Coninxloo, Gillis van, niederl. Landschaftsmaler, Zeichner, *24.1.1544 Antwerpen, begr. 4.1.1607 Amsterdam. Sohn des Malers Jan van C. (1489) und Elisabeth Hasaert.
Coninxloo, Gillis van (1544)
Lt. van Mander lernte C. zuerst beim jüngeren Pieter Coecke van Aelst, was aber - wenn hier nicht eine Verwechslung mit Gillis van C. (1562) vorliegt - C. kaum geprägt haben dürfte, da er beim Tode seines Lehrers erst 15 Jahre alt war. Er kam dann zum kaum bek. Lenaert Kroes, und endlich zu Gillis Mostaert, von dem C. manches gelernt haben mag, wenngleich er damals schon selbstständig arbeitete. Nach der Lehrzeit wanderte C. nach Frankreich. 1570 ist er wieder in Antwerpen, wird Mitgl. der Lukasgilde und heiratet Maria Robroeck (nicht die Witwe Pauwel Coeckes van Aelst, die die Frau von o.g. Gillis van C. wurde); 1585 geht er wegen relig. Verfolgungen zuerst nach Seeland, 1587 nach Frankenthal, wo er A. der 1590er Jahre mehrfach urkdl. vorkommt. 1595 endlich Amsterdam, dort 1597 Bürger und 1603 ∞Witwe Geertgen van Eeden. Er ist dort angesehen, aber in etwas ärmlichen Verhältnissen gest. (ThB). Über den immer wieder kolportierten Artikel von Zoege von Manteuffel im ThB hinaus sind folgende ungesicherte Angaben zu C.s Vita erwähnenswert: In Antwerpen ist Pieter Brueghel d.J. als Schüler erwähnt. Spuren der Beeinflussung in dessen Werk lassen sich nicht nachweisen. In Frankenthal soll C. Jan Brueghel d.Ä. begegnet sein, als dieser nach Italien reiste. In Amsterdam soll C. die später wichtigen Maler Abraham Govaerts, Hercules Seghers und David Vinckeboons unterrichtet haben. Er war dort Mitgl. der Rederijkerskamer "Het Wit Lavendel". Buchelius berichtete, dass Esaias van de Velde die Staffage in einem Gem. C.s malte. Auf der Versteigerung des künstlerischen Nachlasses durch die Witwe C.s am 1.3.1607 kauften die folgenden Künstler: H. Seghers, D. Vinckeboons, D. Lastmann, H. van de Velde (Vater des Esaias), C.J. Visscher, A. van Nieulandt, P. Isaacsz und C. Ketel. Im Wandel der Beurteilung C.s spiegelt sich die neuere Kunstgeschichtsforschung. Von Plietzsch (1910) als Haupt der sog. Frankenthaler Malerschule erkannt, stieg das Ansehen mit der Erforschung der verfügbaren Gem. und Stiche über die Arbeiten von Raczynski (1937), Laes (1939) und manch wichtiger Kat.-Kommentare bis zur Diss. von Wellensiek (1954), die erstmals eine kritische Sichtung der Gem. vornahm, stetig an. Immer stärker wurde die Bedeutung C.s als Schöpfer der "mod." Waldlandschaft an der Wende vom 16. zum 17. Jh. herausgestellt. So wurde C. von Thiéry (1953) an zentraler Stelle als einer der wichtigsten fläm. Landschaftsmaler vorgestellt, eine Wertung, die in der überarbeiteten Neuauflage von 1986 beibehalten wurde, obwohl C.s Überbewertung längst erkannt war. Mit vier zw. 1965 und 1972 ersch. Aufsätzen zum zeichnerischen Werk Pieter Bruegels d.Ä. relativierte Arndt schon C.s Bedeutung gegenüber Bruegel anhand von krit. Zeichnungsurteilen. Wegener sichtete in Aufsätzen, die von 1966 bis 1980 ersch., das zeichnerische Werk C.s, von dem nicht sehr viel als eigenhändig und authentisch übrigblieb. Winner bemerkt dann 1975 (Ausst.-Kat. Pieter Bruegel d.Ä. als Zeichner, Berlin), dass nicht C., sondern wahrsch. Jan Brueghel d.Ä. der Erfinder der "Waldlandschaft" gewesen war. Er lenkte mit der Bemerkung, dass sich "hinter den Neuansätzen C.s für die Darst. der Waldlandschaft die Riesengestalt Pieter Bruegels d.Ä. erhebt ...", die Diskussion in die richtige Richtung. Entscheidend zur Neubewertung C.s war dann der Aufsatz von Gerszi (1976). Auf Arndt, Wegner, Winner und Gerszi basierend, die sich allesamt in erster Linie mit Zchngn und Graphiken beschäftigt hatten, einem Medium, in dem sich zukunftsfähige Entwicklungen am frühesten ausdrücken, versuchte Ertz (1979) mit dem ersten Versuch, einen Œuvre-Kat. der Gem. von Jan Brueghel d.Ä. zu erstellen, Einfluss und Bedeutung C.s zu relativieren. Mit Jan Brueghel d.Ä., dessen Wertschätzung sowohl als Innovator wie als perfekter Techniker mit der Abnahme der Bewunderung für das Werk C.s stetig anwuchs und dessen Qualitäten erst mit dem Ausst.-Zyklus 1997/98 in Essen, Wien, Antwerpen und Cremona so recht offenbar wurden, reifte die Erkenntnis, dass v.a. und an erster Stelle nicht von C., sondern von Pieter Bruegel d.Ä. der zündende Funke kam. Viele Forscher leisteten in den letzten beiden Jahrzehnten ihren Beitrag zur richtigen Neubewertung C.s, so Krämer (1986), Briels (1987), Sutton (1987 und 1993 im Ausst.-Kat. The age of Rubens, Ghent), Wied (1971 und 1990), Devisscher (1992/93), um nur die wichtigsten zu nennen. Die Aktualität der Auseinandersetzung mit C. spiegelt sich schließlich im Kat. der 1995 in Frankenthal veranstalteten Ausst., der die z.Z. gültige Einschätzung C.s zutreffend wiedergibt. Hahn, Brauksiepe und v.a. Franz markieren mit ihren Textbeiträgen den gegenwärtigen Stand der Forschung. Franz, der sich wie kein anderer mit C., den Brüdern Valckenborch, Hans Bol, Roelant Savery, Jan Brueghel d.Ä. und Pieter Bruegel d.Ä. beschäftigte (siehe Bibliogr. 1963-1995) und deren Anteil am Entstehen der "Waldlandschaft" im Detail immer wieder neu befragte, zog in diesem Aufsatz von 1995 das Resumée einer lebenslangen Beschäftigung mit C., das den Urteilswandel im Laufe des 20. Jh. exemplarisch deutlich macht. Nachdem Franz eine Typologie der Waldlandschaft erstellt und am Beispiel der vier bek., dat. Waldlandschaften (siehe WV) von 1598 bis 1605 eine homogene Gruppe von Waldlandschaften vorgestellt hat und sowohl auf die eher altmodische "Raumzellenlandschaft", auf die Stiche nach C. als auch auf den in der Zuschr. immer noch äußerst zweifelhaften Bestand an Zchngn eingegangen ist, fasst er zusammen: "C. kann aber nicht als der Begründer der niederl. Waldlandschaft gelten, als der er lange Zeit angesehen wurde; wenigstens nicht als der einzige. Neben und viell. auch schon vor ihm haben andere fläm. Lsch. den geschlossenen Wald darzustellen versucht." (Franz 1995, 109). "Alle Betrachtungen zeigen, daß die Hinwendung zum Waldbild in der fläm. Malerei seit etwa 1580 auf breiter Basis erfolgte, vermutlich unter gegenseitiger Beeinflussung der beteiligten Werkstätten, ohne sagen zu können, von welcher Seite der erste Anstoß gekommen ist." (p. 111) Was die Rolle betrifft, die C. in Frankenthal spielte, schließt Franz: "... Zweifellos (ist) die Annahme verfehlt, hier hätte sich das Waldbild als neues Bildthema herausgeformt. Er muß die Bildidee vielmehr aus Antwerpen mitgebracht und kontinuierlich weiterentwickelt und verfeinert haben ... Zur Ausbildung einer 'Frankenthal Schule' im eigentlichen Wortsinn (als deren Haupt man seit Plietzsch [1910] C. angesehen hatte, Anm. des Autors) ist es aber ... nicht gekommen." (p. 112) Nach der vormaligen Überbewertung C.s bis zu Winner und Gerszi droht u.E. nun zu stark eine Unterbewertung. Am Ende wird sich C. wohl als einer von vielen Guten, aber nicht unbedingt als die überragende Figur darstellen, wozu aber die von Wellensiek begonnene Erforschung der Gem. weitergetrieben werden muss. Zuviel Unvereinbares, das nach vorsichtiger Einschätzung nicht zusammengehören kann, wird immer noch mit C. in Verbindung gebracht. Erstens muss das Œuvre C.s gegen das anderer Maler abgegrenzt werden, und da sind in der Reihenfolge der Bedeutung Jan Brueghel d.Ä., David Vinckeboons, Jacob Savery und Abraham Govaerts als Zuschreibungsalternativen für bisherige C.-Gemälde in Betracht zu ziehen; zweitens muss das dann gewonnene Bild von C. mit der allg. Frage des Entstehens der Waldlandschaft in Korrelation gebracht werden. Die spezifischen Qualitäten der Waldräume C.s wurden von versch. Forschern gründlich und zutreffend beschrieben, zuletzt im Zusammenhang mit anderen Malern von Hanschke (1988). Forschungsbedarf besteht aber in der Zuschreibungsproblematik des äußerst schmalen Œuvres. Wenn C. ca. 30 Jahre (ca. 1577-1607) produzierte, kann man mehr Werke voraussetzen. Sie können nicht alle verlorengegangen sein, dürften sich vielmehr unter den Namen anderer Maler oder in noch anonymen Bildern verbergen, was es herauszufinden gilt, um (nach Wellensiek 1954) den Œuvre-Kat. zu erarbeiten. Trotz einer beträchtlichen Erweiterung des Werkes von Plietzsch, über Raczynski, Wellensiek, Wegner und Franz bis hin zum vom Autor vorgenommenen Versuch eines krit. Kurz-Œuvre-Kat. (hier unter Einbezug der bisher vernachlässigten Gem. aus dem Kunsthandel der letzten beiden Jahrzehnte) und trotz mancher Erkenntnis im Detail hat sich seit dem Artikel von Zoege von Manteuffel im ThB im Grunde nichts geändert. Im Kern sind dessen Aussagen zum Werk (nicht zur kunstgesch. Bedeutung) mit leichter Modifizierung immer noch gültig. Der Autor zitiert darum wörtl., Ergänzungen in Klammern hinzufügend: "... (C.) stellt sich als einer der wichtigsten Vertreter der Übergangszeit in der Gesch. der niederl. Landschaftsmalerei dar, die in Meistern wie (Jan Brueghel d.Ä.), Paul Bril, Joos de Momper von der phantast. Richtung der M. des 16. Jh. zur schlichten naturnahen Landschaftskunst des 17. Jh. hinüberleitet, und ist zugleich einer der ersten, der, wie später Savery, (Vinckeboons) oder Keirinx, Anregungen von Belgien nach Holland hinüberträgt. An der Hand einiger dat. Werke 1588-1604 (die spätesten Bilder für 1605 gesichert [Speyer, HM: Lsch. mit Jägern und Reihern; Solingen, Gal. Müllenmeister 1990: Waldlandschaft mit Venus, Amor und Adonis]), läßt sich bei ihm bes. deutl. die Entwicklung verfolgen, die v.a. in drei Errungenschaften klar wird. An Stelle der phantast. aus Felsen und Bergen aufgebauten Lsch. tritt allmähl. eine zwar noch mit Vorbedacht zusammengestellte, aber doch aus der Beobachtung der heim. Natur erwachsene viel schlichtere, bes. in einigen Waldbildern in Vaduz. Der kulissenartige Aufbau wird durch eine Anordnung ersetzt, die einen von vorn nach hinten gleichmäßig sich entwickelnden Prospekt gibt. Zugleich rückt der Augenpunkt, der in den Frühwerken sehr hoch angenommen ist, immer tiefer herunter. Endlich gelingt es C., in seinen letzten Bildern von 1604 der ganzen Lsch. einen einheitl. Ton zu geben und die schemat. Einteilung in einen braunen Vordergrund, einen grünen Mittelgrund und eine blaue Ferne zu überwinden. Plietzsch, der das Werk C.s zusammengestellt hat und 16 Originalarbeiten sowie mehrere Kopien verlorener Bilder und drei zweifelhafte Werke kennt (im Gem.-Verz. heute 35 Originale, acht in der Zuordnung zweifelhafte), teilt die Entwicklung C.s in drei Perioden ein, die etwa mit den Zeitabschnitten zusammenfallen, die seinen Aufenthalt in Antwerpen, Frankenthal, Amsterdam bezeichnen - 1570-1588, 1588-1595, 1595-1606. Das Urteil des Midas in Dresden stellt die Summe dessen dar, was der Künstler 1587 aus Antwerpen mitbrachte ...". Die von Zoege von Manteuffel u.a. vorgenommene Einteilung des Werkes in drei Phasen lässt sich im Prinzip auch heute noch aufrechterhalten, wenn wir die Dat. der altmodischen Weltlandschaften, wie sie von dem Stecher Nicolaes de Bruyn für die Jahre 1600 bis 1603 bezeugt sind, nicht wörtlich nehmen. Hahn löst das Rätsel mit dem Hinweis, dass der in Antwerpen lebende Stecher diese altertümlichen Stiche herausbrachte, als der Künstler selbst sich schon beträchtliche Zeit in Amsterdam aufhielt "und sich dort der voll ausgeprägten Waldlandschaft zugewandt hatte". Hahn weist überzeugend nach, dass de Bruyn "eine Reihe von Zchngn von C. bereits vor dessen Fortgang aus Antwerpen in Händen hatte und nach diesen Vorlagen bis in das erste Jahrzehnt des 17. Jh. hinein stach und druckte" (Hahn [1995], 133). Das gesamte Konvolut dieser von hohem Augenpunkt gesehenen Weltlandschaften (oder Raumzellen- bzw. Überschaulandschaften), hauptsächlich in Stichen fassbar und kaum in Gem., ist C.s frühester Schaffensphase zuzuordnen. Alle Gem., die als von der Hand C.s angesehen wurden (und werden) und dieselbe oder eine ähnl. Komp. geben wie ein für C. gesicherter Stich, sind in der Zuschr. an den Künstler unsicher. Schwerlich diente ein Gem. als Vorlage für einen Stich, wahrscheinlicher ist, dass unbek. Nachf. nach diesen weit verbreiteten Stichen Kopien anfertigten. Ob die zeitliche Abfolge Antwerpen-Frankenthal-Amsterdam wirklich tragfähig ist, scheint nicht so überzeugend, obwohl der Gedanke verführerisch ist, dass mit dem Ortswechsel jeweils ein Richtungs- oder besser Stilwechsel stattgefunden haben könnte. Auch die weit verbreitete Annahme, das 1588 dat. Dresdner Midasurteil stelle sozusagen das künstlerische Vermächtnis des frühen C. dar, bevor er sich in Amsterdam dem zukunftsorientierten Thema der "Waldlandschaft" zugewandt hätte, überzeugt nicht völlig. Wie bei den anderen Malern verläuft die Entwicklung auch bei C. kontinuierlich von Bild zu Bild ohne überraschende Neuerungen. Ein fixes Datum für den Produktionsbeginn lässt sich mangels eines dat. Werkes bisher nicht annehmen. Da C. aber seit 1570 in der Antwerpener Lukasgilde eingeschrieben ist, hat man schon mit Gem. aus den 70er Jahren zu rechnen. Diese Arbeit, eine Chronologie mit Blick auf andere Werke der Zeit zu erarbeiten, bleibt für die Forschung noch zu leisten. Sicher gibt es von C. nicht die geniale Erfindung, die nicht schon von anderen, von Pieter Bruegel d.Ä., v.a. aber auch von dessen Sohn Jan Brueghel d.Ä. vorgedacht und vorformuliert worden wäre, oder auch nur annähernd das künstlerische Niveau einer der großen Münchener Hauptwerke Jan Brueghels d.Ä. bzw. einer Waldlandschaft in der Ambrosiana in Mailand erreicht. Es stellt sich dann die Frage, wie es zu dieser kuriosen Fehleinschätzung C.s kommen konnte, da die Werke Jan Brueghels d.Ä. allenthalben gelobt und nachgeahmt wurden - auch von C. Die Ursache ist eindeutig bei Van Mander zu suchen, der mit der immer wieder kolportierten Hymne von 1604 die Bedeutung C.s für alle Zeiten manifestierte. Inzwischen weiß man durch die Forsch. Hessel Midiemas, wie subjektiv und oft falsch Van Mander berichtete. So wichtig seine biogr. Notizen sind, so vorsichtig sind künstlerische Wertungen zu beurteilen. Wenn Van Mander über C. schrieb, er wisse zur Zeit keinen besseren Landschaftsmaler, dann mag das seinem persönlichen Geschmack als selbst ausübender, mittelmäßiger Maler entsprochen haben, dessen Ansicht von einer von Italien bestimmten theoretischen Doktrin geprägt war. Franz hat die Naturauffassung der "Waldlandschaften" C.s - und nur die kann Van Mander mit seinem überschwenglichen Lob gemeint haben - treffend geschildert: "C. hat in seinen Waldlandschaften deutlich das Ziel verfolgt, das Bild der Natur intensiv zu erfassen und zur Darst. zu bringen, aber nicht im Sinne einer getreuen mimesis, sondern einer Idealisierung, die einseitig die regellosen Formen der Natur aufsucht, die im äußersten Gegensatz zu allen strengen horizontalen und vertikalen Formen stehen; ebenso sind die bewegten und irrational gekrümmten Bildungen hervorgehoben, Asymmetrie und Schrägen beherrschen die Komposition. Die Kunst soll die Ansätze der Natur zur Vollendung bringen, lautet die künstler. Devise, die hinter den urtümlich bewegten Waldbildern steht. Die idea der Natur in Baum und Wald soll im Bilde zur Darst. gelangen. Wie es die Kunsttheorie des ital. Manierismus vom Figurenbild verlangt, sucht der Künstler mit Hilfe des disegno (eigtl. Zchng, dann Entwurf und geistiges Urbild nach platon. Anschauung) die Erscheinungen der Natur zu interpretieren" (1995, 109). Wie z.B. auch Josse de Momper d.J. war C. offensichtlich nicht in der Lage, Figurenstaffagen zu malen. Sicher ist, dass bedeutsame Staffagen, wie die des Dresdner und Würzburger Midasurteils, der dreifachen Thematisierung der Auffindung des Moses (Rostock, Paris [Gal. Pardo, Bienn. 1998], Priv.-Bes. [Paris, Gal. d'Art St-Honoré 1987]) von anderer Hand, womöglich der des Karel van Mander sind. Andere, weniger wichtige Figuren sind im Stile Jan Brueghels d.Ä. gemalt (Waldlandschaft mit der Jagd nach einem Großvogel, Vaduz; Landschaft mit Waldstraße, London, Aukt. Bonhams 1994; Waldlandschaft mit Jägern, London, Gall. Valls 1988), andere könnten von dem jungen Vinckeboons herrühren (Speyer, HM; Waldlandschaft mit der Taufe des Mohrenkämmerers, St. Petersburg, Slg Semenow-Tianskansky 1906), wiederum andere sind vom spätmanieristischem, rudolphinischem (Waldige Flußlandschaft mit Diana, Amsterdam, Christie's 18.11.1993) oder ital. klassischem Figurenstil (Waldige Landschaft mit Paris-Urteil, Köln, Lempertz, 12.12.1992) geprägt. Immer dann, wenn sich die Staffage über das reine Jagdgeschehen, die man viell. C. selbst zugestehen darf, hinaus zu christlicher, mythologischer oder hist. Bedeutung steigert, ist ziemlich sicher die Hand eines Malerkollegen zu sehen. Welche Maler das im einzelnen sind, ob sie selbst am Werk waren oder ob nur der ihnen eig. Personalstil von anderen nachgeahmt wurde, was durchaus üblich war, bleibt noch zu untersuchen, ebenso wie die Bemerkung von Wiesemann (Ausst.-Kat. Boston 1993, p.450), Marten van Cleve d.Ä., David Vinckeboons und Esaias van de Velde hätten Staffagen für C. gemacht. Marten van Cleve, dessen Mitarb. schon Van Mander nennt, wird wahrsch. ganz von der Liste der Staffagemaler zu streichen sein. Alle bisher beobachteten Abhängigkeiten sind als zutreffend anzusehen und in Zukunft weiter zu untersuchen: die Beeinflussung der Waldlandschaften durch Girolamo Muziano, die C. durch das Stichwerk kennen konnte (Stechow 1966, p. 65 s.); die Beeinflussung durch Paolo Fiamingo, die Hanschke (1988, p. 43) feststellt; die Rolle des Hans Bol, in dessen Werk von 1570 bis 1590 Bäume eine wichtige Rolle spielen, die zu Frans Bols Werk um 1590 und zu Jacob Savery führen, von denen dann wiederum C. direkt Anregungen empfangen konnte (eine Kette, die von Franz 1969 und Gerszi 1975 in erster Linie herausgearbeitet, von Briels 1987, p. 307, wiederholt wurde, wobei Letzterer die wichtigsten Quellen, Pieter Bruegel d.Ä., Jan Brueghel d.Ä., Paul Bril, Lucas van Valckenborch, der schon 1590 eine "reine" Waldlandschaft "Angler am Teich" [Wien, KHM] malte) vergaß. Auch die Beobachtungen von Thiéry (1986), die die frühen Stiche C.s von der Teppichkunst eines Bernart van Orley nach Karel van Mander oder Pieter Coecke van Aelst beeinflusst sah (z.B. von der "Maximiliansjagd" im Louvre) oder am Beispiel des Dresdner Midasurteils Einflüsse der venezianischen Malerei, insbesondere Tizians, bemerkt und vermutet, dass C. von Paul Franck beeinflusst wurde, werden bei zukünftigen Analysen des Werkes von C. kritisch zu beachten sein. Letztlich unerforscht ist auch noch die Bedeutung, die C. für nachfolgende, insbesondere holl. Maler hatte, obwohl die Richtung der zukünftigen Forschungen auch hier schon lange vorgegeben ist: Goossens (1954, 16-21) warnte davor, den als wichtig akzeptierten Einfluss C.s auf David Vinckeboons überzubewerten; Stechow (1966, 131-133) wies auf Hercules Seghers und Hendrick Goltzius als von C. Beeinflusste hin; Thiéry (1986) zählte 13 Flamen zu den Nachfolgern C.s, darunter K. de Keuninck, P.Stevens, G. van der Lanen, D.Vinckeboons, K. van Mander und W. van den Bundel. Briels nannte J. van der Wyhen, W. van den Bundel, R.Savery, H.Jordaens, M.Molanus, A. Keirincx, E. van de Velde, J. van Geel, P.Stael, D.Vinckeboons u.a. als von C. angeregt; Wiesemann (1993, Ausst.-Kat. The age of Rubens, Ghent, 453) fügte noch die Namen D. van Alsloot, A.Govaerts, A. van Stalbempt hinzu. Weitere nennt Brauksiepe (1995, 131): D. van Alsloot, G.Gremare, A.Govaerts, G.C. de Hondecoeter, A. de Keuninck, A. van der Neer, H.Seghers, P.Stalpaert, P.Stevens II, F. van Valckenborch, G.D. Zapponi. Doch dürfte C.s Einfluss auf die vielen gen. Maler maßlos überschätzt sein. Mit der genaueren Erforschung von deren Werk, die noch am Anfang steht, wird die Bedeutung C.s als Anreger kontinuierlich zurückgehen.
dat. monogr. Gem.:
Thieme-Becker, Vollmer und AKL:
ThB7, 1912
Weitere Lexika:
Wurzbach, NKL I, 1906; Hollstein IV, 1951; Wilenski II, 1960.
Gedruckte Nachweise:
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