Frei zugänglich

Holzer, Jenny

Geboren
Gallipolis (Ohio), 29. Juli 1950
Land
Vereinigte Staaten
Geschlecht
weiblich
GND-ID
Weitere Namen
Holzer, Jenny
Berufe
Installationskünstler*in; Konzeptkünstler*in
Wirkungsorte
New York
Zur Karte
Von
Busse, Bettina Maria
Zuletzt geändert
24.09.2025
Veröffentlicht in
AKL LXXIV, 2012, 348

VITAZEILE

Holzer, Jenny, US-amer. Konzeptkünstlerin, *29.7.1950 Gallipolis/Ohio, lebt in Hoosick Falls/NY.

LEBEN UND WIRKEN

Ausb.: 1968-70 Seminare in Bildender Kunst an der Duke Univ. Durham, NC; 1970-71 Malerei, Drucktechnik und Zchng an der Univ. of Chicago. 1972 Studienabschluß mit dem BFA an der Ohio Univ. in Athens. 1974-77 Stud. an der Rhode Island School of Design, Abschluß MFA. 1977 Independent Study Programme Whitney Mus. of Amer. Art, New York. Ausz.: 1990 Goldener Löwe, Bienn. Venedig; 1994 Skowhegan Med. for Installation, Skowhegan School of Paint. and Sculpt.; 1996 Crystal Award, World Economic Forum, Genf; 2000 Berlin Prize Fellowship, Amer. Acad., Berlin; 2001 Chevalier de l'ordre des arts et des lettres; Kaiserring Goslar; 2003 Stip. American Acad., Rom; 1994 Public Amer. Network Award, Washington/DC und New York; 2006 MASterwork Award, New York; 2010 LA MOCA Award for Distinguished Women in the Arts, Los Angeles; 2011 National Arts Award. Ehrendoktorwürde der Univ. of Ohio, Athens (1994), des Williams College, Williamstown (2000), der Rhode Island School of Design, Providence (2003), New School Univ., New York (2005), Smith College, Northampton/Mass. (2009), Montserrat College of Art, Beverly/Mass. (2009). - H. gehört zu einer feministischen Künstlerinnengeneration, die sich in den 1980er Jahren internat. positionierte und zu der auch Barbara Kruger, Louise Lawler und Cindy Sherman zählen. Nachdem sich H. anfänglich mit gegenstandsloser Malerei beschäftigt hatte, trat in den 1970er Jahren Sprache als bildkünstlerische Ausdrucksform ins Zentrum ihres Schaffens. Mit dem Gebrauch von Texten in verschiedenen Medien hat die Künstlerin ihre Ausdrucksform geschaffen: Mittels Sprache setzt sie plastische Ideen um, das Wort bzw. der Text bilden die Grundlage ihres formalen Vokabulars. Obgleich die Texte zunächst für ein bestimmtes Medium entwickelt werden (Papier, Stein, Leuchtschrift, Werbeflächen u.a.), können sie in anderen Formen und Kombinationen präsentiert werden. In einer von Bildern vereinnahmten Welt bestätigt die Zurschaustellung von Text, dass Schrift immer noch subversive Macht und Kommunikationsfähigkeit besitzt. Da sich H.s Botschaften im öff. Raum v.a. an Zufallsbetrachter richten, sind Eingängigkeit und Präsenz wichtige Kriterien bei der Wahl der formalen Mittel. H. druckt ihre Texte auf Plakate und T-Shirts, graviert sie in Steinbänke, lässt sie auf elektronischen Anzeigetafeln oder Laufschriftbändern aufleuchten. Seit 1986 verbreitet H. durch großformatige, öff. Projektionen brisante Statements: von Einzeilern bis hin zu komplexen Elegien, von Binsenweisheiten bis hin zu Stimmen persönlicher Intimität. Themen sind unter anderem Gewalt, Unterdrückung, Sexualität, Feminismus, Macht, Krieg und Tod. Bewegt oder nicht, der Fluss der Schrift (Zeichen) erlangt plastische Materialität und wird somit gleichermaßen zu Malerei und Skulptur. Beeinflusst von Minimal- und Konzeptkunst sowie feministischen Schriften, entwickelte H. ihre künstlerische Sprache, die die Grenzen von Wort, Körper und Raum sprengt. Interaktionen zwischen diesen drei Elementen sind signifikant für H.s Arbeiten und bedingen eine ständige Erneuerung derselben. Die Besetzung des öff. Raums, eine dem Kunstverständnis des russ. Konstruktivismus verwandte Denk- und Vorgehensweise, ist konstitutiver Bestandteil des Werks. H.s Texte bilden eine explosive Mischung widersprüchlicher Aussagen. Zwischen 1977 und 2001 schrieb die Künstlerin 13 Texte, die von Momenten der Geschichte, künstlerischen Vorgehensweisen, ortspezifischen Gedanken und ihrem Privatleben handeln. Mit einigen Ausnahmen wie Inflammatory Essays (1979-82) und Laments (1989) bestehen diese aus kurzen Sätzen. In den späten 1970er Jahren veröffentlichte sie zunächst Truisms (1977-79) auf Plakaten in New York. 1982 erweiterte sie ihren Aktionsradius und besetzte eine große elektronische Reklametafel am Times Square: Zwischen Werbeschaltungen erschienen kurze, provokante Statements wie "Private property created crime" und "Torture is barbaric". Auf die Arbeiten im öff. Raum folgte in den 1980er Jahren eine Reihe institutioneller Ausst., in denen H. erstmals Werke mit LED-Signs realisierte. 1990 vertrat sie als erste Frau die USA bei der Bienn. in Venedig. Eine von H.s konkretesten politischen Stellungnahmen ist Lustmord, die 1993 für das Mag. der Süddt. Ztg konzipiert wurde. Aufsehen erregte v.a. eine auf die Titelseite des Mag. geklebte Karte, für deren Druck eine Blut abgemischte Farbe verwendet worden war. Lustmord handelt von der Vergewaltigung und Folter von Frauen im Balkankrieg. Verstörend waren die versch. Erzählpositionen aus der Perspektive der Opfer, der Täter und der Beobachter. Seit 1993 verwendet H. Texte anderer Autoren, z.B. von den Literaturnobelpreisträgerinnen Elfriede Jelinek und Wislawa Szymborska, dem amerikanischen Autor Henri Cole, dem irakischen Schriftsteller Fadhil Al-Azzawi oder dem palästinensischen Dichter Mahmoud Darwish. Lichtprojektionen mit Lasertechnik, die H. seit den 1990er Jahren vielfach realisiert, hatte sie als künstlerische Ausdrucksform erstmals 1991 im Rahmen der Night Lines in Utrecht erprobt. Es folgten Projektionen u.a. am Völkerschlachtdenkmal in Leipzig (KriegsZustand, 1996), am Louvre in Paris (2001, 2009), am Jüdischen Mus. u.a. Orten in Berlin (2001), sowie auf dem New Yorker Rockefeller Center (2005), dem Wiener Parlament (2006) und dem Guggenheim Mus. in New York (2008).

WERKE

Aachen, Ludwig Forum. Avignon, MAC. Basel, Novartis Pharma AG. Berlin, Dt. Bundestag. - Neue NG. Bilbao, Guggenheim Mus. Boston, Inst. of Contemp. Art. - MFA. Bremen, Paula Modersohn-Becker Mus. Dijon, FRAC Bourgogne. Hamburg, KH. - Slg F.C. Gundlach. Klosterneuburg, Essl Mus. La Jolla/Calif., Stuart Coll. Leipzig, Messe. London, Tate. Los Angeles, Univ. of Southern California. Miami, Rubell Fam. Coll. Minneapolis/Minn., Walker AC. München, Literaturhaus. - Münchner Rückversicherungs-Ges. Nantes, Pal. de Justice. New York, Guggenheim. - MoMA - Whitney. Nordhorn, StG. Regina/SK, MacKenzie AG. Paris, MNAC. Sacramento, United States Federal Courthouse. San Diego, MCA. - Univ. of California. San Francisco, MMA. St.Louis/Mo., Mildred Lane Kemper AM of Washington Univ. Toyota, Toyota Municipal MoA. Venedig, Coll. Peggy Guggenheim. Washington/DC, Smithsonian American AM. Wien, MAK. Zürich, KH. - UBS.

SELBSTZEUGNISSE

Diagrams, N.Y. 1977; A Little Knowledge, N.Y.1978; Black Book, 1980; Hotel, N.Y. 1980; Position Papers, Artforum 18:1980(6)29-32, Living, 1980; Eating Friends, N.Y. 1981; Eating Through Living, N.Y. 1981; Truisms and Essays, Halifax 1983; Laments, in: L.Robinson/C.Norton (Ed.), Resurgent, Chicago 1992, 216-229; Lustmord, Süd-dt. Ztg Mag. 19:1993, 1-31; N.Smolik (Ed.): J.H. Writings, Schriften, Stg. 1996.

AUSSTELLUNGEN

Einzelausstellungen:

New York: 1978 P.S.1; 1988 Brooklyn Mus.; 1989 Dia Art Found. (K); 1989 (K), 2003 (K), '24 Guggenheim; 2009 Whitney / 1984, '93 Dallas, MoA / Basel: 1984 KH (K); Fond. Beyeler; 2022 KM (mit Louise Bourgeois) / 1986 Des Moines (Iowa), Des Moines AC (K) / 1987 San Francisco, Artspace (Wander-Ausst.) / 1988 London, ICA (K) / Venedig, Bienn.: 1990 US-Amer. Pavillon (Wander-Ausst., K); 2007 Ital. Pavillon / 1992 Toronto, Ydessa Hendeles Art Found. / 1993 Warschau, Center for Contemp. Art (K) / 1994 Mito, Contemp. AC (Wander-Ausst., K); 1996 Warth, Kartause Ittingen (K) / 1997 Houston, Contemp. AM. (K) / 1998 Adelaide: Bienn.; Melbourne, Ian Potter MoA (K) / 1999 São Paulo, Nova Gal. / 2000 Buenos Aires, Fund. Proa / 2001 Berlin, Neue NG (K); Bordeaux, CAPC MAC (K) / 2004 Bregenz, Kunsthaus (K); Duisburg, Lehmbruck-Mus. / 2006 Honolulu, Contemp. Mus.; Wien, MAK (K) / 2008 Chicago, MCA (Wander-Ausst., K); North Adams (Mass.), MCA / 2010 Montreal, DHC/ART Found. / 2023 Düsseldorf, K21. -

 

Gruppenausstellungen:

London: 1980 (K), '88 (K), '94, 2006 ICA; 1992 Hayward Gal. (K); 2007 Camden AC; 2008 Barbican AC / 1981 Norfolk (Va), Chrysler Mus. (K) / 1982, '87 Kassel: documenta (K) / New York: 1983, '85 Whitney Bienn. (K); 1984, 2000 P.S.1; 1987, '90 (K), '96 (anschl. Frankfurt MMK, K), '99 Whitney; 1988 (K), '90 (Wander-Ausst., K) '92 (K), '96 (K), 2005 MMA; 1993, '96 (K) Guggenheim SoHo; 1985 (K), '95, 2004 (K) New MCA; 1999 Bronx Mus. (K); 2009 Chelsea AM / 1984 San Francisco, MMA (K) / Paris: 1984 MAMVP; 1987, '91, '95, 2005 Centre Pompidou (alle K) / Sydney: 1984 Bienn. (K); 1988 AG of New South Wales u.a.: Austral. Bienn. (K); 1998 MCA / Boston: 1985 Inst. of Contemp. Art; 2004 Art Inst. / 1985 Montreal, MAC / Los Angeles: 1985 Inst. of Contemp. Art (K); 1989 MCA (K) / 1986, '90 Jerusalem, The Israel Mus. (K) / 1987 Münster, Westfälisches LM: Skulpt. Projekte (K) / Hamburg: 1989 KV; 2000 KH / Minneapolis: 1989 (Wander-Ausst., K), 2001 Walker AC / 1989 Philadelphia, Pennsylvania Acad. of FA (K) / Chicago: 1989 Univ. of Illinois (Wander-Ausst.); 1990 Art Inst.; 2000, '12 (Wander-Ausst.) MCA; Renaissance Society / 1990 Amsterdam, Sted. Mus. (K); Washington, Hirshhorn Mus. and Sculpt. Garden (K) / 1991 Utrecht, Centraal Mus. (K); Tokyo, Setagaya AM (Wander-Ausst.) / Berlin: 1991 (K), '93 (Wander-Ausst., K), '97 Martin-Gropius-Bau; 2006 KW (K) / Wien: 1993 (K), '98 (K) KH; 1997 Sigmund Freud Mus.; 1999 ABK / München: 1994 Kunstbau Lenbachhaus (K); 1999 Lenbachhaus / Basel: 1992 (K) KM und KH; 1994 KH (K); 1997 (K), 2005 Mus. für Gegenwartskunst / 1996 Florenz: Bienn. (K) / 1997 Bregenz, Kunsthaus / 1998 Barcelona, Centre Cult. de la Fund. "la Caixa"; Canberra, NG of Australia (K); Gainsville, Univ. of Florida, Samuel P. Harn Mus. of Art (Wander-Ausst., K); Melbourne, NG of Victoria / 1999 (K), 2004 Duisburg, Wilhelm Lehmbruck Mus. / 1999 (K), 2005 Venedig: Bienn. / 2000 Ljubljana, MMA / 2001 Liverpool, Tate / 2002 Zürich, Kunsthaus / 2003 Cincinnati, Contemp. AC; Glasgow, Gal. of Mod. Art (K); Karlsruhe, ZKM; Miami, AM / 2004 Genf, Pal. des Nations; Salzburg, Mus. der Mod. (K) / 2006 Ottawa, NG / 2007 Chicago, Renaissance Society / 2008 Madrid, Thyssen-Bornemisza Art Contemp. / 2009 Düsseldorf, Mus. Kunst Palast / 2010 Münster, AZKM / 2025 Neuss, Langen Found.: Slg Ringier (K).

 

QUELLEN

Weitere Lexika:

Künstler. Kritisches Lex. der Gegenwartskunst, Ausg. 11, M. 1990; DA XIV, 1996.

 

Gedruckte Nachweise:

J.Siegel, Arts Mag. 60:1985(4)64-68; J.-P.Bordaz, Parkett 13:1987, 30-33; S.Evans, Artscribe Internat. 76:1989, 57-59; P.Taylor, Flash Art Internat. 151:1990, 116-119; M.Welish, Arts Mag. 64:1990(8)79-84; M.Auping, J.H., N.Y. 1992; W.Dickhoff/ N.Smolik, J.H., Köln 1993; J.Simon, Parkett 40/41:1993, 78-97; H.Weskott, NBK 1:1994, 78-79; S.Dylla, Jb.95, Inst. für mod. Kunst, Nü. 1995, 44-53 D.Waldman, J.H., Ostfildern 1997; K.Werner (Ed.), J.H. KriegsZustand, Köln 1997; A.Domesle. Leucht-Schrift-Kunst, B. 1998; S.Folie, Louise Bourgeois, J.H., Helmut Lang, W. 1998; D.Joselit/R.Salecl, J.H., Lo. 1998; G.Adriani u.a.(Ed.), Kunst im Reichstagsgebäude, Köln 2002, 60-69; K.v.Behr, Künstlergärten in Deutschland, Ha. 2005; E.Heartney u.a. (Ed.): After the Revolution, Lo. 2007; G.Hughes, Oxford art j. 29:2006(3)419-440; U.M. Reindl, Kunstforum internat. 279:2022(Jan.-Febr.)299-301; M.Glauner, ibid. 281:2022(Mai-Juni)290-292; S.E. Müller, ibid. 290:2023(Juli-Aug.)232-234; J.Restorff, ibid. 304:2025(Juli/Aug.)218-220.

 

Onlinequellen:

Singapur Biennale 2006, Künstlerliste, 2006 (Aug.); Dict. universel des Créatrices; Website H., 2023