäusern bewähren. Sein bedeutendster Schüler ist sein Vetter Joseph Mungenast (s. d.), der sich in der Melker Bauhütte heranbildete u. die Tradition weiterleitete, die mit Franz Mungenast ausklingt. Beide haben noch bei Vollendung der großen Werke P.s Bedeutendes geleistet. Gesicherte Werke: Stift Melk a. D., in seiner Gesamterscheinung der eindrucksvollste österr. Klosterbau. 1701/38. Nach einem Brande Türme von Joseph u. Franz Mungenast erneuert nach dem Vorbild von Dürnstein, dessen Turm von Matthias Steinl entworfen u. von Mungenast ausgeführt wurde. Beim Tode P.s war der Klosterbau bis auf den Bibliothekstrakt u. die Verbindungsaltane zwischen Bibliothek Marmorsaal vollendet. Nach den vorhandenen Plänen hat Jos. Mungenast den Bau vollendet. In Melk sind stets die eigene Initiative des Abtes Dietmayr u. dessen Beziehung zu dem Künstlertum des Wiener Hofes u. der adeligen Gesellschaft zu beachten (Beduzzi, Bibiena, Mattielli). Die Innenausstattung der Kirche und das Kirchentor stammen nicht von P. - St. Pölten: Ehemalige Kirche der Karmelitinnen, jetzt restauriert. Vollendet 1712. Italien. Vorbild (Borromini) mit starker Betonung heimischer Überlieferung. Bischofstor, bestimmt für den Neubau des Augustinerklosters (jetzt bischöfl. Residenz), der nicht ausgeführt wurde, dessen Planung aber aus einem Gemälde ersichtlich ist. - Klosterneuburg: Zwei Entwürfe für den Neubau des Augustinerstiftes 1706. Nicht ausgeführt. - Sonntagberg b. Waidhofen a. Ybbs. 1706/28. Wallfahrtskirche nach dem Vorbild der Melker Stiftskirche mit wesentlich beschränktem Programm. Seit 1718 von J. Mungenast weitergeführt. - Garsten bei Steyr in Oberösterr. Ehemal. Benediktinerkloster, jetzt Strafanstalt. Von P. der Gasttrakt mit dem großen Saal. Im Dienste des Abtes Garsten Weiterführung des Rundbaues der kleinen Wallfahrtskirche von Christkind' bei Steyr (1703/08). - St. Florian, Chorherrenstift bei Linz a. D. Zweites Hauptwerk. Seit Oktober 1708 als Nachfolger Carlantonio Carlones, nach dessen Plänen bereits die Kirche u. ein Teil der Hauptfront des Stiftsbaues errichtet worden waren. Umänderung der Carloneschen Risse von P. durch Einfügung des Portalbaues, des Stiegenhauses, großen Saals u. Sommerrefektoriums, des besten Beispiels des Altersstils. In dem selben Stil auch das Lustschlößchen Hohenbrunn bei St. Florian (voll. 1729). - Kremsmünster: Seit 1708 als Nachfolger Carlones. Neugestaltung des Vorhofes mit künstlerischer Einbeziehung der Wirtschaftsgebäude (1712/24). Umbau des Eichentores. - Stiftshof zu Linz a. D. (jetzt bischöfliche Residenz), 1720/26, in dem betont plastischen Stil der Spätjahre. - Herzogenburg, Chorherrenstift bei St. Pölten. Der ursprüngliche, von Melk beeinflußte Plan eines Neubaues stark vereinfacht, doch in der ganzen Anlage, bes. der Raumgestaltung, deutlich ersichtlich. Mittelbau mit großem Saal nach Ideen J. B. Fischers v. Erlach. Kirchenbau späterer Zeit v. Fr. Mungenast. Auch in H. vollendet J. Mungenast das angefangene Werk P.s. Wie in St. Florian, so auch in H. das Haupttor nur in den Grundzügen von P. Beide zurückgehend auf Wiener Beispiele (Liechtensteinpalais u. Kinskypalais). - Pfarrhof von Heitzendorf bei Wagram a. d. Krems (1696). - Landkirchen: Ravelsbacb (N.-O.), 1721/26. Abwandlung des Vorbildes der Melker Stiftskirche. - Wullersdorf, 1725 -ca. 1733 von J. Mungenast vollendet. Ebenfalls nach dem Melker Muster. - Kleinere Werke ohne künstl. Bedeutung: Zehenthof zu Joching i. Wachau (1696), Freihof in Enns, Kremsmünsterhof in Pernstein (O.- O.), Herrschaftshaus in Kettenreith (N.-Ö.), Filialkirche in Meierhöfen und Kapelle v. St. Georgen, Kuppelerneuerung von Maria Taferl (sämtl. N.-O.). Ungesicherte Werke: Dürnstein a. D. (1716/ca. 1733). Starker Einfluß der Melker Bauhütte u. des Melker Künstlertums. P. bei Beginn des Baues als Baumeister erwähnt, aber ohne weitere genauere Angaben. J. Mungenast setzt das Werk fort u. baut den Turm nach Plänen M. Steinls. - St. Andrä a. d. Traisen, 1725/30. Kostenanschlag von P. Auch stilistisch ihm nahestehend. - Spital am Pyhrn, urspr. Stiftskirche (1714/36), nach Melker Muster. Lit.: A. Bretschneider, Ein Beitrag z. Bauschaffen d. iandständ. Stifte Oberösterr. im 17. u. 18. Jahrh., Diss. Dresden 1914. - A. Czerny, Kst u. Kstgewerbe im Stifte St. Florian, 1886. - Dehio, Gesch. d. dtschen Kst, III (1931) 330f. (noch auf alter Grundlage). - R. Dohme, Gesch. d. dtschen Baukst (Gesch. d. dtschen Kst Bd I), Berl. 1887. - Drexler, Klosterneuburg, 1894. - GnevkowBlume, Dürnstein, die Malerstadt a. d. Donau, 1926. R. Guby, Passauer Bildhauer d. 18. Jh., Heft I. C. Gurlitt, Gesch. d. Barockstiles u. d. Rococo in Deutschland (Gesch. d. Bar., Roc. u. d. Klassiz. Bd 3), 1889. - H. Hantsch, J. P., Wien 1926. - Aug. Herrmann, Gesch. d. landesfürstl. Stadt St. Pölten, 1917, 1919, 1927 (red. v. Dr. K. Hübner). - Hollnsteiner, St. Florian (-Osterr. Kstbücher Bd 56, 57). - A. I lg, Kstgesch. Charakterbilder aus Ost.-Ungar, 1893; ders., Die Fischer von Erlach, 1895. - I. F. Keiblinger, Gesch. d. Ben -St. Melk, 1851, p. 947ff. - Obmann, Architektur u. Kstgew. d. Barockzeit aus Ost-Ungarn, Nr 30. - W. Pi nd er, Deutscher Barock (Die großen Baumeister d. 18. Jh.), 1924. - Pritz, Gesch. d. Ben.-Klöster Garsten u. Gleink, 1841. - Prokop, Markgrafsch. Mähren in kstgesch. Bezieh., IV 967, 976, 1076. - M. Riesenhuber, Abteikirche zu Seitenstetten, Wien 1916, p. 40; ders., Die kirchl. Barockkst in Ost., Linz a. D. 1924. - Ed. v. Sacken, Archaeol. Wegweiser d. Viertels ob d. Wiener Wald, 1861. - W. Schier, Das Benediktinerstift Melk a. D. (Alte Kst in Ostern.), 1928. - H. Sedlmayr, Ostern Barockarchitektur 1690/1740, Augsb. 1930, p. 41 f., 45 † f., 58.-Tschischka, Kst u. Altert., 1836. - M. Wackernagel, Baukst d. 17. u. 18. Jh. in d. germ. Ländern (Handb. d. Kstwiss.), o. J. [1915]. - Wichner, Kloster Admont, 1888. - Der Architekt, 1 (1895) 4f., 12 Taf. 7, 9; 14 (1908) Taf. 26f. - Berichte u. Mitt. d. Altertumsver. Wien, 17 (1877) 82, 148, 193; 23 (1886) 119; 29 (1893) 79, 82. - 2. Bericht üb. d. Denkmäler dtscher Kst des Ver. f. Kstwiss., Berl. 1912, p. 14. - Die Baugilde, Heft 24 (1926) 1338 (Gurlitt). - Forschungen u. Mitt. z. Gesch. Tirols u. Vorarlb., 13 (1916) 18ff.- Beitr. z. Baugesch. d. St. Klosterneuburg, 1(1907) 7 ff.: W. Pauker, Donato Felice v.Allio. - Jahrb. f. Landeskde v. Nied.-Ostern., N. F. 13/14 (1914/15) 450; 21 (1927) 202ff. (Gnevkow-Blume); 22 (1929) 96 (Buch inger). - Jahrb. d. Stiftes Klosterneuburg, 2(1909) 301 ff.: Math. Stein I; 3 (1910) : W. Pauker, Die Kirche u. d. KollegiatstiftDürnstein. - Christi. Kstblätter, 57 (1916) 28ff., 36ff., 44ff.; 62 (1921) 35 (Abb.). - Die christl. Kst, 11 (1914/15) 246ff.; 26 (1929/30) 19 (Abb.). - Der Kstgarten, H. 4 (1927) 126ff. - Kstgesch. Anzeigen, 1907 p. 54; 1910 p. 16. - Kst u. Ksthandwerk, 2 (1899) 51ff., 185. - Kstgesch. Jahrb. d. k. k. Zentralkomm., 2 (1908) 25ff., Beilage p. 128ff. - Topogr. v. Nieder-Ost., VI 370ff. Ostern. Ksttopogr., 1 (1907); 3 (1909). - Mitt. d. k. k. Zentralkomm. f. Denkmalpflege, 3. Folge, 15 (1917) 96, 99, 153f.; 16 (1918) 57ff. - Monatsbl. d. Altertumsver. zu Wien, 35 (1918) 105, 109, - Monatsbl. d. Ver. f. Landeskde v. N.-Ost., 18 (1919) 81. - Monatsh. f. Kstwiss., 12 (1919) 44. - Unsere Heimat, 1932, p. 104f. - Das neue Reich, 1926 Nr 50 p. 1030ff. (Hantsch). - Volkszeitung (Wien) v. 15. 9. 1926 (Tietze). - N. Freie Presse (Wien) v. 6. u. 13. 11. 1926 (Cloeter). - Reichspost (Wien) v.16.9. 1926 (Wilh. Schier). - Der getreue Eckart (Dresden), 1926, 4. Jg., H.5, p. 228ff. (Hantsch). - R. K. Donin, P.s Plan f. d. Umbau des Chorherrenst. in St. Pölten, "Arbeitsgemeinschaft" St. Pölten 1932. - Dehio, Handb. d. dtsch. Kstdenkm., 2. Abt.: Ostern., I (Wien 1933) 287, 310. H. Hantsch.