Frei zugänglich

Kauffmann, Angelika

Geboren
Chur (Graubünden), 30. Oktober 1741
Gestorben
Rom, 5. November 1807
Land
Schweiz, Italien, Großbritannien, Deutschland, Österreich
Geschlecht
weiblich
GND-ID
Weitere Namen
Kauffmann, Angelika Maria; Kauffmann, Marie-Anne; Kauffmann, Angelica Maria; Kauffmann, Angelica; Kauffmann, Maria Anna Angelica Catharina; Kaufmann, Angelica-Anna-Maria-Catharina; Kauffman, Angelica Catharina Maria Anna; Kauffmann, Angelika; Kauffman, Angelica; Kauffman, Maria Anna Angelica Catharina; Kauffmann Zucchi, Maria Angelica; Kaufmann, Angelica (Irrtümlicher Name); Kaufmann, Maria Anna Angelica Catharina (Irrtümlicher Name)
Berufe
Maler*in; Radierer*in; Zeichner*in; Porträtmaler*in; Historienmaler*in; Musikerin
Wirkungsorte
Schwarzenberg (Vorarlberg), Mailand, London, Venedig, Rom, Morbegno, Florenz, Neapel, Dublin, Como
Zur Karte
Von
Baumgärtel, Bettina
Zuletzt geändert
19.06.2024
Veröffentlicht in
AKL LXXIX, 2013, 429; Liebich; ThB XX, 1927, 1 ss

VITAZEILE

Kauffmann (Kauffman), Angelika (Maria Anna Angelika [Angelica] Catharina), dt. Malerin, Zeichnerin, Radiererin, Musikerin, *30.10.1741 Chur, †5.11.1807 Rom.

LEBEN UND WIRKEN

Schon als Kind mit Porträtmalerei erfolgreich, wurde K. in der 2. H. des 18. Jh. v.a. mit mythologischen, histor. und allegorischen Gem. zur gefeierten Künstlerin des Klassizismus. In London und Rom war ihr Atelier Treffpunkt einer internat. Auftraggeberschaft, sie war mit führenden Wissenschaftlern und Künstlern der Aufklärung (Winckelmann, Goethe) befreundet. K. hinterließ ein Œuvre von etwa 800 Ölgem. auf Lw. oder Kupfer, rund 400 Zchngn (u.a. auf Fächern), 41 Rad., ein Fresko sowie wenige frühe Pastelle. Viele Wand-, Decken- oder Kamindekorationen in engl. Häusern sind ihr jedoch irrtümlich zugeschr., ebenso malte sie nicht auf Holz, Elfenbein, Porzellan, auch keine Miniaturen. Nach ihren Werken wurden mehr als 600 Repr. (Punktiermanier, Schabkunst, Rad., Kpst., Lith., Hst.) sowie unzählige Kopien, Nachahmungen und Fälschungen gefertigt, ein Indiz ihrer bis heute nicht nachlassenden Popularität. - "Vielleicht die kultivierteste Frau in Europa" (J.G.Herder) erhielt eine breit gefächerte Ausbildung. Ihr Talent wurde frühzeitig von ihrem Vater Johann Joseph Kauffmann (1707-82), ab 1739 fürstbischöflicher Hofmaler in Chur, gefördert. Unterrichtet von ihrer Mutter Cleofea Lu(t)z (1717-57), beherrschte K. schon früh vier Sprachen, war eine begabte Sängerin und Klavichordspielerin. Ihre Kindheit verbrachte sie in Morbegno im Veltlin (Sept.1742-ca.1752), zw.-zeitig soll sie in Rorschach am Bodensee gelebt haben (1749-52). 1750 entstanden erste Bildnisse in Pastell, fortan wurde K. als Wunderkind an den Höfen der Lombardei und im Bodenseeraum gefeiert. 1752 zog die Fam. nach Como, wo die Grafen von Salis, Auftraggeber des Vaters und später auch K.s, regierten. Im ersten Selbstbildnis zeigt sie sich noch als Sängerin mit Notenblatt (um 1753, Innsbruck, Tiroler LM Ferdinandeum). In Mailand am Hof des Herzogs Francesco III. Modena d'Este malte sie 1754-57 Porträts seiner Fam., des österr. Gouverneurs Karl Joseph Graf Firmian und des Erzbischofs von Mailand Kardinal Pozzobonelli (alle verschollen). 1757 führte der Vater in seinem Heimatort Schwarzenberg Deckenmalereien aus, und die Tochter ihre einzigen Fresken, 13 Apostelköpfe nach Giovanni Battista Piazzetta. 1802 schenkte sie der Gemeinde ihr größtes Hochaltarbild Die Krönung Mariae. Nach Porträtaufträgen im Bodenseeraum (Bischof v. Rodt, Grafen Montfort) folgte eine Stud.-Reise nach Italien (1759-66). In Mailand entschied sich K., fortan die Malerei und nicht die Musik zu ihrem Beruf zu machen. Sie reflektierte 40 Jahre später diesen Konflikt im Selbstbildnis am Scheideweg zw. Malerei und Musik (1792, Moskau, Puschkin Mus.; 1794 Nostel Priory, Slg. Lord St.Oswald). Über Piacenza, Parma, Modena und Bologna kam sie im Juni 1762 nach Florenz und kopierte in den Slgn nach Correggio, Domenichino, Guercino, Rembrandt und Tizian. 1762 wurde sie Ehrenmitgl. der Accad. di Bologna und Vollmitgl. der Accad. di Disegno von Florenz, 1764 Mitgl. der Accad. di S.Luca in Rom. Sie knüpfte Kontakte zu engl. Grand-Tour-Reisenden wie John Parker, Earl of Exeter oder Lady Spencer, die sie später in London protegierten, und zu den Kollegen Nathalien Dance, Gavin Hamilton und Benjamin West. Johann Friedrich Reiffenstein lehrte sie das Radieren, er blieb lebenslang ein enger Vertrauter. Ab A. 1763 wohnte sie in Rom in der Via Condotti, hier gelang ihr mit dem Bildnis J.J.Winckelmann (1764, Zürich, Kunsthaus) der Durchbruch. Schon damals legte sie u.a. mit Bacchus und Ariadne (1764, Bregenz, Städt. Slg) das Fundament für ihre Karriere als Historienmalerin. Sie stud. die Antiken, wurde von Giovanni Battista Piranesi und Charles-Louis Clérisseau in die Perspektivmalerei und von Batoni in das Aktstud. eingewiesen. Mit dem Porträt des Schauspielers David Garrick (1764, Stamford, Burghley House) feierte sie auf der Free Soc. 1765 ihr Debüt vor ihrer Ankunft in London. Über Paris reiste sie von Venedig nach London und eröffnete dort ein Atelier 1766 in der Suffolk Street und 1767 eines am Golden Square. Unter dem Protektorat der engl. Königin entstanden großformatige Herrscherinnenbildnisse. Bald gehörte es zum guten Ton, sich von dem jungen Talent porträtieren zu lassen. Als ihre Vermählung 1767 mit dem Heiratsschwindler Frederick Graf de Horn (gest. 1780) als Betrug aufgedeckt wurde, schien ihre Karriere gefährdet; die Ehe wurde 1768 durch die engl. Staatskirche, 1778 durch die kath. Kirche annulliert. Mit dem Ziel eine nat. Schule der Malerei aufzubauen, war sie auf Wunsch von Joshua Reynolds Gründungs-Mitgl. der RA. Wegweisend für die brit.-nat. Historienmalerei waren ihre Gem. zu Homer und Vergil und zur ma., engl. Geschichte (Hektors Abschied, Vortigern und Rowena, Plympton, Saltram Coll.). Freundschaften mit Literaten und die Begeisterung für die Lit. führten zu neuen Bildfindungen (Die Irre Marie, Stamford, Burghley House). In dieser Zeit wurden ihre Werke mit der neuen Punktiermanier durch Stecher wie William Wynne Ryland oder Francesco Bartolozzi in London, in Paris durch Jean Marie Delattre u.a., in Italien durch Raphael Morghen oder Giovanni Volpato verbreitet, vermarktet von Verlegern wie John A. und Joshua Boydell, J.Birchall, Ann und Henry Bryer, A.de Poggi (Fächerproduktion) oder R.Sayer. Nach sechsmonatiger Irlandreise 1771 wurde sie neben J.Reynolds, N.Dance, James Barry und Giovanni Battista Cipriani als einzige Frau für die Ausmalung der St. Paul's Cathedral ausgewählt. Das Projekt wurde verworfen. Höhepunkt ihrer Karriere in England war 1780 der Auftrag für vier Decken-Gem. Invention, Composition, Design und Colouring im Somerset House der RA. Gleichzeitig eröffnete W.W. Ryland die erste monograph. K.-Ausstellung. Nach ihren Vorlagen wurden Dekorationen, Möbel und Kunsthandwerk gestaltet. Matthew Boulton experimentierte mit "mechanical paint." zur Vervielfältigung ihrer Werke. Mit 39 Jahren ließ sie sich auf eine zweite Heirat mit dem venez. Vedutenmaler Antonio Zucchi (1726-95) ein. Der Ehevertrag sicherte ihr die freie Verfügung ihrer Einkünfte. Nach der Trauung kehrte das Paar ab 18.7.1781 über Flandern, Schwarzenberg, Innsbruck nach Italien zurück. A.Zucchi führte Buch ("Memorie delle piture") über ihre Aufträge von der internat. Hocharistokratie und Plutokratie (z.B. von Kaiser Joseph II.). Zu ihren wichtigsten Auftraggebern in Venedig zählte der zukünftige Zar von Russland, Paul I. mit seiner Frau Maria Feodorowna, geb. Prinzessin von Württemberg (Leonardo stirbt in den Armen Franz I., 1782, russ. Slg). Für Katharina II. malte sie Servius Tullius und Achill unter den Töchtern des Lykomedes (1785 und 1789, St. Petersburg). Bevor K. in Rom in der Via Sistina in dem einst von Anton Raphael Mengs bewohnten Pal. ein Atelier eröffnete, folgte sie dem Ruf der Königin Maria Karoline von Neapel und malte ein Gruppenbildnis der kgl. Fam. (1784, Neapel, Mus. Capodimonte). Zw. 1782-95 entstanden bed. Historien wie Cornelia, die Mutter der Gracchen; Julia fällt in Ohnmacht (1788, 3 Fassungen: Richmond, Virginia MFA; Weimar, KS; Priv.-Bes.). 1787 wurde ihr Selbstbildnis in der Gal. des Großherzogs der Toskana neben dem des Michelangelo gehängt. Im gleichen Jahr kamen Goethe und später, im Gefolge der Herzogin Anna-Amalia von Sachsen-Weimar-Eisenach auch Herder und Friedrich Matthisson nach Rom. Goethe würdigte K., die zu den engen Vertrauten seines Kreises zählte, als "la prima pittrice del secolo", lehnte aber sein Bildnis ab, in dem sie ihn als jungen Werther interpretierte (Briefwechsel, Italienische Reise, Römischer Carneval). Sie schenkte ihm Zchgn zu Iphigenie auf Tauris und Vorlagen für die von Lips gestochenen Titelkupfer zu Goethes Schriften. In den 1790er Jahren wurde K.s Salon als "Tempel des weiblichen Ruhmes" gepriesen. Dort trafen sich berühmte Stegreifvirtuosinnen wie Fortunata Sulgher Fantastici (1792, Florenz, Pal. Pitti), Emma Lady Hamilton (1791, Priv.-Bes.), die Attitüden stellte, Gräfin Lichtenau (1796, Halle, Staatl. Gal. Moritzburg), die Geliebte des Preuß. Königs, und die Malerin Elisabeth Vigée-Lebrun. Relig. Themen gewannen in ihrem Spätwerk die Oberhand. 1789 malte K. im Auftrag von Kardinal Carrara für die Capp. Colleoni in Bergamo ein Altarbild. 1791 erhielt sie endlich einen Auftrag auch von Papst Pius VI. für die S.Casa in Loreto. Als 1798 frz. Truppen Rom besetzten, blieb ihr Haus vor Plünderungen verschont, jedoch wurde ihr Vermögen entwertet. Nach einer Krankheit reiste sie 1802 nach Como. Die wohl letzte relig. Historie entstand 1806 für Graf Martinengo da Barco in Brescia. Das Bildnis des Kronprinzen Ludwig von Bayern (1807, München, NP) vollendete sie vier Wochen vor ihrem Tod. K. starb nach kurzer Krankheit, ihre Beisetzung in der röm. Kirche S.Andrea delle Fratte war die feierlichste seit der Raffaels. Ihre Porträtbüste von Joh. Peter Kaufmann wurde 1809 neben der Raffaels im Pantheon aufgestellt (1808, Rom, Mus. Capitolini). K. hinterließ eine reiche Kunst- und Bücher-Slg sowie ein stattliches Vermögen zur Gründung einer Armenstiftung in Vorarlberg. - Ihre Kreativität, ihre Bildung, ihre Geschäftstüchtigkeit, ihr Selbstverständnis als weltoffene Europäerin sowie ihr liebenswürdiger Char. verhalfen K. zu breitem Ansehen. Ihre Karriere und finanzieller Erfolg boten reichlich Stoff für Dramen und Romane, verstellten aber vielfach den Blick auf ihre Verdienste als eine der bedeutendsten Vertreterinnen des Klassizismus in Europa. Sie gab v.a. der engl. Kunst zentrale Impulse und trug dort zur Erneuerung der Historienmalerei bei. Mit kleinformatigen, gefühlvollen Stimmungsbildern zum Thema liebender und verlassener Frauen wurde K. zu einer Wegbereiterin der Empfindsamkeit und zum Inbegriff des sentimentalen Frauenideals. Später führte der von ihr geprägte Empfindsamkeitskult zur Übersättigung und im 19. Jh. zu einer Abwertung ihrer Kunst als "Pseudo-Klassizismus" (n. Schmidt). Da sie dem Gebot Winckelmanns nach Mäßigung folgte, vermied sie extreme Darst., so dass ihre Figuren meist in wohltemperierten Gefühlslagen auftraten. Ihre Hauptfiguren stehen oft am Scheideweg zw. Gut und Böse, in der Verwendung des bewährten Komp.-Musters ist ihr eine gewisse Uniformität eigen. Bes. glücklich zeigte sie sich in der Gest. der Farben und Stofflichkeiten, die sie mit leichtem Pinsel ("penello volante") ausführte. Ihren satten, fein abgestimmten Kolorismus verdankte sie den Meistern des nordital. und süddt. Barock und der neuen engl. Schule (Gainsborough). Um 1764 fand sie in Rom entlang der klassizistischen Kunsttheorie zu ihrem eigenen meisterhaften Stil. In England verfeinerte sie malerische Elemente und wandte gezielt bestimmte Modi an: für die Historien die Klassizität Nicolas Poussins, Raffaels oder Guido Renis, für genrehaft-allegorische Kab.-Bilder den Stil Correggios. Indem sie J.Reynolds Konzept des "historising portrait" für weibliche Rollenporträts übernahm und die van-Dyck- oder die Orient-Mode geschickt adaptierte, wurde sie zur ersten Adresse für den engl. Porträtmarkt. Das Gelehrtenporträt frz. Provenienz und den neuen weltläufigen Typus des Grand-Tour-Porträts röm. Ursprungs entwickelte sie mit Raffinesse weiter und konnte sich in den 1780er Jahren als führende Malerin in Rom etablieren. Die Porträtmalerei blieb ihr schneller Broterwerb. Zu großen Erfolgen brachte sie es in den erhabenen Sujets, vermied aber die kühle Erstarrung der "gravitas romana" zugunsten einer gefälligeren Malerei. Ab 1767 trug sie mit Szenen aus Homer und Vergil zur Wiederbelebung der Antike in der Malerei bei. Vor Ausbruch der Frz. Revolution beschäftigte sie sich mit den Bürgertugenden der röm. Republik, stellte Frauen als neue Heldinnen in den Mittelpunkt ihrer Historien und prägte so das neue Weiblichkeitsideal der Aufklärung mit. Man nannte sie "Pittrice delle Grazie" und den "weiblichen Raffael der Kunst" und lobte damit ihre stilistisch-kompositorische Anlehnung an Raffael in galanten mythologischen Szenen. Ihr Spätstil zeigt Monumentalität im Figürlichen und satte Lokalfarbigkeit. Ihre eigtl. Stärke lag darin, röm., venez., frz. und engl. Stilelemente in einem hochkultivierten sentimentalen und tugendhaft pathetischen Klassizismus malerisch zu verbinden. K. förderte junge Künstler und Künstlerinnen, eine Werkstatt oder Schülerschaft hatte sie jedoch nicht. Zu ihren wichtigsten Nachfolgern gehörte Giovanni Battista Dell’Era aus Treviglio. - Die Rezeption von K.s Leben und Werk ist von der Geschlechterfrage und von Weiblichkeitsklischees überschattet. Ihre Arbeit wurde selten als Ergebnis künstlerischer Konzeption ernst genommen, sondern vielfach als emotionsgeleitetes "Spiel ihrer weiblichen Natur". Ihre Selbstbildnisse wurden als "angeborene naive Fraueneitelkeit" gering geschätzt (Hildebrandt, Die Frau als Künstlerin, Berlin 1928). Ihr "unglaubliches und als Weib wirklich ungeheures Talent" (Goethe) wurde vielfach als Ausnahme gerühmt und diente doch nur zur Bestätigung alter Vorurteile gegenüber den "talentlosen Dilettantinnen". Zugleich gilt K. bis heute als Vorkämpferin der Künstlerinnen (Judy Chicago, The Dinner Party, 1979ff.). Als Karrierefrau war sie nicht vor Missgunst geschützt. Karikaturen, satirische Gedichte und Anekdoten formten das Bild einer koketten Frau, die Männer zu Opfern ihres Ränkespiels machte. Der Blick der Biographen richtete sich v.a. auf die Frage nach ihren Liebesbeziehungen. Einerseits Objekt voyeuristischer Spekulationen, wurde sie andererseits als erfolgreiche Karrierefrau idealisiert und zum Opfer einer chauvinistischen Kunstszene stilisiert. Ab den 1960er Jahren wurde ihr Werk im Zuge der neuen Forsch. zum Neoklassizismus (R.Rosenblum) auch kunstwiss. nach ikonograf. Methoden (P.Walch) untersucht. Mit den Gender-Studies ab den 1970er Jahren wurde es im Blick auf die geschlechtsspezifische Lebens- und Arbeitsbedingungen von Künstlerinnen, ihre Identitätsentwürfe und Selbstinszenierungen neu bewertet. Das Fundament für die sachgerechte Beurteilung ihrer Leistung und zukünftiger Forsch. aber ist ein kritisches Verz. ihrer Werke, das derzeit vorbereitet wird.

WERKE

Augsburg, StKS. Berlin, GG. - Kpst.-Kab. Bregenz, Vbg Mus. Budapest, SzM. Chur, Bündner KM. Dresden, SKS, GG AM. Dublin, NG of Ireland. Düsseldorf, Mus. Kunstpalast. Edinburgh, NG of Scotland. Florenz, Uffizien. Frankfurt am Main, Goethe-Mus. Innsbruck, Tiroler LM Ferdinandeum. Lausanne, MBA. London, BM. - Kenwood House. - Nat. Trust, Historic Houses. - Nat. Portr. Gall. - V & A. Moskau, Puschkin Mus. München, NP. - Graph. Slg. Neapel, MN di S.Martino. New Haven, Yale Center for Brit. Art, Paul Mellon Coll. New York, Metrop. Mus. Paris, Louvre. Plympton, Saltram Coll. Princeton, AM. Rom, Accad. Naz. di S.Luca. Sarasota, John and Marble Ringling Mus. of Art. Schwarzenberg/Vbg, A.K. Mus. Schwarzach, Priv.-Slg. Shropshire, Attingham Park. Stamford, Burghley House. Stockholm, NM. St. Petersburg, Eremitage. Stourhead, Nat. Trust. Tallinn, KM. Warschau, MN. Washington/D.C.,Smithonian Nat. Portr. Gall. Weimar, Klassik Stiftung, Goethe NM. - KS Schloß-Mus. Wien, Albertina. - Palais Liechtenstein. - Wien Mus. Zürich, Kunsthaus.

SELBSTZEUGNISSE

C.Knight (Bearb.), La "Memoria delle piture" di A.K., R. 1998; H.Swozilek (Ed.), G.C.Zucchi, Memorie istoriche Maria A.K.-Zucchi, Ve. 1788; Indice Della Seconda Parte Delle Opere di A.K. Zucchi (Ms Bregenz, Vbg Mus.), Bregenz 1999; Maierhofer (Ed.), "mir träumte vor ein paar Nächten, ich hätte Briefe von Ihnen empfangen". Gesammelte Briefe in den Originalsprachen, Konstanz 2001.

AUSSTELLUNGEN

Einzelausstellungen:

London: 1780 Gall. of W.W.Ryland (K); 1955 Kenwood House (K); 2024 RA / 1908, '48, 2007 Bregenz, Vbg Mus. (ehemals Vorarlberger LM, K) / 1909 Budapest, SzM / 1941, '99 Chur, Bündner KM (K) / Düsseldorf: 1979 Kunsthandlung C.G.Boerner (K); 1998 KM und Hetjens-Mus. (K); 2020 Kunstpalast (Wander-Ausst.) / 1992 Brighton, R. Pavilion (K); Vaduz, Liechtensteinische SKS (K); Mailand, Pal. della Permanente (K) / 1998 Rom, Accad. di S.Luca (K) / 2007-13 Schwarzenberg, A.K. Mus. (Ausst.-Reihe, K).-

 

Gruppenausstellungen:

1968-69 Bregenz, Vorarlberger LM; Wien, MAK (K) / 1976 Los Angeles, County MoA: Women Artists: 1550-1950 (K) / 1987 Berlin, Neue Ges. für Bild. Kunst: Das Verborgene Mus. Dokumentation der Kunst von Frauen in Berliner öff. Slgn (K) / 1989 Frankfurt am Main, Hist. Mus.: Sklavin oder Bürgerin? Frz. Revolution und Neue Weiblichkeit 1760-1830 (K) / 1992 Konstanz, Rosgarten-Mus.: "...und hat als Weib unglaubliches Talent". A.K. und Marie Ellenrieder (K) /1993 Bremen, Roselius-Haus: "...ihr werten Frauenzimmer, auf!" Malerinnen der Aufklärung (K) / 1999 Gotha, Schloss-Mus.: Zw. Ideal und Wirklichkeit. Künstlerinnen der Goethe-Zeit zw. 1750 und 1850 (K) / 2000 Philadelphia, MoA und Houston, MFA: Art in Rome in the Eighteenth C. (K) / 2002 Mailand, Pal. Reale: Il Neoclassicismo in Italia da Tiepolo a Canova (K) / 2024 Basel, KM: Geniale Frauen (K); Remagen, Arp Mus.: Maestras. Malerinnen 1500-1900.

 

QUELLEN

Thieme-Becker, Vollmer und AKL:

ThB20, 1927

 

Weitere Lexika:

J.R.Füssli, Allg. Künstlerlex. [...], Z. 1763-1776, 1.Suppl. Z. 1767, 3.Suppl. Z. 1777; C.von Wurzbach, Biogr. Lex. des Kaiserthums Österreich, XI, W. 1864; Lira, 1902; Darmon, 1927; Grant, Dict., 1952; Grant, Etchers, 1953; Schidlof I, 1964;Kindler, ML III, 1966; Schede Vesme II, 1966; EU SEDA IV, 1969; Comanducci III, 1972; Foskett I, 1972; DEB VI, 1974; Mallalieu I, 1976; Bauer, GEM V, 1977; Lewis, 1979; Waterhouse, Dict., 1981; Lister, 1984; Nagel, 1986; PittItalSettec II, 1990; DA XVII, 1996; DEB VI, 1974; Lister, 1984; P.Bellini, Diz. della stampa d'arte, [Mi.] 1995; D.Gaze (Ed.), Dict. of women artists, II, Lo./Chicago 1997; Stewart/Cutten, 1997; J.Banham (Ed.), Enc. of interior design, I, Lo./Chicago 1997; BLSK I, 1998; Bénézit VII, 1999; T.Ketelsen/T.von Stockhausen, Verz. der verkauften Gem. im dt.-sprachigen Raum vor 1800, I, M. 2002; DBI LXII, 2004; Hist. Lex. der Schweiz, Bern 2007; Lemoine-Bouchard, 2008; Schweers II, 2008; S.Gray, Dict. of Brit. women artists, C. 2009.

 

Gedruckte Nachweise:

G.G.de Rossi, Vita di A.K. Pittrice, Fi. 1810, Pisa 1811 (übersetzt und ergänzt v. A.Weinhart, Bregenz 1814); F.A.Gerard, A.K. A Biogr., Lo. 1892/1893; V.Manners/G.C.Williamson, A.K., R.A. Her Life and her Works, Lo. 1924; B.Baumgärtel (Ed.), A.K. Der Raffael unter den Künstlerinnen. Die erste Retr. (K Düsseldorf, KM u.a.) Ostfildern-Ruit 1998 (Ausst., Lit.); Educated Fancy. The Coll. of Nikolai Borisovich Yusupov (K Puschkin Mus.), 2 Bde, Mo. 2001; A.Rosenthal, A.K. Art and Sensibility, New Haven/Lo. 2006; B.Baumgärtel, in: B.Schaefer/A.Blühm (Ed.), Künstlerpaare. Liebe, Kunst und Leidenschaft (K WRM & Fondation Corboud), Ostfildern-Ruit 2008; I.M.Holubec, in: J.H.Townshend u.a. (Ed.), Preparation for Painting. The Artist’s Choice and its consequences, Lo. 2008; B.Baumgärtel, in: C.Holm/H.Zaunstöck (Ed.), Frauen und Gärten um 1800. Weiblichkeit - Natur - Ästhetik, Halle, Saale, 2009; B.Baumgärtel, Wallraf-Richartz-Jb. 70:2009, 195-222; W.W.Roworth, in: D.Marshall u.a. (Ed.), R. Britannica. Art Patronage and Cult. Exchange in Eighteenth-C. Rome, Lo. 2010; A.Beyer/E.Osterkamp (Ed.), Goethe Hb.: Kunst, Suppl., III, St./Weimar 2011; G.Ammann, Wiss. Jb. des Tiroler LM Ferdinandeum 5:2012, 106-171; B.Baumgärtel, Das kritische WV der Gem., Zchngn, Rad. und Nachstiche von K., mit Quellentexten (in Vorbereitung)

 

Archive:

1829 kam der Nachlass aus Rom zu den Erben nach Vbg; heute teils in Bregenz, Vbg Mus., und in Priv.-Bes., Vbg Bregenz, Vorarlberger LM Arch. Chur, StsA Graubünden. London, Brit. Libr., Nat. Arch. - RA Arch. Los Angeles, Getty Research Inst. Rom, Arch. di Stato di Roma. Weimar, Goethe-und Schiller-Arch. - Thüringisches Haupt-StsA Wien, Haus-, Hof- und StsA. - Österr. NB u.a., dok. im AKRP - Angelika Kauffmann Research Project. ArchAKL

 

Onlinequellen:

AKRP – Angelika Kauffmann Research Project; Dict. universel des Créatrices, 2023

 


THIEME-BECKER

Artikel von: H. Tietze

Kauffmann (auch Kauffman, fälschlich Kaufmann), Angelica (Maria Anna A. Catharina), Malerin u. Radiererin, geb. 30.10.1741 in Chur (Kt. Graubünden) als einziges Kind des Jos. Joh. K. (s. d.) u. der Cleopha Luz (die in der ält. Lit. gelegentlich vorkommende Angabe des Geburtsortes: Schwarzenberg, ist falsch), †5. 11. 1807 in Rom. Verbrachte ihre früheste Kindheit in Morbegno im Veltlin, wo sie ihre ersten zeichner. Versuche machte; sie war eine Art Wunderkind, sowohl auf künstler. wie auf musikal. Gebiet begabt, u. erregte schon 1752 in Como mit einem Porträt des Bischofs Nevroni Verwunderung, ebenso mit Bildnissen, die sie 1754 in Mailand malte; sie setzte hier ihre Ausbildung, besonders durch Kopieren von Gemälden großer Meister, fort. Nach dem Tode ihrer Mutter (1757) übersiedelte sie nach Schwarzenberg, wo ihr Vater damals die Pfarrkirche ausmalte; sie beteiligte sich an dieser Arbeit, indem sie in Fresko die 12 Apostel nach der Stichfolge Piazzettas anfertigte. Nach einem Aufenthalt in Meersburg und Tettnang kehrten Vater und Teechter nach Mailand zurück, reisten dann über Parma, Bologna, Florenz (wo sie 1762 ihr Selbstbildnis für die Uffizien malte u. Mitglied der Akad. wurde) nach Rom (1763). Bekanntschaft mit Winckelmann, dessen Porträt sie malte, zeichnete u. radierte, u. der die K. in einem Brief an Francke vom 18: B. 1764 erwähnt. Am 5. 5. bzw. 17.11.1765 wurde sie in die Akad. S. Luca aufgenommen. Von Rom aus besuchte sie Neapel (Radier. aus Ischia) u. ging dann über Bologna (Juni 1765) Ende Oktober nach Venedig. Dort lernte sie Lady Wentworth kennen, die sie 1766 nach London mitnahm, wo sie die nächsten 15 Jahre verbrachte; in diese Zeit fallen ihre größten Erfolge, und zwar sowohl künstlerischer wie gesellschaftlicher Art; sie wird von Hof und Adel reichlich beschäftigt und als Mitglied in die 1768 neugegründete Royal Acad. aufgenommen. Unter denen, die damals vergeblich um ihre Hand anhielten, befand sich angeblich auch ihr bedeutendster Konkurrent in London, Sir J. Reynolds, dessen Porträt sie malte. 1767 unglückliche Ehe mit einem Hochstapler (einem ft:Ischen Grafen Horn), die am 10.2.1768 wieder getrennt wird. Briefliche Beziehungen zu Sal. Geßner u. Klopstock (Illustrationen zum Messias u. and. Werken). Am 14.7.1781 heiratete sie den Maler Antonio Zucchi, mit dem sie am 19. 7. desselben Jahres London verließ u. über Flandern, Schwarzenberg, Innsbruck, Verona nach Venedig reiste, wo sie sich niederließ. Hier besuchte sie der nachmalige Kaiser Paul I. (Pawel Petrowitsch) von Rußland u. kaufte 2 Bilder von ihr (darunter: Leonardo da Vinci, in den Armen König Franz' 1. sterbend). Nach dem Tode ihres Vaters (11.1.1782) nahm sie ihren Wohnsitz in Rom, Via Sistina 72 (ehemals Mengs' Wohnung), wo sie - mit Ausnahme von mehreren Reisen nach Neapel (1784 Unterricht der kgl. Prinzessinnen) - von nun an blieb, von verschiedenen Potentaten besucht u. beschäftigt und Mittelpunkt jener geistig u. menschlich anregenden Häuslichkeit, die die klassischen Romfahrer vom Ende des 18. Jahrh. genossen u. gepriesen haben. 1783 malte sie die Herzöge von Chartres und Fitz-James, Jan. 1784 erhielt sie den Besuch Kaiser Josefs II., 1793 wiederholte Besuche der Prinzessin Sofie Albertine von Schweden. Verkehrte freundschaftlich 1788/90 mit Herzogin Amalie von Sachsen-Weimar, 1795/96 mit Fürstin Luise von Anhalt-Dessau, malte 1805 den Kronprinzen Ludwig von Bayern, erhielt Mai 1783 den Besuch des Kurfürsten Karl Theodor von Bayern, malte 'April 1796 die Gräfin Lichtenau, verkehrte eng auch mit Goethe, J. H. Meyer, Tischbein, Phil. Flackert, Herder, Reiffenstein u. Fr. v. Matthisson. 1795 starb ihr Gatte. Um 1800 malte sie das Hochaltarbild (Krönung Mariä) für die Pfarrkirche in Schwarzenberg. 1802 unternahm sie, schon an einem Brustleiden krankend, eine Reise nach Oberitalien, von der sie am 30. 10. dieses Jahres nach Rom zurückkehrte, wo sic dann noch 5 Jahre lebte. Ihr gesamter künstler. Nachlaß ging an ihren Vetter Jo1,,.nn K. über; einiges davon wurde später für das Vorarlberg. Landesmus. in Bregenz erworben, darunter das von Zucchi (s. u.) erwähnte Hauptwerk: Nathan vor König David. - Der große Erfolg der K. beruhte gewiß zu gutem Teil auf außerkünstler. Eigenschaften, zunächst auf ihrer Frühreife u. Weiblichkeit, sodann auf der Liebenswürdigkeit u. allgemeinen Geistigkeit ihres Wesens, das sie einer großen Zahl bedeutender Persönlichkeiten lieb u. wert machte. Künstlerisch gehört sie zu den Obergangsmalem des Rokoko, die sich von den Strömungen der zeitgenöss. Literatur tragen ließen, ohne im Bereich der Formen den Übergang zum Klassizismus zu vollziehen. Sie bleibt zeitlebens ein später Nachfahr des süddeutschen Spätbarock, dessen Stil sie unter dem Einfluß des vorklassischen Eklektizismus (Mengs, Reynolds) und aus eigener Neigung verdünnt u. versüßlicht. In der Farbgebung machen sich die von der engl. Malerei empfangenen Anregungen bemerkbar, ebenso in der Wahl der Stoffe, die außer relig. u. allcgor. Themen antike, vaterländ. (Hermannsschlacht) u. romantische (Tod Leonardos da Vinci) umfassen. Eine Gruppe für sich bilden die Porträts, die trotz mangelnder geistiger Vertiefung u. süßlicher Gesamthaltung durch liebenswürdige Auffassung u. feine Farbgebung einnehmen. (Goethe über sein Bildnis, das die K. 1787 von ihm malte: "Es ist immer ein hübscher Bursche, aber keine Spur von mir.") - Infolge der Marktgängigkeit ihrer Arbeiten hatte die K. einen festen Tarif, der von ihr bekanntgegeben wurde: die histor. Gemälde mit Figuren in natürl. Größe wurden mit 120 Zechinen pro Hauptfigur bezahlt, 2 Halbfiguren zählten wie 1 Hauptfigur, der Hintergrund wie 1 Hauptfigur; bei halber Naturgröße galten die halben Ansätze. Bei Porträts galt die ganze Figur in natürl. Größe 220 Zechinen, die unvollständige Figur 120, der Kopf allein in natürl. Größe 40 Zechinen. Die Hälfte des Preises war nach der ersten Sitzung, die andere nach Vollendung des Bildes zu zahlen. - Die K. hat zur Zeit ihres engl. Aufenthalts auch eine große Anzahl von Wand-, Decken- u. Kamindekorationen gemalt, von denen der größte Teil jedoch nicht erhalten ist; diese auf Leinwand gemalten Malereien mythol. oder allegor. Inhalts bildeten ein ständiges Element des Stils, den man nach den Brüdern Adam zu benennen pflegt. Sie hat hier wiederholt mit ihrem Gatten Zucchi u. auch mit ihrem Vater zusammengearbeitet. Die Hauptwerke dieser Art finden sich in der Häusergruppe "Adelphi" in London, im Hause 22 Portman Square, in Stratford House, im ehemal. Palais Fauconberg (Soho Square), im Palais Lord Wynford (12 Grosvenor Square), im Hause 39 Berkeley Square, in The Arts Club (Hanover Square), in Arlington House (23 Arlington Street), in Fulwell Park, Twickenham, im Hause 20 St. James's Square, in Cambridge House (Regent's Park), ferner in Osterley Park bei Brentham (Middlesex), in Luton House, in Belvedere bei Eritl,. Von dekor. Malereien dieser Art, die sie 1771/72 während eines 6monat. Aufenthalts in Irland gemalt hat, haben sich in u. um Dublin ebenfalls Reste erhalten. - Das graph. Werk der K. umfaßt 36 Radier. u. Aquatintablätter, z. T. nach fremden Vorlagen, z. T. eigene Erfindungen (Verzeichn. u. Beschreib. bei Andresen Is. Lit.]). Die Hauptmasse der Blätter gehört der Londoner Zeit an und folgt der Richtung der engl. Modegraphik ohne sonderlich persönliche Züge. (Hauptblätter: "L'Allegra" u. "La Pensierosa", 1779, Gegenstücke.) 1780 (u. ö.) veranstaltete der Londoner Stecher u. Verleger J. Boydell eine Ausgabe von :5 Abdrücken nach den Originalplatten (Angelica K.s Etchings comprised in fifteen Subjects etc.). Sehr beträchtlich ist die Zahl der nach ihren Bildern und Zeichnungen angefertigten graph. Reproduktionen, unter denen die von F. Bartolozzi, W. Dickinson, E. Gaujean, R. Morghen, W. Ryland, G. Skorodumoff, B. Smith, F. Wrenk u. G. Zucchi hervorragen. Ein krit. Verzeichnis der zahlreichen in öffentl. u. privaten Galerien zerstreuten Gemälde u. Zeichn. der K. existiert nicht; am ausführlichsten ist die Zusammenstellung bei Gerard (s. Lit.), die jedoch die nur literarisch oder durch Stiche bezeugten Bilder nicht von den noch nachweisbaren trennt. Ober die dort fehlenden alpenländ. Sammlungen (das Ferdinandeum in Innsbruck u. das Landesmus. in Bregenz sind besonders reich an Arbeiten der K.) cf. Schram (s. Lit.), p. 38f. Liste von Städten u. Schlössern, deren Galerien Gemälde der K. besitzen: Baltimore (Peabody Inst.), Berlin (K. Friedr.-Mus.), Bern, Bregenz, Budapest, Dresden, Dublin, Edinburgh, Florenz, Frankfurt a. M., Frederiksborg, Hamburg, Hampton Court, Innsbruck, Kiburg bei Winterthur, Köln, Kopenhagen (Rosenborg), Leipzig, Lemberg, Lille, London (Tate Gall., Nat. Portr. Gall., South Kens. Mus.), Mainz, Manchester, Minneapolis (Walker Art Gall.), Moskau (Mus. Rumjanzeff), München (N. Pinak.), Nottingham, Paris (Louvre), Posen (Mielzyfiski-Mus.), Rom (Akad. S. Luca), St. Petersburg (Ermitage), Schleißheim, Stratford-on-Avon (Shakespeare Mern. Gall.), Straßburg, Stuttgart, Turin, Valenciennes, Warschau, Weimar (Goethe-Nat.Mus.), Wien (Kunsthistor. Mus.), Wiesbaden, Zürich (Kunsthaus). - Porträts der K. malten, bzw. zeichneten J. A. Gresse, P. F. Möglich, J. Reynolds, J. G. Puhlmann, modellierten C. Albacini, C. Hewetson (Marmorbüste in d. Kirche zu Schwarzenberg, Vorarlberg; laut Schram, p. 39 [fälschlich "Helwensohn")) u. Peter Kaufmann. Quellen u. ältere Darstellungen: Gius. Carlo Zucchi, Memorie stor. di Maria Angelica K.Zucchi, I, 1788; II, 1798 (älteste unkrit. Biogr. der K. von dem Bruder ihres Gatten). - Giov. Gher. de Rossi, Vita di A. K., pittrice, Florenz 1810; dtsche übers. von Alois Weinhart, Leben der berühmten Mahlerin A. K., Bregenz 1814 (die übersetzg Weinharts, eines entfernten Verwandten der K., geht z. T. über Rossi hinaus). - J. R. Füßli, Kstlerlex., 1779; 2. Teil (H. H. Füßli), 1806/21 (ausführlich). - Memorie per le Belle Arti, I (Rom 1785) p. LIff., CXIXff.; II (1786) p. CCLVII; III (178'7) p. LXXIIIff. - Cracas, Diario ordinario (Rom), 1783, Nr 838; 1784, Nr 946; 1793, Nr 1888, 1904; 1803, Nr 225; 1805, Nr 88; 1807, Nr 11, 90; 1808, Nr 63, 97. - Giornale di B. Arti, 1784, Nr 12, 18, 1785, Nr 32; 1786, Nr 46; 1787, Nr 23. - Memorie enciclop. romane (Rom), 1806/07, I 15ff.; fI 20ff., 88; III 17ff., 94f. - Busiri Viei65Anni.. della Accad. rom. di S. Luca, 1895, p. 228 f. - M. Missirini, Memorie. della rom. Accad. di S. Luca, 1823, p. 260 f., 291. - Goethe, Gesch. meines botan. Studiums: Materialien zur Gesch. d. Farbenlehre; Italien. Reise; Briefe u. Tagebücher aus Italien; Briefwechsel mit Joh. Heinr. Meyer, I; Weimarer Ausgabe, Registerbande. - J. H. Meyer in: Winckelmann u. s. Jahrh., Tub. 1805, p. 304 f. - Herders Reise nach Italien, Briefwechsel mit s. Gattin 1788/89, hrsg. v. Düntzer. - J. J. Winckelmanns Briefe. - F. J. L. Meyer, Darstellungen aus Italien, 1799, p. 133ff., 138. - Sal. Geßner, Briefwechsel, Berlin 1801, p. 212, 243. - F. L. Graf Stolberg, Reise durch Deutschld, Schweiz, Italien, 1794, II 78, 88. - Fr. v. Matthisson, Erinnerungen, Zürich 1814, II 71 f., 308 f., 311, 319, 337. - J. J. Gerning, Reise durch Österreich u. Italien, Frankf. a. M. 1802, III 140f. -Friederike Brun, Tagebuch über Rom 1795/96, Zürich 1800, p. 7, 19, 32 f., 220, 231 f.; dies., Röm. Leben, Lpzg 1833, 1 27; II 26. - L v. d. Recke, Tagebuch einer Reise durch einen Teil Dtschlds u. Italiens, 1815, II 396. - Apologie der Gräfin Lichtenau, 1808, I 113; II 159 f., 187. - Hdschr. Reisetagebuch der Marianne Krauß, 1791 (im Bezirksmus. Buchen). - Graf Lynars Reisetageb., V 116. - Hdschr. Reisetageb. des Kurfürsten Karl Theodor von Bayern, 1783 p. 104 (München, Staatsbibl.). - Briefwechsel Herz.-Großherz. Carl August mit Goethe, hrsg. v. Hans Wahl, Berlin 1915/18, s. Reg. Bd III. - Fortunata Sulgher Fantastici, Poesie, Livorno 1794, p. 87/92 (Kanzone von 1792 auf K.). - George Kea te, Epistle to Angelica K., London 1781, deutsche übersetzg v. F. v. Schaden, Nördlingen 1782. - L. Acquisti, Per il pranzo dato d. cel. Signora A. K. altli artisti amici, Rom 1803 (Flugblatt mit ital. Gedicht auf die K.). - Epigrammi sulla pittrice A. K., Parma 1803. - G. G. de R[ossi, Per la guarigione della Sigra A. K., pittrice, seguita sul lago di Como, Rom 1803. - Der Kunstwanderer, 1920/21, p. 446 f. (Brief der K. an Joh. Heinr. Meyer). - Arte e Stcria, IV (1885) 68 f. (Brief der K. an A. Canova). - Preul. Jahrbücher, LXV (1(390)548. - Pfarrb. S. Andrea delle Fratte (Begräbnisplatz der K.) u. Arch. S. Luca, Rom (nach Mitteilung von Fr. Noack). - Staatsarchiv Florenz, Accad. Dis., Nr 153, Ruolo de' Signori Accadem. del disegno 1762'84. - Beschreib. derj. Kunstwerke, welche von d. kgl. Ak. der bild. Kste. ausgest. sind, Berlin 1798, p. 26. Neuere Darstellungen u. Einzelnes zur Biographie: C. v. Wurzbach, Biogr. Lex. d. Kaiscrth. Österr., IX (1864) 4458 (übersichtliebste Zusammenfassung: in. Lit.). - Leisure Hour v. 27.6.1861 (Lady Academicians, Life of A. K.), auch S.-A. - E. C. Clayton, English female Artists, 1876, I 233194. - Allg. dtsche Biogr., XV (1882). - Wilh. Schrant. Die Malerin A. K. Ein Lebensbild (Vortrag 1889 im mähr. Gew.-Mus. Brünn), Brünn 1890 (mit bes. 8erticksiehtip,ung der Bilder K.s in Tirol u. Vorarlberg und Abdruck von 15 Briefen von u. an K.). - Dict. of Nat. Biogr., XXX (1892). - Frances A. Gerard, A. K. 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Ballmann über das Selbstporträt von 1751). - Jahresber. d. Schweizer. Landesmus. Zürich, XII (1903) 39 (Portrat Kard. Rott). - A. Simeon, Begleiter d. d. Kathedr. v. Chur, 1914, p. 32. - Cicerone, V (1913) 646 (Bilder im Landesmus. Bregenz). C. Justi, Winckelmann u. s. Zeitgenossen, III (1898) 64ff. (über das Winckelmann-Portrat im Kunsthaus zu Zürich). - H. Thiersch, Winckelmann u. s. Bildnisse, 1918, p. 2811. u. Abb. IV. - Monatsh. f. Ksttviss., VI (1913) 56f. (H. Ubde-Bernays, Zu den Bildnissen Winckelmanns), m. Abb. - H. Rollett. Die Goethe-Bildnisse, 1883 p. 84 f. (über 1 Goethe - Bildnis in Zürcher Privatbesitz). rat athaus,DieBildnisseGoethes (1. Suppl.- Bd der Propylaen -Ausg.), München 1910; cf. Jahrb. d. Goethe-Gesellsch., VIII (1921) 159, 162, u. Goethekalender, 1922, p. 80/81, 97/98. Shakespeare in Pictor. Art, Spec. Studio Number, Spring 1916, m. Abb. - N. Biscaccia, L'Accad. dei Concordi in Rovigo, Venedig 1846, p. 46. - F. Alizeri, Guida ill. di Genova, 1875, p. 135. - G. Parthey, Dtscher Bildersaal, I (1863) 653/55; II (1864) 848. - F. Weinitz, Das fiirstl. Residenzschloß zu Arolsen, 1907, p. 34, 44f., 70. - Bassermann-Jordan, UnveröffeneI. Gemälde alter Mstr aus d. Bes. d. bayer. Staates, I (1906) 16 (Kat. Nr 50, m. Abb.). Bau- u. Kstdenktn. des Kgr. Sachsen, XXXI bis XXXII (1908); XXXV (1912). - Bau- u. Kstdenkm. Thür., Sachs.-Weimar-Eis., I (1892) 309. [F. Nicolai,] Beschreib. der kgl. Residenzstadte Berlin u. Potsdam, 2 1786, III 1055/56. - Schlesw. - Holst. Kstkal., II (1912) 32, 51. - Wurtt. Vierteljahrsh. f. Landesgesch., N. F. XII (1903) 52 (Portrats i. d. SmlgMoll, Ellwangen). Frankenland, VIII (1921) 40/45 (Mad. mit Kind, früher in Aschaffenburg, jetzt in München). Kat. d. Chlumetzky'schen Gem.-Slg, Prag 1863, p. 24, 121. - Th. v. Frimmel, Blatter f. Gemäldekde, V (1910) 120/26, in. Abb. (Bildnis des Grafen Jos. Fries, Wien, Satnmlg Figdor). - Ostern Kst-Topogr., I (1907); XIII (1914); XVI (1919). - Repertor. f. Kstwiss., XLI (1919) 240, 243/45, 249/50 (0. C Iemen, Kstgeschichtl. aus Mitau). - W. N cum an n, Aus alter Zeit, Riga 1913, p. 68, m. Abb. (Zeichng in Riga). - Großfürst Nikolai Michai1., Russ. Porträts, V/1, 1909 (russ.); cf. Staryje Gody (russ.), 1909, p. 331 (Porträt A. I. Pleschtschejewa, Privatbes.). Staryje Gody, 1915, März, p. 66 (Portrat P. K. Skawronskij, Privatbes. Moskau); April, p. 65 (Moses in der Wiege, Mus. in Lemberg). - Trésors d'Art en Russie, III (1903) 288, 414, 416, 418; V (1905) 23, Abb. Taf. V (Barmherz. Samariter u. Mad. mit Kind auf Schloß Pawlowsk bei St. Petersburg). - 0. Gr an ber g, Trésors d'Art en Suède, 1 (1911). - Katal. der im Text gen. öffentl. Samml., ferner: M. J. Fried-Iander, Zeichn. alter Alster im [Berliner 1 Kupferstichkab., Bd I: E. Bock, Die dtschen 4 Kaufmann (Kauffmann usw.) Mstr, 1921 u. [L. Binyon,) Cat. of Drawings of Brit. Art., Depertm. of Prints and Drawings, Brit. Mus. [London], III (1902). - Jahrb. d. Bilder- u. Kstblätterpreise, Wien 1911ff., I/VI. - H. Mireur, Dict. d. Ventes d'Art, IV (1911). Über die Miniaturen: J. J. Foster, Min. Painters British and Foreign, 1903, in. Abb. - G. C. Willi am son, The Hist. of Portr. Min., 1904. - Emporium, 1912, II 187f. (C. Jean - nerat). - L. Grünstein, Die Smig Prof. Dr. E. Ullmann, Wien 1925, p. M, 83ff., Taf. 143. - Katal.: Burlington F. Arts Club, Exh. of Portr. Min., London 1889, Case X, 29, 43. - Expos. de la Min., Brüssel 1912, Nr 364. - Min.-A. München 1912, Nr 297. - Min.-A. Lemberg 1912, Nr 29 (poln.). - Min.-A. Wien 1905, Nr 2045. Über die Radierungen: M eu se 1, Miscell. artist. Inhalts, IV (1780) 43/47. - L. Delteil, Man. de l'Amat. d'Est. du 18e S., o. J. - C. H. v. Heinecken, Dict. d. Art., 1778ff., Mannskr.-Forts. i. Dresdner Kupferstichkab., Band I K L u.Suppl.-Bd. - Huber u.Rost, Handb. f. Kotliebhaber usw., II (1796) 258/65 (18 Nummern). - Nagler, Kstlerlex., VI (1838) 539/40 (31 Nrn); ders., Monogr., I (1859); IV (1871). - Le Blanc, Man. de l'Amat. d'Est., 1854/90, II (35 Nrn). - C. v. Wurz-bach, l.c., p.59 (94 Nrn). - A. Andresen, Der dtsche Peintre-Graveur, V (1878) 379/98 (Beschreib. von 86 Nrn). - F. A. Gerard, 1. c., p. 388;90 (35 Nrn, chronol. geordnet). - J. Cha1. Smit h, Brit. Mezzotint Portraits, 1878/83, IV, Div. II, Ind. of Painters. - A. Strunk, Portr. af det danske Kongehuus, Kopenh. 1882, p. 251. - [Kop er a,] Kat. einer Sammlg poln. Porträtstiche (Slg Graf HuttenCzapski), Kraken 1901, Nr 1520/21 (poln.). - D. A. Rowinskij, Lex. russ. Porträtstiche (russ.), 1666/89, IV (Reg.). Kataloge u. Berichte über wichtigere Ausstell.: Archiv f. Gesch. u. Landeskde Vorarlbergs, V (1908) Nr 7 (Kat. der Gedächtnis-Ausst. im Landesmus., Bregenz, die den größten Teil der damals erreichbaren Ölbilder der K., sowie zahlreiche Zeichn. u. Stiche vereinigte); cf. Basler Nachr. v. 25.9.1908. - A. K.-Gedächtnis-A. zum 100. Todestag der Künstlerin. Gisph. Abt. d. Mus. d. Schönen Künste in Budapest, März 1909. Kat. nt. biogr. Vorwort, Bibliogr. u. 1 Porträt von G. v. Terey; cf. ders. in Pester Lloyd v. 28.3.1909 u. Z. v. Takácsin Der Cicerone, I (1009) 328/29. - G. Biermann, Deutsches Barock u. Rokoko: Jahrh.-A. dtacher Kunst 1650/1800, Darmstadt 1914, Lpzg 1914, II p. XXV, LXIX, m. Abb.; cf. Amtl. Kat., Ausg. B, p. 84 f., 189, 253, 292, na. Taf.-Abb., u. Die Kunstwelt, III;.1913/14) 609 (Abb.). - Int. Ausst. f. Buchgew. u. Graphik, Leipzig 1914, Kat. Haus der Frau, p. 136. - Ausst. Coblenz u. Ehrenbreitstein vor 100 Jahren (Kat. d. Kst)" 1914 Nr 1626a. - Ausst. Gem. alter Meister aus Berl. Privatbes. i. d. Akad. Berlin, 1925, p. 85. Fam.-Portr.-Ausst. Stadt. Mus. Elberfeld 1907. Ausst. d. Kstschätze aus schlesw.-holst. Adelsbes., Altona, Gartenbau Ausst. 1914, p. 44, 47. - Kat. Ausst. z. Jahrb.-Feier d. Erhebg Ostpreußens i. J. 1819, Königsb. i. Pr., 1913, p. 61 f., m. Abb. (Nr 61 u. 62). - Ausst. i. Taur. Pal. St. Petersburg 1905, Kat. VIII p. 35 (russ.). - Expos. d. Femmes Peintres du XVIIle Siècle, Paris, 14. 5. bis 6.6.1926, p. 37/39 u. 85.

 

LEXIKON DER KÜNSTLERINNEN

Kauffmann, Angelica (Maria Anna Katharina), verh. Zucchi, *30.10.1741 Chur, †5.11.1807 Rom, Malerin, Zeichnerin, Radiererin und Kupferstecherin (Porträt, Historie, Mythologie, Allegorie). Tochter des aus Schwarzenberg/Vorarlberg stammenden Wander- und Auftragsmalers Johann Joseph K. (Bildnis nach 1761, TLMFInn), der sein einziges, von der Mutter Cleopha, geb. Lu(t)z, auch in Literatur, Sprachen, Musik und Gesang unterrichtetes Kind während längerer Aufenthalte in der Schweiz (Morbegno/Veltlin), in Österreich (Vorarlberg) und Oberitalien (Como, Mailand) selbst ausbildet bzw. geeignete Lehrer für sie aussucht und sie bald als Wunderkind vermarktet. Sie malt erste Porträts, ein erstes erhaltenes Sb als Sängerin mit Notenblatt (1753/54, TLMFInn), 13 Apostelköpfe in der Pfarrkirche v. Schwarzenberg (1757) und Porträts im Bodenseeraum (1757-59), so für die freiherrl. Familie v. Bodman (1766) und die gräfl. Familie Montfort in Schloss Tettnang (1758/59), wozu 1791 Friedrich Leopold Gf. zu Stolberg bemerkt: "Wir wechselten die Pferde in Tettnang, einer österreichischen Herrschaft, deren Gegend es verdiente, einige Zeit Angelica Kaufmann zu beherbergen." → Seit 1760 ist sie mit dem Vater wieder in Italien (Lugano, Mailand, Modena, Parma, Florenz, Rom, Venedig), wo sie fleißig in den Galerien kopiert. In dieser Zeit entsteht das, Bildnis eines Arztes' (Dreiviertelfigur, Öl, 1761, KM St. Gallen; ebd. noch, Hl. Agnes mit Lamm und Palmenzeig' (Brustbild, Öl). Seit 9. 7. 1762 findet man sie in Florenz, wo sie im Palazzo Pitti und in der Mediceischen Galerie (Uffizien) alte Meister kopiert und dem anglo-amerikan. Maler Benjamin West sowie dem dt. Gelehrten, Kunstsammler, Mäzen und Hofrat Johann Friedrich v. Reiffenstein (Bleistift-Porträt, um 1762, Victoria & Albert Mus. London; radiertes Bildnis, 1763, C. G. Boerner, Düsseldorf; Ölgemälde, um 1794, Privatslg. Dornbirn) begegnet. Am 5. 10. d. J. wird sie Ehrenmitglied der Acc. Clementina Bologna, am 10. der Acc. del Disegno Florenz, bei der sie sich am 21. als Schülerin einträgt. Im Jan. 1763 trifft sie in Rom ein, wo sie schnell mit Johann Joachim Winckelmann (der ihre Gesangs- und Malkünste lobt und sie - in einem Brief v. 18. 8. 64 - fälschlich in 'Costnitz' = Konstanz geb. sein lässt), Anton Raphael Mengs, Giovanni Piranesi, Pompeo (Girolamo) Batoni und B. West (Zeichnung mit schwarzer Kreide, 1763, NPG London) bekannt wird, die sicherlich ihr 'disegno' verbessern helfen, sie jedoch nicht 'unterrichten'. Angelika, die ihr Atelier in der Via Condotti hat, kopiert weiter und zeichnet vor antiken Skulpturen, wohl auch n. Aktmodellen. Von Rom aus besucht sie Neapel und Ischia, porträtiert 1763 (auf Capri, Radierung) und 1764 Winckelmann ("mein schönes Porträt von der Mademoiselle Kauffmannin" ; Öl, KH Zürich; Ölkopie im Ausschnitt v. Christian Ferdinand Hartmann, 1794, Gleimhaus Halberstadt; Aquatinta-Radierung in 1761, Braun, Gemeindemus. Schwarzenberg/Ö), ist am 12. 7. 1764 wieder in Rom, wird am 5. 5. /17. 11. 1765 ebd. v. der Acc. di San Luca zum Ehrenmitglied ernannt (dort ihr Aufnahmestück 'Allegorie der Hoffnung' aus 1765) und malt im gleichen Jahr erste klassizistisch-allegorische Historienbilder. 1765 schickt sie ihr grandioses kokett-natürliches Porträt des berühmten Schauspielers David Garrick (1764, Stamford, The Burghley House Coll.) nach London zur Ausst. der Society of Artists, ist am 1. Juli in Bologna und im Okt. in Venedig, von wo aus sie, durch adlige engl. Freunde und Bekannte wie dem engl. Gesandten Lord Wentworth bestärkt, beschließt, nach England zu gehen: Am 22. 6. 1766 kommt sie in London an, vier Tage später besucht sie den großen Joshua Reynolds; man malt sich gegenseitig: J. Reynolds.: A. K. (Öl, 1767/68; mehrere Repliken und Kopien; danach Kuperstich, oval, v. Francesco Bartolozzi; eine Kopie v. A. K. selbst, Öl, 1794, in österr. Privatbes.); Nathaniel Dance: Reynolds besucht A. K. im Atelier (Zeichnung, Privatbes. Earl of Harewood, Leeds/GB), A. K. (1777, Privatbes. Montagnola (Schweiz). A. Kauffmann: Joshua Reynolds (Sitzbild, 1767, Morley Coll, Saltram/Plymouth). - Reynolds' Lob und Beziehungen bringen ihr schnell zahlreiche Aufträge des Hofes und des Adels. Er verehrt sie, die in ihrer luxuriösen Wohnung im 'Golden Square' einen viel besuchten Salon unterhält, und macht der "Miß Angel" einen Heiratsantrag. Mit dem Kollegen Nathaniel Dance, der sie wohl schon um 1764 in Rom porträtiert (Privatbes. The Marquess of Exeter, Burghley House, Stamford/GB) und sie um 1767-70 erneut zeichnet ('A. K., den Torso v. Belvedere zeichnend', NG of Scotland Edinburgh), und den sie selbst viermal porträtiert (zwei Ölgemälde, zwei Zeichnungen), hat sie möglicherweise eine Liaison. Im Frühjahr 1767 kommen ihr Vater und eine Kusine nach London. Am 13. 2. 1767 heiratet sie heimlich und am 22. 11. nach protestant. Ritus auch kirchlich einen Herrn Brandt alias Frederick Graf de Horn, einen obskuren Abenteurer - eine bis heute nicht restlos aufgeklärte Affäre. Nach Annullierung der Ehe durch ein anglikanisches Kirchengericht am 10. 2. bzw. durch den Vatikan am 23. 6. 1768 stellt sie im Herbst drei Historienbilder aus. Im Dez. wird sie auf Drängen Reynolds' und mit Unterstützung der Kgn. Charlotte Sophie (Bildnis C. S., Kgn. v. England, mit dem Genius der Schönen Künste, 1767/68, ehemals Buckingham Palace London, nicht mehr nachweisbar; 1772 Kupferstich/Schabkunstbl. v. Thomas Burke, Graph. Slg. Albertina Wien und Slg. David Alexander York/GB; weiterer Stich auch v. W. W. Ryland, Slg. D. A: York) zus. mit ihrer engl. Kollegin Mary Moser, einer berühmten Blumenmalerin, Gründungsmitglied d. Royal Academy of Arts in London. Da Frauen aber in den Ateliers nicht zugelassen sind und auch kein Sitzungsrecht haben, zeigt ein Gemälde Johann Zoffanys die 26 männl. Gründungsmitglieder in voller Größe beim Empfang, die zwei Frauen jedoch nur als Porträts an der Wand (1772, The Queen's Gallery, Buckingham Palace, London). 1769 nimmt Angelika an der 1. Ausst Teil (Eine 1981 v. Eric Shanes verfasste 86seitige, gut illustrierte Broschüre 'The Genius of the Royal Academy' nennt A. K. ganz am Schluss kurz und zeigt keines ihrer Werke in Abb., obwohl die RA mehrere besitzt). - 1779 zeigt Richard Samuel in der Royal Academy sein Bild, Die neun lebenden Musen Großbritanniens', auf dem er neben acht engl. Literatinnen, Sängerinnen, und Schauspielerinnen auch die Kauffmann (vor der Staffelei) abbildet - nach dem Zeitgeschmack sämtlich, femmes savantes' oder, Blue Stockings' genannt (Öl, Nat. Portrait Gallery London). Immerhin, Angelica ist die erste Malerin, die es auf Grund ihres Könnens und ihrer Berühmtheit, auch als Mitglied der Akademien v. Bologna, Florenz, Rom und London, wagt, das den Frauen zugewiesene Fach der Porträtmalerei zu verlassen und sich der religiösen wie mythologischen (Historien-) Malerei (Ilias, Odyssee, Ovid, Lessings 'Laokoon', Klopstocks 'Messias', u. a.) zuzuwenden, ja ein selbstbestimmtes, von höfischen Zwängen freies Leben als Künstlerin zu führen. Sich schon immer auch für Kupferstich und Radierung interessierend (z. B. der großartige Stich 'Die Zopfflechterin', 1765), beginnt 1770 eine enge Zusammenarbeit mit dem Kupferstecher William Wynne Ryland (z. B. 'Lady Elizabeth Grey bittet Kg. Edward IV. um den Besitz ihres verstorbenen Mannes', 1780, mkp Düsseldorf, Graph. Slg.; Ölgemälde v. 1776 verloren). 1771 weilt sie sechs Monate in Irland, wo zahlreiche Porträts, Familienbilder, Gesellschaftsod., Konversationsstücke' (George John, 2nd Earl Spencer, and seine Schwestern, Öl, 1771, Privatbes. Earl Spencer, Althorp/GB) und Historienbilder entstehen. 1777 wird sie erneut v. Reynolds gemalt (Replik, Privatbes. Montagnola). Überhäuft mit Porträtaufträgen (Die Familie des Earl of Gower, 1772, NMWA Wash. /D. C.), will sie dennoch als Frau ihre Meisterschaft in der Historienmalerei beweisen. 1776 präsentiert sie eine Szene aus der mittelalterlichen engl. Geschichte: 'Eleonore saugt Gift aus der Wunde ihres Mannes, des Kgs. Edward I. ' (Privatslg.; Pendant zu 'Lady Elizabeth Grey... '). Zu ihren zahlreichen Motiven n. William Shakespeare gehört auch eine Szene aus, King John' (Zeichnung, Kreide und Rötel, Wittumspalais Weimar). - 1780 fertigt sie für den Neubau der Royal Academy (Somerset House) vier allegorische Deckenbilder: Erfindung/Genius, Komposition, Zeichnung, Farbe (heute im Vestibül v. Burlington House als Sitz der R. A.; an der Decke v. Burlington House lediglich fotographische Reproduktionen; die vier Bozzetti im Victoria & Albert-Mus. London; gest. 1787 v. F. Bartolozzi). Im gleichen Jahr veranstaltet Ryland eine erste Retrospektive mit ihren Gemälden und 146 danach gefertigten Kupferstichen. - Ihre wohl ebenfalls 1780 entstandene 'Vestalin' kommt zwei Jahre später mit der sog. 'Selbstbildnis als Sibylle' und der 'Verlassenen Ariadne' nach Dresden (heute GGAM), wo die drei Bilder begeistert aufgenommen und in kurzer Zeit mehrfach kopiert werden. Kurz: "The whole world is Angelicamad." Nach einem Ehevertrag vom 10. 6. heiratet Angelika am 14. 7. 1781 in London den älteren venezian. Maler Antonio Zucchi (Porträt nach 1782, ehemals Kunsthandel), der mit ihr zus. die Decken- und Wandmalereien in Kenwood House bei London gestaltet hatte. Am 19. verlässt sie mit ihm und ihrem Vater England und reist über Flandern, Schwarzenberg, Verona und Padua nach Venedig. Zucchi katalogisiert das Werk seiner Frau (Original-Manuskript in der RA London) und kümmert sich fortan sehr erfolgreich - in ihrem Auftrag u. n. ihren Vorgaben - um Vermarktung und Finanzen. Am 25. 1. 1782 besuchen Großfürst (Zar) (Paul (I.) und seine Gemahlin → Maria Feodorowna, geb. Prinzessin v. Württemberg, die Malerin in ihrem Atelier in Venedig und geben mehrere Gemälde in Auftrag bzw. kaufen einige (u. a. zwei Historiengemälde als Pendants in Öl zur engl. Geschichte aus der Zeit Kg. Edwards I.:, Vergiftete Eleonora' und, Geheilte Eleonora', 1782, beide Schloss Pawlowsk/St. Petersburg). Am 8. 4. wird sie Ehrenmitglied der venezian. Akademie. Wenig später reist das Ehepaar Zucchi-Kauffmann über Ferrara nach Rom und Neapel, wo sich die kgl. Familie auf 1781 Wunsch der lebens- und liebeshungrigen →Maria Karolina, einer Tochter der österr. Kgn. (Kaiserin) →Maria Theresia, v. ihr porträtieren lässt (Die Kgl. Familie v. Neapel und Sizilien in einer Landschaft: Öl-Bozzetto/Modello 1783, Fürstl. Liechtensteinsche Slg. Vaduz; Ausführung als großformat. Ölgemälde 1783, NM Gall. di Capodimonte Neapel; Kg. Ferdinand IV. und Kgn. Maria Karolina v. Neapel, Gegenstücke, um 1782/83, Vorarlberger LM Bregenz; Bozzetti der Prinzessinnen, 1782, KM St. Gallen). Den ehrenvollen Ruf, Hofmalerin in Neapel zu werden, lehnt sie trotz großzügiger finanzieller Zusagen ab. So erhält dieses Amt wenige Jahre später Jakob Philipp Hackert. Immerhin kehrt sie noch zweimal an den neapolitan. Hof zurück, um weitere Porträts zu malen und den drei älteren Prinzessinnen Mal- und Zeichenunterricht zu geben. Zurück in Rom, richtet sich das Paar eine prächtig ausgestattete Wohnung mit einer stets wachsenden und viel bewunderten Kunstsammlung sowie Ateliers im Palazzo auf Trinità dei Monti ein (Via Sistina 72) ein, den früher Mengs bewohnt hatte und der neben einem Sommersitz in Castel Gandolfo für die kommenden 20 Jahre für viele Kunstfreunde und adlige Reisende auf der 'Grand Tour' zum Treffpunkt wird. Den Anfang macht im Dez. 1784 Kaiser Joseph II. - Fürstl. Aufträge rufen die Künstlerin 1785 erneut nach Neapel; Bestellungen russ. und polnischer Adliger bei der "Physiognomistin" (Gesichtsdeuterin), wie die junge dt. Malerin Marianne →Kraus sie 1791 in ihrem Reisetagebuch nennt, folgen, darunter 'Bildnis Fürst Stanislaus Poniatowski' (Ganzfigur, 1786-88, Privatbes. Rom) od. das 1789 vollendete zweite Porträt (das erste aus d. J. 1785/86) der Catherina Wassiljewna Gfn. Skawronska, geb. v. Engelhardt, einer Nichte und Mätresse des Auftraggebers Fürst Gregor Alexandrowitsch Potomkin (fast ganzfiguriges Sitzbild, Öl, GNMNü; 1790 übrigens auch 2 x und 1 Kopie v. Elisabeth Vigée-Lebrun). - Neben Bildnissen sind auch Historien gefragt, die Angelica zunehmend der röm. Geschichte entnimmt wie die v. Goethe gelobte 'Cornelia, Mutter der Gracchen' (1785, drei Fassungen: 1. Virginia Mus. of Fine Arts Richmond; 2., seitenverkehrt, seit 1994 in den Kunstslgn. Weimar; 3., dass. v. 1788, Privatslg.; eine Federstudie auf blauem Papier im Kupferstichkab. Berlin) od. das Pendent 'Julia, die Frau des Pompejus, erfährt vom vermeintlichen Tod ihres Gatten und fällt in Ohnmacht' (1785, seit 1993 ebenfalls in Weimar). 1786 zeigt sie - erst- und letztmalig - Gemälde auf dem Pariser Salon de la Correspondance:, Zwei Frauen' (Privatbes. Frankreich) und, Hoffnung' (Hôtel de Vaudreuil Paris). 1787 begegnet ihr in Rom Goethe, dem sie während seines zweimaligen Aufenthaltes in der Stadt als Führerin, Kunstexpertin und charmante Freundin dient und aus dessen Feder zahlreiche Würdigungen der Künstlerin erhalten sind ('Italienische Reise', 'Briefe aus Italien'): "Diezarte Seele Angelika" (15. 2. 87); "Sie ist eine treffliche zarte, kluge Frau, meine beste Bekanntschaft hier in Rom" (19. 2. 87); "Mit Angelika ist es gar angenehm, Gemälde zu betrachten, da ihr Auge sehr gebildet und ihre mechanische Kunstkennntnis so groß ist. Dabei ist sie sehr für alles Schöne, Wahre, Zarte empfindlich und unglaublich bescheiden." (22. 7. 87); "einzige Angelika" (28. 9. 87); "Die Woche seh ich Angelika zweimal, es ist das beste Wesen von der Welt. Man hat keinen Begriff von einem solchen Talent, mit solcher Einfalt, Herzensgüte und echter Bescheidenheit." (21. 12. 87); "... die ein Engel an Verstand und Conduite ist." (25. 1. 88); "die unschätzbare Freundin" (April 88). Im Frühjahr 1787 zeichnet und malt sie Szenen zu Goethes 'Iphigenie': "Die zarte Angelica nahm das Stück mit unglaublicher Innigkeit auf; sie versprach mir, eine Zeichnung daraus aufzustellen, die ich mir zum Andenken besitzen sollte." (Goethe,, Italien. Reise', am 15. 2. 1787). - Am 13. 3. schreibt er dann angesichts des Blattes, 'Seid ihr auch schon herabgekommen?' (Kohlezeichnung mit Weißhöhung, GoeNMWei; GoeMDü): "... der Gedanke ist sehr glücklich, und sie wird ihn trefflich ausführen (... ) Man sieht auch hieran, wie zart sie fühlt und wie sie sich anzueignen weiß, was in ihr Fach gehört." Im Anschluss an Goethes Lesungen aus 'Egmont' (Juni/Juli) zeichnet sie 'Egmont und Klärchen' (schwarze Kreide, leicht weiß gehöht, GoeNMWei), danach 'Egmonts Traum'. Beide werden noch 1787 v. Johann Heinrich Lips für den 5. Bd. der 1788 erscheinenden erste Gesamtausgabe gest., wovon sich Goethes Verleger Georg Joachim Göschen eine Auflagensteigerung verspricht. Als Titelkupfer für Bd. 8 entsteht 1788 die Kreidezeichnung ' Die Komische u. d. Tragische Muse huldigen Goethe' (GoeNMWei, gest. v. Lips 1789; Ideenskizze, Feder in Schwarz, grau laviert, üb. Graphitskizze, 1788, im Victoria & Albert Mus. London). Gleichzeitig mit Johann Heinrich Wilhelm Tischbein malt Angelika ihren Freund, der jedoch im dritten Teil der "Italienischen Reise" am 27. 6. 1787 schreibt: "Mein Porträt Tischbeins wird glücklich, es gleicht sehr, und der Gedanke gefällt jedermann; Angelika malt mich auch, daraus wird aber nichts. Es verdrießt sie sehr, daß es nicht gleichen und werden will. Es ist immer ein hübscher Bursche, aber keine Spur von mir... " Von einer eigenen Kritik Angelikas an ihrem Goethe-Porträt (1787) ist nichts bekannt. Goethe zitiert im nachhinein absichtlich falsch, um seine enge Kunstauffassung zu kaschieren: Sein Bildnis, das heute in Goethes Wohnhaus am Frauenplan in Weimar hängt, gefällt ihm nicht, weil es empfindsam-schön, nicht aber klassischheroisch wie dasjenige Tischbeins ist. Johann Gottfried Herder, der Angelikas Persönlichkeit und künstlerisches Wirken realistischer einschätzt als Goethe, anerkennt dessen Subjektivismus sofort und schreibt am 27. 2. 1789 aus Rom an seine Frau Karoline richtig: "Goethes Bild hat sie sehr zart ergriffen, zarter als er ist; daher die ganze Welt über Unähnlichkeit schreiet, die aber doch wirklich im Bilde exsistiert. Die zarte Seele hat ihn sich so gedacht, wie sie ihn gemalt." Im übrigen: Fühlte Goethe sich v. Liebreiz und der erotischen Ausstrahlung Angelikas - wie bei so vielen künstlerisch empfindsamen Frauen - bedrängt od. warum hielt er den Kontakt zu ihr, die ihm 1788 die Zeichnung, Melpomene, Thalia und Amor huldigen J. W. v. Goethe' schenkt (Blei, Kreide in Schwarz, weiß gehöht, GoeNMWei) und die er im 'Römischen Karneval' 1789 immerhin als "la prima pittrice del secolo" würdigt, in den kommenden zwei Jahrzehnten nicht aufrecht - von vier Briefen abgesehen? Es bleibt also die Frage, ob es sich bei Angelicas Goethe-Bildnis nur um den Ausdruck, empfindsamer Freundschaft' od. doch um, Liebe' handelt. - Viele Jahre später bringt Johann Peter Eckermann "Goethen einige Mineralien, besonders ein Stück tonigen Ocker... Wie sehr aber war Goethe erstaunt, als er in dieser Farbe ganz dieselbige erkannte, die Angelika Kauffmann zu den Fleischpartien ihrer Gemälde zu benutzen pflegte. 'Sie schätzte das wenige, das sie davon besaß', sagte er, 'nach dem Gewicht des Goldes. Der Ort indes, wo er herstammte und wo es zu finden Cormayan in Frankreich, war ihr unbekannt. '" (J. P. E.: Gespräche mit Goethe, 5. 12. 1823). Wenige Monate nach Goethes Abreise kommen Hzn. → Anna Amalia und Herder nach Rom (1788/89) und pflegen engen Kontakt mit der Künstlerin: Es entsteht Johann Georg Schütz' bekanntes Aquarell 'Anna Amalia mit A. Kauffmann und Freundeskreis im Park der Villa d'Este in Tivoli' (1789, GoeNMWei; Replik od. Kopie Bibl. Hertziana Rom; zeitgenöss. Kopie als aquarell. Federzeichnung im GoeMDü). Zu sehen sind darauf neben der Fürstin, Angelika und ihrem Mann A. Zucchi der Maler selbst, Herder beim Rezitieren aus Goethes 'Tasso', die Hofdame, Zeichnerin und Silhouettistin Louise Ernestine v. →Göchhausen, Hofrat Reiffenstein, Kammerherr Friedrich Hildebrand v. Einsiedel und Architekt Maximilian Verschaffelt. - Angelica porträtiert auch Herder (1789-91, GoeMFr; Studie 1789, Graphit auf beige-grauem Kreidegrund, Vorarlberger LM Bregenz) und Anna Amalia (1788/89; Original verschollen; 1928 Kopie v. J. Rolletschek im Römischen Haus Weimar), die dazu an Goethe nach Weimar schreibt: "Bey der Angelica habe ich schon zweymal geseßen... als ich das letztemal saß las Herder Ihre Gedichte uns vor; die gute Angelica wurde so begeistert, daß das Bild immer schöner wurde... " Allerdings scheint mit dem Gemälde nicht alles gestimmt zu haben, denn wenige Jahre später, am 18. 1. 1797, schreibt Goethe der Künstlerin: "Das vortreffliche Bildniß unserer Herzogin, hat sein äußeres Ansehen einigermaßen verändert, indem der Firnis entweder verflogen oder eingeschlagen ist, so daß die Lebhaftigkeit der Farben und ihre Harmonie nicht wie zuerst gesehen wird. Es ist nun zwar kein Zweifel daß ein neuer darüber zu ziehender Firnis das Bild in seinen vorigen Glanz wieder herstellen werde, allein ich bin äußerst sorgsam, man möchte einen falschen Firnis wählen und durch eine falsche Behandlungsart dem Bilde schaden. Wollten Sie daher die Güte haben mir anzuzeigen, welchen Firnis man zu wählen habe und was etwa bey dem Auftragen desselben zu bedenken sey." Im Nachbarhaus arbeitet ihr großer franz. Kollege Jacques-Louis David. Ob und wenn ja, wie beide Künstler miteinander verkehrten, ist nicht bekannt. Jedenfalls zeichnet sich Angelikas Spätwerk, bes. in den Historien, durch schärfere Zeichnung und klarere Farbgebung aus. 1791/92 beendet sie eines ihrer besten Selbstbildnisse, das dramatische großformatige Bild 'am Scheideweg zwischen Musik und Malerei' (Puschkin-Mus. Moskau; Replik 1794, Slg. Lord St. Oswald, Nostell Priory, Yorkshire/GB), wozu der dt. Schriftsteller, Dichter und Kunstkritiker Friedrich v. Matthisson in seinen 'Erinnerungen' notiert: "Angelika, in der ersten Jugendblüte, zwischen den Himmelstöchtern Tonkunst undMalerey, unschlüssig, wie Herkules am Scheidewege, welcher von beyden sie ausschließlich sich hingeben solle." (zit. n. AK A. K. 1998/99, S. 235). - In den folgenden Jahren malt sie zahlreiche Bildnisse v. mit ihr befreundeten Personen, so, Maria Anna Marquise de Santa Cruz, geb. Gfn. →Waldstein, als Lukrezia' (Kniesitzstück, Öl, 1791, NM Warschau) od. die v. Goethe angebetete "schöne Mailänderin", die Schauspielerin Maddalena Riggi, verh. Volpato dass., 1795, GoeMFr) sowie Porträts und Historien für internationale Auftraggeber. Dabei ist der Versand von Bildern ins Ausland nicht unproblematisch, denn in einem - 2002 v. Basler Erasmushaus für 5800 SFr angebotenen - Brief nach London vom 18. 11. 1795 befürchtet sie, dass zwei für England bestimmte Bilder in den Wirren der Revolutionskriege verloren gegangen sein könnten:, Mrs. Benton' (gemalt, à la turque', 1794, Privatbes. GB?) und, Lord Berwick' (i. e. Thomas Noel-Hill, 2nd Lord B.; 1793, Attingham Park, Shropshire/GB, National Trust). - 1797 stellt sie zum letztenmal in der Royal Academy aus; das Bildnis 'Drei Sängerinnen' (1796, Bündner KM Chur) gilt als bedeutendste Arbeit der letzten Jahre; 1798 beschickt sie zum einzigen Male die Berliner Akad. KA (Christus mit der Samariterin am Brunnen, 1796, NPMü); ein 1802 fertiggestelltes, an Barockmeistern wie Guido Reni angelehntes Altarbild 'Krönung Mariens durch die Heiligste Dreifaltigkeit' stiftet sie der kath. Pfarrkirche Schwarzenberg im Bregenzerwald, wo es sich noch heute befindet (Entwurf Feder in Hellbraun üb. Graphit, vor 1802, im Vorarlberger LM Bregenz). - Im Spätherbst 1800 hat sie die seit langem gewünschte Audienz bei Papst Pius VII. (Chiaramonti). - Im April 1805 lernt sie den 18jährigen bayer. Kurprinzen (Kronprinzen) Ludwig (König L. I.) während seiner ersten Romreise kennen. Nach einem Brustbild mit privatem Charakter (1807, München, Wittelsbacher Ausgleichsfonds) porträtiert sie ihn als repräsentative Ganzfigur in der Tracht eines Ritters des Hubertusordens (Öl, 1805-07, NPMü; Kopie v. Moritz Kellerhoven, Standort unbek.); vier Wochen vor ihrem Tod, im Okt. 1807, vollendet und nicht einmal mehr signiert, kann es als ihr letztes Werk gelten. - Sie selbst unternimmt eine letzte größere Reise nach Florenz, Bologna, Mailand, Como, Venedig, Padua und Perugia. Die gefeierte Künstlerin verkehrt und korrespondiert mit den polit. und geistigen Größen ihrer Zeit, erhält Aufträge aus kaiserlichen, königlichen zahllosen Fürsten- und Adelshäusern Europas; à la Kauffmann ist in Mode; sie wird, mit Arbeit jahrzehntelang überlastet, von vielen vergeblich als Lehrerin nachgefragt; ihre Bildung, ihr Charme, ihre glänzende Konversation, ihr rundum musisches Wesen werden v. aller Welt gerühmt. Aber Ende der 80er Jahre ist sie all dessen überdrüssig - dem sich selbst immer wieder auf höchstem Niveau beweisen und anderen als Paradebeispiel für das "unglaubliche'Talent" eines Weibes dienen zu müssen, der geflüsterten Vorhaltungen über ihre Leidenschaften und Liebschaften, dem an Hand ihrer vielen - z. T. als allegorische Freundschaftsporträts gedachten - Selbstbildnisse, v. denen mehr als 20 erhalten sind, gemachten Vorwurf der Selbstinszenierung. Schon Goethe wundert sich über die rastlos schaffende, suchende und dabei doch sehr wohlhabende, ja reiche Frau und stellt am 18. 8. 87 fest: "Sie ist nicht glücklich, ... Sie ist müde, auf den Kauf zu malen... Sie möchte nun, sich selbst zur Freude, mit mehr Muße, Sorgfalt und Studium arbeiten und könnte es... Sie hat ein unglaubliches und als Weib wirklich ungeheures Talent. Man muß sehen und schätzen, was sie macht, nicht das, was sie zurückläßt." Ausdruck ihrer selbst erkannten und bedauerten künstlerischen Stagnation, ihres Ausgebranntseins und ihrer Müdigkeit ist u. a. das späte Sb um 1800 (Privatslg.). - Die "Mus Angelica" (Johann Heinrich Voß), die "gar zarte, jungfräuliche Seele, wie eine Madonna oder wie ein Täubchen", deren "Schwester die Muse der Humanität ward." (Herder in 'Briefe zur Beförderung der Humanität'), "Musikerin, Malerin, bescheiden, liebenswert" (James Boswell), stirbt am 5. 11. 1807 in Rom. - Das v. Antonio Canova, Italiens berühmtesten Bildhauer und Kustos der Vatikan. Sammlungen, vom Pincio herab organisierte prachtvolle Leichenbegängnis ist Raffaels Bestattung nachempfunden. Beigesetzt wird die "Seelenmalerin" (Friedrich v. Matthisson, 1796), "die gute jungfräuliche Engelsseele" (Herder am 22. 5. 1789), die "schöne Seele" (Goethe; L. v. Göchhausen am 27. 12. 1788), "derRaphael unter den malenden Weibern" (röm. Zeitgenossen), wie von ihr gewünscht, in der Kirche S. Andrea delle Fratte. Im Pantheon, neben Raffaels Grab, wird 1809 ihre von ihrem Neffen Johann Peter Kauffmann, der ihr nach dem Tod ihres Mannes (1795) seit 1797 in Rom zur Hand gegangen war, in Marmor geschaffene Ehren-Büste aufgestellt (heute in der Promoteca Capitolina Rom). - Bereits 1810 veröffentlicht Giovanni Rossi die erste Biographie über A. K.; die dt. Übersetzung v. Alois Weinhart erscheint 1814 unter dem Titel, Leben der berühmen Malerin A. K.'. Die in ganz Europa gefeierte Künstlerin, "die zehnte Muse Roms" (Kardinal François Joachim de Pierre, Comte de Lyon und Kardinal de Bernis, franz. Gesandter beim Vatikan), "un raro prodigio di talento, e di saviezza" (röm. Zeitgenossen) wird selbstverständlich v. zahlreichen Kolleginnen und Kollegen porträtiert: So gibt es Zeichnungen, Gemälde, Plaketten und Büsten von N. Dance, B. West, Henry Edridge (Zeichnung, Kat. Bregenz), Landolin Ohmacht (Miniatur-Marmor-Oval, um 1790, REM Mannheim), P. Batoni, J. Reynolds, E. Vigée-L., Anton Graff (Hüftbild im Oval, Silberstift, GoeMDü), Friedrich August Tischbein (Wittumspalais Weimar), Emilia →Gore (mit einem Kind im Arm; Zeichnung, ebd.), Johann Friedrich Bause (Büste im Oval, Punktierstich n. Tobias Friedrich Möglichs 1790 in Rom entstandener Wachsplastik) und auch v. Unbek. (kleines Ölbild auf Messingblech, um 1775, Wien Mus.). Die Künstlerin ist zudem, wie oben gezeigt, eine der Personen in J. G. Schütz' Zeichnung 'Hzn. Anna Amalia mit Begleitung im Garten der Villa d'Este; dazu auch J. H. W. Tischbein:, Allegorie auf die Malerei/Idealporträt A. K. ' (1787, Zeppelin-Mus. Friedrichshafen). Ein hübscher Scherenschnitt der Stuttgarterin Christiane Luise →Duttenhofer zeigt sie vor der Staffelei sitzend (1804/05, SNMMar). - Am 31. 5. 1990 bietet Christie's in New York ein v. A. v. Maron gemaltes kleines Porträt Angelikas an (Schulterstück, Öl, ca. 1782). Gerade am Beispiel der neben ihrer Freundin und Rivalin Elisabeth Vigée-Lebrun meist gefeierten Malerin ihrer Zeit wird in der traditionellen männl. Literatur oft der Versuch deutlich, so auch z. T. verborgen in Goethezitaten, ihre künstlerische Bedeutung anhand des eben bloß Weiblichen herunter zu spielen: "Dennoch ist sie zu sehr Weib und, ohne es zu ahnen, zu sehr Kind des 18. Jahrhunderts, um nicht das Gefällige zu lieben." Auch Goethes Freund Heinrich Meyer (,Kunst-Meyer') kritisiert: "Ihre Gestalten und Züge der Figuren haben wenig Abwechslung, der Ausdruck der Leidenschaft keine Kraft, die Helden sehen wie zarte Knaben oder verkleidete Mädchen aus." (zit. n. Landsberger: Kunst d. Goethezeit, S. 58). Und als ob es dies bei ihren männl. Kollegen nicht gäbe, wird mit Blick auf ihre zahlreichen Selbstbildnisse formuliert: "Auch ist ihre angeborene naive Fraueneitelkeit kaum geringer als die einer Vigée-Lebrun: nur verhüllt Angelika sie in dem Gewand, das sie der Antike entborgt." (H. Hildebrandt: Die Frau als Künstlerin, Berlin 1928). Der große Erfolg ruft auch Kritik und Neider auf den Plan: Gelten ihre Frauengestalten oft als in sich gekehrt, still, edel-schön, ergeben, duldend, wartend und unerotisch, also als Attitüden der frühromantischen Malerei (Iphigenie, Ariadne, Penelope, Calypso usw.), so werden die Männer in ihren Historienbildern oft als zu weich,, weiblich', nicht, heldisch', ja "züchtig und blöd" bezeichnet. Ein Vorwurf, dem Angelika mit dem Hinweis auf die eher 'androgynen' Vorbilder in der griech. Plastik begegnet - ein damals kunsthistorisch neuer Aspekt. - 1815 beschließt Brockhaus' Conversations-Lex. ' (Bd. 5, S. 317f) seinen Artikel über die "berühmteMalerin"mit folgenden Worten: "... ihreArbeiten werden vorzüglich wegen der Grazie geschätzt, welche darin herrscht, wenn auch dem wahren Kenner sowol die Incorrectheit ihres Styls, als auch das Einerlei ihres Plans und der Ausführung desselben nicht entgehen kann. Daher dürfte sie recht eigentlich eine Künstlerin für Dilettanten sein." → Noch 1927 relativiert TB ihre Bedeutung und ihren Erfolg mit dem Hinweis auf "außerkünstler." Eigenschaften wie Frühreife, Weiblichkeit, Liebenswürdigkeit und "allgemeiner Geistigkeit ihres Wesens, das sie einer großen Zahl bedeutender Persönlichkeiten lieb und wert machte." - Einzig der dt. Schriftsteller und Lustspieldichter und russ. Staatsrat August v. Kotzebue stimmt trotz manch positiver Beurteilung bes. ihrer späteren Gemälde nicht in die allgemeine Lobpreisung ein: Für ihn sei sie zwar eine freundliche, angenehme alte Frau, aber von Genialität hafte ihr nicht viel an; sie sei "mit Recht bekannt, aber mit einigem Unrecht berühmt." (A. v. K.: Erinnerungen v. einer Reise aus Livland nach Neapel und Rom, Berlin 1805, Bd. 2, S. 400ff). Von ihren - nach jüngsten Forschungen (B. Baumgärtel) - ca. 1500 Werken, darunter nach einigen Abschreibungen bzw. Umwidmungen (z. B. heißt das noch 1982 im Gemäldekat. des GoeMFr als vor 1781 entstanden aufgeführte, Sb in griechischem Kostüm' im Kat. der großen Retrospektive v. 1998/99, Bildnis einer jungen Frau' und wird mit um 1802 angesetzt.), mehr als 20 Selbstporträts, finden sich Beispiele in allen großen Museen, Galerien und Privatslgn. Europas, aber auch in den USA (Boston, Chicago, New York, Washington/D. C., usw.). Nicht unerwähnt bleiben soll, dass ihre Bilder mehr als 600 x gestochen u. v. Nachfolgern kopiert wurden und darüber hinaus auch als Vorlagen für Dekorationen v. Gebrauchsgegenständen dienten: Fächer, Möbel, Blumenvasen, Tabakdosen, Kaffee- und Schokoladentassen, Bildteller (z. B. 'Kronprinz Ludwig v. Bayern', Residenz München;, Die verlassene Ariadne' n. dem Stich v. 1778, Wien um 1823, Hetjens-Mus. /Dt. Keramik-Mus. Düsseldorf), Porzellanfiguren (s. Kat. -Bd. 2 der Retrospektive Düsseldorf-München-Chur 1998/99). Größere Werkbestände haben: die NPMü (Madonna mit Kind, Ganzfiguren, Öl, 1774; Replik SG Schloss Aschaffenburg; Nachstiche in Mezzotinto v. Valentine Green, 1774, u. n. diesem Charles William White, 1780; Sb mit Zeichenstift und -mappe, Brustbild, Öl, 1784, danach Kupferstich v. Bartholomäus Ignaz Weiß, 1800, Staatl. Graph. Slg. München; Christus und die Samariterin am Brunnen, Dreiviertelfiguren, Öl, 1795, dat. 1796; eigenhändige Replik 1796, Schloss Sanssouci, Stahlstich v. C. Merkel und Litho v. Ferdinand Piloty d. Ä.; Ludwig I. v. B. als Kronprinz, s. o.; Die Entwaffnung Amors durch die Grazien, Öl auf Kupfer in Queroval, zeitgenöss. Kopie); das Vorarlberger LM Bregenz (Porträts und Ölstudien, s. o.; Historien- und religiöse Bilder, darunter 'Alexander überlässt Apelles seine Geliebte Kampaspe', Tondo, Öl auf Kupfer, 1783; 'Tod der Alkestis', 1790; und 'Amor und Psyche, 1792, aus dem 4er Zyklus 'Leben des Gottes Amor';, Die tanzenden Grazien'; Illustrationen; schriftliche Zeugnisse); das Bündner KM Chur (Sb mit Büste der Minerva, c. 1780; Die Geschwister Plymouth als Amor und Psyche, Kinderbild, 1795; Porträts, davon eines ihrer Malerkollegin E. Vigée-Lebrun, Historien- und religiöse Bilder); das TLMFInn (Sb in Bregenzwälder Tracht, 1781; Pallas von Turnus getötet, 1786, Ölstudie zum seit dem Zweiten Weltkrieg verlorenen Gemälde aus dem KHM Wien; Hermann v. Thusnelda gekrönt, Ölstudie, 1786); die ÖGWien (Lord John Simpson, Kniestück/Sitzbild, Öl, 1773; Miranda und Ferdinand: Die erste Begegnung der Liebenden auf der Insel, n. Shakespeares, Der Sturm', Ganzfiguren im Queroval, Öl, 1782; Bildnis der Gfn. Meerfeld, Hüftstück im Oval, dass., um 1790); an Zeichnungen und Grafiken u. a. das Kupferstichkab. Berlin (z. B., La Penserosa', 1779; Sb vor der Staffelei, 1797; Brustbild einer Frau mit Schleier, Kreide auf Papier; Frauenbildnis, farbige Kreiden) sowie die Stiftung Archiv der Akademie d. Künste Berlin (u. a., Die Entführung des Ganymed', Zeichnung). Weltweit verstreut in vielen Kupferstichkabinetten, Graph. Slgn. und Privatslgn. sind ihre Zeichnungen in Blei, Graphit, Kreide, Rötel, Feder, Wasserfarben, Gouache, Sepia usw. sowie die n. ihren Werken gestochenen Blätter. Weitere Werke in Auswahl: Sb in Bregenzwälder Tracht mit Pinsel und Palette (um 1757-59, Uffizien Florenz); Sb in Graubündner Tracht (1773, Privatslg.) Sb mit Stift und Zeichenmappe (um 1770/75, NPorG London); Sb mit Pinsel und Palette (1780, Slg. Dr. Schminck Frankfurt/M.); Sb als Zeichnung, inspiriert von der Muse der Poesie (1782; Iveagh Bequest, Kenwood House b. London);); Sb mit Stift und Zeichenmappe vor einer Landschaft (1787, Uffizien Florenz); Sb (GoeMFr); Sb (1795, Mf BildKünste Budapest); Sb (um 1802, Oval Ton-in-Ton, Privatslg. Vorarlberg); Büste eines Mädchens mit Rose im Haar (Radierung, 1768, NM Wash. /D. C.); Augusta Hzn. v. Braunschweig, geb. Prinzessin v. GB (Schwester Kg. Georgs III. v. GB; 1767, Buckingham Palace London; Kopie im HAUMBr); Büste eines Mädchens mit Ohrring (Radierung, 1770, NMWA Wash.); Hebe tränkt den Adler des Zeus (Öl, ca. 1770 od. um 1800?, Rosgarten-Mus. Konstanz, Leihgabe v. Privat); Klio, die Muse der Geschichtsschreibung (Halbfigur vor Architektur, Öl, ca. 1770, Städt. Kunstslgn. Augsburg); Maria mit dem Kind (Öl, 1774, Schloss Aschaffenburg, Leihgabe Bayer. Staatsgemäldeslgn. München); Streit zwischen Hektor und Paris (1775, Eremitage St. Petersburg); Zeuxis komponiert das Bild der Helena (ca. 1778, Brown Univ. Library Providence/USA); Die Zeichnung (Grisaille, 1779, V & A-Mus. London); Lady Elizabeth Foster, Hzn. v. Devonshire (Ickworth/GB); Abra/Schäferin, Blumen windend (Öl auf Kupfer, Hochoval, c. 1780, SG Stuttgart; n. William Collins' 3. Persischer Elegie v. 1742); Cephisa beschneidet die Flügel Cupidos (1782, GG Berlin); Miranda und Ferdinand (n. Shakespeares 'Sturm', 1782, ÖGWien); Szene zu Shakespeares 'König Johann' (Zeichnung, Wittumspalais Weimar); Dame als Vestalin (Sb?; 1782, GGAMDr); Die verlassene Ariadne (1782, ebd.; Erminia (1783, SHLM Schloss GottorfSchleswig; Variante ehemals Slg. Sir Ralph Coote/Irland; kleine Version auf Kupfer 1987 im Zürcher Kunsthandel; Zeichnung in Feder und Pinsel in Grau mit radierter Bordüre, 1783, Privatslg. München; Julia Gfn. Reventlow, geb. Gfn. v. Schimmelmann (fast Ganzfigur, 1784, ehemals Reventlowsche Slg. auf Schloss Emkendorf; während des Zweiten Weltkriegs nach Österr. ausgelagert und seitdem verschollen, evtl. in Wien; mehrere Repliken sowie zeitgenöss. und moderne Kopien in dt., dän. und franz. Besitz, darunter in der KH Kiel, in Stiftung Schloss Ahrensburg und bei den Reventlows); Vergil, in Brindisi seinen eigenen Nachruf schreibend (1785); Bildnis einer jungen Dame (Hzn. v. Kurland?, 1785, LACM; ein Porträt der Hzn. Dorothea v. Kurland befand sich im Mus. Mitau/Kurland: "vortrefflich gemalt, aber wenig getroffen", zit. n. Clemen, S. 248); Bildnis Josef Johann Gf. Fries (Öl, 1787, Wien Mus.); Vergil liest Augustus aus der 'Aeneis' vor (1788, Eremitage St. Petersburg); Venus überredet Helena, Paris zu erhören (1790, ebd.); Bildnis einer jungen Dame (fast ganzfiguriges Sitzbild, 1790/1800, GoeMFr), Mrs. Volpato und Mrs. Morghan als Musen (1791, NM Warschau); Bildnis Fortunata Sulgher Fantastici als Stegreifvirtuosin (eine ihrer engsten Freundinnen; 1792, Palazzo Pitti Florenz); Sophie Charlotte Eleonore Gfn. zu Stolberg-Stolberg auf Capri (Brustbild, 1792, Privatslg. Schweiz; Dreiviertelbild in schwarzer Kreide, Vorarlberger LM Bregenz; d. originale Ölgemälde v. 1792 ist seit 1932 aus dem Stolbergschen Schloss Brauna in Sachsen verschollen; eine Kopie Maria → Albertis, vor 1812, befindet sich im Kloster der Barmherzigen Schwestern zu Münster); Amor und Psyche (1792, KH Zürich; das seit 1796 im Luisium Dessau hängende Bild wird von den Zeitgenossen überaus gelobt, so von F. Matthisson 1795, am 18. 1. 1797 in einem Brief Goethes an die Malerin, am 20. 11. 1800 v. Friederike Brun, v. Johann Heinrich Füssli 1806); Junge Frau vor dem Spiegel (eine Fürstin Esterházy?; Kniestück, Öl, sign. 1795, Mus. d. Bild. Künste Budapest); Wilhelmine Enke, Gfn. Lichtenau (Öl, 1796, Staatl. Gal. Moritzburg/Halle); Luise Gfn. v. Anhalt-Dessau (dass., 1796, ebd.); Bildnis eines jungen Mannes (MdbKLei); Familienbildnis (Kunstslgn. Weimar); Johann Isaak v. Gerning (Frankfurter Kunstsammler und Mäzen; Brustbild im Oval, Öl, 1798, Mus. Wiesbaden); Mädchenbildnis (Brustbild, Pastell, Kurpfälz. Mus. Heidelberg); Mädchen mit Weinlaubkranz und Tamburin (1801, Galleria Nazionale d'Arte Antica, Rom). Im Mai 2002 findet die, Ährenleserin mit jungem Mann' (Öl auf Kupfer, Queroval) im Auktionshaus Widmer St. Gallen für 46000 SFr einen Käufer; ebenfalls 02 werden bei Van Ham Köln bzw. Hampel in München zwei kleine Ölbilder, Diana und Kallisto' (evtl. Nachfolge K., um 1800?) für 4335 Euro bzw. 1800 Euro verkauft; im gleichen Jahr bietet das Weimarer Kunsthaus ein kleines Ölbild, Nachdenkliche (gebildete) elegante Dame' (ca. 1800) für 1800 Euro an; eine, Trennung/Abschied Abälards von Heloise' (Tondo auf rechteckigem Malgrund, Öl; eine von vier Arbeiten zu diesem Thema) wird ebd. im gleichen Jahr für 6500 Euro verkauft. Am 24. 10. 2003 erzielt das, Porträt Lady Louisa MacDonald (Öl, 1767) bei Ketterer in Hamburg einen Preis v. 63250 Euro; am 7. 7. 2004 offeriert Bonhams (London) das Ölbildnis, George Broderick, 4th Viscount Middleton, zum Schätzpreis von 30-50000 Euro, am 29. 9. 2004 das Wiener Dorotheum ein meisterhaft psychologisierendes Bildnis der Mary Nollekens, der Ehefrau des Londoner Bildhauers und Akademiemitglieds Joseph N. zum Schätzpreis v. 90-120.000 Euro an (Sitz-Kniestück, Öl), dazu das Historienbild, Kephalos und Prokris mit Amor' (Ganzfiguren in Ideallandschaft, Öl) zum Schätzpreis v. 70-90000 Euro. - Stiche (Aqua- und Mezzotinten) und Radierungen n. ihren Werken bringen (ab 2000) - je nach Motiv und Qualität - zwischen 400 und 2000 Euro:, Des Königs Spruch' (Ganzfigur, Feder und braune Tinte, Ende 18. Jh.; Kunsthaus B. Wilnitzky Wien, 1100 Euro);, Das Mädchen mit dem Buch' (Aquatinta in Rotbraun, 1770; Kunsthaus Dr. M. Nass, Berlin; 2000 Euro);, Juno mit dem Pfau' (Kniestück, Aquatinta in Rotbraun, 1780, 800 Euro; Jupiter', 850 Euro; dazu vier weitere Bll., alle im Frühjahr 2004 bei Bassenge/Berlin). - Allein 1990 bis Sept. 2004 sind im dt. und internat. Kunsthandel zwei Miniaturen, 27 Zeichnungen/Aquarelle und 128 Ölgemälde angeboten, davon einige mehrmals. Im übrigen ist sie auf verschiedenen Briefmarken zu sehen: Sb im Kostüm einer Vestalin, n. dem Gemälde in der GGAMDr (5 Pf. DDR, Ausgabe v. 29. 6. 1959); Die Verlassene Ariadne, ebd. (25 Pf. DDR, 14. 12. 1976); Sb in Bregenzwäldertracht, n. dem Gemälde in den Uffizien Florenz (2 S. Österr., 15. 7. 1968 anlässlich der großen Ausst. in Bregenz); Sb mit Büste der Minerva n. dem Gemälde im Bündner KM Chur (80 Rp. Liechtenstein, 6. 12. 1982); stilisiertes Sb (50 C. Schweiz, 5. 9. 1990). Das 1913 bzw 1928 eingerichtete Mus. zu Schwarzenberg trägt ihren Namen, ebenso der für, Schubertiaden' genutzte neue Konzertsaal.

 

Bibliografie

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