Frei zugänglich

Carpaccio, Vittore

Geboren
Venedig, (um) 1465
Gestorben
Venedig, 1525.10/1526.06
Land
Italien
Geschlecht
männlich
GND-ID
Weitere Namen
Carpaccio, Vittore; Carpatio, Vittore; Carpathio, Vittore; Carpazio, Vittore; Scarpaza, Vittore; Scarpazza, Vittore; Scharpaza, Vittore; Scarpazo, Vittore; Scarpatio, Vittore; Scarpatia, Vittore; Carpatio, Victor; Carpathio, Victor; Carpacio, Victor; Carpativs, Victor; Carpathivs, Victor; Carpathius, Vittore
Berufe
Maler*in; Zeichner*in
Wirkungsorte
Venedig
Zur Karte
Von
Gentili, Augusto
Zuletzt geändert
15.04.2019
Veröffentlicht in
AKL XVI, 1997, 528; ThB VI, 1912, 35 ss

VITAZEILE

Carpaccio (Carpacio; Carpat[h]io; Carpat[h]ivs; Carpazio; Scarpatio; Scarpaz[z]a; Scarpazo; Scharpaza), Vittore (Victor), ital. Maler, Zeichner, *um 1465 Venedig, †zw. Okt.1525 und Juni 1526 (lt. Dok.) ebd.

LEBEN UND WIRKEN

Sohn des Kürschners Pietro aus einer lange zuvor von der Insel Mazzorbo nach Venedig gekommenen Fam. Scarpaza (oder Scarpazo), wohnhaft in der Pfarrei Angelo Raffaele. Vater von Pietro und Benedetto C. Erstmals 1472 im Test. seines Onkels Zuane Scarpazza, Mönch im Kloster S. Orsola in Padua, dann 1486 in einem Dok. über Mietzahlungen seines Vaters gen. (zu den Fam.-Dok. cf. Ludwig/Molmenti, 1906). Der Christus Salvator (Riverdale) gilt als frühestes erh. Werk C.s, da es als einziges mit der venez. Namensform Vetor Scarpazo sign. ist und am stärksten unter dem Einfluß des Antonello da Messina und Giovanni Bellini steht. Die anzunehmende Dat. dieses Gem. (1485/90) und die gesicherte Dat. 1490 der Ankunft der hl. Ursula in Köln, frühestes Gem. aus dem Zyklus der Hl., lassen C.s Geburt um 1465 vermuten. Seit diesem Werk sign. C. seine Gem. mit der lat. Namensform Victor Carpativs (später Carpathivs). Um 1494-95 ist die Heilung des Besessenen aus dem unter der Ltg von Gentile Bellini entstandenen Zyklus für die Scuola di S. Giovanni Evangelista zu datieren (weitere Szenen des Zyklus von Gentile Bellini, Lazzaro Bastiani, Giovanni Mansueti und Benedetto Diana). 1497-1500 wird der Ursula-Zyklus mit den drei Gem. der Gesandten voll. 1501/02 mehrere Zahlungen für ein Gem. in der Sala dei Pregadi im Pal. Ducale, Venedig (Lorenzi, 1868, Dok. 256 s.; Ludwig/Molmenti, 1906, Dok. 6 s.). 1501/03 sind die Hw. des Zyklus für die Scuola degli Schiavoni zu datieren: 1501/02 die beiden Gem. der Georgslegende, 1502 die beiden Szenen mit dem Hl. Hieronymus, 1503 der Hl. Augustinus (zur Rekonstr. des Zyklus cf. Gentili, 1996). Mit der Verkündigung Mariä von 1504 (Cà d'Oro; bez. mit dem Namenszug des Gastaldo Zuan de Nicolò zimador) beginnt der Zyklus des Marienlebens für die Scuola degli Albanesi, der nach Entwürfen C.s von einem unbek. Mitarb. ausgef. wurde. Im gleichen Jahr nimmt C. viell. am Wettb. um ein Gem. für die Scuola della Carità teil (gewonnen von Pasqualino Veneto), falls die Zchng des Tempelganges Mariä in den Uffizien damit in Verbindung zu bringen ist. 1507 zus. mit Vittore di Matteo und einem nicht näher bek. Gerolamo berufen, um den (nicht erh.) Zyklus der Szenen aus dem Leben von Papst Alexander III. und Kaiser Friedrich Barbarossa in der Sala del Maggior Consiglio des Pal. Ducale unter der Ltg von Giovanni Bellini auszuführen (Lorenzi, 1868, Dok. 296; Fortini Brown, 1988, Dok. 12). Er malt allein oder teilw. die durch mehrere Zchngn dok. Meßfeier in S. Marco und die Übergabe des Schirmes an den Dogen in Ancona (Sansovino, 1581; Fortini Brown, 1988, Dok. 18 s.).1508 Teiln. am Wettb. um die Standarte der Scuola della Carità, gewonnen von Benedetto Diana (Ludwig/Molmenti, 1906, Dok. 8). Im Dez. 1508 zus. mit Lazzaro Bastiani und Vittore di Matteo von Giovanni Bellini in die Komm. berufen, die die Fresken des Giorgione im Fondaco dei Tedeschi begutachten sollte. Sign. und 1511 dat. ist die Weihe des hl.Stephanus (Berlin), erstes Gem. des Zyklus für die Scuola di S. Stefano. Am 15.8.1511 rühmt C. sich in einem Schreiben an Marchese Francesco Gonzaga in Mantua als "pittore di stato" und bietet ihm eine große Ansicht von Jerusalem an (Fortini Brown, 1988, Dok. 13). Wahrsch. 1511/12 wird der Zyklus der Scuola degli Schiavoni mit der Taufe der Einwohner von Silena durch den hl. Georg (eigenhändig) und der Tryphon von Phrygien befreit die Tochter des Kaisers Gordian von einem Drachen (weitgehend Wkst.-Arbeit) abgeschlossen. Für mehrere Jahre fehlen außer Sign. und Dat. Nachr. von C. 1522-23 ist er fast ausschl. im Dienst des Patriarchen Antonio Contarini tätig mit nicht bek. Malereien im Bischofs-Pal. von S. Pietro di Castello, Venedig, dem von Vasari erw. Altar-Gem. Der auferstandene Christus erscheint den Marien für die Grab-Kap. in S. Antonio di Castello sowie einer Geburt Christi (alle verloren; cf. Gentili, 1996, Anm. 51 und 54). 1523 ist die Darst. Jesu im Tempel auf einem der beiden erh. Orgelflügel des Domes von Koper (Capodistria) sign. und dat. - C.s Ausb. erfolgte wahrsch. im Umkreis des Gentile Bellini, wo er die von Jacopo Bellini hinterlassenen Zchngn studieren konnte. Der Zyklus der hl. Ursula zeigt bereits die Lösung von der Trad. und die zunehmende Beherrschung der künstler. Mittel: das Spiel mit komplizierten Perspektiven nach Vorbildern von Jacopo und Gentile Bellini, vertieft durch das Stud. der neueren Traktat-Lit.; eine Bild-Archit., in der sich Zitate zeitgen. Baukunst (die Lombardo, Mauro Codussi) mit der Beschwörung eines abend- und morgenländ. MA verbinden; die Orientierung an Staffagen und Techniken der szen. Darst., verbunden mit genauer Beobachtung von Kostümen und Zeremonien (Zorzi, 1988). C. war mit sehr unterschiedlichen Erfordernissen und Auftraggebern konfrontiert, einerseits der Gestaltung von Andachtsmotiven und den begrenzten Finanzen der Bruderschaften, andererseits dem Ruhmbedürfnis und den beträchtl. Mitteln venez. Familien (Barbaro, Loredan). Das Programm des Ursula-Zyklus forderte den allegor. Bezug zur Aktualität der Türkenkriege und machte die Legende der 11000 Jungfrauen der Verherrlichung des Patriziates dienstbar. C. gliedert die Bilderzählung in einen rhythm. Wechsel von Bewegung und Ruhe. Die Szenengliederung ist in allen Einzelheiten zeichner. durchgearbeitet und überreich an Detailmotiven. Gleiches gilt auch für C.s Hw., den Zyklus der Scuola degli Schiavoni (1501-03), dessen gewandtere Bildsprache die Erzählung mit ihren illustrativen Details ebenfalls einem ikonolog. Zweck unterwirft. Die Aktualität der Türkenkriege spiegelt sich in der Konfrontation mit dem Feind und seiner Vernichtung (Gesch. des hl. Georg). Die Befriedung und Bekehrung der Ungläubigen (Hl. Hieronymus) wird verbunden mit der Verherrlichung der Rolle der Bruderschaft auf relig. und polit. Ebene (Hl. Augustinus). Der Zyklus für die Scuola di S. Stefano ist zweifellos schwächer in Komp. und Ausf., die mangels erzähler. Invention von der Zahl der Bildfiguren, dem Reichtum an Kostümen und der Differenzierung der Archit. und Bildkulissen getragen wird. Doch bleibt in den ersten drei Gem. (1511-14) die allegor. Dichte erhalten, die den Ruhm der Bruderschaft (die nicht nur das Wollgewerbe, sondern alle Gewerbe mit einer gewissen Vorherrschaft der lombard. Steinmetze, vereinte; cf. Gentili, 1988) und die durch die wirtschaftl. Krise jener Jahre geförderte antijüd. Polemik zum Ausdruck brachte. All dies stellt das trad. Bild C.s als eines nüchternen Erzählers und neutralen Beobachters, der antiquiert und isoliert von Giovanni Bellini und Giorgione in der venez. Kunst um 1500 steht, in Frage. Unter den zeitgen. Malern ist er der kultivierteste, aufgeschlossenste für die Auseinandersetzung mit dem gedruckten Wort (Ovid, Boccaccio, Hagiographie und Aszetik, Reiseberichte und moralist. Bestiarien), stets bereit, führend eine propagierende Rolle zu übernehmen und die Bildwelt in den Dienst der Institutionen zu stellen, unter dem Deckmantel von Heiligen- und Abenteuergeschichten die Ängste und Hoffnungen der Zeitgenossen zu schildern. Dabei mußte er sich einer trad. Bildsprache mit lehrhafter Klarheit bedienen, ohne kühne Experimente zu wagen. Es handelt sich um die gleiche Logik, die in der Andachtsmalerei das ganze Werk des Giovanni Bellini prägt, der beherrschenden, C. ergänzenden Gestalt der venez. Malerei zw. ca. 1490 und 1510. In C.s Bildwelt verschränken sich Andacht und Politik, Alltag und Propaganda, National- und Gewerbestolz, gesellschaftl., familiäre und persönliche Anliegen. In diesem komplizierten Gefüge von korporativer Wirtschaft und patrizischer Patronage haben die oft verwickelten Auftragsprozesse ihre Ursprünge. Das Schmuckbedürfnis tritt zurück hinter den Manifestationsintentionen Einzelner, der Gruppen oder Institutionen. Dies zeigt die überreiche Präsenz von expliziten und versteckten Portr. der Auftraggeber, Wohltäter, Mächtigen und Repräsentanten. Innerhalb der allegor. Geschichten spiegeln sich aber auch in außerordentl. Weise die Gesellschaft, ihre Mentalitäten und sozialen Zusammenhänge. Trotz der rühmenden Erwähnungen in der zeitgen. Dichtung ist jedoch kein gesichertes Individualporträt von C. erh. Die bed. Gem. der Zwei wartenden Damen (Mus. Correr) oder des Jungen Ritters (Mus. Thyssen-Bornemisza) sind allegor.-moralisierende Darst. mit Bildniskomponenten, in Form und Funktion aber kaum trad. Portr. Beim priv. Andachtsbild mit seiner festen, aber begrenzten Thematik fand C. ungewöhnl. ikonogr. Lösungen. Der Passionschristus (New York), die Grabbereitung (Berlin) oder die Anbetung des Kindes (Lissabon) sind Hw. seiner narrativen, allegor. Kunst, wie auch hervorragende Objekte der Kontemplation. Die Altar-Gem. zeichnen sich durch die ausgewogene Komp. (z.B. die feierl. Symmetrie der Darst. Jesu im Tempel für S. Giobbe), ihre architekton. und landschaftl. Gest. (Pala di S. Vitale), die Würde und Eleganz der Bildfiguren aus. In der dramat., gedrängten Erzählung der Zehntausend Märtyrer vom Berge Ararat für S. Antonio di Castello zeigt sich der ikonolog. Hintergrund wieder in der Verschränkung von christl. Legende und aktuellem Bezug auf die befürchtete Koalition von Kaiserreich und Türken. Der Niedergang des späten C. ist weniger durch die Konkurrenz jüngerer Maler, als durch das Ausbleiben wirtschaftl. und kultureller Initiativen der kleineren Scuole bedingt. Damit ist das Ende der breit angelegten, dekorativen Zyklen verbunden, zum Vorteil konzentrierter Einzelszenen in den großen Altar-Gem. der großen Kirchen. Das Ausweichen auf die Provinz bot kaum neue Aufträge, weder für C., noch für seine Söhne Pietro (kein Werk bek.) und Benedetto (einige Werke mäßiger Bedeutung erh.). C.s maler. Sprache ist in ihren Schaffensphasen angesichts der Diskontinuitäten und Widersprüchlichkeiten schwierig zu bewerten; es war ihm z.B. möglich in der Art des Mantegna oder Giovanni Bellini zu malen und gleichzeitig die Druckgraphik von Albrecht Dürer heranzuziehen. So ist die zeitl. Einordnung fast aller seiner nicht dat. Werke heftig umstritten. Sie wird noch schwieriger durch die großen Anteile einer schwer zu fassenden Wkst., in der neben dem mysteriösen Maler des Albanesi-Zyklus v.a. im Spätwerk viele bescheidene Mitarb. an Altar-Gem. und priv. Andachtsbildern beteiligt sind. Von C. sind zahlr. vorbereitende, oft bis ins Detail voll. Zchngn von hoher Qualität erh., die meist leicht den Gem. zuzuordnen sind und deren Erfindung und Entwicklung erhellen (umfangreichste Bestände in Florenz, Uffizien, und London, BM). Andererseits erklärt eine solche Fülle von Zchngn die zunehmenden Variationen und Wiederholungen im Werk, da C. oftmals die Überarbeitung und Erneuerung der Inventionen versäumte.

WERKE

(Wenn nicht anders vermerkt, Öl; die frühen Taf. in einer Tempera-Mischtechnik): Atlanta/Ga., High Mus. of Art: Temperantia und Prudentia, um 1515-20 (Wkst.-Mitarb.). Avignon, Mus. du Petit Pal.: Madonna mit Kind, dem Johannesknaben und den Hll. Anna, Joachim, Elisabeth und Zacharias, um 1503/04 (in den Figuren Mitarb. des Malers des Zyklus für die Scuola degli Albanesi). Bergamo, Accad. Carrara: Geburt Mariä, um 1404/05 (aus Zyklus für Scuola degli Albanesi; Ausf. weitgehend durch Wkst.); Hl. Rochus mit einem Stifter-Portr., 1514 (vom Polyptychon aus S. Fosca); Hll. Jakobus und Hieronymus, Andreas und Dominikus, Laurentius und Nikolaus von Bari, um 1515 (drei wieder zusammengefügte Taf.). Berlin, SMPK, GG: Weihe des hl.Stephanus zum Diakon, sign., dat. 1511; Grabbereitung Christi, um 1505/07 (Dat. umstritten). - Ehem. Kaiser-Friedrich-Mus.: Madonna mit Kind und den Hll. Hieronymus und Katharina, um 1507/08 (1945 zerst.). Chioggia, S.Domenico: Hl. Paulus, sign., dat. 1520 (viell. aus S. Domenico di Castello; cf. Barchiesi, 1988). Ferrara, PN: Tod Mariä, sign., dat. 1508 (aus S. Maria in Vado). Florenz, Uffizien: Kreuzaufrichtung oder -auffindung, um 1493/95 (Fragm.). Frankfurt am Main, Städel: Madonna mit Kind und dem Johannesknaben, sign., um 1490-95. Grumello De' Zanchi/Bergamo, Pfarrk.: Polyptychon mit den Hll.Jakobus, Joh. Ev., Hieronymus und Antonius Eremit, um 1510-15 (Dat. umstritten; der Aufsatz mit Gottvater von anderer Hand). Karlsruhe, SKH: Madonna mit Kind und den Hll. Katharina und Hieronymus, um 1503-05. Koper (Capodistria), Dom: Madonna mit Kind und den Hll.Hieronymus, Josef, Rochus, Sebastian, Nazarius und Georg (oder Theodor?), sign., dat. 1516 (Wkst.-Mitarb.); Darst. Jesu im Tempel, dat. 1523; Bethlehemit. Kindermord, Orgelflügel (Wkst.-Mitarb.). - Ehem. StM: Prophet Jeremias; Prophet Zacharias, 1523 (Wkst.; vom Chorgestühl des Domes). Lissabon, Mus. Calouste Gulbenkian: Anbetung Jesu mit Stifterpaar, sign., dat. 1505 (oder 1507). London, NG: Abfahrt des Keyx, um 1495-1500 (nach Ovid, Metamorphosen; Gegenstück in Philadelphia; cf. Pokorny, 1966). Madrid, Mus. Thyssen-Bornemisza: Portr. eines jungen Ritters, sign., dat. 1510 (Sign. und Dat. gehen in der heutigen Form wahrsch. auf eine neuere Rest. zurück; Zustand vor der Rest. cf. A.Martin, BurlMag 44:1924, 57; aus stilist. Gründen ist eher eine Dat. um 1500 anzunehmen). Mailand, Pin. di Brera: Tempelgang Mariä; Vermählung Mariä, um 1505/06 (aus dem Zyklus für die Scuola degli Albanesi; weitgehend Wkst.-Ausf.); Der Disput des hl. Stephanus mit den Juden, sign., dat. 1514 (3. Szene des Zyklus für die Scuola di S. Stefano). Malibu, J. Paul Getty Mus.: Reiherjagd in der Lagune (recto), Trompe l'œil mit Briefen (verso), um 1490 (Fragm. einer Komp. mit Portr. und Allegorien; unterer Teil in Venedig, Mus. Correr: Zwei wartende Damen; cf. Gentili/Polignano, 1993). Mamiano Di Traversetolo/Parma, Fond. Magnani Rocca: Toter Christus mit zwei Engeln, um 1496-98. New Orleans, Isaac Delgado Mus.: Christus als Salvator mundi, um 1510-15. New York, Metrop. Mus.: Passionschristus zw. den Hll.Hieronymus und Hiob, um 1500 (Dat. umstritten). Paris, Louvre: Predigt des hl. Stephanus in Jerusalem, dat. 1514 (lt. Zanetti, 1771, Dat. ehem. auf Rahmen; 2. Szene des Zyklus der Scuola di S. Stefano). - Mus. Jacquemart-André: Die Gesandten der Amazonenkönigin Hippolyta bei Theseus in Athen, um 1490-95 (nach Giovanni Boccaccio). Philadelphia, Philadelphia Mus. of Art, Johnson Coll.: Keyx und Halkyone, um 1495-1500 (nach Ovid, Metamorphosen; Gegenstück in London; cf. Pokorny, 1966). Piran, ehem. S. Francesco: Thronende Madonna mit Kind und den Hll. Ambrosius, Petrus, Franziskus, Antonius von Padua, Klara und Georg, sign., dat. 1518 (Wkst.-Mitarb.; nach 2. WK nach Rom gebracht; jetzt Pal. Venezia, Depot). Riverdale/N.Y., Stanley Moss Coll.: Christus Salvator zw. den vier Evangelisten, sign., ca. 1485-90. Stuttgart, SG: Steinigung des hl. Stephanus, sign., dat. 1520 (5. und letzte Szene des Zyklus der Scuola di S. Stefano; die 4. Szene, Anklage des hl. Stephanus, verloren; cf. Zchngn Nr 1687F der Uffizien, Florenz, von C. und/oder Benedetto C.); Thronender hl. Thomas von Aquin mit den Hll. Markus und Ludwig und dem Sohn des Stifters Tomaso Dragan, Alvise, sign., dat. 1507 (aus Murano, S. Pietro Martire; Coralic, 1992). Tulsa/Okla., Philbrook Mus. of Art: Hl.Joh. Bapt.; Hl.Petrus Martyr; Hl.Stephanus; Hl.Augustinus, um 1515-20 (weitgehend Wkst.). Udine, MCiv.: Der auferstandene Christus mit Leidenswerkzeugen zw. Engeln, sign., dat. 1496 (aus S.Pietro Martire). Venedig, Gall. dell'Accad.: Zyklus der Scuola di S. Orsola (mit finanzieller Unterstützung der Fam. Loredan zum Andenken an die Verdienste von Mitgl. der Fam. in den Türkenkriegen; cf. Gentili, 1996; Reihenfolge der Darst. nach Zorzi, 1988): Abfahrt der Gesandten vom engl. Hof, um 1497-1500; Die engl. Gesandten erhalten die Antwort des Königs der Bretagne, um 1497-1500; Rückkehr der Gesandten an den engl. Hof, um 1497-1500; Begegnung der Verlobten, Abschied von den Eltern und Einschiffung zur Pilgerfahrt, sign., dat. 1495; Empfang der Pilgerinnen durch den Papst in Rom, sign., um 1493/94; Traum der hl. Ursula, sign., dat. 1495; Ankunft der Pilgerinnen in Köln, sign., dat. 1490; Martyrium der Pilgerinnen und Begräbnis der hl. Ursula, sign., dat. 1493; Glorie der hl. Ursula und ihrer Gefährtinnen, sign., dat. 1491 (eigenhänd. Ergänzung von drei männl. Portr. links); Heilung des Besessenen durch die Kreuzreliquie am Rialto (vom Zyklus der Kreuzreliquie für die Scuola di S.Giovanni Evangelista, ca. 1494/95); Darst. Jesu im Tempel, sign., dat. 1510 (aus S. Giobbe); Die zehntausend Märtyrer vom Berge Ararat, sign., dat. 1515 (vom Altar der Fam. Ottobon in S. Antonio di Castello, gestiftet u.a. zum Andenken an die Verdienste von Mitgl. der Fam. in den Türkenkriegen; cf. Cicogna I, Nr 6 s., und Gentili, 1996); Treffen von Joachim und Anna mit den Hll. Ludwig und Libera, sign., dat. 1515 (vom Altar der hl. Anna in S. Francesco, Treviso, gestiftet von Libera de Claudis zum Gedenken an ihren Gemahl Alvise da Prato). - Mus. Correr: Zwei wartende Damen, sign., dat. um 1490 (Sign. bei Rest. 1993 entdeckt; Fragm., zugehöriger Teil in Malibu); Heimsuchung Mariä, um 1505/06 (aus dem Zyklus der Scuola degli Albanesi; weitgehend Wkst.-Ausf.); Hl. Petrus Martyr, 1514 (?; wahrsch. nicht, wie oft angenommen, Teil des Polyptychons von S. Fosca, Venedig). - Ca' d'Oro, Gall. Franchetti: Verkündigung Mariä, dat. 1504; Tod Mariä, um 1508-10 (aus dem Zyklus für die Scuola degli Albanesi; vollst. Wkst.-Ausf.; schwache Replik des Gem. in Ferrara). - Pal. Ducale: Markuslöwe, sign., dat. 1516 (ausgef. für die fünf Ufficiali al Dazio del Vin, identifizierbar durch ihre Wappen an der Unterkante; Scarpa, 1991). - Scuola Dalmata dei SS. Giorgio e Trifone (S. Giorgio degli Schiavoni): Zyklus der Patrone der Bruderschaft (Gentili, 1996): Drachenkampf des hl. Georg; Triumph des hl. Georg über den getöteten Drachen, 1501/02 (wahrsch. Stiftung des Venezianers Paolo Valaresso, 1500, bei der Übergabe der Festung an die Türken, Statthalter von Corone in Morea); Der hl. Hieronymus führt den zahmen Löwen ins Kloster, 1502; Begräbnis des hl. Hieronymus, sign., dat. 1502; Vision des hl. Augustinus, sign., 1503; Hl.Georg tauft die Seleniter, sign., (unleserlich) dat. 1506 (1507?) oder 1511 (1512?); Tryphon von Phrygien befreit die Tochter des Kaisers Gordian von einem Dämon, 1511/12 (Wkst.); Berufung des Apostels Matthäus, sign., dat. 1502; Christus am Ölberg (wahrsch. 1502 Überarbeitung eines älteren Gem. im Auftrag der Bruderschaft und ihres Guardians Gregorio dalle Acque anläßl. der Ankunft der Georgsreliquie 1502; auf beiden Gem. ein nicht identifizierbares Wappen mit Darst. eines Reliquiars). - S. Stefano: Der hl. Vitalis zu Pferd mit Hll. (Pala di S. Vitale), sign., dat. 1514 (vom Hochaltar der aufgelassenen Kirche S. Vidal; 1997 nach Rest. in S. Stefano deponiert). - S. Giorgio Maggiore: Drachenkampf des hl. Georg; Predella mit vier Szenen des Martyriums des Hl., sign., dat. 1516. Verona, Mus. di Castelvecchio: Hl. Katharina; Hl. Dorothea, um 1485-90. Washington, NG of Art: Lesende Maria, um 1504/05 (Fragm. eines größeren Gem.); Madonna mit Kind, um 1505-07; Flucht nach Ägypten, um 1510-15 (Dat. umstritten). Zadar (Zara), Dom: Polyptychon mit dem hl. Martin und dem Bettler, hl. Hieronymus mit dem Stifter und den Hll. Anastasia, Simeon, Petrus und Paulus, um 1515-20 (Dat. lt. Sgarbi/Pinna, 1994, Nr 59; weitgehend Wkst.). Zagreb, NG: Hl. Sebastian, sign., dat. 1514 (Teil des Polyptychons von S. Fosca). - Verbleib unbek.: Madonna mit Kind und den Hll. Caecilia und Ursula, um 1490-95. - Weitere früher C. zugeschr. Werke (Auswahl): Belgrad, NM: Hl. Sebastian; Hl. Rochus, um 1520-25 (Teile eines Polyptychons; Wkst.). Bergamo, Priv.-Slg: Portr. des Dogen Leonardo Loredan, um 1505-10 (Umkreis des Giovanni Bellini). Boston, MFA: Portr. einer vornehmen Dame, um 1510-15 (nicht venez. Herkunft; cf. das männl. Pendant ebd.). Brescia, ehem. S. Giovanni Evangelista: Thronende Madonna mit Kind und den Hll. Faustinus und Jovita (Pala Averoldi), sign., dat. 1519 (zerst.; nach erh. Fotogr.: Wkst.-Arbeit). Denver/Colo., AM: Portr. einer vornehmen Dame, um 1510-15 (nicht venez. Herkunft; cf. Boston). Florenz, ehem. Coll. Contini Bonacossi: Beweinung Christi, um 1510 (Verbleib unbek.; Wkst.-Arbeit; lt. Sgarbi/Pinna, 1994, eigenhändig). Koper (Capodistria), ehem. StM: Einzug des venez. Bürgermeisters Sebastiano Contarini in Capodistria, dat. 1517 (Benedetto C.?; stark überarbeitet; wie viele andere Werke in Istrien z. Z. unzugänglich). Pozzale Di Cadore, S. Dionisio: Thronende Madonna mit Kind und den Hll. Thomas, Dionysius, Rochus und Sebastian, sign., dat. 1519 (fünf Gem. zu einem Polyptychon vereint; Wkst.-Arbeit). Rom, Gall. Borghese: Portr. einer Dame (Fälschung oder vollst. übermalt). Tucson/Ariz., Univ. of Arizona: Madonna mit Kind und den Hll.Simeon und Anna, um 1515-20 (Wkst.). Venedig, Scuola Dalmata dei SS. Giorgio e Trifone (S.Giorgio degli Schiavoni): Madonna mit Kind, um 1515-20 (Wkst.). - Gall. dell'Accad.: Vision des Priors Francesco Ottobon, um 1512-13 (aus S. Antonio di Castello; vollst. übermalt). - Mus. Correr: Edelmann mit rotem Barett, um 1490-95 (nicht von C.; der Ferrareser Malerei zugehörig).

QUELLEN

Thieme-Becker, Vollmer und AKL:

ThB6, 1912. EWA III, 1971; DEB III, 1972; DBI XX, 1977 (Lit.); PittItalQuattroc II, 1986; DA V, 1996. - Quellen: Vasari, ed. Milanesi III, 1878; F.Sansovino, Venetia descritta, Ve. 1581; (ed. A.v.Stringa, Ve. 1604; ed. Martinioni, Ve. 1663); Miracoli della croce santissima della Scuola Grande di San Giovanni Evangelista, Ve. 1590; C.Ridolfi, Maraviglie dell'arte (Ve. 1648), ed. D.v. Hadeln, B. 1914; 1965; M.Boschini, Minere della pitt., Ve. 1664; A.M. Zanetti, Descr. di tutte le pubbl. pitt. di Venezia, Ve. 1733; id., Della pitt. venez., Ve. 1771; G.A.Moschini, Guida per la città di Venezia, Ve. 1815; E.A. Cicogna, Delle iscrizioni venez., I-VI, Ve. 1824-53; G.Lorenzi, Doc. per servire alla storia del pal. ducale, Ve. 1868. - Monogr.: G.Ludwig/P.Molmenti, V. C., Mi. 1906; G.Fiocco, C., R. 1931 (und Ed. Novara 1958); T.Pignatti, C., Mi. 1955; G.Perocco, Tutta la pitt. del C., Mi. 1960; J.Lauts, C., Köln 1961 (engl.: Lo. 1962); M.Muraro, C., Fi. 1966; P.Zampetti, V. C., Ve. 1966; G.Perocco, L'opera completa del C., Mi. 1967; V.Sgarbi, C., Bo. 1979; P.Humfrey, C., Fi. 1991; V.Sgarbi/G.Pinna, C., Mi. 1994; A.Gentili, C., Fi. 1996 (Art Dossier, 111). - Kat.: P.Zampetti (Ed.), V. C., Ve. 1963; A.Gentili/F.Polignano, in: A.Dorigato (Ed.), C., Bellini, Tura, Antonello e altri restauri quattrocenteschi della Pin. del Mus. Correr (K Venedig 1993), Mi. 1993, 74-81; E.Merkel, in: Restituzioni '94. Opere restaurate (K Vicenza 1994), Cittadella/Padova 1994, 58-63; F.Spadavecchia, in: Restituzioni '95. Opere restaurate (K Vicenza), Cittadella/Padova 1995, 102-108. - Allg. Lit.: M.Bonicatti, Aspetti dell'umanesimo nella pitt. veneta dal 1455 al 1515, R. 1964; W.Wolters, Der Bilderschmuck des Dogenpalastes, Wb./St. 1983 (ital.: Ve. 1987); Huse/Wolters, 1986 (ital.: Ve. 1989); P.Humfrey, The altarpiece in Renaiss. Venice, New Haven/Lo. 1993. - Lit. zu den Zyklen: M.Muraro, V. C. alla Scuola di S. Giorgio degli Schiavoni in Venezia, Mi. 1956; R.Pallucchini, C. Le storie di Sant'Orsola, Mi. 1958; id., I teleri del C. in S. Giorgio degli Schiavoni (App. von G.Perocco), Mi. 1961; F.Valcanover, V. C. La leggenda di Sant'Orsola, Mi. 1963; G.Perocco, C. nella Scuola di S. Giorgio degli Schiavoni, Ve. 1964; T.Pignatti, C. La leggenda di Sant'Orsola, Fi. 1965; id., C. S. Giorgio degli Schiavoni, Mi. 1965 (2. Ed. 1969); G.Perocco, C. Le pitt. alla Scuola di S. Giorgio degli Schiavoni, Treviso 1975; T.Pignatti (Ed.), Le Scuole di Venezia, Mi. 1981; S.Gramigna/A.Perissa, Scuole di arti, mestieri e devozione a Venezia, Ve. 1981; F.Bardon, La peint. narrative de C. dans le cycle de S. Ursule, Ve. 1985; L.Zorzi, C. e la rappresentazione di Sant'Orsola, T. 1988; P.Fortini Brown, Venetian narrative paint. in the age of C., New Haven/Lo. 1988 (ital.: Ve. 1992); P.Humfrey, in: M.Lucco (Ed.), La pitt. nel Veneto. Il Quattrocento, Mi. 1989, I, 295-338; B.Blass-Simmen, Sankt Georgs Drachenkampf in der Renaiss. C., Raffael, Leonardo, B. 1991; I.Kehl, V. 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THIEME-BECKER

Carpaccio, Vittore, (Carpatio, Carpathio, Carpazio, Scarpaza, Scharpaza, Scarpazo, Scarpatio), signiert VICTOR CARPATIO, CARPATHIO, CARPACIO, CARPATIVS, CARPATHIVS, venez. Maler, Sohn des Kürschners Piero di Vittore C., nicht aus Istrien stammend, sondern in Venedig geb., wo die Familie seit 1348 nachweisbar ist (s. den Stammbaum bei Ludwig e Molmenti). 21. 9.1472 zum erstenmal genannt und zwar von seines Vaters Bruder, dem Frate llano, der Vittore und andere seiner Neffen zu Erben einsetzt. Weitere urkundliche Nachrichten: Vittore bringt im Auftrage seines Vaters am 8. 1486 den Mietzins für eine Wohnung oder eine Werkstatt zur Kasse der Procuratia de Supra. 31. 3. sowie 26. 8. und 4. 10. 1501 und 18. 8. 1502 Zahlungen für ein bereits beim Brand vom J. 1574 vernichtetes Bild für die Sala del Pregadi im Dogenpalast. 28. 10. 1507 Beschluß des Consiglio dei Dieci, daß C. den Giovanni Bellini bei 3 für die Sala del Maggior Consiglio zu malenden Bildern zu unterstützen habe. 7. 2. 1508 siegt Benedetto Diana über C. bei einer Konkurrenz für einen Gonfalone für die Scuola della Caritä. 11. 12. 1508 C. schätzt mit Lazzaro Bastiani und Vittore Belliniano Giorgiones Fresken am Fondaco dei Tedeschi ab. 15. 8. 1511 Brief Vittores an den Markgrafen Francesco Gonzaga, dem er eine große, von ihm gemalte Vedute Jerusalems anbietet. Das Bild ist nicht mehr nachweisbar. 30. 4. (?) 1523 ernennt Marieta uxor Dominici de Canali den Künstler zum Testamentsvollstrecker, am 6.1523 unterschreibt Vittore das Testament der Maria Contarini als Zeuge. 30. 11. 1523 Zahlungsvermerk im Kassenbuch des Patriarchiats für ein Altarbild und eine Geburt Christi, die C. gemalt hatte. Diese Bilder ebenfalls verschollen. Der Todestag des Künstlers steht nicht fest, doch wird sein Sohn Pietro 26. 6. 1528 als, ,quondam Vittore" u. am 23. 3. 1527 seine Frau Laura als Witwe bezeichnet. C. scheint bei Lazzaro Bastiani, der von Vasari irrtümlich zum Schüler Carpaccios gemacht wurde, in die Lehre gegangen zu sein, als sein eigentlicher Meister ist aber Gentile Bellini anzusehen, dessen kompositionelle u. koloristische Tendenzen von C. aufgenommen und selbständig weitergebildet wurden. Als frühestes Werk C.s sehen Ludwig und Molmenti ein bisher dem Bissolo zugeschriebenes Bild des Musco Civico zu Verona, das die Heil. Katharina und Veneranda darstellt, an. Ebenfalls ein Jugendwerk ist die bezeichn. Halbfigur der Madonna mit dem Kinde und dem Knaben Johannes im Städelschen Institut (No 38) zu Frankfurt. Mit dem Jahre 1490 beginnen die dat. Werke und zwar entstand damals ein Bild jenes für die Scuola di S. Orsola bei S.S. Giovanni e Paolo gemalten, jetzt in der Akademie zu Venedig befindlichen Zyklus, der nicht nur Carpaccios Meisterwerk, sondern überhaupt, soweit uns Erhaltenes in Betracht kommt, die höchste Leistung der Historienmalerei des venezianischen Quattrocento ist. Von diesen Bildern, die alle die Signatur C.s tragen, sind folgende dat.: Die Ankunft der vom Papst, Kardinälen und den 10 000 Jungfrauen begleiteten Ursula und ihres Bräutigams vor dem von den Hunnen belagerten Köln (No 579), Sept. 1490. Das Altarbild mit der Glorie der hl. Ursula (No 576), 1491. Martyrium und Bestattung der Heiligen (No 580), 1493. Der Traum der Heiligen (No 578), 1495. Abschied des Prinzen von seinem Vater; Begrüßung mit Ursula; Abschied des Brautpaares von den Eltern Ursulas (No 675), ebenfalls 1495. Die übrigen, wohl bezeichneten, aber nicht datierten Bilder, die Ankunft der britischen Gesandten und die Unterredung des Königs mit seiner Tochter Ursula (No 572), der Abschied der britischen Gesandten (No 573), die Rückkehr der Gesandten zum König von Britannien (No 574), die Begegnung des Brautpaares mit dem Papst (No 577) sind wahrscheinlich zum Teil zwischen 1490 und 1495, zum Teil nach 1495 entstanden; nach Ludwig und Molmentis Annahme war der Zyklus 1498 bereits vollendet. Nicht zu billigen ist die Rekonstruktion bei Ludwig und Molmenti, aber auch die heutige Anordnung der Bilder in der Akademie kann der ursprünglichen, was die Folge anbelangt, nicht ganz entsprochen haben. Denn da auf einigen Bildern (No 572, 575, 580) mehrere Szenen der Legende dargestellt sind und zwar so, daß das zeitlich frühere links, das spätere rechts steht, ist anzunehmen, daß der ganze Zyklus von links nach rechts sich entwickelte. Dem Eingang gegenüber stand das Altarbild, die "Glorie", an dieses schloß sich rechts an der Längswand der Epistelseite zunächst das große Doppelbild No 572 an, es folgten weiter von links nach rechts No 573 u. 574, dann No 575 an d. Eingangswand, No 577-580 an d. Längswand der Evangelienseite. Die Qualität ist erstaunlich ungleichmäßig; neben Partien, die als Malerei im Quattrocento kaum ihresgleichen haben, stehen Stellen von merkwürdiger Unbeholfenheit, die aber doch wohl nicht auf das Konto eines Gehilfen zu setzen sind, vielmehr scheint es, als ob C.s Kraft gelegentlich erlahmte. - Der Erhaltungszustand der Bilder ist ein leidlich guter, doch sind sie mit Ausnahme von No 574 und 576 oben beschnitten. 1496 malte C. ein Altarbild, das Christus als Seitenblutspender darstellt, für S. Pietro Martire in Udine. Das Bild, bez, und dat., jetzt im Hofmuseum in Wien (No 7). Bald darauf wird das große, heute in der Akad. zu Venedig (No 566) befindliche Bild "Der Patriarch von Grado, Francesco Quirini, hedt mit der Kreuzesreliquie einen Besessenen" für die Antisala des Albergo der Scuola grande di S. Giovanni Evangelista entstanden sein, das zwar keine Jahreszahl trägt, das aber schwerlich sehr viel später als die anderen Bilder des Zyklus, von denen die des Gentile Bellini 1496 und 1500 datiert sind, gemalt wurde. Es folgen die Bilder in S. Giorgio d. Schiavoni, von denen heute nur 2 die Jahreszahl 1502 tragen, die aber nach Boschini bis 1507 dat. waren. Dargestellt sind: Die Berufung des Matthäus (dat. 1502). Christus in Gethsemane. Der Drachenkampf des hl. Georg. Triumph des hl. Georg. Der hl. Georg tauft das Königspaar. Der Löwe kommt zum hl. Hieronymus. Der hl. Hieronymus im Studio. Trauer um den hl. Hieronymus (dat. 1502). Der hl. Trifonius tötet den Basilisken. Ungefähr gleichzeitig entstanden 6 Szenen aus der Mariengeschichte für die Scuola d. Albanesi, von denen nur die eine die Jahreszahl 1504 trägt, womit aber der ganze Zyklus approximativ datiert ist. Die sechs Bilder befinden sich heute in folgenden Galerien: Die Geburt Mariae in der Galleria Lochis zu Bergamo. Der Tempelgang und der Sposalizio in der Brera zu Mailand (No 171 und 169). Die Verkündigung (1504 dat.) in der Akademie zu Wien (No 43). Die Heimsuchung im Museo Correr zu Venedig (Sala II. No 31). Der Tod Mariae wiederum in der Akademie zu Wien (No 49). Die Ausführung der Bilder nicht in allen Teilen eigenhändig. - 1505 datiert ist eine "Anbetung des Kindes mit dem knienden Stifterpaar", im Besitz von Lord Berwick, 1886 im Burlington House, 1909/10 in den Grafton Galleries zu London ausgestellt (fehlt bei Ludwig-Molmenti). 1507 malte C. für den Altar des Glasfabrikanten Tommaso Licinio in S. Pietro Martire zu Murano einen Thomas von Aquino mit Markus, Ludwig von Toulouse und dem knienden Sohn des Stifters, Alvise, darüber in Wolken die Madonna mit dem Kinde von Cherubim umgeben, jetzt in der Galerie zu Stuttgart, No 451. 1508 entstand für S. Maria del Vado zu Ferrara, jetzt im Ateneo ebendort, der "Tod Mariae", 1510 für den Altar der Familie Sanudo in S. Giobbe, jetzt in der Akademie zu Venedig (No 44), die "Darstellung Christi im Tempel". 1511 begann C. wiederum einen Legendenzyklus, den er erst 1520 vollendete und zwar stellte er in der Scuola di S. Stefano zu Venedig folgende Szenen aus der Geschichte des Titelheiligen dar: Die Einsegnung des Heiligen als Diakon, 1511 dat., jetzt im Kaiser Friedrich-Museum zu Berlin, No 23. Die Disputation mit den Schriftgelehrten, 1514 dat., jetzt in der Brera zu Mailand, No 170. Die Predigt des hl. Stephanus, jetzt im Louvre, No 1211. Die Steinigung, 1520 dat., jetzt in der Galerie zu Stuttgart, No 452. Ein fünftes Bild, von dem Boschini und Zanetti sprechen, scheint untergegangen zu sein. Eine Zeichnung in den Uffizien in Florenz, die Stephanus vor den Richtern darstellt, mag der Entwurf zu diesem Bilde gewesen sein. 1514 datiert sind das Hochaltarbild in S. Vitale zu Venedig (der Titelheilige zu Pferd, von andern Heiligen umgeben, im Mittelgrunde auf der Plattform einer Bogenhalle vier weitere Heilige, oben in. Wolken von Cherubim umgeben die Halbfigur der Madonna mit dem Kinde) sowie ein vielgliederiges Altarwerk, das sich ursprünglich in S. Fosca zu Venedig befand, von dem zwei Tafeln, Sebastian und Petrus Martyr, jetzt in der Galerie Strossmayer in Agram, No 269 und 270, eine dritte, der hl. Rochus mit dem Stifter, in der Accademia Carrara zu Bergamo bewahrt werden. Aus dem Jahre 1515 stammen die unerfreuliche "Marter der Zehntausend", ursprünglich auf dem Altar der Familie Ottoboni in S. Antonio di Castello zu Venedig, jetzt in der Akademie ebendort, No 89, und die ganz von einem Gehilfen ausgeführte "Begegnung an der goldenen Pforte", früher in S. Francesco zu Treviso, jetzt ebenfalls in der venezian. Akad., No 90, aus dem Jahre 1516 der "Drachenkampf des hl. Georg" in S. Giorgio Maggiore zu Venedig, der Markuslöwe im Museo Archeologico im Dogenpalast und die ganz übermalte, thronende Madonna von 6 Heiligen umgeben im Dom zu Capodistria. 1518 dat. ist die stark unterschätzte, gewiß eigenhändige Madonna mit dem Kinde und 6 Heiligen in S. Francesco zu Pirano und ein Polyptychon, Madonna mit Heiligen in Pozzale di Cadore, 1520 ein hl. Paulus in S. Domenico in Chioggia, 1523 das nur zum Teil eigenhändige Doppelbild, Darstellung im Tempel und Kindermord im Dom zu Capodistria. Von nicht datierten Bildern sind zu nennen: der Abschied Ursulas von ihren Eltern bei Lady Layard in Venedig, zwei Kurtisanen auf einem Balkon (scheinbar Fragment) im Museo Civico ebendort, eine Prozession in der Kirche S. Antonio zu Venedig in der venezianischen Akademie (No 91), das Fragment einer Kreuzigung in den Uffizien zu Florenz, sämtlich aus der mittleren Zeit des Meisters, etwa 1500-1510 entstanden. Der späteren Zeit gehören an eine hl. Familie im Museum in Caen, von Ludwig und Molmenti irrtümlich um 1502 angesetzt, eine Bestattung Christi im Kaiser Friedrich-Museum in Berlin, No 23 A. und ein Polyptychon im Dom zu Zara. Von keinem anderen venezian. Quattrocentisten sind so viele Zeichnungen, wie von C. erhalten und zwar in den verschiedensten Materialien und von verschiedenstem Charakter, von der flüchtigen Federskizze bis zum sorgfältig durchmodellierten Studizinkopf. Als Beispiele seien aufgeführt: Federskizzen für den "Abschied des Prinzen von seinem Vater" der Ursulalegende, Entwurf für die Hauptgruppe beim Herzog von Devonshire in Chatsworth, Studie zu der Hafenstadt im Hintergrunde im Britischen Museum; Entwurf tür den "Traum der Ursula" in den Uffizien; ebendort Entwurf in Rötel für den "Triumph des hl. Georg" in S. Giorgio dei Schiavoni, 2 Entwürfe (Federzeichnungen) Hieronymus im Studio beim Fürsten Dolgoroukoff in Moskau; eine große, lavierte Federzeichnung "Tempelgang Mariae" in Windsor, dasselbe Sujet in etwas anderer Fassung in den Uffizien. Zwei weißgehöhte, in Kreide ausgeführte weibliche Köpfe, Studien zur "Glorie der hl. Ursula" in der Sammlung Gathorne-Hardy in London. Vasari, ed. Milanesi III 627 f. - Ridolfi ed. 2. t. I p. 61 ff. - Zanetti, Pittura veneziana, S. II p. 45. - Crowe u. Cavalcaselle, Dtsche Ausg., V 199-220. - G. Ludwig e P. Molmenti, Vittore Carpaccio, Milano 1906. - Lorenzi, Docum. p. servire alla stor. del pal. duc. Doc. 256, 257. - Bertoiotti, Art. in rel. coi Gonzaga, Modena 1885. - Caprin, lstria nobiliss. II 100 ff. - P. Molmenti Emporium, 1906 p. 266 f. - V. Goloubeff, I disegni del Carpaccio, Rassegna d'Arte VII 140 f. - Roger E. Fry, La Mostra di antichi dipinti alle Grafton Galleries di Londre, Rassegna d'Arte X 36. - Pagine Istriane (Capodistria) Jan. 1905. - Burlington Magazine, 1911 (X) p. 144 f. Hadeln.