Frei zugänglich

Klimt, Gustav

Geboren
Baumgarten (Wien), 14. Juli 1862
Gestorben
Wien, 6. Februar 1918
Land
Österreich
Geschlecht
männlich
GND-ID
Weitere Namen
Klimt, Gustav
Berufe
Maler*in; Zeichner*in; Porträtmaler*in; Genremaler*in; Landschaftsmaler*in
Wirkungsorte
Wien
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Mitglied von
Von
Partsch, Susanna
Zuletzt geändert
26.11.2018
Veröffentlicht in
AKL LXXX, 2014, 477

VITAZEILE

Klimt, Gustav, österr. Maler, Zeichner, Illustrator, *14.7.1862 Baumgarten b. Wien (Wien, 14. Bez.), †6.2.1918 Wien. Sohn des Goldgraveurs Ernst K. Bruder von Ernst K. d.J. (s.u.) und Georg K. (s.u.).

LEBEN UND WIRKEN

Der Vater studiert zwar wahrsch. vor 1850 an der Wiener ABK, hat aber als Goldgraveur nur ein geringes Einkommen. Die Fam. lebt in ärmlichen Verhältnissen, K. besucht acht Jahre die Bürgerschule. Ausb.: 1876-83 KGS Wien. Dort erste Begegnung mit Franz Matsch, mit diesem und dem Bruder Ernst K. (ab 1877 auf der KGS) lernt und arbeitet K. in den nächsten Jahren gemeinsam, sodass die drei Biogr. so gut wie identisch sind. Nach zwei Jahren Vorschule bei Karl Hrachowina, Ludwig Minnigerode und v.a. Michael Rieser, der alle drei bereits mit Arbeiten betraut, und einem Prüfungsjahr für Zeichenlehrer, besuchen K., Matsch und Ernst K. durch Empfehlung vermutlich von Rieser die Kl. für Malerei (ermöglicht durch ein Stip.) bei Ferdinand Laufberger und, nach dem Tod Laufbergers 1881, bei Julius Victor Berger. Bereits 1879 gründen sie die Künstler-Compagnie, werden an den Aufträgen der Lehrer beteiligt und führen erste eigenständige Arbeiten aus: 1879 Dekoration von Festwagen für den von Hans Makart ausgerichteten Umzug anlässlich der Silbernen Hochzeit des Kaiserpaares; 1879/80 Ausf. der Allegorien der bild. Künste und des Kunsthandwerk als Sgraffiti in den Innenhöfen des KHM nach Entwürfen von Laufberger. Danach weitere gemeinsame Arbeiten u.a. in Wien (1880 Allegorien von Poesie, Musik, Tanz, Theater im Sitzungssaal des Pal. Sturany), Karlsbad (Karolvy Vary; Musik der Nationen, 1880, Konzertsaal, Deckengemälde) und Reichenberg (Liberec; von G.K. Lautenspiel; Fam. mit trommelndem Kind, 1882/83, Stadttheater, Deckengemälde; von allen gemeinsam Theatervorhang). 1883 erstes gemeinsames Atelier der Künstler-Compagnie. Mitarb. an dem vom Verlag Gerlach & Schenk herausgegebenen Vorlagenwerk Allegorien und Embleme (W. 1882-85), für das sie Gem. und Zchngn anfertigen. Weiterhin Aufträge des Wiener Architekturbüros Fellner & Helmer v.a. für Theaterdekorationen, erh. z.B. in den Theatern von Fiume (Rijeka) und Karlsbad (Karolvy Vary); 1885 Deckenmalereien in der Hermes-Villa im Lainzer Tierpark/Wien für Kaiserin Elisabeth. Ab 1886 Ausmalung der Treppenhäuser des neuen Burgtheaters und – nur mit Matsch – zwei Ansichten des Innenraums des alten Burgtheaters; K. erhält für die Gouache Zuschauerraum des alten Burgtheaters (Wien, Wien-Mus.) mit über 150 Porträts der Wiener Gesellschaft 1890 den zum ersten Mal verliehenen Kaiserpreis sowie den Auftrag für die Künstler-Compagnie, die Zwickel- und Interkolumnienbilder in den Stiegenhäusern des KHM auszumalen. Jetzt verdienen die Brüder K. und Matsch so viel Geld, dass sie sich leisten können, zu reisen (1888 in Österreich; 1889 Krakau, Triest, München; 1890 Venedig, Bozen, Kärnten). Außerdem zieht K. mit seiner Fam. in eine größere Wohnung (7. Bez., Westbahn-Str. 36), wo er mit seiner Mutter (bis zu deren Tod 1915) und den beiden unverheirateten Schwestern bis zu seinem Lebensende wohnen bleibt. 1891 Aufnahme der drei Künstler in die Genossenschaft der bild. Künstler Wiens; Heirat von Ernst K. mit Helene Flöge, deren jüngere Schwester Emilie K.s Lebensgefährtin wird. 1892 Umzug in ein neues Atelier (8.Bez., Josefstädter Str. 21), das K. nach dem Tod des Bruders im selben Jahr und dem gleichzeitigen Ende der Künstler-Compagnie bis 1911 alleine behält. 1894 gemeinsam mit Matsch Auftrag für die Deckengemälde im Festsaal der Univ.; K. übernimmt die allegorischen Darst. der drei Fak. Medizin, Jurisprudenz und Philosophie. An diesen, nicht wie verlangt 1898, sondern erst 1907 fertiggestellten Bildern, entzündet sich nach der ersten Präsentation ein Konflikt (als 'Affäre K.' oder 'Causa K.' bez.). 1897 Austritt aus der Genossenschaft der bild. Künste; Mitbegr. der Wiener Secession und deren erster Präs. (erste Ausst. im März 1898; die zweite im Nov. bereits in dem von Joseph Maria Olbrich entworfenen Gebäude der Secession); seit der ersten Ausg. der Secessions-Zs. Ver Sacrum liefert K. Ill. (bis zur letzten Ausg. der Zs. 1903); erstmals mit der Fam. Flöge in der Sommerfrische, diesmal in Fieberbrunn/Tirol, ab 1900 an versch. Orten des Attersees. 1899 Reise nach Italien mit dem Maler Carl Moll und dessen Fam., u.a. der Stieftochter Alma Schindler (spätere Mahler-Werfel). 1900 und '01 zeigt K. zwei der Fakultätsbilder (Philosophie; Medizin) auf zwei Ausst. der Secession, die stark kritisiert werden. 1902 Ausf. des Beethovenfrieses für die Max-Klinger-Ausst. in der Secession (wieder in situ). 1903 zwei Reisen nach Ravenna; die frühchristlichen und byzantinischen Mosaiken hinterlassen auf K. einen tiefen Eindruck. Gründung der Wiener Werkstätten durch die Freunde Josef Hoffmann und Kolomann Moser. Erste Einzelausstellung im Secessions-Gebäude (Klimt-Kollektive mit 80 Gem., darunter alle Fak.-Bilder, wenn auch nicht voll.). 1904 Auftrag für den Fries im Speisezimmer des Pal. Stoclet in Brüssel. 1905 Rückerstattung des bereits bezahlten Honorars für die Fakultätsbilder mit Hilfe von August Lederer, in dessen Bes. die Bilder später übergehen (1945 in Schloss Immendorf/NÖ verbrannt); nach Meinungsverschiedenheiten Austritt der sog. Klimt-Gruppe (u.a. J.Hoffmann, C.Moll, K.Moser, Alfred Roller, Fritz Waerndorfer, Otto Wagner) aus der Secession. 1906 Reise nach London, Brüssel, Berlin, Dresden; Gründung des Österr. Künstlerbundes (1912 dessen Präs.). 1907 erste Begegnung mit dem späteren Freund Egon Schiele. 1908 von K. mitorganisierte Kunstschau, bei der er mehrere Gem. zeigt, von denen Der Kuss (Wien, Österr. Gal. Belvedere) angekauft wird; von jüngeren Künstlern ist v.a. Oskar Kokoschka erwähnenswert; Beginn des Mappenwerks "Das Werk G.K.s" durch die Gal. Miethke unter Aufsicht und Mitwirkung von K. 1909 Reisen nach Spanien und Paris. 1911 voll. und Montierung des Stoclet-Frieses (durch die Wiener Werkstätten), Umzug in ein neues Atelier (13. Bez., Feldmühlgasse 11). 1918 im Jan. Schlaganfall, von dem er sich nicht mehr erholt. Schiele zeichnet den toten K. (Wien, Leopold-Mus.). Mitgl. in mehreren nat. und internat. Ver.: u.a. 1898 der Münchner Sezession; 1906 der Kgl. bayerischen ABK München; 1916 der sächsischen ABK Dresden. 1917 Ehren-Mitgl. der ABK Wien. - Alle drei Mitgl. der Künstler-Compagnie haben eine fundierte Ausb. zu Dekorations- und Historienmalern erhalten und rühmen sich damit, dass sich ihre Malereien stilistisch nicht voneinander unterscheiden. Bis heute ist tatsächlich eine Händescheidung der nicht sign. Werke kaum möglich (hierzu zuletzt Seiser in Weidinger, 2007, 11-39; Husslein-Arco/id., 2007; Franz/Pötschner in Natter, 2012, 10-39). In den Deckenbildern der Hermesvilla (Sommernachtstraum; Frühling) grenzen sich die drei Maler zwar stilistisch von dem inzwischen gest. Makart ab, K. beginnt aber erst in den Bildern für das KHM, einen eig. Stil auszubilden (Mädchen von Tanagra), der im gleichzeitigen Bildnis des Komponisten Joseph Pembaur (1890, Innsbruck, Tiroler LM Ferdinandeum) noch stärker zum Tragen kommt. 1894 hat sich K.s Stil endgültig gewandelt und ist jetzt an Symbolismus und beginnendem Jugendstil orientiert. Das wird zuerst in wenigen Porträts und dem letzten Gem. für das Vorlagenwerk Allegorien und Embleme Allegorie der Liebe (1895, Wien, Wien Mus.), deutlich, das sich thematisch mit seiner Darst. der Ambivalenz von Jugend und Alter, Freude und Verderben auch später in seinem Werk wiederfindet. Hinzu kommt eine Verarbeitung von impressionistischen Einflüssen wie sie in den frühen Landschaftsbildern (ab 1897; frühes erh. Beispiel: Bauernhaus mit Rosen, Priv.-Bes.), aber auch schon im Entwurf zu Schubert am Klavier (1896, Priv.-Bes., Ausf. von 1899 nur noch als Fotogr. bek., 1945 auf Schloss Immendorf verbrannt) zu verzeichnen sind. Die Abwendung von Historismus und akad. Stil kulminiert erstmals in den Komp.-Entwürfen zu den Fak.-Bildern (1898, Jurisprudenz und Philosophie, 1945 auf Schloss Immendorf verbrannt; Medizin, Priv.-Bes.), die bereits großen Anfeindungen ausgesetzt sind und in denen sich einige der später immer wiederkehrenden Themen K.s finden. Ab diesem Zeitpunkt können die Bilder K.s in versch. Kategorien eingeteilt werden: Die Frauenbildnisse, mythologische und allegorische Frauen-Darst., Lsch. und die großen Friese. Dem Bildnis Sonja Knips (1898, Wien, Belvedere) kommt insofern eine herausragende Stellung zu, dass es das erste Bild in quadratischem Format ist, ein Format, das K. später v.a. bei den Landschaftsgemälden favorisiert. Es ist aber auch das erste in der Reihe von Frauen-Porträts in großem Format, die Angehörige der Wiener Oberschicht darstellen und dabei bewusst Verunklärungen herbeiführen - hier durch einen Wechsel von Präzision und Unschärfe, der zugleich den Einfluss der Fotogr. bei K. unterstreicht. In den nächsten Jahren verschwinden Details der Umgebung der Porträtierten immer stärker, bis sie sich ganz im Gold auflösen (Adele Bloch-Bauer, 1907, New York, Neue Gal.). Obwohl K. heute v.a. für diese sogenannte "Goldene Periode" berühmt ist, manifestiert sie sich nur in wenigen Frauenbildnissen. Es sind dafür umso mehr Porträts aus der späteren, bereits 1909/10 einsetzenden Zeit bek., in denen K. mit einer stärkeren Farbigkeit operiert, aber dennoch die Frau im Ornament verschwinden lässt. Hier bietet sich der Vergleich mit dem fünf Jahre später entstandenen Bildnis Adele Bloch-Bauer II (1912, Priv.-Bes.) an. In beiden Fällen sind lediglich Gesicht und Hände der Porträtierten sichtbar. Ihr Körper verschwindet einmal im Gold, in dem ihr Kleid und der Sessel, auf dem sie sitzt, nur schwer zu erkennen sind, das andere Mal in einem langen, die Gestalt einhüllenden Kleid und einem farbigen Hintergrund mit asiatischen Motiven. Ähnlich verfährt K. mit den mythologischen und allegorischen Frauengestalten, oft lasziven Wesen, deren Gesichter er sich häufig bei den porträtierten Damen der Wiener Gesellschaft "ausleiht". So wird Judith I (1901, Wien, Belvedere) mit Adele Bloch-Bauer identifiziert, die Nixen bzw. Silberfische (1902/03, Wien, KS Bank Austria) mit Rose von Rosthorn-Friedmann, deren Bildnis 1900/01 entsteht (Priv.-Bes.). In anderen wie Hoffnung I (1903/03, Ottawa, NG) oder dem Kuss (1907/08, Wien, Belvedere) stellt er Leben und Tod dar, Themen, die bereits in den Fak.-Bildern, dann aber auch im Beethoven- und im Stocletfries eine große Rolle spielen. Der Beethoven-Fries, Teil der 14. Secessions-Ausst., die sich thematisch auf Max Klingers Beethoven-Figur bezieht, stellt die Neunte Symphonie Beethovens in der Interpretation von Richard Wagner dar (die einzelnen Titel stimmen mit dessen Kommentar von 1846 überein). Der Fries kulminiert nach dem Kampf gegen feindliche Gewalten im "Kuss der ganzen Welt", der bereits in der Allegorie der Liebe angelegt war und sich dann sowohl in dem singulären Bild als auch im Stoclet-Fries wiederfindet. Dieser Fries hingegen ist Teil des bedeutendsten und größten von den Wiener Werkstätten konzipierten und ausgeführten Gesamtkunstwerks: Das von Hoffmann erbaute Pal. Stoclet in Brüssel ist von den Wiener Werkstätten bis zu den Kleidern der Bewohner hin eingerichtet, der Fries im Speisezimmer aus Marmormosaik von K. entworfen (vermutlich unter Mithilfe von E.Flöge) und von Handwerkern der Wiener Werkstätten ausgeführt (viell. war auch der Bruder Georg K. daran beteiligt). Bei diesem letzten großen Auftrag kann im Ritter an der Stirnwand ein erstes und einziges abstraktes Bild K.s gesehen werden. Die seit 1897 immer dominanter im Werk erscheinenden Lsch. entstehen während der Sommermonate, die K. gemeinsam mit der Fam. Flöge v.a. am Attersee verbringt. Diese ohne Auftrag gemalten Bilder zeigen neben dem Rückzug ins Private auch einen weiteren Aspekt in K.s Schaffen. Außerdem lassen sie sich gut verkaufen, ein für K. wichtiger Gesichtspunkt. Seit 1899 fast ausschließlich in quadratischem Format ausgeführt (zuerst Ein Morgen am Teiche, Wien, Mus. Leopold), wird hier der Einfluss von Impressionismus und Pointillismus, später sogar des Kubismus und Expressionismus stärker spürbar als in den Porträts und and. Frauenbildern. Wie aus den erstmals von Nebehay 1978/79 publ. Briefen vom Attersee an das Modell und die Mutter seiner Söhne Gustav und Otto, Mizzi Zimmermann, bek., sucht sich K. seine Motive mithilfe einer Pappscheibe, in die er ein Loch schneidet, vergleichbar dem Sucher einer Kamera, was bei dem von der Fotogr. begeisterten K. nicht erstaunt. In einigen von ihnen werden in Blumen verwandelte Porträts von E.Flöge vermutet (z.B. Die Sonnenblume, 1907; Bauerngarten mit Sonnenblumen, 1908, beide Wien, Belvedere; zuletzt Benesch, in Natter 2012, 268-369), andererseits stammen die Motive aus der direkten Umgebung seiner jeweiligen Aufenthalte wie anhand von alten Fotogr. oder der Natur selbst nachgewiesen werden kann (Koja, in: id., 2006, 192-221). K. hat wohl an die 20000 Zchgn geschaffen, erst in Kreide, später in Blei- und Buntstift, von denen sich nur ein Bruchteil erhalten hat (bei Strobl, 1980-89, sind 3741 Nrn verzeichnet, seitdem wurden mehr als 300 weitere entdeckt). Nach den präzise ausgef. Zchngn der frühen Jahre folgen schnell hingeworfene Skizzen, in denen K. Haltungen, Bewegungen und Emotionen seiner meist weiblichen Modelle festhält. Bis heute sind die Akt-Zchngn begehrt, v.a. diejenigen mit sexuellen Komponenten, die versch. Themen behandeln, so die Frau als Sexualobjekt, während der Selbstbefriedigung, bei der Liebe zw. Mann und Frau oder zw. Frauen. Wie F.Eder (in S.Koja, 2006, 74-81) nachweisen kann, gibt es auch einige bildhauerische Versuche von K., von denen sich allerdings nur wenige in Privatbesitz erh. haben und die kaum überzeugen. K. hat das Medium der Fotogr. vielfältig zu nutzen gewusst, einige seiner Lsch. sind nach Fotogr. entstanden, er selbst hat sich häufig fotografieren lassen. Von ihm selbst sind jedoch lediglich die Modefotografien von E.Flöge bek., die in Kunst und Dekoration 1906/07 publ. sind. Das Fehlen von Äußerungen zu seinem Privatleben führt nach wie vor zu zahlr. Spekulationen. Für die Kinder (nicht 14, sondern sechs) mit Maria Uciky, Mizzi Zimmermann und Consuela Huber sorgt er über sein Lebensende hinaus. Ob er, wie von versch. Seiten, z.B. von A.Mahler-Werfel in ihren Tagebüchern kolportiert, auch Liebesbeziehungen zu versch. der Wiener Damen pflegt, ist nicht gesichert. Eine lebenslange enge Freundschaft verbindet ihn mit E.Flöge, der jüngeren Schwester seiner Schwägerin. Die Mitinhaberin des 1904 gegr. Modesalons der Schwestern Flöge ist ihm bis an sein Lebensende engste Vertraute und Partnerin. In Überwindung der frühen, an den Lehrern und Makart orientierten Malweise wendet sich K. einem Symbolismus zu, der von James McNeill Whistler, Jan Toroop und Fernand Khnopff beeinflusst ist. Dieser führt zu einem völlig im Ornament aufgehenden Jugendstil, bei dem Merkmale des Japonismus und Impressionismus (v.a. in den Landschaftsbildern) zu finden sind, und kulminiert in der sog. Goldenen Periode, die bis heute Hauptursache seiner Popularität darstellt. Sie ist jedoch beschränkt auf die beiden Friese, den Kuss und wenige Porträts und wird abgelöst von Gem. in einer starken Farbigkeit, in denen das Ornament allerdings weiterhin dominiert. Zu Elementen des Japonismus kommen nun auch solche der Fauve hinzu, jedoch führen die Gem. K.s dennoch in eine Sackgasse. Die ihm nachfolgende Generation greift Tendenzen auf, die in eine and. Richtung führen und den Jugendstil hinter sich lassen. - Der Bruder Ernst K. (*3.1.1864 Penzing b. Wien, heute Wien, 14. Bez., †9.12.1892 Wien) folgt K. ein Jahr später auf die KGS und arbeitet mit ihm und Matsch gemeinsam in der Künstler-Compagnie, ist allerdings zu Beginn nicht gleichberechtigt in die Arbeit eingebunden. Das ändert sich erst bei der Ausmalung der Stiegenhäuser des KHM. Daneben führt er bereits 1883 die Deckenbilder des sog. Fürstenzimmers in Schloss Mondsee/OÖ alleine aus. Um 1885/86 zeigt sich ein Stilwandel, der bei Ernst K. zu einer Orientierung an Praeraffaeliten und Nazarenern führt. Ob dieser sich später zu einem eig. Individualstil entwickelt hätte, bleibt durch den frühen Tod Spekulation. In wenigen Fällen kennt man ihn als Urheber (u.a. Portr. eines Knaben, 1885, Wien, Wien-Mus; Vor der Hochzeit. Paar mit Amoretten in Lsch.; Francesca da Rimini und Paolo, beide Wien, Belvedere, um 1890). Wahrsch. ist er auch der Autor des Porträts seiner Frau (1892, Priv.-Bes., früher als E.Flöge und von K. gemalt identifiziert), das K. in das für den Bruder vollendete Gem. Hanswurst auf der Stegreifbühne in Rothenburg (1893/94, Priv.-Bes.) integriert (bei Seiser in Weidinger, 2008, werden weitere Bilder gen.). - Der jüngere Bruder, Georg K. (*21.11.1867 Wien, †3.9.1931 ebd.), studiert nach einer Lehre 1889-96 an der Wiener KGS Zieserlieren und Bildhauerei, ist anschl. selbstständig v.a. als Goldschmied und Metallbildhauer tätig und unterrichtet 1901-22 an der KSch für Frauen und Mädchen kunstgewerbliche Metallarbeiten. Von K. gefördert, führt er nach dessen Entwürfen zahlr. Bilderrahmen für ihn aus (so zu Pallas Athene, 1898, Wien, Wien-Mus.; Sonja Knips, 1898; Judith I, 1901, beide Wien, Belvedere), außerdem Schmuckstücke, arbeitet aber auch nach Entwürfen and. Künstler wie J.M.Olbrich (z.B. die 1945 verlorenen Türen des Secessionsgebäudes, heute durch Kopien ersetzt) oder Carl Otto Czeschka (Ausf. der Silberkassette für Kaiser Franz Joseph I., 1905/06, als Geschenk von den Skoda-Werken Pilsen, heute Wien, Österr. Nat.-Bibl.) sowie nach eig. Vorlagen.

WERKE

WV: F.Novotny/J.Dobai, G.K., Sg. 1967 (²1975; mit 222 Gem.); A.Strobl, G.K., Zchngn, I–IV, Sg. 1980-1989; A.Weidinger (Ed.), G.K., M. u.a. 2007 (253 Gem.); T.Natter (Ed.), G.K., Köln 2012 (245 Gem.). – Wien, Albertina: ca. 170 Zchngn. – Belvedere: 24 Gem. – Wien-Mus: 8 Gem.; ca 400 Zchngn; Portr.-Fotogr; Einrichtungsgegenstände u.a. aus dem Nachlass.

AUSSTELLUNGEN

Einzelausstellungen:

Wien: 1903, 28 Secession; 1962 Belvedere; Albertina (beide K); 1968 Albertina (mit Egon Schiele; K); 1984 HM (K) / 1988 Hermesvilla (mit E.Flöge; K); 2000, 02, 08, 11, 12 Belvedere (alle K); 2012 Albertina; MAK; Mus. Leopold; Wien Mus.; (K) / 1957 Bern, Klipstein und Kornfeld / 1962 Graz, NG am LM Joanneum / 1964 Salzbug, Gal. Welz (K) / 1965 London, Marlborough Gal. (K) / Innsbruck: 1973 Gal. im Taxis-Pal. (K); 1987 Tiroler LM Ferdinandeum (K) / 1976 Essen, Mus. Folkwang (K) / 1984 Hannover, Kestner-Ges. (K) / 1992 Zürich, Kunsthaus (K) / 2003 Kobe, Hyogo Prefectural Mus. of Art (K) / 2006 Madrid, Fundación Juan March (K) / 2007 New York, Neue Gal. (K) / 2008 Liverpool, Tate Gal. (K) / 2010 Budapest, SzM (K) / 2012 Venedig, Mus. Correr. -

 

Gruppenausstellungen:

Wien: 1898-1905 Secessions-Ausst.; 1998 Albertina: Heiliger Frühling. G.K. und die Anfänge der Wiener Secession (K); 2003 Jüdisches Mus.: Die Gal. Miethke (K); Belvedere: 2007 G.K. und die Künstler-Compagnie (K); 2010 Schlafende Schönheit (K) / Paris: 1898 Herbstsalon; 1900 WA / 1901, '09, '13 München, Glas-Pal.: Internat. Kunst-Ausst. / 1981 Hamburg, KH: Experiment Weltuntergang. Wien um 1900 (K) / Frankfurt am Main, Schirn: 1995 K., Kokoschka, Schiele; 2005 Die nackte Wahrheit (beide K) / 2004 Salzburg, Rupertinum: G.K. und Wien um 1900 (K) / 2005 Paris, Grand Pal.: K., Schiele, Moser, Kokoschka. Vienne 1900 (K) / 2006 Rovereto, MAMC: Schiele, K., Kokoschka e gli amici viennesi (K) / 2010 Riehen/Basel, Fond. Bayeler: K., Schiele und ihre Zeit. Ein Gesamtkunstwerk (K).

 

QUELLEN

Thieme-Becker, Vollmer und AKL:

ThB20, 1927 (auch zu Ernst d.J. und Georg K.)

 

Weitere Lexika:

MűvLex II, 1966; Bauer, GEM V, 1977; Kindler, ML III, 1966; List, 1967; Fuchs, Maler (19.Jh.) II, 1973; EAPD, 1989; Fanelli/Godoli I, 1990; DA XVIII, 1996

 

Gedruckte Nachweise:

F.Servaes, G.K., Velhagens und Klasings Monatshefte 32:1917/18, 21-32; M.Eisler, G.K., W.1920; H.Tietze, G.K., W.1926; E.Pirchan, G.K., W.1942; A.Strobl, Albertina Studien 2:1964, 138-169; C.M. Nebehay (Ed.), G.K., Dokumentation, W. 1969; W.Hofmann, G.K. und die Wiener Jh.-Wende, Sg. 1970 (Neu-Ausg. Ha. 2008); J.Dobai, NG of Canada Bull. 1971(17)2-15; M.Prakken, G.K., der Beethovenfries. Gesch., Funktion, Bedeutung, Sg. 1977; O.Breicha (Ed.), G.K. Die goldene Pforte. Werk, Wesen, Wirkung. Bilder und Schriften zu Leben und Werk, Sg. 1978; U.Kultermann, Alte und Mod. Kunst 23:1978(157)34-36; M.Bisanz-Prakken, Mitt. der Österr.Gal. 22/23:1978/79, 146-214; J.Dobai, ibid., 241-272; W.Mrazek, ibid., 37-47; C.M.Nebehay, ibid., 101-118, P.Vergo, ibid., 69-100; J.Dobai, G.K., Die Lsch., Sg 1981; L.Hevesi, Acht Jahre Secession (März 1897-Juni 1905), Kritik, Polemik, Chronik, W. 1906, ed. O. Breicha, Klagenfurt 1984; G.Fliedl, in: D.Hammer-Tugenhat (Ed.), Der Garten der Lüste, Köln 1985, 89-149; E.Lachnit, WJbKg 39:1986, 205-220; W.G.Fischer, G.K. und Emilie Flöge. Genie und Talent, Freundschaft und Besessenheit, W. 1987; C.M.Nebehay, G.K., das Skizzenbuch aus dem Bes. von Sonja Knips, W. 1987; T.Zaunschirm, G.K., Margarethe Stonborough-Wittgenstein. Ein österreichisches Schicksal, Ffm.1987; K.Varnedoe, Wien 1900, Köln 1987; G.Fliedl, G.K., Köln 1989; F.Kurrent, Das Pal. Stoclet in Brüssel von Joseph Hoffmann mit dem berühmten Fries von G.K., Sg 1991; C.M.Nebehay, G.K. Von der Zeichnung zum Bild, W. 1992; S.Partsch, G.K., Maler der Frauen, M. u.a. 1994; H. Czernin, Die Fälschung, 2 Bde, W. 1999; J.Collins, NG of Canada Rev. 2:2001, 27-58; A.Mahler-Werfel, Tagebuch-Suiten 1898-1902, ed. A.Beaumont/S.Rhode-Breymann, Ffm 1997; S.Koja, Belvedere 9:2003(2)60-79, 231-252; T.G.Natter, Die Welt von K., Schiele und Kokoschka. Sammler und Mäzene, Köln 2003; M.v. Miller, Sonja Knips und die Wiener Moderne. G.K., Josef Hoffmann und die Wiener Werkstätte gestalten eine Lebenswelt, W. 2004; R.Metzger, G.K., das graphische Werk, W. 2005; E.Blimlinger, Osteuropa 56:2006(1/2)235-245; G.K., Belvedere 2006 (Sonderband der Zs. für bild. Kunst); A.Husslein-Arco/A.Weidinger (Ed.), G.K. und die Künstler-Compagnie (K), Weitra 2007; S.Lille, Portr. of Adele Bloch-Bauer, N.Y. 2007; H.Bahr, Rede über K., Weimar 2009; A.Husslein-Arco, G.K. und Emilie Flöge. Fotogr., M. u.a. 2012

 


THIEME-BECKER

Artikel von: H. Tietze

Klimt, Gustav, Maler, geb. 14.7.1862 in Baumgarten (damals bei, jetzt in Wien), †6.2.1918 in Wien. Ältester Sohn des aus Drabschitz, Kr. Leitmeritz, eingewanderten böhm. Graveurs Ernst K. d. Ä. Besuchte die Kunstgewerbeschule des Wiener Österr. Mus., wo M. Rieser, L. Minnigerode, K. Hrachovina, J. Berger u. F. Laufberger seine Lehrer waren; von diesen hat der letztgenannte den stärksten Einfluß auf ihn ausgeübt. Auch der damals auf der Höhe seines Ruhmes stehende Hans Makart hat bedeutend auf ihn eingewirkt. Seit der Studienzeit war K. mit seinem Bruder Ernst (s. d.) u. dem gleichaltrigen Franz Matsch zu gemeinsamer Arbeit verbunden; seit 1883 hatte das Trio ein selbständiges Atelier inne u. führte, durch Laufberger an die Theaterarchitekten Fellner u. IIelmer empfohlen, eine große Anzahl dekorativ-allegorischer Malereien aus (Deckenbilder des 1878/80 erb. Hauses des Baumeisters Joh. Sturany am Schottenring in Wien, des 1883 eröffneten Stadttheaters in Reichenberg, des Theaters in Fiume 1883, des Kurhauses u. des Stadttheaters in Karlsbad' [letztere 18861; Malereien für die Hermesvilla in Lainz; Deckenbilder in den beiden Stiegenhäusern des Wiener Burgtheaters, 1888; Zwickelbilder im Stiegenhaus des Wiener Kunsthistor. Mus., 1891). Bei diesen Malereien, denen Entwürfe für die von M. Gerlach im Verlag Gerlach & Schenk herausgeg. Werke "Allegorien u. Embleme", 2 Bde von 1882, u. "Allegorien, Neue Folge", 1895/1900 (die Orig. im Histor. Mus., Wien), zeitlich parallel laufen, zeigen alle 3 Künstler gleichartig eine Abhängigkeit von denn wienerischen Epigonenstil, der die ornamentale Richtung Laufbergers mit der Makartschen Farbenintensität auszugleichen trachtet. Erst in den Zwickelbildern des Kunsthistor. Mus. beginnt sich K. stärker von seinen Genossen zu unterscheiden; schon die Wahl der von ihm übernommenen Themen (die ägyptische, die hellenische u. die frühe italien. Kunst) kann als Bekenntnis verstanden werden. In das Ende dieses Zeitraums fällt noch das Aquarell "Das Innere des alten Burgtheaters, von der Bühne aus gesehen" (1888), mit 131 kleinen Bildnissen, deren Eintönigkeit K. durch Einfügung frei erfundener Frauengestalten unterbrochen hat (Histor. Mus., Wien). 1892 entsteht in gemeinsamer Arbeit mit seinem Bruder Ernst das wirkungsvolle Plakat für die Int. Ausstell. f. Musik- u. Theaterwesen in Wien 1892. In diesem Jahre löst sich durch den Tod Ernst K.s die Arbeitsgemeinschaft auch mit Matsch auf. 2 Arbeiten, die Vollendung des von seinem Bruder unfertig hinterlassenen Bildes "Hanswurst auf der Jahrmarktbühne in Rothenburg o. d. T." u. ein zweites Theaterinterieur (Inneres des Theaters von Totis) für den Fürsten Eszterházy, führen eine Unterbrechung der selbständigen Produktion herbei, wobei die sich vorbereitende Lösung vom bisherigen Stil sicher mitwirksam ist. Eine fast 6jähr. Arbeitspause ist das äußere Zeichen der sich vollziehenden Krise. 1898 verliert K.s Kunst mit der Gründung der Wiener Sezession den Charakter des Lokalen u. erhält internationale Prägung. Wie seine Altersgenossen wird K. zunächst von der Fülle der fremden Eindriicke verwirrt; einerseits ergreift ihn die letzte Welle des Impressionismus, anderseits fühlt er das Bedürfnis nach Anlehnung an Architektur, nach Bindung an das Dekorative. Die Spannung zwischen diesen beiden Richtungen bestimmt K.s Stil um die Jahrhundertwende: Porträt Lewinsky, 1895; "Musik" (Ölskizze dazu in der Münchner N. Pinakoth.) u. "Schubert", Supraportenmalereien für das Musikzimmer des Palais N. Dumba in Wien, 1898; Plakat für die 1. Ausstell. der Wiener Sezession, 1898; Pallas Athene, 1898; Porträt der Mutter des Künstlers, 1898; Wahrheit (Nuda Veritas), 1899; Porträt Sonja Knips; "Bauernhaus mit Rosenstrauch", "Bewegtes Wasser" u. andere Landschaften, zart empfundene Stimmungsimpressionen, in denen das Ornamental - Allegorische latent ist; illustrat. Beiträge namentlich für die 1398/1903 von der Vereinig. bild. Künstler Österreichs herausgeg. Zeitschrift "Ver sacrum". Alma Tadema, Burne-Jones, Khnopff, Toorop, daneben Japan u. B;-zanz bilden die Quellen dieses Obergangsstils, mit dem auch der letzte große offizielle Auftrag zusammenhängt, die Deckenbilder der 3 weltlichen Fakultäten für die Wiener Universität: "Philosophie" (1900), "Medizin" (1901, Osten-. Staatsgal.) u. "Jurisprudenz" (1903). Die schroffe Ablehnung dieser Bilder durch die Universität u. das Publikum, die K. veranlaßte, die Arbeiten zurückzubehalten,. veränderte die Stellung K.s, der, bisher vom schnellen Erfolge getragen. nun mehr und mehr in Vereinsamung geriet; gleichzeitig verschaffte ihm das stark gedankliche Element seiner Kunst literar. Anhänger, und die zunehmende Esoterik seiner Gemälde ließ einen adorierenden Kreis um K. erstehen. Die Kollektivausstell. von Arbeiten K.s in der Sezession 1903 (48 Gemälde sowie zahlr. Studien u. Zeichn.) u. der bald darauf erfolgte Bruch K.s mit dieser Vereinigung, deren Präsident er seit ihrer Gründung gewesen war, bilden den Abschluß dieses Zeitraums; außer den Universitätsbildern gehören ihm an: von Kompositionen der anläßlich der Ausstell. von Klingers Beethoven in Wien 1902 entstandene Fries (in Bruchstücken in Wiener Privatbesitz), die Bilder "Goldfische", "Das Leben ist ein Kampf", "Daphne" "Nixen", "Judith" (Venedig, Mod. Gal.), "Irrlichter", "Aus dem Reich des Todes", ferner eine Reihe von Landschaften: "Oberösterr. Bauernhaus" (Ost. Gal., Wien), "Buchenwald", "Aufsteigendes Gewitter", "Birnbaum" "Obstbäume", "Sumpf", "Die große Pappel", "Seeufer", "Tannenwald", "Der goldene Apfelbaum" (1903) u. mehrere Bildnisse. Die Letztentstandenen dieser Bilder, wie die "Jurisprudenz" u. "Der goldene Apfelbaum", zeigen das Ziel dieser Entwicklung, die zu dem eigentlichen K.-Stil führt, einer stark zeichnerisch u. ornamental gebundenen Stilisierung der Naturform, wobei der Farbe eine dekorative Funktion zufällt. Diese unmalerische Auffassung führt K. auf das kunstgewerbl. Gebiet (Kleiderentwürfe, Wandmosaik des Speisesaals im Palais Stockt in Brüssel [Archit. Jos. Hoffmannj), wo er im Kreise Hoffmanns u. der Wiener Werkstätten verständnisvolle Mitarbeit, in der Kunstgewerbeschule starke Gefolgschaft findet. In diese Reifezeit (bis um 1908) fallen außer einigen Kompositionen ("Wasserschlangen", 1907; "Die 3 Lebensalter", 1908, Rom, Mod. Gal.; "Der Kuß", 1911, Wien, Österr. Gal.) hauptsächl. Frauenbildnisse, in denen K. seinem Schönheitsideal eine höchst persönliche Fassung gegeben hat; vibrierende raffinierte Sinnlichkeit wird in die unerbittliche Strenge eines feierlichen Flächenstils gebändigt. Daneben entsteht eine Fülle von Zeichnungen, fast ausnahmslos weibliche Akte, die seine Feinfühligkeit für die Form u. seine Unermüdlichkeit in deren Erfassung noch unmittelbarer illustrieren. Ini letzten Jahrzehnt seines Lebens erfolgt unter dem Einfluß der heranwachsenden jungen Generation, die in K. mehr ihr ethisches als ihr formales Vorbild verehrt, eine Auflockerung dieser strengen Stilisierung; die Farbe wird weniger dekorativ, die Form stärker vom Ausdrucksbedürfnis erschüttert; innige Empfindung durchbricht die Kruste starren Schmuckstils ("Die Jungfrau", 1912, Prag, Mod. Gal.). Auch die Zeichnung, die nach wie vor eine wichtige Rolle spielt, wird lockerer; der Umriß zerfasert sich, findet seine Bindung weniger in geschlossener Zierform als im nachfühlenden Verständnis. Von hier schlägt sich eine Brücke zu den künstler. Bestrebungen Kokoschkas, Schieles u. a. Eigentliche Schüler hat K. nicht gehabt, aber in diesen jüngeren Malern u. Graphikern - hauptsächlich Schiele - weiter gewirkt. Seine Bedeutung für Wien liegt in der artistischen Konzentration, die er dem Schlendrian des epigonenhaften Dekorationswesens entgegensetzte, u. in der starken kunstgewerblichen Anregung. In der allgemeinen Kunstbewegung ist seine Stellung eine ganz isolierte; trotz einer bisweilen dicht an das Eklektische streifenden Aufnahmefähigkeit gehört er doch den Stilbestrebungen der nachimpressionistischen Periode nur mittelbar an. Seine Leistung besteht in einer höchst persönlichen Zusammenfassung lokaler Begabung u. Neigungen und in deren Umsetzung in eine spezifisch moderne Gesinnung; seine Kunst stellt damit den eigentlichen Anteil der österr. Malerei der Jahrhundertwende an der internationalen Kunstbewegung dar. Als Zeichner des weiblichen Körpers erreicht er eine zeitentrückte Meisterschaft. Außer den bereits gen. Hauptwerken K.s, die sich, soweit nicht anders bemerkt, meist in Wiener Privatbes. befinden, seien noch angeführt die Porträts Jul. Lott (1883) u. R. Eitelberger v. Edelberg (1885) im Wiener Histor. Mus. u. die beiden Landschaften der Prager Mod. Gal.; der Wiener Österr. Staatsgal. sind weitere Arbeiten aus Privatbes. gesichert. Das Leipziger Graph. Kab. bewahrt von K. 1 Zeichn. (Kauernde), die Kupferstichsaminl. der Berl. Nat.-Gal. '2 Porträtzeichn., die Wiener Albertina folg. häufig sign. (aber nicht dat.) Zeichnungen (Ausführung meist in Kreide u. l'leistift, seltener in Blaustift u. Rötel): Studien zur "Medizin" (6 Bl. weibl. Akte zur Hauptfigur, 3 Bl. männl. Rückenakt, 2 Bl. weibl. Akt, 1 Bl. schwangere Frau, 1 Bl. 2 sich umschlingende Figuren, 2 Bl. "Der Tod", 2 Bl. männl. Akt, 2 Bl. Kinderstudie), zur "Philosophie" (1 Bl. mannt. Akt, 2 Bl. Kinderstudien), zur "Jurisprudenz" (2 Bl. Figurenstudien), zum Beethovenfries (3 Bl. weibl. Aktstudien, 1 Bl. männl. Rückenakt), zu den "3 Lebensaltern" (1 Bl. schwangere Frau), zu ""Tod u. Leben" (1 Bl. männl. Akt, 2 Bl. Figurenstudien); außerdem: 2 Bl. weibl. Kopfstudien, 1 Bl. verschied. Teilstudien, 1 Bl. liegendes Mädchen, 1 Bl. krieende Frau, 1 Bl. nacktes Paar mit Kind, 2 Bl. weibl. Bildnis (Ganzfig.), 3 Bl. sitz. Frau, 1 Bl. Mutter mit Kind; Zeichn. aus der Spiitzeit: 1 Bl. Mädchen in Unterkleidung, 4 Bl. Aktstudien (weibl. Figuren). 1 B1. lesende Daine (Ganzfig.). 1 Bl. bekleidete schwangere Frau. - Illustrative Beiträge K.s finden sich außer in den bereits oben gen. Publikationen M. Gerlachs u. in Ver sacrum (s. Lit.) noch in: Die Hetärengespräche des Lukian, deutsch von F. Blei, m. 15 Bildern [Faksimile-Lichtdrucke nach Zeichn.] von G. K., Leipzig 1907. - Auf der Nachlaßausstell. 1919 bei Nebehay, Wien, wurden außer Ölbildern, Studien u. Zeichn. auch einige Skulpturen von K.s Hand (Frauenköpfe) gezeigt. F. S alten, G. K. Gelegentliche Anmerkungen, Wien 1903. - Das Werk von G. K. 60 Kunstblätter voit der k. u. k. Hof- u. Staatsdruckerei in Wien unter Aufsicht des Künstlers in Heliogravüre Faksimile-Lichtdruck ausgeführt, davon 10 in Farben u. Gold. Einleitende Worte von Bahr u. P. Altenberg, Lpzg u. Wien 1918. - G. K. 25 Handzeichn. (25 Taf. in Passepartout mit 4 S. Text), W. 1919. - M. Eialer, G. K., W. 1920, m. 31 Taf. (davon 3 farb.). - G. K. 10 Handzeichn. mit e. Begleitwort, hrsg. v. G. GIück, W. 1922. - G. K. 50 Handzeichn. (auf 50 Taf.) mit e. Vorwort von H. Bahr, Lpzg u. Wien o. J. (1922). - R. Muther, Studien u. Kritiken, II 2 (W. 1902), p. 243153. - L. Hevesi, österr. Kat d. Gegenw. i. 19. Jahrh. (Gesch. d. mod. Kst), Lpzg 1903; ders., 8 Jahre Sezession, W. 1908; ders., Altkst-Neukst, W. 1909; ders. in The Art-Revival in Austria, Studio Spec. Nr 1906, p. A V f., m. Abb. A 19/20. - Gegen K. [Slg von Kritiken u. Urteilen über K.), m. Vorwort v. H. Bahr, W. 1903. - Plein-Air, Krit. Studien [aus d. Wiener Sonn- u. Montagsztg], W. 1904. - W.Hausenstein, Die bild. Kst d. Gegenw. (Das Weltbild d. Gegenw., 15), Stuttgt u. Bln 1914. - W. v. Zur Westen, Reklamekst (Kulturgesch. Monogr., 13), Bielef. u. Lpzg 1914, p. 111 (Abb.), 112, 114. - E. Waldmann, Das Bildnis i. 19. Jahrh., Bln 1921, m. Abb. - A. Faistauer, Neue Malerei in österr., Zürich-Lpzg-W. o. J. (1923], m.4 Taf. - F. Ottmann, Von Füger bis K. Die Malerei d.19.Jh. in Meisterwerken aus Wiener Privatbes., W.1923. - Ver sacrum (W.), I (1898) bis VI (1903), m. Abb. in jedem Bd, 4 ill. K.-Sonderh. (I H. 3, IV p. 103120, V p. 153164, VI p. 361183) u. e. Beitr. v. E. Stöhr (IV158164). - Die Graph. Künste (W.), XXXV (1912 1 49166 (A. Weixlgärtn e r), m. Taf. u. Textabb.; Mitteil. d. Geselisch. f. vervielfält. Kst, 1919 p. 47 (ders.); 1922 p. 64; 1924 p. 81. - Die bild. Künste (W.), I (1916/18) 52 (Abb.); II (1919) 1110 ("G. K.s Persönlichkeit"), m. 3 Taf. u. Textabb. bis p. 14, p. 11/14 (G. Glück), 267)72 (F.Ottmann), m. 1 Taf. u. Textabb., Beibl. p. I (Abb.), III, XXXII; III (1920) 67 (Abb.), 70. - Kst u. Ksthandw. (W.), XXI (1918) 66f. (H. Fische I); XXII (1919) 178 f. (ders.), 185; XXIII (1920) 171 (Abb.), 189 f., 192194. - Belvedere, IV (1923 11) 68 (F. Ottmann). - Kunst (W.), 1904, 120123 (A. Frank). - Donauland, II (1918) 90197 (A.RoeBler); III (1919) 821, m. Abb. (Exlibris). - Zeitschr. f. bild. Kst, XXIV (1889) 67; N. F. 154; V 245; XV 255; XVI, farb. Taf. vor p. 309; XIX 245151 (L. 11evesi), m. Abb.; XX 221124 (cl ers.), m. Abb.; XXII 288 (Abb.); Kunstchronik, XIX (1884) 40, 41; XX 446; XXII 132, 653; N. F. IV 375; VI 3, 125, 260; X 355; XIII 379; XIV 345f.; XV 136 f. (L. Hevesi), 373; XVIII 337f., 545149 (ders.); XIX 381, 455; XXII 214; XXVII 190 (C. Glaser);) XXIX 217/20 (H. Tietze); XXXI 725 f. (cl ers.); XXXII 239, 807. - Kunstgewerbeblatt, N. F. VII (1896) 1ff., passim, m. Abb. - Velhag. & Klas. Monatsh., XXXIII3, 1897/98, p. 21(32 (F. Ser - v a e s). - Dtsche Kst u. Dekor., X (1902) 464, 480, 5131'5 (Abb.); XIX 62173 (Abb.); XX 65 (Abb.), 330132 (Abb.); XXII 68170 (B. Zuckerkandi), m. Abb.; XXXIII 11; XXXVIII 42, 46, 50, 58 f. (Abb.); XLI 390 (J. A. Lux). - Die Rheinlande, II (1901/02), Juni-H. p. 37; Sept.-H. p. 28 f.; IX (1909) 315. - Die Gegenwart, LXIV (1903) 408/10 (H. U bell). - Nation, XXI (Berlin 1903) 123f. (J. Da vi d). - Jahrb. d. bild. Kst, III (Bln 1904) 6; VI (1907/08) 13 (L.Hevesi). - Die Kunst, XVII (= Kst f. Alle, XXIII) 1907/08; XVIII (= Dekor. Kst, XI) 1907/08, m. Abb.; XXV, 1911/12, p. 80, m. Farb.-Taf. vor p. 77 u. Abb. p. 81, p. 173!83 (H. Haberfeld), m. Farb.-Taf. u. Textabb. bis p. 187; XXVII, 1912/13, m. Farb. - Taf. u. Textabb.; XXXIII, 1915/16; XL, 1918/19, Beil. z. Heft 7, p. IV u. VIII; XLIII, 1920/21, m. Abb. - Kunst u. Künstler, VIII (1909/10) 588190 (F. Servaes), nt. Abb.; XI.' (1915/18) 312. - Der Cicerone, IV (1912) 582, 584 (Abb.); X (1918) 85f. (11.Glück); XI (1919) 140, 347, 416; XV (1923) 672; XVI (1924) 219 f. (ders.), na. Abb. - Das Plakat, V (1914) 32, 33 (Abb.). - Die: Dame, XLIV (1916/17), Heft 8, p. 3 (Abb.). - Die christl. Kat, XIV (1917/18), Beil. p. 26 f. - Der Türmer, XXIII1 (1918) 678 f. (K. Store k). - Stimmen der Zeit, XLVIII (1918)514f. (J. Kreitmaier). - III. Zeitg (Lpzg) v. 28.2.1918 (E. Delp y), m. 5 Abb. - Der Kunstwart, XXXI, 1918 (Deutscher Wille), p. 112 f. (F. Avensrius). - Wieland, IV (1918/19), Heft 2, p. 8f. (O. Zoff). - Der Ararat, II (1921) 224127 (B. Grimachitz), 232 (Abb.). - Chron. d. Arts, 1907, p. 78 (M. Perno t). - Vita d'Arte, V (1910) 248/50. - F. v. Boettieher, Malerwerke d. 19. Jahrh., 112 (1895) 897 f. u. 977. - Katal. d. gen. Museen. - Mitteil. aus d. k. k. österr. Staatsgal., H. 1, 1917, p. 14. - V. Pica, L Arte mond. a Roma nel 1911, Bergamo 1913, p. CIX, 222125 (Abb.); ders., L'Arte mond. a Venezia nel 1899. Berg. o. J., p. 93 (Abb.). - Jahrb. d. Bilder- u. Kstblätterpreise, Wien 1911ff., IV u. VIVI. - Kat. d. Wiener Sezession 1898ff. - Mitteil. v. H. Leporini, Wien.