Kruger, Barbara, US-amer. Konzeptkünstlerin, Designerin, Performancekünstlerin, Filmemacherin, Dozentin und Autorin, *26.1.1945 Newark/N.J., lebt in New York und Los Angeles.
Kruger, Barbara
Ab 1964 Stud. an der Syracuse Univ., New York. Prägende Prof. sind Diane Arbus und Marvin Israel. Letzterer vermittelt K. erste Kontakte zu Bildredaktion von Zeitschriften. Ab 1966 Stud. an der Parsons School of Design, New York, und 1968/69 an der School of Visual Arts, New York. Ab 1966 arbeitet sie parallel zum Stud. als Bildredakteurin und danach auch als Leiterin der Bildredaktion für die Zs. Mademoiselle, Condé Nast Verlag. Später wechselt K. in and. Redaktionen. Schon zu dieser Zeit (um 1969) tritt sie als bildende Künstlerin in Erscheinung und beschäftigt sich zunächst mit gehäkelten, genähten und bemalten Objekten. Die Kuratorin Marcia Tucker zeigt diese 1973 auf der Whitney Biennale. Neben diesen ersten musealen Ausstellungsbeteiligungen nimmt K. an Künstlertreffen teil, bei denen ein radikaler kult. und ges. Wandel gefordert wird. In diesem Kontext führt K. politisch motivierte Performances durch und organisiert selbst einige Ausst. mit den Werken and. aktivistischer Künstlerinnen und Künstler. Die Fotogr. bekommt ab 1978 einen größeren Stellenwert in ihrem Schaffen, als sie ihre Architekturaufnahmen in ihrem ersten Künstlerbuch u.d.T. Picture/Readings veröffentlicht. Ihre Technik der Überlagerung vorgefundener Fotogr. mit aggressiven Textzeilen wird schnell zu ihrem Markenzeichen. In den folgenden Jahren entwickelt sie ihre Fotomontagetechnik soweit, dass Bild und Text den Betrachter direkt ansprechen. Sie verwendet wiedererkennbare Slogans wie z.B. "Your body is a battleground" oder "Your comfort is my silence" (1981). K.s politische und sozialkritische Arbeit wird 1982 durch die Teiln. an der documenta 7 und der Bienn. von Venedig einem breiten Publikum bek. und ihre künstlerische Strategie setzt sich internat. durch. Ihre Texte setzt K. häufig in einer weißen Futura-Schrift auf rotem Untergrund und kopiert diese in vorgefundene Bilder. Das Werk untitled (I shop therefore I am) aus dem Jahr 1987 zeigt eine Hand, die dem Betrachter einen Textblock mit dem Slogan "I shop therefore I am" entgegenstreckt. K. entlarvt durch ihre Übernahme der Ästhetik von Werbebotschaften den identitätsstiftenden Moment der Ware. Die Wiss. sieht K. zus. mit Jenny Holzer und Cindy Sherman auch als Wegbereiterin der feministischen Kunst. Im Allg. handeln ihre Arbeiten von Macht, Gewalt und Sexualität. K. untersucht die Frage, wie diese Themen in unserer Ges. durch massenmediale Bilder und Sprache hervorgebracht und beeinflusst werden. In ihrer Montage untitled (Your Body is a Battleground) aus dem Jahr 1989 spitzt K. beispielsweise die Machtfrage auf feministische bzw. Gender Themen zu. Das abgebildete Gesicht einer Frau ist symmetrisch in der M. geteilt und durch den darüber gelegten Text als Schlachtfeld bezeichnet. K. verweist damit auf den Schönheitswahn einer noch immer patriarchalischen Gesellschaft. Bereits 1985 tritt sie als Hrsg. von TV Guides, einer Slg von kritischen Essays zur amer. Kultur und dem Einfluss des Fernsehens, in Erscheinung. Die Kritik an den Massenmedien bestimmt seither ihre Arbeit. Die Kunstkritik ordnet sie zus. mit Julian Schnabel, Eric Fischl u.a. in die Kategorie der postmodernen Künstler ein. Tatsächlich haben ihre Werke trotz vieler Unterschiede einige visuelle Gemeinsamkeiten. So z.B. die Strategie, durch offensichtlich irrationale Gegenüberstellung von miteinander nicht in Beziehung stehenden Bildern oder durch offensichtlich inkompatible Stile und Techniken wirkmächtige Kunstwerke zu schaffen. Die Bilder, die jene Künstler als Grundlage benutzen, sind bereits in and. Medien umgesetzt und auf ihren Erfolg hin getestet worden. Durch die Übertragung solcher Bilder aus der Populärkultur entblößen K.s Arbeiten den Betrachter als von kapitalistischen Marktstrategien infiltriert. Seit M. der 1990er Jahre arbeitet K. verstärkt an der großformatigen Übertragung ihrer Fototechnik auf den Stadtraum, an Video- und Audioinstallationen sowie an Filmen. Während die ersten Filme noch kurze Einspieler für den Sender MTV (Silence the Violence, 1993) waren, sind ihre jüngeren Arbeiten als vielteilige Videoinstallationen angelegt. Der erste große Film dieser Art war Pleasure, Pain, Desire, Disgust, den K. 1997 in den Deitch Projects in New York zeigte. Anlässlich ihrer ersten Retr. im MCA, Los Angeles, 1999 schafft K. 15 Plakate, die sie auf Werbeflächen in der ganzen Stadt anbringen lässt. 2005 verkleidet K. die gesamte Fassade des internat. Pavillons auf der 51. Bienn. von Venedig mit einem digitalen Vinyldruck. Auf den Säulen ist "money" und "power" zu lesen, während die Wände mit den Worten "Pretend things are going as planned" und "God is on my side; he told me so" versehen sind. Im selben Jahr wird K. dort der Goldene Löwe für ihr Lebenswerk verliehen. K. unterrichtet zudem an den verschiedensten Univ. und Kulturinstitutionen (u.a. Independent Study Program, Whitney Mus.; California Inst. of the Arts, Valencia; Univ. of California, Berkeley), aktuell an der Univ. of California in Los Angeles. Auch schreibt sie im Laufe ihrer Karriere immer wieder Aufsätze, Essays und Artikel über Fernsehen, Kunst und Kultur für The New York Times, Artforum, Esquire und The Village Voice. 2019 erhält sie den Kaiserrring der Stadt Goslar.
Einzelausstellungen:
London: 2009-10 Gal. Sprüth Magers; 2024 Serpentine Gall. / 2010-11 Frankfurt am Main, Schirn / 2013-14 Bregenz, Kunsthaus (K) / 2020 Chicago, Art Inst. / 2022 Los Angeles, LACMA (Retr.); Berlin, Neue NG / 2022-24 Boston, Inst. of Contemp. Art. -
Gruppenausstellungen:
2004 Bozen, Museion-MMK: Flirts - Kunst und Werbung (K) / 2010-11 Hamburg, KV: Freedom of speech / 2021-22 Wien, Albertina: The 80s. Die Kunst der 80er Jahre (K). / 2024 Antwerpen, Mus. für Fotogr. (FOMU): RE/SISTERS - A Lens on Gender an Ecology (K) / 2025 Neuss, Langen Found.: Slg Ringier (K).
Weitere Lexika:
Dunford, 1990; WWAA, 1991/92; WWAA, 1993/94; DA XVIII, 1996; D.Gaze (Ed.), Dict. of women artists, II, Lo./Chicago 1997; I.F. Walther, Künstler-Lex., in: Kunst des 20. Jh., II, Köln u.a. 1998; R.Kostelanetz, A dict. of the Avant-Gardes, N. Y. 22000; Dict. mondial de la photogr., P. 2001; R.Mißelbeck (Ed.), Prestel-Lex. der Fotografen, M. u.a. 2002; S.Baskind, Enc. of Jewish Amer. artists, Westport, Conn./Lo. 2007
Gedruckte Nachweise:
L'art amér. dans les coll. publiques franç. de prov. 1960-1992 (K), Toulon 1994; N.Rosenblum, A hist. of women photographers, P. u.a. 1994; The Dakis Joannou Coll. (K Wander-Ausst.), Ostfildern 1996; The view from Denver. Amer. Gegenwartskunst aus dem Denver AM (K MMK Stiftung Ludwig), W. 1997; T.Mulligan/D.Wooters (Ed.), Gesch. der Photogr. 1839 bis heute, George Eastman House Rochester, NY, Köln u. a. 2000; Hypermental. Wahnhafte Wirklichkeit 1950-2000 von Salvador Dalí bis Jeff Koons (K Zürich/Hamburg), Ostfildern-Ruit 2000; FRAC de Bourgogne 1984-2000, [Dijon] 2000; B.Riemschneider/U.Grosenick (Ed.), Art at the turn of the millennium, Köln u.a. 1999; Frankfurter Allg. Ztg v. 28.5.2005 (Ehrenlöwe der Bienn. Venedig); U.Grosenick (Ed.), Women artists, Köln u.a. 2001; Q.Bajac/C.Cheroux (Ed.), Coll. photographs (K MNAM Paris), Göttingen 2007; elles@centrepompidou. Artistes femmes dans la coll. du MNAM, Centre de création industrielle (K), P. 2009; C.Huther, Kunstforum internat. 207:2011(April)332 s.; R.Windt, Kunstforum internat. 279:2022(Jan.-Febr.)134-147; U.M. Reindl, ibid. 299-301; J.Restorff, ibid. 304:2025(Juli/Aug.)218-220.
Onlinequellen:
Dict. universel des Créatrices, 2023; David Zwirner