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Cuyp, Aelbert Jacobsz.

Geboren
Dordrecht (Zuid-Holland), 1620.10
Gestorben
Dordrecht (Zuid-Holland), (vor) 1691.11.15
Land
Niederlande
Geschlecht
männlich
GND-ID
Weitere Namen
Cuyp, Aelbert; Cuyp, Albert; Kuip, Aelbert / %Kuip, Aelbrecht; Cuyp, Albrecht; Cuyp, Aelbert Gerritsz.
Berufe
Landschaftsmaler*in; Tiermaler*in; Porträtmaler*in; Radierer*in; Zeichner*in
Wirkungsorte
Dordrecht (Zuid-Holland)
Zur Karte
Von
Seelig, Gero
Zuletzt geändert
08.09.2023
Veröffentlicht in
AKL XXIII, 1999, 235

VITAZEILE

Cuyp, Aelbert Jacobsz., niederl. Maler, Zeichner, get. Okt. 1620 Dordrecht, begr. 15.11.1691 ebd.

LEBEN UND WIRKEN

Sohn und Schüler des Jacob Gerritsz. C., mit dem er bis zu dessen Tod 1652 in häusl. und Ateliergemeinschaft lebt und arbeitet, so daß seine spätere Rolle als einer der führenden Maler der Stadt vorbereitet ist. Schließl. heiratet er im Juli 1658 in die höchsten gesellschaftl. Kreise, d.h. in die seiner Auftraggeber. Seine Frau Cornelia Boschman ist die Witwe des wohlhabenden Regenten Johan van den Corput und Enkelin des streitbaren reformierten Theologen Franciscus Gomarus, einer der wichtigsten Figuren der Dordrechter Synode von 1618. C. zieht in ihr Haus, wo auch ihre drei Kinder wohnen. Sein einziges Kind, die Tochter Arendina, wird 1659 geboren. 1663 zieht die Fam. in ein größeres Haus. Die Malerei muß C. nun nicht mehr zum Broterwerb betreiben. Statt dessen hat er öff. Ämter inne: 1660-61 ist er Diakon der Reformierten Gemeinde, 1672-74 Ältester, ab 1673 Regent des Hl. Geist- und Pesthauses der Grote Kerk. Im "Rampjaar" 1672 wird er als Parteigänger von Willem III genannt. 1679-82 Mitgl. des höchsten Gerichtshofes (Hoge Vierschaar) der Prov. Süd-Holland. Zur Zeit seines Todes scheint er einer der wohlhabendsten Bürger Dordrechts zu sein. Daß C. nach der Hochzeit das Malen aufgegeben habe, dürfte eine Legende sein. C. malt sicher bis weit in die 2.H. des 17. Jh.; in den Test. seiner Frau ist mehrfach die Rede von Werken, die in der Ehezeit entstanden (Veerman im Kat. Dordrecht, 1977), doch beharrt Chong (DA VIII) darauf, daß kein Bild sicher nach 1658 datierbar ist. Von den insgesamt nur wenigen dat. Gem. C.s trägt das früheste das Datum 1639, mehrere haben das Datum 1641, weiterhin sind um die M. der 40er Jahre einige dat., hauptsächl. Portr. und Pastoralen. Bisweilen malte der Vater Jacob Gerritsz. die Figuren, C. selbst die Lsch. (Jerusalem). Mindestens in einem Werk, der Bekehrung Pauli (Amiens), variiert C. auch eine der Versionen des Themas von seinem Onkel Benjamin Gerritsz. C. Nach den ersten Gem. von ca. 1639, mit imaginären Landschaften in der Art von Esaias van de Velde oder Hercules Pietersz. Seghers, wendet er sich bald breiten Pastoralen und Flußlandschaften zu, die in einer einheitl. gelb-braunen, von Akzenten belebten Farbigkeit gehalten sind. Sowohl in Stil wie Farbigkeit beziehen sie sich auf Bilder von Jan van Goyen der 1630er Jahre. Um 1642 unternimmt C. eine Reise durch Städte und Dörfer in Holland und Utrecht, u.a. Rhenen, Arnhem, Amersfoort, Utrecht, Leiden, Den Haag. 1651 oder 1652 erfolgt eine weitere Reise, von der durch erhaltene Studien die Stationen Arnhem, Nijmegen, Elten, Emmerich, Kleve und Kalkar nachw. sind. Wiederholte Aufenthalte in Utrecht, der Heimatstadt der Mutter, stehen außer Zweifel, wo als wichtige Anreger in den 40er Jahren der aus Italien zurückgekehrte Jan Both wie auch Herman Saftleven arbeiten. Durch sie lernt C. den Reiz warm-goldener, sonnendurchfluteter Atmosphäre kennen, die er zunächst, vor 1645, bei pastoralen Themen anwendet, um sie dann konsequent auf die Motive seiner holl. Landschaften zu übertragen. Als weitere Anregungen nennt Sutton (im Kat. Amsterdam 1987) in den 1640er Jahren Arbeiten von Aert van der Neer für C.s Mondlandschaften, von Gijsbert de Hondecoeter für die Tier- und Geflügelbilder, für Cornelis van Poelenburch für die Felsformationen und tekton. Kompositionen. Bes. an Jan Boths Vorbild entwickelt C. auch seine majestät. Entwürfe. Es entstehen Viehstücke mit betont niedrigem Horizont, die ganz auf die Wirkung der großen Vordergrundmotive der Rinder und einen auf wenige Einzelheiten reduzierten Fernblick abgestellt sind (Washington; Budapest). Schließl. findet er, vermutl. in der 2.H. der 1650er Jahre, zu vielfältig variierten Landschaften im Abendlicht, die sich breit und ruhig, von einer flachen, mit nahsichtig gegebenen Pflanzen versehenen Vordergrundfläche aus über Reiter und Vieh unter hohen Baumgruppen bis zu Städten und Bergzügen im Hintergrund entwickeln. Alle Einzelheiten werden von vorn bis hinten durch Reflexe des blau-goldenen Lichtes am großen Himmel übersponnen und belebt. Dabei wird die starke Tiefenwirkung des Fernblickes ganz durch die Farbgestaltung erzeugt, die nach hinten bei gleichbleibender Klarheit der Motive zu einem einheitlichen Ton hin aufhellt. C.s zweifellos wichtigste Leistung besteht in seiner Landschaftsmalerei, doch ist er auch auf anderen Gebieten tätig. Schon um 1650 malt er wirkungsvolle Reiterporträts in Landschaften für das Dordrechter Patriziat, namentlich die Familien Pompe van Meerdervoort, van Beyeren, de Roovere und Berck, Aufträge, die ihm offenbar in der Nachfolge der gesellschaftl. Stellung des Vaters erteilt werden. Es gibt relig. Themen wie die an Rembrandts Vorbild orientierte Taufe des Kämmerlings (Houston; Anglesey Abbey) oder die Bekehrung des Paulus (Amiens), wie auch Genrebilder mit Stallinterieurs (Stockholm; Dordrecht) u.a. Unter den bedeutendsten Bildern ist zweifellos die topogr. treue Stadtvedute von Dordrecht (Ascott). In wiederkehrenden Motiven wie dem Vieh, dem Melken, oder auch in bestimmten Ruinen-Veduten oder der Ansicht von Nijmegen erkennt Chong inhaltl. Bezüge auf wichtige nat. Themen wie die Viehwirtschaft oder bestimmte hist. Ereignisse. Zu Lebzeiten scheint C.s Œuvre außerhalb Dordrechts völlig unbek. gewesen zu sein. Nicht ein Beleg für ein Bild außerhalb der Stadt existiert, auch die frühen Kunstschriftsteller nehmen kaum je Notiz von C. Im ausgehenden 18. Jh. ändert sich das schlagartig, und die ganz in Dordrechter Slgn konzentrierten Gem. C.s werden verkauft. In der Dordrechter Slg Johan van der Linden van Slingelandt, die 1785 versteigert wird, sind 41 Werke C. zugeschrieben. Um 1900 war nur noch ein einziges in Dordrecht vorhanden (Veth). Noch heute sind viele der besten Gem. C.s in England. In erster Linie Jacob van Strij aber auch seine Zeitgen. Dionys van Dongen, Arie Lamme und Aert Schouman schufen Kopien und Pasticcios von Motiven C.s und bedienten damit die aufgekommene Begeisterung v.a. des engl. Kunstmarktes, die C. neben Claude Lorrain stellte. Neben den A.C. sign. Bildern, die schon Hofstede de Groot selbst (1926) als mögliche Werke Abraham van Kalraets zusammengestellt hat, dürften etliche unter den ca. 800 Werke seines Kat. diesen Nachfolgern zuzuschreiben sein. Der Bruder Abrahams, Barent van Kalraet, ist der einzige von Houbraken erw. Schüler C.s. Ein Kat. der Zchngn ist bisher nicht erschienen. Bll. seiner Hand liegen u.a. in Amsterdam, Berlin, Chantilly, Köln, London, Haarlem, Hamburg, Paris (Coll. Frits Lugt), Wien.

WERKE

Aachen, Suermondt-Ludwig-Mus. Aix-En-Provence, Mus. Granet. Amiens, Mus. de Picardie. Amsterdam, RM. - HM. Anglesey Abbey/Cambs., Nat. Trust. Apeldoorn, RM Pal. Het Loo. Aschaffenburg, Schloß-Mus. Ascott/Bucks., Nat. Trust. Basel, KM: David und Abigail. Berlin, SMPK, GG. Besançon, MBA: 1639. Birmingham, Barber Inst. of FA. Bremen, KH. Budapest, SzM. Caen, MBA. Cambridge, Fitzwilliam Mus. Cardiff, NM of Wales. Cleveland/Ohio, Mus. of Art. Den Haag, Mauritshuis. - Mus. Bredius. Dessau, Schloß Georgium, GG. Dordrecht, Dordrechts Mus. - Mus. Mr. Simon van Gijn. Douai, Mus. de la Chartreuse. Dublin, NG of Ireland. Edinburgh, NG of Scotland. Enschede, RM Twente. Frankfurt am Main, Städel. Genua, Gall. di Pal. Bianco. Glasgow, AG and Mus. Gotha, Schloß-Mus. Haarlem, Frans Hals Mus. Halle, Staatl. Gal. Moritzburg. Hamburg, KH. Heidelberg, Kurpfälz. Mus. Houston/Tex., Sarah Campbell Blaffer Gall. Indianapolis/Ind., Mus. of Art. Innsbruck, Tiroler LM Ferdinandeum. Jerusalem, Israel Mus.: Familienporträt, 1641 (Figuren von J.G.Cuyp). Kapstadt, Old Town House, Michaelis Coll. Karlsruhe, SKH. Kassel, Staatl. Mus., GG AM. Kedleston Hall/Derby, Slg Viscount Scarsdale. Köln, WRM. - SM. Kopenhagen, Statens Mus. for Kunst. Leipzig, MBK. London, NG. - Buckingham Pal. - Dulwich College Picture Gall. - Kenwood House, The Iveagh Bequest. - Slg Earl of Yarborough. - Slg J. Robarts. - Wallace Coll. Loosdrecht, Kasteel Sypesteyn. Los Angeles, County Mus. of Art. Mainz, LM. Malibu/Calif., J. Paul Getty Mus. Manchester, City AG. Melbourne, NG of Victoria. Melbury Sampford/Dorset, Melbury House. Montauban, Mus. Ingres. Montpellier, Mus. Fabre. München, BSGS, AP. New York, Metrop. Mus. - Frick Coll. Oxford, Ashmolean Mus. Paris, Louvre. - Coll. Frits Lugt, Fond. Custodia, Inst. Néerlandais. - Petit Pal. Petworth House/Sussex, Nat. Trust. Philadelphia/Pa., Mus. of Art, John G.Johnson Coll. Polesden Lacey/Surrey. Prag, NG. Rotterdam, BvB. - Schielands HM der Stad. St. Louis, Washington Univ. Gall. of Art. Salzburg, Residenz-Gal. San Diego, FA Gall. San Francisco, FA Mus., M.H. de Young Memorial Mus. St. Petersburg, Ermitage. Sarasota/Fla., Ringling Mus. of Art. Stockholm, SM. Strasbourg, MBA. Toledo/Ohio, Mus. of Art. Toronto, AG of Ontario. Venedig, Mus. Correr. Venlo, Goltzius-Mus. Waddesdon Manor, Nat. Trust. Washington/D.C., NG of Art. - Corcoran Gall. of Art. Weimar, KS. Wien, Kunsthist. Mus. Wrocław, MN. Wuppertal, StM.

QUELLEN

Thieme-Becker, Vollmer und AKL:

ThB8, 1913 (Lit.).

 

Weitere Lexika:

Wurzbach, NKL I, 1906; Hollstein V, 1951; Kindler, ML I, 1964; EWA IV, 1972; Bauer, GEM II, 1976; Bernt I, 1979; IV, 1979; LdK II, 1989; DA V, 1996 (im Art. Calraet, A. van); DA VIII, 1996 (beide Art. von A.Chong)

 

Gedruckte Nachweise:

G.H. Veth, Oud Holland 2:1884, 233-290; C.Hofstede de Groot, Oude Kunst 1:1915/16, 143-145, 241-243, 314, 386; A.Bredius, BurlMag 30:1917, 172-179; W.von Bode, Die Meister der holl. und fläm. Malerschulen, L. 1921; A.M. Hind, A hist. of engraving and etching, Lo. 1923, 193; A.C. Original-Abb. nach seinen vorzueglichsten Gem. und Hand-Zchngn, L. 31924; J.Holmes, AiA 18:1930, 165-185; id., A.C. als Landschaftsmaler, Diss. Innsbruck 1933; W.Martin, De Hollandsche schilderkunst in de 17de eeuw, Am. 1936, II, 339-349; H.Gerson, Ausbreitung und Nachwirkung der holl. Malerei des 17.Jh., Haarlem 1942; A.Staring, Oud-Holland 48:1953, 117; S.Reiss, BurlMag 95:1953, 42-47; W.Stechow, Oud-Holland 75:1960, 86-90; A.P. de Mirimonde, ibid. 80:1965, 181-188; J.Nieuwstraten, ibid. 80:1965, 192-195; C.J. de Bruyn Kops, Bull. van het RM 13:1965, 162-176; W.Stechow, Dutch landscape paint. of the 17th c., Lo. 1966, 61-64; J.Rosenberg/S.Slive/E.H. ter Kuile, Dutch art and archit. 1600-1800, Harmondsworth 1966; H.Dattenberg, Niederrheinansichten holl. Künstler des 17. Jh., Dd. 1967, 64-82; D.G. Burnett, Apollo 89:1969, 372-380; J.G. van Gelder/I.Jost, Vroeg contact van A.C. met Utrecht, in: Misc. I.Q. van Regteren Altena, Am. 1969, 100-103; id./ead., Nederlands kunsthist. jb. 23:1972, 223-239; A.C. in Brit. coll. (K), Lo. 1973; B.Haak, Antiek 7:1973, 713-719; Die holl. Landschaftszeichnung 1600-1740 (K Kpst.-Kab.), B. 1974, 17-19; S.Reiss, A.C., Boston/Lo. 1975; C.Brown, Times lit. suppl. v. 28.11.1975; J.Somerville, Country life 158:1975, 32-34; K.Müllenmeister, Meer und Land im Licht des 17. Jh., Bremen 1978, II, 51-54; J.M. de Groot, Antiek 12:1977, 373 s.; A.C. en zijn fam. (K), Dordrecht 1977; A.Blankert, Nederlandse 17de eeuwse italianiserende landschapschilders, Doornspijk 1978, 171-174; B.Broos, Pantheon 36:1978, 178 s.; C.Brown, BurlMag 120:1978, 52-55; S.Reiss, ibid., 87 s.; H.Jantzen, Das Niederl. Architekturbild, Bg. 21979, Nrn 98-101; Y.Yapou, BurlMag 123:1981, 160-163; P.Schatborn, Figuurstudies. Nederlandse tekeningen uit de 17de eeuw (K Amsterdam/Washington), D.H. 1981, 102 s., 134; Land & water (K Amsterdam), Zwolle 1987, 37-41; Masters of 17th-c. Dutch landscape paint. (K), Am. 1988, 45-47, 290-304; Meesterlijk vee (K Dordrecht), Zwolle 1988; Great Dutch paint. from America (K Den Haag/San Francisco), Zwolle 1990, 212-217; A.Chong, New dated works from A.C.s early career, BurlMag 133:1991, 606-612; P.J. Schoon, A.C., 1620-1691, Dordrecht 1991; De zichtbaere werelt (K Dordrecht), Zwolle 1992; A.Chong, A.C. and the meanings of landscape, Diss. New York 1992; Het gedroomde land (K Utrecht u.a.), Zwolle 1993, 149-151, 295; I.Seifert, A.C. im Kontext der niederl. Landschaftsmalerei, Saarbrücken 2008.