Gentile da Fabriano (Gentile di Niccolò di Giovanni di Massio di Venutolo; Maistro Zentil), ital. Maler, *um 1375 Fabriano, †vor 14.10.1427 Rom.
Gentile da Fabriano
Höchstwahrscheinlich geb. in Fabriano als Sohn des Niccolò di Giovanni di Massio di Venutolo, einem Hersteller von Grobleinenstoffen (auch zur Papiererzeugung verwendet) und einer Franceschina di Giovanni di Bonanno Trasemundi in Fabriano. Die Mutter erhält einen Teil ihrer Mitgift im Nov. 1375, als sie bereits verh. ist. Die Hochzeit muß jedoch nicht unbedingt kurz vor 1375 erfolgt sein, da sich die Auszahlung der Mitgift mitunter über Jahre hinziehen konnte. And. Daten zu Leben und Schaffen von G. machen ein Geburtsdatum zw. 1370 und 1375 wahrsch., sicher jedoch vor 1385, als der verwitwete Vater als Laienbruder im Silvestriner- (kurz darauf Olivetaner-) Konvent von S.Caterina in Fabriano bezeugt ist. Zur Jugend und Ausb. von G. sind keine schriftl. Dok. überliefert, doch sprechen die ersten Werke, das kleine Altarbild in Pavia und die Taf. in Berlin, für eine Ausb. in den 1390er Jahren in der Lombardei, in Mailand und Pavia, der fortschrittlichsten Kunstlandschaft Italiens in der Bemühung um eine naturalist. Darstellungsweise, wie sie das Werk des Giovannino de' Grassi kennzeichnet und offen gegenüber dem Einfluß der internat. Gotik, der durch die engen Kontakte mit den frz. Höfen befördert wurde. Die Übersiedelung G.s in die Lombardei könnte von Chiavello Chiavelli, dem Herren von Fabriano, gefördert worden sein, der sich 1395 wegen der Herzogserhebung des Gian Galeazzo Visconti in Mailand aufhält und bei dieser Gelegenheit von diesem zum Ritter geschlagen wird. G. führt ein bemerkenswertes Portr. des Gian Galeazzo Visconti als Metallstift-Zchng auf Pergament aus (Paris, Louvre). Mit den Visconti in Verbindung gebracht werden könnte auch die kleine Taf. der Madonna mit Kind und den Hll. Franziskus und Klara in Pavia, wenn sie denn tatsächl. aus dem Klarissenkonvent von S.Chiara la Reale stammt, den Bianca Maria Visconti 1380 gegr. hatte. Die Taf. zeigt bereits die für G. typ. punzierten Figuren auf dem Goldgrund (opus punctorium), eine techn. Übernahme aus der Goldschmiedekunst, deren außerordentl. Finesse von den Zeitgen. bes. bewundert und vielfach nachgeahmt wird. A. des 15. Jh., viell. mit dem Tod von Gian Galeazzo (1402), läßt sich G. in Venedig nieder, er ist dort jedoch erst am 28.7.1408 mit Sicherheit dok., als er die Ausf. eines Altarbildes für Francesco Amadi, einen wohlhabenden Kaufmann aus Lucca, übernimmt. Gleichzeitig beauftragt Amadi den Venezianer Niccolò di Pietro mit der Ausf. eines and. Gemäldes. G.s Verbindungen zu diesem Maler sind durch die späteren Taf. mit Szenen aus dem Leben des hl. Benedikt bezeugt (Mailand, Mus. Poldi Pezzoli; Florenz, Uffizien), deren Entwurf von G. stammen dürfte, während die weniger sorgfältige Ausf. die Hand des Niccolò di Pietro verrät. In Venedig tritt G. zu einem unbestimmten Zeitpunkt der Scuola di S. Cristoforo dei Mercanti bei, lt. deren Reg. ist er in der Gemeinde von S.Sofia im Stadtteil Cannaregio ansässig. Für die Kirche von S.Sofia malt G. ein Bild mit den Hll. Antonius Abbas und Paulus dem Eremiten für den Altar der Sandei, einer ebenfalls aus Lucca stammenden Kaufmannsfamilie. Erh. sind der Kopf des hl. Paulus und vier kleine Taf. mit Darst. der Apostel. Von den Fresken in der Sala del Maggior Consiglio des Dogen-Pal., die wahrsch. zw. 1409 und 1415 ausgef. wurden und Themen aus der venez. Gesch. behandelten, hat sich nichts erhalten. An dieser Dekoration war auch G.s noch junger Schüler Pisanello beteiligt. Eine Zchng von Pisanello im Louvre überliefert eine der Szenen des Zyklus, vermutl. eine Episode der Gesch. von Papst Alexander III. und Friedrich II. Barbarossa. Die Serenissima zahlt G. eine Provision von einem Dukaten pro Tag, was ihm einen recht gehobenen Lebensstandard ermöglicht. Wie für in Venedig ansässige Maler übl., sendet G. von dort aus seine Werke an ihre Bestimmungsorte, die beiden bedeutendsten, die sich aus dieser Zeit erh. haben, in die Marken und nach Umbrien: Das Polyptychon von Valleromita entsteht im Auftrag des Chiavello Chiavelli für die Einsiedelei von Valdisasso bei Fabriano, wo dieser 1405 die Franziskanerobservanten eingesetzt und die er zu seiner Grablege bestimmt hatte. Die Madonna aus Perugia ist das einzige erh. Fragm. eines Polyptychons für einen Altar in S.Domenico (Hauptaltar oder Sakristei), der 1428 von dem lokalen Nachf. Pellegrino di Giovanni in einer Taf. für dieselbe Kirche kopiert wurde (London, V&A). Am 27.8.1411 und am 12.1.1412 hält sich G. lt. zweier heute verschollener Dok. (überliefert durch einen Gelehrten des 18. Jh.) in Foligno auf, wo er vom Herren der Stadt, Ugolino Trinci, 225 bzw. 93 fl. für Malereien in einigen Gemächern des Pal. dei Trinci (Sala degli Imperatori, Camera delle Rose, Loggia) und für ein kleines Marienbild erhält. Die erste Zahlung erfolgt ausschl. auf G.s eig. Namen, im zweiten Fall auch für vier Mitarb.: Jacopo da Venezia (Jacopo Bellini?), Paolo Nocchi da Foligno, Francesco di Giambono da Bologna (oder da Budrio) und Battista di Domenico da Padova. Die erh. Fresken im Pal. sind den gen. Gehilfen zuzuschreiben, die offensichtl. nach G.s Entwürfen und unter seiner Aufsicht arbeiteten. Eine ähnl. Praxis ist auch für einige Arbeiten in Oberitalien angenommen worden, die eine deutl. stilist. Verwandtschaft zu G.s Werk zeigen, wie die Fresken von S.Caterina in Treviso (teilw. dem jungen Pisanello zugeschr.) und die Malereien der Capp. Ricchieri im Dom von Pordenone. Von Jan. 1414 bis Aug. 1419 wird G. für die Ausmalung der Georgs-Kap. im Kommunal-Pal. (Broletto) von Brescia bezahlt, dem Sitz des damaligen Stadtherren Pandolfo III Malatesti. Während der Ausf. dieser Fresken mit Szenen aus dem Leben Christi, mit der G. viell. erst 1416 ernsthaft begann, malt er 1417-18 auch ein kleines Altarbild für Carlo Malatesti, den Bruder von Pandolfo und Gatten der Elisabetta Gonzaga, Regentin von Mantua, sowie eine Taf., die von Pandolfo als Geschenk für den neugewählten und in Mantua weilenden Papst Martin V. bestimmt war. Im Juni 1416 wird im Dom von Brescia eine Tochter G.s getauft, die den Vater nicht überlebt. Am 18.9.1419 schreibt G. nach Voll. der Kap.-Ausmalung an Malatesti, um vom Grafen von Carmagnola einen Geleitbrief mit einer Gültigkeitsdauer von mindestens 15 Tagen für sich und ein Gefolge von acht Personen und acht Pferden zu erwirken. Geplant ist eine Reise nach Rom, da G. dem Papst bei dessen Aufenthalt in Brescia seine Dienste versprochen hatte. Im folgenden Jahr ist G. jedoch in Fabriano dok., wo Tommaso Chiavelli ihn am 23.3. und 6.4.1420, zwei Bittschriften entsprechend, von der Steuerpflicht gegenüber der Kommune befreit. Während dieses Aufenthaltes in den Marken dürfte die doppelseitige Standarte entstanden sein, die heute zw. der Fond. Magnani Rocca, Mamiano di Traversetolo und dem J. Paul Getty Mus., Los Angeles aufgeteilt ist. Gleichzeitig könnte auch ein heute verlorenes Gem. mit Maria, das Kind in der Wiege anbetend ausgef. worden sein, da drei Versionen desselben Themas des Maestro di Stafolo, einem späten Nachf. G.s aus Fabriano, in mehrerer Hinsicht auf eine Vorlage von dessen Hand weisen. Trotz seiner kurzen Dauer übt dieser Aufenthalt G.s in den Marken großen Einfluß auf einige lokale Maler aus, u.a. Pietro di Domenico da Montepulciano und Arcangelo di Cola da Camerino, der ihm nach Florenz folgen wird. Obwohl G. in der ersten der beiden Bittschriften an Chiavelli seine Absicht erklärt, sich in Fabriano niederzulassen, ist er noch im gleichen Jahr in Florenz dok., wo er ein Haus von Palla di messer Palla Strozzi in der Gemeinde von S.Maria degli Ughi mietet, das er bis 1422 bewohnt. Ebenfalls 1422 schreibt G. sich in der Arte dei Medici e Speciali ein. Für die Sakristei-Kap. in S.Trinità malt er im Auftrag des Palla di Nofri Strozzi (Vetter des Palla di messer Palla) die bek. Anbetung der Könige der Uffizien. Die Zahlungen für dieses im Übrigen völlig eigenhändige Gem. erwähnen als Gehilfen einen Michele d'Ungheria, der mit Michele Pannonio (bzw. Ongaro) identifiziert werden könnte und der ab 1438 bis zu seinem Tod 1463/64 in Ferrara dok. ist. Als Schüler G.s in Florenz erscheint 1423 auch ein Jacopo di Piero da Venezia, der mit Jacopo Bellini ident. sein könnte (obwohl dessen Vater Niccolò hieß) und der am 2.9. wegen einer Handgreiflichkeit aktenkundig wird, die durch Steinwürfe in den Hof ausgelöst wurde, in dem sein Meister zahlr. wichtige Skulpt. und Gem. aufbewahrte. Nach 1423 wird G. in Florenz nicht mehr urkdl. erw., doch ist das Polyptychon Quaratesi für den Hauptaltar von S.Niccolò Oltrarno im Auftrag der Erben von Bernardo di Castello Quaratesi auf Mai 1425 datiert. Ein and. Polyptychon malte G. viell. etwas früher für den Altar der Banchi in derselben Kirche, der dem hl. Ludwig gewidmet war (oder nach einer jüngst aufgestellten Hypothese für die Kirche der Franziskanerobservanten von S.Salvatore al Monte, gegr. 1417). Auf den Florenzaufenthalt dürften auch die beiden Verkündigungen in der Pin. Vaticana und in Priv.-Bes. zurückgehen, jeweils Kopien des Gnadenbildes der SS.Annunziata in Florenz. Zw. Juni und Aug. 1425 mietet G. ein Haus in Siena, wo er das Fresko einer Madonna mit Kind und vier Hll. an einer Ecke der Piazza del Campo (über dem Banco dei notai) malt (nicht erh.). Unmittelbar anschl., zw. Aug. und Okt. 1425, begibt er sich nach Orvieto, um im linken Seitenschiff des Doms ein Fresko der Madonna mit Kind auszuführen, für das er am 20.10.1425 von der Domopera mit 18 fl. entlohnt wird. Noch 1425 oder im folgenden Jahr trifft G. in Rom ein, doch ist er dort erst 1427 sicher im Dienste Martins V. dokumentiert. Von Febr. bis Aug. 1427 erhält er ein monatl. Gehalt von 25 fl. für die Dekoration des Hauptschiffes von S.Giovanni in Laterano. Einen Eindruck vom Aussehen des verlorenen Zyklus mit Szenen aus dem Leben der Hll. Joh.Ev. und Joh.Bapt. direkt über den Kolonnaden, Darst. der Evangelisten und mon. Propheten zw. den Fenstern vermittelt eine Zchng aus der Wkst. des Francesco Borromini (Berlin, Kunst-Bibl.), die um die M. 17. Jh. kurz vor der Zerst. der Malereien ausgef. wurde. Am 14.10.1427 ist G. bereits nicht mehr am Leben, da Onofrio di Giovanni di Massio, sein Onkel väterlicherseits, von Fra Giovanni da Padova, dem Prior des Klosters S.Maria Nova (heute S.Francesca Romana), in Rom 50 Dukaten aus dem Nachlaß des Malers erhält. G. dürfte in diesem Kloster gest. sein, denn dort befand sich ehem. auch seine Grabplatte mit der Inschr.
(Alles Tempera/Holz, falls nicht anders angegeben):
Einzelausstellungen:
1993 Mailand, Pin. di Brera / 2006 Fabriano.
Thieme-Becker, Vollmer und AKL:
ThB13, 1920
Weitere Lexika:
EI XVI, 1932; EUA V, 1958; Kindler, ML II, 1965; Berenson, Pictures, C/N Ital. I, 1968; EWA VI, 1971; DEB V, 1974 (s.v. Gentile di Niccolò Masi); PittItalQuattroc II, 1986; Diz. della pitt. e dei pittori, II, T. 1990; DA XII, 1996; DBI LIII, 1999 (s.v. Gentile di Niccolò di Giovanni di Massi)
Gedruckte Nachweise:
B.Orsini, Guida al forestiere per l'augusta città di Perugia, Pe. 1784, 68; A.Rossi, Giorn. di erudizione artist. 6:1877, 149 s.; L.Fumi, Il Duomo di Orvieto e i suoi restauri, R. 1891, 392 s.; G.Bernardini, Rass. d'arte 1:1901, 151-154; W.Bombe, Le opere di G. alla mostra d'arte antica Umbra, Pe. 1907; M.Salmi, in: Storia di Milano, VI, Mi. 1955, 774 s.; A. Gonzalez-Palácios, Il Mondo v. 1.12.1975, 99; M.Boskovits (Bearb.), Frühe ital. Malerei. Kat. der Gem., GG Berlin, B. 1988, 52-56; M.G. Albertini Ottolenghi, Arte in Lombardia tra Gotico e Rinascimento (K), Mi. 1988, 226-229; P.Zampetti, Pitt. nelle Marche, I: Dalle origini al primo Rinascimento, Fi. 1988, 274-281; K.Christiansen, in: Pin. di Brera. Scuole dell'Italia centrale e meridionale (K), Mi. 1992, 131-137; A. De Marchi, in: P. Dal Poggetto (Ed.), Fioritura tardogotica nelle Marche (K Urbino), Mi. 1998, 194-197; id., in: D.Cordellier/B.Py (Ed.), Pisanello (Tagung 1996), P. 1998, 161-213; M.G. Russo, in: R.Sansone (Ed.), Mus. Diocesano di Velletri. Guida, Mi. 2000, 71 s.; A. De Marchi, in: Il potere, le arti, la guerra. Lo splendore dei Malatesta (K Rimini), Mi. 2001, 198 s.; L.Lametti, in: G.Benazzi/F.F. Mancini (Ed.), Il Pal. Trinci di Foligno, Pe. 2001, 427 s.; F.Marcelli, G., Cinisello Balsamo 2005; A.Cecchi (Ed.), G. agli Uffizi, Cinisello Balsamo 2005; L.Laureati/L.Mochi Onori (Ed.), G. e l'altro Rinascimento (K Fabriano), Mi. 2006; A. De Marchi u.a. (Ed.), G. Studi e ricerche (K Fabriano), Mi. 2006; M.Ciatti/C.Frosinini (Ed.), Il Gentile risorto. Il Polittico dell'Intercessione di G. Studi e restauro (K), Fi. 2006
Gentile da Fabriano, eigentlich Gentile di Niccoló di Giovanni Massi, auch Gentilino genannt, umbrischer Maler, † in Rom zwischen 1. B. und 14. 10. 1427, tätig in Venedig, Brescia, Fabriano (?), Florenz, Siena, Orvieto und Rom. Zuerst in Venedig nachweisbar, wo (vor 1910) seine Eintragung in die Matrikel der Arte di S. Cristoforo dei Mercanti als "Maistro Zentil da Fabriano, S. Sofia" erfolgt. Man hält ihn auch für identisch mit jenem "Maistro Zentil", der 1408 für ein Tafelbild bezahlt wird, das er für Francesco Amadi gemalt hatte. Anläßlich der Wiederherstellungsarbeiten an den Malereien in der Sala del Consiglio Maggiore im Dogenpalast (Ratsbeschlüsse vom 25. 5. 1909, 19. 4. 1411 und 21. 9. 1415) malt G. an der Nordwand ("versus curias ducatus", Urkunde von 1925) ein Fresko mit einer Darstellung aus der Legende Alexanders III., den istrischen Seesieg der Venezianer über den Kaisersohn Otto (von Giov. Bellini 1474 erneuert und beim Brande des Dogenpalastes 1577 zerstört). Nach Sansovino soll G. ein Monatsgehalt bezogen haben und durch das Privileg der Patriziertracht geehrt worden sein. Ridolfi erwähnt (1648) zwei nicht mehr nachweisbare Altarbilder G.s in S. Giuliano u. S. Felice, Facio (1455/6) das Bild eines Sturmes, der so natürlich gemalt war, daß man erschreckte. M. A. Michiel sah (1532) im Hause des Antonio Pasqualigo von G.s Hand zwei Bildnisse, die einen Mann in Mantel u. Kapuze u. einen jungen "chierico" in Modetracht darstellten (das eine davon war in Fabriano erworben). Auch hebt er das blasse Kolorit hervor. - Da G. in den Ratsrechnungen des Jahres 1412 nicht mehr vorkommt, hatte er damals vermutlich die Stadt bereits verlassen. Wohin er sich gewandt hat, wissen wir nicht. Er ist dann zwischen 17. 4. 1414 und 18. 9. 1419 in Brescia nachweisbar, wo er für den Stadtherrn Pandolfo Malatesta in der Kapelle des alten Brolio berühmte Malereien ausführte (bei der Profanierung der Kapelle Anf. 19. Jahrh. zerstört). Auch ein Tafelbild, (las für den Papst (Martin V.) bestimmt war, wird erwähnt. Als dieser sich auf der Rückreise vom Konstanzer Konzil am Hof des Malatesta aufhielt, nahm er den G. in seine Dienste. Gentile bittet nämlich in einem Schreiben vorm 18. 9. 1419 an Malatesta um Geleit für sich und seine Begleiter, damit er sich zu seiner Heiligkeit begeben könne, der er versprochen habe, nach Abschluß der Arbeiten zu kommen. Seine Abreise habe er schon für die nächste Zeit festgesetzt. Er scheint dann Martin V., dessen Einzug in Rom sich verzögerte, nach Florenz gefolgt zu sein. Vorher aber scheint er vorübergehend in Fabriano gewesen zu sein, wie der Wortlaut zweier neu aufgefundener Urkunden vermuten läßt. Es handelt sich um zwei Gesuche an die Stadtbehörde von Fabriano (vom 23. 3. und 6. 4. 1420), in denen G., wohl in seiner Eigenschaft als päpstlicher Hofmaler, um Befreiung von allen Abgaben bittet. 21. 11. 1420: Eintragung in die Matrikel der Florentiner Arte der Medici und Speziali. G. hat seine Werkstatt zuerst im Stadtviertel von S. Trinità, später (1423) bei S. Maria degli Ughi, in einem Hause, in dessen Hofe er "einige Skulpturen und Gemälde von größtem Wert" ("certa scultilia et picturae maxime importantie") aufbewahrte. Das geht aus Prozeßakten hervor, in denen sein früherer -Lehrling und Gehilfe Jacopo di Piero aus Venedig als Angeklagter erscheint. (Von den meisten Forschern wird dieser mit Jacopo Bellini, von denn wir mit Bestimmtheit wissen, daB er G.s Schüler war, identifiziert. Doch hat sich neuerdings Colasanti dagegen erklärt.) - Wir finden G. für die vornehmsten Familien der Stadt beschäftigt; für Palla Strozzi malt er die für clic Familienkapelle in S. Trinità bestimmte Anbetung der Könige, die sich jetzt in der Florentiner Akad. befindet (1422: Restzahlung von 150 Gulden), für die Familie Quaratesi das berühmte Triptychon, das sich bis ca 1657 auf dem Hochaltar von S. Niccol7, Oltrarno befand und dessen einzelne feile jetzt in London und Florenz aufbewahrt werden. Im Sommer 1425 finden wir ihn in Siena, wo er vorübergehend ein Hans mietet und im Uffizio de' Banchetti, dein Amtslokal der Notarzunft, ein berühmtes, noch in Urkunden des 16. Jahrh. wiederholt vorkommende. Fresko, die sogen. "Madonna de' Notai". malte (Madonna mit 4 heiligen; darunter, in einem Rundbild, der Tote Christus zwischen 2 Engeln; zerstört). Im Herbst 1425 ist G. in Orvieto nachweisbar, wo er das noch vorhandene Madonnenfresko lin Seitenschiff des Doms ausführt (erste Zahlung 16. 10.). Zuletzt ist er (Ende Jan. bis Ende Juni 1427) in Rom als päpstlicher Hofmaler mit festem Gehalt angestellt. Er nialt berühmte Fresken in einem Seitenschiff von S. Giovanni in Latermo (Szenen aus dem Leben Johannes des Täufers, Evangelisten und Propheten, zwischen den Fenstern), die nach G.s Tode von Pisanello (1433) vollendet wurden. Von Vasari wegen ihrer Farbenfrische bewundert, von Panvinio (1570) und zuletzt 1630 als vorhanden erwähnt, fanden diese Malereien bald darauf beim Umbau des Laterans ihren Untergang. Facio erwähnt im Chor ebendort noch ein Tafelbild G.s, das Martin V. mit 10 Kardinälen darstellte (zerstört). G.s letztes Werk war nach Vasari ein Fresko mit der Madonna zwischen 2 Heiligen, das er in einer Lünette am Grabe des Kardinals Adimari (†1427) in S. Maria Nuova gemalt hatte. Es ist beim Umbau der Kirche (jetzt S. Francesca Romana) im 17. Jahrh. verschwunden, ebenso wie G.s Grab, das sich ebendort befand (er starb wahrscheinlich nach kurzer Krankheit im Hospital von S. Maria Nuova; ein Rest der Grabschrift in Abschrift erhalten: " ... † Magister. . . abriano pictor"). Die erhaltenen Werke: Berlin, Kaiser Friedrich-Mus.: Thronende Madonna mit Stifterfigur zwischen den Hl. Nikolaus von Bari und Katharina, bez. "Gentilis de Fabriano pinxit" (aus S. Niccolö in Fabriano). Fabriano, Samml. Fornari: Stigmatisation des hl. Franziskus (Zuschreibung); Dom, Kapelle rechts vom Chor: Hl. Magdalena und Täufer, Halbfiguren, Fresko (Zuschreibung von L. Venturi). Florenz, Akademie: Anbetung der Könige, dazu 2 Stücke der Predella (das dritte im Pariser Louvre, s. unten): Geburt Christi und Flucht nach Ägypten. Das Hauptbild bez. "Opus Gentilis de Fabriano 1423 Mensis Mai" (aus Capp. Strozzi in S. Trinitä); Uffizien: hl. Magdalena, Nikolaus von Bari, Johannes der Täufer und Georg (Flügel des Altarwerks aus S. Niccolö Oltrarno; das Hauptbild:) London, Buckingham Palace: Madonna mit Engeln (von Waagen 1835 in der Samml. Ottley gesehen, 1905 wieder aufgefunden; die verlorene Signatur lautete nach Richa, Not. delle Chiese fiorent. X [1762] 270: "Opus Gentilis de Fabriano 1425 Mense Maii"; Abb. des ganzen Altars in ursprünglicher Anordnung: Riv. d'arte III [1905] 174). Mailand, Brera: Krönung Mariä mit Gottvater und Engeln, dazu 4 Seitenstücke: Hl. Magdalena, Franziskus, Dominikus und Hieronymus, und 4 Stücke der Predella (das fünfte: Christus am Kreuz, verschollen): Tod des hl. Petrus Martyr, lesender Heiliger (nicht Thomas v. Aquino; nach Testi ein Franziskaner-Heiliger), Johannes der Täufer in der Wüste, Stigmatisation des hl. Franziskus; das Hauptbild mit gotischer Signatur: "Gentilis de Fabriano pinxit" (aus Valle Romita bei Fabriano); Mus. Poldi Pezzoli: Madonna (Zuschreibung von Cagnola; nach Colasanti veronesisch); Samml. Noseda: hl. Eremit, Halbfigur (Zuschreibung von A. Venturi). New Haven, Jarves Collection: Madonna, Halbfigur, restauriert, bez. "Gent... briano" (aus Florenz). Orvieto, Dom, 1. Seitenschiff: Madonna, Fresko (1425), im 17. Jahrh. übermalt und neuerdings restauriert (Gesamtabb. bei Fumi, Duomo di Orvieto). Paris, Louvre: Darstellung im Tempel (von der Predella der Florent. Anbetung der Könige); Samml. Heugel: Krönung Mariä (Fragment): Zuschreibung von Colasanti u. allgemein anerkannt. Perugia, Pinac. Vannucci: Madonna mit Engeln, sehr verdorben (aus S. Domenico ebenda u. schon von Vasari erwähnt). Pisa, Pinac. des Mus. civ.: Madonna (allgemein als echt anerkannt und vortrefflich erhalten). Rom, Pinac. Vatic.: 4 Stücke einer Predella mit der Legende des hl. Nikolaus von Bari (von vielen Forschern G. zugeschrieben und für die verlorene Predella des Altars aus S. Niccolö Oltrarno in Florenz, die nach Vasari dieselbe Darstellung enthielt, gehalten: Sirén "eigenhändig"; Colasanti "nur das Mittelstück: Wunder auf dem Meere, eigenhändig, die übrigen Stücke von Schülerhand"; Perkins "die Seitenstücke von einem Nachfolger G.s"; Ulmann, Schmarsow "Masaccio"). Settignanq, Samml. Berenson: Fragment einer Madonna auf Goldgrund (Zuschreibung). St. Petersburg, Eremitage: Madonna (Zuschreibung von A. Venturi; nach Colasanti von einem Nachfolger G..). Yelletri, S. Apollonia: sogen. Madonna della Vita, sehr verdorben und modern restauriert. 1622 aus S. Cosma e Damiano in Roni gestiftet (Zuschreibung von L. Venturi). Bei dem Versuch einer chronologischen Anordnung ergeben sich zwei bezeichnete Stücke, das Brerabild, das Quaratesi-Triptychon (1425), und das Fresko in Orvieto (1425) als feste Stützpunkte. Das offenbar früheste Bild der ganzen Reihe (nach Colasanti noch vor 1408 entstanden) ist die Mailänder Marienkrönung, der sich die Madonna in Perugia und das Berliner Bild anschließen. Die Stigmatisation des hl. Franziskus in Fabriano möchte man wegen der freieren und breiteren Behandlung schon etwas später ansetzen. Die Pisaner Madonna und das Fragment der Samml. Heugel zeigen technisch und malerisch einen solchen Fortschritt, daß man sie am besten in die letzte Zeit des Florentiner Aufenthalts, also in die nächste Nähe des Quaratesibildes (1425) setzt. Bei den Stücken der älteren Gruppe (Brera, Berlin, Perugia, Fabriano) ist die Auffassung noch ganz schlicht, streng und altertümlich. Die Personen erscheinen noch unproportioniert und ausdruckslos in den Gesichtern, die Modellierung ist flach, die Umrisse wirken silhouettenartig, die Gewänder umhüllen die Körper nur lose; sie bilden prachtvolle Falten von gotischem Linienrhythmus und setzen - ein durchgehendes Stilmerkmal - mit spitzen Ecken am Boden auf. Die Landschaft ist mit wenigen Motiven nur angedeutet, u. die Figuren haben kein Verhältnis zum Raum. Die Karnation des Brerabildes ist mit frei verteilten rötlichen u. grünlichen Lichtern behandelt. Die Engelfigürchen, die auf dem Berliner Bilde in roten Gewändern wie Vogelschwärme auf den Miniaturbäumen sitzen, in dem Brerabild auf dem Himmelsbogen stehen und auf dem Bilde in Perugia ntusizieren, entsprechen der Vorstellungsweise einer volkstümlichen Mystik. Das Thema der sitzenden, das Kind haltenden Madonna hat G. mit besonderer Vorliebe behandelt. In den einzelnen Darstellungen ist ein Fortschritt unverkennbar. Auf dem New Havener Bilde steht das Kind, ähnlich wie in Berlin, nackt auf dem Schoß der Mutter und erteilt mit ernstem Ausdruck den Segen; auf dem Pisaner Bilde liegt es lebhaft agierend auf ihrem Schoß; auf dem Quaratesibilde blickt es nachdenklich auf die anbetenden Engel herab, und auf dem Fresko in Orvieto umklammert es schelmisch lächelnd die Hand der Madonna. Waren auf dem New Havener Bilde Blumen der ganze Schmuck, so erscheinen jezt kostbare Stoffe, reichgestickte Gewandsäume, Kissen und gemusterte Vorhänge, in deren realistischer Wiedergabe der Maler seine ganze Kunst entfaltet. Das Quaratesibild schließlich ist ein Meisterwerk dekorativer Schönheit; bewundernswert die Feinheit der Charakteristik in den Heiligen der Flügel und die vollendete Stoffmalerei. Viel altertümlicher ist die Auffassung und die Technik in der großen Florentiner Anbetung der Könige, die mit Unrecht als G.s Hauptwerk angesehen wird. Das Bild macht den Eindruck, als ob die Kraft G.s nachgelassen hätte oder der gewaltigen Aufgabe nicht gewachsen gewesen wäre. Der klaren Gesamtwirkung schadet das primitive Streben nach Vollständigkeit, und die Hauptpersonen werden durch den glänzenden Zug der Könige mit ihrem bunten Gefolge von Rittern, Knappen, Pagen, Jägern, Astrologen, mit Pferden, Hunden, Affen, Jagdleoparden u. Falken erdrückt. Eine allgemeine Unruhe entsteht durch das richtungslose Durcheinander all der Figuren, die durch die vielen gewaltsamen Verkürzungen in den Köpfen und den Leibern der Pferde, Motive, die so auffallend an Pisanello erinnern, noch gesteigert wird. G. hat hier wie in der Verwendung des Zeitkostüms dem Zeitgeschmack Konzessionen gemacht. Einen ganz unwirklichen, symbolischen Eindruck macht auch die weiträumige Landschaft, die sich aus lauter Einzelmotiven zusammensetzt. Immerhin steckt in den genremäßigen Episoden der Hintergründe - ein Kastell auf einem Berge, ein Schiff an steiler Meeresküste, ein überfall von Bewaffneten - viel Naturbeobachtung, wenn auch manches davon schon auf sienesischen Darstellungen der Anbetung (Bartoli di Fredi's Bild in der Akad. von Siena) zu finden ist. Auf direktes Naturstudium scheinen die prachtvoll gemalten Blumen in den Rahmenfüllungen (ähnlich auf dem Bilde in New Haven) zurückzugehen. Die primitive Technik arbeitet mit viel Gold und plastisch - reliefartig aufgelegten Zutaten (verwandt das Fragment der Sammlung 1-Ieugel, das demnach in die Nähe der "Anbetung" gehört). Die Frage nach der Herkunft dieser naturalistisch-frommen Kunst ist schwierig zu beantworten. Wie sich G. zu seinen direkten umbrischen Vorgängern verhält, wissen wir nicht, da von der umbrischen Malerei aus der Zeit nach dem Tode des Allegretto Nuzi (†1373) und vor dem Auftreten der Brüder von San Severino und des Ottaviano Nelli, in die G.s Jugendzeit fällt, nichts erhalten ist. (An einen Einfluß des letzteren auf G. denkt Mason Perkins: das Gemeinsame u. das Trennende bei ihm und Lorenzo da S. Severino hat L. Venturi schön auseinandergesetzt.) A. Venturi hat G.s Stil aus einem "Nachleben der romagnolisch bolognesischen Tradition" ableiten wollen, ohne bisher Gründe dafür vorzubringen. Anklänge an sienesische Vorbilder, die sich bei G. mehrfach finden (s. o.), lassen sich zur Not aus einer Bekanntschaft mit Sienesen, die vereinzelt in den Marken tätig waren, erklären. Die franziskanische Ordensmystik Mittelitaliens war die Quelle der religiösmystischen Unterströmung seiner Kunst, der er seinen Typenvorrat entnahm. Besonders ist es der Typus der Himmelskönigin mit ihrem Hofstaat kanonisierter Männer und Frauen, den er aus Umbrien ins neue Jahrhundert und nach Oberitalien gebracht hat. Die Berührung mit dem lombardischveronesischen Kunstkreis gab seiner Kunst neue Impulse und Ausdrucksmittel u. führte die Wendung zum Realismus seiner späteren Zeit herbei Zugleich erweiterte der Einblick in die ritterlich-höfische Welt der lombardischen Kulturzentren und wohl auch der Anblick von französisch-niederländischen Miniaturen und Teppichmalereien seinen Horizont, Aber deshalb ist er noch kein "Träger des nordischen Realismus in Italien" (Händcke). Den Einfluß Pisanello's auf G. hat man früher überschätzt, denn da jener seine Tätigkeit erst um 1422 beginnt, kommt er als Mitarbeiter G.s weder für Venedig noch anderswo in Frage. Auch eine Abhängigkeit von Altichiero (Schubring) besteht nicht, denn während die Veronesen eine große Vorliebe für Architekturdarstellung haben, erscheint diese bei G. fast ganz vernachlässigt zugunsten der offenen Landschaft (die einzige Ausnahme, die Darstellung im Tempel, in Paris ist als Versuch unglücklich genug ausgefallen). Auch die noch ganz von byzantinischer Tradition abhängige venezianische Malerei konnte für G. kaum von Einfluß sein. Toskana hat seiner Kunst keine Anregungen mehr geboten; scheint doch der spätere Freskostil (Madonna in Orvieto) vielmehr eine Reminiszenz an umbrisch-sienesische Jugendeindrücke zu sein. - G.s Kunst hat auf die Zeitgenossen einen tiefen Eindruck gemacht, wie die spärlichen Berichte (Facio) erkennen lassen, aber die Erinnerung an ihn verblaßte bald, und die Legende tat das übrige. Nirgends hat sein Einfluß die Mitte des 15. Jahrh. überdauert. Am wenigsten von Dauer war seine Wirkung in den Marken, wo sie schließlich von dem Einfluß der Crivelli verdrängt wurde. Dagegen hat er in Siena (Giovanni di Paolo), Umbrien bis tief in die Abruzzen (Nicola di Guardiagrele, Jacopo da Campli) noch einige Zeit nachgewirkt. Am nachhaltigsten war G.s Einfluß in Venedig, wo die bedeutenden Maler der ersten Hälfte des 15. Jahrh. alle mehr oder weniger von ihm abhängig sind. Das gilt von Jacobello del Fiore, Giovanni d'Alemagna und Antonio Vivarini, besonders aber von Jacopo Bellini. Er hat sich mit Stolz in der Inschrift eines zerstörten Freskos im Dom von Verona (1436) G.s Schüler genannt und ein Porträt seines Lehrers hinterlassen, das einst sich im Hause des Pietro Bembo in Padua befand und jetzt verschollen ist. Auch hat er noch in einem Spätwerk, der Madonna von Lovere (1456), G.s Typus des stehenden, segnenden Kindes (Bild in New Haven) wiederholt. Nach Testi war die lebendige Wirkung von G.s Kunst sogar eine der Ursachen für den Aufschwung der venezianischen Malerei. - Über die Bedeutung seines Einflusses in der florentinischen Malerei gehen die Meinungen auseinander. Colasanti hält z. B. die Anbetung der Könige in der Florentiner Akademie geradezu für epochemachend und leitet alle späteren Darstellungen der Szene, bis auf Botticelli und Ghirlandaio, von diesem Bilde ab. Kehrer dagegen erwähnt (in seinem Buche: Die Anbetung der hl. Drei Könige usw., 1908) dasselbe nur ganz flüchtig und setzt daher das Eindringen der landschaftlichen Motive in die Darstellung, wenigstens für Florenz, viel zu spät - um 1470 - an. Auch läßt sich aus dem von ihm beschriebenen "französischen Schauspiel - Typus" (Kehrer) die Ikonographie des Bildes keineswegs restlos erklären (zunächst wäre die Abhängigkeit von italienischen Vorbildern festzustellen). Poggi glaubte bei Masaccio (in der Brancaccikapelle) eine Spur von G.s Einfluß wahrzunehmen, den aber Colasanti nur auf Äußerlichkeiten beschränkt wissen will. Auch Masolino bedarf in dieser Hinsicht noch einer Untersuchung, die vielleicht auch über G.s Beziehungen zu Pisa - nellc einigen Aufschluß geben dürfte. Deutlicher zu erkennen ist dagegen die Nachwirkung jenes von G. geschaffenen Madonnentypus in der Florentiner Malerei der Folgezeit. Bicci di Lorenzo hat (1433) die Madonna des Quaratesibildes in einem Bilde der Galerie von Parma kopiert; derselbe Typus erscheint auch bei Lorenzo Monaco und Fra Angelico, der ihn aus tiefem mystischen Erleben zum Schönheitsideal der florentinischen Frührenaissance gestaltet. G.s Rolle war freilich inzwischen längst ausgespielt und sein Name schon wenige Dezennien nach seinem Tode vergessen. Er kommt und verschwindet wie ein Meteor - eine glänzende und isolierte Erscheinung in der italienischen Kunst seiner Zeit. Vasari, Le Vite etc. I. Gentile da Fabriano e il Pisanello. Ed. critica con Note. Documenti. . a cura di A. Venturi, Florenz 1896 (vollst. Abdruck der Quellen, Faksimiles, Einleitung, Lichtdrucktafeln). - A. Colasanti, G. d. F., Bcrgamo 1909 (Hauptwerk, behandelt auch ausführlich G.s Vorgänger u. Nachfolger: vollst. Abb.-Material). - Von der älteren Lit. noch brauchbar: Amico Ricci, Elogio di G. d. F. Pittore, Macerata 1829 (deutsch von K ugler: Museum V); abgedr. in Operette di Belle Arti, Bologna 1831, und: Mein. stor. etc. della Marca di Ancona, 1834 I. - Crowe-Cavalcaselle, Gesch. der ital. Malerei, III; dazu die engl. Ausgabe von Douglas IIIu. die Vasari Ausg. von Gronau V. - Neuere Lit. Allgemeines: A. Venturi, Storia dell' arte it. VII/1 (1911), s. Reg. - L. Venturi, Le Origini della Pittura venez., 1907. - L. Testi, Storia della pittura venez., I (1909); II (1915), s. Reg. - B. Berenson, The Central Ital. Painters of the Ren., 1909 p. 84/6, 174/5. - M. Grunewald, Das Kolorit in der venez. Malerei, 1912 p. 57. - Jahrh. der preuui. Kunstsamml. VI (1885) 15 (Bode), 21 (T sch udi); IX (1888) 14 (V entur i); XVI (1895) 63/4, 71/3 (ders.). - Einzelne Bilder u. 7mschrefhungeu : L'Arte IX (1906) 332/4 (0. Sire n); XI (1908) 495 (A. Venturi); XIII (1910) 377 (ders.); XVIII (1915) 14/6, 232 (L. Vent ur i). - Boll. d'arte, I (1907) fase. XI p. 19 (C o 1 a sautt i); VII (1913) 73ff. (ders.); III (1908) 38 (G. de Nicola). - Rass. d'arte IV (1904) 42 (G. Cagnola); IX (1909) 17/8 (G. Bernardini). - Rivista d'arte, I (1907) 85/8 (G. Poggi). - Burlingt. Mag. VI (1905) 470/6 (Custu. Horne). - Cust, Notes an picturcs in the Roy. Collett., 1911 p. 17ff. - Kstchron. N. F. XVIII (1904) 448 (Gronau). - d' Achiardi, Nuova Pinac. Vatic. (Collez. archeol. etc. dei Palazzi Apostolici), Rom 1914. - Arte Cristiana, 1, Mailand 1913 p. 156/8.