Herrera (H. Nieto), Carmen, kubanisch-US-amer. Malerin, Zeichnerin, Grafikerin, *31.5.1915 Havanna, †12.2.2022 New York. H.s Eltern sind Journalisten, der Vater Mitbegr. und erster Hrsg. der Tageszeitung El Mundo in Havanna.
Herrera, Carmen (1915)
1930/31 für ein Schuljahr in Paris ansässig, belegt Kunstkurse am Marymount College ebd. Stud.: 1937-39 Archit. an der Univ. in Havanna. (politische Unruhen führen zum Studienabbruch). 1939 Heirat mit dem deutschstämmigen US-amer. Lehrer Jesse Loewenthal, das Paar zieht nach New York. Stud. ebd.: 1943-47 bei Jon Corbino an der Art Students League. Zum dortigen Freundeskreis gehört neben Barnett Newman auch Wifredo Lam. H. lebt 1948-53 zus. mit ihrem Ehemann in Paris (14, rue Campagne Première, Montparnasse) im selben Haus wie Yves Klein. 1954 Rückkehr nach New York. 1963 letzter Besuch auf Kuba. 1965 Beginn der Freundschaft mit Leon Polk Smith und 1972 Bekanntschaft mit dem puertorikanischen Künstler Tony Bechara, der ihr Mentor wird. 1966 und 1968 Stip. der Cintas Found., New York. Ausz.: 1977 Creative Artists Public Service Award (CAPS); 2010 Cintas Found. Lifetime Achievement Award in the Visual Arts, beide ebd. - H.s Frühwerk zeigt ab E. der 40er Jahre kleinformatige, der biomorphen Abstraktion verpflichtete Malerei. Während ihrer Zeit in Paris ab 1948 zunächst noch von Tendenzen der lyrischen und der gestischen Abstraktion der Éc. de Paris beeinflusst, findet sie M. der 50er Jahre zu stringenter formaler Haltung. Von 1954 an wieder in New York, entsteht nun ein konkretes Werk, das konsequent der ungegenständlichen Kunst gewidmet ist. H. konzentriert sich auf mathematisch-geometrische Grundlagen, bevorzugt die gerade Linie. Daneben sind auch Farbe (seit den 50er Jahren zumeist auf zwei Farben beschränkt, z.B. Equation, 1958) und Oberfläche die formalen Elemente, deren Autonomie eine eigenständige ästhetische Wirklichkeit begründet. Das Wechselspiel zw. Harmonie und Spannung gegensätzlicher Farbflächen verleihen der Oberfläche Lebendigkeit. Mit reduzierten Mitteln werden negativ-positive Formen und optischer Rhythmus von großer Komplexität erzielt. H.s Arbeit der 1960er Jahre weist Parallelen zu Entwicklungen der New Yorker Konkretion im Bereich der Minimal art und des Hard-edge auf.
Einzelausstellungen:
1950 Havanna, Lyceum (Debüt) / 1955 Toronto, Eglington Gall. / New York: 1956 Gal. Sudamericana; 1963 Trabia Gall.; 1965 Cisneros Gall.; 1980 Inst. of Internat. Education; 1984 The Alternative Mus. (K); 1987, '88 Rastovski Gall.; 1998 El Mus. del Barrio (K: A.Anreus u.a.); 2005, '07 Latin Collector / 2005 Miami, Miami Art Central (K) / 2009 Birmingham, Ikon Gall. (K) / 2010 Kaiserslautern, Mus. Pfalz-Gal. (K: C.Juliá/J.Ledezma u.a.) / 2017-18 Düsseldorf, KS NRW, K20 (Retr., K, vorher: 2016 New York, Whitney). -
Gruppenausstellungen:
Paris: 1949-52 MAMVP: Salon des Réalités Nouvelles; 1951 MNAM: Art Cubain Contemp. / 1988 Bronx (N.Y.), Bronx Mus. of the Arts: El Espiritu Latinoamericano: Arte y Artistas en los Estados Unidos (Wander-Ausst.; K) / 2007 New York, MoMA: New Perspectives in Latin American Art 1930-2006 (K) / 2016-17 München, Haus der Kunst: Postwar - Kunst zw. Pazifik und Atlantik 1945-1965 (K).
Weitere Lexika:
EAAm II, 1969; Heller, 1995; Shipp, 2003; WWAA, 2003/04
Gedruckte Nachweise:
I.Fuentes-Pérez u.a. (Ed.), Outside Cuba/Fuera de Cuba (K), Brunswick, N.J. 1988; J.Veigas u.a., Memoria. Cuban art of the 20th c., L.A. 2002